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bigbug21 (Dresden)

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Auf neuen Schienen durch Thüringen: Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 8 Nürnberg - Erfurt - Leipzig/Halle (Saale) - Berlin
Auf neuen Schienen durch Thüringen: Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 8 Nürnberg - Erfurt - Leipzig/Halle (Saale) - Berlin
von Georg Thielmann
  Gebundene Ausgabe

1.0 von 5 Sternen Ein klarer Fehlkauf, 24. April 2013
Das auf den ersten Blick ansprechende Werk vermochte mich nicht zu überzeugen. Die Texte wirken wenig strukturiert zusammengeschustert und bleiben dabei auch deutlich hinter der frei verfügbaren Projektdarstellung auf Wikipedia und der offiziellen Projekthomepage zurück. Die Bilder wurden nahezu durchgehend von der Deutschen Bahn übernommen. Die unprofessionelle (teils auch einfach fehlende) Formatierung macht das ganze nicht besser. Unter dem Strich vermögen die beiden Autoren nicht, ihre Begeisterung für das Projekt zu vermitteln. Im Internet findet man heute wesentlich mehr und bessere Informationen, die keinen Cent kosten. Unter dem Strich habe ich dieses Werk als Fehlkauf wahrgenommen und hoffe, dass bis zur Eröffnung des Projekts noch ein besseres Buch folgt.


Warum tötest du, Zaid?
Warum tötest du, Zaid?
von Jürgen Todenhöfer
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Ein kritischer Blick von größtem Wert, 21. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Warum tötest du, Zaid? (Gebundene Ausgabe)
Mit "Warum tötest du, Zaid?" ist Jürgen Todenhöfer einmal mehr ein Meisterwerk gelungen. Nachdem er Wer weint schon um Abdul und Tanaya? das Schicksal afghanischer Familien nach Beginn der US-geführten Militäroperationen zeigte, begab sich der Verfasser für das neue Werk für fünf Tage in den den US-besetzten Irak, um einen ganz anderen Blickwinkel abseits der einschlägigen Berichterstattung zu bieten. Todenhöfer fragt sich, was Iraker dazu bewegte, einen breiten Widerstand gegen die US-geführte Besatzung zu leisten, über den in hiesigen Breiten praktisch nicht berichtet wurde.

Nach einem kurzen Hintergrund und Motivation berichtet Todenhöfer in seinem 330-seitigen Werk zunächst kurz, wie er als deutscher Arzt getarnt in den abschirmten Irak gelangt, um dort mehrere Tage mit verschiedenen Widerstandskämpfern zu sprechen. Auf fast 100 Seiten kommen verschiedenste Motivationen unterschiedlicher Menschen zu Tage. Im Zentrum steht dabei der junge Zaid, der nach eigenen Angaben durch US-Scharfschützen beide Brüder verloren habe und seither im Widerstand gekämpft habe. Zum Schluss des Hauptteils berichtet der Verfasser kurz von seiner abrupten Abreise, nachdem sein Versteck als nicht mehr sicher gegolten habe.

Auf rund 50 Seiten folgt dabei ein Nachwort, in der Todenhöfer mitunter provokante, aber durchweg nachvollziehbare Schlüsse zieht. Er plädiert darin für einen fairen Umgang auf Augenhöhe mit den muslimischen Staaten und fragt provokant, warum das Leben eines muslimischgläubigen Irakers de facto so viel weniger Wert sein soll als das eines US-amerikanischen Christen. Wie würden wir reagieren, wenn wir stetig so herabgewürdigt werden? Und warum verurteilen wir (zu Recht) nur Saddam Hussein aufs Schärfste, während die von George W. Bush maßgeblich verantwortete Invasion und Besatzung in kürzerer Zeit wenigsten ähnlich viele Todesopfer in der Zivilbevölkerung zur Folge hatte? Zahlreiche eindrückliche und durchweg mit Quellen belegte Aussagen zeigen, wie kurzsichtig und von Vorurteilen geprägt der Umgang des "Westens" mit der islamischen Welt war bzw. ist.

Nach einem kurzen Intermezzo, in dem er zeigt, was aus den Protagonisten früherer Bücher geworden ist, folgt schließlich eine 60-seitige kommentierte Zitatesammlung aus dem Koran und der Bibel. Darin zeigt sich, dass die beiden großen Bücher (im damaligen historischen Kontext) zu Gewalt aufrufen, beide aber auch vielfach von Friedfertigkeit geprägt sind. Anmerkungen, Quellen und Bildnachweise nehmen schließlich die übrigen 40 Seiten ein.

