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Jo

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Confession
Confession
DVD ~ Charlotte Gainsbourg
Preis: EUR 14,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ha haha!, 15. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Confession (DVD)
hurra!

pete doherty ist mein größter fan!

- kein witz, sondern allgemein bezeugte tatsache. denn statt sich entgültig ins poetennirvana zu kanülen, karriolt er nun aufs ruheloseste (mehr oder weniger) formvollendet mit frack, zylinder und vatermörder durch ein waschechtes period-drama.

und das bietet die altbekannten versatzstücke: beau, dandy, berufssohn und – glaubt man wikipedia - ein recht überflüssiger mensch byron’schen zuschnittes ist ganz krank von all den orgiastischen freiräumen des stadtlebens, bricht mit seiner mätresse - aus geld oder (un)treue gründen, spielt ja auch keine rolle - prescht ermattet und atemlos aufs land, einer sterbenden vaterfigur entgegen - und nutzt dort wider oder willig sogleich die gelegenheit, auf dem erdigen lande sich und etwas bodenhaftung zu finden. natürlich am besten in den armen einer holden landdame... soweit so onegin.

wie mit "onegin" oder "die letzte mätresse" entführen uns immer wieder herzensprojekte namhafter film(kunst)schaffender in die epoche der "verlorenen generation" nach der großen französischen revolution, die durch die salons der europäischen welt hindurch mit aufmerksamkeit und anteilnahme verfolgt wurde. immer wieder mit mittelprächtigem ergebnis. aber immer wieder steckt zumindest herzblut in der angelegenheit. vielleicht auch autor alfred de mussets buchvorlage für hiesigen film „confession d’un enfant du siècle“, in dem er die eigene, stürmische affäre mit schriftstellerin george sand verarbeitete. allemal ein buch bzw. eine begebenheit, die schon vor sylvie verhyde in der filmbrange nicht unbemerkt blieb: das liebesdrama von venedig.

der dreh dieses indie-filmes: wie eingangs erwähnt, besetzt rock-barde und füller vieler schlagzeilen pete doherty die hauptrolle. wobei nicht ganz klar wird, ob er nun spielt, oder einfach er selbst ist.
ein feiner herr in formstabilem hut, der sich in denkbar infektiöser langeweile in etüden und attitüden des möglichst modekupferwürdigen führens der pistole gegen den eigenen kopf ergeht. der ganz in vornehmlich publikumsträchtigen posen des selbstmitleides und der weltenmüdigkeit aufgeht, um die angeblich geliebte frau zu becircen. pardon my french – und ja, ich weiß, dass ich nur das offensichtliche noch ausspreche – aber: was für ein trou du cul!

ich bin mir trotzdem nicht ganz sicher, ob bei aller liebe und qualifikation, die doherty sowieso schon im überfluss mitbrachte, er die richtige wahl für die rolle des dandys ist. wenigstens einen valet hätte man ihm und seiner stets aus dem bett gefallenen haarfrisur zustehen können. aufgedunsen und drogenschwanger, wie er derzeit ist, hätte er sich mit seinem bubengesicht vielleicht erfolgreicher als kaspar hauser beworben. jedenfalls konnte ich nicht umhin, mit vorzustellen, wie der film wohl ausgesehen hätte, wenn jemand wie volker bruch die hauptrolle, nicht eine kleine nebenrolle übernommen hätte. abgelebt und dunkel kann der jedenfalls auch aus den augen gucken. auch wenn da bisweilen die schminke nachhelfen muss.

aber ich schweife ab in die eigenen untiefen. wirklich schlecht macht sich der pete nämlich gar nicht. wenigstens auf die hauptdarstellerin muss er gewirkt haben, wenn ich die klatschspalten richtig las. nur hat er sich und seiner romantikerseele mit erfahrungsbürde durch die eine oder andere musikalische vignette (8 dead boys) ein weitaus schlagkräftigeres denkmal gesetzt.

mit den worten eines anderen unverbesserlichen: „but i mentally shake hands with you“ für das vorhaben. dieses läßt sich unterm strich so bewerten:

cast: gemäß indie-zuschnitt interessant (charlotte gainsbourgh, lily cole, august diehl).
schauspiel: solala.
mode: gut – witwe brigtitte führt ein paar delikate wäschestücken vor und selbst sloppy pete hat ordentlich gebundene krawatten.
stilempfinden: gut.
eindringlich atmosphärische musik (neben klassikern von nouseux und doherty): sehr gut – war ja wohl das mindeste.
einfangen klammer, nebeltrüber naturschönheit: gut.
langeweilepotential: leider auch sehr gut.
wenig pointierte dialoge: oweh.
ständiges schwerfälliges voice-over: myohmy.
charaktäre: weisen über die liaison hinaus kaum irgendwelche merkmale, geschweige denn rettende eigenschaften, auf, sind nicht eben lebendig oder gar mitreissend dafür nervtötend und klischeehaft.
die beleuchtung: dunkel bis kaum sichtbar – es empfiehlt sich, den film in absolut abgedunkelter umgebung zu sich zu nehmen.
ton: gut.
extras: nicht vorhanden.

summa summarum: zweieinhalb bis drei kater mit besudelter hemdbrust.


Die Vermessung der Welt
Die Vermessung der Welt
DVD ~ Florian David Fitz
Preis: EUR 4,97

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen von knackwürsten und menschen, 4. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (DVD)
ich hab durst. au backe. schon der tütenboden. mhh. maishaut zwischen den schneidezähnen. und irgendwo in der grauzone zwischen zahn und zahnfleisch. und eben mit schmackes auuuuf ein korn gebissen. und noch nicht mal der blöde regionalwerbeblock ist durch. keine ablenkungsknabberei mehr und dann dieser durst. der wird jetzt den ganzen film anhalten. wie lange geht der? 119 minuten? naaa toll!

so mein review nach der geschlagenen ersten halben stunde.

mhh. sehr nettes casting. ansehnlich. ughh. der buck hat keinen witz. pointiert ist anders. LEST. DAS. BUCH. was hat der kehlmann eigentlich während der drehbuchtreffen gemacht? kater ausgeschlafen? schwerfällig. mhh. die bilder sind wirklich ganz hübsch. da lohnt sich die dritte dimension doch mal. vor allem im kleinen. obwohl. ein bisschen freiere bildspielereien hätte man sich und uns schon genehmigen dürfen. wozu geht es schließlich um mathematik? bisschen koordinatensystem mit xyz-achsen-netzwerk wär doch nicht schlecht? ist schließlich 3D. hat beim buchcover doch auch funktioniert. und was macht sunny melles da? ist das ihre art sterbender schwan? hat eben keinen witz, der buck.

so in etwa mein review nach den ersten 65 minuten film. gefühlt. muße, nach der uhr zu schauen, hatte ich trotz allem gemosere nicht.

