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Toby Tambourine (Gießen)
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   

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Yellow Submarine Songtrack
Yellow Submarine Songtrack
Preis: EUR 18,85

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vertraute Beatles-Songs in aktualisiertem Stereo-Klang, 27. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Yellow Submarine Songtrack (Audio CD)
Ich war schon glücklich, dass der Film "Yellow Submarine" 1999 endlich auf DVD erschien und dass analog dazu das Konzept der Original-LP komplett überarbeitet wurde: es machte Sinn, alle 15 im Film vorkommenden Beatles-Songs auf ein Album zu packen (den Soundtrack von George Martin gibt's ja weiterhin auf dem alten Album). Ich hab mir die Platte dann auch noch in gelbem Vinyl gekauft.

Dass alle 15 Songs aber zusätzlich sehr sinnvoll neu abgemischt wurden, machte mein Glück perfekt. Beatles-Toningenieur Geoff Emerick äußerte sich in seinem Buch "Du machst die Beatles!" zwar kritisch (vermutlich wäre er selber gerne beim Abmischen beteiligt worden), aber dafür sagte George Harrison im Interview angetan, der Sound scheine jetzt wirklich aus dem ganzen Raum zu kommen. Zu seinem Wohlwollen dürfte der Tantiemenregen beigetragen haben: keine andere Einzel-LP der Beatles beinhaltet vier Harrisongs!

Anders als bei "Love" sieben Jahre später haben die Tontechniker nicht experimentiert, sondern die Songs am Vorbild der Originale neu abgemischt, d.h. es gibt keine völlig unbekannten Spuren zu hören, und auch die Laufzeiten orientieren sich beinahe sklavisch an denen der Original-Stereomixe. Damit hat man die Beatles-Songs nicht neu erschaffen oder gar übertrieben modernisiert, sie sind jetzt einfach besonders über Kopfhörer viel angenehmer zu hören; mit etwas Phantasie ist gut vorstellbar, dass diese Mixe bereits in den Sechzigern so hätten klingen können, wenn man denn dem Stereoformat bereits vor 1969 mehr Bedeutung beigemessen hätte.

In den meisten Fällen wurden Gesang und Rhythmusspur, wo immer möglich und sinnvoll, in die Mitte gelegt, was für mehr Druck sorgt, und die Mixe darum herum aufgebaut (leider gehen so allerdings die Nuancen in Pauls sorgfältigen Bass-Overdubs bei With a little Help und Lucy in the Sky etwas unter). Selbst die Ausnahmen überzeugen: Hey Bulldog klingt ungleich lebendiger; die Streicher von Eleanor Rigby gab's schon auf "Anthology 2" in Stereo zu hören; dort handelte es sich aber um eine sinnlose Karaoke-Version. Pauls Stimme klingt jetzt ergreifend klar und nicht mehr so belegt wie im Original-Stereomix. Da der mehrstimmige Gesang bei Nowhere Man gedoppelt vorlag, hat man ihn übers Stereopanorama verteilt und so eine elektrisierende Räumlichkeit erzeugt - was für ein Kontrast zum '65er Stereomix, bei dem die Band links lag und die Gesangsspuren samt Gitarrensolo auf die rechte Seite gequetscht wurden!

Endlich ist Georges Gitarre in With a little Help nicht mehr im Mix begraben, und seinem Only a Northern Song, in meinen Ohren immer einer der drögesten Beatles-Songs, kann ich im Stereomix erheblich mehr abgewinnen (das war allerdings schon auf der "Anthology 2"-Zweispur-Stereoversion so, die ohne Overdubs, dafür aber mit unveröffentlichter, alternativer Gesangsspur aufwartete). Die Klangeffekte in Yellow Submarine sind nun klarer, und Johns Echo in der letzten Strophe ist wieder vollständig zu hören (wie auch schon im originalen Monomix und dem auf der Real Love-Maxi-CD zu findenden Remix, der neben einer von Ringo gesprochenen Einleitung ungefähr doppelt so viele Soundeffekte aufwies wie die regulären Versionen). It's all too much klingt jetzt transparenter und nicht mehr so lärmig wie das Original. Einige Spezialisten hören gar bisher im Mix verborgene Bläsermotive; ich gehöre nicht zu ihnen und bedauere höchstens, dass man sich nicht hat entschließen können, die von Bootlegs bekannten Extrastrophen der achtminütigen Version wieder zu re-installieren.

Ich genieße auch die experimentellen Remixe auf "Love" sehr und kann mich dem Chor derjenigen nur anschließen, die fordern, den gesamten Beatles-Katalog, Weltkulturerbe hin oder her, im Sinne des "Yellow Submarine Songtrack" neu abzumischen, das ist kein Sakrileg - es ist einfach immer wieder Genuss pur, den altvertrauten Beatlessongs neue Feinheiten abzugewinnen! Die Neuauflage der CD von 2012 ist kein neues Remaster, das war aber auch nicht notwendig.


