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Schöne Müllerin u.a.
Schöne Müllerin u.a.

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen kaum übertroffen!, 12. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Schöne Müllerin u.a. (Audio CD)
Muss knapp darauf hinweisen, dass dies für alle, die einen britschen Akzent bei Schubert verkraften können, wohl die beste Interpretation der Müllerin ist (für mich vor Pregardien und Protschka, auch vor Wunderlich). Gleiches gilt für die "Winterreise". Auch weitere Lieder - wie "Attis" - existieren auf einer CD.


St.Johns Passion Bwv 245
St.Johns Passion Bwv 245
Preis: EUR 30,30

4.0 von 5 Sternen Großartige Konzeption - Defizite bei den Solisten, 17. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: St.Johns Passion Bwv 245 (Audio CD)
Ich kann "hansalbert" in Bezug auf die Chöre nur Recht geben: Besser hört man das kauk in einer anderen Einspielung! Auch Instrumentierung und Aufnahmetechnik (bis hin zur deutlich hörbaren Theorbe) sind ganz vorzüglich (dass hier eine Violine statt Flöte als Soloinstrument in der Sopranarie "ich folge dir gleichfalls" gewählt wurde, mag auf unterschiedliche Fassungen zurückgehen).
Abstriche sind bei den Vokalsolisten zu machen: Besonders der Tenor Charles Daniels (Arien) hat im Vergeleich zu seiner großartigen "Fairy Queen" (Purcell) unter William Christie stark abgebaut und klingt überfordert. Auch der Countertenor weist Defizite auf (was Geschmackssache sein mag). Bässe und Sopran sind passabel, reichen jedoch an große Vorbilder nicht heran.


Wagner, Richard - Siegfried [2 DVDs]
Wagner, Richard - Siegfried [2 DVDs]
DVD ~ Donald McIntyre
Preis: EUR 19,59

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eigentlich legendär - sängerisch teilweise defizitär, 14. September 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wagner, Richard - Siegfried [2 DVDs] (DVD)
Eine Inszenierung (Patrice Chéreau), an der so lange gefeilt wurde, dass sie nahezu perfekt ist. Gleiches gilt für die Kameraführung (Brian Large). Jeder Sänger lebt" seine Rolle: Manfred Jung als anarchischer Held, der die Pläne Mimes und Wotans durchkreuzt, eben weil er vollkommen unwissend aufwächst - was ihn nicht daran hindert, die industriellen Maschinen Wotans zum Schmieden zu nützen. Der Waldvogel bleibt - trotz Käfig - eine autonome Instanz (was er bei Kupfer als Marionette Wotans NICHT mehr ist - aber laut Wagner musikalisch sein sollte: leitmotivisch vollkommen neu!). Hier wird Chéreaus Auffassung der von der Macht (also Wotan bzw. Alberich) vereinnahmten Natur (auch: Rheingold, Walküren, Erda) sichtbar, was weitgehend werkkonform ist. Chéreau verlagert das Geschehen also in die Entstehungszeit, die geprägt ist durch ideologische Fronten (Anarchismus, Marxismus, Bürgertum, Monarchie) und durch die Industrialisierung . Eine aufgezeichnete Inszenierung , die neue Aspekte liefert, ist erst wieder in Stuttgart (Jossi Wieler, Sergio Morabito) gelungen, während Harry Kupfer in Bayreuth, Berlin und Barcelona eher Motive Chereaus variiert (Staudamm >> Kläranlage; Waldvogel im Käfig >> Marionette).
Zur musikalischen Seite: Mit Pierre Boulez` Dirigat steht eine der überzeugendsten Interpretationen zur Verfügung. Analyse und Emotion schließen sich keineswegs aus - sie bedingen einander! Dabei tritt das Orchester teilweise vor den Sängern in den Hintergrund (also das Gegenteil von Thielemann-Aufnahmen ...), was auch durch die von Wagner beabsichtigte Akustik bedingt ist. Zu den Sängern: Manfred Jung in der Titelrolle ist im Vortrag intelligent, allerdings fehlen ihm Stimme und gesangstechnik zum Siegfried. Neben dem Hang zum Tönestemmen überzeugen auch seine H-Laute in den Schmiedeliedern kaum. Nicht ohne Grund wechselte er nach zahlreichen Bayreuth-Debakeln unter Peter Schneider (Dir., 80er Jahre) wieder ins Charakterfach. Andererseits muss gesagt werden: Kein anderer Tenor verstand den Wert dieser Inszenierung! Jung war schlicht und ergreifend der einzige, der bereit war, sich mit Chéreaus Ideen auseinanderzusetzen. René Kollo sang den Siegfried nur in diesem Teil der Tetralogie und kritisierte Chéreaus Ansatz teils vehement. Für die Aufzeichnung forderte der Regisseur denselben Darsteller für "Siegfried" und "Götterdämmerung", wozu nur M.Jung bereit war, während Kollo es vorzog, den Siegfried in der Götterdämmerung" unter Marek janowsky im Studio einzuspielen. Die übrigen Rollen sind sängerisch akzeptabel (McIntyre als Wanderer, Herman Becht als Alberich, Gwyneth Jones als Brünnhilde) bis sehr überzeugend (Heinz Zednik als genialer Mime, Ortrunn Wenkel als erda, Norma Sharp als Waldvogel) besetzt.
Fazit: Eine Aufführung, die das werk exemplarisch erschließt und darin kaum übertroffen wird. Musikalisch befriedigen die Aufnahmen unter Furtwängler (Suthaus - Patzak - Mödl), Solti (Windgassen - Stolze - Nilsson) und Janowsky (Kollo - Schreier - Altmeyer) - diese können als Ergänzung empfohlen werden.