was ein lahmes voice-over. der ironische kommentar des autors (kehlmann hat das selbst gesprochen) müsste doch eigentlich eine sichere bank gewesen ein? immerhin: teilweise superschnitte, die die erzählstränge miteinander verbinden. au naja, der herzog ist eine wohlmeinende knallcharge. wie betrüblich, dass nun dieser wackere mann tatsächlich so eben mal in der schlacht wider den kleinen korsen mit den angeklatschten haaren fallen muss. noch viel betrüblicher, dass eine der wenigen sympatisch geschilderten französischstämmigen und -repräsentierenden figuren fast völlig ihre funktion als - wenn keiner zu genau hinguckt - taugliches und menschliches gewissen unter zu lauten pointen verliert. und dann die völlig überdrehte ausstattung und lichtregie. wir sind doch nicht in der unterstufendisco.

bahahahaha. der deutsche staatsphilosoph, ein reiner rest von einem würstchen. mit timing. wenigstens noch etwas von dem respektlosen pessimisten-witz der buchvorlage rübergerettet.

haaaach. was soll man machen, jetzt sitzen da die zwei ollen, grummeligen, nach pischdrops und mottenkugel müffelnden geistesgrößen zwischen den vergitterten und beschränkten kopfwelten ihrer und aller zeiten und kommen zum wesentlichen. da kann ich einfach nicht länger selber grumpig bleiben. da bin ich dann doch halbwegs sentimental und versöhnt raus aus dem kino.

also: 3 mal eine kantige knackwurssst in einer mit präzisionspinzette gehaltenen michelmütze.


Happy New Year
Happy New Year
DVD ~ Halle Berry
Preis: EUR 4,97

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen überraschung der seichten art, 26. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Happy New Year (DVD)
und eine unheimliche begegnung der zweiten. jedenfalls ist diese begegnung vom scheitel bis zur sohle konsequent durchgestylt. oder zumindest bis zu dem rosa werbesticker und anzunehmenden qualitätssiegel "was frauen schauen". und nicht schlecht geschaut habe ich tatsächlich, als ich quasi durch von langer hand geplanten eilerlass und sondersendung aus dem nahen osten dazu verdonnert wurde, mich besprochenem machwerk zu widmen. na, auf ein frohes neues!

worum es im film geht, verrät schon der titel. geradezu angemessen detailreich und tiefenscharf erfährt der geneigte nutzer noch mehr zu inhalt und ziel des filmes durch die eingangs erwähnte verpackung:

"Regisseur Garry marshall vereint in seiner neuen romantischen Komödie ein hochkaratiges Ensemble, In Happy New Year geht es um Liebe, Hoffnung, Vergebung, zweite Chancen und Neuanfänge in miteinander verwobenen Geschichten vor dem Panorama der pulsierenden Metropole New York City."

die darsteller? sind sehr variantenreich gecastet und je nach stand auf der hollywood-in-list auf dem cover angeordnet. am prickelndsten darunter? die zwei schampusgläser, die im übrigen unbedingt vor genuss des verpackungsinhaltes zu sich genommen werden sollten. vielleicht verwechselt man danach ja auch eher die play mit der ff-taste. das dritte oder vierte glas vorneweg könnte eigentlich auch nicht schaden.

die extras umfassen einen audio-kommentar von regielegende garry marshall und verpatzte szenen. moment. verpatzte szenen? achso. das erklärt es. aber was war dann der hauptfilm???

ein stern, weil: weniger geht ja eh nich. noch ein stern für til schweiger (jawoll, wenn dann kann man ja auch gleich aus dem vollen schöpfen). ein stern schwersten herzens wieder abgezogen wegen: robert de niro (wie um himmels willen ist das denn passiert?), +/-0 für hektor elizondo (wie war das? aja. shame on you if you fool me once, shame on me usw) und einen wieder drauf für den ungebrochenen thrill des weiterhin unbeantworteten mysteriums, wie das projekt zu stande kam und dann noch soviele wirkliche stars wie motten an das unverglaste gaslicht sog. und vielleicht auch ein wenig für die chuzpe, uns das noch einmal zu servieren.

immerhin weiß ich dieses mal, welch dämonische macht mich zum gucken des machwerkes verleitet hat...
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 11, 2014 12:01 AM CET


Confession of a Child of the Century [UK Import]
Confession of a Child of the Century [UK Import]
DVD ~ Charlotte Gainsbourg
Wird angeboten von DaaVeeDee-DEU
Preis: EUR 22,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ha, haha!, 4. Mai 2013
hurra!

pete doherty ist mein größter fan!

- kein witz, sondern allgemein bezeugte tatsache. denn statt sich entgültig ins poetennirvana zu kanülen, karriolt er nun aufs ruheloseste (mehr oder weniger) formvollendet mit frack, zylinder und vatermörder durch ein waschechtes period-drama.

und das bietet die altbekannten versatzstücke: beau, dandy, berufssohn und – glaubt man wikipedia - ein recht überflüssiger mensch byron’schen zuschnittes ist ganz krank von all den orgiastischen freiräumen des stadtlebens, bricht mit seiner mätresse - aus geld oder (un)treue gründen, spielt ja auch keine rolle - prescht ermattet und atemlos aufs land, einer sterbenden vaterfigur entgegen - und nutzt dort wider oder willig sogleich die gelegenheit, auf dem erdigen lande sich und etwas bodenhaftung zu finden. natürlich am besten in den armen einer holden landdame... soweit so onegin.

wie mit "onegin" oder "die letzte mätresse" entführen uns immer wieder herzensprojekte namhafter film(kunst)schaffender in die epoche der "verlorenen generation" nach der großen französischen revolution, die durch die salons der europäischen welt hindurch mit aufmerksamkeit und anteilnahme verfolgt wurde. immer wieder mit mittelprächtigem ergebnis. aber immer wieder steckt zumindest herzblut in der angelegenheit. vielleicht auch autor alfred de mussets buchvorlage für hiesigen film „confession d’un enfant du siècle“, in dem er die eigene, stürmische affäre mit schriftstellerin george sand verarbeitete. allemal ein buch bzw. eine begebenheit, die schon vor sylvie verhyde in der filmbrange nicht unbemerkt blieb: das liebesdrama von venedig.

der dreh dieses indie-filmes: wie eingangs erwähnt, besetzt rock-barde und füller vieler schlagzeilen pete doherty die hauptrolle. wobei nicht ganz klar wird, ob er nun spielt, oder einfach er selbst ist.
ein feiner herr in formstabilem hut, der sich in denkbar infektiöser langeweile in etüden und attitüden des möglichst modekupferwürdigen führens der pistole gegen den eigenen kopf ergeht. der ganz in vornehmlich publikumsträchtigen posen des selbstmitleides und der weltenmüdigkeit aufgeht, um die angeblich geliebte frau zu becircen. pardon my french – und ja, ich weiß, dass ich nur das offensichtliche noch ausspreche – aber: was für ein trou du cul!