Dieses Werk hat mich bewegt wie kaum ein anderes. Natürlich dürften auch die Darstellungen von Todenhöfers Gesprächspartnern gefärbt und nicht völlig objektiv sein. Der große Verdienst dieses Werkes liegt in dem ungewöhnlichen Blickwinkel, der unweigerlich zu einem kritischeren Blick abseits der einschlägigen Dogmen und Vorurteile führt. Von solchen Büchern bräuchte es mehr!


Ideale: Auf der Suche nach dem, was zählt (Psychologie)
Ideale: Auf der Suche nach dem, was zählt (Psychologie)
von Julia Friedrichs
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine Suche ohne große Erkenntnisse, 4. August 2012
Ihr neu geborener Sohn ist für Julia Friedrichs Anlass, auf eine anderthalbjährige Suche nach "Idealen" zu gehen, Dingen, für es sich zu leben und einzutreten lohnt. In zwei dutzend Kapiteln zu insgesamt gut 250 Seiten berichtet sie von ihrer Reise, die sie zu Interview mit Größen wie Gerhard Schröder, Günther Grass oder Peter Hartz führt, aber auch zu wahren Idealisten außerhalb des Rampenlichts, die für ihre Ideale große persönliche Entbehrungen in Kauf genommen haben.

Leider bleibt der Leser letztlich ebenso ratlos zurück wie die Autorin, die letztlich aus ihrer anderthalbjährigen Reise durch Deutschland und die Welt eine handvoll Vorsätze für sich und einige Ratschläge für ihren Sohn mitnimmt. Interessante Portraits von tatsächlichen Idealisten, die in der Mitte des Buches durchaus interessant zu lesen sind, werden umrahmt von Interviews mit Prominenten aus Politik und Gesellschaft, die manchmal kurzweilig zu lesen sind, aber kaum Substantielles zu Frage "nach dem was zählt" beitragen können.

Julia Friedrichs bleibt mit ihrem dritten Buch deutlich hinter ihren sehr lesenswerten Erstlingen Gestatten: Elite und Deutschland dritter Klasse zurück. Es bleibt zu hoffen, dass ihr nächstes Werk wieder an den Biss und die Substanz dieser Werke erreichen wird, die diese Bücher so lesenswert und bereichernd machen.


Einführung in Operations Research (Springer-Lehrbuch)
Einführung in Operations Research (Springer-Lehrbuch)
von Wolfgang Domschke
  Taschenbuch
Preis: EUR 27,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Warum einfach und anschaulich, wenn es auch trocken und kompliziert geht?, 2. August 2012
Ich habe selten ein derart schwer verständliches einführendes Lehrbuch gesehen. Zwar deckt das Lehrbuch viele Themen aus dem Bereich des Operations Research ab, seine durchweg trockene und vielfach unnötig schnell und tief in die formale Welt der Mathematik abtauchende Art macht jeden Meter Erkenntnisgewinn jedoch schnell zu einem schwierigen Unterfangen. Selbst mit fortgeschrittenen Mathematikkenntnissen fand ich mich vielfach vor- und zurückbläternd und so manche Fachbegriffe im Internet und anderen Büchern nachschlagend.

Das Werk schafft es, aus einem an sich hoch spannenden Themenkomplex in weiten Teilen eine Qual zu machen. Es ist mir nicht verständlich, wie so ein Buch zum Standardwerk an vielen Universitäten werden konnte. Irritiert haben mich auch eine ganze Reihe von Tippfehlern. Und ein Fachwortverzeichnis habe ich ebenso schmerzlich vermisst wie (vielfach) verständliche Erklärungen. Von einem nach gut 20 Jahren in mittlerweile achter Auflage vorliegenden Lehrbuch hätte ich mir deutlich mehr erwartet.

Leider scheint es in der deutschen Literatur (noch) keine richtig guten Alternativen zu geben. Im Selbststudium habe ich das ungleich umfangreichere und teurere, aber insgesamt viel verständlichere und anschaulichere englischsprachige Werk Operations Research. Applications and Algorithms sehr zu schätzen gelernt. Im Deutschen habe ich keinen Vergleich dazu gefunden. Zur Einführung habe ich noch BWL-Crash-Kurs Operations Research gefunden, das jedoch nur einen vergleichsweise schmalen Ausschnitt dieses interessanten Themengebietes liefert.


