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Rezensionen verfasst von
Michael Sterzik (Osnabrück)

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Eisenberg: Kriminalroman
Eisenberg: Kriminalroman
von Andreas Föhr
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bitte mehr von Eisenberg, 13. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: Eisenberg: Kriminalroman (Broschiert)
Justitia ist das Symbol für die Personifikation der Gerechtigkeit. Ebenfalls wurde sie in der Vergangenheit als strafende, rächende Gerechtigkeit gedeutet. In Kunst und Literatur steht sie als Sinnbild des Rechtswesens.

Die Justiz – Rechtsanwalt, Staatsanwalt, Schöffen und Richter ist ein hochkomplexer Apparat unseres Rechtssystems. Doch schließlich und letztlich ist es kein perfektes Instrument gegen das Unrecht. Der menschliche Faktor und sein unmissverständliches Talent Fehler zu produzieren kann für den Angeklagten dramatische Konsequenzen bedeuten.

Der Autor Andreas Föhr hat in seinem neuesten Roman: „Eisenberg“ der Justiz eine spannende und packende Bühne gegeben. Doch es menschelt sehr vorteilhaft in diesem Justizthriller. Die erfolgreiche Dr. Rachel Eisenberg, Mitbesitzern einer eigenen, erfolgreichen Kanzlei in München, übernimmt als Verteidigerin einen hochbrisanten medienwirksamen Fall. Doch dieser Fall wird schwieriger als gedacht – sie kennt den Angeklagten, der eine junge Frau brutal getötet und verstümmelt haben soll – nicht nur einmal wird sie sich im Laufe des Falles fragen, ob sie ihrem alten Freund wirklich trauen kann. Ist der ehemalige Universitätsprofessor unschuldig und damit auf dem besten Weg ein Justizopfer zu werden, oder ist er in der Lage jemanden kaltblütig zu töten?!

„Eisenberg“ ist ein hochkomplexer Thriller – der eine Wage in den Händen von Justitia sein könnte. Die Story ist abwechslungsreich und zeigt die Arbeitsgebiete von Staatsanwaltschaft und Verteidigung sehr deutlich. Doch brillant versteht es der Autor dabei die Geschichte nicht stocknüchtern zu erzählen, sondern gibt durch ein paar gut eingesetzte Nebengeschichten seinen Protagonisten viel Raum sich frei zu bewegen. Rachel Eisenberg ist eine toughe Anwältin, sie versteht ihren Job als Berufung, aber als Mutter einer pubertären Tochter und dazu noch alleinerziehend, hat sie es manchmal nicht allzu leicht. Auch wenn der Fokus auf die Hauptstory niemals stolpert, lebt der Roman gerade von seinen perfekt inszenierten Charakteren.

Hochprofessionell versteht es Andreas Föhr den Leser spannend zu unterhalten und gibt Gelegenheit zu vielen Interpretationen über den weiteren Ausgang und die Motive nachzudenken. Irrwege, Sackgassen und Überraschungen sind perfekt delegiert.

Auch wenn die Story hochrealistisch zu sein scheint, gibt es leider ein paar unlogische Aspekte in der Schilderung der Ermittlungsarbeit. Der Kriminalpolizei passieren ein paar dilettantischer Fehler, die so vermute ich in der Realität nicht zu finden sind. Ebenfalls blieben einige Fragen hinsichtlich des Tathergangs offen im Raum stehen. Für Vielleser von Thrillern und Krimis sehr offensichtlich und vielleicht sogar etwas ärgerlich.

Trotzdem ist „Eisenberg“ ein genialer und faszinierender Pageturner. Dass Andreas Föhr eine juristische Ausbildung eingeschlagen hat und jahrelang als Rechtsanwalt praktizierte, gibt der Geschichte den besonderen und wichtigen Blick aufs Detail. Er weiß, wovon er schreibt – ebenso wie sein amerikanischer Kollege John Grisham, überzeugt er durch einen Mix von Fakten und Fiktion.

Fazit

„Eisenberg“ gehört mit zu den stärksten Justizthrillern in der deutschen Belletristik. Andreas Föhr bietet mit seinem Justizthriller eine nachhaltige und spannende Story, die einzigartig überzeugend ist.

Ich hoffe, dass die Reihe schnell fortgesetzt wird. Der Roman gehört zu den stärksten Thrillern in diesem ersten Halbjahr 2016.

Michael Sterzik


Das Teufelsloch: Roman
Das Teufelsloch: Roman
von Antonia Hodgson
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Ein verhängnisvoller Gefangener, 10. Juli 2016
Rezension bezieht sich auf: Das Teufelsloch: Roman (Taschenbuch)
Die Autorin Antonia Hodgson hat mit Ihrem Erstlingswerk „Das Teufelsloch“ im Genre „Historischer Roman“, den Spalt zu einen neuem Schauplatz ein wenig geöffnet. Das Setting bildet eine kleine, in sich geschlossene Welt, keine Stadt mit einer bekannten Infrastruktur, kein Landkreis mit herkömmlicher Vegetation – nein, die Bühne der Handlung ist ein berüchtigtes englisches Schuldgefängnis in London im Jahre 1727 „The Marschalsea“.

Ein Mensch im 21 Jahrhundert verbindet mit dem „Gefängnis“ einen düsteren Ort in denen Verbrecher – Mörder, Räuber, Vergewaltiger etc. zu langen Haftstrafen verurteilt, Ihre Strafe ableisten müssen. In unserer zivilisierten Welt allerdings sind selbst die Haftanstalten menschenwürdig und mit einem gewissen Komfort für die Insassen ausgestattet. Willkürliche Morde, Erpressungen und Verbrechen innerhalb dieser kleinen in sich geschlossenen Welt, mag es heutzutage ebenfalls geben, allerdings sind die geschilderten Dimensionen der Gewalt vor knapp 300 Jahren wesentlich brutaler.