Prinzessin Lillifee: Tanzen mit Lillifee und Schmücken und Schminken
Prinzessin Lillifee: Tanzen mit Lillifee und Schmücken und Schminken
Wird angeboten von Preferito, Preise inkl. MwSt.
Preis: EUR 4,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen nicht sonderlich kreativ, 4. Mai 2008
Was soll man sagen? Klischees werden bedient, Kreativität wird unterbunden... Alles was übrig bleibt: Klamotten und Schminkpinsel an die richtige Stelle des Körpers zu führen und sich danach ein Pseudo-Lob anzuhören (Oh, was für einen guten geschmack du hast!). Dafür gibt es schon beim Start Werbung für andere Lillifee Produkte (Spiele), die man übergehen muss (man könnte sie auch für Menüpunkte halten!!!). Da sind die "Felix"-Spiele auch für Vorschulkinder (5 Jahre) anspruchsvoller, obwohl auch diese nach einiger Zeit langweilig werden.


Tristan & Isolde (2)-Abridged
Tristan & Isolde (2)-Abridged
Wird angeboten von Bessere_Musik
Preis: EUR 39,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gielen-Dokument - leider gekuerzt, 23. März 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tristan & Isolde (2)-Abridged (Audio CD)
Hier sind "zwei halbe" Tristan-Mitschnitte auf je zwei CDs dokumentiert, vermutlich, weil es sich um eine Co-Produktion der Inszenierung Goetz Friedrichs handelte. Die groesste Aufmerksamkeit gilt (aus meiner Sicht) der Amsterdamer Aufnahme unter Michael Gielen, von welcher der erste und zweite Akt (letzterer leider minimal gekuerzt) vorliegt. Gielen zeigt, dass sich eine klare Strukur und "Leidenschaft" nicht ausschliessen, sondern gegenseitig bedingen. Dies wird schon im Vorspiel zum ersten Akt deutlich (unglaublich: die radikale Klarheit der Motive), das ich aehnlich ueberzeugend nur in der 74er Live-Aufnahme unter Carlos Kleiber gehoert habe. Beide Dirigenten beziehen "langsam schmachtend" eher auf den Charakter der Musik, weniger auf die uebliche Schlepperei. In seinen teilweise radikalen Tempovorstellungen geht Gielen u.U. an die Grenzen des Orchesters (besonders der Blechblaeser: Vorspiel zum zweiten Akt), man kann also keine Studioperfektion erwarten.
Pekka Nuotio, ein wenige Jahre spaeter (Aufnahmejahr: 1974) verstorbener finnischer Tenor, singt einen passablen Tristan (der im Begleitheft eigenartigerweise kritisiert wird, vermutlich, weil Lindholms Isolde ihn teilweise "uebertoent"); ohne den dritten Akt zu kenen, kann man ihn freilich nicht gerecht beurteilen. Lindholm klingt etwas nach "Reserve-Nilsson": Ihre Spitzentoene und Durchsetungskraft beeindrucken zweifellos, allerdings wirkt ihre Gestaltung teilweise unsensibel. Ulrik Cold (der Sarastro in Ingmar Bergmans "Zauberfloete") singt einen erschuetternden Marke der leisen Toene, Franz Grundheber einen ueberzeugenden Kurwenal, den man C. Kleiber in seinen Aufnahmen gewuenscht haette. Yvonne Minton singt, wie gewohnt, eine zuverlaesige Brangaene.
Fazit: Gielens Tristan haette eigentlich eie Gesamtaufnahme verdient - auch die hier dokumentierten Auszuege sid eine grosse Bereicherung fuer die Tristan-Diskographie!
Die Technik ist diskret ...
Die zweite Aufnahme (Scheveningen, 1979, Ende erster,zweiter und dritter Akt, jeweils leicht gekuerzt)ist einzig als Information ueber die vorzueglichen Saenger (Spas Wenkof als Tristan, Roberta Knie als Isolde, Hanna Schwarz als Brangaene und wiederum Grundherber und Cold in ihren Rollen) von Interesse. Wie in der obigen Einspielung sind hervorragende Saenger dokumentiert, die von der Schallplattenindustrie "vernachlaessigt" wurden - zum Nachteil vieler Wagneraufnahmen (C. Kleiber u.a.)! Hans Vonk leitet eine eher spannungsarme Auffuehrung.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 9, 2011 1:22 PM CET


