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Jo

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Am grünen Rand der Welt
Am grünen Rand der Welt
DVD ~ Carey Mulligan
Preis: EUR 9,97

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen I want a shepherd, but -, 8. November 2015
Rezension bezieht sich auf: Am grünen Rand der Welt (DVD)
fürs Erste steht die Unabhängigkeit ganz oben an. Zumindest in dieser zunächst zum Feminismus zurechtsanierten Romanverfilmung.

First things first: Thomas Hardy hat ein Buch geschrieben (1874). John Schlesinger hat 1967 einen epischen, ideenreich bebilderten, aber desillusioniert durchinterpretierten Film daraus gemacht. Das britische Fernsehen hat 1998 eine buchgetreue, brave Miniserie gedreht. Posy Simmons hat ab 2005 den Stoff zu einem heftig ironisierenden Graphic Novel inklusive voll viel "meta" umgewebt, welches wiederum Stephen Frears 2010 luftiglockerleicht und mit noch mehr "meta" verfilmte. Was bleibt also zu der Geschichte noch zu sagen?

Vielleicht nicht mehr so viel, dass es eine künstlerisch stringente Version à la Schlesinger füllt (Obwohl, wer will, der kann). Aber immerhin ist diese Erzählung nicht umsonst eine der wenigen, die Hardy höchstselbst mit einem wohlgemuten Unterton und einem Ende, das man mit einigem Fug und Recht als happy berzeichnen kann, versah. Also nimmt uns ausgerechnet Dogma-Urgestein Thomas Vinterberg mit auf eine rückhaltlos romantische Fahrt in den Sonnenuntergang. Wer in diesem Liebesviereck wen bekommt, daraus wird gar kein Hehl mehr gemacht (siehe Cover). Wichtig ist nur noch, wie die von Anfang an füreinander bestimmten Kanditaten über Irrwege und Lehrpfade zu einander gelangen - man vergleiche dazu nur mal die Kostümauswahl des ersten und des letzten Aufeinandertreffens von Bathsheba Everdene und Gabriel Oak.

Der Vorteil: Im Gegensatz zu vorherigen Filmversionen bleibt man ganz nah an den zwei Protagonisten. Überdies für Buchverfilmungen und Period Dramen eine absolute Seltenheit: Hardys eigentümliche Erotik wurde von Vinterberg nicht nur kavalleriesäbelscharf sondern auch schurscherengeschliffen in Bilder übertragen. Angefangen bei warmer Schafsmilch, die Oak aus seiner einsamen Nachtruhe reißt, über das erregende Säbelgerassel und den würzigen "Danish handshake" in der waldigen Senke und nicht zuletzt das donnernde Aufeinandertreffen auf dem Heuhaufen in der offiziellen Hochzeitsnacht, bei dem sich, ganz Hardy, auch die Natur gewaltig entlädt, während die nichtsahnenden Herren nebenan Bruderschaft trinken und anzügliche Liedchen grölen. Das alles bleibt natürlich geschmackvolle Anspielung, denn zum Schluss wartet ja das, nunja, Finale. Und es kommt natürlich, was kommen muss. Entscheidend ist ja, wie es kommt: Endlich hat das mal einer richtig gemacht mit dem Ton (der Windhauch im Vordergrund, die Musik dahinter), den Kameraumrundungen und dem intensiven Schnitt der Sequenz.

Der Nachteil: Leider leider bleiben ebenso wichtige "Neben"figuren auf der Strecke und mit der ersten Hochzeit fällt die Story dann völlig auseinander, geben sich die Verknappungen nicht mal mehr Mühe, zu funktionieren. Warum muss Fanny (eine leider wieder mal sträflich unternutzte Juno Temple) sofort mit der "frohen Botschaft" herausplatzen, die im Buch für um so größere Schauer sorgte, da sie erst in der Episode, in der Bathsheba zum Brecheisen greift, offenbar wurde. Warum geht Fanny überhaupt schon im nächsten Marktflecken, wo sie noch jeder kennt, betteln? Das Anrührende ihrer Figur liegt doch gerade darin, dass sie, trotzdem sie dem Urtyp der ungeschützten, kleinen blonden Magd vom Lande entspricht, welche dem romantischen Rüpel zu schöne Augen gemacht hat, zum Bitten und Betteln beleibe zu aufrecht und stolz ist und sich lieber im "workhouse" körperlich ans Ende schuftet, als mit dem ausgestreckten Finger auf sich zeigen zu lassen. Auch Troys (Tom Sturridge) Charakter als romantischem Rebell abseits der traditionellen wie bürgerlichen Normen wird durch die kurzen aber unprägnanten Schlaglichter der Zahn gezogen, er verkommt (nicht erst) nach der Hochzeit zum uncharmanten, herzlosen Langweiler (!) und grundlosen Arroganzling der Geschichte. Der arme Boldwood (Michael Sheen) hat von Anfang an keine Chance. Weder als Liebhaber noch als Adaption der Figur. Und wenn schon hauptsächlich wichtige Teile der Geschichte auf die Nebenplätze verwiesen werden, bleibt streng dogmatisch erst recht kein Raum für die madding crowd aus Hardy's Titel. Kein multiplyin' eye. Keine zeternden Alten, keine heiratswillige Maryann, wenig Liddy (Aber nett: Jessica Barden) und wer sonst noch als Flüsterer, Grantler, Lästerer und Tuschler die Landschaft gestaltete. Und gleich gar keine Spur von auch nur angedeuteten Anklagen wider das unerbittliche Schicksal, die Kirche, Obrigkeit, Gesellschaft und den Verlust der ländlichen Lebensweise findet sich. Oder Ausflüge in philosphische Breiten und den dehnbaren Begriff von Zeit. Folglich wirkt der Film bisweilen wie ein (budget)beengtes Kammerspiel mit zu wenig tragischer Tiefe und zuvielen dazwischengeklebten Stockshots einer allzu lieblichen Naturdoku.

Das klingt erst einmal nach einer gehörigen Menge Kontra. Wird aber (fast) alles wieder aufgewogen, denn es ist mittlerweile ja wirklich schon wieder erfrischend, eine dicke, unverblümte und unentschuldigte Romanze mit extra bunter Landschaft, unverschämt orchestrierter Musik UND einem wirklich die Nervenenden kitzelnden Protagonistenpaar sehen zu dürfen.

Will sagen: Ich weiß nicht, ob Carey Mulligan DIE einzig wahre Bathsheba Everdene ist, so wie es viele von Julie Christe behaupten. Aber es macht Spaß, ihrer fürs eigene Wohl zu gewitzten, verspielten (und auch als "Proto-Feministin" recht schlüssig interpretierten) Heldin dabei zuzusehen, wie sie immer wieder irritiert vor ihr entgegengebrachten Erwartungen zurückweicht, sich gegen diese auflehnt, sich damit aberden natürlichen Fortgang der Dinge auch selbst verbaut, sich aber schließlich doch von ihren Schatten freistrampelt.