Die Autorin Antonia Hodgson lässt die Handlung von „Das Teufelsloch“ in diesem berüchtigten, berühmten Gefängnis spielen. Es ist immer schwer, für einen historischen Roman zu recherchieren. Die Quellen finden sich zumeist in Bibliotheken, Archiven, Museen u.a. natürlich auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Archäologen usw. Diesen Quellen wird sich die Autorin höchstwahrscheinlich bedient haben, doch das wichtigste war wohl das Tagebuch von John Grano, der von 1728 bis 1729 im Marschalsea lebte. Die geschilderten Haftbedingungen, die im Roman verwendet wurden, entspringen demzufolge nicht einer grausamen Fantasie. Die Autorin vermutet, dass die Verhältnisse unter der Willkür des Direktors und der Wächter noch weitaus grausamer gewesen sein dürften.

Antonia Hodgson erzählt das Leiden des jungen Pastorensohnes Tom Hawkins im Marschalsea sehr drastisch. Sein Schicksal ist für die damaligen Verhältnisse realistisch vorgestellt. Das Marschalsea war ein Schuldgefängnis und Tom Hawkins ausschweifender Lebensstil mitsamt Alkohol, Frauen und Glücksspiel führte ihn letztlich in die Mauern des Gefängnisses. Die inhaftierten Schuldner sind der Willkür und der Geldgier des Direktors ausgesetzt. Für Unterkunft und Verpflegung muss gezahlt werden auf der „Masters Side“ – ansonsten sieht man sich als „mittelloser“ Gentleman in den überfüllten Baracken der „Common Side“ wieder, dass gleichwohl einem Todesurteil gleichkommt. Inmitten von zwielichtigen mitgefangenen und verbrecherischen Aufsehern, bekommt Tom Hawkins den Auftrag einen Mord in den Mauern des Marschalsea aufzuklären, damit wäre er wieder ein freier Mann. Leichter gesagt als getan: absolut unerfahren in der Ermittlungsarbeit und sowieso naiv, gerät er schnell in unmittelbare Lebensgefahr.

Die Handlung geht in dem sehr realistisch erzählten Grauen des Marschelsea`s unter. Willkürliche Auspeitschungen durch den Direkter, Erpressung, Mord, Krankheit und Hunger und selbst von barbarischer Folter – die Autorin Antonia Hodgson nimmt kein Blatt vor dem Mund. Da der Schauplatz der Handlung recht übersichtlich ist, ist die Anzahl der Haupt- und Nebencharaktere ebenfalls eingeschränkt. Das schränkt allerdings die spannende Handlung nicht ein, wenn diese sich auch wie schon erwähnt auf das Grauen konzentriert. Die Atmosphäre ist wie erwartet dunkel und fürchterlich beklemmend und manchmal verliert sich die Autorin in ausufernden Dialogen. Für einen Debütroman ist „Das Teufelsloch“ allerdings sehr stark, eine Fortsetzung erscheint am 2.11.2016 mit dem vielversprechenden Titel: „Der Galgenvogel“.

Fazit

„Das Teufelsloch“ überzeugt durch eine anhaltend beklemmende Atmosphäre mit einem überzeugendenden Tom Hawkins und seinem Talent, immer wieder ins sprichwörtliche Fettnäpfchen zu treten.

Antonia Hodgson beweist viel Talent und Geschick spannende historische Fakten, noch ein Stückchen spannender zu beschreiben. Perfekte Unterhaltung garantiert.

Michael Sterzik


Die dunklen Krieger (Die Uhtred-Saga, Band 9)
Die dunklen Krieger (Die Uhtred-Saga, Band 9)
von Bernard Cornwell
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gnade vor Recht, 10. Juni 2016
Es gibt Buchreihen, die auch nach mehreren Bänden nicht weniger spannend werden. Die Uhtred-Saga von Bernard Cornwell ' gehört zu den spannendsten historischen Buchreihen auf dem derzeitigen Buchmarkt. Und der Erfolg gibt dem Autor recht.

Inzwischen reitet der Protagonist Uhtred ' ein Sachse, der den Großteil seiner Kindheit und Jugend unter den Nordmännern, den Wikingern verbracht hat, im neunten Teil ' Die dunklen Krieger. Er hat König Alfred überlebt und sein Leben dem Kampf gegen die Nordmänner auf britischen Boden gewidmet, und doch schätzt er den Glauben, die Traditionen und auch die Lebensart und Kultur der rauen, räuberischen Seemänner.

Bernard Cornwells Uhtred-Saga lebt nicht zuletzt von der Entwicklung und der Sterblichkeit seiner Charaktere. Uhtred in den ersten Bänden, ein noch impulsiver, fast schon jähzorniger Mann, entwickelt er sich in den nachfolgenden Romanen sehr realistisch. Verluste, Lieben, Ängste und Hoffnungen ' Todesfälle von Freunden oder respektierten Feinden, Verrat und politische Intrigen. All diese Schicksalsschläge und Situationen formten den Uhtred, den wir jetzt erleben. Im Herbst seines Leben angekommen, ist dieser etwas besonnener und vorsichtiger geworden, allerdings scheut er sich auch niemals vor einen Kampf.

In 'Die dunklen Krieger' erleben wir wieder gnadenlose, dreckige Kämpfe im Schildwall. Wir lesen vom Töten und getötet werden ' von menschlichen Tragödien und von Rache verzerrten Menschen. Bernard Cornwell beschreibt das Leben der Sachsen und Nordmänner sehr drastisch, aber immer authentisch und natürlich unheimlich spannend. Der vorliegende Roman entfacht im Norden von Britannien einen Ansturm der Nordmänner und der verbündeten Iren und der Titel lässt schon vermuten, dass hier Kämpfe im Fokus der Handlung stehen.