Elton John - Goodbye Yellow Brick Road
Elton John - Goodbye Yellow Brick Road
DVD ~ Sir Elton John
Preis: EUR 10,22

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sgt. Elton's Yellow Brick Road, 5. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Elton John - Goodbye Yellow Brick Road (DVD)
Ob "Goodbye Yellow Brick Road" tatsächlich Elton Johns "Sgt. Pepper's" war, wie einer der Interviewten es formuliert? Auf alle Fälle war es ein absoluter Höhepunkt seiner Albumkarriere, aus dem er live bis heute immer noch bei fast keinem Konzert ohne mindestens den Titelsong, Candle in the Wind, Benny and the Jets, Saturday Night's alright for fighting und Funeral for a Friend/Love lies bleeding davonkommt... Beim Eröffnungskonzert des Hessentags in Wetzlar am 1.6.2012 spielte er zusätzlich Grey Seal. Auf alle Fälle ist das Album ein Höhepunkt in Elton Johns kreativem Schaffen und gehört zu jenen qualitativ hochwertigen Doppelalben, die durch Kürzung nicht hinzugewonnen hätten. Grund also, es in der "Classic Albums"-Serie zu würdigen.

In kurzen 49 Minuten erzählen neben diversen Journalisten und Plattenfirmenmenschen Elton, Bernie Taupin und Texter Tim Rice Produzent Gus Dudgeon, Mitmusiker Davey Johnstone und Nigel Olsson über den Anfang von Elton Johns Karriere bis zur Entstehung von "Yellow Brick Road". Illustriert wird das Ganze durch Live- und TV-Mitschnitte sowie idyllische Aufnahmen der Bandmitglieder, entstanden vermutlich im Park des Chateau D'Hierouville, des Schlosses bei Paris, in dessen Tonstudio bereits die Grateful Dead und auch Pink Floyd ("Obscured by Clouds") Aufnahmen gemacht hatten und in dem auch Elton und Band mehrere Alben einspielten.

Die deutschen Untertitel sind sehr gestrafft und somit oft ungenau gehalten. Richtig interessant wird's nochmal im 37-minütigen Bonusteil, in dem Dudgeon an den Reglern im Studio die Brillanz einiger Harmoniegesangsparts demonstriert und wenn die Bandmitglieder sich erinnern, wie unglaublich zügig die Songs vom morgendlichen Texten über das mittägliche Komponieren und das darauf folgende Arrangieren mit der Band nur ein paar Stunden später in wenigen Anläufen ihren Weg aufs Band fanden.

Schlecht ist das Gezeigte nicht, aber anders als bei anderen DVDs dieser Reihe hätte das Ganze etwas sorgfältiger und umfangreicher ausgearbeitet werden können. Schöne Einblicke in den kreativen Prozess und die Entstehung des Albums gibt's allemal.

P.S. Achtung: Die gleichnamige DVD, die der Doppel-SACD von 2003 beiliegt, beinhaltet ärgerlicherweise nicht den unfangreichen Bonusteil!


Live '84
Live '84
Preis: EUR 29,55

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rundfunkwerbung-Blues, 11. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Live '84 (Audio CD)
Die späten Siebziger und frühen Achtziger waren in Bezug auf Reinhard Meys Studioalben nicht meine Lieblingsphase; trotz wiederholten Hörens wollten die Lieder einfach nicht hängen bleiben. Umso erfreuter war ich deshalb, mit "Live '84" auf einen Querschnitt durch Meys damals aktuelle Alben zu stoßen, 6 Songs von "Freundliche Gesichter" und ganze 11 aus "Die "Zwölfte", durchsetzt mit den vier Frühwerken "Heute noch", "Diplomatenjagd", "Musikanten sind in der Stadt" und "Die Homestory".

Erst mit "Live '84" wurden die Ansagen, die kurzen Anekdoten zu den Liedern, fester Bestandteil seiner Live-CDs. Auch wenn mir die Lieder in dieser Form besser gefallen, ist doch nicht alles Gold, was glänzt: "Ich habe nie mehr Langeweile", "Verkehrslagebericht" und "Anspruchsvoll" sind recht flach und scheinen mehr Meys Vergnügen am Wortwitz an sich entsprungen zu sein. Zu Herzen gehen dafür "Charlotte", sein Dank an eine Lehrerin, die ihn durch die Notenkonferenzen boxte, und mir persönlich besonders "Ich würde gern einmal in Dresden singen", und das fünf Jahre vor dem Mauerfall! Selbst wenn wir uns zwischenzeitlich an die Wiedervereinigung gewöhnt haben, erinnert dieses Lied sehr lebendig an die Zeit, in der solche Ideen noch Utopien waren.

