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Beiträge von Angelika Kershally
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Rezensionen verfasst von
Angelika Kershally (Münster)
(REAL NAME)   

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Bridge of Spies - Der Unterhändler [Blu-ray]
Bridge of Spies - Der Unterhändler [Blu-ray]
DVD ~ Mark Rylance
Preis: EUR 16,99

4.0 von 5 Sternen Guter Film, nachempfindbar für die Generation ab 40!, 12. Juni 2016
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wenn man selbst in den 60ern geboren ist, den kalten Krieg als Westdeutscher bei vielen Besuchen im Osten oder als Ostdeutscher miterlebt hat, dann wird man diesen Film gut finden.
Manche beklagen, er habe seine Längen. Nun, so sind Geschmäcker verschieden. Mir hat gerade der fehlende amerikanische Pathos gefallen, keine 2 Stunden brumm bumm und Verfolgungsjagden mit x Spezialeffekten. Hier wird schlicht ein Stück wahrer Geschichte erzählt und das doch überraschend authentisch in den Kulissen und ohne übertriebenes Ami Gehabe.
Zur Geschichte muss man nicht viel sagen, der erste Austausch russisch-amerikanischer Gefangener an der Glienicker Brücke in Potsdam Anfang der 60er Jahre. Der Bau der Mauer in vollem Gange, ahnt der Anwalt James Donovan wohl erst nach und nach in was für einem wichtigen Abschnitt der Geschichte er sich gerade befindet.
Absolut gut gelungen sind die Kulissen an der Mauer in Berlin, die Austattung des Hotels, in dem er zwei Mal Frühstück bestellt.
Einziger unrealistischer Moment ist der Mantelklau in Ost-Berlin. Damals undenkbar! Einem so gut gekleideten Mann aus dem Westen hätte man höchstens staunend und interessiert hinterhergeschaut und hinter vorgehaltener Hand getuschelt.

Die schauspielerische Leistung insgesamt hervorragend. Tom Hanks ist mit seinem Understatement eine lebende Legende, aber wenn er Emotionen zeigt, in nur leicht zuckenden Mundwinkeln, dann möchte man fast jubeln.
Auch sein oft staunendes Gesicht ist durchaus glaubwürdig. Denn was hatten die normalen Amis schon für eine Ahnung, was da wirklich in Berlin abgeht. Gar keine. So überrascht es nicht, als er mit weit aufgerissenen Augen im Zug aus Richtung Friedrichstraße die Erschießung Flüchtender an der Mauer mitansieht und sich auch noch in der letzten Filmsequenz daran erinnert.
Der Schauspieler des Rudolf Abel toppt Tom Hanks in diesem Film sogar noch. "Machen Sie sich Sorgen?" "Würde das helfen?". Irgendwie tut er nichts, aber wie er das tut, ist sehenswert. Auch Sebastian Koch als mit teurem Westauto ausgestatteter Ostanwalt gefiel mir gut.
Abschließend möchte ich anmerken, dass die Darstellung, wie die Amerikaner James Donovan für seinen Einsatz für Rudolf Abel gehasst haben, ihn dann aber wiederum ( schön Fähnchen im Wind) nach dem gelungenen Austausch feierten, ebenfalls sehr glaubwürdig ist.

Die jüngeren können diese Zeit evtl nicht nachempfinden, für die Zuschauer ab 40 ist es ein empfehlenswert guter Film!


Hannibal - Staffel 3 [Blu-ray]
Hannibal - Staffel 3 [Blu-ray]
DVD ~ Mads Mikkelsen
Preis: EUR 26,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Traumpaar Mikkelsen/Dancy ...'It's beautiful'!, 6. März 2016
Rezension bezieht sich auf: Hannibal - Staffel 3 [Blu-ray] (Blu-ray)
Durch Mads Mikkelsen bin ich auf die Serie "Hannibal" gestoßen, die im Deutschen Fernsehen mit wenig Erfolg lief. Völlig zu Unrecht, denn hier haben wir es mit einer so besonderen Serie zu tun, dass sie es mühelos unter die Top 5 all meiner Lieblingsserien geschafft hat. Ich bin fast froh, sie erst entdeckt zu haben, als es Staffel drei schon gab, denn zu warten, wie es nach Staffel 2 weiter geht, wäre eine Qual gewesen.

'Hannibal Rising' 'Roter Drache', 'Das Schweigen der Lämmer' und 'Hannibal' sind Bücher/Filme, die viele Zuschauer kennen. Die Filme wurden von Anthony Hopkins alias Hannibal Lecter dominiert und (insb. beim Schweigen der Lämmer) dachte wohl jeder: Hopkins ist der ultimative Dr. Lecter.

Die Serie Hannibal klatscht die Filme wie ein Fliege an die Wand, um mal das Zitat eines anderen Rezensenten auszuborgen, denn besser kann man es nicht ausdrücken. Die Darstellung aller Schauspieler ist überragend, allen voran Mads Mikkelsen, der sich Hannibal wie eine zweite Haut überstreift und Hopkins in jeder einzelnen Szene restlos übertrifft. Wer Mads Mikkelsens Filme kennt, weiß, was er für ein genialer und dazu noch ziemlich attraktiver Schauspieler ist, aber Hannibal macht er sich so sehr zu eigen, dass es einen schaudert, fasziniert und vom Sofa reisst. Hugh Dancy als Will Graham darf nicht unerwähnt bleiben. Auch er lässt Edward Norton schon in den ersten Folgen komplett vergessen.

Doch die Serie ist mehr als herausragende Schauspielerei, sie ist erstklassige Kameraarbeit, besteht aus ausgefeilten, psychologisch tiefgründigen Dialogen und einer Ästhetik, die trotz aller Brutalität bei den zugrundeliegenden Morden, ganz besonders aber bei der Zubereitung von Hannibals exquisiten Gerichten ihres Gleichen sucht..

Die Gerichte haben es in sich: Bei Hannibal handelt es sich um einen Kannibalen, der mordet, der seine Opfer nicht hasst oder irgendwelche Motive hat, sondern sie ganz einfach als ein Stück Fleisch ansieht. Hintergrund ist der grausame Mord an der eigenen Schwester Misha in seiner Heimat Litauen, als Hannibal noch ein Kind war. Misha wurde aufgrund von Kälte und Hungersnot von ihren Mördern verspeist und Hannibal gezwungen zuzusehen und ebenfalls einen Teil seiner Schwester zu essen. Dies war Grundlage, dass Hannibal vom Opfer zum Täter wurde. Seine Dinnerpartys, die er - inzwischen erwachsen und in Baltimore lebend - immer nach seinen Morden zelebriert, sind legendär. Die Gerichte sind so kunstvoll und lecker angerichtet, dass man fast mitessen möchte, bevor man sich fragt, wen oder was die Gäste da gerade verspeisen und irritiert das eigene profane Mettbrötchen anschaut. Dennoch: Diese Serie ist schlichtweg Kunst und hat zumindest mir nie den Appetit beim Abendessen verdorben.

Sie beginnt zwischen den Ereignissen von Hannibal Rising (eben der oben erwähnten Kindheit/Jugend von Hannibal) und Roter Drache, als Dr. Lecter dem instabilen Polizeipsychologen Will Graham zur Seite steht und die Beratung von Will übernimmt. Will hat das Problem zu großer Empathie, er kann sich in die Täter eins zu eins hineinversetzen, was ihn mehr und mehr quält und fast wahnsinnig macht. Realität und Wahnsinn verschwimmen immer mehr.
Noch ahnt Will nicht, dass der Serienkiller, den er im Auftrag des FBI sucht und profilen soll, Hannibal selbst ist. Hannibal manipuliert Will gnadenlos, doch irgendwann merkt dieser, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Gleichzeitig fühlt er sich zu Hannibal hingezogen, was ihn noch mehr irritiert.

Mit jeder Staffel wird deutlicher, dass diese Neuinterpretation der alten Filme vor allem eins ist: eine Liebesgeschichte zwischen Hannibal und Will, die nie ihren Focus auf die beiden Hauptfiguren verliert.
Hannibal, der äußerst attraktiv, elegant und eloquent ist, weigert sich, sich selbst als Wills Psychiater zu bezeichnen, er führt lediglich "Unterhaltungen", möchte sein Freund sein, denn einen solchen hatte er nie. Hannibal ist hier nicht nur der kannibalische Mörder und Manipulator, sondern hat viele menschliche Züge, fast schon charmante Eigenheiten, die ihn sympathisch machen, ohne dass man je vergisst, wer er ist und was er isst! Er verliebt sich in Will, kann nicht mehr ohne ihn und treibt ihn dennoch immer mehr in den Wahnsinn.
Will hat verständlicherweise größere Probleme damit, seine Liebe zu und Besessenheit von Hannibal zuzugeben, denn wer mag schon Freund, Seelenverwandter, Geliebter eines Serienkillers sein, von dem er manipuliert, verraten, gerettet, zweimal fast ermordet und doch wieder gerettet wird. Wer mag schon zugeben, dass er selbst seelische Anteile eines solchen Menschen besitzt und möglicherweise Befriedigung im Morden empfindet? Will wehrt sich lange mehr und einige Male weniger erfolgreich dagegen.

