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"dpeg"

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Grand Theft Auto: San Andreas (DVD-ROM)
Grand Theft Auto: San Andreas (DVD-ROM)
Wird angeboten von skgames
Preis: EUR 14,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kampf gegen den übermächtigen Vorgänger, 9. Juli 2005
Klar, daß als Referenz für San Andreas erstmal Vice City darstehen muß, und natürlich erwarte ich, daß es im Vergleich zum Vorgänger eine starke Verbesserung liefert.
Die kurze Zusammenfassung ist, daß San Andreas ein größeres Vice City ist. Es gibt eine umfangreichere Story, eine viel größere Spielwelt, neue Fahr- und sonstige - zeuge.
Die Grafik ist besser, der Soundtrack schön, die NPCs wirklich witzig (meine persönlichen Favoriten: Woozie, gefolgt von Cesar).
Zum Technischen: von den massiven Spielabstürzen usw. kann ich selber nix berichten. Womit ich zeitweise zu kämpfen hatte, waren komische Grafikbugs (insbesondere in Los Santos, weniger in den anderen Gegenden, und nicht einer bestimmten Logik folgend). Kurz auf ne andere Grafik umschalten (z.B. durch Taskmanager aufrufen) und wieder zurück behob das Problem meistens - manchmal crashtes das Spiel auch einfach.
Sehr schön ist, daß das VC-Prinzip eben deutlich vergrößert wurde. Allerdings nicht wirklich verbessert oder ausgebaut. Wer auf verschiedene Handlungsstränge usw. hofft, hat sich auch hier geschnitten. Bedauerlich auch, daß an vielen entscheidenden Passagen der Spieler mit der Dummheit seiner selbst (also von der Hauptperson CJ) oder seiner vollverblödeten Vertrauten zu kämpfen hat. Wirklich schade, daß man sich x-mal durch Smokes blöden Laden zu kämpfen hat, blos weil Sweet so massiv hirnamputiert ist...und die Missions sowieso blos so endet, weil sein Bruder (CJ) ihm da wenig nachsteht.
Fazit: eigentlich isses ein Vice City mit neuen Missionen, vergrößertem Spielfeld und Detailkorrekturen. Wer (wie ich) erwartet hat, daß Rockstar die Zeit nutzt, um aus dem Spielprinzip was richtig geniales zu machen, hat sich leider geschnitten. Deswegen bin ich auch ned wirklich begeistert - es ist eher ne Vice-City-Mission-Disk...


Up
Up
Preis: EUR 19,98

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Up from the Skies ?, 10. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: Up (Audio CD)
An dieser Stelle lamentieren alle über "seit zehn Jahren kein Studioalbum mehr" usw. blabla, was ich mir sparen möchte, und einfach die Musik beschreiben.
Ja, es ist Musik, im Sinne von Kunst im Gegensatz von Gebrauchsmaterial (eine gefällige Küchentapete ist auch nicht unbedingt ein Gemälde). Peter Gabriel hat zwar die ganze Zeit nix veröffentlicht, aber Musik gehört hat er trotzdem. Und das, was er gehört hat, hat er mit seiner persönlichen Note gewürzt. Er begibt sich durch viele musikalischen Spektren - mal industrial hier, mal house dort, und etwas BigBeat dort. Doch das Album ist mehr als eine intelligente Sammlung von zeitgenössischer Popmusik. Das ganze Album wird durchzogen von einer seltsam düsteren Stimmung, die sich mal ein wenig auflockert, aber nie ganz verschwindet - und die in der letzten Nummer "The Drop", bei der sich Peter Gabriel nur selbst am Flügel begleitet, in scheinbare Hoffnungslosigkeit, aber vielleicht einen Hoffnungsschimmer auflöst...
Das ist kein Album zum Auflegen und Abdancen oder laufen lassen und dazu Damenabend haben. Es ist Musik zum zuhören und zum mehr als einmal zuhören. Vor vielen Jahren schrieb Franz Schubert seinen vielleicht besten Liederzyklus "Die Winterreise", und seitdem blieb dieser für viele konkurrenzlos weit und breit. Nun hat die Winterreise einen würdigen Kompagnon erhalten.