Später tauchte (außer den Frühwerken) fast keins von diesen Liedern mehr in Reinhard Meys Tourneeprogrammen auf - "Freundliche Gesichter" dafür umso öfter! Zu dieser Zeit scheint es Reinhard Mey sehr gut gegangen zu sein, die Texte hatten nicht so viel Tiefgang wie gewohnt, aber er klingt sehr aufgeräumt. Auf späteren Tourneen wurde er wieder ernster, nachdenklicher, kritischer, ja bissiger - und die Ansagen wurden immer länger!

Und wer hätte das gedacht: mit dem "Müllmänner-Blues" und dem "Rundfunkwerbung-Blues" zeigt Reinhard Mey zur Abwechslung, dass er irgendwie sogar den Blues hat! Der "Rundfunkwerbung-Blues" kommt aus der Ecke der Mey-Köstlichkeiten, mit denen er aus der Not, seiner "Angst", nicht genügend Songs auf Tour dabei zu haben, eine Tugend macht. (Später hat er ihn, mit nicht ganz so viel Erfolg, zum "Fernsehwerbung-Blues" aktualisiert). Er wurde damals auf Single ausgekoppelt und ist ansonsten nur auf diesem vergnüglichen Livealbum zu finden, dem der Verdienst zukommt, mich mit den oben genannten Mey-Alben versöhnt zu haben.


Gib mir Musik
Gib mir Musik
Preis: EUR 22,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In der Musik liegt die Kraft, 9. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Gib mir Musik (Audio CD)
Beim Erscheinen von "Mairegen" hatte nicht nur ich mich gefragt, ob und wie Reinhard Mey "Drachenblut" spielen könnte, den Song für seinen im Wachkoma liegenden Sohn Max, den er noch beim Konzert 2008 in Wetzlar auf der Bühne als Bestandteil des Tourtrupps vorgestellt hatte. Auf gewisse Weise stellt "Drachenblut" für mich ein Pendant zu Claptons "Tears in Heaven" dar; beide Musiker versuchen, den Verlust ihres Sohnes musikalisch zu verarbeiten, und ich hatte erwartet, dass Reinhard Mey verzweifelter wirken würde. "Gib mir Musik!" ist erwartungsgemäß ruhiger ausgefallen als die optimistischere "Danke, liebe gute Fee"-CD, wobei Reinhard Mey hier eine große Gefasstheit und Stärke ausstrahlt; man spürt, wie ihm die Musik, so wie er es in seinen Liedern öfter schildert, die Kraft gibt, diese Krise zu ertragen.

Vom Konzertprogramm der Tournee 2008 sind drei Songs übrig geblieben: "Bunter Hund", "Männer im Baumarkt" und "Danke, liebe gute Fee", wobei Reinhard Mey Letzteren an einer Stelle augenzwinkernd politisch aktualisiert hat. Hatte er in "Männer im Baumarkt" auf seinen Hit "Über den Wolken" angespielt, so zitiert Mey darin diesmal "Gute Nacht, Freunde". Vom "Mairegen"-Album spielte er zehn Songs live, wobei ich mit etwas Abstand sagen muss, dass mich Lieder wie "Antje" und besonders "Ficus Benjami", ein Song über eine Pflanze im Wartezimmer einer Arztpraxis (!), nicht sonderlich berühren.

Mit dem "Lied für Klaus" zum 60. Geburtstag seines Freundes, des Liedermachers Klaus Hoffmann, und mit "Musikpolizei", sind erneut zwei neue Lieder dabei, die auf keiner Studio-CD zu finden sind, wobei mir besonders "Musikpolizei", ein bissiger Appell gegen die akustische Umweltverschmutzung, sehr aus dem Herzen spricht! Kaum ein Konzert der letzten Jahre scheint gegen Ende ohne "Viertel vor Sieben" und "Leb wohl, adieu, gute Nacht" auszukommen; dafür hat Reinhard Mey mit "Herbstgewitter über Dächern" und der "Eisenbahnballade" zwei schöne alte Songs ausgegraben, wie er es öfter tut - ich wünschte mir, live von ihm noch viel mehr solcher alter Fundstücke zu hören!

"Gib mir Musik" ist das Dokument eines Konzertabends, das mit einer Kraft beeindruckt, von der sich ein wenig auf den Hörer überträgt, und wie üblich kommen die Songs in dieser intimen Live-Atmosphäre für mich besser rüber als auf den Studioalben. Bleibt nur zu hoffen, dass das, was er "noch zu sagen hätte", länger dauert als eine Zigarette, und Reinhard Mey auch uns noch viel "Musik gibt".
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 5, 2012 6:38 PM MEST


Pure Dylan - An Intimate Look at Bob Dylan
Pure Dylan - An Intimate Look at Bob Dylan
Preis: EUR 9,97