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Serie, dass nicht nur Will Graham, sondern alle Protagonisten, ob Jack Crawford (Laurence Fishburn), Alana Bloom oder Bedelia (Gillian Anderson) fasziniert von und/oder verliebt in Hannibal sind. Alle zahlen ausnahmslos einen hohen Preis dafür.

In der ersten Staffel (ab hier Spoilerwarnung!) reihen sich noch diverse Fälle aneinander, ab der 2. Staffel geht es aber fast nur noch um die Geschichte der Hauptfiguren selbst. Selten habe ich gesehen, dass man sich für die Charakterdarstellung jeder einzelnen Figur so viel Zeit gelassen hat.
Das führt auch dazu, dass man mit den Figuren mehr und mehr mitlebt und einem beim Finale der 2. Staffel regelrecht die Luft wegbleibt. Der Cliffhanger hier sucht seines gleichen in so ziemlich jeder anderen Serie. Als Hannibal nach dem Showdown in den Regen hinausgeht, bleibt einem der Mund offen stehen, ob der Schönheit dieser Inszenierung. Allein die auf Hannibals Gesicht fallenden Regentropfen und das Wissen, was da gerade Furchtbares in seinem Haus geschehen ist, machen vollkommen sprachlos. Es lässt einen mit vielen Fragen und dem typischen ' das kann doch einfach nicht sein ' Gefühl zurück und wühlt einen fast so auf wie die Figuren selbst.

In der dritten Staffel gibt es eine Art filmischen Stil- und Chronologiebruch im Vergleich zu den Büchern. Die Geschichte in Florenz, die eigentlich erst im Buch 'Hannibal' also ganz am Ende kommt, wird hier bereits vor dem Roten Drachen eingeflochten. Clarice Starling spielt allerdings zu keinem Zeitpunkt eine Rolle, es bleibt bei Will Graham als Hannibals Partner und Objekt der Begierde. Das tut der Serie aber sogar gut, denn alle Schauspieler sind so stark und die Will/Hannibal Beziehung so dominierend, dass ich nicht weiß, wo man eine Clarice Starling noch hätte einflechten sollen.

In Florenz werden Hannibals Gefühle offensichtlich. Trotz seiner eigenen 'Affäre' mit seiner Psychiaterin Bedelia weiß diese genau, wonach sich Hannibal sehnt. Sie begleitet ihn in Florenz und doch sagt Abel Gideo den entscheidenen Satz über Hannibal: 'If only this company could be Will Graham'. Hannibal opfert schließlich das ihm allerwichtigste, seine Freiheit, um Will nahe sein zu können.

Im zweiten Teil der Staffel 3 wird der 'Rote Drache' aufgegriffen, wir sehen Hannibal im bekannten weißen Anzug und mit teils Mundschutz hinter Gittern. Will hingegen braucht ihn, um die Morde des Roten Drachen aufzuklären. Die Serie wird nun tatsächlich zum Thriller, aber auch die Liebe zwischen Hannibal und Will immer deutlicher.
Will, der sich anfangs Lichtjahre davon entfernt sah, auch nur Hannibals Freund zu werden, fragt Bedelia scheinbar fassungslos: '"Ist Hannibal in mich verliebt?'" Bedelia: '"Ja, aber sehnen Sie sich auch nach ihm?"'

Natürlich tut er das, er hat es längst aufgegeben, gegen seine Dämonen zu kämpfen. Die Beziehung entwickelt sich nie zu einer sexuellen Liebe, sie ist aber auch weit mehr als eine platonische Liebe, durchaus sehr körperlich, wenn besonders Hannibal Will berührt oder die beiden sich ansehen. Vor allem aber ihre Gespräche, die Empfindungen, egal ob Liebe, Hass, Abscheu, Verständnis, machen diese Beziehung aus. Die Seelenverwandten haben sich am Ende gefunden.

Das Ende der Serie ist so unfassbar brutal und gleichzeitig schön, die letzte Szene hat eine Intimität, die körperliche Nähe, die Blicke in die Augen des anderen, das Glück, trotz dessen was zuletzt passiert ist - man kann nicht anders, als hinzuschauen, um dann am Ende wieder zu erstarren. Ein fulminantes Finale!
Mit diesem Ende, das viel diskutiert wurde, kann ich aber gut leben. Es ist ein aufwühlender, wunderschöner (Will: 'It's beautiful) Abschluss.

Fazit: FSK 18 ist angemessen. Mads Mikkelsen in seiner besten Rolle! Alle andere Darsteller sind ebenfalls brilliant. Einzig fiel es mir schwer, der inzwischen zur starren Maske schönheitsoperierten und völlig unnatürlich Gillian Anderson zuzusehen. Dennoch spielt auch sie ihre Rolle sehr gut. Wen die psychologischen Gespräche nicht langweilen, der wird fasziniert sein und Hannibal und Will am Ende vermissen. Vergesst die alten Filme! Diese Serie setzt an Stil und Anspruch neue Maßstäbe! Absolut sehenswert! Danke, dass ich diese außergewöhnliche Serie entdecken durfte.


Hannibal - Staffel 1 - Uncut [Blu-ray]
Hannibal - Staffel 1 - Uncut [Blu-ray]
DVD ~ Mads Mikkelsen
Preis: EUR 16,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hannibal und Will - Traumpaar Mikkelsen/Dancy ...'It's beautiful'!, 6. März 2016
Durch Mads Mikkelsen bin ich auf die Serie "Hannibal" gestoßen, die im Deutschen Fernsehen mit wenig Erfolg lief. Völlig zu Unrecht, denn hier haben wir es mit einer so besonderen Serie zu tun, dass sie es mühelos bei mir unter die Top 5 all meiner Lieblingsserien geschafft hat. Ich bin fast froh, sie erst entdeckt zu haben, als es Staffel drei schon gab, denn zu warten, wie es nach Staffel 2 weiter geht, wäre eine Qual gewesen.

'Hannibal Rising' 'Roter Drache', 'Das Schweigen der Lämmer' und 'Hannibal' sind Bücher/Filme, die viele Zuschauer kennen. Die Filme wurden von Anthony Hopkins alias Hannibal Lecter dominiert und insb. beim Schweigen der Lämmer dachte wohl jeder: Hopkins ist der ultimative Dr. Lecter.

Die Serie Hannibal klatscht die Filme wie ein Fliege an die Wand, um mal das Zitat eines anderen Rezensenten auszuborgen, denn besser kann man es nicht ausdrücken. Die Darstellung aller Schauspieler ist überragend, allen voran Mads Mikkelsen, der sich Hannibal wie eine zweite Haut überstreift und (für mich völlig unerwartet) Hopkins in jeder einzelnen Szene restlos übertrifft. Auch Hugh Dancy läßt als Will Graham Edward Norton schon in den ersten Folgen komplett vergessen. Doch die Serie ist mehr als herausragende Schauspielerei, sie ist erstklassige Kameraarbeit, besteht aus ausgefeilten, psychologisch tiefgründigen Dialogen und einer Ästhetik, die trotz aller Brutalität bei den zugrundeliegenden Morden, ganz besonders aber bei der Zubereitung von Hannibals exquisiten Gerichten ihres Gleichen sucht.

Die Gerichte haben es in sich: Bei Hannibal handelt es sich um einen Kannibalen, der mordet, der seine Opfer nicht hasst oder irgendwelche Motive hat, sondern sie schlichtweg als ein Stück Fleisch ansieht. Hintergrund ist der grausame Mord an der eigenen Schwester Misha in seiner Heimat Litauen, als Hannibal noch ein Kind war. Misha wurde aufgrund von Kälte und Hungersnot von ihren Mördern verspeist und Hannibal gezwungen zuzusehen und ebenfalls einen Teil seiner Schwester zu essen. Dies war Grundlage, dass Hannibal vom Opfer zum Täter wurde. Seine Dinnerpartys, die er - inzwischen erwachsen und in Baltimore lebend - immer nach seinen Morden zelebriert, sind legendär. Die Gerichte sind so kunstvoll und lecker angerichtet, dass man fast mitessen möchte, bevor man sich fragt, wen oder was die Gäste da gerade verspeisen und irritiert das eigene profane Mettbrötchen anschaut. Dennoch: Diese Serie ist schlichtweg Kunst und hat zumindest mir nie den Appetit beim Abendessen verdorben.