Snow
Snow
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 47,29

9 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Außen hui, innen pfui, 4. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: Snow (Audio CD)
Die Tradition der Rockoper, von The Who '69 mit "Tommy" begründet, hatte ihren Höhepunkt 1974 mit dem letzten Genesis-Album in der Quintett-Besetzung, "The Lamb lies down on Broadway". In diesem Sinne ist es nur logisch, daß mit dem Wiederaufkeimen überkonstruierter Rock/Pop-Musik, dies nicht zuletzt im Medium Rockoper durch Gilberts "The Shaming of The True" exemplifiziert, hier auch die Band von Gilberts Schlagzeuger Nick D'Virgilio sich mit "Snow" im Metier platziert.
Spock's Beard wurde mir nahegelegt als zeitgenössischer Progressive Rock in bester Genesis/Yes/ELP/KC-Tradition. Was man auf "Snow" vorfindet, ist jedoch über weite Strecken glattgebügelter angerockter Popsound (ein Freund gebrauchte den Term "Collegerock, wie er immer bei Amateurpornos läuft"). Gute Einzelsongs sind vorhanden, speziell auf der zweiten CD, doch einige gute Einzelsongs sind für eine Rockoper zu wenig: was musikalisch fehlt, ist die große Linie, die sich durch die gesamte Geschichte zieht, und die Story zusammenhält und verbindet. Wer nach typischen ProgressiveRock-Freakouts sucht, bleibt auch enttäuscht: abgefahrene Instrumentalparts findet man nur am Rand, und Soli beschränken sich auf "eingängige Gitarrenline, wiederholt eine Quinte höher, um ein paar Arpeggi anzuhängen". Da kann auch der massive Einsatz von Mellotron-Sounds und Moogs nichts mehr retten.
Pluspunkte gibt es jedoch auch zu erwähnen. Zwei Superinstrumentalisten retten das Album mit vor dem Dropout: neben Nick D'Virgilio, der jedoch meinem Geschmack nach es ruhig noch ein bisserl mehr krachen lassen könnte, ist dies vor allem Ryo Okumoto (keys) zuzschreiben, der mit gut abgestimment Sounds und geschickt arrangierten und virtuos gespielten Parts an manchen Stellen den oft vermißten Kick reinbringt.
Ein weiterer Pluspunkt (und damit der zweite Stern in der Bewertung) geht aus dem Gesamtkonzept der Enhanced Edition hervor: in einem eleganten Case findet der Fan neben der Doppel-CD (2-fach-7mm-Jewelcase) nebst Booklet mit kompletten Texten in einem Karton-Schuber eine dritte CD (Karton-Sleeve) mit alternate Takes, acoustic live Versions und Outtakes, die an Stellen genau den weniger Airplay-gebügelten Sound bietet, den man sich auf dem eigentlichen Album wünscht, ein Booklet mit der Hintergrundgeschichte zu "Snow" (ähnlich wie Gabriel's Kommentare im "Lamb"-Booklet) sowie drei Aufkleber mit netter Cover-Art. Das gesamte Design des Package hat auch genau das, was einem bei der Musik fehlt: ein inhaltlich schlüssiges und aufeinander aufbauendes künstlerisches Gesamtkonzept.
Wer sich also ein optisch herausragendes Album ins Regal stellen möchte, hat hier definitiv seinen nächsten CD-Kauf gefunden. Für Mainstream-Pop-Hörer, die mal durchgeknallten Progressive Rock "probieren" wollen, sicherlich auch ein nicht zu harter Einstieg, mit der Bonus CD als Option für die risikofreudigeren Momente. Freunden des Genres muß ich jedoch von der CD abraten.


Construkction of Light
Construkction of Light
Wird angeboten von Lowe Records
Preis: EUR 18,30

3 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Robert Fripp, geh endlich in Rente!, 8. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Construkction of Light (Audio CD)
1969, da veröffentlichte eine britische Band ein Album. Das Cover: seltsames rosarot. Die Musik: schräg, klangvoll, schlagkräftig, doch stets interessant. Mehr als dreißig Jahre später: von der Band ist gerade mal der Gitarrist übrig geblieben. Der versucht, die alten Gedanken des Genres auf die neue Zeit zu übertragen - und scheitert kläglich. Es gibt Verszuche, alte Klassiker wie "Lark's Tounges", das schon bei seiner 80er-Wiederbelebung eher humpelig klang, wiederzubeleben, es gibt Versuche, Belew's Singer-Songwriter-Aspekte in rechtes Licht zu rücken, doch leider bleiben alle Versuche vollkommen bodenlos. Fazit: siehe Überschrift!
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Summer in the City
Summer in the City
Wird angeboten von GEMusicFiendz
Preis: EUR 11,50