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ohne roten Faden, 8. Mai 2012
Der Anlass für diesen Sampler war offenbar die gemeinsame Tour von Bob Dylan und Mark Knopfler, wobei sich deren Gemeinsamkeiten auf der Bühne auf wenige Songs beschränkt haben sollen, und mit Trouble in Mind gibt es auch genau einen Song, an dem beide beteiligt waren. Die Idee, einen Dylan-Sampler zusammenzustellen, der mal nicht die ganzen "Greatest Hits" enthält, ist an sich löblich. Es gibt fünf Songs aus den Sechzigern, vier aus den Siebzigern, drei aus den Achtzigern und dann vier Songs von 1990 bis heute. Ich vermisse aber einen thematischen Zusammenhang wie z.B. auf "Blues". Natürlich sind die meisten der ausgesuchten Songs gut (die vier neuesten Songs, Born in Time, Tomorrow Night, Sugar Baby und This Dream of you, fallen etwas ab), aber was von dem, was Robert Zimmerman aufgenommen hat, ob gut oder weniger gut, ist schon NICHT "purer Dylan"?

Der einzige Grund für mich als Dylan-Fan und -Sammler, mir "Pure Dylan" zu holen, sind die drei Raritäten: Die '62er Liveversion von Moonshiner klingt erstaunlich gut, wird aber Bootleggern bereits bekannt gewesen sein. Vielleicht sollte man statt Häppchen mal ein ganzes Konzert aus dem "Gaslight" in der "Bootleg Series" veröffentlichen. Die Piano-Version von Spanish is the loving Tongue (nicht zu verwechseln mit der Band-Version auf dem obskuren '73er "Dylan"-Album) war 1971 eine B-Seite und erschien dann wieder 1978 auf "Masterpieces", allerdings in Mono. Dies ist die erste mir bekannte Stereoversion, sehr schön! Die B-Seite von Precious Angel war 1979 das etwas schwerfällige Trouble in Mind (4:14), es ist nicht verwunderlich, dass sie es nicht auf's Album schaffte; hier gibt's eine etwas längere Fassung (5:05). (Der "The Times they are a-changin'"-Outtake Percy's Song ist seit '85 auf "Biograph" erhältlich.)

Von der ziemlich willkürlichen Zusammenstellung her ist "Pure Dylan" leider eine vertane Chance, der Dylan-Kenner hat all diese Songs sowieso, und die meisten liegen auch schon remastert vor. Einsteiger werden sicherlich sagen "Aha, interessant!", nicht zuletzt wegen der unglaublichen Sprünge im Klang von Dylans Stimme quer durch die Jahrzehnte; aber die wären vermutlich doch mit einem der zahlreichen Greatest Hits-Sampler besser beraten, z.B. "The essential Bob Dylan" oder der Dreier-Kiste "Dylan" von 2007.


Early Takes Vol.1
Early Takes Vol.1
Preis: EUR 10,98

22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen My sweet Lord - Naked, 27. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Early Takes Vol.1 (Audio CD)
Im Zuge der Recherchen zu Martin Scorseses Doku "Living in the Material World" über George Harrisons Leben stieß das Filmteam in dessen Nachlass zwangsläufig auf viele unveröffentlichte Aufnahmen, derer sich nun Giles Martin annahm, was uns bereits die dritte CD eines Ex-Beatles in diesem Jahr beschert.

Das Konzept, frühe Demoaufnahmen bekannter Künstler zu veröffentlichen, hat ja u.a. schon bei Crosby, Stills & Nash gut funktioniert. Neben reinen Solo-Akustikdemos (Woman don't cry for me und Run of the Mill, das ich bisher nur von einem Bootleg kannte, dort allerdings in Stereo) finden sich ausgearbeitete Akustikdemos (darunter Covers wie Let it be me von den Everly Brothers oder Dylans Mama you been on my Mind) bis hin zu mit in kleiner Besetzung live im Studio eingespielten "frühen Takes" von All Things must pass, I'd have you anytime und natürlich My sweet Lord. Im Booklet seines Remasters von "All Things must pass" von 2001 (dessen Bonustrack I live for you sich hier gut einfügen würde) hatte Harrison ja bereits erwähnt, wie schwer es ihm gefallen war, einige der Songs nicht neu abzumischen, und in ihrer intimen Schlichtheit ohne jeden "Spector-Touch", an den man sich die letzten vierzig Jahre gewöhnt hatte, erinnern einige dieser Versionen an den ebenso Spector-losen Remix von "Let it be - Naked" von den Beatles. Harrisons akustische Nachlassverwaltung liegt bei Giles Martin in guten Händen.

Um es kurz zu machen: die CD ist wunderschön. Erwartungsgemäß liegt der Schwerpunkt der Songauswahl auf Harrisons Über-Album "All Things must pass", und durch die gewollte Nicht-Bearbeitung kommen Harrisons Gitarrenarbeit und vor allem seine Stimme viel besser zur Geltung als in einigen der offiziellen Mixe, in denen beide oft etwas untergingen. Bei My sweet Lord und All Things must pass könnte ich schwören, Ringo trommeln zu hören, und bei I'd have you any Time tippe ich auf Clapton an der Sologitarre.

