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Leben des Galilei: Schauspiel (Suhrkamp BasisBibliothek)
Leben des Galilei: Schauspiel (Suhrkamp BasisBibliothek)
von Bertolt Brecht
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,50

5.0 von 5 Sternen Warum sich die Sonne um die Erde dreht, 9. April 2009
Wenn man Bertolt Brechts "Leben des Galilei" liest oder im Theater sieht, dann ist dies auch und vor allem eine Geschichte über die Entstehung des Werkes in einer sich dramatisch verändernden Welt: So begann Brecht das Werk im dänischen Exil, zu einer Zeit als die Nazis in Deutschland an der Macht waren, aber noch kein Zweiter Weltkrieg herrschte. Die Uraufführung erfolgte 1943 zu einem Zeitpunkt, als der Zweite Weltkrieg in seine schlimmste Phase eintrat, deutsche Truppen fast überall in Europa standen und der Holocaust tobte. Brecht überarbeitete "Galilei" im amerikanischen Exil - jetzt hatte Nazi-Deutschland den Krieg verloren und die Amerikaner auf Japan zwei Atombomben abgeworfen, die Frage nach der Verantwortlichkeit des Wissenschaftlers definierte sich völlig neu. Schließlich musste / wollte Brecht Amerika verlassen, siedelte in die DDR über und wurde dort zum gefeierten Staatsschriftsteller. Vor diesem Hintergrund erklären sich die zentralen Fragestellungen des Stückes: Freiheit der wissenschaftlichen Forschung, Verantwortung des Wissenschaftlers, Vorherrschaft von Ideologien, Umgang mit Abweichlern / Ketzern. Aus dieser Suppe rührt Brecht eine spannende Bühnengeschichte, die seinem Anspruch des "epischen Theaters" nicht immer gerecht wird: so hat er einen positiven Helden, der zwar gebrochen durch gegenläufige Handlungen und Personen wird, aber doch recht zum Identifizieren taugt.
Galilei behauptet nichts Neues - die Erschütterung des heliozentrischen Weltbildes, das die katholische Kirche vertritt, hatte bereits Kopernikus vorgenommen. Aber Galilei beweist dieses kopernikanische System durch schlichtes Beobachten des Sternenhimmels mit einem Fernrohr. Und hier finden wir auch die stärksten Stellen des Stückes, wenn sich die Kirchenvertreter weigern, durch das Fernrohr zu schauen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Dementsprechend wird die Wahrheit, die Galilei sieht und vertritt, zur Ketzerei erklärt. Ebenso interessant die Entscheidung Galileis nicht zu seiner Meinung und zu seinem Wissen zu stehen, sondern vorgeblich zu widerrufen. Laut Brecht ("Maßnahmen gegen die Gewalt") ist dies eine besonders kluge, dialektische Leistung, weil die Gewalt (Inquisition) so besiegt und die Wahrheit trotzdem weiter vertreten werden kann.
So bleibt Brechts "Leben des Galilei" vor allem ein Ideenstück, das aber durch die Figurenkonstellation (Adel, Kirchenvertreter einerseits, gegen das Bürgertum und die einfachen Leute andererseits), durch die Kontroversen dieser Figuren, wenn sie aufeinanderprallen, auch unterhaltsame, vergnügliche und spannende Szenen bietet.
Die vorliegende Ausgabe ist vor allem deshalb zu empfehlen, weil sie im Anhang ausführlich die Entstehungsgeschichte, die Geschichte der verschiedenen Inszenierungen, ausgewählte Interpretationen und vor allem einen Wort- und Sacherklärungsapparat bietet.


