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Beiträge von Toby Tambourine
Top-Rezensenten Rang: 799
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Rezensionen verfasst von
Toby Tambourine (Gießen)
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   

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Tournee
Tournee
Wird angeboten von hifi-max
Preis: EUR 9,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bonsoir mes Amis, 19. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Tournee (Audio CD)
"Tournee" begleitete mich bereits als Jugendlicher seit seinem Erscheinen, damals noch auf zwei Cassetten, die ich dann später verkauft habe, um Reinhard Mey und damit auch dieses Album dann rund 20 Jahre später für mich wiederzuentdecken.

Nach der Geburt seines Sohnes Frederik hatte Reinhard Mey sich, wie er erzählt, drei Jahre lang "das Vergnügen, auf den Brettern, die die Welt bedeuten, stehen zu dürfen, verkneifen müssen", da er mit seiner Vaterrolle ausgelastet war, und diese tat ihm offenbar gut, wie er so nach dem eher schwachen Livealbum "Unterwegs" ganz locker und nicht ohne berechtigten Stolz seine neuesten Songs auf der Bühne präsentierte. Für Mey eher ungewöhnlich, enthält das Album fast ausschließlich Lieder von seinen beiden damals aktuellen Alben: aus "Keine ruhige Minute" ('79) sind sechs Songs dabei, und "Jahreszeiten" ('80) spielte er gar komplett. Die einzigen beiden Ausnahmen, vom Anfang seiner Karriere, sind französische Versionen von "Gute Nacht, Freunde" und "Kaspar". Nun hat mich mein Schulfranzösisch schon lange verlassen, aber "Gute Nacht, Freunde" kann man wahrscheinlich sowieso auswendig auf Deutsch mitsummen, und "L'Histoire de Gaspard" besticht durch eine so eindringliche, atmosphärische Interpretation, dass ich sie schon damals übernommen und den deutschen Text dazu gesungen habe.

"Tournee" markiert insofern einen Wendepunkt in seiner Karriere, als es das Live-Album ist, auf dem zum ersten Mal einigen Songs, noch nicht allen, Anekdoten vorangestellt sind, die mit der Zeit das gleiche Gewicht wie die Lieder selber bekommen sollten (besonders köstlich bei "Des Kaisers neue Kleider"). Seine um einen Halbton tiefer gestimmte Gitarre unterstreicht die entspannte, warme Atmosphäre. Ich finde es völlig legitim, ein Livealbum mit den jeweils besten Versionen von verschiedenen Abenden zu bestücken; witzig finde ich hier, wie sich der Sound und die Stereobalance von Gitarre und Gesang manchmal von Lied zu Lied verändern (die beiden französischen Songs kommen in Mono) und wie die gelegentlichen Schnitte immer auf den Schlussakkord fallen, um von dort in den nächsten Mitschnitt überzuleiten. Etwas befremdlich bleibt für mich jedoch der Eindruck, dass die Ansagen zu "Dieter Malinek, Ulla und ich" und zu "Erinnerungen" offenbar im Studio eingesprochen wurden - selbst wenn dies diesmal durch Live-Zuspielungen wie Husten im Publikum und Lacher geschickter kaschiert wurde als noch auf "20 Uhr".

Bei jeweils rund einer Dreiviertelstunde Spielzeit pro Set kann ich nur vermuten, dass man Meys Liveprogramm damals noch auf LP-Länge gekürzt hat oder aber dass seine Ansagen zu den Liedern die Länge seiner Auftritte parallel zur Popularität der CD mit den Jahren zunehmend auf Doppel-CD-Länge erweitert haben.