Eine CD mit gut 30 Minuten Spielzeit (kürzer als ein reguläres Beatlesalbum) mit "Volume 1" zu untertiteln und somit weitere (vermutlich ebenso kurze) Folgen anzukündigen, statt sie mit Unveröffentlichtem voll zu packen (im Begleittext wird erwähnt, dass es nur ein Teil der im Film verwendeten Aufnahmen auf die CD geschafft hat), halte ich allerdings für einen schlechten Witz; ich hatte mich schon bei den bisher erschienenen Remasters im Harrison-Katalog über die spärliche Ausbeute an Outtakes und Demos gewundert. Dies wäre z.B. eine gute Gelegenheit gewesen, B-Seiten wie Deep blue, Miss O' Dell und I don't care anymore einzufügen, die in Sound und Stimmung ebenfalls gut passen würden. Für das Geizen mit weiterem Material und für das Fehlen jeglicher Informationen zu Aufnahmedaten, beteiligten Musikern etc. ziehe ich einen Punkt ab - was sich wohlgemerkt keinesfalls auf die wunderschönen Aufnahmen bezieht.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 29, 2012 9:52 PM MEST


Live Europe 83
Live Europe 83
Preis: EUR 6,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Für die Kinder der Achtziger, 24. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Live Europe 83 (Audio CD)
"Live in Europe '83" folgte in der Tradition des Vorgängers "Live" drei Jahre zuvor; die Songauswahl und das gelegentliche "Merci!" weisen darauf hin, dass auch "Live in Europe '83" zumindest bei Mitschnitten in Deutschland und Frankreich entstand und auf den europäischen Markt zugeschnitten war, auf dem Joan Baez sich offenbar großer Beliebtheit erfreut. Sie setzte diesmal allerdings auf Bandbegleitung statt auf die Akustikgitarre, und keine ihrer Ansagen fand den Weg auf die Platte. Hier liegt auch ein Manko des Albums: Joan Baez' Alben zeichneten sich noch nie durch besondere Ecken und Kanten aus, aber in diesem Falle spielen die ohne Zweifel professionellen Begleitmusiker so glatt, dass viele Titel auch als Studioaufnahmen mit zugespieltem Applaus durchgehen würden, wäre da nicht die gelegentliche Publikumsbeteiligung in Form von Mitsingen zu hören, wobei die Keyboards, die viele Songs eher etwas zukleistern als unterstützen, auch nicht gerade hilfreich sind.

Joan Baez scheint ihre Vielseitigkeit beweisen zu wollen, was leider etwas bemüht wirkt: Mit Warriors of the Sun und No Woman no cry gibt es Reggae, aber gerade Warriors of the Sun klingt sehr glatt, und No Woman no cry ist sicher einer der ausgelutschtesten Songs aus Bob Marleys Katalog. Me and Bobby McGhee orientiert sich an Janis Joplins Version, ohne dass Joan Baez natürlich versuchen würde, ihren Gesang zu imitieren - aber es war auch kaum zu erwarten, dass sie Get it while you can oder Cry Baby covern würde.

Udo Lindenbergs "Wozu sind Kriege da" fand ich schon in der Originalversion mit dem zehnjährigen Pascal grenzwertig, aber hier ist sie wieder: Joan Baez' Neigung zu mit rehäugiger Inbrunst vorgetragenem Kitsch. Bei allem Respekt vor Joan Baez' Einsatz für den Frieden und vor Konstantin Wecker - sein "Wenn unsere Brüder kommen" lässt sich wohl eher im Kontext der Friedensbewegung im Europa der frühen Achtziger verstehen. Die Art und Weise, wie sie Weckers bayerisches "r" rollt, zeigt, dass sie die Aufnahme phonetisch übernommen hat; da sie zu jener Zeit aber auch einige Konzerte mit Wecker gab, ist zu vermuten, dass sie den Text doch verstand. An Here's to you hatte mich schon auf "Live" gestört, wie Baez es zur reinen Mitsingarie degradiert. Ich vermute, dass auch Jaria Hamuda einen gewichtigen Text hat, den das Publikum vermutlich so wenig versteht wie ich; dafür kann es bei der Nummer aber dufte mitklatschen. Es wirkt auf mich auch immer etwas unbeholfen, wenn Baez bei einem Song wie Imagine - eh schon nicht mein Lieblingssong von John Lennon - dem Publikum die einzelnen Zeilen im Sprechgesang ankündigt, um es zum Mitsingen zu animieren: "Imagine all the people... sharing all the world..." Man kann von ihr sagen, was man will, aber den Blues hat Joan Baez nicht, weswegen der Albumausklang Land of a thousand Dances eher ein wenig zum Schmunzeln anregt. Wie auf "Live" parodiert Baez auch hier wieder Bob Dylan, diesmal in der Schlussstrophe von dessen "A hard Rain's a-gonna fall"; es ist aber sehr fraglich, ob sich ausgerechnet dieser sehr ernste Song dazu eignet, zumal ich immer noch unsicher bin, ob Baez den Song nicht ganz verstanden hat, oder ob bei ihr auf diese Weise nur Ressentiments Dylan gegenüber zum Ausdruck kommen.