Sie beginnt zwischen den Ereignissen von Hannibal Rising (eben der oben erwähnten Kindheit/Jugend von Hannibal) und Roter Drache, als Dr. Lecter dem instabilen Polizeipsychologen Will Graham (und damit der gesamten FBI Crew) zur Seite steht und die Beratung von Will übernimmt. Will hat das Problem zu großer Empathie, er kann sich in die Täter eins zu eins hineinversetzen, was ihn mehr und mehr quält und fast wahnsinnig macht. Noch ahnt er nicht, dass der Serienkiller, den er im Auftrag des FBI sucht und profilen soll, Hannibal selbst ist. Hannibal manipuliert Will gnadenlos, doch irgendwann merkt dieser, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Gleichzeitig fühlt er sich zu Hannibal hingezogen, was ihn noch mehr irritiert.

Die Geschichte ist vor allem eins: eine Liebesgeschichte zwischen Hannibal und Will, die nie ihren Focus auf die beiden Hauptfiguren verliert.
Hannibal, der äußerst attraktiv, elegant und eloquent ist, weigert sich, sich selbst als Wills Psychiater zu bezeichnen, er führt lediglich "Unterhaltungen", möchte sein Freund sein, denn einen solchen hatte er offenbar nie. Hannibal ist hier nicht nur der kannibalische Mörder und Manipulator, sondern hat viele menschliche Züge, fast schon charmante Eigenheiten, die ihn sympathisch machen, ohne dass man je vergisst, wer er ist und was er isst! Er verliebt sich in Will, kann nicht mehr ohne ihn und treibt ihn dennoch immer mehr in den Wahnsinn.
Will hat verständlicherweise größere Probleme damit, seine Liebe und Besessenheit von Hannibal zuzugeben, denn wer mag schon Freund, Seelenverwandter, Geliebter eines Serienkillers sein, von dem er manipuliert, verraten, gerettet, zweimal fast ermordet und doch wieder gerettet wird. Wer mag schon zugeben, dass er selbst seelische Anteile eines solchen Menschen besitzt und möglicherweise Befriedigung im Morden empfindet? Will wehrt sich lange mehr und einige Male weniger erfolgreich dagegen.

Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Serie, dass nicht nur Will Graham, sondern alle Protagonisten, ob Jack Crawford (Laurence Fishburn), Alana Bloom oder Bedelia (Gillian Anderson) fasziniert von und/oder verliebt in Hannibal sind. Alle zahlen ausnahmslos einen hohen Preis dafür.

In der ersten Staffel (ab hier Spoilerwarnung!) reihen sich noch diverse Fälle aneinander, ab der 2. Staffel geht es aber fast nur noch um die Geschichte der Hauptfiguren selbst. Selten habe ich gesehen, dass man sich für die Charakterdarstellung jeder einzelnen Figur so viel Zeit gelassen hat.
Das führt auch dazu, dass man mit den Figuren mehr und mehr mitlebt und einem beim Finale der 2. Staffel regelrecht die Luft wegbleibt. Der Cliffhanger hier sucht seines gleichen in so ziemlich jeder anderen Serie. Als Hannibal nach dem Showdown in den Regen hinausgeht, bleibt einem der Mund offen stehen, ob der Schönheit dieser Inszenierung. Allein die auf Hannibals Gesicht fallenden Regentropfen und das Wissen, was da gerade Furchtbares in seinem Haus geschehen ist, machen vollkommen sprachlos. Es lässt einen mit vielen Fragen und dem typischen ' das kann doch einfach nicht sein ' Gefühl zurück und wühlt einen fast so auf wie die Figuren selbst.

In der dritten Staffel gibt es eine Art filmischen Stil- und Chronologiebruch im Vergleich zu den Büchern. Die Geschichte in Florenz, die eigentlich erst im Buch 'Hannibal' also ganz am Ende kommt, wird hier bereits vor dem Roten Drachen eingeflochten. Clarice Starling spielt allerdings zu keinem Zeitpunkt eine Rolle, es bleibt bei Will Graham als Hannibals Partner und Objekt der Begierde. Das tut der Serie aber sogar gut, denn alle Schauspieler sind so stark und die Will/Hannibal Beziehung so dominierend, dass ich nicht weiß, wo man eine Clarice Starling noch hätte einflechten sollen.

In Florenz werden Hannibals Gefühle offensichtlich. Trotz seiner eigenen 'Affäre' mit seiner Psychiaterin Bedelia weiß diese genau, wonach sich Hannibal sehnt. Sie begleitet ihn in Florenz und doch ist es Abel Gideon, der den entscheidenen Satz über Hannibal sagt: 'If only this company could be Will Graham'. Hannibal opfert schließlich das ihm allerwichtigste, seine Freiheit, um Will nahe sein zu können.

Im zweiten Teil der Staffel 3 wird der 'Rote Drache' aufgegriffen, wir sehen Hannibal im bekannten weißen Anzug und mit teils Mundschutz hinter Gittern. Will hingegen braucht ihn, um die Morde des Roten Drachen aufzuklären. Die Serie wird nun tatsächlich zum Thriller, aber auch die Liebe zwischen Hannibal und Will immer deutlicher.
Will, der sich anfangs Lichtjahre davon entfernt sah, auch nur Hannibals Freund zu werden, fragt Bedelia scheinbar fassungslos: '"Ist Hannibal in mich verliebt?'" Bedelia: '"Ja, aber sehnen Sie sich auch nach ihm?"'

Natürlich tut er das, er hat es längst aufgegeben, gegen seine Dämonen zu kämpfen. Die Beziehung entwickelt sich nie zu einer sexuellen Liebe, sie ist aber auch weit mehr als eine platonische Liebe, durchaus sehr körperlich, wenn besonders Hannibal Will berührt oder die beiden sich ansehen. Vor allem aber ihre Gespräche, die Empfindungen, egal ob Liebe, Hass, Abscheu, Verständnis, machen diese Beziehung aus. Die Seelenverwandten haben sich am Ende gefunden.

Das Ende der Serie ist so unfassbar brutal und gleichzeitig schön, die letzte Szene hat eine Intimität, die körperliche Nähe, die Blicke in die Augen des anderen, das Glück, trotz dessen was zuletzt passiert ist - man kann nicht anders, als hinzuschauen um dann am Ende wieder zu erstarren.
Mit diesem Ende, das viel diskutiert wurde, kann ich aber gut leben. Es ist ein aufwühlender, wunderschöner (Will: 'It's beautiful) Abschluss.

Fazit: FSK 18 ist angemessen. Mads Mikkelsen in seiner besten Rolle, wobei ich noch keinen Film gesehen habe, in dem er nicht brilliert. Alle andere Darsteller sind ebenfalls brilliant. Einzig fiel es mir schwer, der inzwischen zur starren Maske schönheitsoperierten und völlig unnatürlich Gillian Anderson zuzusehen. Dennoch spielt auch sie ihre Rolle sehr gut. Wen die psychologischen Gespräche nicht langweilen, der wird fasziniert sein und Hannibal und Will am Ende vermissen. Absolut sehenswert! Danke, dass ich diese außergewöhnliche Serie entdecken durfte.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 15, 2016 3:01 PM CET


III (Limited Deluxe Edition)
III (Limited Deluxe Edition)
Preis: EUR 7,99

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Just "Amazing"!!! 18, nicht 15 Songs!, 5. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: III (Limited Deluxe Edition) (Audio CD)
Take That sind nicht ohne Grund die erfolgreichste Band Europas, auch wenn viele nach dem eher umstrittenen Progress Album befürchtet hatten, dass sie diesen Stil fortsetzen würden. Gott sei Dank tun sie dies nicht. Was sie damals bewogen hat, ein (mit wenig guten Song-Ausnahmen) Elektroalbum mit verzerrten Stimmen aufzunehmen, wissen nur sie selbst. Geschichte!
Nachdem Jason sich nun eine Pause gönnt ("the door is always open for Rob and Jason"), sind Take That zu dritt zurück, knüpfen wieder an Beautiful World und The Circus Zeiten an und erfinden sich dennoch neu. Der Albumname ist Programm. Gary übernimmt wieder den Hauptpart der insgesamt 18!!! Songs. Mark bekommt vier Stücke und auch Howard darf einmal ran. Insgesamt ein pop/beat-lastiges Album, das dennoch nicht dem Mainstream folgt, mit vielen flotten Songs, wunderbaren Ideen, Harmonien, Klatschhymnen und wunderschönen Balladen. Gar nicht leicht, sich für einen Favoriten zu entscheiden.

Absolute Anspieltipps meinerseits:
"These Days" erste Singleauskopplung, guter flotter Opener, in dem sie darum bitten, sie doch zurückzunehmen, so wie sie sind: "Take me back, before we all explode, before we turn to stone, before the light is gone,take me back to where it all began, to where our memories grow".

"If you want it" Leadvocals Gary. Der wohl größte Ohrwurm des Albums. Thema Sex :) Hier hab ich mich im Auto beim Mitsingen versucht und was soll ich sagen: Das ist ein Text, der es in sich hat. Wie Gary es schafft, die Worte im Refrain so schnell hintereinander zu singen, ist mir ein Rätsel, Klasse! Da muss ich noch üben... ;-)

"Lovelife" Leadvocals Mark: flotter Discobeat, bei dem man sofort mitwippt.