Zwar gibt es auch in diesen Band erzählerische Längen und politische Themen zwischen den Erben Alfreds des Großen und besetzten Regionen, doch konzentriert sich der Autor auf die Auseinandersetzungen der Sachsen und der Nordmänner.

Das Uhtred nun 'älter' geworden ist, lässt ebenso den Schluss zu, dass diese Saga hoffentlich ein Ende findet. Ein inhaltliches, plausibles Ende und eine Bühne auf die Uhtred seinen letzten Kampf ausfechtet und mit dem Schwert in der Hand stirbt ' Willkommen in Walhalla an der Seite Odins. Doch bis dahin wird es noch ein paar Bände geben ' vielleicht sollte der Autor aufhören, wenn es am schönsten ist!?

Leider wirken die Romane manchmal recht eindimensional, denn der Leser folgt der Handlung aus der Perspektive der Sachsen. Ein Wechsel der Perspektive und ein Blick auf die Motivation der Nordmänner wären schon sehr interessant und aufschlussreich gewesen. Diese Chance hat der Autor leider nicht erkannt, und jetzt umzuschwenken ist sinnlos, da der Umfang der Handlung schon zu mächtig ist.

Sehr empfehlenswerter Wikingerroman und ich freue mich auf den nächsten Titel ' vielleicht kommt Uhtred dann seinem Ziel näher die heimische Burg zurückzuerobern.

'Die Dunklen Krieger' packt den Leser und katapultiert ihn zwischen die Reihen der Wikinger und Sachsen ' Brillanter Unterhaltungsroman.

Michael Sterzik


Orphan X
Orphan X
von Gregg Hurwitz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überzeugender Actionthriller, 22. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Orphan X (Gebundene Ausgabe)
Auftragsmörder – Attentäter – Killer – genau darum geht es in dem gerade veröffentlichten neuen Thriller von Gregg Hurwitz mit dem Titel „Orphan X“.

Die Hauptfigur Evan Smoak wurde zusammen mit anderen Kindern in einem Regierungsprojekt als Auftragsmörder ausgebildet. Über Jahre hinweg wurden die jungen Killer mit einem effektiven Ausbildungsprogramm zu einem effizienten und tödlichen Mörder geformt.

Nach Jahren des Mordens hat sich Evan losgesagt und ist in dem Dschungel von L.A. untergetaucht. Für seine Nachbarn in dem Wohnblock ist er ein unscheinbaren Bewohner. Still, zurückgezogen, unauffällig. Doch die perfekte Tarnung ist natürlich nur eine fast schon kunstvoll gestaltete Fassade. Er ist der Nowhere-Man – er hilft verzweifelten aus tödlich persönlichen Situationen. Anonym und tödlich exekutiert er kriminelle Personen. Jeder seiner Schützlinge gibt dann nach Erledigung eines Auftrages seine Rufnummer an eine weitere unglückliche Person weiter.

Evan hat sich Regeln aufgestellt, nach denen er lebt und handelt. Eine davon das 10. „Lasse niemals einen unschuldigen Sterben“.

Das wird nun leider nicht mehr so einfach – denn die Grenzen bei dem nächsten Auftrag sind nicht klar zu ziehen.

Gregg Hurwitz erzählt an sich nicht viel Neues. Der Plot ist nicht unbekannt, geläuterter „(Anti)Held“ zieht seine Konsequenzen und hilft mit Methode eines Rächers den Unschuldigen und Schwachen. Alles gut und schön und doch hat der amerikanische Autor mit seinem Protagonisten Evan Smoak eine klitzekleine Nische gefunden, die allerdings den Leser überzeugen wird.

Evan Smoaks Charakter ist sehr eindimensional konzipiert. Technisch überlegen, ein hervorragender gar rausragender Kämpfer, effiziente Tötungsmaschine. Menschlich gesehen ist Evan ein unausgereifter, einsamer Charakter und leider manchmal naiv wie ein Kind im Vorschulalter. Zwischenmenschlichen Beziehungen kann und will er nicht eingehen, dass ist seine größte und verletzlichste Achillesferse.

„Orphan X“ ist ein intelligenter und hochspannender Actionroman. Die Handlung ist alles andere ruhig – diese entwickelt sich beharrlich wie ein in einem Teich geworfener Stein. Die Schwingungen sind nicht aufzuhalten. Neben der Spannung muss man allerdings auch den Humor lobenswert erwähnen. Evans Talent immer wieder mal ins sprichwörtliche Fettnäpfchen zu treten und sein beispielloser Enthusiasmus jedem Helfen zu wollen sind klasse erzählt.

Die Handlung ist vielfältig, die Nebenhandlungen erzählen die Flashbacks Evan und lassen den Leser einen Blick in die Vergangenheit werfen. Ebenso vielseitig informativ und für die Handlung gut platziert. Ich habe selten einen Thriller gelesen, in dem es dem Autor so fabelhaft gelungen ist, eine Handlung in seiner Komplexität so packend zu beschreiben.

Gregg Hurwitz Feingefühl für den Blick aufs Detail, egal ob nun in der Charakterzeichnung, oder in der Beschreibung einzelnen Szenen ist faszinierend und gibt dem Roman eine überdurchschnittlich tiefe Atmosphäre. Nicht immer authentisch – aber das ist James Bond auch nicht und Evan Smoak braucht sich einem Vergleich nicht zu scheuen.

Das die Filmrechte inzwischen schon verkauft wurden, überraschend wohl niemanden. Das Buch ist für eine Verfilmung prädestiniert.

„Orphan X“ ist hoffentlich nur der erste Band einer Reihe und wir sehen und lesen Evan Smoak ist seiner Paraderolle wieder. Meisterhaftes Actionfeuerwerk – packende Handlung – einer der besten Thriller in der letzten Zeit. Absolute Leseempfehlung – ein Titel, den man einfach lesen muss.

