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Rezensionen verfasst von
Lee Terra-Tour (Regensburg)

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Honig
Honig
von Ian McEwan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessanter Agententhriller aus weiblicher Perspektive, 8. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Honig (Gebundene Ausgabe)
Eine attraktive, insgesamt etwas unbedarfte Bischofstochter aus England verliebt sich einen alternden, verheirateten Professor, der gleichzeitig Agent ist. Nachdem die Affäre vorüber ist, gelangt die Protagonistin Serena ebenfalls zum MI6 und wird dort mit der Aufgabe betraut, für eine Tarnorganisation einen Schriftsteller zu gewinnen, um auf diese Weise im Kampf der Ideen des Kalten Krieges Einfluss auf die Öffentlichkeit zu haben. Serena verliebt sich zunächst in einen Kollegen, dann in den Schriftsteller und dessen Geschichten, sie genießt die Beziehung mit allen Sinnen, wobei sie immer mehr in einen Gewissenskonflikt gerät: Eigentlich müsste sie ihrem Geliebten ihre wahre Identität verraten, allerdings würde das sowohl die Beziehung als auch ihren Job beenden. Als der junge Autor unerwartet einen renommierten Preis gewinnt, kommt es zur finalen Zuspitzung.

Ein wirklich spannendes Buch, eine Mischung aus Agententhriller, Liebes-Story und historischem Roman über die Zustände im Großbritannien der 70er Jahre. Serena, die Hauptfigur, erscheint zunächst etwas wenig markant gezeichnet, in zunehmenden Verlauf der Handlung wird ihr Charakter etwas plastischer. Im Gegensatz zu ihrem Geliebten, dem Schriftsteller Tom, der Züge des jungen McEwan hat, mag sie wirklich etwas konstruiert und leblos erscheinen, aber das hat einen Grund, den man am Ende des Romans erfährt. Der Roman liest sich sehr flüssig, McEwan versteht es geschickt, Spannung aufzubauen und auf spätere Lösungen zu verweisen, die einzelnen Handlungsfäden beziehen sich gekonnt aufeinander, und am Ende wartet eine schöne Überraschung, die man zum Teil schon vermutet hat und die insgesamt, so kunstvoll sie auch ist, bei näherem Hinsehen doch etwas konstruiert wirkt. Aber das tut der Lesefreude keinen Abbruch.


Das München-Komplott: Denglers fünfter Fall
Das München-Komplott: Denglers fünfter Fall
von Wolfgang Schorlau
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen sehr spannend, 8. Mai 2013
In kurzen Kapiteln wird erzählt, wie der Privatermittler Georg Dengler im Auftrag des BKA den Ungereimtheiten des Oktoberfestattentats von 1980 nachgeht, das als das schlimmste Attentat der Bundesrepublik gilt, obwohl es weit weniger im allgemeinen Gedächtnis verankert ist als z.B. die RAF-Anschläge. Offiziell soll ein verwirrter, rechtsradikaler Einzeltäter für die schrecklichen Szenen verantwortlich sein, die gleich am Anfang sehr drastisch dargestellt werden. Allmählich kommt Dengler aber darauf, dass mehr hinter dem Attentat steckt, als der Öffentlichkeit damals bekannt gegeben wurde - bis hin zum Verfassungsschutz und zu einer geheimen NATO-Organisation scheinen sich die Ausläufer dieses Falles fortzusetzen.