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Back to the Roots - im positiven Sinne, 8. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Summer in the City (Audio CD)
Joe Jackson. Nach einem Beginn in der Wave-Szene Großbrittaniens begab sich der Multi-Instrumentalist Ende der Achtziger nach New York, um von da ab die Musikwelt mit jazziger angehauchten Klängen zu verwöhnen. Mitte der Neunziger kam dann sein nächster Schritt zu kammermusikalischen bis symphonischen Konstrukten, und spätestens hier kratzte sich mancher Fan verwundert am Kopf...
Ganz im Gegensatz dazu konzertierte JJ 1999 wieder im Trio mit seinen ganz alten Weggefährten Graham Maby und Gary Burke - Jackson selbst steuerte Gesang und Piano bei - und begeisterte die Fans wieder mit Interpretationen seiner alten Nummern und von Standards aus ganz verschiedenen Metiers.
Und was für ein Spaß das ist, wenn das Trio geniale Pop-Klassiker wie "It's different for Girls" wieder aufspielt, wenn Jackson sein "Fools in Love" mit "For your Love" von den Yardbirds verschmilzt, und wenn das mit "Summer in the City" eingeführte Album mit "One more Time" (einer ganz alten JJ-Nummer) endet.
Fazit: auch wenn man sich in den letzten Jahren berechtigterweise die Frage gestellt hat: Ja, JJ kanns immer noch, er ist immer noch ein guter Popmusiker, und seine Kompositionen von damals haben nichts an Qualität verloren!


Flying Sparks and Heavy Machin
Flying Sparks and Heavy Machin
Preis: EUR 17,82

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Klang der Fabrik, 25. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Flying Sparks and Heavy Machin (Audio CD)
Zugegebenermaßen, die auf John Zorn's Tzadik-Label erschienenen Tonträger entziehen sich im allgemeinen erfolgreich der Klassifikation "normal". Annie Gosfield's "Flying Sparks and Heavy Machinery" ist hier eher Exemple denn Ausnahme:
Das Album beinhaltet zwei Werke: EAW7 für Sampler, Laptop, Schlagzeug, E-Gitarre und Fabrikteile, sowie das Titelstück für Streichquartett und Schlagzeugensemble.
Die CD eröffnet gleich passenderweise mit dem Titel "Rotation" (die dieses Album sicher nie haben wird), aufgenommen in der EAW7-Fabrikhalle in Nürnberg. Beim ersten Hinhören: Fabriklärm, zu dem jemand seine Gitarre ausprobiert und ein verrückter DJ sein Set vorbereitet. In "Flying Sparks" spielen die Musiker wenigstens auf normalen Instrumenten - aber der befremdliche, statistische Charakter bleibt erhalten.
Tage später: Aus dem gespenstischen Dröhnen der Fertigungsanlagen erhebt sich ein langgezogener, kreischender Klang - ganz leise, war es eine Illusion? Nein, da ist er wieder. Ein Amboss antwortet, etwas flexähnliches greift das Motiv aus und entwickelt ein Thema. Der Chorus endet in einen plötzlichen Stillstand des Montagebandes zum Heulen der Fabriksirene.
Fazit: es gibt viele Leute, die "industrial" auf ihre Musik schreiben. "EAW7" ist es wirklich. Das ist der Klang einer Fabrik, der Puls einer Fertigungsstrasse, die Musik des Industriezeitalters. Dass das Titelstück recht konservativ im Vergleich wirkt (oder sollte ich sagen "weniger authentisch") ist mir im Moment egal - fünf Sterne ohne wenn und aber!