ich bin mir trotzdem nicht ganz sicher, ob bei aller liebe und qualifikation, die doherty sowieso schon im überfluss mitbrachte, er die richtige wahl für die rolle des dandys ist. wenigstens einen valet hätte man ihm und seiner stets aus dem bett gefallenen haarfrisur zustehen können. aufgedunsen und drogenschwanger, wie er derzeit ist, hätte er sich mit seinem bubengesicht vielleicht erfolgreicher als kaspar hauser beworben. jedenfalls konnte ich nicht umhin, mit vorzustellen, wie der film wohl ausgesehen hätte, wenn jemand wie volker bruch die hauptrolle, nicht eine kleine nebenrolle übernommen hätte. abgelebt und dunkel kann der jedenfalls auch aus den augen gucken. auch wenn da bisweilen die schminke nachhelfen muss.

aber ich schweife ab in die eigenen untiefen. wirklich schlecht macht sich der pete nämlich gar nicht. wenigstens auf die hauptdarstellerin muss er gewirkt haben, wenn ich die klatschspalten richtig las. nur hat er sich und seiner romantikerseele mit erfahrungsbürde durch die eine oder andere musikalische vignette (8 dead boys) ein weitaus schlagkräftigeres denkmal gesetzt.

mit den worten eines anderen unverbesserlichen: „but i mentally shake hands with you“ für das vorhaben. dieses läßt sich unterm strich so bewerten:

cast: gemäß indie-zuschnitt interessant (charlotte gainsbourgh, lily cole, august diehl).
schauspiel: solala.
mode: gut – witwe brigtitte führt ein paar delikate wäschestücken vor und selbst sloppy pete hat ordentlich gebundene krawatten.
stilempfinden: gut.
eindringlich atmosphärische musik (neben klassikern von nouseux und doherty): sehr gut – war ja wohl das mindeste.
einfangen klammer, nebeltrüber naturschönheit: gut.
langeweilepotential: leider auch sehr gut.
wenig pointierte dialoge: oweh.
ständiges schwerfälliges voice-over: myohmy.
charaktäre: weisen über die liaison hinaus kaum irgendwelche merkmale, geschweige denn rettende eigenschaften, auf, sind nicht eben lebendig oder gar mitreissend dafür nervtötend und klischeehaft.
die beleuchtung: dunkel bis kaum sichtbar – es empfiehlt sich, den film in absolut abgedunkelter umgebung zu sich zu nehmen.
ton: gut.
extras: nicht vorhanden.

summa summarum: zweieinhalb bis drei kater mit besudelter hemdbrust.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 4, 2014 2:53 AM CET


Bel Ami
Bel Ami
DVD ~ Robert Pattinson
Preis: EUR 7,99

10 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen von schönen freunden und B.F.F.s, 2. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Bel Ami (DVD)
eigentlich ist es ja ein erfrischendes, lobenswertes vorhaben, den gesellschaftlichen aufstieg von tiefster gosse zu opulentestem salon mal anhand einer männlichen figur (neudeutsch: manwhore) zu zeigen, die mit nichts anderem, als dem eigenen körper und im verlauf der handlung wachsender, herausgeforderter skrupellosigkeit punktet. gewöhnlich sind das ja geschichten, die weiblichen protagonisten vorbehalten waren (becky sharp, anyone?) klar, dass das marketing dann nicht recht wußte, wie das teil am besten an den mann (oder je nach klassifizierung der PR-seite: twilight fan) zu bringen ist.

leider, und das fangen die minuspunkte auch schon an, ist der schneidend fiese humor, den ich maupassants vorlage jetzt einfach mal unterstelle, vom aufmerksamen zuschauer nur noch zu erahnen.

die patenten ladies in den weiblichen hauptrollen (uma thurman als eiserne dame, christina ricci als das herz der chose, kristin scott thomas als devote society gattin, holliday granger als widerlicher fratz und auch natalia tena in perfektem toulouse-lautrec-huren-get-up) haben vornehmlich spaß an den rauschenden roben und bewegen sich mit der leichtigkeit, die damen von stand gebührt, über die ungefälligkeiten des scriptes hinweg. selbiges ist sprachlich reichlich simplifiziert. das ist eingedenk der optischen präsentation zwar nur konsequent, wirkt im gegensatz zu den entstaubten kostümen und entrümpelten szenerien aber nocht frisch sondern dämlich. muss man denn immer sein publikum für dumm halten? nicht zuletzt gerät dadurch die psychologie der figuren ins hintertreffen. zwar lassen sich die lücken noch gerade so vom zuschauer füllen, aber der fahle nachgeschmack des scriptes als adaption an sich bleibt.

und dann der hauptdarsteller selbst. ich schwanke zwischen kongenial besetzt und kolossal daneben gegriffen. klar bleibt die figur oberflächlich, leer, ziellos wütend, größtenteils unsympatisch und etwas undurchschaubar. das würde ich nicht robert pattinson als schauspielerisches unvermögen anlasten sondern als treffsichere charakterisierung der figur duroy festhalten wollen. eigentlich spielt der robert technisch sogar ganz gut. aber vollends mitreissen kann die geschichte mit einer solchen figur im zentrum dann natürlich nicht. das ist ja der punkt, der mich immer vor französischer literatur des 19. jhs generell zurückschrecken läßt.

allerdings hätte es dem hauptpart nicht schlecht getan, wennse einen wirklich charmanten jungen herren gecastet hätten, der wenigstens kurzfristig durch einen guten ersten eindruck sein publikum einwickeln kann. pattinson sieht immer so verquollen und müde (neudeutsch stoned) und unrasiert aus, dass man sich wundern muss, warum die damen sofort auf tuchfühlung gehen, statt erst mal gebührenden abstand zu halten und sich luft zu zufächeln, bis die nächste eau de toilette flasche gegriffen ist. wobei er natürlich auch wieder nicht wie ein unrasiertes mannsbild wirkt, dass die ladies mit roher energie und dunkler aura nur so dahin schmelzen läßt. wies in der kritik des empire-magazine steht: "Pattinson ain't no Malkovich either."

dafür dürfte selbst die marquise de merteuil überrascht sein, was für ein eisekaltes trockenfrüchtchen sie sich da in gestalt von uma thurman rangezüchtet hat.

alles in allem: nicht das ganz große übel, wenn auch leider nicht ausgereift, will sagen: ganz groß bösartig. oder schmissig. allerhöchstens drei von fünf operngläsern mit sprung in der linse.