In "Unterwegs" besingt Mey seine beiden auf der Hülle mitabgebildeten Kollegen Klaus und Peter. Ich fand die Instrumentierung von Reinhard Meys Studioalben schon damals nicht so prickelnd, wie immer überzeugen mich Songs wie "Bei Ilse und Willi auf'm Land", "Freunde, lasst uns trinken" oder "Erinnerungen" eher, wenn Mey sie live vorträgt. Angesichts seiner "Jahreszeitentrilogie" stöhnte ich in der Pubertät innerlich "oh nein, jetzt singt er auch noch sein Fotoalbum rauf und runter, und wozu brauche ich Lieder über seinen kleinen Sohn?" Meine Eltern sagten mir damals voraus, das würde ich besser verstehen, wenn ich selber mal Kinder hätte - eine ihrer wenigen Prophezeihungen, die sich bewahrheiteten: "Vaters Nachtlied", "Kleiner Kamerad" und "Zeugnistag" rühren mich heute tief, besonders in diesen intimen Versionen. Erstaunlich auch, wie früh Reinhard Mey sich mit einem Lied wie "Poor old Germany" gegen die "Ver-Denglischung" (meine Wortschöpfung) der deutschen Sprache stark machte. "Tournee" ist ein für heutige Verhältnisse recht kurzes, aber sehr unterhaltsames und sympathisches Mey-Live-Album.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 19, 2010 2:15 PM MEST


MICK JAGGER - IN NEW YORK
MICK JAGGER - IN NEW YORK

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wired all Night, 18. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: MICK JAGGER - IN NEW YORK (DVD)
Von Mick Jaggers vier Soloalben ist "Wandering Spirit" meiner Meinung nach sein bestes, und wie auf dieser DVD (67 Min.) festgehalten, stellte er es mit 11 Songs am 9.2.1993 live in der Webster Hall in New York fast komplett vor, zu meiner Freude sogar schwer zu Singendes wie Sweet Thing. Dass dabei Handsome Molly fehlte, ist nachvollziehbar; leider ließ er auch I've been lonely for so long und vor allem Hang on to me tonight weg, einen meiner Lieblingssongs von der Platte.

Wie er in der Bandvorstellung anmerkt, ist auch die Kerntruppe dabei, mit der er das Album einspielte; von den Backgroundsängerinnen kam mir nur Sharon Celanis Name aus dem Dunstkreis von Stevie Nicks bekannt vor. Die Tastenarbeit von Billy Preston, Benmont Tench und Matt Clifford übernahm Stones-Intimus Chuck Leavell. Vielleicht hätte Jagger am Saxophon gerne Bobby Keys dabei gehabt, aber der stand fast zeitgleich mit Keith Richards in Boston auf der Bühne (s. DVD "Keith Richards and the X-Pensive Winos Live in Boston - February 13, 1993"), um dessen "Main Offender" zu promoten.

Der Vergleich der beiden DVDs zeigt natürlich, dass Keith und Mick auch solo nach den Stones klingen, Keith dabei lässiger, entspannter und etwas freier in der Form, während Mick auf mehr Druck und schärfere Arrangements setzt, kurz gesagt: es fetzt mehr los! Die Live-Versionen zeigen, wie gut zusammengestellt und eingespielt die Band bereits auf der Platte war. Während Gitarrist Frank Simes sich eher etwas im Hintergrund hält, zeigt mir die DVD endlich, für wie viel geile Gitarrenarbeit Jimmy Rip auf "Wandering Spirit" verantwortlich war!

Die Bild- und Tonqualität sind nicht brilliant, aber okay, etwas älterer VHS-Standard eben. An Jaggers etwas weibische Vola-Hila-Frisur muss ich mich ein bisschen gewöhnen - das waren halt die frühen Neunziger! Jagger macht auch bereits vom Text-Monitor Gebrauch und genießt es sichtlich entspannt, mal nur einen Club und kein Stadion zu bespielen, und Wandering Spirit kündigt er, der Songs sonst selten mit mehr als dem Titel vorstellt, als "Gospelsong für Agnostiker" an, witzig, genauso wenn er scherzt, dass keiner außer Ahmet Ertegun Eintritt gezahlt habe. Angesichts seiner Sangesqualitäten erstaunt es mich einmal mehr, dass er oft meint, Liveaufnahmen von Stones-Alben nachträglich neu einsingen zu müssen.