Schnellbahnachse Nürnberg-Ingolstadt-München: Neue Infrastruktur mit Spitzenqualität
Schnellbahnachse Nürnberg-Ingolstadt-München: Neue Infrastruktur mit Spitzenqualität
von Roland Heinsich
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein interessantes, aber recht einseitiges Buch, 23. Juli 2012
Das 2006 veröffentlichte Standardwerk zur Neu- und Ausbaustrecke Nürnberg'Ingolstadt'München liefert in dutzend Kapiteln mit insgesamt gut 220 Seiten einen kurzweiligen Überblick über das über viele Jahre umstrittene Verkehrsprojekt.

Doch während viele technische und so manche organisatorische Aspekte nicht zu kurz kommen, bleiben ganz zentrale Fragen des Projekts im Vagen. Worin liegen die konkreten Ursachen für die erheblichen aufgelaufenen Mehrkosten? Warum verzögerte sich die Inbetriebnahme um drei Jahre? Schwierige geologische Bedingungen (Karst) scheinen bei genauerer Betrachtung dafür nur einen Teil der Erklärung zu liefern. Doch obwohl die DB das Projekt beispielsweise um 2001 von Wirtschaftsprüfern durchleuchten ließ, bleibt das Buch dazu jedwede Aussage schuldig.

Insgesamt leidet das Werk, so viele andere von der Deutschen Bahn initiierte Bücher zu großen Bauprojekten, an einem latenten Trend zur Einseitigkeit.


Steve Jobs
Steve Jobs
von Walter Isaacson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine herausragende Biografie in Originalfassung, die die Übersetzung weit hinter sicht lässt, 20. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Steve Jobs (Gebundene Ausgabe)
Ich bin keine "iPerson" und werde wohl nie eine werden. Ich finde es bis heute merkwürdig, wie viele Menschen für im Design ansprechende Produkte, die von Apple aber weitreichend kontrolliert und vom Benutzer nur begrenzt konfiguriert werden können, viel Geld ausgeben und dies mit Freude alle Jahre wieder tun. Und dennoch ist der Mensch Steve Jobs für mich spätestens mit seiner Stanford Commencement Adress von 2005 zu einem Vorbild geworden. Grund genug, dieses Buch zu lesen.

Das gut 550-seitige Werk gliedert sich in 42 Kapitel, die zwischen wenigen und etwa 40 Seiten Länge schwanken. Ausgehend von seinen Eltern und seinen frühen Jahren zeichnet Walter Isaacson anhand von mehr als 100 Interviews und weiteren Quellen ein präzises Bild des Werdegangs des Menschen Steve Jobs, mit all seinen Werkwürdigkeiten, Höhen und Tiefen. Der Weg führt weiter über seine frühen Jahre und schließlich seinen Rausschmiss bei Apple, neuen Unternehmensgründungen (NeXT, Pixar), seiner Rückkehr zu Apple und den Dingen, die ihn weit über die IT-Szene hinaus bekannt machen: dem iPod, dem iPhone, dem iPad und den weiteren Dingen, die ganze Märkte auf den Kopf gestellt und neue geschaffen haben. Ein Gutteil des Buches ist dabei auch der Privatperson Jobs gewidmet, die manch Merkwürdiges an sich trug und aus einer Ehe drei Kinder hervorbrachte. Dabei wird auch sein Kampf gegen den Krebs beleuchtet, der ihn auf den letzten sieben Jahren seines Lebens prägte. Es endet im Sommer 2011, als absehbar wurde, dass er diesen Kampf bald verlieren würde.

Dieses Buch hat mir geholfen, einen tieferen, unvoreingenommenen Blick auf diesen herausragenden Menschen zu werfen. Jobs' Willen, keinen Einfluss auf das Werk zu nehmen und Isaacsons zahlreiche Interview-Partner sogar zu ermutigen, offen und ehrlich über ihn zu sprechen, zahlte sich dabei aus. So bleiben viele Eindrücke zurück. Ein Mensch, der gleichzeitig als Genie und (mit seinen extremen Stimmungsschwanken) als Borderliner bezeichnet werden kann. Im Resümee kommt Isaacson zu dem Schluss, dass Jobs als einer der ganz großen Erfinder und Unternehmer des 21. Jahrhundert noch lange im kollektiven Gedächtnis der Menschheit bleiben und in einem Atemzug mit Edison oder Ford genannt werden wird.