The Lamb Lies Down On Broadway
The Lamb Lies Down On Broadway

38 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Höhepunkt mit dem Doppelalbum, 9. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: The Lamb Lies Down On Broadway (Audio CD)
Nach wie vor bin ich der festen Überzeugung, daß sog. Progressive Rock nur auf (mindestens) Doppelalben am besten zur Geltung kommt. Und (fast) alle haben diesem Klischee entsprochen: Yes mit den Tales und natürlich den Yessongs, ELP mit dem Live-"Welcome back" und natürlich Genesis mit The Lamb.
Es war eine im Umbruch befindliche Band - Gabriel war kurz davor, Genesis zu verlassen, aber er tat es mit Pauken und Trompeten. Der "Konzeptalbum"-Gedanken, nicht nur einfach Songs aneinanderzureihen, sondern eine ganze Geschichte zu erzählen, wurde nie zuvor (und auch nie danach) so konsequent und gelungen durchgezogen wie hier.
Die inhaltlichen Zusammenhänge werden durch musikalische Zitate und Querverweise überall untermauert, und so spannt das Songwriting einen langen musikalischen Bogen über fünf oder sechs musikalische Ideen, die in Anlehnung an das Verwechslungsspiel der Geschichte von Rael immer neu kombiniert werden.
Neben dem umwerfenden programmusikalischen Konzept liefert uns Genesis (das Quintett) natürlich auch wie gewohnt hervorragendes Instrumentalspiel. Daß Collins einer der kreativsten Rockdrummer war, ist in den 80er und 90er Jahren ganz in Vergessenheit geraten, und auch dafür dient dieses Album als Erinnerung. Gabriel glänzt als äußerst flexibler Sänger, der sich jedoch unegozentrisch in den Bandsound integrieren kann. Und schließlich tut das Processing von Brian Eno sein übriges, den surrealen Eindruck des Albums perfekt zu machen.
Sicherlich einer der großen Meilensteine der Rockgeschichte, und damals ein brillantes Abschiedsgeschenk von Peter Gabriel. Anspieltipps mag ich keine geben - das Album ist nicht dazu gedacht, daß man einzelne Hits anhört, sondern daß man das gesamte Kunstwerk auf sich wirken lässt. Sicher keine gewohnte Vorgehensweise für Pop- und Rock-Hörer, aber dafür eine, die ihre Wirkung nicht verfehlt!


The Idiot King
The Idiot King
Preis: EUR 18,86

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Rückkehr der Supergroups?, 5. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: The Idiot King (Audio CD)
Unter dem Namen "Supergroup" versteht man gemeinhin ein kleines, weitgehend demokratisches Ensemble mit Leuten, die auch in anderen Ensembles oder als Solokünstler zur creme de la creme gehören. Beispiele aus der Vergangenheit waren z.B. Cream oder the Police, und die Vergangenheit hatte uns z.B. mit Black Light Syndrome ähnliche Ansätze, indes mit sehr...abstraktem Inhalt beschert.
Und jetzt versucht es EBass-Solokünstler Michael Manring, der neben seinen loop-basierten und open-tuning-verrückten Soloalben z.B. auch auf dem phänomenalen Yo Miles! mitwirkte, zusammen mit dem Ex-Primus-Schlagzeuger Tim Alexander sowie dem inzwischen ein wenig in Richtung Jazz "abgeglittenen" Ex-Testament-Klampfeur Skolnick. Was findet man auf ihrem mittlerweile zweiten Album, für das sich die "Band" mehr Zeit liess als für das Debut?
Erstmal rein instrumentale Musik, und das macht es wohl schon für den Standardhörer ziemlich schwer verdaulich. Ansonsten intelligente zeitgenössische Rockmusik mit umfangreichen improvisatorischen Aspekten und einem hervorragenden musikalischen Beitrag von allen Künstlern (deren technische Qualitäten sowieso nicht zur Debatte stehen), was letztendlich zu einem Ganzen führt, das deutlich mehr ist als die Summer seiner Teile.
Erwähnt seit noch die angenehme tontechnische Behandlung. Der Gitarrensound (der uns praktisch ausschließlich verzerrt begegnet) ist im Stereospektrum breit verhallt, die Bass Drum ist stark komprimiert und im Frequenzgang eher nach unten verlagert, was dem "analog" komprimierten und mit viel Mitten gemischten Fretless-Bass viel Präsenz im Gesamtsound gibt, ohne ihn aufdringlich wirken zu lassen. Die Snare ist im Vergleich zum Restdrumset recht zurückgenommen - ein sehr positiver Effekt. Lediglich die sehr zahlreich verwendeten Becken klingen etwas blechern und sind sehr ungeschickt dynamisch bearbeitet.
Fazit: instrumentale Rockmusik des 21 Jahrhunderts, so wie sie sein muss. Vielleicht hat Rock doch noch eine kreative Zukunft!