Und was nun Gabriel Oak angeht, haben sowohl die Caster als auch der Darsteller bis auf einige fiese (dem Drehbuch geschuldete) Patzer den Nagel ganz erstaunlich auf den Kopf getroffen. Offenbar ist es ganz und gar kein Leichtes, einen sensiblen, demütigen und aufrechten Holzklotz zu spielen. Alan Bates' Oak war zu schnöselig und wortgewaltig, Nathaniel Hawthorne's Oak oftmals sehr von sich überzeugt, mal schmierig, mal hinterwäldlerisch, mal beides. Schoenarts beeindruckt schon durch seine wuchtige Statur und spricht in herrlischstem Kontrast dazu mehr mit seinen wachen Augen als mit Mund, Hand oder Fuß. Wenn er seinen ersten Antrag vorbringt, fragt man sich schon, ob der gute Mann ein wenig langsam und zurück ist. Nur, um kleinlaut feststellen zu müssen, dass er wortkarg, wie er selbst ist, einfach und präzise durch verschnörkelte oder verschleihernde Umschweife hindurch den Kern der Sachen erkennt und - wenn auch nur einmal - benennt. Fast schon liebenswert: Er kann sogar zickig werden, wenn es denn gar nicht anders geht, etwa wenn er die durch ihren unverantwortlichen Gatten im Status herabgesetzte Mrs. Troy "stumpf" weiterhin als voll selbstverantwortliche Farmleiteren Miss Everdene anspricht.

So, why don't you? Frags noch einmal, Gabriel!

Vor allem dafür tagesformabhängige 3 oder 4 von 5 abgedeckten Heuschobern mit einem zünftigen Schmatzer (in Nahaufnahme) oben drauf.

Abschließend bleibt nur noch zu sagen: Sollen sich die deutschen Rechteinhaber ja nicht trauen, eine ähnlich lieblose DVD auf den Markt zu schmeissen, wie die leberwurstigen Briten (war das Interesse an dem wiederaufgelegten Schlesinger zu gering oder was?)! Dort ist der Ton einen wahnsinnig machenden Hauch zu hoch, die Bildqualität mauschelig, die Menüs sind ganz erbärmlich designt und die Cocktailkirsche auf dem Haufen der Unverschämtheit: Von den sage und schreibe 20 Minuten geschnittenen Materials, die I-Tunes schon vor Monaten seinen (zahlenden) Kunden zur Verfügung gestellt hat, ist nicht eine Sekunde auf der DVD zu finden. Die im Web kursierenden Szenen sind leider auch um das Wesentliches gekürzt. Dabei hätten die meisten Szenen (nein, nicht die letzte) dem fertigen Film bestens zu Gesicht gestanden - und ich hätte den Langspielaufpreis im Kino gernstens bezahlt. Mein persönlicher Favorit: Die reichlich prickelnde Szene, in der Bathsheba Oak davor bewahrt, als pink angelaufener Leichnam noch vor seinen tragischen Schafen zu enden. Die ist wunderbar eindrücklich umgesetzt. Man sieht die massige Eiche buchstäblich ins Wanken gebracht, nachdem sie/er unverhofft im Schoß der interessanten neuen Nachbarin aufwacht. Das macht natürlich Oaks Fixierung auf Bathsheba und den Antrag nach gut fünf Minuten Film um einiges plausibler. Apropos plausibel: eine weitere Sequenz zeigt, wie Oak überhaupt davon wissen konnte, dass der leichtfertige Valentinsgruß an Boldwood von Bathsheba kam. Nur so erklärt sich ja der Streit beim Scherenschleifen. Also bitte bitte liebe deutsche 20th Century Fox... lasst mich nicht weinen!
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 26, 2016 8:35 AM CET


Thomas Hardy's Far from the Madding Crowd [2 DVD Set]
Thomas Hardy's Far from the Madding Crowd [2 DVD Set]
DVD ~ Nathaniel Parker
Preis: EUR 14,97

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wer hat den schönsten... Schafstall?, 1. November 2015
Eine Woche auf dem erntegüldenen Land – bei Regenwetter. Was könnte man also Sinnvolleres tun, als sich durch eine ganze Menge Thomas Hardys "Far from the Madding Crowd" und die dazu gehörigen mindestens vier Filmadaptionen zu wälzen? Also mir fällt da nichts ein. Und los gehts mit der von Granada (ITV-Studios) produzierten TV-Version von 1998 mit Paloma Baeza, Nathaniel Hawthorne, Jonathan Firth, Natasha Little und Nigel Terry in den Hauptrollen. Und nicht zuletzt und einzigst einer ganzen Menge krittelnd, belustigt, tratschend oder betroffen dreinblickender maddening crowd:

Einer der großen Vorzüge dieser Adaption ist, dass sie zumindest ansatzweise auslotet, was auch Hardy in seinem zackig aber dicht gewebten Plot und mit seiner ironischen Titelwahl beschäftigt: Wie wir unter den Augen auch nur weniger anderer stehen, uns dieser Blick verfolgt, beeinflußt, entnervt und unfrei machen kann. Und vice versa. Aber auch, welche derbvergnügliche Blüten das ganze treiben kann – wie die grantelnden alten Säcke, hauptsächlich einer Erblinie, mit denen Gabriel – da er als Kenner und Genießer n büschen Schmutz in seiner puren Form zu schätzen weiß – einen enormen, sauber im Winkel gedrehten und an den Nebenmann weitergreichten Gesellschaftsbecher Ale teilt. Um nur ein Beispiel zu nennen. Denn es finden sich bei genauem Hinsehen in den – dem TV-Budget- und Sendeplatz-Anspruch geschuldeten – vergleichsweise simplen Bildkompositionen sehr viele Blickbezüge der Personen zueinander, welche die aktiven Handlungen in direkter Folge provozieren bzw. hervordrängen. So bei Troys erstem Hochzeitsversuch in der publikumsgefüllten Kirche. Will sagen: Immer versaut der eine oder andere erblickte Zuschauer den von Hardy sorgsam evozierten natürlichen Fortgang einer Szene. Das ist ein Hauptmotiv dieser Verfilmung.
Nicht schlecht durchdacht für eine TV-Produktion die ich – vor der Lektüre des Buches – vornehmlich als Fall für die Vorspultaste im Hinterkopf behalten habe.

Zum Drehbuch: Das hält sich bei ca. 200 Minuten Spielzeit ganz wunderbar eng an die eh schon erstaunlich filmisch gedachte Romanvorlage. Geschaffen und geschafft wurde der Eindruck, nicht einer bloßen Illustration des Buches zuzuschauen, sondern begründet agierenden Menschen im Gefüge einer ländlichen Gemeinschaft mit allem, was an Verantwortung oder Verantwortungslosigkeit, Mißgeschick, Lust, Laune und Langeweile dazu gehören kann. Wunderbar? Naja. Sagen wir brav. So ziemlich alles drin und dran aber nicht viel gewagt, ausgelegt, durchinterpretiert und nachgeschärft.