Michael Sterzik


Die Sandwitwe: Thriller
Die Sandwitwe: Thriller
von Derek Meister
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannende Steigerung, 20. Mai 2016
Rezension bezieht sich auf: Die Sandwitwe: Thriller (Taschenbuch)
Nach „Der Jungfrauenmacher“ von Derek Meister, erscheint nun im Verlag Blanvalet der zweite Teil der Thriller Serie „Die Sandwitwe“.

Die Handlung spielt nur wenige Monate nach den Ereignissen und schließt unmittelbar an die letzten Serienmorde, die sich in Valandsiel ereignet haben. Der noch junge und unerfahrene Leiter der Dienststelle Knut Jansen langweilt sich in seiner kleinen Stadt. Außer den üblichen kleineren Straftaten, passierte nicht viel in den letzten Monaten. Die erfahrende Profilerin Helen Henning dagegen steht vor einem Neuanfang. Beruflich wie privat hat sie für sich einen festen Ankerplatz an der Nordseeküste noch nicht finden können. Ihr tragisch erlebtes Trauma lässt sie noch nicht zur Ruhe kommen.

Mit der Ruhe ist es dann aber schnell wieder vorbei – in Valandsiel werden mehrere mit Sand gefüllte Leichen gefunden. Nach den ersten Ermittlungen von Knut Jansen und Helen Henning entdecken sie ein Muster, das fünfundzwanzig Jahre in die Vergangenheit führt.

Derek Meister hat schon mit seinem ersten, nordischen Thriller die Leser überzeugen können. In dem vorliegenden Roman wird es persönlicher für die beiden Ermittler. Zumal bekommt der Leser einen umfassenden Eindruck, was Helen Henning so nachhaltig traumatisiert und physisch verletzt hat. Knut Jansen dagegen benimmt sich manchmal noch immer wie ein spätpubertärer Bengel, der seine Gefühle für die junge Kollegin nicht in Worte fassen kann. Unsympathischer macht ihn das allerdings nicht.

Derek Meister überlässt seinen Figuren viel Raum um sich selbst zu reflektieren und gibt seinen zweiten Thriller somit viel an Atmosphäre mit. An Spannung mangelt es hier nicht. Obwohl die Nebengeschichten – die persönlichen Flashbacks von Hellen Henning innerhalb der Haupthandlung gut platziert sind, erreicht die Spannung ein intensives Tempo. Logikfehler oder erzählerische Längen findet man in dem Titel „Die Sandwitwe“ nicht.

Im direkten Vergleich mit dem ersten Band „Der Jungfrauenmacher“, schneidet dieser noch besser ab. Die Steigerung ist deutlich spürbar und geschickt konzipiert Derek Meister seine Idee weiter und stellt seine Charaktere in die Startlöcher zum dritten Teil. Dieser lässt schon vermuten, dass hier die beiden Ermittler persönlich im Fokus stehen werden. Für die Entwicklung der Charaktere ein immens wichtiger Schritt.

Aber nicht nur die Spannung entwickelt sich in „Die Sandwitwe“ weiter. Derek Meister schildert die Morde ohne Rücksicht auf zartbesaitete Gemüter. Die Ängste der Opfer in Erwartung von Folter und ggf. dem Tod, verlangen viel an stabiler Herzfrequenz und gesundem Kreislauf.

Alles in allem ist „Die Sandwitwe“ ein hochspannender Thriller mit der Wucht einer kleinen Sturmflut. Grandios – Großartig – Pageturner.

Michael Sterzik


Hansetochter: Historischer Roman (Klassiker. Historischer Roman. Bastei Lübbe Taschenbücher)
Hansetochter: Historischer Roman (Klassiker. Historischer Roman. Bastei Lübbe Taschenbücher)
von Sabine Weiß
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Perfekter Historischer Roman, 30. April 2016
Lübeck – Weltbekannt durch das Marzipan von Niederegger und natürlich durch das alte Festungstor, auch Holstentor genannt. Das eigentliche Wahrzeichen der damaligen „Königin der Hanse“ wie sie von sich aus stolz sagen kann.

Es gibt in Deutschland wenige sehr gut erhaltene Städte in denen man noch, wenn man die kleinen Gassen betritt oder durch die engen Gänge schleicht oder sich in einem wunderschönen Hof wiederfindet, noch einen Hauch von „Mittelalter“ spürt.
Gebäude, Straßenamen die wenigen übrig gebliebenen Gänge und Höfe zeugen noch immer von der Macht und dem Wohlstand, den die Lübecker in ihrer für sie wichtigsten Zeit aufgebaut haben. Im 14 Jahrhundert war sie für den Seeverkehr im östlichen Raum um Brügge, London und Nowgorod das Zentrum für Handel, Kredite und der alleinigen Macht der Hanse.

Die Autorin Sabine Weiß lässt in ihrem vorliegenden Roman um die Kaufmannstochter Henrike Vresdorf – „Hansetochter“, dass hanseatische Lübeck prachtvoll aufblühen. Die Handlung spielt im Jahre 1375 – zur Glanz- und Blütezeit der Hanse und ist eine vielseitige und dramatische Familiengeschichte, mit sehr charakterstarken Figuren.

Im Vordergrund steht das bewegende Schicksal einer jungen Frau, inmitten von familiären Verlusten, Intrigen und politischer Themen, die die Stadt Lübeck vor manch einer Entscheidung stellen. Sabine Weiß katapultiert den Leser in ein facettenreiches Lübeck im 14. Jahrhundert. Im Laufe der Handlung merkt man sehr stark, dass sich die Autorin fantastisch mit der Geschichte der Hansestadt auseinandergesetzt hat. Ihr Porträt Lübecks zeigt uns eine starke und einflussreiche Stadt und wer Lübeck kennt, wird sich bei der Nennung der zahlreichen Gebäude, Kirchen und Straße schnell heimisch fühlen. Lübecks Stadtbild, seine Straßennahmen und die prächtigen Häuser der Kaufmannsfamilien sind erhalten geblieben und gehörten mit zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Doch ein historischer Roman weckt eine gewisse Erwartungshaltung und auch über übertrifft die Autorin ihre Kollegen, wenn es um Detailwissen und Beschreibungen geht. Das hanseatische Mittelalter und das damalige Alltagsleben der Menschen inmitten einer Stadt, wird hier detailreich und bestens recherchiert beschrieben. Wir erfahren viel über die damaligen Berufsstände eines Kaufmanns oder die Ämter und Würden und politische Verantwortung der Bürgermeister. Doch auch Alltagsgegenstände und Handelsgüter werden so bildhaft beschrieben, dass dem Roman eine faszinierende Tiefe gibt.