Richard Wagner - Siegfried [2 DVDs]
Richard Wagner - Siegfried [2 DVDs]
DVD ~ Hans Hulscher
Preis: EUR 35,94

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen konsequent und durchdacht - nichts für Traditionalisten?, 4. Juli 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Richard Wagner - Siegfried [2 DVDs] (DVD)
Siegfried werkgemäß als "kühnes dummes Kind" (Mime), dazu erzogen, fafner zu töten - Wotan als unmenschlicher Drahtzieher, der mit dem Opfer (und Täter) Mime in jeder Beziehung "spielt" und Erda in ihrer Zuflucht aufsucht, wo die Wiegen der Töchter der Urmutter (Brünnhilde, "mit acht Schwestern") noch stehen; außerdem lehnt dort Wotans Speer - dies wird sehr konsequent und dem Werk entsprechend dargestellt. Fafner - als gewöhnlicher Sänger - wartet in seiner Todeszone auf seinen vorbestimmten Bezwínger: den Namen trägt er bereits auf seinem T-Shirt; allein Siegfrieds T-Shirt-Aufschrift ("Sieg Fried" - also Superheld, denn das sollte er ja für die Welt sein ...) wäre die Inszenierung wert.
Die Sänger (Jon fredric west als siegfried und Lisa Gasteen als Brünnhilde)werden glücklicherweise nach Stimme und nicht nach Statur ausgesucht - und doch passen sie perfekt zu ihren Rollen und in die suggestiven Bühnenbilder; der Wechsel in den blendend weißen Raum Brünnhildes über ein weißes Fenster ist beeindruckend.
Neben West und besonders Gasteen überzeugt auch Wolfgang Schöne als Wanderer (sichtlich gealtert seit seinen glänzenden Bachkantaten unter Helmut Rilling);
Fazit: Nach Chéreau eine eigenständige Inszenierung, überzeugender als Kupfer (der eher versucht Chéreau zu variieren und dessen Personenführung häufig schematisch, als "Beschäftigungstherapie") erscheint - Hier ist wirklich alles durchdacht!! Auch die Sängerbesetzung übertrifft eher die anderen Einspielungen auf DVD (Wet braucht sich vor Jerusalem nicht zu verstecken); freilich handelt es sich um eine wirkliche Liveaufführung: Einzelne Patzer oder Textausfälle lassen sich nicht vermeiden.


Wagner, Richard - Der fliegende Holländer
Wagner, Richard - Der fliegende Holländer
DVD ~ Simon Estes
Preis: EUR 13,97

26 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen packendes Regietheater, 4. März 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Kupfers eindeutig fesselndste Inszenierung (in seinem "Ring" ist er diesen Ansprüchen nicht immer gerecht geworden). Die schauspielerischen Leistungen (besonders: Lisbeth Balslev, die in dieser Fassung ohne Pausen ständig präsent sein muss) sind bewundernswert - ob für die Aufzeichnung eine Pause "eingelegt" wurde, ist nicht bekannt. Hervorzuheben wären auch die Massenszenen (Spinnerinnen, Matrosenchöre), die man kaum so überzeugend gesehen haben dürfte!!!

Kupfer deutet den "Holländer" also als Vision Sentas, die beängstigend (psychisch) krankhafte Züge an den Tag legt: Hier noch einmal die Warnung: Wer sich auf dieses Experiment des Regietheaters nicht einlassen will, möge andere Aufzeichnungen kaufen!!! Natürlich würde auch einiges gegen Kupfers Auffassung sprechen: Ist nicht Senta als "Erlöserin" beziehungsweise weibliches Opfer eine der ersten Gestalten in Wagners Träumen und Projektionen? Ist hier nicht eher der Holländer der Träumer?