"Portrait": Leadvocals Gary. Sicher einer der ganz besonderen Songs auf dem Album. Gary schon zu Beginn mit Falsettstimme. Eine wunderschöne Ballade, die die Rythmen zwischendurch immer wieder wechselt. Sehr gelungen.

"Freeze": Im aktuellen Interview in Holland hat Gary erzählt, dass dieser Song Jason gewidmet ist. Garys Stimme unterstreicht den sensiblen Text. Jason ist nicht weg, das würde er selbst nie so sagen (so Gary) und doch wünschen sich alle den Zustand, als Jason noch da war, "einzufrieren", damit sich nichts ändert. Das Ende des Songs ist der Hammer. Gary, Mark und Howard richten sich in einer jeweils eigenen Textpassage an Jason. Gänsehaut.

"Flaws": Leadvocals Gary. Hier schlägt das Herz aller Creamcake Fans höher. Es fängt an mit Piano, Akkustikgitarre und Garys klarer Stimme, die im Refrain wieder in sein unverkennbares Falsett geht und am Ende in Chorgesang übergeht. Spätestens an der Stelle, als er wie auch schon in anderen Songs "better man" einbaut, ist klar, wem der Song (vermutlich) gewidmet ist. Zum Träumen schön.

"Get ready for it" Thema Sex und Liebe. Der Stadionknaller auf dem Album. Fängt an mit den Drums von "Never forget" bei der Circus Tour von 2009 und endet in einer wahren Klatschhymne. Darauf freu ich mich schon beim Konzert.

"Amazing". Und hier hab ich mich doch entschieden: Der mit Abstand beste Song auf dem Album. Leadvocals Gary. Take That pur zu Zeiten von BW/Circus. Klingt an manchen Stellen fast weihnachtlich. Besser geht's nicht! Mir sind im Auto beim zweiten und dritten Hören die Tränen gekommen. Wenn Musik sowas erreicht, haben sie alles richtig gemacht.

"Do it all for love": Da hat man sich gerade erst von "Amazing" erholt und dann sowas. Leadvocals Mark. Ja, was hat der Mann denn mit seiner Stimme gemacht? Auf dem gesamten Album gereifter. Mark hat mich noch nie wirklich erreicht, aber dieser Song hat mich schon beim allerersten Mal gepackt, wozu sicher u.a der Chorgesang beiträgt. Auch hier muss man sich bemühen, dass einem nicht die Tränen kommen. Fantastisch, Mark! Zusammen mit "Amazing" für mich der beste Song des Albums.

Und das Album ist noch nicht zu Ende!!!! Für alle, die "nur" die Deluxe Version gekauft haben: Auf die Take That Homepage gehen, dort auf den google play link klicken. Es gibt noch drei weitere Songs! Zumindest Song 16 und 17 hätten defintiv aufs Album gehört, das ist Take That in Reinform.

Song 16 : "Fall down at your feet" Leadvocals Gary: Wunderschöne Popballade, die von einer großen Liebe erzählt, die fast schon wie Besessenheit wirkt. Tiefgehender Text, der viel Sehnsucht ausdrückt.

Song 17: " If it's not love": Leadvocals, erneut Gary. Ja, was macht denn da der Herr Barlow mit SEINER Stimme? Dass er ein großartiger Sänger ist, geschenkt. Aber hier geht er anstatt ins Falsett in absolute Tiefen am Anfang. Er besingt nicht nur eine große, sondern die Liebe schlechthin. "Wenn es im Leben nicht hart genug ist, wenn es nicht genug weh tut, wenn sie nicht so schwer zu finden wäre, wenn es nicht Dein Leben ändert, dann ist es nicht die ultimative Liebe."

Fazit: Es gibt keine wirklich schlechten Ausreisser auf dem Album. Viele favorisieren ja auch das Timberlake-esque "Give you my love" von Howard. Der Song ist gut, ohne Frage, aber (noch) keiner meiner Favoriten. Die wenigen Songs, die ich bisher tatsächlich immer überspringe, sind "I like it", das mich als einziges Lied zu sehr an Progress erinnert und den Dance-Remix von These Days (Song 18).

Insgesamt bin ich schwer begeistert! Take That werden es schwer haben, jemals an das Circus Album heranzukommen, das an tollen Songs, Freundschaft der Take That-Four Männer und Freude, an dem was sie tun (in Zusammenhang mit der DVD aus Wembley) nicht zu schlagen ist.
"III" knüpft aber deutlich an die alten Zeiten der 90er und 2000er Jahre an und macht einfach Spaß, hat Qualität in Musik und Text. Jason fehlt vielleicht als der Philosoph der Band (Wooden Boat mit gestreifter Hose und nackten Füssen, herrlich). Doch die drei verbliebenen Männer machen das richtig gut. In Zeiten, wo andere Bands vielleicht aufgegeben hätten, wenn ein so wichtiges Mitglied geht oder pausiert, stemmen sie sich dem entgegen und es wirkt nicht bemüht, sondern voller Freude und Energie. Take That sind noch lange nicht im Ruhestand, da darf immer mal wieder einer gehen und wiederkommen, wie bei einer Drehtür. Nur Gary darf nie gehen, dann wäre Take That tatsächlich Geschichte. Aber so ist immer noch alles gut, Take That bleiben eine phänomenale Band!
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 23, 2015 10:33 PM CET


Castingstar
Castingstar
Preis: EUR 2,58

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Text viel zu heikel für die Verantwortlichen hinter solchen Shows..., 28. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Castingstar (MP3-Download)
Endlich mal einer der den Mund aufmacht! Bravo, Nevio! Anfangs dachte ich, warum dieses Thema in einem Song nach immerhin acht Jahren, in denen er längst bewiesen hat, was er für ein hervorragender Künstler ist, nochmal aufwärmen? Er schreibt, komponiert und produziert selbst und muss niemandem was beweisen.
Nun hab ich den Song gehört, das Video gesehen und fühlte mich zurückversetzt in die Zeit vor vielen Jahren, als die berühmteste aller Castingshows in Deutschland noch viele Menschen geschaut haben. Es war damals schon nicht schwer zu erkennen, was dort mit den Teilnehmern gemacht wurde, dass es nur um Quote geht, Knebelverträge existieren und die Votings oft mehr als merkwürdig waren.
Sicher sind nicht alle Teilnehmer wirklich Künstler, die dort mitmachen, aber die, die wirklich klasse sind und einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben, tragen speziell in Deutschland den Stempel "Castingstar" ewig auf der Stirn, Radioeinsätze werden regelrecht verweigert, auch nach Jahren. In UK und USA geht man anders damit um, Leona Lewis, Olly Murs, Kelly Clarkson, One Direction, alles längst internationale Superstars. Hier verschwinden selbst die Sieger in der Versenkung, werden jedes Jahr neue Teilnehmer benutzt, damit der Sender Geld verdient. "Wenn Du Wahrheit willst, musst Du Fernsehen schauen."
Hat ein Künstler aber heute noch eine Chance, es alleine zu schaffen?
Der Text und das Video von Nevio zu diesem Thema sind stimmig, es soll vielleicht gar keine Abrechnung sein, ist aber mehr als deutlich, man entdeckt viel Symbolik, der echte Mensch und die Maske, das Hochgejubelt werden und die Einsamkeit. Ich vermute, dieser Song dürfte mindestens 100 Top Ten Teilnehmern dieser Show nur so aus dem Herzen sprechen.
Immerhin sind Text und Video aber so heikel, dass jeder Versuch auf bestimmten FB Seiten dafür Werbung zu machen, im Keim erstickt wurde. Da fühlen sich wohl einige Herren deftig auf den Schlips getreten. Es ist wie bei Büchern und Filmen, die zensiert werden. Verweigerunug macht es um so interessanter.
Dieser Song verdient es gehört zu werden.
Am Ende bleibt ein Ohrwurm und...Nevio, der längst kein Castingstar mehr ist.


Since I Saw You Last (Limited Deluxe Edition)
Since I Saw You Last (Limited Deluxe Edition)
Preis: EUR 13,47

31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefgründig wie nie zuvor - Gary ist ganz oben angekommen!, 21. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses in England bereits mit Doppelplatin ausgezeichnete Album, besitze ich seit November letzten Jahres, bestellt aus UK, da Universal ja nicht in der Lage war, einen solchen Knaller zeitgleich in Deutschland zu veröffentlichen. (Immer noch Kopfschütteln über so eine Strategie)
Inzwischen kenne ich das Album in und auswendig und auch nach vielfachem Hören ist es das mit Abstand beste/persönlichste Album von Gary Barlow geworden.