Ich begann vor ein paar Wochen die deutsche Übersetzung des Buches zu lesen und stellte etwa in der Mitte auf die englische Originalfassung um, nachdem die Übersetzung an einigen Stellen erkennbar widersinnig war. Das Original ist sprachlich bunt und damit für den fremdsprachigen Leser anspruchsvoll. Es war mir aber lieber, manches Wort im Wörterbuch nachzuschlagen als mich im deutschen Text so manche Frage nach der Qualität der Übersetzung zu stellen.


Ausbaustrecke Augsburg - München: Bauen bei der Deutschen Bahn
Ausbaustrecke Augsburg - München: Bauen bei der Deutschen Bahn
von DB Projektbau GmbH
  Gebundene Ausgabe

3.0 von 5 Sternen Informative, aber einseitige Darstellung, 5. Mai 2012
Auf gut 100 Seiten bietet das Werk einen informativen Überblick über den Ausbau der Bahnstrecke zwischen München und Augsburg. Nach einer Einführung in die Geschichte und die Hintergründe des Projekts werden in einem guten dutzend Aufsätzen verschiedenste Aspekte des Vorhabens in Text und zahlreichen Bildern beleuchtet.

Leider bleibt das Werk durchweg einseitig. Insbesondere, warum der Ausbau einer auf den ersten Blick nicht übermäßig anspruchsvollen Strecke im Flachland gut 15 Jahre in Anspruch nahm, bleibt in weiten Teilen offen. Und während die anno 1993 geplanten Kosten von knapp 1,2 Milliarden D-Mark in erfrischend offener Detaillierung aufgeschlüsselt sind, fehlen Angaben zu den tatsächlich bis zum Zeitpunkt der Drucklegung angefallenen Kosten.


Deutschland dritter Klasse: Leben in der Unterschicht
Deutschland dritter Klasse: Leben in der Unterschicht
von Julia Friedrichs
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk, das nachdenklich macht, 5. Mai 2012
Kaum ein gesellschaftskritisches Buch hat mich so sehr geprägt wie das Meisterwerk der Autoren Friedrichs, Müller und Baumholt.

In nüchterner Sprache begleiten die Autoren über gut ein Jahr gut ein dutzend Menschen, die aus verschiedensten Gründen in Armut leben. Dazu zählen Menschen, die für Niedriglöhne und als Leiharbeiter trotz Vollzeit-Beschäftigung am Existenzminimum kratzen ebenso wie Langzeitarbeitslose und Kranke. Am meisten bedrückt jedoch das Portrait einiger Förderschüler der Bochumer Fröbelschule, die perspektivlos auf ein Leben in Arbeitslosigkeit vorbereitet werden. Die ebenso nüchterne wie prägnante Darstellung wird durch zahlreiche Auszüge und Zitate aus Studien und Berichten weiter verstärkt.

Die gut 200 Seiten gliedern sich sechs Blöcke, die wiederum in ein gutes halben dutzend Abschnitte unterteilt sind. Nach einem Vorwort von Heribert Prantl wird zunächst die Wahrnehmung der Protagonisten und deren tägliches Leben ergründet. Anschließend geht es um Arbeit und Bildung, bevor schließlich das staatliche System zur vielfach passiven Verwaltung der Armut beleuchtet wird. Am Ende der Geschichte bleibt, trotz einzelner Lichtblicke, ein Eindruck der Perspektivlosigkeit.

In nüchternen und gleichzeitig fesselnden Worten, in denen die Protagonisten vielfach zu Wort kommen, stieß dieses Werk ein Umdenken an. Es ist gerade die Frage, wie wir als Gesellschaft mit unserer ökonomisch schwächsten Schicht umgehen, die mich bis heute tief bewegt. Warum leisten wir es uns als Gesellschaft, zahllose Schüler durch ein festes Raster fallen zu lassen und ihnen schon früh jede Perspektive auf ein gutes Leben zu nehmen? Ist es tatsächlich sinnvoll, Millionen Menschen in Leiharbeit zu halten und Löhne zu akzeptieren, bei denen ein Vollzeitbeschäftigter schlechter dasteht wie ein Arbeitslosengeld-II-Empfänger? Ist es noch menschenwürdig, wenn ein Friseur oder ein Wachmann in den Neuen Bundesländern nach Tarifvertrag gut vier Euro bekommt? Und müssten wir nicht insbesondere alles Menschenmögliche tun, damit gerade Kinder und Jugendliche aus armen, perspektivlosen Familien diesem Teufelskreis entkommen?

Leser dieses Buches kommen nicht ohnehin, sich diese Fragen zu stellen. Dieser Denkanstoß ist der wohl größte Verdienst der Autoren.