Musikalisch ist besonders Woldemar Nelssons zügige und dramatische Interpretation der "Urfassung" hervorzuheben. Simon Estes überzeugt besonders stimmlich und schauspielerisch (weniger in der Textgestaltung, Lisbeth Balslev durch schauspielerische und akzeptable vokale Leistung (es gibt kaum wirklich überzeugende Sängerinnen dieser Rolle - möglicherweise Anja Silja und Cheryl Studer);


Parsifal (Ga)
Parsifal (Ga)
Preis: EUR 74,58

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Neidlinger, Talvela, London, Thomas, Dalis - aber Knappertsbusch???, 12. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Parsifal (Ga) (Audio CD)
Insgesamt bietet diese Aufnahme beachtliche Sängerleistungen (außer Hotter als Gurnemanz), allerdings scheint es, als arbeite der Dirigent gegen sie: Ein Ausnahmesänger wie George London muss in seiner Klage Atempausen einschieben, wo sie die Phrase zerstören, ebenso Irene Dalis in ihrer Verwünschung Parsifals am Ende des zweiten Akts. Gustav Neidlinger, vermutlich der beste Klingsor auf Tondokumenten, muss seinen Dialog mit Kundry in Zeitlupe halten. Dabei erzeugt Knappertsbusch durch diese extremen Tempi (jedenfalls in dieser Aufnahme) keineswegs eine Vergrößerung der Spannungsbögen (wie Otto Klemperer in seiner unübertrefflichen Holländer"-Aufnahme) sondern eher eine Zerstückelung. Dass diese Aufnahme lange Zeit als Referenz gehandelt wurde, kann in sofern nur "Traditions"-bedingt sein. Liebhabern langsamer Tempi seien die Aufnahmen unter Reginald Goodall (leider nicht mehr preisgünstig) und Thielemann empfohlen. Großartige Aufnahmen dirigierten (mit zügigeren" Tempi) Solti und Boulez.
Ein interessantes Detail am Rande: die Blumenmädchen-Primadonnen! Man erkennt unschwer an den Stmmen Anja Silja und Gundula Janowitz - vollkommen unterschiedliche Stimmtypen, kein Wunder, dass man sich über die Tempi etwas uneinig ist. Allerdings kommt hier Wieland Wagners Regiearbeit voll zum tragen und wird durch die langsamen Tempi (hier) wirklich unterstützt. Jedes Wort wird ausgedeutet (vgl. Schluss der Szene:[...] magst dich nicht getrauen du - Tor!).


The Originals - Parsifal (Gesamtaufnahme)
The Originals - Parsifal (Gesamtaufnahme)
Preis: EUR 33,99

9 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Neidlinger, Talvela, London, Thomas, Dalis - aber Knappertsbusch???, 12. Januar 2007
Insgesamt bietet diese Aufnahme beachtliche Sängerleistungen (außer Hotter als Gurnemanz), allerdings scheint es, als arbeite der Dirigent gegen sie: Ein Ausnahmesänger wie George London muss in seiner Klage Atempausen einschieben, wo sie die Phrase zerstören, ebenso Irene Dalis in ihrer Verwünschung Parsifals am Ende des zweiten Akts. Gustav Neidlinger, vermutlich der beste Klingsor auf Tondokumenten, muss seinen Dialog mit Kundry in Zeitlupe halten. Dabei erzeugt Knappertsbusch durch diese extremen Tempi (jedenfalls in dieser Aufnahme) keineswegs eine Vergrößerung der Spannungsbögen (wie Otto Klemperer in seiner unübertrefflichen Holländer"-Aufnahme) sondern eher eine Zerstückelung. Dass diese Aufnahme lange Zeit als Referenz gehandelt wurde, kann in sofern nur "Traditions"-bedingt sein. Liebhabern langsamer Tempi seien die Aufnahmen unter Reginald Goodall (leider nicht mehr preisgünstig) und Thielemann empfohlen. Großartige Aufnahmen dirigierten (mit zügigeren" Tempi) Solti und Boulez. Vermutlich sind auch die älteren Knappertsbusch-Aufnahmen (Windgassen/ Mödl) packender.
Ein interessantes Detail am Rande: die Blumenmädchen-Primadonnen! Man erkennt unschwer an den Stmmen Anja Silja und Gundula Janowitz - vollkommen unterschiedliche Stimmtypen, kein Wunder, dass man sich über die Tempi etwas uneinig ist. Allerdings kommt hier Wieland Wagners Regiearbeit voll zum tragen und wird durch die langsamen Tempi (hier) wirklich unterstützt. Jedes Wort wird ausgedeutet (vgl. Schluss der Szene:[...] magst dich nicht getrauen du - Tor!).