Das Wochenende
Das Wochenende
von Bernhard Schlink
  Gebundene Ausgabe

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Terrorist mit Prostata-Problemen, 18. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Das Wochenende (Gebundene Ausgabe)
"Wir sagen natürlich, die Bullen sind Schweine, wir sagen der Typ in Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch, überhaupt mit diesen Leuten zu reden, und natürlich kann geschossen werden." (Ulrike Meinhof).
Die Geschichte der RAF ist auch ein großes Stück der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Ende der 60er bis Anfang der 80er Jahre.
Es gab die Linksterroristen der RAF und es gab innerhalb der Gesellschaft Sympathisanten und eine heftige öffentliche Gegnerschaft gegen den Terrorismus in jeder Form.
Schleyer-Entführung, Mogadischu, Stammheim und Bader-Meinhof sind Stichworte jener Zeit.
Die meisten Terroristen wurden gefasst und verschwanden für lange Jahre im Gefängnis (oder vorher in die DDR, aber das ist eigenes Thema).
Inzwischen sind einige Jahre, ja Jahrzehnte ins Land gegangen - einige der RAF-Leute haben ihre Strafen abgesessen oder wurden begnadigt.
Und genau hier setzt Bernhard Schlinks Roman "Das Wochenende" an: ein Terrorist (und vierfacher Mörder) wird begnadigt und aus der Haft entlassen - seine Schwester nimmt ihn in Empfang, bringt ihn zu sich nach Hause und hat dort ehemalige Freunde ihres Bruders eingeladen, die mit ihm sein erstes Wochenende in Freiheit "feiern" und ihm die Resozialisierung erleichtern sollen.
Damit ist die erzählte Zeit auch umrissen: es sind die drei Tage des Wochenendes plus diverser Rückschauen. Die Personenkonstellation dieser drei Tage bleibt die gleiche (bis auf einen Überraschungsgast), sodass der Roman seine Spannung aus den Beziehungen und Konflikten der Personen miteinander bezieht. Konfliktpotential birgt vor allem das Verhältnis zum Terrorismus heute, aber auch persönliche Konflikte, die unterschwellig über die ganze Zeit existierten.
Im Prinzip liefert Schlink damit einen Abgesang auf die 68er-Generation: Prostata-Probleme, Rückenschmerzen, Fettleibigkeit und sexuelle Störungen - nur geraucht und gesoffen wird noch wie früher. Vor diesem Hintergrund hat das Romangeschehen fast karikierend groteske Züge, wäre da nicht der Protagonist, der als alter sturer Knacki in langen Jahren im Gefängnis immer noch kein richtiges Verhältnis zu sich und seinen Morden gefunden hat.
Warum ist das Buch zu empfehlen: Schlinks Sprache überzeugt in ihrer nüchternen Poesie und die Handlung wendet sich einem bundesdeutschen Gegenwartsthema zu. Von dieser Sorte Prosa gibt es in der deutschen Gegenwartsliteratur leider nur sehr wenig.
Warum ist das Buch nicht zu empfehlen: ein larmoyantes, wenig spannendes Kammerspiel - ein Abgesang auf die "Helden" der 60er/70e als prä-seniles Panoptikum. Eine Satire wäre hier besser gewesen!


Vollidiot: Der Roman
Vollidiot: Der Roman
von Tommy Jaud
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

4.0 von 5 Sternen Depp, 1. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Vollidiot: Der Roman (Taschenbuch)
Handlung - gibt es eine? Vielleicht habe ich aber auch schon wieder vergessen, um was es in diesem Buch geht. Ein Roman ist hier nicht entstanden, sondern eine Ansammlung von situationskomischen Gags, die - und das muss man sagen - meistens großen Unterhaltungswert haben.
Damit begibt sich Jaud in die Reihe der komischen Romane von Männern für Männer (Regener, Herr Lehmann oder noch viel früher Eckhard Henscheid, Trilogie des laufenden Schwachsinns) - wobei vor allem Henscheid mit seiner Trilogie (Band zwei heißt bezeichnenderweise "Die Vollidioten" - aha!) m.E. das wahre Vorbild für Jauds Buch ist.
Wer anspruchslos lustige Unterhaltung sucht, ist hier richtig.
Allerdings bleibt hinterher das MacDonalds-Feeling: hat ganz nett geschmeckt, aber habe ich eigentlich schon was gegessen?


Das römische Weltwunder: Erzählte Geschichte
Das römische Weltwunder: Erzählte Geschichte
von Hans D. Stöver
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gladiator, 1. Juni 2008
Hans Dieter Stöver schreibt sehr sachkundige Romane über die Zeit des antiken Roms und verpackt dabei seinen Geschichtsunterricht in eine spannende, vor allem junge Leser ansprechende Handlung.
Im vorliegenden Werk beschreibt er die Errichtung des Colosseums im Übergang der Kaiser Vespasian und Titus - die Handlung spielt also 79/80 n. Chr. in Rom.
Damit nun die Geschichte unterhaltsam wird, schildert er den Bau der großartigen Arena aus der Sicht des kaiserlichen Bauleiters Tarquinius. Zusätzlich garniert wird die Handlung dadurch, dass Tarquinius Tochter Antonia in den Gladiator Verus verliebt ist, der einen der Auftaktkämpfe am Eröffnungstag des Colosseums bestreiten soll und zwar gegen seinen Freund Priscus.
Dieser Kampf wiederum ist historisch bezeugt - so hat doch Martial ein Gedicht über diesen legendären Kampf verfasst, den Stöver hier geschickt in die Handlung verwebt.
So liest man ein unterhaltsames, historisch immer genau recherchiertes Buch - Geschichte sehr anschaulich!!!