Deutsche Bahnhöfe: Das große Gleisplanbuch
Deutsche Bahnhöfe: Das große Gleisplanbuch
von Klaus Pöhler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Bahnhofstopologien mit historischen Beispielen, 21. Februar 2012
Ich bereue, mich von der Ankündigung größtenteils unveröffentlichter Gleispläne geblendet haben zu lassen. Für einen ordentlichen Preis hatte ich angesichts der vollmundig klingenden Ankündigung aktuelle Spurpläne für alle großen deutschen Personenbahnhöfe erwartet. Stattdessen ist der Großteil der enthaltenen Pläne Jahrzehnte alt und, gerade auch im Bereich großer Knoten wie Frankfurt am Main oder Stuttgart, längst nicht mehr aktuell.

Eine Systematik bei der Auswahl der Bahnhöfe habe ich ferner nicht erkennen können. Auf gut 160 Seiten werden rund 50 Stationen vorgestellt, darunter kleine Stationen wie Alexisbad oder Limburg Süd, aber auch große Bahnhöfe wie die Hauptbahnhöfe von Leipzig oder München. Viele weitere Großknoten, wie beispielsweise Hamburg Hauptbahnhof, Köln oder Nürnberg fehlen.

Weiter entwertet sich das Werk durch eine Reihe von inhaltlichen Fehlern in den begleitenden Texten. Während durchaus die ein oder andere Meinung auch in einem Sachbuch vertreten werden kann, ist es offenbar sachlich nicht haltbar zu behaupten, dass die Deutsche Bahn beispielsweise den Bahnhof von Siegburg (Bonn) -- einen der am schnellsten wachsenden ICE-Halte in Deutschland -- nicht haben wolle. Auch der portraitierte ICE-Bahnhof Limburg (Süd) ist dabei sicherlich ebenso umstritten wie der Umbau des Stuttgarter Bahnknotens im Zuge von Stuttgart 21. Falsch ist dabei, dass Limburg einmal als reiner Betriebsbahnhof vorgesehen oder der neue Stuttgarter Bahnknoten nur dem Verkehr zwischen Paris und Bratislava diene. Von zwei Fachautoren hätte ich eine deutlich bessere Leistung erwartet.

Auf seinen Nutzwert heruntergebrochen, kommt das Werk über eine grundsätzliche Darstellung verschiedener Bahnhofsentwürfe und -topologien anhand einer Reihe von (nicht nur sachlich) kommentierten Beispielen nicht hinaus. Der dafür in Rechnung gestellte Preis ist für ein entsprechendes Fachbuch jedoch besser angelegt.


Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen
Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen
von Julia Friedrichs
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ansprechend bis zur letzten Seite, 21. Dezember 2011
Auf gut 250 Seiten und in rund 30 kurze Kapitel gegliedert, berichtet Julia Friedrichs von ihrer fast einjährigen Forschungsreise zur Frage, was "Elite" ist und was diese ausmacht. Sie besuchte dabei gut ein dutzend Orte, die von sich behaupten, Hort der heranwachsenden Elite zu sein, vor allen Dingen Schulen und Universitäten.

Das Fazit der Autorin ist ernüchternd: An einschlägigen Schmieden fühlten sich die meisten als angehende "Elite", doch mit ganz wenigen Ausnahmen waren nicht Fleiß und Können, sondern Geld und sozialer Hintergrund entscheidend. Auf ihrer Reise, die sie kreuz und quer durch Deutschland, nach Brüssel und nach Harvard (USA) führte, lernte sie nur wenige Menschen kennen, die sich an einschlägigen Schmieden nicht per se Menschen erster Klasse fühlen und darüber hinaus dieses Prädikat nicht von materiell erfolgreichen Eltern ererbt haben.

Friedrichs Werk zeichnet eine sehr persönliche, direkte und glaubwürdige Schilderung aus, die vor kritischen Fragen nicht zurückschreckt und dabei auch zahlreiche schlagende Sachargumente zu Wort kommen lässt. Die Kritik mancher Rezensenten, Friedrichs habe sich in ihrem ersten großen Werk ausschließlich auf die heranwachsende "Elite" fokussiert, konnte ich nur sehr begrenzt nachvollziehen, schließlich stellt bereits der Untertitel klar, dass es um die "Mächtigen von Morgen" ginge.

Diese kleinen Blessuren machen ein insgesamt sehr lesenswertes Buch nicht weniger wertvoll.


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