Doch auch die Bräuche und familiären Verpflichtungen werden ausführlich beleuchtet. Der Leser wird Zeuge, welche beschwerliche Ausbildung die Lehrlinge der Kaufleute hatten und welche, in unseren Augen derben Aufnahmeprozessen sich diese stellen mussten. Das Leben im Mittelalter war nicht einfach – um nicht zu sagen gefährlich für Leib und Leben. Die Autorin nimmt hier auch kein Blatt vor dem Mund, sondern beschreibt sehr präzise und bildhaft, drakonische Strafen, Kämpfe und Gewalt in der Ehe oder auf dem Deck eines Schiffes bei einem Piratenangriff.

Auch politische Auseinandersetzungen, die eine so wohlhabende Stadt wie Lübeck sich stellen musste, werden thematisiert.
Die Spannung des Romans steigert sich mit der Vielzahl an Nebenhandlungen und natürlich der Haupthandlung. Die junge Kaufmannsstocher Henrike, die ihren Vater aufgrund eines plötzlichen Todes verliert, muss zusammen mit ihrem Bruder vieles erdulden. Ihr Onkel, Tante und deren Sohn schikanieren die beiden Geschwister mit einer fast schon systematischen Gewalt – sowohl körperlich, wie auch seelisch erleiden die Kinder viel. Neben der Spannung, gibt es natürlich auch die Liebe, die nicht zu kurz kommt. Zum einen die Liebe Henrikes zu einem jungen Kaufmann, der versucht sich in Lübeck zu etablieren, zum anderen auch die Liebe und Zuneigung unter Geschwistern oder Freunden. Sensibel und feinfühlig auf höchstem Niveau erzählt.

Packen und vielzeitig sind wirklich alle Charaktere konzipiert, jeder auf seine Art und das sehr realistisch, ohne in bekannte Klischees abzudriften. Selbst die Nebenfiguren schließt man schnell ins Herz. Als negativer Aspekt, ist manchmal die sehr gerade Linie von „Gut“ und Böse“ sehr eindimensional beschrieben. Wenn die Charaktere manchmal mit mehr Kanten und Ecken versehen gewesen wären, wäre der tolle Roman noch viel besser gewesen. So empfindet man beim Lesen zwar Verständnis und Anerkennung bei den Figuren, doch manchmal sind diese zu übertrieben gut und böse. Die Handlung ist dadurch leider allzu absehbar, was überraschenderweise der Spannung nicht schlecht tut.

„Hansetochter“ ist ein brillanter, farbenprächtiger Roman. Realistisch, spannend und mit Figuren versehen, denen man sich nicht entziehen kann. Dazu perfekte Beschreibung von historischen Elementen, Bräuchen, Gegenstände usw. die sich passend ins lübische Stadtbild einbringen.

Damit ist Sabine Weiß ein großartiger Roman gelungen. Eine Fortsetzung steht mit „Die Feinde der Hansetochter“ schon in den Regalen der Buchhändler. Die Hansezeit verfügt über so viele spannend zu erzählende Geschichten, dass man nur hoffen kann, dass es darüber hinaus noch Fortsetzungen geben wird.

Historische Unterhaltung packend erzählt. Bravo – so muss ein historischer Roman sein.

Michael Sterzik

April 2016-04-30


Zersetzt: True-Crime-Thriller
Zersetzt: True-Crime-Thriller
von Michael Tsokos
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grausam aber verdammt gut erzählt, 14. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Zersetzt: True-Crime-Thriller (Broschiert)
Nach dem Debüt „Zerschunden“ von Michael Tsokos und Andreas Gößling ist nun mit „Zersetzt“ eine Fortsetzung des True-Crime-Thrillers veröffentlicht worden.

Der Thriller „Zerschunden“ endete mit einem fulminanten und dramatischen Cliffhanger, doch der vorliegende Band „Zersetzt“ erzählt die Geschehnisse um den Rechtsmediziner Dr. Fred Abel aus der Abteilung Extremdelikte des BKA, 10 Monate vor dem ersten Teil.

Hut ab vor den Autoren, denn marketingtechnisch verspricht diese Entscheidung einen großen Erfolg. Schließlich wird auch das Schicksal von Dr. Fred Abel in „Zersetzt“ mit keinem Wort erklärt werden können. Also wird der Leser zu dem dritten Band greifen, um die Geschehnisse in der Zeitlinie von „Zerschunden“ weiter verfolgen zu können. Raffinierte Idee.

„Zersetzt“ ist wie sein Vorgänger auch, ein realistischer Thriller, bei der das Autorenduo viel Wert darauf gelegt hat, die Ereignisse so realistisch wie möglich zu erzählen. Die Hauptgeschichte, wie auch die Nebengeschichten, Schauplätze sowie die handelnden Personen haben einen reellen Hintergrund. Für zartbesaitete Leser können die Szenen, die von Folter, Vergewaltigung und Mord handeln, etwas morbide Unterhaltung sein. Fakt ist allerdings – Das „Zersetzt“ so mörderisch spannend ist und den Stempel „True-Crime-Thriller“ einen neuen Maßstab aufdrückt.