Der blaue Hammer. SZ Krimibibliothek Band 22
Der blaue Hammer. SZ Krimibibliothek Band 22
von Ross Macdonald
  Gebundene Ausgabe

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kain und Abel, 30. April 2008
Ross MacDonalds "Private Eye" nennt sich Lew Archer und vervollkommnet die Reihe Sam Spade - Philip Marlowe. Hammett und Chandler waren gut - die Stories von MacDonald sind besser. Als Typen mögen Spade und Marlowe die originelleren literarischen Figuren sein - Archer ist derjenige, der die anderen agierenden Personen besser zur Geltung kommen lässt. Zudem mischt Macdonald seinen durchdachten Plot, seine genau skizzierten Charaktere mit oft beeindruckenden Beschreibungen von Stimmungen und Tageszeiten.
Zur Geschichte sei hier nur ganz wenig verraten, da ein Kriminalroman, dessen Inhalt genau beschrieben wird, m.E. nicht mehr gelesen werden muss.
Lew Archer bekommt den Auftrag ein verschwundenes Bild wieder zu beschaffen, das ein - ebenfalls verschwundener - Maler geschaffen hat. Dabei verstrickt sich Archer immer mehr in 25 Jahre zurück liegende Ereignisse, die aber bis in die Gegenwart reichen. Um diese komplizierte Geschichte zu entwickeln, knüpft MacDonald verschiedene Handlungsfäden, die sich aber am Ende - und das zeichnet nur die besten Krimis aus - zu einem sinnvollen Ganzen fügen und in einem aufregenden Finale enden.
Mit dem "blauen Hammer" hat MacDonald einerseits seinen letzten Lew Archer-Roman vorgelegt und andererseits vielleicht auch den besten!
Kleiner Nachtrag zum Titel (für alle, die darüber rätseln):
Lew Archer hat eine Frau kennen gelernt, sie übernachtet bei ihm und er betrachtet sie morgens, während sie noch schläft:
"Nach einer Weile konnte ich den regelmäßigen blauen Puls an ihrer Schläfe erkennen, das Schlagen des lautlosen Hammers, der anzeigte, daß sie lebte. Ich hoffte, der blaue Hammer würde niemals aufhören zu schlagen."


Imperium: Roman
Imperium: Roman
von Robert Harris
  Gebundene Ausgabe

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom homo novus zum Konsul, 21. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Imperium: Roman (Gebundene Ausgabe)
Warum sollte man Robert Harris Buch "Imperium" lesen?
1. Eine der spannendsten Zeitspannen des Imperiums zwischen ca. 80 und 60 v.Chr. wird beschrieben.
2. Die Darstellung der historischen Hintergründe und Fakten erfolgt richtig, sodass hier ein lehrreiches Werk über die römische Antike vorliegt.
3. Die Charaktere werden sehr modern dargestellt, erhalten aber (vor allem Cicero) eine sehr plastische Gestalt dadurch, dass Harris den Kunstgriff verwendet und die Ereignisse aus der Sicht des Sklaven und persönlichen Sekretärs Ciceros Tiro schildert.
4. Wie man es von Harris kennt, kommt auch die Spannung nicht zu kurz, im Gegenteil, es gibt Passagen im Buch, die Thriller-Qualitäten aufweisen (Prozess gegen Verres).
5. Cicero war ein berühmter Redner - im Buch lernt man viel über Rhetorik.

Was ist an "Imperium" zu kritisieren?
Harris beschreibt den Teil des cursus honorum, der Cicero von seiner Zeit als Ädil in Sizilien bis zum Konsulat führt - nach der furiosen Darstellung des Prozesses gegen Verres verliert die Handlung an Schwung - aber trotz dieses Makels gibt es die höchst mögliche Punktzahl.