Also gleich auf zu den Hauptfiguren: Wir begegnen Bathsheba (Paloma Baeza), wie es sein soll, auf dem Umzugswagen, auffallend, um nicht zu sagen subversiv rot gewandet und bewaffnet mit einem Blick in den Spiegel, zuwenig Kleingeld für die Maut und einem weiteren abschätzigen Blick für Yokel Oak (Nathaniel Hawthorne), der sich kurzerhand mit Filzschlappkapp und extra viel Pureness bekleidet über ihren Standpunkt hinwegsetzt und generös den Rest Wegezoll bezahlt. Call for a domestic dispute…

Andererseits: Was schert es die Eiche, wenn sich ein Vöglein an ihr reibt. Farmer Oak ist jedenfalls hin und weg, stöbert/stalkt der Schönen nach, was diese mit … ungewöhnlichen Anblicken auf einem Pferd belohnt. Eine Szene die leider im Detail nicht völlig ausgereift bzw. etwas zu romantisiert präsentiert ist. Im Buch ist der Ausritt ganz gut begründet mit einer Erledigung im nächsten Dorfe und das kleine Dressurstück ist die elegante Art, dem Dickicht in einem schlecht gepflegten Hohlweg auszuweichen. Hier kreist Bathsheba aber barfuß und mit heruntergelassenem Haar auf einem schneeweißen Sonntagspony ziellos über den Waldboden. Da muss man ja faßt schon Koketterie vermuten – was Hardys Bathsheba gegenüber unfair wäre. Seis drum. Dem hier noch mit creepy Unterton präsentierten Oak genügts, um sich in bester Sonntagstracht mit alberner Weste und fies pommadierten Haaren auf Brautwerbung/in sein Unheil zu begeben. Will sagen: So hätt ichs spätestens bei der Erwähnung von 1-2 oder mehr Babies aber auch mit der Angst zu tun gekriegt.

Will sagen: Auch die Darsteller sind ordentlich gewählt, dem Buch gemäß zurecht gemacht und spielen patent die sympathischen und unsympathischen Einzelheiten ihrer Charaktäre aus. Allein: Der Funke will nicht gänzlich überspringen. So geht Hawthornes Oak eine gehörige Menge der natürlichen (aber heiwei attraktiven) Demut ab, die den Charakter im Buche plausibel zum Leben erweckt. Auch sind nuanciertere Regungen bei Baeza sowie Hawthorne nicht vorhanden, nicht vorteilhaft durch den gestrengen Blick des Regisseurs hervorgekitzelt.

Bisschen verschenkt, das romantische Potential. Immerhin ist dem Paar ein Happy-End vergönnt, dass ihnen aber nur gerade so Zeit läßt, noch fix Hemd und Hose überzuwerfen, wenn die madding crowd ein letztes Mal zum Aufgebot an die heimische Türe klopft.

Fran (Fanny Robin) und Frank. Auch die beiden sind kein Ausrutscher in der Besetzung, zumal auch ihnen die gebührende Szenenzahl zugestanden, die Storyline nicht geschmälert wird. Natasha Little strahlt in ihren Auftritten, vor allem wenn Firths Strahlen sie erhellt. Warum sieht man die Frau eigentlich nicht häufiger auf den Leinwänden und Bildschirmen? Jedenfalls ist klar, warum jemand wie Troy mit freigeistigen Ambitionen und wenn auch nicht ganz blütenreiner adliger Herkunft so an ihr als “blonder Dienstmagd” hängt.

Firth selbst erreicht, soviel sei schonmal verraten, nicht ganz das Format von Terrence Stamp, oder das, was John Schlesinger letzterem zubilligte. Aber auch bei ihm und seiner windigweichen Lockenpracht bleibt der Charakter Troys durchaus sympathisch, vielseitig, soweit ihm möglich aufrichtig und damit tragisch. Tragisch auch, dass Landjunge Troy nicht mal weiß, wie rum er die Blumenzwiebeln in die Erde zu setzen hat. Kein Wunder, dass die von unerbittlich korrigierender höherer Macht wieder ausgeschwemmt wurden, damit er von vorne anfängt… Und: die Gebrüder Firth hab eindeutig zusammen an ihrem ausladendend männlichen Gang gefeilt.

Boldwood: Ebenfalls patent geschrieben und von Nigel Terry gespielt, wie der Gentlemanfarmer, diese Stütze der alten englischen Gesellschaft, zu bröckeln beginnt. Vielleicht ein wenig zu beängstigend, zu offensichtlich von der Rolle. Man fühlt sich nicht so sehr mit Bathsheba für seine Lage verantwortlich, als das man sie und sich überlebensinstinktiv schnellstens in Sicherheit und Boldwood in Behandlung bringen möchte. Ein Plus für die Aufnahme der eckigen, anstößigen “Did-he-kiss-You?”-Szene in diese Inszenierung.
Lobende Erwähnung: Der charismatische Sean Gilder als Joseph Poorgrass mit dem multiplyin’ eye.

Angesiedelt um 1860 handelt es sich dem meist kleineren Budget der Granada-Produktionen aus den 90er Jahren nach hauptsächlich um Leihkostüme. Was nicht schlecht sein muss. Zumal es sich hier ja eher um einfache Landarbeiter dreht. Nichts ist over the top. Man sieht zumindest an Nebenfiguren die für die Arbeitskleidung typischen Smocks und Bonnets. Für die Hauptcharaktäre hat man sich an auch für das moderne Auge attraktivere, malerisch geformte und drapierte Arbeitssachen gehalten. Unangenehm fallen da eher die feineren Kreationen, die sich vor allem Bathsheba im Verlaufe ihrer Farmerkarriere zulegt, und die schon eher im Verdacht stehen, extra für den Film angefertigt worden zu sein, unangenehm durch Stoffwahl, Farbigkeit oder allgemeine Unförmigkeit auf. Immerhin erinnert sie darin häufig an die Karrikatur einer Dickens-Matrone, nicht an die knallrote Landschönheit, die allen Herren, denen sie begegnet, den Kopf verdreht.

Die Ausstattung entspricht dem gewohnt hohen Qualitätsstandart und die nicht zu pittoreske Landschaft wandelt sich zurückhaltend im Verlauf der Wetterlagen und Jahreszeiten, verkommt aber nicht zum reinen Selbstzweck.

Musik: Ein nettes Flötenthema zu Beginn. Auch Gabriel spielt, wie vorgeschrieben, Flöte. Aber nie so, dass man dazu tanzen wollte. Dann als Soundtrack meistens angenehm zurückhaltend, mitunter etwas enervierend und generisch. Weiteres kann ich schon nicht mehr erinnern. Dialekt-Puristen kommen aber – soweit ich das einschätzen kann – auf ihre Kosten.

Period Drama Check Liste:

Carriages: Plenty.

Corsets: Kein einziges meilenweit. Weiß nicht, ob man sich dadurch als ganz besonders ernsthaft auszeichnen wollte. Tatsächlich kann ich dazu nur sagen: So ganz ohne Vorspultaste hab ichs auch dieses Mal nicht geschafft. Trotz Werknähe und patenten Machern bleibts eine Pflichtlektion in der selbstauferlegten Wessex-Week.

Oh. Und noch ein Goody für die Hardy-Nerds: Ein mögliches Cameo von Steinmetz Jude Fawley Der zur Komplettierung der Inschrift auf dem auffälligen Grabstein gerufen wird.


Groupies bleiben nicht zum Frühstück
Groupies bleiben nicht zum Frühstück
DVD ~ Anna Fischer
Wird angeboten von RAPIDisc
Preis: EUR 14,94

4.0 von 5 Sternen Solide Genre-Ware mit extra-fettem Charme-Sternchen, 1. November 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Groupies bleiben nicht zum Frühstück (DVD)
Das Beste an dieser den Charme nur so aus der Hüfte bolzenden in der Creative-Boom-Town-Berlin spielenden "Romantic Comedy" hier auf Amazon ist eindeutig, dass die "hilfreichsten" Rezensionen von gestandenen Herren stammen. Soviel zum Wert der immer mehr mit Bedeutung beschwerten Zeil - Pardon - Zielgruppenforschung.