Die drei Musketiere
Die drei Musketiere
DVD ~ Luke Evans
Preis: EUR 5,55

8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen arbeitsbeschaffungsmaßnahme für restauratoren, denkmalpfleger, kirchenmaler - und talentierte wie chargierende schauspieler, 22. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Die drei Musketiere (DVD)
da der film als dumas-verfilmung, wie erwartet, völlig banane ist, komme ich lieber gleich zu den pluspunkten:

den schau(der)werten:

als drehorte dienten stadt, land und vor allem schlossbauten, die als tour zusammengestellt bestens durch franken und bayern führen. so wohnen die musketiere zeitweise am fuße der brücke, die durch das alte rathaus in bamberg führt. in dessen durchgang sitzen dann kostümiert säufer und tagediebe, wo auch heute tagsüber mit der gitarre, nachts einfach mit abgerissener erscheinung um einen obolus vom wohlwollenden passanten gebeten wird.

die neue bamberger residenz verliert kurzerhand den nordöstlichen teil ihres karees an die französische see vor calais und im garten der würzburger residenz bruchlandet ein ziemlich madig aussehendes luftschiff. achso. das wird die münchner freuen, das antiquarium der dortigen residenz wird kurzerhand unter "venezianisches" brackwasser gesetzt.

dafür ist der 3D-effekt größtenteils für die 4 buchstaben: bei so spektakulären aufnahmen wie zum showdown auf dem dache von notre dame de paris sollte man schon davon ausgehen können, dass sie gut was hermachen. pustekuchen. wo schon während des trailers alle aufmärsche der garden etc nach 3D zu schreien schienen, war von dem effekt oftmals kaum etwas zu merken. besonders auch in den im trailer gezeigten sequenzen. das macht sich - gebäudetiefe und zentralperspektive sei dank - in nur zwei dimensionen allemal genausogut.

zu den darstellern, und da wird's nun heikel: milla jovovich, auweh. muss mir direkt nochmal johanna von orléans angucken, so schlecht habe ich sie nicht ansatzweise in erinnerung. mylady's rolle ist ungekonnt künstlich aufgepufft, um sie möglichst spektakulär in szene zu setzen, wobei weder ihre schauspielerischen fähigkeiten noch die imaginativen ihres regie führenden gatten und seines kameramannes diese bauchpinselei auffangen und rechtfertigen können. was in venedig noch ganz gut hinhaut wird spätestens im gesicherten schmuckkabinett ihrer majestät zur ungelenken und grottenschlecht zitierenden (ausgerechnet catherine zeta jones in der thomas crown affäre') lachnummer. schade. wenigstens mylady's garderobiere (kostümdesigner pierre-yves gayraud) hat ganze arbeit geleistet. wie auch die von mylord buckingham. der herr bloom macht so tonlos auch eine top-figur. wäre als foto-love-story-darsteller unersätzlich. aber in bewegung hat er seine mimische feinmechanik schlechter als sonst getimt (man kann nicht alles auf den cutter schieben) und tonal war denn gar nix mehr zu machen. so ein schauspieler arbeitet nun mal mehr mit der stimme als in der postproduction im nachgang hervorzauberbar ist. aber dieses manko kann man ohne schlechtes gewissen größtenteils auf synchronsprecher philip moog abwälzen.

trotzdem schade, bei einer so herrlich überspannten rolle kann man offenbar doch einiges falsch machen, selbst und sogar dann, wenn man sich bei ihrer anlage an david bowie orientiert. bei diesen zwei kalibern fällt die furchtbar öde constance-maus dann kaum noch ins gewicht. luke evans aramis hätte auch etwas mehr typ dagegen halten müssen, aber bei so wenigen zugeständnissen des drehbuchs konnte er denn wohl auch nicht mehr viel tun.

umso schöner: rampensau porthos (ray stevenson). obwohls von dem auch zu wenig zu sehen/hören gab (pfui nochmal über millas selbstdarstellunsgwahn). ähnlich macfadyens athos. der hat immerhin noch am ehesten sowas wie eine story. mads mikkelsen ist auch gut dabei, christoph waltz als kardinal vom dienst eher unterfordert. positiv überrascht war ich von logan lehrman als heißspornigem gascogner. das milchbubengesicht und die kreischende fangemeinde hatten mich zunächst reichlich irritiert, wobei mir schon nach einmal '3:10 to yuma'-gucken leichter ums herz wurde, da der bube bei bedarf wirklich spielen kann. dementsprechen bringt er denn auch allen rotzdreisten hemdbrustcharme, den ein d''artagnan braucht, auf die zu füllende leinwand. nicht zu vergessen: sein papa, dexter fletcher, der street-credibility versprüht, wo immer er auftaucht. am meisten spaß macht allerdings newcomer (was heißt newcomer, immerhin ist er sprößling alten englischen schauspielclans, mit dem namen wie edward, james, emilia und laurence in verbindung stehen. also eher ein selbstläufer) freddie fox als trotteliger könig von einem modenarr.

alles in allem: bei dem ausblick auf die letzte szene wird ein sequel zwar auf den ersten blick wahrscheinlich, kann aber auf den zweiten nur ein derart abstruser schmarrn werden, dass man lieber jetzt beim ersten und noch einzigen teil zuschlagen sollte - und damit auch nicht schlecht unterhalten ist. reden wir mal von drei-von-fünf wohlwollenden, vor filmgenuss zu leerenden brandtweinbouteillen und einem bunten knallbonbon voll heißer luft und vier plättchen glitzerkonfetti.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 2, 2012 5:55 PM MEST


Marie Antoinette
Marie Antoinette
DVD ~ Kirsten Dunst

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen schwer wiegt der kopf, der die kron' e(r)trägt, 23. Juni 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Marie Antoinette (DVD)
auch wenn sofia coppolas (das geheimnis ihres todes, lost in translation) film keinen zweifel daran läßt, dass der hübsche leichtkopf titelgebender königin (kirsten dunst) zunächst eher aufgrund unmäßigen champagnergenusses bleiern hängt und nicht, weil die zu herzen genommene schwere der absolutistischen souverenität ihn belastet. viel eher noch erdrückt da die - für eine etwas vernachlässigte unter vielen österreichischen prinzessinnen gänzlich unerwartete - last der familiären verantwortung als bürde der überlebensgroßen mutter kaiserin (mit mehr als einem mütterlichen augenzwinkern besetzt: marianne faithful).

der film sucht also stets sympathisierende nähe zur bisweilen arg von der historie verfehmten person ihrer mäjestät. so er denn überhaupt die historische person ihrer majestät sucht. trotzdem der film auf antonia frasers eher geschwätziger biographie "the journey" basiert, scheint die amtlich-politische person der regisseurin nämlich größtenteils schnuppe, vielleicht weil ihr die politik begrifflich zu nahe bei der political correctness liegt. und absolut unkorrekt im sinne der vergilbten normen für einen kostümierten erzählfilm ist dieses stück hier allemal, nur darf der zuschauer sich wundern, wie zart und barbie-pink maskiert der punk daher kommt. denn coppola widmet sich viel lieber dem sujet, das ihr am nächsten liegt, und in welchem sie uneingeholte expertin ist: absolut stilsichere, traumwandlerisch feinfühlige studien weltenverlorener charaktäre aus (ab)gehobenen gesellschaftsschichten.