Der Mann hatte seine Höhe- aber auch viele Tiefpunkte im Leben, wurde von seinem Label, nachdem RWs "Angels" herauskam, fallen gelassen und konnte, obwohl vorher so begehrt, seine Freunde plötzlich an einer Hand abzählen. Dann folgte 2006, fast 10 Jahre später mit Take That 4 das größte Comeback der Musikgeschichte. In 2007 und 2008 brachten sie die – für mich - beiden besten Take That Alben „Beautiful World und „The Circus“ heraus. Nach der Progress Tour (incl. Rob) war Gary viel solo unterwegs, machte zwei Tourneen alleine, viele Charityveranstaltungen, wurde für 3 Jahre X-Factor UK Juror und organisierte schließlich das Konzert zum Diamond Jubelee von Queen Elisabeth II, wozu er den Nr.1 Hit "Sing" beisteuerte. Von der Queen mit dem OBE geadelt, stieg Gary in UK endgültig zum Superstar auf. Dann aber starb im August 2012 kurz nach der Geburt seine Tochter Poppy. Viele haben vermutlich den tapferen Abschlussauftritt bei den Olympischen Spielen 2012 gesehen, als er mit schmerzverzerrtem Gesicht nur wenige Tage nach Poppys Tod "Rule the world" sang.

Nach der großen Resonanz, die seine letzte Tour Anfang 2013 erhielt, entschied er sich zu dem, was er einst geschworen hatte, nie wieder zu tun: nach 14 Jahren ein Solo CD aufzunehmen. In dieser CD verarbeitet er nun alle persönlichen Erfahrungen. Das alles im zeitlosen, für mich aber doch teils überraschenden Sound. Die erste Erleichterung stellt sich dennoch schnell ein – die furchtbare Zeit der Elektropop Klänge von „Progress“ ist vorbei. Hallelujah! Gary ist nicht nur einer der genialsten Musiker unserer Zeit, er hat auch eine tolle Stimme! Viel zu schade, diese hinter Elektroklängen zu verstecken.

Das Thema "Streit mit Robbie Williams/Robbie ist sowieso viel besser" ist ebenfalls durch, auch wenn’s die Presse in Deutschland noch immer nicht begriffen hat. Die beiden sind seit 2008 – nach so vielen Jahren des Hasses und gegenseitigen Verletzens - wieder enge Freunde. Sie haben - wie sie selber sagen - eine Art Liebesbeziehung und scheinen seit Jahren nicht mehr wirklich ohne den anderen zu können. So steuert jeder auf dem Soloalbum des anderen seine Songs bei. RW hat auf Garys Album an dem Opener "Requiem" mitgeschrieben. Der Song ist Garys 2009 verstorbenem Vater gewidmet und beweist neben dem Beatles Sound schon eine gehörige Portion Humor, denn er ist aus der Sicht des Toten geschrieben : "Why bring me flowers, when you know that I can’t smell a thing?" Sehr guter Beginn.

Es lohnt sich wie bei den meisten Künstlern, gerade aber bei diesem Album auf die tiefgründigen Texte zu achten. Gary selbst sagt, dass alle Texte autobiographisch sind, bis auf "Jump". In diesem Song, der für jeden von uns gelten könnte, geht es darum, wie man wieder aufsteht, ins Leben zurück "springt", nachdem man gefallen ist. Wer die Akkustikversion dieses Songs bei BBC Radio 2 gesehen hat (gibt’s auf YT), muss unweigerlich Gänsehaut bekommen. Ganz großes Kino und eins seiner besten Stücke!

Beeindruckend finde ich, dass er seine Texte, die manchmal schon traurig sind, dennoch in überraschend fröhliche Musik verpackt. Das bereits bekannte "Let me go" ist ein Song über das Ende einer Beziehung, kommt aber mit flottem und lebensbejahendem Sound im Folk-Stil von Mumford and Sons daher (tatsächlich wurde er hier von Johnny Cash inspiriert). Ein weiterer Ohrwurm ist das Duett mit Elton John "Face to Face". Oft scheinen Musik und Texte gar nicht zusammen zu passen, verarbeitet Gary Gegensätze, die letztlich doch wieder stimmig werden.

Hervorzuheben ist sicherlich auch der Titelsong "Since I Saw You Last" über die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wurde, nachdem sein Label in damals fallen ließ. In dem Song steckt viel Energie, als er singt: "To those who stood and watched, go f..k yourself"! Es ist ihm nicht mehr wichtig, jedem zu gefallen: "I accepted, that I won't be in fashion". Thank "God".

Der Song "God": hier wird es unerwartet spirituell. In einer Zeit, in der Religion eher unmodern geworden ist, stellt er sich meditative Fragen, verpackt in wunderschönen Sound.
Gary hat sich bei vielen Songs die Seele aus dem Leib geschrieben. Am allermeisten aber wohl bei dem kaum zu ertragenden "Dying Inside" über die Totgeburt von Poppy. Hier geht seine Stimme ins Falsett, man kann den Schmerz in jedem Ton hören, begleitet im Hintergrund von einem Cello.

Einige Songs scheinen auch seiner Beziehung zu Rob gewidmet. "Mr. Everything" (hier gibts einen Satz, bei dem ich wirklich fünf mal hinhören musste, um zu glauben, dass er die Worte wirklich singt :)), dann "6th Avenue" über seine Reisen ins nicht ganz zufällig 6000 Meilen entfernte L.A. und der letzte Song auf dem Deluxe Album "The Song I’ll never write" sagen in diesem Zusammenhang mehr als tausend Worte.

Genau das finde ich so überraschend an dem Album. Gary hat stets gesagt, dass er gute Popsongs schreiben wolle, war aber eher introvertiert und hat seine Gefühle nur selten gezeigt. Bei diesem Album gibt er alles von sich, nicht nur das Titelcover lässt große Nähe zu, man erkennt jede Falte und Sommersprosse. In den Texten verrät er sein gesamtes Seelenleben. Das mag heute bei Künstlern nichts besonderes mehr sein, RW hat das noch nie anders gemacht, aber für Gary Barlow war das sicher ein Riesenschritt. Und dann mal gleich voll auf die Zwölf! Aufbruch und Neubeginn...

Insgesamt ein intensives Album, das musikalisch auf höchstem Niveau ist, es gibt Überraschendes in den Klängen und Texten, manchmal geht er zu den einfachen Klängen zurück. Immer aber steht seine fantastische Stimme im Vordergrund.
Einzige Ausnahme, was das musikalische und textliche Niveau angeht, ist "Small Town Girls". Das ist Billigpop, den Song hätte er sich sparen können. Ein einzelner Song rechtfertigt bei so einem Gesamtmeisterwerk aber keinen Stern Abzug.
Gary hat als einer der besten Songwriter Europas einen Volltreffer gelandet und darf stolz auf dieses Album sein. Der Mann ist ganz oben angekommen und hat es verdient!

Klare Empfehlung!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 21, 2014 12:03 PM CET


Game of Thrones - Die komplette zweite Staffel [5 DVDs]
Game of Thrones - Die komplette zweite Staffel [5 DVDs]
DVD ~ Lena Headey

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das italienische Menü läßt sich ändern! - der Ton leider nicht, 31. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Als erstes möchte ich betonen, dass es sich bei meiner Rezension um die DVD-Version! handelt, die haargenau die gleichen Probleme hat wie die Blu Ray Ausgabe.

Zur Serie selber ist alles gesagt! Besonders Peter Dinklage als Gnom, sowie John Snow und Arya spielen ihre Rollen einfach fantastisch. Viele neue Personen kommen hinzu, u.a. Stannis Baratheon, dessen Geliebte, Robb Starks "Talisa", die Tyrells usw. Wer von der 1. Staffel begeistert war, Mittelalter-Atmosphäre mit etwas Fantasy liebt, den wird auch die zweite Staffel begeistern. Sean Bean fehlt mir persönlich sehr in der Serie, es gibt diesmal keinen hervorstechenden Helden. Teils gibt es langatmige Dialoge, in der zweiten Hälfte nimmt die Staffel aber richtig Fahrt auf. Die Serie an sich ist spitzenklasse.

Selbiges kann man leider nicht von der technischen Ausstattung sagen.
Ohne vorher hier auch nur eine Rezension gelesen zu haben, bestellte ich die 2. Staffel, denn ich hatte die 1. gerade geschaut und man will ja wissen wie es weiter geht. Rein mit Disc 1 in den Panasonic DVD-Player...große Augen, wtf....ist das denn??? Italienisches Menü!

Tja und nun? Blick auf meine Fernbedienung... Da gibts eine Setup Taste auf der Fernbedienung des DVD Players! Beim Kauf des Players vor Jahren wurde diese sicherlich mal bedient, danach aber nie wieder. Setup Taste drücken, auf dem TV erscheinen DVD Einstellungen, dann geht man auf Disc, dann steht da Audio uvm, u.a auch der Punkt "Menü". Draufgehen, Voreinstellung ist Englisch. Das muss man auf Deutsch verändern und schon hat man ein Deutsches Menü! Ich denke mal, das gleiches auch bei den Blu Ray Playern gilt.