Worum geht es also: Altbekannte Geschichte, eigentlich. Girl (die schnuckelige Anna Fischer) kommt nach einem Jahr Schulaustausch in der technischen Einöde von Texas zurück ins zivilisierte Berlin, meets Boy im Botanischen Garten, loses Boy an die Boulevardpresse, wins Boy back mit bodenständigem Berliner Görenglanz. Oder auch: Boy meets Girl während der Handy-Werbespot-Drehpause, loses Girl statt der Karriere, wins Girl back im Flughafenfinale. Und auch wenn man das alles schon mindestens 12 mal irgendwo gesehen hat, es 14 Meter gegen den Wind nach Retortenware riecht und VIVA (eins) schon nervig war, als Musiksender überhaupt noch Relevanz besaßen, ist hier alles lockerflockig, leicht aber nicht doof, lichtdurchflutet aber nicht blendend und bis in die hintersten Nebenrollen so sympathisch geschrieben und besetzt, dass man sich selbst als grummeligster Anspruchsmensch ab spätestens 20 Minuten in den Film dabei erwischen muss, dass man seelig (naja, vielleicht auch dämlich) grinsend vor der Flimmerkiste sitzt.

Da es hauptsächlich um eine stramm gemanagte Erfolgsband vom Formate Tokio Hotel (gibts die eigentlich noch?) geht, deren Frontmann, wenn ich mich recht erinnere, auch eher in Gesellschaft komisch gepuderter Modemacher als durch öffentlich ruchbare Beziehungen zu Damen von sich Reden machen durfte, hier noch etwas zur Musik: Trotz des konsequent durch den Abspann, die CD-Vermarktung und Musikclips getragenen Namen ist Berlin Mitte über die findige Filmwerbung hinaus seinerzeit hoffentlich nicht ernsthaft auch als eigenständige Band kolportiert worden. In besseren Momenten klingt sie jedenfalls verdächtig wie ein Green Day-Anno-American Idiot-Aufguss minus die damals vielleicht noch rechtschaffene (im Gegensatz zur folgenden, selbstgerechten) Empörung. Dazu passend die Billie-Joe-Armstrong-Schablone, durch die der schnuckelige, Schreikonzerte und Ohnmachtsanfälle verursachende Kostja Ullman für seine Bühnen- und Backstageauftritte gedrückt wurde. Zum Vergleich einfach mal "Holiday" und den "Boulevard of broken Dreams" und dann "Here she comes" und "Battlefield" anspielen. Naja. Musikrechte sind ja auch teuer, urhebende Musiker nicht immer für ein Projekt zu gewinnen (hier zum Vergleich The Kills und "Das Glück der Großen Dinge"). Und Originalität an sich ist ja auch fragwürdig, aber fraglos immer unbezahlbar. Bleibt nur noch zu sagen: Ein Plus für die Dame an den Drums. Aber wo ist der Bassist mit Migrationshintergrund?

4 von 5 Berliner Altbauwohnungen mit neuer, Disney-pinker Wandfarbe.


Immer Drama um Tamara
Immer Drama um Tamara
DVD ~ Gemma Arterton
Preis: EUR 6,15

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tamara "am grünen Rand der Welt", 11. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Immer Drama um Tamara (DVD)
Angesichts der Neuverfilmung von Thomas Vinterberg schien es mir angemessen, alle neueren filmischen Umsetzungen von Thomas Hardys erstem großem Publikumserfolg einmal auf Herz und Nieren zu prüfen. Da kommt man dann an der verlässlichen britischen TV-Schnurre von 1998 nicht vorbei und auch nicht an John Schlesingers zwischen verregneter Landidylle und bürgerlichem Wahnsinn tänzelndem Leinwandepos von 1967. Aber was könnte nach all dem schwermütigen Wahnsinn befreiender Wirken als ein deftiges Lachen?

Dass dachte sich auch Stephen Frears und nahm sich Posy Simmonds Graphic Novel vor, die sich wiederum Hardy selbst und auch den 'grünen Rand der Welt' vorknöpfte, das ganze einmal durch zwei Generationen Feminismus (die dritte kam dann vielleicht beim Scriptscribbeln durch Moira Buffini dazu) und rotziges Revoluzzertum filtert. Et Alora: "Immer Drama um Tamara".

Zugegeben, ein bisschen nach verzweifeltem Hausrezept für kreatives Schreiben schnuppert das Ganze ja schon: Simmonds schnappte sich das Buch - wahrscheinlich eine Ausgabe mit einem ordentlichen biografischen Abriss über das Leben des Autors - zerlegte es in seine Einzelelemente, schmiss alles in die Luft und hat es dann mit der Brille von 150 Jahren Rezeptionsgeschichte auf der Nase wieder zusammen gesetzt. Was nicht passte, wurde passend gemacht und der Igor, der dabei Gestalt erhalten hat, ist - erstaunlich scharf beobachtet, stimmig und passgenau. Klar, das Ganze ist geschwisterlich geteilt nicht als um haaresbreite zum Happy-End schrammende Tragödie sondern als kurzweilige Komödie konzipiert. Dazu passt, dass jeder mindestens ein ... nun sagen wir Ventil zum Ablass hormonell bedingten Druckes besitzt, was dazu führt, dass der Wahnsinn sich gut auf die ganz normalen Arten des solchen beschränkt, nicht in die bestürzende Form auswuchert, die Hardys Roman und Schlesingers Film durchwehen. Der Bodycount ist aber trotzdem nur halbiert. - Nein. Die Schafe (tierische und andere) zählen hier nicht. Muh!

Hardy Check:

Die Landschaft: Postkartentauglich, natürlich. Oder besser: Of course. Denn: Eigentlich ist sie nur noch kultivierte Staffage. Dringend und zwingend mit ihr leben die Menschen hier nicht mehr wirklich. Selbst Oak/Andy gärtnert nur noch in Schmuckbeeten und wird bei der Verpflegung von Deko- und Sonderzuchtvieh gezeigt. Der von Hardy stets thematisierte Wertewandel in der Land(wirt)schaft ist also längst schon kaltgewordener und wieder aufgewärmter Kaffee.

Die Musik: Spielt eine angemessene Rolle. Dabei hat Alexandre Desplat sich nicht an Wessex-Traditionals orientiert - was zu erwarten war - sondern konsequent auch den Soundtrack ins 21. Jahrhundert übertragen und zusammen mit einem Teil der Besetzung für eine typisch englische Indie-Note gesorgt: Swipe. Ganz ordentlich und inklusive eines Frontmannes mit den Hampelallüren eines Mick Jagger und der einen oder anderen kleinen Ähnlichkeit zu Kele Okereke - nein, dessen Klasse ist es nicht (ganz) ' aber dann wärs ja auch nicht lustig.
Und natürlich die 'Schafe'' 'exuding bovine malice'.

Die Grundzutaten des Ursprungsromans sind also da. Genauso wie die Charaktäre und sogar der Autor, hier wider erwarten in den Schuhen nicht von Troy sondern von Boldwood. Grundsätzlich wird mit ihnen auch wohlwollender verfahren. Bis auf den Autor, der ist und bleibt natürlich Tragöd.