wenn da nun der professionell kritisierende vorwurf laut wird, dass die regisseurin "beim impressionistischen ansatz aus ihren beiden vorherigen filmen bleibt, der in den überwältigenden kulissen allerdings weniger verträumt als kraftlos wirkt", hört sich das, geht es nach mir, viel mehr an, als sei es ihr eben doch auf geradezu kongeniale weise geglückt, das bild, das man heute von der kronprinzessin' charakter in ihrem reduntanten, absolutistischen zeremoniellen unterworfenen leben hat, einzufangen. und dies in form eines filmpoems mit schwelgerisch pastellener ausstattung, einer sowohl als pomp wie auch auf understatement setzenden bildauswahl und haargenauer musikselektion, die von den emotionalen "reisestopps" der behandelt werdenden personen erzählt, wo es die offen-sichtlichen hofeindrücke verschweigen.

angemerkt sei an dieser stelle vielleicht noch, dass der vergleich zu den heutigen societygören nur insofern trifft, als man damit nicht geschmacksbeleidigend grelle blödblinsen und moralbefreite luxusproletten wie oft beschworene paris hilton meint, sondern den bogen vielleicht zu bohemeren it-girls wie coppola und dunst selbst spannt. denn es besteht meines erachtens nach ein immerhin bemerkenswerter unterschied zwischen leicht- und hohlköpfig. dementsprechend auch der das publikum anerkennend fordernde (im gegenteil zu: langweilende) ansatz, nicht effektheischerisch darzustellen, was eh jeder weiss, nämlich wie die königin denn nun in radikaler problembehandlung schlußendlich von ihrer kopflast befreit wird, sondern allgemeines wissen zum näheren verständnis des filmes voraussetzen.

jedenfalls würde ich es den paris hiltons dieser welt nicht zutrauen, diese umwerfende und umwerfend charmante schwermut, chucks, platons höhlengleichnis (ja, tatsächlich, wer hätte das gedacht, erkenntnistheorie in einem film, der vornehmlich für seine - übrigens eher ungelungenen - manolo blahnik schuhe bekannt ist), britischen new-wave-post-punk und das ancien régime derart passgenau, radikal und doch sanft-humorig unter einen hut der zurecht oscar-prämierten kostümbildnerin milena canonero (barry lyndon, der pate) zu bringen.

allein für diese leistung 5 zacken aus der krone mit jeweils einem draufgespießten petit four.

PS: sollte aber nun der geneigte zuschauer doch die historisch verbürgtere person der regina non grata suchen, so versuche er es einfach mit dem sonst eher mediochren "das halsband der königin", der streift besagte dame zwar kurz, aber treffend und ebenso gut gekleidet. wem das immernoch zu wenig dramatisch und unrevolutionär ist, der probiert vielleicht das gleichnamige alte MGM vehikel nach stefan zweigs "bildnis eines mittleren charakters", der, von der kritik liebevoller behandelt, zwar mit dem buch und der politik genauso wenig zu tun hat, aber genauso überwältigende kulissen und kostüme in zeitgemäß hyperdramatischem zuschnitt bietet. ein neuzugang in den filmischen auseinandersetzungen mit der "autrichienne" bietet benoit jaquots "leb wohl, meine königin!" mit einer am rande des nervenzusammenbruchs entlanglächelnden diane krüger in nämlicher rolle. jedoch muss der zuschauer, obwohl der film aus der perspektive einer bediensteten geschildert wird, auch hier einen ähnlich beschränkten winkel mit fehlendem blick durch das gitter des güldenen käfigs in kauf nehmen, in puncto kostüm, tempo, detailschärfe und teifgang seine erwartungen aber erheblich drosseln.


Elizabeth: Das goldene Königreich (The Costume Collection)
Elizabeth: Das goldene Königreich (The Costume Collection)
DVD ~ Cate Blanchett
Wird angeboten von Film_&_Music
Preis: EUR 8,09

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "es gibt nichts traurigeres als vergeudetes talent", 9. Juni 2012
1998 sorgte der indische regisseur shekar kapur mit elizabeth, seinem kraftvollen und in sich geschlossenen film über eine junge frau auf dem steinigen weg zu den zweifelhaften ehren einer ikone, für einen überraschungserfolg bei kritik und publikum. - und einen handfesten skandal bei der oscar-verleihung für die beste weibliche hauptrolle. denn entgegen aller odds ging der nackte goldjunge nicht an die bis dato eher unbekannte cate blanchett, die als königin in der ausbildung ein wahrlich heißkaltes fegefeuer entfacht, sondern an die zwar charmante aber vor allem barbusige gwyneth paltrow als shakespeares muse. da wäre ich vor scham auch in tränen ausgebrochen. andereseits: kann ja mal passieren, dass man angesichts der ganzen reifröcke und pluderhosen durcheinander kommt. erstrecht, wenn sich die männlichen hauptparts auch noch bis aufs haar gleichen.

hum wie num, knappe zehn jahre und eine bombastische, diesbezüglich vor allem fantastisch erfolgreiche herr-der-ringe-trilogie später trommelte der regisseur so ziemlich das gesamte oscar-nominierte-oscar-verschmähte team von einst noch einmal zusammen, um einen zweiten teil auf dem weg zur angeblich von anfang an als trilogie geplanten reihe nachzulegen. sehr verdächtig. sehr fadenscheinig. und somit ein denkbar schlechtes vorzeichen.

da meinte man es nun besonders gut und wollte alles richtig machen. dabei hat uns nicht erst terry pratchett darauf hingewiesen, dass gut gemeint nur eine abkürzung auf dem weg zur hölle sei. mit einem drehbuch, das so löchrig und propagandadurchtränkt ist, wie die kerkerhemden der überführten verschwörer, einer riege äußerst hochdotierter kleiderständer (neben cate blanchett und geoffrey rush aus teil 1 nun auch clive owen, rhys ifans, samantha morton, laurence fox) und einem budget, dass es vermag, den gesamten film in einem jenseitig-güldenen glanz erstrahlen zu lassen, der mittelerde weit besser zu gesicht steht, als einem historien-dingsbums, machte sich das team also auf/ab in den fahrstuhl/paternoster.

konnte teil eins selbst geschichtskenner bis zur letzten minute immerhin fesseln, in dem er der jungen königin und mit ihr dem zuschauer die allseitige bedrohung bis auf die haut kriechen ließ, erstickt hier alles in pomp, circumstance und atlasseide. komplotte, so es sie überhaupt noch gibt, und parteizugehörigkeiten werden hier nicht über ausgetauschte blicke mitten in der übervollen intrigantengrube "hof" kommuniziert, sondern dem zuschauer mit dem nagelbestückten zaunpfahl eingehämmert. einstmals hochinteressante charaktäre wie der dunkle sicherheitschef walsingham, der ehedem hemdsärmelig und freimütig sein zimmer mit zarten jungen und weltgewandten damen teilte, notfalls ganz skrupellos beide aus dem weg räumte, über so ketzerische wie nahliegende fragen laut sinnierte und sich im angesicht eines würdigen vorgesetzten als feinfühliger, treuer berater erwies, verkommen zu normkonformen, weltenschweren spaßbremsen. womit schon mehr adjektive zum persönlichkeitsumriss genannt wären, als den meisten figuren in diesem rührstück ansteht.