Zum Ton: Nachdem ich glücklich endlich das Deutsche Menü hatte, nun also Konzentration auf die erste Folge: Da schaut man zum zweiten Mal ungläubig, als Joffrey in der ersten Szene den Mund aufmacht. Spätestens bei Jamie Lennister merkt jeder, dass hier was nicht stimmt. Lediglich Tyrion Lennister, alias Gnom klingt noch halbwegs wie vorher, aber dennoch etwas verändert. Offenbar haben alle Synchronsprecher von Staffel 1 zu 2 einen mittelschweren Stimmbruch erlitten. Die Antwort von Warner ist, wenn man sich hier durch die Rezensionen liest, bekannt: technische Details werden erläutert, warum und wieso, ABER es wird NICHT nachgebessert! Pech gehabt! Na toll! Wer die Serie auf Englisch schaut, hat keine Nachteile, die Stimmen sind gleich.

Ich habe viele DVDs im Schrank, aber noch nie habe ich erlebt, dass man uns einen Film oder eine Serie mit italienischem Menü und falschem Ton liefert. Schade um so eine tolle Serie, alleine wegen der technischen Fehler, müßte Box 2 weniger kosten als Box 1. Auch von mir daher nur 2 Sterne (ich hätte 1 vergeben, wenn das italienische Menü nicht abänderbar wäre). Die Serie als solche hätte 5 Sterne verdient.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 17, 2014 2:22 PM MEST


Solange am Himmel Sterne stehen: Roman
Solange am Himmel Sterne stehen: Roman
von Kristin Harmel
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

66 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kitschig, unrealistisch und doch interessant, 14. Mai 2013
Aufgrund der sehr positiven Rezensionen habe ich mir das Buch gekauft, kann aber die Begeisterung der meisten Leser nur bedingt teilen. Und ja, ich bin eine Frau und durchaus empfänglich für manche Schmonzette, so sie denn gut geschrieben ist. Ich hatte vielleicht einen Drei-Groschen-Roman erwartet, denn da darf alles unrealistisch und wie im Märchen sein.

Aber nein: Kitsch trifft auf grausame Historie.

Der Inhalt wurde bereits hinreichend beschrieben, daher nur kurz: Es geht um Hope, die am Cape Cod ein Bäckerei führt, ihre pubertierende Tochter Annie und Hopes Großmutter Rose, die an Alzheimer erkrankt ist und in einem lichten Moment Hope eine Liste mit Namen gibt. Sie bittet ihre Enkelin nach Paris zu fliegen, wo ein Familiengeheimnis aufgedeckt und die ganze Identität der Familie, beruhend auf den Ereignissen des 2. Weltkrieges, auf den Kopf gestellt wird.

Positiv: Das Buch hat richtig großes Potential. Im Prinzip ist das eine tolle Geschichte, die nicht nur hinsichtlich der Auschwitz Erzählungen sehr bewegend ist, sondern die vor allem hinsichtlich der drei Weltreligionen zum Nachdenken anregt. Ich wusste zb. nicht, dass Muslime im 2. Weltkrieg den Juden geholfen haben. Recherchiert man im Internet, stimmen diese Geschichten tatsächlich. Angefangen von französischen Muslimen hin zu den albanischen Muslimen (kommt ja auch in der Geschichte vor) und sogar in Tunesien gab es Moslems, die Juden versteckten. Betrachtet man die Tatsache, dass die Juden nach dem Krieg ein ganzes Land annektierten und seit 70 Jahren mit dem Hintergrund der eigenen Geschichte geradezu unfassbaren Völkermord an den Moslems begehen, so war diese Information, dass Moslems zu Tausenden Juden geholfen haben, der für mich berührendste Aspekt im Roman von Kristin Harmel. Schade, dass dieser Aspekt offenbar so unbekannt ist und somit beide Seiten daraus nicht lernen können oder wollen.

Der zweite Aspekt, den ich positiv und berührend empfand, war die Beschreibung der Alzheimerkrankheit von Rose. Auch die Beziehung von Hope und der pubertierenden Tochter Annie fand ich sehr gut beschrieben. Ein grundsymphatischer Charakter war Gavin! Alter spielt in der Liebe keine Rolle!
Fast schon banal erscheint es mir, zu erwähnen, dass ein weiterer positiver Aspekt für mich die Backrezepte von Hope (eigentlich von Rose) waren, die wunderbar in das Buch eingeflochten sind und doch so viel mehr Bedeutung haben, als einfach nur Backrezepte zu sein. Wie viele andere Rezensenten regen mich diese Rezepte durchaus zum Nachbacken an.

Nicht unbedingt negative, aber doch kritische Aspekte:
Das Buch trieft nur so vor Kitsch und wird somit dem schlechten Cover gerecht. Bei der Prinzessinnen Geschichte und der Königin mit der Fackel, bei der J. dann tatsächlich verweilt, musste ich doch arg mit den Augen rollen. Auch an anderen Stellen des Romans ging es mir teilweise ähnlich. Das toppt Rosamunde Pilcher noch um Längen. Vielleicht aufgrund dieser unglaublich schmalzigen Erzählweise habe ich bei diesem Buch (sorry an all die, die Tränen vergossen haben) nicht ein einziges Mal geweint.

Der Roman ist bis ins tiefste unrealistisch. Eben ein Märchen. Gerade, weil er aber mit so vielen wahrheitsgemäßen Details aus der Historie gespickt ist, hat mich nicht nur der Kitsch, sondern auch die fehlende Realitätsnähe der Geschichte der Protagonisten gestört. Natürlich ist mir klar, dass man in einem Roman manches raffen muss, um den Leser bei Laune zu halten.
Ab Seite 120 überschlagen sich die Ereignisse, Hope trifft in Paris, innerhalb weniger Tage immer genau die richtigen Leute, findet im Eiltempo zwei wichtige Überlebende und klärt ebenso im Eiltempo das Schicksal der anderen Personen auf. Die echte Recherche nach all den Personen, die sie suchte, hätte in der Realität sicher Monate, wenn nicht Jahre gedauert.

Dass Hope als erfahrene Bäckerin und somit Gastronomin in Zeiten des Internets und in Zeiten, wo man an jeder Ecke der Welt mittlerweile Baklawa wie zb auch Falafel kaufen kann, nicht weiß, dass es sich bei Baklawa, welches sie jahrzentelang herstellt, um arabische Spezialitäten handelt und dies mit 36 Jahren erst in einer Moschee in Paris herausfindet, scheint mir restlos an den Haaren herbeigezogen.

Auch sehr unrealistisch ist aus meiner Sicht, dass Rose, die ja immer spürte, dass Jacob noch lebt, in 70 Jahren nie selbst nach ihm gesucht hat. Dass sie 1949 aus Angst nicht selbst nach Paris reiste, konnte ich nachvollziehen, danach aber blieben 70 weitere Jahre, in denen sich die Welt verändert hat. Spätestens nach dem Tod ihres zweiten Mannes, hätte sie zumindest für sich selbst recherchieren können. Dass sie ihr Geheimnis so lange für sich behält, bis es fast zu spät ist, macht natürlich die Tragik der Geschichte zweier verlorener Seelen aus. Für mich ein wenig zu viel Tragik. Wer sich so verbunden fühlt mit seiner großen Liebe und auch nach der vermeintlich Todesnachricht den Tod des anderen nicht fühlen kann, sucht der nicht verzweifelt nach Hinweisen, anstatt jahrzentelang nur in die Sterne zu schauen?

Auch kam mir Ted ein wenig zu gut in der Geschichte weg. Der Mann hat zwei Leben aus purem Egoismus zerstört. Natürlich weiß man nicht, wie man selbst gehandelt hätte, daher finde ich Teds Handlungsweise sogar realistisch beschrieben, das allumfassende Verzeihen der anderen allerdings arg aufgesetzt.

Auch die Beerdigung am Ende, als die wichtigen Protagonisten der Vergangenheit in einer Grabstätte gemeinsam ihre letzte Ruhe finden...puuuuh. Vielleicht schließt dies die Gabe des Verzeihenkönnens im Buch auf runde Weise ab, um es dann am Ende doch mal positiv auszudrücken.

Fazit: Das Buch ist durchaus lesenwert und bietet aus meiner Sicht sogar Stoff für eine Verfilmung. Allerdings hoffe ich, dass diese dann zwei oder drei Teile hätte, das Drehbuch realistischer würde, um einen wirklich restlos mitzureissen und nicht am Ende den faden Beigeschmack einer Pilcher Schmonzette hat. Dafür sind die Themen im Buch viel zu ernst, auch wenn es alles in allem natürlich um das wunderbare Thema Liebe geht.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 18, 2014 11:26 AM MEST


Torchwood - Boxset Staffel 1 + 2 + Kinder der Erde [10 DVDs]
Torchwood - Boxset Staffel 1 + 2 + Kinder der Erde [10 DVDs]
DVD ~ John Barrowman
Preis: EUR 27,81

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine der besten BBC Serien aller Zeiten mit Suchtfaktor, 3. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Durch ein Youtube Video des Hauptdarstellers John Barrowman, in dem er den von Gary Barlow geschriebenen Song "What about us" singt, stieß ich auf die BBC Serie "Torchwood". Diese Serie lief, von vielen deutschen Zuschauern relativ unbemerkt, auf unseren Privatsendern zwischen 2009 und 2012. In England war sie ein Riesenerfolg. Und das zu recht.
Schon früher mochte ich BBC Produktionen zum Teil sehr und hab mir nun alle Torchwood Staffeln (incl. der vierten Staffel Miracle Day) in der Originalversion in Englisch sowie in Deutsch angeschaut. Ich bin restlos begeistert.