Bathsheba/Tamara (eine immer gern gesehene Gemma Arterton) begegnen wir zu erst mit einem Blick in den Spiegel. Einer Wiederholung und Spiegelung des Blickes in den Spiegel und natürlich in Rot. Auch ihren großen Auftritt absolviert sie in Rot, allerdings ist das Top nicht die augenfällige Hauptattraktion. Happy End: Sie darf mit der schlussendlich glücklich verunstalteten Nase ihre charaktergebenden Schönheitsfehler als akzeptiert wiedererringen.

Da das Militär längst nicht mehr so sexy ist, wie offenbar im 19. Jahrhundert, wird Sergeant Frank Troy folgerichtig zum 'little drummer boy' der Indie-Band: Ben Sergeant (Jap, auch Hardy's Vorliebe vür sprechende Namen wurde reflexiv berücksichtigt). Nur echt mit wildem Seitenscheitel, Lederjacke und mordsmäßigem Kajal-Verbrauch. Das hätte auch in die engen Röhrenjeans gehen können. Tat es aber nicht, denn Dominic Cooper, die,' um im rustikalen Jargon zu bleiben, coole Sau, zeigt allen Säbelwirblern, wo die Drumsticks hängen.
Er spielt den stets stinkelaunigen Großstadtegoisten und Menschenmuffel mit so viel mürrischem Bart-Simpson-Charme, also ich bin immer und wieder ganz hin und weg. Meistens vor Lachen.
Mit dem Geldmangel fehlt diesem Troy/Ben allerdings auch die Motivation für seine abgründigeren Taten und so bleibt er denn - neben seinem Hang zu Selbstliebe - eindeutig sympatisch. Und auch in seinem Fall führt die Schwäche dann zum Happy End: Ego-Troy und die madding Crowd, zusammenkondensiert auf die Gestalt des gemeinen, an den Rand der Verzweiflung gelangweilten Teenagers Jody (eine trotz ihrer zarten Statur herrlich schnoddrige Jessica Barden): Sie verdienen sich, sie kriegen sich.

Slacker Oak (Luke Evans) kriegt sein Happy End in der Form, dem großen Rivalen wenigstens einmal per Bitchfight den Kopf waschen zu dürfen.

Das viktorianische Opferlamm schlechthin, Frances 'Fanny' Robin, heißt hier folgerichtig und weniger ... reduzierend Fran, spielt independently Gitarre in ner Band und darf den Herrschaften, erst recht mit dem Kind, ordentlich auf der Nase rumtanzen.

Die langleidende, werksichere (mit ihren ewig wohlmeinenden Küchlein und aufmerksamen Küchenreizen aber erdrückende) Ehefrau Emma, nee, Beth tauscht letztendlich einen schaltragenden Autoren gegen den nächsten und es ist vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis auch dieser in wohlbezahlte Literatensphären aufsteigt, wo der Sauerstoffgehalt der Luft zwar sinkt, der warme Wind die Köpfe aber so herrlich anschwillen läßt. Da aber Bill Camp ein so sympatischer Loser's Loser ist, soll der auffällige Schal vielleicht nur auf die Schreiberlingsprofession und damit auf Simmonds selbst zurückverweisen? Jedenfalls kann niemand so herrlich abscheuerregend wie der ehebrechende Roger Allam sein 'You're a marrrrvel' in die Landschaft knarzen.

Und selbst die Zutaten, die nicht in Hardy zu finden sind, machen eine prima Figur. Wie die sonnig-dauerentspannte (gibt halt ne Menge Gras auf dem Lande) Pub-Wirtin. Oder der mal fröhlich mal eher verschreckt mit dem Hintern durch die Landschaft wackelnde Hardy-Biograph, der aus Tradition heraus wohl eher den Wahnsinn eines Amerikaners von Woody Allens Zuschnitt in sich trägt. Minus dessen mangelnder 'Erwachsenheit'.

So. genug gelacht. 3,5 von 5 Hundehalsbändern mit Totenkopfzier.


Confession
Confession
DVD ~ Charlotte Gainsbourg
Preis: EUR 4,97

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ha haha!, 15. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Confession (DVD)
hurra!

pete doherty ist mein größter fan!

- kein witz, sondern allgemein bezeugte tatsache. denn statt sich entgültig ins poetennirvana zu kanülen, karriolt er nun aufs ruheloseste (mehr oder weniger) formvollendet mit frack, zylinder und vatermörder durch ein waschechtes period-drama.

und das bietet die altbekannten versatzstücke: beau, dandy, berufssohn und – glaubt man wikipedia - ein recht überflüssiger mensch byron’schen zuschnittes ist ganz krank von all den orgiastischen freiräumen des stadtlebens, bricht mit seiner mätresse - aus geld oder (un)treue gründen, spielt ja auch keine rolle - prescht ermattet und atemlos aufs land, einer sterbenden vaterfigur entgegen - und nutzt dort wider oder willig sogleich die gelegenheit, auf dem erdigen lande sich und etwas bodenhaftung zu finden. natürlich am besten in den armen einer holden landdame... soweit so onegin.

wie mit "onegin" oder "die letzte mätresse" entführen uns immer wieder herzensprojekte namhafter film(kunst)schaffender in die epoche der "verlorenen generation" nach der großen französischen revolution, die durch die salons der europäischen welt hindurch mit aufmerksamkeit und anteilnahme verfolgt wurde. immer wieder mit mittelprächtigem ergebnis. aber immer wieder steckt zumindest herzblut in der angelegenheit. vielleicht auch autor alfred de mussets buchvorlage für hiesigen film „confession d’un enfant du siècle“, in dem er die eigene, stürmische affäre mit schriftstellerin george sand verarbeitete. allemal ein buch bzw. eine begebenheit, die schon vor sylvie verhyde in der filmbrange nicht unbemerkt blieb: das liebesdrama von venedig.

der dreh dieses indie-filmes: wie eingangs erwähnt, besetzt rock-barde und füller vieler schlagzeilen pete doherty die hauptrolle. wobei nicht ganz klar wird, ob er nun spielt, oder einfach er selbst ist.
ein feiner herr in formstabilem hut, der sich in denkbar infektiöser langeweile in etüden und attitüden des möglichst modekupferwürdigen führens der pistole gegen den eigenen kopf ergeht. der ganz in vornehmlich publikumsträchtigen posen des selbstmitleides und der weltenmüdigkeit aufgeht, um die angeblich geliebte frau zu becircen. pardon my french – und ja, ich weiß, dass ich nur das offensichtliche noch ausspreche – aber: was für ein trou du cul!

ich bin mir trotzdem nicht ganz sicher, ob bei aller liebe und qualifikation, die doherty sowieso schon im überfluss mitbrachte, er die richtige wahl für die rolle des dandys ist. wenigstens einen valet hätte man ihm und seiner stets aus dem bett gefallenen haarfrisur zustehen können. aufgedunsen und drogenschwanger, wie er derzeit ist, hätte er sich mit seinem bubengesicht vielleicht erfolgreicher als kaspar hauser beworben. jedenfalls konnte ich nicht umhin, mit vorzustellen, wie der film wohl ausgesehen hätte, wenn jemand wie volker bruch die hauptrolle, nicht eine kleine nebenrolle übernommen hätte. abgelebt und dunkel kann der jedenfalls auch aus den augen gucken. auch wenn da bisweilen die schminke nachhelfen muss.

aber ich schweife ab in die eigenen untiefen. wirklich schlecht macht sich der pete nämlich gar nicht. wenigstens auf die hauptdarstellerin muss er gewirkt haben, wenn ich die klatschspalten richtig las. nur hat er sich und seiner romantikerseele mit erfahrungsbürde durch die eine oder andere musikalische vignette (8 dead boys) ein weitaus schlagkräftigeres denkmal gesetzt.