für einen themenkomplex, der ob seiner religiösen brisanz durchaus feinfühlig anzupacken wäre, geht man unlogisch und brachial zu werke. kurz gesagt: katholiken sind humor- und frauenfeindliche, fanatische, kriegstreiberische entstellte kleine zwerge mit gestörtem verhältnis zu jeglicher ästhetik, die sich im zweifelsfalle ihre blühenden ländereien unterm hintern wegroden, wenn man damit nur genügend kriegsspielzeug gegen den feind auffahren kann.

hingegen die briten. tjaha. die haben eine waschechte mutter gottes... ähh... des volkes auf dem thron, die geist- und reich hofhält, unter weitem himmel über grünende hügel galoppiert und emsig an dem manifestierten glauben, den kathedralen baut.

da stört es auch kaum, dass sowohl die madonnenverehrung, wie auch die in eisen gepackte jungfer/gaubenskriegerin (jeanne d'arc), zu denen queen elizabeth hier je nach anlaß stilisiert bzw. - ganz weib - eingekleidet wird, eher katholische angelegenheit sind. schwamm drüber.

das führt mich aber gleich zur konsequentesten idee des films, die einzige auch, die dann tatsächlich mit einem oscar belohnt wurde: die kostüme. selbige sind zwar vergleichsweise auffällig (um den rethorischen zaunpfahl mal stecken zu lassen) gestaltet, entfalten aber eine weit subtilere, aussagekräftigere dramaturgie, als sonst im ganzen film zu finden ist. will man diese entschlüsseln, hilft erneut eine katholische farbikonografie weiter.

so leidet lisbeth nach aburteilung der gesalbten königin maria stuart hingehaucht auf ihren güldenen thron in opulentem violett - die farbe der buße. zu besonders enevierenden höfischen gelegenheiten leidet sie malerisch in hellblau. oder aquamarin, dem blau des weiten ozeans, stellvertretend für fernweh und eine nicht zu befriedigende sehnsucht. passend zur mode projeziert sie diese sehnsucht also auf den seefahrer raleigh. den spanischen botschafter macht sie wiederum in ambivalentem gelb (von herrschaftlich gülden oder mißgünstig neidgelb) zur schnecke. und zu ihren majestätischsten, übermenschlichsten auftritten als unbestrittene herrscherin erscheint sie in göttlichem weiß, der summe aller farben. dem licht... wie passend, dass die zweite elizabeth (throckmorton, ihre blonde hofdame, gespielt von abbie cornish) stehts die selbe farbe in jugendlich pastellener abwandlung trägt. ist sie doch elizabeth frische, jugendliche, emotionale exekutive.

von dem gesamteindruck lenkt das reich illuminierte bild selbstverständlich nur bedingt ab. denn alles in allem bleibt ein äußerst zwiespältiges konstrukt. eines, das einerseits durch kinogerechte und doch kunstvolle, symbolische gestaltung, wie man sie sonst nur in independentfilmen zu sehen bekommt, denen zur vollen entfaltung meist das geld im säckel fehlt, unterhält - und zum anderen durch das niveaulose, charakterfreie 08/15 drehbuch mit hollywoodschmalzzulage und dialoge, die sich eigentlich nur mit oropax ertragen lassen, abschreckt. so entsteht und bleibt natürlich der eindruck von unnötig überproduziertem, aber ärgerlich unterdachtem schmodder.

dafür 3 von 5 sturmgepeitschten spanischen jollen mit mastbruch.

bleibt zu hoffen, dass ein dritter teil entweder nie gemacht wird oder nur nach reiflicher überdenkung der proritäten und buße für die nachlässigkeiten des zweiten abgesegnet wird.

amen.

PS: außer dem vom verleih beschworenen einheits-look unterscheidet sich diese costume-collection-dvd erstaunlicherweise in rein garnichts von der generellen edition. und selbst das aufsehenerregende rote kostüm ist auf dem cover noch durch den einheitslook-schmuckbalken-mit-vignette beschnitten.


Snow White & the Huntsman
Snow White & the Huntsman
DVD ~ Kristen Stewart
Preis: EUR 5,55

10 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen guad schaust aus, nur schad, dasd blöad bist!, 9. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Snow White & the Huntsman (DVD)
verdammte werbefilmer!

ich sage das in höchstmöglicher ehrerbietung, denn mit dem handwerk der bildsprache kann regisseur rupert sanders (*1) in seinem langspielerstling trefflich umgehen. und ich sage das angesichts dessen und der äußerst und auch sonst so vielversprechenden besetzung in höchster verärgerung(*2), denn anders als im kinomärchen stellt sich nicht die frage: war es einmal?, sondern das berühmtere: was wäre wenn und hätte sein können?!

selbst wenn ihr euch noch nicht in die allerneuste oder besser allerletzte schneewitchenadaption verirrt habt, wißter also bereits um die ganz erheblichen schauwerte, wie chris hemsworth (*3)oder - zugestanden - wahlweise (*4) kristen stewart oder charlize theron. und die (also die schauwerte) sind zumindest in der ersten hälfte, will sagen im dunklen wald (*5) und auf dem weg in den hellen solchen enorm, bombastisch, richtig gut. und oftmals stilsicherer (*6) als inszenierungen etablierter größen. schöner ließ kein präraffaelit oder nazarener oder akademisch-romantischer künstler (ja, das geht zusammen. irgendwie) zu grimmens zeiten seine helden durch die berauschenden gebirgslandschaften stolpern. und erst die kostüme!!