Die beiden besten, weil persönlichsten Songs sind für mich zum einen der Titelsong ihres Albums von 1965, Farewell Angelina, mit dessen Aufnahme Joan Baez nicht nur sich und Bob Dylan einen Gefallen tat, der seine Version erst 1990 auf "Bootleg Series Vol. 1" veröffentlichte. Joan Baez hatte immer schon ein glückliches Händchen bei ihren Eigenkompositionen, seit sie sich Ende der Sechziger von Dylan darin ermutigen ließ, und (For the) Children of the Eighties gehört dazu, ein nostalgischer Rückblick auf die Sechziger aus der Sicht der Achtziger, dessen Text Joan Baez aus zahlreichen Zuschriften in ihrer Fanpost zusammentrug.

Ich sah Joan Baez das erste Mal live im Juni '84 in Offenbach, und bei dieser Gelegenheit begleitete sie sich wieder solo auf der Gitarre, was wesentlich natürlicher klang als dieses Album. Auf der Suche nach besseren Livealben von Joan Baez empfehle ich eher "From every Stage" ('76), "Ring them Bells" ('95) oder "Bowery Songs" (live 2004).
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 27, 2013 3:41 PM MEST


L.A. Woman - 40th ANNIVERSARY
L.A. Woman - 40th ANNIVERSARY
Preis: EUR 13,98

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen L.A. Woman wird 40, 20. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: L.A. Woman - 40th ANNIVERSARY (Audio CD)
Spätestens seit dem Doors-"Box Set" von 1995 wissen wir, dass John Densmore mit seiner Feststellung, dass es von den Doors nur deshalb so wenig Bootlegs gäbe, einfach weil noch so wenig Outtakes existierten, wie er 1990 in seiner Autobiographie "Riders on the Storm" konstatierte, nicht ganz Recht hatte. Zum 40. Jahrestag von "L.A. Woman", das zusammen mit ihren ersten beiden zu meinen Lieblings-Doors-Alben gehört, hat man noch mal ein paar alternative Aufnahmen ausgegraben:

CD 1 enthält das '99er Remaster des Originalalbums, an dem es klanglich für mich nie etwas auszusetzen gab.

CD 2 enthält neben sieben alternativen Takes aus den Albumsessions mit She smells so nice und Rock me Baby zwei Outtakes, die direkt hintereinander aufgenommen wurden und von denen mir Rock me Baby besser gefällt. Die Alternativ-Versionen sind allesamt gut, und die eingefangene Studioatmosphäre erfreut zusätzlich, z.B. wenn Morrison vorm 10. Take von Riders on the Storm vorschlägt, den Song mit Gewittergeräuschen zu unterlegen. Andererseits bestätigt die Bonus-CD (wie z.B. auch die "Anthology"-CDs bei den Beatles), dass die besten Takes dann doch auf dem Album gelandet sind.

Die Doppel-CD kommt ökologisch korrekt im reinen Pappschuber, zwar ohne gefütterte Innenhüllen, aber die Silberlinge lassen sich mühelos entnehmen. Abgerundet wird das Ganze durch einen schönen Begleittext von David Fricke; ich vermisse aber ein paar Infos wie Aufnahmedaten, Alter des Remasters oder Take-Nummerierungen.

Und ich finde, zum 40. Geburtstag hätte man der "L.A. Woman" ruhig noch mal das Cover mit der gelben Cellophan-Einlage spendieren dürfen, das das Album schon in der Doors-Box "The Complete Studio Recordings" von 1999 zierte (okay, das wäre dann aber ökologisch nicht mehr korrekt!). Einen Punktabzug muss ich leider vornehmen, weil die Plattenfirma wieder die Gelegenheit hat verstreichen lassen, bei einer Spielzeit von 51 Minuten endlich mal den Single-Edit von Riders on the Storm sowie den Mono-Single-Edit von Love her madly samt der B-Seite (You need Meat) Don't go no further mit auf die Bonus-CD zu packen, vom Outtake Orange County Suite ganz zu schweigen, das ist heute einfach Standard. Für die beiden letztgenannten Titel muss man weiterhin auf den Album-Remix von 2007 zurückgreifen, der natürlich seinen eigenen Reiz hat.

Zu sagen, "L.A. Woman" sei in Würde gealtert, wäre etwas unpassend, denn Jim Morrisons Vermächtnis ist, wie alle großen Rockalben, schlicht zeitlos.