Der vorliegende Band gliedert sich in drei Handlungssträngen. In dem Hauptplot wird Dr. Fred Abel vom Innenministerium nach Transnistrien geschickt, einem Miniland, dass nur mit der Gnade des Kreml eine Daseinsberechtigung besitzt. Er soll hier unter Aufsicht des dortigen Geheimdienstes zwei Leichen identifizieren, die die Söhne eines Oligarchen sein könnten. Beide Leichen weisen die Folgen schwerster Folter auf. Der osteuropäischer Geheimdienst allerdings versucht, das Ergebnis dieser Obduktion für seine Zwecke zu missbrauchen.

Die weiteren beiden Nebenhandlungen sind gut eingebaut und nicht minder spannend. Indessen die zugefügten Grausamkeiten durch einen psychopathischem Mörder und Vergewaltiger erschreckend zu lesen ist. Gerade in dem Bewusstsein: Verdammt, dass ist wirklich so passiert – spielen sich emotionale Szenen ab, die dem Leser einiges abverlangen und unter Garantie, wird das Buch hier nicht aus den Händen gelegt werden können. Besonders die Passagen in der das Grauen und die Ängste durch die Perspektive des Opfers erzählt werden. Brutal und emotional packend dargestellt.

Die dunkle und spannend anhaltende Atmosphäre ist meisterlich gelungen. Die Autoren Michael Tsokos und Andreas Gößling haben allerdings, diesmal die Zügel etwas fester angezogen, denn es geht deutlich brutaler zugange als in „Zerschunden“.

Der Personenkreis um den Rechtsmediziner Dr. Abel ist übersichtlich geordnet und natürlich findet man hier die gleichen Charaktere wie schon im ersten Band vor. Allerdings liegt natürlich die Gewichtung der Haupthandlung auf den breiten Schultern von Dr. Fred Abel. Sympathisch, ehrgeizig und voller versteckter Talente wird in diesem Band vieles von ihm abverlangt, nicht nur psychisch, sondern gerade physisch muss sich Dr. Abel einem anderen Kaliber stellen und das kann verdammt mörderisch sein. Auch wenn der gute Dr. Abel manchmal dem Leser vorkommt, wie ein kleiner Bruder von 007 James Bond – bekommt er doch immer die Kurve und verliert auch nicht an Sympathie oder Tiefe. Seine Verletzlichkeit und manchmal auch seine ungesunde Naivität lassen in vortrefflich menscheln.

So komplex die Handlung in „Zersetzt“ auch sein mag, verliert die Spannung niemals an Intensität. Hinzu noch lobend zu erwähnen, dass der Leser einen prägnanten und lehrreichen Einblick in den Bereich der Rechtsmedizin bekommt.

„Zersetzt“ ist großartig. Authentisch und von grausamer Realität – ein Pageturner, der im Genre True-Crime-Thriller Maßstäbe setzt.

Ein Roman für diejenigen, die die menschlichen Abgründe fürchten und dennoch faszinierend finden. Perfekte Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau.

Michael Sterzik

April 16


Zerschunden: True-Crime-Thriller
Zerschunden: True-Crime-Thriller
von Michael Tsokos
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faktisch klasse., 11. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Zerschunden: True-Crime-Thriller (Broschiert)
Michael Tsokos – weiß, wovon er schreibt. Als Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner und Forensiker leitet er seit 2007 das Institut für Rechtsmedizin der Berliner Charitè.

Was ein Mensch einen anderen Menschen an Gewalt beibringen kann, ist unaussprechlich und leider oftmals so grausam, dass man es nicht glauben kann oder will. Doch das Leben schreibt leider bekanntlich die besten Geschichten.

In seinem ersten Thriller „Zerschunden“ der im Verlag Droemer Knaur erschienen ist, erzählen Michael Tsokos und sein Co-Autor Andreas Gößling eine authentische Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht.

Das Autorenduo Tsokos/Gößling geben dem Leser einen sehr realen und blutig-nüchternen Einblick in die Aufgaben und Tätigkeiten, der Abteilung Extremdelikte des BKA in Berlin. Hier werden auf den ersten Seiten schon Fallbeispiele geschildert, die man schwerlich begreifen möchte. Ebenso werden sehr schnell und prägnant die Protagonisten vorgestellt, allen voran Dr. Fred Abel. Dessen Lebenslauf, seine Karriere als Mediziner beinhalten biografische Züge des Autors Michael Tsokos.

Ebenso ist ein Großteil der Handlung überwiegend aus Fakten geklont worden. Genau das ist die große Stärke des vorliegenden True-Crime-Thrillers – es sind die Fakten, die erzählt werden und selbst bei den Protagonisten und Schauplätzen, haben sich die Autoren grandios daran gehalten, nicht zu viel Fiktion einzubauen, geschweige denn sich in inhaltlose Floskeln und Übertreibungen zu verstricken.

Auch die übrigen Charaktere, und auch der Mörder sind bildhaft modelliert, mit viel persönlichem Hintergrund, so dass hier eine gewisse Tiefe der Handlung den letzten Feinschliff gibt. Das ergibt in Summe natürlich diverse Nebenschauplätze, doch diese sind überschaubar und gut in der Handlung integriert.

An emotionaler Härte, und auch an der Sensibilität für das sprichwörtliche Detail fehlt es nicht. Prägnant allerdings sind die blutigen Beschreibungen, aber nicht zuletzt trägt der Roman zurecht den Titel „Zerschunden“. Die Handlung gliedert sich in zwei Erzählstränge – einmal aus der Perspektive von Dr. Fred Abel, der quer durch Europa die Spur des Täters verfolgt, zum anderen die Sicht der Ereignisse aus dem Blickwinkel des Killers.

Stoff aus dem Alpträume entstehen können – und prädestiniert dafür verfilmt zu werden. Auch wenn der Roman mit einem spannenden Cliffhanger endet, so ist inzwischen schon der zweite Band „Zersetzt“ erschienen. Doch vorsichtig, diese spielt 10 Monate vor den Ereignissen von „Zerschunden“.