aber irgendwann wirds so gänzlich ohne greifbare subtanz halt öde und der rest ist dann in übergroßem maße eine mehr oder minder geistlose aneinanderreihung bekannter, soll heißen: noch im kollektiven kurzzeitgedächtnis der zahlenden werbezielgruppe mit ADHD verbliebener filmotive der letzten fünf minuten kinogeschichte. schlimmer als in aschenputtels streumischung für taube täubchen. da hätten wir dann ein zentner "herr der ringe", jetzt auch mit zwei gollumsen, vier sack "zwielicht"iger dreieckslangeweile mit leidensmienenverdoppelung, eine pilzwiese voll tim burtons "alice", ein mottenzerfressener nerz voll "young victoria", köcherweise scotts "robin hood" und bedauernswerter weise nur eine kettenhemdsöse voll milla jovovichs wahnsinns "jeanne d'arc"-attidüde. klingt schon etwas nach verdorbenem brei? iwo, man könnte sich ja bis in den ganz hart an thomas kinkades säuresirup vorbeischrammenden feenwald (*7) noch an dem all-style-stil ergötzen. aber dann mit prinzessin mononoke" auch noch fernöstliche biomagie in den bottich zu schmeißen (*8). das hatte auf mich dann doch die wirkung eines winzigen minzblättchens. überhaupt, dieser ganze ökoelfenheilsbringerschwachsinn. ihhhhhhja. nee. NEIN. maaan. es muss ja nicht blütenreiner grimm sein. zumal schon kirsten stewarts ebenschwarze disneyvorläuferin das unnachgiebige problem hatte, stinklaaaangweilig zu sein und nicht ohne grund bislang noch so ziemlich jede verfilmung ziemlich unguckbar war. aber wenigstens einen gedanken wird man doch wohl an sowas wie eine stringente moral von der geschicht oder psychologische spielfreude, doppeldeutige textausdeutungen usw verschwenden können? dieses schneewittchen jedenfalls ist unschuldig und rein bestenfalls im viel zu dermatologischen sinne des wortes. und das schlimme daran ist: es war keine absicht.

und dann diese peinigend schmerzhaften texte. spätestens nach dem auftauchen der zwerge (*9). s'sind übrigens acht zwerge an der zahl. aber keine angst, die reduzieren sich im verlauf der handlung (*10) noch um den niedlichsten part (ehrlich) auf die überlieferten sieben... aber ich schweife ab. wo war ich? uhhhhhh. ja. die dialoge. phrasen. immer mehr und immer schneller. schlußendlich ausschließlich und in schützengrabenstakkato. aber keine angst, wegducken hilft nicht und sandsäcke mußten vor der kinotür abgegeben werden. gleich mit den heißluftsicheren westen und den moosohrenpfropfen (*10). eine solche menge schaffen die agrardrescher nichtmal, bevor sie nach 12 stunden dauerbetrieb überhitzt feuer fangen und den halben acker mit verwüsten. mit der verwüstung sollte man auch dem pflegel, der DAS script eingereicht hat, drohen. was in meiner wut natürlich zu kurz greift. vielmehr sollte mit dem kopf vor die anschläge der schreibmaschine gespannt werden, wer immer das script abgesegnet hat.

fazit dieser giftundgallesitzung: LEIDER ungeil.

bestenfalls zwei blau(gehauen)e augen von fünfen für chris hemsworth (*12).

wenn ihr den film also noch nicht im kino gesehen habt: holt euch irgendwann die bluray, macht alle 30 sekunden der ersten 30 minuten ein standbild, druckt die besten bestens aus und klebt sie in ein märchenbuch. ach was von wegen kaufen, leiht euch das zeug. so einen seelenlos abgekarteten murks kann man ja nicht guten gewissens mit geld unterstützen... das könnt ihr dann ja bei anständigen druckern und buchbindern lassen.

*1: vorhergehende meisterwerke: u.a. der axe-spot, in dem die engelein vom himmel plumpsen, weil der junge herr mit der vespa das deo gewechselt hat. hätte richtig doll sein können, wenn wenigstens eines der flügelviecher männlich gewesen/ausgesehen wäre/hätte.
*2: naja, so sehr man sich über einen versemmelten film eben ärgern kann.
*3: in lederkluft mit leinenhemd und gebundenem ned-stark-gedächtniszopf und stoppeloptik. plus riesenfahne und kummerraufen. herz, was willste mehr.
*4: ob blond, ob braun...
*5: wenn man "jäger" schon nicht eindeutscht und der kernige chrischi dann stets und ständig mit einem gar ehrenrührigen "hansmän" angesprochen wird, kann man dann statt "dem dunklen wald", der irgendwie eher die unterseite eines unaufgeräumten kinderzimmerbettes verheißt, nicht auch einfach "dark forrest" sagen?! das klingt immerhin so, wie die kronen der bösen königin aussehen.
*6: beispiel: das ableben der bösen königin, wie ein verwundetes tier. hättenses nicht zum schluss mit so blöden wie unnützen CG-bildern gekillt - oder schon vorneweg mit diesen textzeilen - s'wär direkt rührend große oper gewesen.
*7: yay, kleine fluffige pelztierchen. und alle stumpfweg animiert... schlecht natürlich.
*8: womit ich selbstverständlich nix gegen prinzessin mononoke gesagt habe will.
*9: da hat bob hoskins sich aber auch die kugel geben lassen, in seinem alter noch als legolas fungieren zu müssen.
*10: muharhar...ndlung... als ob.
*11: hey, ich sollte merchandise-entwickler werden.
*12: und ich bin mir noch nicht mal sicher, ob ihm, wie dem ganzen film nicht gehörig durch die ursprünglich als sehhhr luftig-leicht empfundene süßfratzvariante mit köstlich angesäuerter julia roberts als königin und delikat vertrotteltem armie hammer als schönlingsprinz der garaus gemacht wird. zumal sich die filme in auffälligen details verdächtig gleichen. zum beispiel die lage der hauptimmobilie oder zwei überkopf an den baum gehängte, unsanft runtergeschnittene hauptprotagonisten oder der augenscheinliche style-over-substance-wille. naja. ein hoch auf das sequel...
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 17, 2012 1:17 AM MEST


Anonymus
Anonymus
DVD ~ Rhys Ifans
Preis: EUR 5,55

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen worte worte worte, 9. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Anonymus (DVD)
fraud! counterfeiter of wit! sharlatan!

sinngemäß nur einige der vorwürfe, mit denen sich auch schwabenexport roland emmerich, eher bekannt und berüchtigt für krachbummige weltenzerstörung als subtile subversion, nach der vorführung dieses seines neusten machwerks konftrontiert sah. kolportiert er hier schließlich nichts weniger als den gedanken, dass shakespeare, der mann, der in allen seinen ömzig stücken, poemen und sonetten lexikalisch dem papier, der bühne und der menschheit anvertraute, was es heißt, ein mensch zu sein, der noch immer meist gespielte autor der theater und filmwelt (sagt das noch wer über goethemitausrufezeichen? hat das jemals wer gesagt?), dem nicht nur auf der britischen insel verstärkt durch die traditionsreiche keepsakeindustrie eines kleinen örtchens mit namen stratford eine ganzes netzwerk von denkmalen gesetzt wurde und der es tatsächlich schaffte, fast über ein halbes jahrtausend nach dem eigenen ableben noch gegenstand fruchtbarer und (um)spannendster debatten zu sein, SO gar nicht existierte, sondern vielmehr ein versnobbter, mit intrige, inzucht und seinem spitzenbestickten taschentuch beschäftigter höfling war.

und während das verfolgen der argumente der einen oder anderen gelehrtenpartei packender und aufschlussreicher ist, als ein ganzes regal voll belletristikthriller, bleibt unterm strich die frage: wen juckt das? völlig banane, wer die stücke schrieb, solange sie nur existieren. und das tun sie. unter dieser prämisse begab ich mich also händereibend mit einer anständigern portion popcorn in den lichtspieltempel (für war, es lief im massen- nicht im arthousekino. wer hätts gedacht, das allein reichte schon fast als erfrischungsgetränk) und erwartete vielmehr eine saftige ausstattung, höfische intrige, die créme der insularen schauspielkunst und schmackelige seitenblicke und -hiebe auf wohlüberlieftes dramatis personae und szenische vorgänge im spätelizabethanischen welttheater. und das ergebnis?