Abschließend empfehle ich begleitend noch die zeitgleich erscheinende DVD/Blue Ray "Mr. Mojo Risin' - The Story of L.A. Woman".
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 7, 2012 11:17 PM CET


George Harrison - Living in the Material World [2 DVDs]
George Harrison - Living in the Material World [2 DVDs]
DVD ~ George Harrison
Preis: EUR 11,25

58 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen My sweet George, 9. Dezember 2011
Ich kann mich noch an den Tag erinnern, als ich in den Nachrichten von George Harrisons Tod hörte. Zu seinem 10. Todestag erscheint endlich die langersehnte Doku über meinen Lieblings-Beatle. In den Händen von Regisseur Martin Scorsese konnte nicht viel schief gehen: zu den Interviewten gehören Paul McCartney, Ringo Starr, Yoko Ono, George Martin, Pattie Boyd, Neil Aspinall, Derek Taylors Witwe Joan, Ravi Shankar, Phil Spector, Billy Preston, Eric Clapton, Sohn Dhani, Ehefrau Olivia, Ray Cooper, Jim Keltner, Tom Petty, Klaus Voormann und Astrid Kirchherr, Harrisons Brüder Harry und Pete, Rennfahrer Jackie Stewart sowie Terry Gilliam und Eric Idle von Monty Python. Die lange Vorbereitungszeit zeigt sich schon darin, dass einige der Interviewten vor ein paar Jahren gestorben sind (Billy Preston, Neil Aspinall) oder aus anderen Gründen schon seit einiger Zeit nicht mehr für aktuelle Interviews zur Verfügung stehen (z.B. Phil Spectors Haftstrafe wegen Mordes). Schade nur, dass Jeff Lynne und Bob Dylan nicht dabei sind!

Auf zwei DVDs (94 & 112 Min.) spannt Scorsese den Bogen über Harrisons Leben von seiner Geburt über seine Zeit bei den Beatles und seine Solokarriere bis zu seinem Tod. Dabei beleuchtet er Harrisons Humor, seine Rolle bei den Beatles, seine Entwicklung zum Songschreiber, seine Drogenerfahrungen und seine spirituelle Suche, den Einfluss Ravi Shankars und der indischen Musik, das '71er Bangla Desh-Konzert, seine Liebe zum Gärtnern und zur Ukulele, die Traveling Wilburys und schließlich seine Krebserkrankung. Leider kommt seine Solokarriere als Musiker eindeutig zu kurz.

Was mich besonders freut, sind die zahlreichen Ausschnitte aus Privatfilmen und vor allem bisher selten oder nie gesehene Auszüge aus Livemitschnitten, Fernsehinterviews und Pressekonferenzen und besonders Unveröffentlichtes aus den Beatles-"Anthology"-DVDs. Ich habe hier z.B. zum ersten Mal Einblicke in Harrisons '74er Tournee bekommen, bei der er so heiser war, dass man wohl weiterhin nicht mit einer Veröffentlichung zu rechnen braucht.

Natürlich sind auch zahlreiche Songfragmente zu hören, darunter etliche in frühen Demo-Versionen (While my Guitar gently weeps) oder in alternativen Abmischungen oder Versionen (I'd have you anytime), fast alle leider nur sehr kurz angespielt. Dass die meisten davon für Interviewsequenzen abrupt unterbrochen werden, ist etwas gewöhnungsbedürftig; dafür stört dann auch keine Musik im Hintergrund die Verständlichkeit des gesprochenen Wortes.

Die deutschen Untertitel sind bis auf zwei, drei Stellen (wie üblich die, bei denen es um Studiotechnik etc. geht) sehr gelungen. Zu Beginn beider DVDs muss man erst nervige Werbung überspringen, aber dafür kann der Film nichts.

Scorsese hat zum Glück keine posthume Heldenverehrung fabriziert: einige Weggefährten äußern freimütig, dass Harrison neben seinem sanften, liebe- und humorvollen Wesen auch eine dunkle Seite hatte, die sich in Wutausbrüchen äußern konnte, und Olivia Harrison lässt durchblicken, dass in ihrer Ehe lange nicht alles eitel Sonnenschein war und die wechselseitige Anziehungskraft zwischen ihrem Mann und der Damenwelt das Eheleben oft auf harte Proben stellte.

Besonders am Ende wird es sehr berührend, wenn Paul und Ringo sich an ihren Abschied von George erinnern und Olivia Harrison über den Mordversuch des geistig Verwirrten berichtet, der versuchte, ihren Mann zu töten, was diesen, wie Sohn Dhani erzählt, im Kampf gegen den Krebs Jahre seines Lebens kostete.

Scorsese ist eine sorgfältige, liebevolle, aber nicht verklärende Dokumentation über Harrisons Leben gelungen. Sie ist nicht so spektakulär wie vergleichbare DVDs über andere Rockstars - aber eben auch das passt zu der eher ruhigen Art, wie Harrison lebte und sich in der Öffentlichkeit gab.