mit den worten eines anderen unverbesserlichen: „but i mentally shake hands with you“ für das vorhaben. dieses läßt sich unterm strich so bewerten:

cast: gemäß indie-zuschnitt interessant (charlotte gainsbourgh, lily cole, august diehl).
schauspiel: solala.
mode: gut – witwe brigtitte führt ein paar delikate wäschestücken vor und selbst sloppy pete hat ordentlich gebundene krawatten.
stilempfinden: gut.
eindringlich atmosphärische musik (neben klassikern von nouseux und doherty): sehr gut – war ja wohl das mindeste.
einfangen klammer, nebeltrüber naturschönheit: gut.
langeweilepotential: leider auch sehr gut.
wenig pointierte dialoge: oweh.
ständiges schwerfälliges voice-over: myohmy.
charaktäre: weisen über die liaison hinaus kaum irgendwelche merkmale, geschweige denn rettende eigenschaften, auf, sind nicht eben lebendig oder gar mitreissend dafür nervtötend und klischeehaft.
die beleuchtung: dunkel bis kaum sichtbar – es empfiehlt sich, den film in absolut abgedunkelter umgebung zu sich zu nehmen.
ton: gut.
extras: nicht vorhanden.

summa summarum: zweieinhalb bis drei kater mit besudelter hemdbrust.


Die Vermessung der Welt
Die Vermessung der Welt
DVD ~ Florian David Fitz
Preis: EUR 4,97

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen von knackwürsten und menschen, 4. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (DVD)
ich hab durst. au backe. schon der tütenboden. mhh. maishaut zwischen den schneidezähnen. und irgendwo in der grauzone zwischen zahn und zahnfleisch. und eben mit schmackes auuuuf ein korn gebissen. und noch nicht mal der blöde regionalwerbeblock ist durch. keine ablenkungsknabberei mehr und dann dieser durst. der wird jetzt den ganzen film anhalten. wie lange geht der? 119 minuten? naaa toll!

so mein review nach der geschlagenen ersten halben stunde.

mhh. sehr nettes casting. ansehnlich. ughh. der buck hat keinen witz. pointiert ist anders. LEST. DAS. BUCH. was hat der kehlmann eigentlich während der drehbuchtreffen gemacht? kater ausgeschlafen? schwerfällig. mhh. die bilder sind wirklich ganz hübsch. da lohnt sich die dritte dimension doch mal. vor allem im kleinen. obwohl. ein bisschen freiere bildspielereien hätte man sich und uns schon genehmigen dürfen. wozu geht es schließlich um mathematik? bisschen koordinatensystem mit xyz-achsen-netzwerk wär doch nicht schlecht? ist schließlich 3D. hat beim buchcover doch auch funktioniert. und was macht sunny melles da? ist das ihre art sterbender schwan? hat eben keinen witz, der buck.

so in etwa mein review nach den ersten 65 minuten film. gefühlt. muße, nach der uhr zu schauen, hatte ich trotz allem gemosere nicht.

was ein lahmes voice-over. der ironische kommentar des autors (kehlmann hat das selbst gesprochen) müsste doch eigentlich eine sichere bank gewesen ein? immerhin: teilweise superschnitte, die die erzählstränge miteinander verbinden. au naja, der herzog ist eine wohlmeinende knallcharge. wie betrüblich, dass nun dieser wackere mann tatsächlich so eben mal in der schlacht wider den kleinen korsen mit den angeklatschten haaren fallen muss. noch viel betrüblicher, dass eine der wenigen sympatisch geschilderten französischstämmigen und -repräsentierenden figuren fast völlig ihre funktion als - wenn keiner zu genau hinguckt - taugliches und menschliches gewissen unter zu lauten pointen verliert. und dann die völlig überdrehte ausstattung und lichtregie. wir sind doch nicht in der unterstufendisco.

bahahahaha. der deutsche staatsphilosoph, ein reiner rest von einem würstchen. mit timing. wenigstens noch etwas von dem respektlosen pessimisten-witz der buchvorlage rübergerettet.

haaaach. was soll man machen, jetzt sitzen da die zwei ollen, grummeligen, nach pischdrops und mottenkugel müffelnden geistesgrößen zwischen den vergitterten und beschränkten kopfwelten ihrer und aller zeiten und kommen zum wesentlichen. da kann ich einfach nicht länger selber grumpig bleiben. da bin ich dann doch halbwegs sentimental und versöhnt raus aus dem kino.

also: 3 mal eine kantige knackwurssst in einer mit präzisionspinzette gehaltenen michelmütze.


Happy New Year - Neues Jahr, neues Glück
Happy New Year - Neues Jahr, neues Glück
DVD ~ Halle Berry
Preis: EUR 4,97

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen überraschung der seichten art, 26. Januar 2014
und eine unheimliche begegnung der zweiten. jedenfalls ist diese begegnung vom scheitel bis zur sohle konsequent durchgestylt. oder zumindest bis zu dem rosa werbesticker und anzunehmenden qualitätssiegel "was frauen schauen". und nicht schlecht geschaut habe ich tatsächlich, als ich quasi durch von langer hand geplanten eilerlass und sondersendung aus dem nahen osten dazu verdonnert wurde, mich besprochenem machwerk zu widmen. na, auf ein frohes neues!

worum es im film geht, verrät schon der titel. geradezu angemessen detailreich und tiefenscharf erfährt der geneigte nutzer noch mehr zu inhalt und ziel des filmes durch die eingangs erwähnte verpackung:

"Regisseur Garry marshall vereint in seiner neuen romantischen Komödie ein hochkaratiges Ensemble, In Happy New Year geht es um Liebe, Hoffnung, Vergebung, zweite Chancen und Neuanfänge in miteinander verwobenen Geschichten vor dem Panorama der pulsierenden Metropole New York City."

die darsteller? sind sehr variantenreich gecastet und je nach stand auf der hollywood-in-list auf dem cover angeordnet. am prickelndsten darunter? die zwei schampusgläser, die im übrigen unbedingt vor genuss des verpackungsinhaltes zu sich genommen werden sollten. vielleicht verwechselt man danach ja auch eher die play mit der ff-taste. das dritte oder vierte glas vorneweg könnte eigentlich auch nicht schaden.

die extras umfassen einen audio-kommentar von regielegende garry marshall und verpatzte szenen. moment. verpatzte szenen? achso. das erklärt es. aber was war dann der hauptfilm???

ein stern, weil: weniger geht ja eh nich. noch ein stern für til schweiger (jawoll, wenn dann kann man ja auch gleich aus dem vollen schöpfen). ein stern schwersten herzens wieder abgezogen wegen: robert de niro (wie um himmels willen ist das denn passiert?), +/-0 für hektor elizondo (wie war das? aja. shame on you if you fool me once, shame on me usw) und einen wieder drauf für den ungebrochenen thrill des weiterhin unbeantworteten mysteriums, wie das projekt zu stande kam und dann noch soviele wirkliche stars wie motten an das unverglaste gaslicht sog. und vielleicht auch ein wenig für die chuzpe, uns das noch einmal zu servieren.

immerhin weiß ich dieses mal, welch dämonische macht mich zum gucken des machwerkes verleitet hat...
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 11, 2014 12:01 AM CET


Confession of a Child of the Century [UK Import]
Confession of a Child of the Century [UK Import]
DVD ~ Charlotte Gainsbourg
Wird angeboten von DaaVeeDee-DEU
Preis: EUR 21,98

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ha, haha!, 4. Mai 2013
hurra!

pete doherty ist mein größter fan!