Believe
Believe
Preis: EUR 6,99

13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen The Return of the Langhaarige, 24. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Believe (Audio CD)
Auf die Band "Disturbed" stiess ich über den Soundtrack eines Pornos, und die dort vertretenen Songs wie "Down with the Sickness", "Stupify" oder das "Shout 2000"-Cover begeisterten mich so, dass ich bei der Veröffentlichung von "Believe" sofort zuschlug.
Was uns das Chicagoer Quartett bietet, ist richtig solider Langhaarsound mit allen Ingerdienzien wie Gitarren auf Dauerdistortion, Double-Bass-Schlagzeug usw. Was "Disturbed" dann von dem ganzen Wust aus "oldskool" und Nu-Metal-Bands abhebt, sind einige entscheidende Punkte: erstens, ein Sänger, der die beeindruckende Fähigkeit hat, fließend zwischen Ultra-Gegröle und Softpop-Trällern zu wechseln - wenns sein muß im Verlauf eines gesungenen Wortes. Zweitens ein abwechslungsreiches und interessantes Songwriting, das Songs in unüblichen Metren nicht der Intellektualität wegen einstreut, sondern diese ("Breathe") in das musikalische Konzept integriert. Das Textinhalt, Komposition und Arrangement zusammen mit dem Mix perfekt abstimmt. Und das eine Dramaturgie aufbaut, die angefangen von den kämpferischen "Knallern" am Anfang ("Prayer", "Liberate") immer mehr in Richtung einer düsteren Stimmung abdriftet, bevor das Album in die getragene Nummer "Darkness" endet.
Klanglich fällt vor allem der (fast) komplette Wegfall von Analogsynths und Drummachines im Vergleich zu manchen früheren Tracks auf. Geblieben ist die Vorliebe des Gitarristen für geschickten Einsatz von Obertönen in seinen Lines. Und das Faible für Einwort-Songtitel ist hier zum Konzept geworden!
Als Kritikpunkt scheint noch das "Prayer"-Video auf der Enhanced CD auf, das einen QuickTime-Player haben will, den aber nicht auf der CD hat sondern aus dem Netz holen will, und beim Scheitern komplett den Dienst quittiert. Ware, die Internetupdates erfordert mag sehr zeitgemäß sein, gut heißen kann ich es doch nicht.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 5, 2008 9:43 PM MEST


Each Eye a Path
Each Eye a Path
Preis: EUR 15,32

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Irgendwo zwischen Pop und Avantgarde, 14. März 2002
Rezension bezieht sich auf: Each Eye a Path (Audio CD)
Seine nach wie vor bekannteste Tätigkeit war die in der 80er-Jahre-Kombo "Japan". Es folgte Arbeit für David Sylvian sowie - eher weg vom Mainstream - mit David Torn. Seine Soloalben glänzten immer durch eine obskure Kombination aus Mainstream-Eighties-Sound, südostmediterranen Einflüssen, Klangexperimenten und last but not least superbem Bassspiel.
Auf seinem letzten Soloalbum hat Karn nun ein wirkliches Fast-Soloalbum vorgelegt: Die Instrumentalparts, Synth/Drumprogramming und Gesang stammen meist von Karn selbst, unterstützt manchmal vom ehemaligen Japan-Weggefährten Jansen. Die Arbeit an dem Album fand entfernt von seinem Wohnsitz in Großbrittanien und fernab von hippen Tonstudios statt, und war von Rückschlägen wie dem Diebstahl seines Laptops mit allen Aufnahmen gezeichnet. Doch was ist nun daraus geworden?
Eigentlich ist es Popmusik mit 80er-Jahre-Einschlag. Doch dafür ist manches zu viel, und manches fehlt. Gesangsparts sind immer düster und mit dumpfer Stimme getragen vorgetragen. Schlagzeug besteht aus verqueren programmierten Sequenzen. Die Synthesizerfraktion liefert eine seltsame Mischung aus DX7-Bläsern und mächtigen Analogklängen. Der Mix und das Mastering bringen alles auf eine ganz und gar küchenradioungeeignete Ebene. Und natürlich spielt Karn auch selber wieder - Klarinette und auch Bass, aber sehr zurückhaltend, keine "Soli" mit negativem Virtuosen-ohne-Hirn-Beigeschmack, sondern getragene, offene Linien.
Ein sehr seltsames Album. Ein sehr interessantes Album. Ein sehr gutes Album.


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