Rolling Stones - Some Girls: Live In Texas '78 (+ Audio-CD)
Rolling Stones - Some Girls: Live In Texas '78 (+ Audio-CD)
DVD ~ The Rolling Stones
Wird angeboten von book-service
Preis: EUR 14,95

34 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "I met a divorcee somewhere in Dallas...", 18. November 2011
"Wenn die Band etwas an Energie vermissen lässt, dann deswegen, weil wir die ganze Nacht Sex hatten. Wir geben unser Bestes." Mick Jaggers Ansage zu Respectable (nur auf der DVD zu finden) ist kokett, und er hat sie bestimmt nur für die Kameras gemacht, die am 18.7.1978 im Will Rogers Memorial Center in Fort Worth, Texas liefen: der Auftritt der Stones ist wild, lärmig und aufregend, der Sound hervorragend - all dies unterstreicht den Unterschied zum von mir wenig geschätzten Album "Love You Live" von 1977 einmal mehr. Keith und Ron sind zu meiner Freude gleichwertig im Mix zu hören. Die beiden Keyboarder bei dieser und der nächsten Tour, Ian Stewart und Rons alter Faces-Kumpel Ian McLagan, sind aber bis auf wenige Ausnahmen (Miss you) leider wieder nur im Hintergrund zu erahnen und auch nur für wenige Momente im Bild.

Die Bildqualität ist aufgrund der stärker ausgeleuchteten Bühne deutlich besser als beim '72er Konzertfilm "Ladies and Gentlemen", sie erlaubt einen guten Blick auf Keiths restauriertes Frontgebiss und sogar auf Micks rot lackierte Fingernägel!

Ich bin nicht sicher, ob der 85-minütige Konzertteil (keine Untertitel) komplett ist; die Bandvorstellung fehlt, und am 14.6.'78 in New Jersey zum Beispiel waren zusätzlich noch Lies und Street Fighting Man im Programm. Die Band spielt sehr tight und traut sich mit ihrem damals aktuellen Hit-Album "Some Girls" im Rücken, gleich sieben Songs davon zu spielen - und das noch direkt hintereinander, was zeigt, wie sehr die Stones hinter dem neuen Material standen. Bis auf Far away Eyes (mit Jagger am E-Piano und einem Fiddle-Solo von Doug Kershaw, der auch das Vorprogramm bestritt) gefallen mir alle diese Songs live besser als in ihren Studioversionen: Miss you erreicht mit achteinhalb Minuten genau die Länge der Maxi-Single, und When the Whip comes down hat nur hier eine Extrastrophe. In Star Star (für diese Publikation offiziell wieder in Starfucker zurückbenannt) baut Jagger Jimmy Page in den Text ein, mit Let it rock (war auch '71 im Programm) und Sweet little 16 sind zwei Chuck Berry-Reminiszenzen an die Stein-Zeit der Band dabei, wie überhaupt Keith den Altmeister an jenem Abend oft zitiert. Happy bietet eine der seltenen Gelegenheiten, ihn auch mal wieder Slide spielen zu sehen. Der Rest besteht fast ausschließlich aus den bewährten Hits.

Das Bonusmaterial bietet das obligatorische Mick Jagger-Interview (15 Min.), in dem er berichtet, dass er Miss you mit Billy Preston schrieb, nicht zuletzt weil Keith gerade im Gefängnis saß - ein weiteres Beispiel für einen Stones-Song, für dessen "Inspiration" der beteiligte Musiker offenbar nicht an den Tantiemen beteiligt wurde. Die deutschen Untertitel sind etwas fahrig übersetzt: der Konzertpromoter hieß einfach Bill Graham, nicht "Billy"; und Billy Preston saß beim Komponieren und Jammen mit Jagger vielleicht am Schlagzeug und lieferte den Grundbeat - aber er war ganz gewiss nicht "ihr Drummer". Die "changes" in Shattered bezeichnen die Akkord- und nicht etwaige Tempowechsel. Im Fernsehinterview von ABC News 20/20 (5 Min.) ist mit "together/untogether" nicht gemeint, wer am meisten "mit der Band zusammen" bzw. "nicht zusammen" war, sondern wer in der Band in etwa "der Vernünftigste" bzw. "der Ausgeflippteste" sein konnte. Der "Saturday Night Live"-Beitrag vom Oktober '78 (20 Min.) bringt ein witziges Jagger-Interview aus der "Tomorrow Show" mit Dan Akroyd und dann Beast of Burden, Respectable und Shattered live vor Studiopublikum, wobei Jagger so heiser ist, dass er besonders in den höheren Lagen ziemlich zu kämpfen hat; diese Versionen kommen auch nicht so gut rüber wie im Konzertteil.

Ein neues Stones-Album ist nicht in Sicht, und so wird nun, 33 Jahre nach seiner Entstehung, der offizielle Mitschnitt der kurzen '78er Stones-Tournee nachgereicht. Für mich kommt natürlich nur die DVD-Ausgabe mit der beigefügten randvollen Live-CD (80:00!) infrage, diese ist praktisch die "offizielle" '78er Stones-Live-CD - endlich!
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