Es hat fast den Anschein, als ob Jagger seinem eigenen Material nicht ganz traut, wenn er das Konzert mit drei Stones-Zugaben beendet: Rip this Joint war seit den Siebzigern kaum mehr live im Stonesprogramm zu hören gewesen, Live with me sollte erst ab der folgenden "Voodoo Lounge"-Tour wieder fest in ihrem Repertoire verankert werden, und von Have you seen your Mother, Baby, standing in the Shadow? spielt die Band eine beschleunigte, fast punkige Version - ich vermute, das erste und letzte Mal seit 1967, dass jemand aus dem Stones-Umfeld diese Nummer live brachte! Kaum zu glauben, dass auch dieser Konzertmitschnitt bereits 17 Jahre auf dem Buckel hat. Ich schätze ihn als eine der seltenen Gelegenheiten, Mick Jagger mal live und solo zu sehen - schade, dass die Stones sich so hartnäckig weigern, Solomaterial der Bandmitglieder zu spielen, ich würde zu gerne mal ihre Version von Wired all Night hören!


Exile on Main Street (Remastered) Limited Super Deluxe Edition (+ 10 unveröffentlichte Songs)
Exile on Main Street (Remastered) Limited Super Deluxe Edition (+ 10 unveröffentlichte Songs)
Preis: EUR 99,99

33 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Happy...?, 16. Mai 2010
Sie hatten es ja spannend gemacht: beim Erscheinen der Stones-Remasters im Mai 2009 war "Exile on Main Street" für den Herbst '09 angekündigt, um uns dann doch noch ein halbes Jahr warten zu lassen. "Exile on Main Street" war nie mein Lieblingsalbum der Stones, aber als treuer Fan brauchte ich natürlich die Deluxe-Edition. Das Album selber werde ich bei Gelegenheit mal gesondert rezensieren, hier geht es mir nur um die vorliegende - nummerierte - Deluxe Edition:

Das Mastering entspricht erwartungsgemäß dem der 2009er Remasters, bei denen sich die Klangverbesserung umso deutlicher offenbarte, je älter die Alben waren: die Songs klingen etwas fetter, sind aber auch, dem Zeitgeist entsprechend, stärker komprimiert als auf den '94er Remasters. Der Moment z.B., in dem Charlie im Intro von Loving Cup mit seinem Schlagzeugbreak einsteigt, war schon auf Vinyl von solcher Dynamik, dass er mir seit dem ersten Hören in Erinnerung geblieben ist; die starke Kompression hat Momente wie diesen einfach eliminiert.

Von den Outtakes auf der gut 40 Minuten langen Bonus-CD (mit anderer Titelprogrammierung als auf der Doppel-CD) kannte ich noch keinen, obwohl mir ein paar Songtitel von Bootlegs bzw. aus der einschlägigen Literatur darüber bekannt vorkamen, z.B. Pass the Wine oder Good Time Women, die Urfassung von Tumbling Dice. Die Songs geben einen guten Einblick in die Arbeitsweise und die Atmosphäre während der Sessions, die Klangqualität ist über jeden Zweifel erhaben, weit entfernt von Bootleg-Qualität. Loving Cup, das die Stones bereits beim '69er Hyde-Park-Konzert vorstellten, ist hier ein grooviger, offenbar früherer, reizvoller Take. Soul Survivor ist ein alternativer Mix mit Keith als Sänger. Bei den "Exile"-Outtakes bin ich wie gesagt nicht genug zu Hause, um beurteilen zu können, ob dies nun die wichtigsten waren, aber verzichten möchte ich auf sie auf keinen Fall. Durch einen Kommentar zu einer anderen Rezension wurde ich darauf aufmerksam, dass Jagger den Gesang zu einigen Songs nachträglich eingesungen hat, was die lange Wartezeit erklären könnte; bei ein paar Songs auf der Bonus-CD klingt sein Gesang tatsächlich mehr nach 2000-x als nach 1971.