- kein witz, sondern allgemein bezeugte tatsache. denn statt sich entgültig ins poetennirvana zu kanülen, karriolt er nun aufs ruheloseste (mehr oder weniger) formvollendet mit frack, zylinder und vatermörder durch ein waschechtes period-drama.

und das bietet die altbekannten versatzstücke: beau, dandy, berufssohn und – glaubt man wikipedia - ein recht überflüssiger mensch byron’schen zuschnittes ist ganz krank von all den orgiastischen freiräumen des stadtlebens, bricht mit seiner mätresse - aus geld oder (un)treue gründen, spielt ja auch keine rolle - prescht ermattet und atemlos aufs land, einer sterbenden vaterfigur entgegen - und nutzt dort wider oder willig sogleich die gelegenheit, auf dem erdigen lande sich und etwas bodenhaftung zu finden. natürlich am besten in den armen einer holden landdame... soweit so onegin.

wie mit "onegin" oder "die letzte mätresse" entführen uns immer wieder herzensprojekte namhafter film(kunst)schaffender in die epoche der "verlorenen generation" nach der großen französischen revolution, die durch die salons der europäischen welt hindurch mit aufmerksamkeit und anteilnahme verfolgt wurde. immer wieder mit mittelprächtigem ergebnis. aber immer wieder steckt zumindest herzblut in der angelegenheit. vielleicht auch autor alfred de mussets buchvorlage für hiesigen film „confession d’un enfant du siècle“, in dem er die eigene, stürmische affäre mit schriftstellerin george sand verarbeitete. allemal ein buch bzw. eine begebenheit, die schon vor sylvie verhyde in der filmbrange nicht unbemerkt blieb: das liebesdrama von venedig.

der dreh dieses indie-filmes: wie eingangs erwähnt, besetzt rock-barde und füller vieler schlagzeilen pete doherty die hauptrolle. wobei nicht ganz klar wird, ob er nun spielt, oder einfach er selbst ist.
ein feiner herr in formstabilem hut, der sich in denkbar infektiöser langeweile in etüden und attitüden des möglichst modekupferwürdigen führens der pistole gegen den eigenen kopf ergeht. der ganz in vornehmlich publikumsträchtigen posen des selbstmitleides und der weltenmüdigkeit aufgeht, um die angeblich geliebte frau zu becircen. pardon my french – und ja, ich weiß, dass ich nur das offensichtliche noch ausspreche – aber: was für ein trou du cul!

ich bin mir trotzdem nicht ganz sicher, ob bei aller liebe und qualifikation, die doherty sowieso schon im überfluss mitbrachte, er die richtige wahl für die rolle des dandys ist. wenigstens einen valet hätte man ihm und seiner stets aus dem bett gefallenen haarfrisur zustehen können. aufgedunsen und drogenschwanger, wie er derzeit ist, hätte er sich mit seinem bubengesicht vielleicht erfolgreicher als kaspar hauser beworben. jedenfalls konnte ich nicht umhin, mit vorzustellen, wie der film wohl ausgesehen hätte, wenn jemand wie volker bruch die hauptrolle, nicht eine kleine nebenrolle übernommen hätte. abgelebt und dunkel kann der jedenfalls auch aus den augen gucken. auch wenn da bisweilen die schminke nachhelfen muss.

aber ich schweife ab in die eigenen untiefen. wirklich schlecht macht sich der pete nämlich gar nicht. wenigstens auf die hauptdarstellerin muss er gewirkt haben, wenn ich die klatschspalten richtig las. nur hat er sich und seiner romantikerseele mit erfahrungsbürde durch die eine oder andere musikalische vignette (8 dead boys) ein weitaus schlagkräftigeres denkmal gesetzt.

mit den worten eines anderen unverbesserlichen: „but i mentally shake hands with you“ für das vorhaben. dieses läßt sich unterm strich so bewerten:

cast: gemäß indie-zuschnitt interessant (charlotte gainsbourgh, lily cole, august diehl).
schauspiel: solala.
mode: gut – witwe brigtitte führt ein paar delikate wäschestücken vor und selbst sloppy pete hat ordentlich gebundene krawatten.
stilempfinden: gut.
eindringlich atmosphärische musik (neben klassikern von nouseux und doherty): sehr gut – war ja wohl das mindeste.
einfangen klammer, nebeltrüber naturschönheit: gut.
langeweilepotential: leider auch sehr gut.
wenig pointierte dialoge: oweh.
ständiges schwerfälliges voice-over: myohmy.
charaktäre: weisen über die liaison hinaus kaum irgendwelche merkmale, geschweige denn rettende eigenschaften, auf, sind nicht eben lebendig oder gar mitreissend dafür nervtötend und klischeehaft.
die beleuchtung: dunkel bis kaum sichtbar – es empfiehlt sich, den film in absolut abgedunkelter umgebung zu sich zu nehmen.
ton: gut.
extras: nicht vorhanden.

summa summarum: zweieinhalb bis drei kater mit besudelter hemdbrust.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 4, 2014 2:53 AM CET


Bel Ami
Bel Ami
DVD ~ Robert Pattinson
Preis: EUR 6,59

11 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen von schönen freunden und B.F.F.s, 2. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Bel Ami (DVD)
eigentlich ist es ja ein erfrischendes, lobenswertes vorhaben, den gesellschaftlichen aufstieg von tiefster gosse zu opulentestem salon mal anhand einer männlichen figur (neudeutsch: manwhore) zu zeigen, die mit nichts anderem, als dem eigenen körper und im verlauf der handlung wachsender, herausgeforderter skrupellosigkeit punktet. gewöhnlich sind das ja geschichten, die weiblichen protagonisten vorbehalten waren (becky sharp, anyone?) klar, dass das marketing dann nicht recht wußte, wie das teil am besten an den mann (oder je nach klassifizierung der PR-seite: twilight fan) zu bringen ist.

leider, und das fangen die minuspunkte auch schon an, ist der schneidend fiese humor, den ich maupassants vorlage jetzt einfach mal unterstelle, vom aufmerksamen zuschauer nur noch zu erahnen.

die patenten ladies in den weiblichen hauptrollen (uma thurman als eiserne dame, christina ricci als das herz der chose, kristin scott thomas als devote society gattin, holliday granger als widerlicher fratz und auch natalia tena in perfektem toulouse-lautrec-huren-get-up) haben vornehmlich spaß an den rauschenden roben und bewegen sich mit der leichtigkeit, die damen von stand gebührt, über die ungefälligkeiten des scriptes hinweg. selbiges ist sprachlich reichlich simplifiziert. das ist eingedenk der optischen präsentation zwar nur konsequent, wirkt im gegensatz zu den entstaubten kostümen und entrümpelten szenerien aber nocht frisch sondern dämlich. muss man denn immer sein publikum für dumm halten? nicht zuletzt gerät dadurch die psychologie der figuren ins hintertreffen. zwar lassen sich die lücken noch gerade so vom zuschauer füllen, aber der fahle nachgeschmack des scriptes als adaption an sich bleibt.