Sehr spannend geschrieben ist der Krimi, eine Erkenntnis folgt auf den nächsten Zusammenhang, wobei sich die Dinge immer mehr verschlingen und viele Überraschungen auf den Leser warten. Manchmal streift die Handlung ein wenig die Verschwörungsgeschichten-Ebene, aber demgegenüber wird vieles dokumentarisch belegt und erhält dadurch erstaunliche Authentizität, so dass man sich fragen muss, ob hinter der Welt, so wie wir sie kennen, nicht doch eine andere, wirkliche steckt, in der man uns an der Nase herumführt.
Sprachlich ist der Krimi solide gemacht, aber nichts Spektakuläres. Man kann schnell lesen, und das will man auch, um die Einzelheiten alle herauszufinden. Gelegentlich begegnet man kleinen Klischees oder Stellen, die nicht besonders außergewöhnlich oder vorhersehbar sind, und der Show-Down am Ende ist schon ein wenig konstruiert, aber das alles mindert nicht die tolle Verkettung der Handlungsstränge, die bis hin zur Stasi reichen.
Auch die Einbindung von Denglers Freunden in die Krimihandlung und der Umgang mit dem Thema Beschattung und Doppelidentität ist gut gemacht. Wer also in einer spannenden Geschichte versinken, überrascht werden und noch dazu ein paar historische Hintergründe kennenlernen will, ist hier sehr gut aufgehoben.


Ein Hologramm für den König: Roman
Ein Hologramm für den König: Roman
von Dave Eggers
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen leider nur durchschnittlich, 7. April 2013
Nach einer tollen Rezension in der Literaturbeilage der Zeit habe ich mir sofort dieses Buch zugelegt, von dem gesagt wurde, es sei sehr schade, dass die deutschen Schriftsteller so etwas Tolles nicht zusammenbrächten, weil sie immer in ihrem Familienpsychologiekleinklein verharren würden.

Kurz zum Inhalt: Es geht um einen leicht abgehalfterten und desillusionierten Manager namens Alan, der schon mehrere Mal beruflich und familiär gescheitert ist. Jetzt hat er noch eine große Chance in seinem Leben, er soll dem König von Saudi Arabien in dessen moderner Retortenstadt eine Computertechnologie vorführen, die nur die amerikanische Firma beherrscht, der König soll nämlich für sein Bauprojekt die Amerikanier mit der IT-Ausstattung beauftragen. Leider aber kommt der König nicht, nicht einmal der Ansprechpartner lässt sich blicken, und so muss Alan mit seinem Team die Tage in einem großen Zelt zubringen, wo die Klimaanlage ausfällt und die Übertragungstechnik nicht funktioniert. Nach zwei verhinderten Liebschaften, mehreren Einmann-Besäufnissen auf dem Hotelzimmer, einer Operation im Nacken und einem grotesken Ausflug ins Innere Arabiens muss der Held, wie man es bereits erwarten musste, letztendlich natürlich scheitern, an sich und an den Umständen.

Garniert wird das Ganze durch permanente Rückblenden, die die verkorkste Familiensituation Alans zum Gegenstand haben sowie seine geschäftlichen Niederlagen.

Sprachlich ist das Buch nichts Besonderes, es lässt sich zwar flüssig lesen, aber manchmal stören die Amerikanismen, und hier und da kommen auch Stellen vor, die knapper besser wären. Gut ist vor allem der junge Saudi, mit dem sich Alan anfreundet und dem er recht spaßige Witze erzählt. Schlecht finde ich die relative Vorhersehbarkeit der Handlung sowie die zwanghaften Rückblenden auch in Situationen, zu denen sie eigentlich gar nicht recht passen. Auch die Klischees wie "komm her, Schnaps, mein Freund" haben mich hier und da ein wenig geärgert, insgesamt erscheint die Hauptfigur doch etwas schablonenhaft, und man muss sich schon fragen, wie die Zeit-Literaturbeilage auf diese Lobeshymne gekommen ist. Sicher, die Handlung ist nicht unspannend, und man erfährt auch ein bisschen etwas über Globalisierung und über die Doppelmoral der saudi-arabischen Gesellschaft, aber letztendlich kommt das alles doch recht dünn daher.


Der Hals der Giraffe: Bildungsroman (suhrkamp taschenbuch)
Der Hals der Giraffe: Bildungsroman (suhrkamp taschenbuch)
von Judith Schalansky
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen gut gemacht, sehr interessant, auf die Dauer eindimensional, 16. Februar 2013
Es geht um eine Biologielehrerin in Mecklenburg-Vorpommern, die alles, jede Kleinigkeit des Alltags, aus ihrer biologischen Perspektive heraus betrachtet und kommentiert. Eine gewisse Untergangsstimmung schwebt über dem Ganzen, die Einwohner- und Schülerzahlen in der Gegend nehmen ab, die Schule wird nicht mehr lange existieren, auch die Tochter der Protagonistin hat das Land schon längst in Richtung Amerika verlassen, der Versuch ihres Mannes, Strauße zu züchten, wirkt wie ein verzweifelter Rückzugskampf, zumal das Klima sich als schwierig erweist.