Caesar. Eine Biographie. FOCUS Edition Band 11
Caesar. Eine Biographie. FOCUS Edition Band 11
von Michael Grant
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Veni, vidi, vici, 11. Dezember 2007
Michael Grants Biographie über Caesar ist sehr zu empfehlen. Sie stammt aus dem Jahre 1970, hat also schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Trotzdem gibt es meines Wissens im Augenblick kein Werk, das kompakter und schneller einen Zugriff auf Caesars Persönlichkeit und seinen beeindruckenden Lebenslauf bietet. Grant wertet dazu das verfügbare Quellenmaterial aus und geht von diesem relativ sicheren Faktenboden nur selten ins Reich der Spekulation - und wenn, dann meist gut begründet.
So rücken Caesars frühe Jahre notgedrungen aus dem Fokus, während das Buch eigentlich mit dem Triumvirat erst richtig beginnt - umso interessanter und lebendiger werden die folgenden Jahre dargestellt.
Vor allem die Darstellung des gallischen Krieges ist die Perle des Buches.
Der folgende Bürgerkrieg wird leider relativ ungegliedert beschrieben - hier verliert sich Grant ein wenig in den Fakten und militärischen Abenteuern.
Trotzdem liegt hier eine uneingeschränkt zu empfehlende Biographie Caesars vor, zumal wenn es sich um eine preislich so günstige Ausgabe handelt.


Bismarck. Eine Biographie. FOCUS Edition Band 3
Bismarck. Eine Biographie. FOCUS Edition Band 3
von Rainer F. Schmidt
  Gebundene Ausgabe

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Außenpolitik, 7. November 2007
Rainer F. Schmidt ist Professor für Geschichte an der Universität Würzburg. Betrachtet man sich seine Veröffentlichungen und auch sein Vorlesungsangebot, so kann man zwei Schwerpunkte seiner Arbeit feststellen: Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und Nationalsozialismus. Im Rahmen des ersten Schwerpunktes ist wohl auch die Arbeit über Bismarck entstanden, die hier im Rahmen der Focus-Edition als preiswerte Ausgabe vorliegt.
Die Biographie trägt den Untertitel "Realpolitik und Revolution" und beleuchtet tatsächlich das ganze Leben Bismarcks.
Es war dies ein langes,meist, aber nicht immer erfolgreiches politisches Leben.
So werden von Schmidt die politschen Anfänge und die nach wildem Studentendasein pietistische und preußisch-konservativen Orientierungen Bismarcks sehr gut lesbar und transparent herausgearbeitet.
Auch und vor allem die Zeit als preußischer Gesandter beim Deutschen Bund in Frankfurt und als Ministerpräsident von Preußen werden gut herausgearbeitet.
Weniger zu loben ist hingegen die Beschreibung der Reichsgründung und vor allem die Darstellung der innenpolitischen Ereignisse zu Anfang des Kaiserreiches. Der Focus Schmidts liegt hier fast ausschließlich auf der Außenpolitik - die Darstellung wird dabei teilweise so professoral detailverliebt, dass man vergeblich den roten Faden außerhalb der Ereignisgeschichte sucht. Eine stärker deduzierende Darstellung wäre hier sowohl im wissenschaftlichen als auch im populären Sinne zu wünschen.
Irgendwann werden "Kulturkampf" und "Sozialistengesetz" nachgeschoben, ohne dass eine systematische Einbettung erfolgt. Ausgesprochen gut gelingt Schmidt hingegen wieder die Darstellung der letzten Regierungs- und Lebensjahre Bismarcks - vor allem die Person wird hier transparent gemacht. Auch der "Mythos Bismarck", der in dessen hohen Alter entstand wird beleuchtet.
Alles in allem lässt diese Biographie einen zwiespältigen Eindruck zurück: Anekdotenhaft und unterhaltsam in bezug auf Bismarcks persönliche Vita, stark und kenntnisreich in der Darstellung der außenpolitischen Verstrickungen, eher mäßig in der Beschreibung des Kaiserreiches.


Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück
Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück
von François Lelord
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glück kommt oft überraschend, 30. Oktober 2007
Ein geschenktes Buch liegt häufig ein wenig länger auf dem Bücherstapel, bis man beginnt es zu lesen. Allerdings lernt man dann bereits die erste Lektion: "Glück kommt oft überraschend".
Francois Lelords "Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück" ist ein Buch, bei dem sich ein solches Glücksgefühl relativ rasch einstellt, allerdings nur dann, wenn man sich auf den kindlich-naiven Erzählstil des Autors bereit ist einzulassen.

Lelord ist von Hause aus Psychiater und schon aus professionellen Gründen mit dem Thema "Glück" beschäftigt - philosophische Abhandlungen zum Thema gibt es auch reichlich.

Also erfindet Lelord Hector, ein Psychiater wie er, und lässt ihn auf eine Weltreise gehen, bei der er zahlreiche Abenteuer erlebt und die unterschiedlichsten Menschen kennen lernt. Jedem stellt er die verblüffend einfache Frage, was für die jeweilige Person Glück bedeute und fängt dabei an, mit den jeweiligen Antworten und Erfahrungen eine Glück-Checkliste zusammenzustellen. Am Ende des Buches ist er bei über 20 Punkten angelangt - jeder mag sich das für ihn passende heraussuchen. Mir haben einige Punkte sehr gefallen, z.B. "Glück, das ist eine gute Wanderung inmitten schöner unbekannter Berge" oder "Sonne und Meer sind ein Glück für alle Menschen" oder "Viele Leute sehen ihr Glück nur in der Zukunft" oder "Es ist ein Irrtum zu glauben, Glück wäre das Ziel."

Zu diesen einfachen oder geistreichen Schlüssen kommt Hector übrigens, indem Lelord seine Abenteuer in einfach-kindlicher Sprache erzählt - "Der kleine Prinz" lässt grüßen.

Trotzdem entsteht auf diese Weise ein unterhaltsames Werk, das einerseits eine interessante, fast spannende Handlung hat und andererseits ein praktischer Glücks-Ratgeber ist.

Im Nachwort beantwortet Lelord die Frage, ob er und Hector ein- und dieselbe Person seien:
"Da ist etwas Wahres dran, aber mir wird immer klarer: die Person, der Hector wirklich ähnelt, ist mein Vater."

Viel Spaß beim Lesen und viel Glück bei was auch immer!!!


Der Schatten des Windes. Roman
Der Schatten des Windes. Roman
von Carlos Ruiz Zafón
  Taschenbuch

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Friedhof der vergessenen Bücher, 8. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Schatten des Windes. Roman (Taschenbuch)
"Sie werden alles liegenlassen und die Nacht durch lesen." Zugegeben, wenn ein ehemaliger deutscher Außenminister, den ich sehr schätze, ein Buch auf diese Art bewirbt, dann macht dies neugierig.
Joschka Fischer hat Recht - ich habe die Nacht durchgelesen.
Daniel Sempere ist 10 Jahre alt und lebt allein mit seinem Vater in Barcelona. Das Buch beginnt in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts, also in der Franco-Ära.
Daniel besucht zusammen mit seinem Vater den "Friedhof der vergessenen Bücher". In diesem geheimen Refugium sind unzählige Bücher archiviert. Jeder, der dorthin kommt, darf sich ein Buch aussuchen und wird damit dessen Pate. Daniel wählt den "Schatten des Windes" von einem geheimnisvollen Autor namens Julian Carax.
Ab jetzt beginnt ein spannendes und verwirrendes Spiel im Laufe der Jahre, der handelnden Personen und der Verstrickungen.
Daniels Leben der folgenden ca. 10 Jahre wird beschrieben - er bleibt auf der Suche nach Julian Carax. Alle Personen, denen er begegnet, scheinen mit diesem zu tun zu haben und so verwischen die Grenzen zwischen Roman und Daniels Leben immer mehr.
Bevor man anfängt, den "Schatten des Windes" zu deuten, bleibt festzuhalten, dass es sich um beste und auch sprachlich anspruchsvollste Unterhaltung handelt.
Als Deutung bietet sich vielleicht ein Zitat Daniels an: " [...] eine Geschichte von einsamen Menschen, von Abwesenheiten und Verlust".
Zudem wird die Grausamkeit der Diktatur eindrucksvoll beschrieben - sowohl von Täter- (Fumero) als auch von Opferseite (Fermin) - wahrscheinlich ist dies an diesem spannenden, bild- und sprachmächtigen Buch sogar die beeindruckendste Seite.


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