überbordende effekte, allzu zahlreiche handlungsstränge, zeitebenen, die dem filmemacher leider immer wieder entgleiten, verwirrend konstruiert, völlig unabgestimme darstellerleistungen und schlußendlich die tatsache, dass emmerichs bester film noch immer kein guter sei. so das kritikerlob von weit und breit. stimmt meiner bescheidenen meinung nach nur bedingt:

aalso: des drehbuch beginnt tatsächlich etwas zerfasert. jedoch macht es nicht wirklich schwierigkeiten, die zeitsprünge zu verfolgen. leider verfehlt emmerich so den nicht unwichtigen zielpunkt, den zuschauer mit in die beweggründe für die essex-revolte zu nehmen, die später als sperspitze der krisis etwas zu kalt läßt.

oder besser, die mängel des films liegen in der jugend. die gesamte junge herrschar um den schnittigen essex, besonders dieser selbst, hätte etwas mehr eindrücklichkeit verdient. - was nicht an den darstellern liegt. wiederum an denen leidet aber der filmteil um den jungen oxford und die junge lisbeth. joeley richardson ist eben nicht die mama und jamie campbell bower macht als formvollendeter kavalier eine schnieke figur, hätte aber bitteschön die finger von den versen lassen sollen. dass er sie, die eh schmählich unterrepräsentierten, nackernd runterstöhnt, ist schlimm genug. dass man ihm dann auch noch abnehmen soll, sie selbst erdacht zu haben. oh dear. und dass dann die königin, die uns durch die gesamte kinogeschichte als gewitzter geist, wenn nicht als weisheit in person, um die augen gehauen wurde, im seifenopermodus ausgerechnet für romeos gelulle fällt. muss man nicht gesehen haben.

charmant allerdings die unaufgeregte selbstverständlichkeit, mit der elizabeth eine ganze horde voll strammer jungens als bastarde aus diversen liebschaften angeredet wurde. mit vorgefertigter staatsdiplomatischer schwangerschaftsroutine, ausgeführt von diskreten herren (u.a. david thewlis und ein klasse aufspielender edward hogg), deren stand in der bevölkerung natürlich der denkbar unfairste ist. wissender zu sein ist eben ein undankbarer job. die sache mit der inzucht ist nicht im ansatz so absurd und frivol verwendet, wie befürchet.

überhaupt ist die lösung der fäden dann doch mitreißend. wunder was. da übernehmen ja auch die erwiesenen könner das feld. besonders rührend fand ich die letztendliche aussprache von einem dichtergeist zum anderen. erfährt doch so der ständig mit seinem schicksal hadernde, vor neid und mißgunst zu verkrümmen drohende und trotzdem vor unverleugbarer bewunderung überfließende ben jonson (super: sebastian armesto, der kitt zwischen den fäden) seine erlösung. blöd nur, dass er das gleich in der nächsten, mit einem mordsmäßig guten schnitt eingeleiteten szene vergessen zu haben schein, wenn er plärrt: "ich war ein niemand, nur ein bote für ihn..." määähhh. dann heul halt weiter! geheult hat rhys ifans nicht, sein oxford hatte aber ständig trauerumflorte augen. und schön versnobbt war er. eine ordentliche portion weltenschwere würde ich auch einem autor der werke shakespeares nicht absprechen wollen. aber dann bliebe trotzdem die zweite waagschale voll von überschäumender lebensfreude.

mitgerissen von der ersten gesehenen bühneninterpretation seiner worte stimmt der autor, also oxford, hier zwar selbstvergessen und feurig wie nie als junger mann mit dem pöbel ein - genau an der stelle, in der eine überwältigte maid/dirne aus dem publikum die henry-v-bühne stürmt und kampfesmutig einen in der schlacht gefallenen franzosen nochmal herzig am schlawittchen packt und gegen die - immobile - bühnendeko rammt (auch statistsein ist ein undankbarer job) - aber so rechte, unbeschwerte lebensfreude geht dem guten oxford wie auch dem film leider zum großteil ab. wie gut, dass es also wenigstens den schmierigen pfennigfuchser aus stratford (bis zum haarigen hintern mit wonne dabei: rafe spall) gibt. der lümmelte nämlich mit hingabe in dieser schale rum (no pun, much less any innuendo intended!!) und sorgte immer dann, wenn ich gerade geneigt war, ob der tristesse mit den augen rollen zu wollen, für das notwendige maß erheiterung. so lustig wie pestbeulen!

wenn der rest der welt also gaaannnz wit-zig (ab-)urteilt, dass emmerichs bester film beileibe noch kein guter sei, freue ich mich drüber, dass der kerl wenigstens weiß, wie er seine optik zusammenkriegt. wer gerne über alten stadtkarten hängt und auch über die von london schonmal gestolpert ist, der wird hier vor freude im quadrat hüpfen.

das kostümdesign ist zudem ein prima aushängeschild für lisy christl, auch wenn die passform hier und da und an den geliehenen statistenkleidern etwas "off" war. großartig: olle lizzies sublime schwarz-weiß roben und young oxfords bis unter den gürtel gestylter erster aufzug.

die musik... ist leider so ziemlich bei der ersten "elizabeth" zusammengeklaut. über alles, was durch den tod der autoren (mozart, william byrd) vor mehr als 70 jahren frei verfügbar war, hat man sich her gemacht, als hätte nicht gerade elizabeths regentschaft auch zu musikalischer blüte und ergo auswahl geführt. alles, was durch david hirschfelders urheberschaft teuer zu kaufen gewesen wäre, wurde nur so leicht abgewandelt, das mans immer noch klar heraushören kann und alles wurde nicht sehr effektiv verbraten. wären die macher wie im überzeugenden trailer doch einfach bei radiohead geblieben. so gibts erheblich abzug in der b-note.

also: kein perfekt geschliffener brillant, auch weniger shakespeare als erwartet und ganz gewiss nur grob angeschnittene historie. aber ein guter, gut gemachter und mehr als unterhaltsamer verschwörungsfilm mit eigener note, der nicht so ätzend vordergründig auf geschmackserprobten publikumserfolg gebürstet ist, wie beispielsweise die zweite "elizabeth - das goldene königreich" oder auch "die schwester der königin".

dreieinhalb bis vier von fünf gänsefedern mit kielspliss.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 2, 2012 2:36 PM MEST


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