Im Grunde besteht die Geschichte aus einer durchgehenden inneren Handlung in erlebter Rede, zu allen Ereignissen und Begebenheiten hat die Lehrerin ihre biologisch-genetisch-darwinistischen Theorien parat, Emotionen sind in ihren Augen lediglich Begleiterscheinungen von hormonellen Reaktionen des Körpers im Ringen um den Arterhalt. Auf diese Weise verkennt die Biologin, die auch Sport gibt und die ziemlich streng und kontrolliert erscheint, die anderen Ebenen des Lebens, sie verdrängt und übersieht psychologische Zusammenhänge, was ihr letzten Endes zum Verhängnis wird.

Die Sprache ist naturwissenschaftlich und präzise, gelegentlich ergeben sich dabei auch poetische Einfärbungen, die dadurch umso nachhaltiger wirken. Die Sätze haben recht oft keine Prädikate, was die nüchterne, knappe Weltsicht der Protagonistin unterstützt, auf die Dauer kommt dieser elliptische Stil aber an seine Grenzen und lässt die Konstruktion etwas eindimensional erscheinen. Jedoch wird die Handlung aufgelockert durch mehrere schön gezeichnete Abbildungen, die die biologischen Sachverhalte und Gedanken illustrieren. Insgesamt ist das Naturwissenschaftliche also recht dominant und auch lehrreich, manchmal beschleicht einen aber das Gefühl, die Autorin hat ein Oberstufenbiologiebuch für ihre Gedankengänge ausgeschlachtet, um alles Mögliche auf biologisch hinzutrimmen. Dennoch, der Charakter der Lehrerin ist insgesamt nicht schlecht umgesetzt, abgesehen davon vielleicht, dass verlebte, weltfremde oder depressive Lehrerfiguren mittlerweile schon ein wenig klischeehaft anmuten. Wie anhand von wenigen äußeren Klein-Ereignissen sich der Handlungsbogen lose vorantastet, ist, wenn man so etwas mag, im Prinzip gekonnt gemacht. Auch die satirisch gehaltenen Nebenfiguren wirken, wenn man in Sachen Klischees nicht zu streng ist, schon realistisch. Aber irgendwie mag man nicht so recht in dem Plot versinken, was wohl an der kurzgeschichtenhaften Machart mit ihrer Dominanz der inneren Betrachtungen liegt: Über einen ganzen Roman hinweg ist das zwar ambitioniert, aber auf die Dauer zu viel des Guten.


Imperium: Roman
Imperium: Roman
von Christian Kracht
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ironisch, farbenfroh, sprachgewaltig, 2. April 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Imperium: Roman (Gebundene Ausgabe)
August Engelhardt, "eingefleischter" Vegetarier, Kokovore, Moralist und Nudist, reist auf das damals deutsche Bismarck-Archipel, kauft von geliehenem Geld eine kleine Insel und will darauf eine Kokosnuss-Plantage errichten, um damit Kokosnussprodukte bis nach Europa zu vertreiben und die Welt kokovorisch zu missionieren. Engelhardt ist davon überzeugt, dass die Kokosnuss eine göttliche Frucht ist, die alleine ausreicht, den Menschen zu ernähren. Also isst er nur noch Kokosfleisch und trinkt fast ausschließlich Kokosmilch. Kracht schildert, wie Engelhardt sich mit anderen Spinnern seiner Zeit anlegt, wie er kunstvoll betrogen wird, wie er ins wilde Australien reist, wie er von einem anschaulich gezeichneten Kapitän umgebracht werden soll, wie hunderte von Engelhardt-Jüngern auf der Nachbarinsel "anlanden", wie er einem jungen Eingeborenen europäische Literatur vorliest, wie er allmählich dem Wahnsinn und dem Antisemitismus verfällt.