Das Debüt von Michael Tsokos und Andreas Gößling ist absolut Erfolg ersprechend.
„Zerschunden“ ist ein großartiger Roman – Spannend, pfeilschnell und dabei so scharf wie ein Skalpell. Ich freue mich schon jetzt auf die nächsten Bände.

Michael Sterzik


Die Schwarzen Musketiere - Das Buch der Nacht
Die Schwarzen Musketiere - Das Buch der Nacht
von Oliver Pötzsch
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Das Abenteuer der Musketiere beginnt., 13. März 2016
Der Münchner Autor Oliver Pötzsch veröffentlicht mit „Die schwarzen Musketiere – Das Buch der Nacht“ seinen ersten fantastisch, historischen Jugendroman.

Wer kennt sie nicht – „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas und natürlich den Vierten – D’Artagnan? Wer diesen Roman gelesen hat, oder eine der vielen Verfilmungen kennt – erkennt den Ruf „Einer für alle – alle für einen“.

Der Münchner Autor Oliver Pötzsch, bediente sich einiger Elemente und Charakterzeichnungen aus dem verwandten Abenteuerroman. Augenzwinkernd und schelmisch muss ich ja betonen – Fabelhaft gemacht Herr Pötzsch.
Mit dem vorliegenden Roman treffen Sie genau die Werte, mit der sich die Jugendlichen gerne auseinandersetzen: Freundschaft, Mut, Opferbereitschaft, Verschlagenheit und Humor. Genau das sind die Schwerpunkte dieser Geschichte, die den Leser von den ersten Seiten ab an in den Bann zieht.

Die Geschichte spielt um das Jahr 1631 – der dreißigjährige Krieg in Süddeutschland (Baden Württemberg und Bayern) verwüstet ganze Landstriche, Dörfer und Gemeinden und Opfer des Krieges zwischen Katholiken und Protestanten, sind nicht nur Soldaten beider Heere. Der Autor beschreibt das historische Gemetzel sehr real und mit allen blutigen Details. Es gibt einige historische Passagen, die hier vom Autor eingebaut werden und historische Personen wie z.B. der Feldherr Wallenstein kommen hier ebenso zu Wort.

Oliver Pötzsch Charakterzeichnung seiner vier Musketiere ist ausgezeichnet gewählt und erzählt. Neben Lukas, der die treibende und dramatische Kraft ist, haben wir in Jerome noch einen Schöngeist und Schürzenjäger, Giovanni, der außer mit seinem Degen auch mit seinem Verstand zu kämpfen weiß und Paulus – der eher einfache und brachiale Lösungsperspektiven bevorzugt. Wer die „Drei Musketiere“ gelesen hat, erkennt die Parallelen seiner jüngeren Verwandten.

Als Jugendbuch mit einer Altersempfehlung von ab 10 Jahren – sehe ich einmal ab. Oliver Pötzsch erzählt sehr bildgewaltig und atmosphärisch vom Töten und Sterben im Krieg. Von Kriegsverbrechen, Folter und dem Leid unschuldiger. Das ist auch überhaupt nicht überdosiert, oder wandert mit seinen Beschreibungen ins Übertriebene. Die Geschichte so hoch konzentriert und spannend sie auch erzählt ist – ich würde eine Leseempfehlung ab 14 Jahre für sinnvoll halten.

Extrem spannend und abwechslungsreich gelingt es dem Autor historischer Romane, sich treu zu bleiben und seinen Stil zu wahren. „Die schwarzen Musketiere“ ist ebenfalls eine gute Symbiose der Genre: Fantasy, Historischer Roman und Abenteuerroman. Mit einer Prise der Magie versehen – bleibt der Roman ebenfalls für die jugendlichen Leser eine Reise in die Welt der Legenden und Mythen, und ohne dabei lächerlich auf die Erwachsenen Leser zu wirken.

Fazit

Die Emotionalität ist die Basis dieser neuen Romanreihe. Abenteuer und Freundschaft und der Aufbruch in das Leben eines Heranwachsenden Jugendlichen sind die soliden Zutaten des Romans „Die schwarzen Musketiere – Das Buch der Nacht“.

Spitz und Scharf wie ein Degen, wird sich diese Reihe in die Herzen und den Verstand der Leser schneiden. Oliver Pötzsch Debüt ,im Bereich des Jugendbuchromans ist absolut überzeugend. Wer den Autor bereits kennt, weiß dass dieser hervorragend recherchiert hat und sich wie bei den anderen Romanen, am Ende der Geschichte ein Lexikon der historischen Begrifflichkeiten befindet.

Ein liebenswerter und klassischer Abenteuerroman – der Beginn einer neuen Reihe, die mich überzeugt hat. Ich bin sehr gespannt auf die Fortführung der Abenteuer und hoffe, dass der Autor seinen Charakteren Zeit lässt, Erwachsen zu werden. Es würde mich freuen, wenn die Charakter ebenfalls „altern“ und sich wie jeder Jugendliche finden müssen.

Einer für alle – und alle für einen.

Michael Sterzik


Schlaf der Vernunft: Roman
Schlaf der Vernunft: Roman
von Tanja Kinkel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein unruhiger Schlaf der Vernunft, 14. Februar 2016
Die in Bamberg lebende Bestsellerautorin Tanja Kinkel, hat mit ihrem aktuellen Titel „Schlaf der Vernunft“, den Terror der „Roten Armee Fraktion“ in einer komplexen Geschichte um Schuld, Rache und Vergebung veröffentlicht.