Torchwood ist, wie eingefleischte Fans wissen, ein Spin off der Mutterserie Dr. Who, die vor einigen Jahren wiederbelebt wurde. Am Ende der 1. Staffel der Neuauflage von Dr. Who taucht dort Captain Jack Harkness auf und so entschied man sich zu einer eigenen Serie. Beide Serien sind zwar verwoben (nicht zuletzt ist Torchwood ein Wortspiel - ein Anagramm von Doktor Who), aber auch ohne Dr. Who zu kennen, ist Torchwood mehr als sehenswert, denn es wurde für ein erwachseneres Publikum ausgelegt.

Jack Harkness' Leben ist geheimnisumwittert. Die Chronologie seines Lebens, in dem der aus dem 51 Jh. kommende Zeitreiseagent während der Mutterserie Dr. Who unsterblich wurde und dann in 1869 landet, um schließlich 150 Jahre durchleben zu müssen, ist nicht immer leicht zu verstehen. Mit jeder Torchwood-Folge erfährt man Bruchstücke aus seinem Leben. Je mehr man erfährt, um so komplexer und interessanter wird es.

Wir begegnen Jack am Anfang der ersten Torchwood Staffel im Jahr 2006. Er ist der Leiter von Torchwood 3 in Cardiff/Wales, einer Organisation, die eigens von Queen Victoria im 19. Jh. zu ihrem Schutz gegründet wurde, über der Polizei steht und unabhängig von der Uno ist. Jack geht mit seinem Team regelmäßig auf Alienjagd. Denn durch Cardiff geht ein Raum/Zeitriss, durch den Aliens immer wieder auf die Erde kommen.
Captain Jack ist nicht nur ein gutaussehender Mann, sondern unglaublich charismatisch, flirtet mit allem, was nicht bei drei auf den Bäumen ist und fühlt sich für sein Team restlos verantwortlich. Somit zeigt er auch immer wieder sehr ernste Seiten von sich.

Bei all seinen Abenteuern stehen ihm die Polizistin Gwen Cooper, die dem(durch alles,was er in den Jahrhunderten erlebt hat)verhärteten Jack sein Herz zurückgibt und aus ihm wieder einen Menschen macht, sein "Butler" Ianto Jones, der doch so viel mehr ist als ein Butler und Gehilfe, die Computerexpertin Toshiko Sato und der Arzt Owen Harper zur Seite. Diese fünf leben mehr oder weniger in der Basis von Torchwood in Cardiff.
Einzig Gwen hat einen Partner: Rhys Williams, der das Herz am rechten Fleck hat und im Laufe der Serie immer häufiger zum Helden und "inoffiziellen Mitglied" von Torchwood wird.

Die ersten beiden Staffeln sind geprägt von britischem Humor, von Mut und Offenheit im Umgang mit Bisexualität/Omnisexualität, nicht zu vergessen von sehr viel Spannung. Die Folgen sind zunächst noch unabhängig voneinander und erzählen immer wieder einzelne Abenteuer. Doch das Leben der fünf Protagonisten wird immer weiterentwickelt. Das zwischenmenschliche, die Entwicklung aller Figuren bleibt das Spannende an der Serie.

Der Höhepunkt der 1. Staffel ist sicherlich Jacks Zeitsprung zurück ins Jahr 1941, als er während des 2. Weltkrieges einem ganz bestimmten Captain begegnet und sich in diesen verliebt. Torchwood Fans wissen natürlich, welche entscheidende Rolle diese Folge spielt. Hier soll weiter nichts verraten werden, für die, die die Serie noch schauen wollen. Nur so viel: Selten habe ich eine berührendere und so gut gespielte Liebesszene gesehen, wie am Ende dieser Folge. Der Abschluss der 1. Staffel ist bereits so spannend, das man es kaum mehr aushält, Gwens Liebe zu Jack und ihre Besessenheit von Torchwood werden überdeutlich. Der Cliffhanger ist eine Überleitung zur neuen Dr. Who Staffel.

Die zweite Torchwood Staffel (Jack ist von seinem Zwischenspiel bei Dr. Who zurück) wird zunehmend ernster, wenn auch immer noch geprägt vom wunderbaren britischen Humor. Die einzelnen Charaktere erleiden diverse Schicksalsschläge, meine Lieblingsfolgen sind "Meat" und "Adam", als das Geheimnis um Jacks Bruder zumindest zum Teil gelüftet wird. Auch wird Jacks Liebe zu Gwen und Ianto immer deutlicher, mit dem er letztlich eine Beziehung beginnt. Am Ende der zweiten Staffel wird es allerdings sehr dramatisch, denn es sterben Menschen, die man beim Zuschauen lieb gewonnen hatte, was einen regelrechten Aufschrei in UK zur Folge hatte.

Die dritte Staffel "Kinder der Erde"...ja was soll man dazu noch sagen...
Während die ersten beiden Staffeln je ca. ein Dutzend Folgen hatten, hat diese "nur" fünf Folgen, aber diese haben es in sich. Es wird eine durchgängige Geschichte erzählt, denn ein Alien (Spezies 456), das offenbar in der Vergangenheit schon mal auf der Erde war, will 10% der Kinder dieser Erde. Hier wird es teils recht gesellschaftskritisch, denn Regierungen müssen überlegen, was sie machen und welche Kinder sie selektieren. Die Menschheit bekommt den Spiegel vorgehalten, nicht zuletzt Jack selbst. Das Lachen und der britische Humor bleiben einem im Halse stecken. Man schaut mit ziemlicher Fassungslosigkeit zu, erfährt wieder völlig Unerwartetes über Jacks Leben. Am Ende muss Jack Opfer bringen, die einem beim Zusehen fast das Herz zerreißen. Manche Szenen sind so schlimm, das man es selbst als Erwachsener kaum aushalten kann. FSK 16 ist spätestens hier absolut angebracht.
Diese dritte Staffel ist eigentlich für sich eine Miniserie, die trotz aller Dramatik und teils harter Szenen wohl zu den ganz großen Miniserien im TV gehört.

Die vierte Staffel "Miracle Day" gehört nicht mit zum Box-Set. Daher hier nur soviel: Amerikaner, lasst die Finger von unseren guten europäischen Serien! Miracle Day ist immer noch spannend, es kommt ein großartiger Bill Pullman dazu! Das Thema, Explosion der Weltbevölkerung, weil keiner mehr stirbt - was macht man mit denen, die eigentlich tot sein müssten? - hat erneut Gänsehautfaktor. Leider lässt man aber unseren großartigen Captain Jack nicht mehr ganz so charismatisch sein und das sicher nicht nur, weil er in der dritten Staffel so viel durchmachen musste. Nein! Ein schwuler Leinwandheld geht einfach für die Amis nicht, es muss ein omnipotenter zweiter Held der CIA (selbstverständlich hetero) her, der vor Muskeln nur so strotzt und einen Schwulenwitz nach dem anderen reißt. Einfach nur ätzend!
Die gezeigten Bettszenen von Jack lösten in den USA einen Sturm der Entrüstung aus, die ebenfalls gezeigte Gewalt zb der 1. Folge dieser Staffel störte die Amis nicht im Ansatz. Die Akzeptanz von Homosexualität, die Vorstellungen von Humor und Gewalt driften doch in Amerika und Europa sehr auseinander. Dennoch gehört Miracle Day natürlich dazu und ist durchaus spannend. (Sehr ärgerlich an der vierten Staffel ist allerdings auch, dass in der Deutschen Version viele Folgen gekürzt wurden!) Ich hoffe sehr auf eine fünfte Staffel, in der die Geschichte dann vielleicht zu einem würdigen Abschluss kommt. Diese Serie hat ein episches Finale verdient und das bitte ohne amerikanische Beteiligung. Hoffentlich bleiben die Hauptfiguren Jack, Gwen und auch Rhys erhalten.

Fazit: Torchwood 1-3 ist eine der besten BBC Serien, die ich gesehen habe, macht Spaß, bringt einen zu Lachen und zum Weinen, fesselt, ist mutig und offen und nicht so verlogen wie manche amerikanische Serie, die vor Doppelmoral nur so stinkt, man verliebt sich in die Charaktere und wird süchtig nach jeder weiteren Folge. Besser kann Unterhaltung nicht sein.