Nationalistische Töne habe ich überhaupt keine entdecken können, höchstens in deutlich erkennbarer ironischer Brechung. Im Grunde ist das Buch ein Abenteuerroman und eine Robinsonade, Engelhardts Aussteigertum wird jedoch gewürzt mit allerhand Bildungswerk und historischen Beigaben, so zum Beispiel am Ende, wenn der Erste Weltkrieg ausbricht. Die Schilderung der Natur, des Klimas, der Menschen ist beinahe von Thomas Mannscher Ironie und Verschlungenheit, mitunter etwas drastischer und zugespitzter als bei Thomas Mann, gelegentlich werden zum Beispiel auch recht eklige Dinge erzählt, die Ästhetik des Hässlichen kommt genauso zur Anwendung wie idyllische, komödiantische oder vehemente Schilderungen der Umgebung, Personen und der Naturgewalten.
Dabei ist die Sprache auf der einen Seite ungemein anschaulich und pointiert, auf der anderen Seite verwendet Kracht einen historisierenden Stil, so dass er mit ellenlangen, verästelten Satzgefügen wirklich beinahe wirkt wie Thomas Mann und dieses Prinzip gelegentlich so zuspitzt, dass sich der Leser manches Mal in den Satzgebilden verheddert und den SAtz nochmal von vorne beginnen muss. Aber das stört an sich nicht, denn man wird bei der ironisch ausladenden Schreibweise oftmals genug belohnt durch witzige, treffende, überraschende Gedanken und Beschreibungen sowie durch schöne Wörter. Auch die Handlungsführung ist gekonnt, das Kapitel des Südseesturms ist geradezu ein Musterbeispiel für Spannungsaufbau und Perspektivwechsel mit anschließender gekonnter Weiterführung. Gelegentlich zeigt sich Kracht ein wenig zu wortverliebt, das Wort "anlanden" klingt zwar gut, wird aber - wie manche andere - biusweilen überstrapaziert.

Insgesamt ein großer Genuss. Wer ein Faible hat für historisierend angelegte Plots mit Ironie und alter Sprache, der ist hier goldrichtig und mag auch auf ähnlich gute Werke wie "Der König von Korsika" von Michael Kleeberg, den Klassiker "Schlafes Bruder" von Robert Schneider, den Geheimtipp "Moeller entpuppt sich" von Ulrich Effenhauser oder auf "Eine Frage der Zeit" von Alex Capus hingewiesen werden.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 19, 2013 6:39 AM MEST


Die Vermessung der Welt. Roman
Die Vermessung der Welt. Roman
von Daniel Kehlmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Licht und Schatten, 4. Oktober 2011
Zur Inhaltsangabe siehe oben.
Hier die Bewertung: Gut sind die Dialoge, die aufgrund der indirekten Rede eine besondere Ironie aufweisen und zudem historisierend wirken, was das Zeitkolorit unterstützt, das an sich schön erzählt ist (zum Beispiel bei den sehr farbenprächtigen Szenen in Südamerika, wo Humboldt und Gefährte permanent von Urwaldmücken drangsaliert werden).
Gut gefallen hat mir auch das Prinzip einer Doppelbiographie, wobei man allerdings anmerken muss, dass es sich um zwei Romane in einem handelt.
Interessant sind auch die naturwissenschaftlichen Informationen, die man so nebenbei mitgeliefert bekommt.
Nicht so gut jedoch haben mir die letzten fünfzig Seiten gefallen; so rasant der Roman ansetzt, so flach und matt hört er auf. Die letzten Kapitel wirken irgendwie aufgesetzt und als Anhängsel, so als ob Kehlmann nur noch beabsichtigt hat, die Seitenzahl in die Höhe zu treiben.
FAZIT: Nicht schlecht, aber es gibt bessere historische Romane - In Kehlmanns "Ruhm" hingegen wird die Spritzigkeit und Originalität bis zur letzten Seite durchgehalten.