Gehen wir ein paar Jahrzehnten in der Deutschen Geschichte zurück. In den 60er und 70er Jahren, hatte die RAF – als linksgerichtete, extreme Terrorvereinigung ihre aktiven und blutigen Jahre und waren verantwortlich für ca. 34 Morde, mehrere Entführungen, Banküberfälle und Sprengstoffattentate. Als antiimperialistische, kommunistische Stadtguerilla hatten die Mitglieder durchaus ihre Sympathisanten. Besonders bei Studenten, die in der Zeit, sehr aktiv gegen den Vietnamkrieg demonstrierten, fanden sie Unterstützung. Durch Studentenbewegungen rekrutieren sich noch viele Mitglieder, die die Politik der USA kritisierten und die Vergangenheit hochrangiger Politiker polarisierte. Für die RAF waren diese entweder Imperialisten oder Nazis.

Die erste und zweite Generation dieser RAF-Mitglieder waren, Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof – diese bildeten die Führungsriege und galten als Idole für die anderen Mitglieder.

Als Deutscher Herbst, wird diese politische Atmosphäre als ein Stück deutscher Geschichte bezeichnet – und gilt als einer der schwersten Krisen. Einige von uns können sich noch an den allgegenwärtigen Plakaten erinnern, die in Postämtern, Banken und Geschäften platziert wurden. Manchmal wurden diese schwarz-weiß Fotos durchgestrichen, wenn diese Mitglieder entweder festgesetzt oder getötet wurden.

Die RAF verübte einige Morde, Jürgen Ponto (Vorstandssprecher der Deutschen Bank), Hans-Jürgen Schleyer (Präsident des Bundesverbands der Arbeitgeber) und (Generalbundesanwalt) Siegried Buback, gehörten zu den Opfern der radikalsten und kaltblütigsten Attentate.

Tanja Kinkels Roman „Schlaf der Vernunft“ greift das Thema „Terrorismus“ wieder auf. Allerdings befasst sie sich weniger mit den Attentaten und Morden. Die Autorin lässt Ihre Geschichte im Jahre 1998 beginnen. Die RAF hat sich quasi selbst aufgelöst, der amtierende Bundespräsident Roman Herzog gewährt einigen Mitgliedern der RAF Amnestie und entlässt sie auch jahrelanger Haft. Ab hier und mit der Entlassung der wegen Mordes verurteilten Terroristin Martina Müller beginnt der Roman. Ihre Tochter Angelika, verheiratet wird natürlich vom Innenministerium informiert und soll als nächste Angehörige ihre Mutter wieder in die Gesellschaft integrieren.

Die Hinterbliebenen der Opfer des Anschlags, an dem Martina Müller beteiligt war, erhalten ebenfalls von der bevorstehenden Entlassung Kenntnis.

Tanja Kinkel lässt in ihrem Titel „Schlaf der Vernunft“ den Leser teil an den Schmerz und der Ohnmacht der Angehörigen. Auch sie sind unmittelbare und doch indirekte Opfer des Anschlages. Getrieben durch Rache, Vergebung und dem verstehen wollen, was damals wirklich passiert ist, bilden diese Protagonisten – der Sohn des Opfers, und der Leibwächter der den Anschlag überlebt hat, den Gegenpart.
Die Stärke des Romans liegt genau in diesem Zusammenspiel. Lasst die Opfer sprechen – und die Täter innehalten und Reue zeigen? So einfach ist das nicht. Weder für Martina Müller, die faktisch gesehen nach jahrelanger Haft eine andere Bundesrepublik Deutschland betritt und ggf. einsehen muss, dass sämtliche damalige Ideologien und radikalen Parolen im Grund ein totaler Fehler waren!?

Sehr sensibel und mit dem Blick auf die Vergangenheit der RAF und die Gegenwart von Opfern und Tätern gelingt es Tanja Kinkel eine Geschichte zu erzählen, die unter die Haut geht. Es ist eine Aufarbeitung für die Protagonisten, die in zwei Zeitzonen erzählt wird.

In der ersten zeitlichen Handlungsebene wird die Vergangenheit von Martina Müller erzählt. Eine idealistische Jugendliche die Zeugin einer eskalierenden Demonstration zum Staatsbesuch des Schahs von Persien wird und damit zur Mitläuferin und späteren Täterin avanciert. Im späteren Verlauf mit der Geburt ihrer Tochter Angelika beginnt die Autorin die familiären Bande aufzubauen, die dann später in der Gegenwart einen ebenso großen Raum einnimmt. In ebendieser Gegenwart beschäftigen sich die Angehörigen der Opfer mit ihrer ganz persönlichen Vergangenheit. Selbstverständlich erzählt diese den Mutter-Tochter Konflikt, und die langsame Annäherung.

„Schlaf der Vernunft“ ist eine mit viel Spannung und Gefühl versehende Story, über verlorene Ideologien, Verantwortungen und Reue. Die Stärke des Romans bezieht die Geschichte aus den verschiedenen Perspektiven der Angehörigen und der Täterin. Allerdings ist Aufarbeitung der Vergangenheit sehr oberflächlich erzählt und auch Martina Müllers Part ist grundsätzlich als Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte zu kurz geraten.

Die Emotionalität bleibt in diesem Roman etwas auf der Strecke. Das mag daran liegen, dass die Autorin, die Epoche der RAF nicht wirklich erlebt hat, und doch hätte ich mir persönlich gesehen mehr an emotionaler Aufarbeitung einer Martina Müller gewünscht. Vieles bleibt unausgesprochen, vieles bleibt dem Leser selbst am Ende überlassen zu interpretieren. „Schlaf der Vernunft“ ein guter historischer Thriller, der manchmal einige Chancen leider verpasst hat.

Für alle Leser, die mehr über die RAF erfahren wollen, empfehle ich, dass sehr ausführliche Buch von Stefan Aust – Der Baader-Meinhof-Komplex. Für uns – und zu diesem Zeitpunkt ist der deutsche Terrorismus zum Glück kein Thema mehr. Der Terrorismus ist globaler geworden, aber es gibt noch immer Angehörige von Opfern und Tätern, die (über)lebt haben und zeitlebens eine Bürde tragen.

Michael Sterzik


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