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Rezensionen verfasst von
Ulrike Müller-Glodde

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Besser leben mit dem Tod: oder Wie ich lernte, Abschied zu nehmen
Besser leben mit dem Tod: oder Wie ich lernte, Abschied zu nehmen
von Susanne Jung
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berührt, 27. Mai 2013
Sie hat mich berührt mit ihrem Buch, diese Susanne Jung.

Sterben und Tod sind mir im Leben begegnet, und in vielem fand ich meine Erfahrungen in dem Buch widergespiegelt, auf sehr berührende Weise, denn Jung erfüllt ihren Anspruch, ihre Vision: "einen anderen Umgang mit dem Tod zu finden, gemeinsam mit den Angehörigen und ihren Toten, individuell, ehrlich und emotional." Genauso schreibt sie auch: individuell, ehrlich und emotional. Sie öffnet sich, erzählt Geschichten, teilt ihre Erfahrungen und Gedanken, auch ihre Kritik am Umgang mit dem Tod in unserer Gesellschaft - und öffnet auf diese Weise ganz sanft meinen Blick auf meine eigenen Erfahrungen, die persönlichen wie die gesellschaftlichen. Eben berührend.

Und dann hat Susanne Jung mir noch mal eine ganz andere Perspektive aufgezeigt, nämlich die der Bestatterin. Nun weiß ich endlich, was mit den Körpern meiner Eltern "hinter den Kulissen", nach ihrem "Ableben" (welch ein Wort?!) geschehen ist, ganz praktisch. Wer wofür zuständig ist, wo (meist ungenutzte) Spielräume - oder besser: Erlebensräume - bestehen, die uns helfen können, die eigene Schreckstarre angesichts des Todes zu erweichen und aus starren Ritualen (Beerdigungen) einen persönlichen Abschied zu machen.

Wenn man das denn will. Denn was ich noch gut finde an Susanne Jungs Buch: sie sagt, was sie denkt, ohne ihre Meinung aufzudrängen, sie zeigt einfach Möglichkeiten auf. Zum Beispiel zum Thema Organspenden. "Der Mensch geht Schritt für Schritt vom Leben in den Tod", sagt sie, und "auch die nach-todliche Phase ist ein Prozess, der seine eigene Zeit hat." Die Entnahme von Organen sei ein Eingriff in diesen Prozess - dessen sollten wir uns bewusst sein. Jung bezieht klar Stellung: "Ich möchte kein Organ spenden und keines haben"; aber sie sagt mir nicht, was ich tun soll - sie lädt nur zum Nachdenken ein. Das passt zu dem sanft öffnenden Charakter des Buches: Jung "will nichts" von den LeserInnen, sie lenkt uns auf uns selbst zurück und bietet dabei ihre Begleitung an. Meinen herzlichen Dank dafür!


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