Sellando Sessel Hocker LÜMMEL hotred rot
Sellando Sessel Hocker LÜMMEL hotred rot
Wird angeboten von KIDS-DESIGN
Preis: EUR 129,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen multifunktionales sitzmöbel, 4. Oktober 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sellando Sessel Hocker LÜMMEL hotred rot
Der Lümmel ist nicht nur rückendschönend zu gebrauchen, sondern auch als Abstellgerät für Kaffeetassen, als Aufstehlernhilfe und Turmbauteil für Kinder und nicht zuletzt als recht stabiler Kratzbaum für Katzen ;-) Ein wirklich schön anzusehendes, bequemes und hochwertiges Stück! Der Preis ist zwar hoch, aber aufgrund der Vorteile gerechtfertigt.


Der Fall Collini: Roman
Der Fall Collini: Roman
von Ferdinand von Schirach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hält leider nicht, was es verspricht, 23. September 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fall Collini: Roman (Gebundene Ausgabe)
Leider muss ich mich den eher mäßigen Bewertungen anschließen.
Zwar ist die Grundidee nicht schlecht, einen jungen Anwalt zufälligerweise als Verteidiger in eine staatstragende Vergangenheitsbewältigung geraten zu lassen. Allerdings ist der gute (wenn auch nicht revolotionär neue) Handlungsbogen doch recht matt und dürftig ausgeführt. Sicher bietet die Story flottes Lesefutter, aber das Fleisch fehlt leider; so wirken die Vergangenheitsszenen eher plakativ, ebenso die entscheidende Gerichtsverhandlung und vor allem die eingebaute Liebeshandlung, die wegen ihrer Schablonenhaftigkeit die Frage aufwirft, ob hier der AUtor lediglich in eine literarische Altkleidersammlung gegriffen hat, anstatt etwas NEues zu stricken. Über das sehr unmotivierte Zusammenkommen der Liebenden habe ich mich sogar ein wenig geärgert, es ist wie in einem mittelmäßigen FErnsehkrimi geschrieben. Interessant sind hingegen die Einblicke in die Juristerei, jedoch fehlt auch hier in meinen AUgen die Tiefenwirkung, beispielsweise die Beschreibung der NS-Verstrickung eines Großteils der deutschen Justiz nach 1945.

Die Sprache ist in Ordung, manchmal passend lakonisch, manchmal aber ein wenig zu berichtartig, wobei die Lakonie hier ihre Wirkung verfehlt und man sich etwas mehr Farben wünschen würde. Nur gelegentlich (beispielsweise bei einer Stelle in der FAmilienaufstellung am Anfang) wirkt die Lakonie, wie sie soll, ansonsten erscheint sie eher etwas lasch, aufgesetzt und nachgemacht.

Offensichtlich ist das Buch bereits so angelegt, dass es gut verfilmt werden kann, aber ein richtig packender NS-Justizkrimi müsste meiner Meinung nach intensiver geschrieben sein.
Insgesamt habe ich mich auch über die WErbung geärgert; die großen Verlage tun bei manchen Autoren, die sie pushen und mit denen sie viel GEld machen wollen, gerade so, als sei das RAd soeben neu erfunden worden, und bei genauerer PRüfung, also bei immer enttäuschterem Lesen, stellt sich heraus, dass hier auch nur mit Wasser gekocht wird, obwohl man eigentlich Hunger auf mehr gehabt hätte.


Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten
Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten
von Daniel Kehlmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen trickreich und interessant! Klasse!, 25. April 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Eigentlich mag ich ja Romane lieber als Erzählbände oder Geschichtensammlungen, und eigentlich ist das Buch von Kehlmann - auch wenns im Titel anders steht - kein richtiger Roman. Die neun Geschichten hängen zwar zusammen und haben manchmal Parallelen, aber insgesamt sind sie thematisch doch verschieden, z.B. geht es um eine krebskranke Frau auf dem Weg in die Schweiz, wo sie Sterbehilfe in Anspruch nehmen will, oder um einen durchgekrachten, verschwitzten und internetsüchtigen Computerfreak, der fern ab des Internets einen Vortrag auf Englisch halten muss, um einen eitlen und wehleidigen Starautor, der von seinen Fans immer wieder das Gleiche gefragt wird, um einen alternden Schauspieler, dem seine Identität abhanden kommt, welche von einem anderen übernommen wird...