und dann der hauptdarsteller selbst. ich schwanke zwischen kongenial besetzt und kolossal daneben gegriffen. klar bleibt die figur oberflächlich, leer, ziellos wütend, größtenteils unsympatisch und etwas undurchschaubar. das würde ich nicht robert pattinson als schauspielerisches unvermögen anlasten sondern als treffsichere charakterisierung der figur duroy festhalten wollen. eigentlich spielt der robert technisch sogar ganz gut. aber vollends mitreissen kann die geschichte mit einer solchen figur im zentrum dann natürlich nicht. das ist ja der punkt, der mich immer vor französischer literatur des 19. jhs generell zurückschrecken läßt.

allerdings hätte es dem hauptpart nicht schlecht getan, wennse einen wirklich charmanten jungen herren gecastet hätten, der wenigstens kurzfristig durch einen guten ersten eindruck sein publikum einwickeln kann. pattinson sieht immer so verquollen und müde (neudeutsch stoned) und unrasiert aus, dass man sich wundern muss, warum die damen sofort auf tuchfühlung gehen, statt erst mal gebührenden abstand zu halten und sich luft zu zufächeln, bis die nächste eau de toilette flasche gegriffen ist. wobei er natürlich auch wieder nicht wie ein unrasiertes mannsbild wirkt, dass die ladies mit roher energie und dunkler aura nur so dahin schmelzen läßt. wies in der kritik des empire-magazine steht: "Pattinson ain't no Malkovich either."

dafür dürfte selbst die marquise de merteuil überrascht sein, was für ein eisekaltes trockenfrüchtchen sie sich da in gestalt von uma thurman rangezüchtet hat.

alles in allem: nicht das ganz große übel, wenn auch leider nicht ausgereift, will sagen: ganz groß bösartig. oder schmissig. allerhöchstens drei von fünf operngläsern mit sprung in der linse.


Die drei Musketiere
Die drei Musketiere
DVD ~ Luke Evans
Preis: EUR 5,00

8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen arbeitsbeschaffungsmaßnahme für restauratoren, denkmalpfleger, kirchenmaler - und talentierte wie chargierende schauspieler, 22. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Die drei Musketiere (DVD)
da der film als dumas-verfilmung, wie erwartet, völlig banane ist, komme ich lieber gleich zu den pluspunkten:

den schau(der)werten:

als drehorte dienten stadt, land und vor allem schlossbauten, die als tour zusammengestellt bestens durch franken und bayern führen. so wohnen die musketiere zeitweise am fuße der brücke, die durch das alte rathaus in bamberg führt. in dessen durchgang sitzen dann kostümiert säufer und tagediebe, wo auch heute tagsüber mit der gitarre, nachts einfach mit abgerissener erscheinung um einen obolus vom wohlwollenden passanten gebeten wird.

die neue bamberger residenz verliert kurzerhand den nordöstlichen teil ihres karees an die französische see vor calais und im garten der würzburger residenz bruchlandet ein ziemlich madig aussehendes luftschiff. achso. das wird die münchner freuen, das antiquarium der dortigen residenz wird kurzerhand unter "venezianisches" brackwasser gesetzt.

dafür ist der 3D-effekt größtenteils für die 4 buchstaben: bei so spektakulären aufnahmen wie zum showdown auf dem dache von notre dame de paris sollte man schon davon ausgehen können, dass sie gut was hermachen. pustekuchen. wo schon während des trailers alle aufmärsche der garden etc nach 3D zu schreien schienen, war von dem effekt oftmals kaum etwas zu merken. besonders auch in den im trailer gezeigten sequenzen. das macht sich - gebäudetiefe und zentralperspektive sei dank - in nur zwei dimensionen allemal genausogut.

zu den darstellern, und da wird's nun heikel: milla jovovich, auweh. muss mir direkt nochmal johanna von orléans angucken, so schlecht habe ich sie nicht ansatzweise in erinnerung. mylady's rolle ist ungekonnt künstlich aufgepufft, um sie möglichst spektakulär in szene zu setzen, wobei weder ihre schauspielerischen fähigkeiten noch die imaginativen ihres regie führenden gatten und seines kameramannes diese bauchpinselei auffangen und rechtfertigen können. was in venedig noch ganz gut hinhaut wird spätestens im gesicherten schmuckkabinett ihrer majestät zur ungelenken und grottenschlecht zitierenden (ausgerechnet catherine zeta jones in der thomas crown affäre') lachnummer. schade. wenigstens mylady's garderobiere (kostümdesigner pierre-yves gayraud) hat ganze arbeit geleistet. wie auch die von mylord buckingham. der herr bloom macht so tonlos auch eine top-figur. wäre als foto-love-story-darsteller unersätzlich. aber in bewegung hat er seine mimische feinmechanik schlechter als sonst getimt (man kann nicht alles auf den cutter schieben) und tonal war denn gar nix mehr zu machen. so ein schauspieler arbeitet nun mal mehr mit der stimme als in der postproduction im nachgang hervorzauberbar ist. aber dieses manko kann man ohne schlechtes gewissen größtenteils auf synchronsprecher philip moog abwälzen.

trotzdem schade, bei einer so herrlich überspannten rolle kann man offenbar doch einiges falsch machen, selbst und sogar dann, wenn man sich bei ihrer anlage an david bowie orientiert. bei diesen zwei kalibern fällt die furchtbar öde constance-maus dann kaum noch ins gewicht. luke evans aramis hätte auch etwas mehr typ dagegen halten müssen, aber bei so wenigen zugeständnissen des drehbuchs konnte er denn wohl auch nicht mehr viel tun.

umso schöner: rampensau porthos (ray stevenson). obwohls von dem auch zu wenig zu sehen/hören gab (pfui nochmal über millas selbstdarstellunsgwahn). ähnlich macfadyens athos. der hat immerhin noch am ehesten sowas wie eine story. mads mikkelsen ist auch gut dabei, christoph waltz als kardinal vom dienst eher unterfordert. positiv überrascht war ich von logan lehrman als heißspornigem gascogner. das milchbubengesicht und die kreischende fangemeinde hatten mich zunächst reichlich irritiert, wobei mir schon nach einmal '3:10 to yuma'-gucken leichter ums herz wurde, da der bube bei bedarf wirklich spielen kann. dementsprechen bringt er denn auch allen rotzdreisten hemdbrustcharme, den ein d''artagnan braucht, auf die zu füllende leinwand. nicht zu vergessen: sein papa, dexter fletcher, der street-credibility versprüht, wo immer er auftaucht. am meisten spaß macht allerdings newcomer (was heißt newcomer, immerhin ist er sprößling alten englischen schauspielclans, mit dem namen wie edward, james, emilia und laurence in verbindung stehen. also eher ein selbstläufer) freddie fox als trotteliger könig von einem modenarr.

alles in allem: bei dem ausblick auf die letzte szene wird ein sequel zwar auf den ersten blick wahrscheinlich, kann aber auf den zweiten nur ein derart abstruser schmarrn werden, dass man lieber jetzt beim ersten und noch einzigen teil zuschlagen sollte - und damit auch nicht schlecht unterhalten ist. reden wir mal von drei-von-fünf wohlwollenden, vor filmgenuss zu leerenden brandtweinbouteillen und einem bunten knallbonbon voll heißer luft und vier plättchen glitzerkonfetti.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 2, 2012 5:55 PM MEST


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