Hinweisen möchte ich abschließend noch auf das wirklich sehr umfangreiche Bonusmaterial jeder einzelnen Staffel. Auch dies macht absolute Freude.

Insgesamt würde ich weit mehr als fünf Sterne vergeben, wenn ich es denn könnte :)
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 17, 2014 2:19 PM MEST


Take The Crown
Take The Crown
Preis: EUR 4,99

41 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Not like the others....?, 6. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Take The Crown (Audio CD)
Nachdem ich die zum Teil sehr negativen Rezensionen gelesen habe, die ersten Hörproben hörte, dachte ich: Au weia...insbesondere bei dem hohen Anspruch, den Robbie an dieses Album legt, sich die Krone zurückzuholen.

Ich wollte daher das Album einige Wochen auf mich wirken lassen. Wenn in vielen Rezensionen das Album so schlecht wegkommt, als Müll bezeichnet wird, der sein Geld nicht wert ist und von anderen das Album geradezu in den Himmel gelobt wird, werde ich immer hellhörig. Besonders neugierig war ich, da ich Robbie letztes Jahr in Düsseldorf live als einen Künstler erlebte, der gar nicht wußte wohin mit seiner Energie und nach Aufmerksamkeit nur so schrie, was er gar nicht nötig hat. Auch hat mich die Zusammenarbeit mit dem von mir hochgeschätzten Gary Barlow sehr interessiert, der drei Songs zu dem Album beisteuerte.
Daher habe ich nicht nur auf die Musik, sondern auch sehr auf die Texte geachtet.

1. Be a boy: Ein guter Opener. Hier macht Robbie gleich die klare Ansage: "Sie sagten, die Magie hätte mich verlassen, das denke ich nicht." Ein Song, der im Stadion sicher gut ankommt, interessant hier der Einsatz des Saxophons, bei einem Album, dass vielleicht nur vermeintlich modern klingen will. 6/10

2. Gospel: Bei dem Titel denkt man an Chöre, an große Musik. Er startet recht moderat, um sich dann am Ende doch zu steigern. Robbie besingt eine alte Liebe, als er 16 war, beide spielten in einer unterschiedlichen Liga. Am Ende des Songs dann etwas unschöne Worte...der alte Rob ;-). Vom Text her ein interessanter Song, musikalisch ok, haut mich aber nicht vom Hocker. 5/10

3. Candy: Die bereits bekannte erste Singleauskopplung mit Zungenbrechertext. Geschrieben von Gary Barlow. Ein guter Laune Song (Huch, der ernste Gary...??), den man im Auto mitträllert, das Video dazu mit dem Rosa Anzug ist längst legendär und verrückt wie einst das Hasenvideo. Spätestens seit Gary Barlow es bei seiner Solo Tour ebenfalls singt und einmal ja auch mit Robbie zusammen, mag ich den Song umso mehr. Er klingt völlig anders als alle anderen Songs. Vielleicht liegen auch hier die Gründe, dass manche Zuhörer ein so ganz anderes Album erwartet haben. Ähnlich war es ja bereits bei "Progress". The Flood ein genialer Song...und dann die teils langen Gesichter beim Hören eines Elektro-geprägten Albums. Candy bekommt von mir 9/10.

4. Noch sind die Einflüsse des 80er Elektropops erträglich und man hofft, dass es sich nicht zu einem zweiten Rudebox entwickelt. Es kommt "Different", die 2. Singleauskopplung, wieder ein gemeinsames Werk von Robbie und Gary und DER Song des Albums. Dieser Track, mit Streichorchester unterlegt, hat das Zeug an die von vielen ersehnten Zeiten von Escapology anzuknüpfen. Der Text hat es in sich. Robbie sagt dazu in einem Interview, dies sei sein persönlichster Song über eine 20 Jahre dauernde Beziehung zu einem Freund, aber er wolle nicht über Einzelheiten reden, weil dann ein Feuer entfacht würde, das nicht zu löschen wäre und viele Menschen verletzt würden" Oha! ;-) Ein wunderbarer, mutiger und offener Song: "This time I'll be special, oh god make it so, just don't leave with me in your eyes...closer now to the end...if love is the answer, then hope was the question!" Und am Ende: "Closer now, let's pretend (vorgeben), we've never been out here before." Spannender gehts nicht und auch musikalisch ein Genuss. Ich empfehle dazu das Video des gemeinsamen Auftritts von Gary und Robbie vom 23.11.12 in der O2 Arena auf youtube (Eight letters und Different). 10/10

5. Nun geht's erstmals richtig abwärts: "Shit on the Radio", ein Uptempo Dance Song mit viel Elektronik. Aua....Rudebox is calling, völlig überflüssiger Song, den ich beim Hören auch nach Wochen übrspringe. 0/10

6. "All that I want": Wieder eine Uptempo Nummer, die aber auch mit Gitarrenklängen daher kommt, es geht im Text um...Sex. Durchaus mitsingbar. 6/10

7. "Hunting for you": Hier überdreht Robbie stimmlich und kommt in den Höhen an seine Grenzen. Musikalisch wie im Text weder neu noch besonders. 1/10

8. Into the silence ist nach den drei GB Songs der wohl beste Track des Albums: Hervorragend im Text: "when karma reaches you I want to be there just in case it needs help" oder "If I told you my secrets, you never look at me the same way" Gesungen klingen die Worte herzerweichend, musikalisch ist der U2 Einfluss unüberhörbar. 8/10

9. "Hey Wow Yeah Yeah", damit kann ich absolut nichts anfangen. Lückenfüller oder eher für eine B-Seite geeignet. Absolut überflüssig, auf einem Album, mit dem man sich die Krone zurückholen will.0/10

10. "Not like the others": Yes! Das ist Robbie! Einer der guten Songs, Uptempo, wieder ein guter Text darüber wie Robbie sich sieht. Sehr einnehmend. 7/10

11: "Loosers" ein Cover Song mit Lizzie: Nette Ballade, packt mich persönlich aber nicht. 4/10

12. "Reverse": Ballade auf der Deluxe Version, er besingt erneut eine Liebe, für die er kämpft. Schöner Song 7/10

13. "Eight letters", Der bereits bekannte Song aus dem Album Progress, wo Gary ihn solo singt. Hier nun von Robbie in einer Piano Acustic Version. Wunderschöner Abschluss! 10/10

Nun noch etwas zur Papphülle der Deluxe Version und zur DVD. Die Hülle ist, was die Qualität angeht, eine Frechheit ebenso wie die gerade mal 15minütige DVD, wenn man den Aufpreis bedenkt, den man für die Deluxe Version hinblättert.

Fazit: Ich bin dem Album gegenüber nicht so negativ eingestellt wie manch anderer hier. Aus meiner Sicht ist das ein durchaus hörbares Album, mit einigen Faux pas, insb. Track 5, 7 und 9 und insofern recht zwiespältig in der Qualität. Die wirklich tollen Songs stammen aus der Feder von Gary Barlow. Diese genialen Songs inclusive einer Mini DVD reichen aber nicht, um dem Album 5 Sterne zu vergeben.

Drei Sterne vergebe ich aufgrund der teils sehr persönlichen Texte, der Highlights Candy, Different und Eight letters sowie 3 weiterer passabler Songs und weil ich den Eindruck habe, Robbie ist mit dem Album ein ganzes Stück weit bei sich geblieben. Die Zeiten haben sich geändert, er ist Vater, Ehemann, Drogen-, Alkohol- und rauchfrei und die Beziehung wie Zusammenarbeit mit Gary scheint eine wichtige Rolle zu spielen.

Die Krone wird er sich mit "Take The Crown" sicher nicht zurückholen, die hat er aus meiner Sicht vor Jahren bereits an TT4 abgegeben. Interessant auch die Presseberichte, dass GB's große, noch laufende Solotour in UK in fünf Minuten restlos ausverkauft war, während Robbie sich bei seinen aktuellen Konzerten etwas abmühen musste, um die gleichen Kartenverkäufe auszulösen. Wer hätte das früher gedacht. Wenn der Wahnsinn geht, geht auch das Genie? Zum Teil vielleicht. Er war der größte Entertainer Europas und ist ohne Zweifel noch immer ein toller Solokünstler mit einer großen Fanbase.
Daher freue ich mich über die persönliche Entwicklung und die Zusammenarbeit mit alten Bandkollegen, auch wenn ich der Meinung bin, Robbie wird auf der Bühne immer nur alleine richtig gut sein. Ebenso wie TT4, die zu viert unschlagbar sind.

Als Robbie Fan ist das Album ein must have, ansonsten rate ich dazu, die wirklich guten Songs als MP3 runterzuladen. Ich hoffe persönlich, dass bei zukünftigen Alben die Elektroeinflüsse, Synthesizer sowohl bei TT als auch bei Rob wieder mehr in den Hintergrund geraten und die tollen Harmonien wieder mehr zu Geltung kommen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 16, 2012 1:03 PM CET


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