Alles in allem sind die GEschichten sehr pfiffig und trickreich erzählt, manchmal greift der ERzähler ein, manchmal gibt es gewitzte Überlappungen und Wendungen, manchmal philosophische Passagen und schöne Beschreibungen, und besonders gut hat mir die feine, unaufdringliche Ironie gefallen, mit der Kehlmann seine Figuren begleitet. Die Sprache ist sehr eingängig, nicht poetisch, aber auch nicht platt, recht abwechslungsreich und gekonnt. Im Hinblick auf den Einfallsreichtum, der in den Geschichten steckt, entpricht das Buch Effenhausers Erzählband "Autos, Elstern, Lampengeister", den ich kurz vorher mit ähnlicher Freude gelesen habe, auch wenn ich ERzählbände ja an sich nicht so gerne mag. Aber einen Vorteil haben die beiden Geschichtensammlungen schon, man kann sie häppchenweise lesen und ist, da die Storys allesamt gut und abwechslungsreich sind, immer wieder hervorragend unterhalten und wird auch auf neue Ideen gebracht. Das einzige kleine Manko von Kehlmanns Buch ist vielleicht manchmal die Nähe zum Klischee, aber wenn man diese Stellen als Ironie auffassen möchte, dann ist es halb so schlimm.


Das Gedächtnis des Wassers: Roman
Das Gedächtnis des Wassers: Roman
von François Gantheret
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen leider nicht so gut wie gantherets erster roman, 2. Januar 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Nachdem mir Gantherets kafkaesker Erstling "Verlorene Körper" sehr gut gefallen hat, habe ich vor kurzem "Das Gedächtnis des Wassers" gelesen und war doch ein wenig enttäuscht.

Der Plot hört sich zunächst nicht schlecht an, ein Pariser Psychoanalytiker kommt nach langer Zeit in sein Heimatdorf in den französischen Alpen zurück, wo er mit der tragischen Ermordung seiner Jugendliebe konfrontiert wird, so daß die Erinnerungen wieder hochkommen, zumal die Schwester der Toten dieser äußerlich sehr ähnelt.

Leider hat man bei der Lektüre das Gefühl, dass der Handlungsstrang im Prinzip zwar tragend erscheint, aber ein wenig zu offensichtlich und gewöhnlich ausgeführt ist. Die Verdächtigen - ein inzestuöses Geschwisterpaar - werden zwar recht schön dubios dargestellt, die Auflösung aber ist dann letzten Endes sehr unspektakulär und unmotiviert, so daß man sich schon fragen muss, ob es hier keine bessere Variante gegeben hat. Auch die von den anderen Rezensionen so hochgelobte Sprache hat mir keineswegs so gut gefallen wie in "Verlorene Körper": Die Metaphern wirken oftmals zwanghaft hinkonstruiert oder zu weit hergeholt, der Satzbau ist häufig wegen der fehlenden Verbindungen sperrig und schadet dem Lesefluß, manchmal wirkte die Sprache aufmich bemüht poetisch, und ziemlich gestört hat mich die Macke, dass die wörtliche Rede nur durch Spiegelstriche eingeleitet wird, so dass man gelegentlich nicht weiß, wer gerade redet. Diese Methode sollte hoffentlich langsam wieder in der Versenkung verschwinden, auch wenn sie überaus modern anmutet.

Positiv ist hervorzuheben, dass mit Perspektivenwechsel gearbeitet wird, jedes Kapitel wird nach dem Anfang aus der Sicht einer anderen Person erzählt, was durchaus für Abwechslung sorgt. Allerdings hätte ich mir, wie gesagt, einen trickreicheren Ausgang gewünscht, und die Dialoge mit der Schwester der Getöteten sind meiner Meinung nach recht blaß geworden, man hat dabei das Gefühl, so etwas schon öfter gelesen zu haben.

Schade!


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