Wagner, Richard - Siegfried / Ring Der Nibelungen [2 DVDs]
Wagner, Richard - Siegfried / Ring Der Nibelungen [2 DVDs]
DVD ~ Siegfried Jerusalem
Preis: EUR 42,81

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Siegfried" mit Siegfried - Desperados lauern auf den Ring, 12. Januar 2007
Dieser Siegfried" bietet eine sinnvolle Alternative zur Chéreau-Inszenierung, da Kupfer und Barenboim einen stimmlich und darstellerisch überzeugenden Siegfried (im doppelten Sinne: Siegfried Jerusalem) aufweisen können. Manfred Jung bei Chéreau / Boulez enttäuscht da eher (René Kollo war nicht bereit, den Siegfried auch in der Götterdämmerung" zu singen, daher wählte Chéreau Jung für beide Abende).

Jerusalem gelingt aufgrund seiner Erfahrungen im Oratorien- und Liedgesang eine weitgehend lyrisch-differenzierte Interpretation und auch die schauspielerische Leistung ist - wie bei allen beteiligten - großartig. Der Schwachpunkt Jerusalems, die angestrengte, gepresste Tongebung in der Höhe (wegen der er in den 80ern als Bayreuther Stolzing nie überzeugen konnte), fällt im Siegfried" etwas weniger ins Gewicht (stärker jedoch in der Götterdämmerung"). Da die Akte offensichtlich einzeln aufgezeichnet wurden, erlebt man diesen Sänger in (relativer) Topform.

Gleiches gilt für John Tomlinson, der sich mit der Rolle des Wanderers bis zur Verausgabung identifiziert. Seine Beherrschung und Interpretation des deutschen Textes ist vorbildlich. Stimmlich reicht er in den besten Momenten an große Vorbilder heran. Vereinzelt allerdings werden Überanstrengungserscheinungen seiner Bassstimme (!) deutlich, die durch die Wagnerschen Heldenpartien wohl zwingend hervorgerufen werden. Wer Tomlinsons Stimme unverbraucht und technisch souverän erleben möchte, kann zu Trevor Pinnocks Messias-Aufnahme greifen.

Graham Clark, mit solidem Tenor, charakterisiert den Mime eher durch seine grandiosen schauspielerischen Fertigkeiten als durch Textgestaltung und Tongebung. Wie die meisten Darsteller kriecht, klettert und springt er über die Bühne. Günter von Kannens Alberich hingegen kann in jeder Hinsicht überzeugen.

Anne Evans lyrische Stimme ist als Brünnhilde im Siegfried" überzeugend eingesetzt.

Zur INSZENIERUNG: Während Chéreau seinen Ring in die Entstehungszeit des Werks verlegte, spielt Kupfers Siegfried" in den Trümmern einer von Katastrophen verwüsteten Zukunft. Als einheitlicher, aber veränderbarer Schauplatz für alle vier Abende dient dabei die Straße der Geschichte", auf welcher die überlebenden, in Fetzen gekleideten Desperados" sich bewegen und in zerbombten Zivilisationstrümmern klettern und springen. Diese Straße wird im dritten Akt durch flackernde Laserblitze erhellt, wenn Wotan Erda (überzeugend: Linda Finnie) beschwört und wenn Siegfried das Feuer durchquert. Vermutlich war der Walkürenfelsen der Chéreau-Inszenierung (Bühnenbild: Richard Peduzzi) suggestiver als die einsame Geschichtsstraße, auf der sich Brünnhilde und Siegfried bei Kupfer begegnen bzw. entgegenkriechen.

Weitere Besonderheiten: Fafner (solide: Philip Kang) wird durch Greifarme, halb Mensch, halb Maschine, dargestellt, die Siegfried von allen Richtungen bedrohen und verwandelt sich im Sterben - ähnlich wie bei Chéreau - zurück in den Riesen.

Der Waldvogel, der bei Chéreau noch in Wotans Gehege und Käfig gefangen war und durch Siegfried befreit wurde, wird bei Kupfer vollends zur Marionette am Faden des Wanderers, was auf einer rationalen Ebene verständlich sein mag. Für mich war Chéreaus Version jedoch näher an der Musik (ob der Vogel zuvor von Wotan dressiert wurde, weiß man nicht).

FAZIT: Chéreaus Regie-Konzept ist vielleicht eine Spur überzeugender (Boulez' Dirigat ist ohnehin souverän), seine Aufzeichnung leidet jedoch unter der sängerische Leistung Manfred Jungs in der Titelrolle. Daher ist die hier besprochene DVD unter Kupfers Regie für mich eindeutig zu bevorzugen.


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