Für ein paar Mankos gibt's den Punktabzug: die LPs stecken derart fest in den (ungefütterten) Innenhüllen, dass man sie nur mit Kraft herausbekommt, und diese sind leider recht lieblos reproduziert, wie die körnige Druckqualität und die stark verblassten Klebestreifen zeigen.

Die früheren Alben beigefügten Postkarten sind hier zwar etwa in doppelter CD-Größe wiedergegeben, aber unverständlicherweise auf vier Stück begrenzt, hier wurde an falscher Stelle gegeizt; die gesamte 12-teilige Serie wird, samt Kommentaren, nur im Buch wiedergegeben. (Meine Japan-CD von '94 enthielt die ganze Serie in Mini-Format.)

Das 64-seitige Buch zeigt schöne Schwarz-Weiß-Bilder in und um Keiths Villa (u.a. auch von seiner legendären Plexiglas-Gitarre, die später gestohlen wurde) sowie farbige Live-Fotos und Plakate, Backstage-Pässe, Setlisten und Presseartikel von der '72er Tournee, einige Kommentare von Bandmitgliedern und Tontechnikern etc., aber auch viel freien Platz (nebenbei erschien "Sticky Fingers" 1971, nicht 1970); da wäre etwas mehr drin gewesen.

Die 30-minütige Bonus-DVD ist ein schlechter Witz: mit den angekündigten Filmen "Stones in Exile" und "Cocksucker Blues" (je 11 Min.) wird einem lediglich in Trailerform der Mund wässrig gemacht; von "Ladies and Gentlemen...The Rolling Stones" (7 Min.) gibt's nur Happy und All down the Line zu sehen. "Stones in Exile" ist für Juni 2010 auf DVD angekündigt, die anderen werden hoffentlich folgen, so lange kann ich dann auch noch warten.

Vinyl-Liebhaber werden sich über die beigefügte Doppel-LP freuen; für meine Zwecke tun's denn aber weiterhin meine gut erhaltene 70er-Pressung und die remasterte Doppel-CD.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 2, 2010 8:30 PM MEST


Die Beatles - Die Geschichte ihrer Musik
Die Beatles - Die Geschichte ihrer Musik

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schlampig recherchiert, 11. Mai 2010
Nach eigener Aussage hat Mark Hertsgaard dieses Buch geschrieben, um der "nachlässigen Arbeit" vieler Journalisten etwas entgegenzusetzen: "Letztlich waren es die schlampig recherchierten (...) Beatles-Bücher, die mich dazu brachten, mein eigenes zu schreiben" (S. 353); er ärgert sich über die selektive Wahrnehmung vieler Buchautoren und darüber, dass sie in den wenigsten Fällen ihre Schlussfolgerungen durch Quellenangaben belegen und beklagt, wie selbst kleine Unterschiede bei der Wiedergabe eine Aussage erheblich verändern können. Zu meinem großen Ärgernis hat er selber genau diese Prämissen derart mit Füßen getreten, dass ich alle betreffenden Stellen im Buch mit Textmarker gekennzeichnet habe, was das Buch stark einfärbte. Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich so geärgert hat, die Lektüre wimmelt von so vielen Halb- und Unwahrheiten auf mehreren Ebenen, dass es mir seit dem Erwerb des Buches (1996) ein Bedürfnis ist, die wichtigsten von ihnen zu benennen.

Dem Dilemma mit den fehlenden Quellenangaben versucht Hertsgaard mit einem sehr löblichen, 100-seitigen Anhang zu begegnen; leider findet sich auch hier schlampig Recherchiertes: "I wanna be your Man" war nicht "der erste Song, den die Stones aufnahmen" (S. 384), sondern ihre 2. Single. Aus "She's a Woman" macht Hertsgaard "She's a Girl" (!) (S. 417), aus "Her Majesty" "Your Majesty" (S. 445), und in der Diskographie fehlt die Single We can work it out/Day Tripper.

Vorab stimmt schon nicht, dass Hertsgaard, wie der Verlag behauptet, "als bisher einziger Außenstehender die Möglichkeit" hatte, alle (Mehrspur-)Bänder der Beatles in den Abbey Road-Archiven zu hören; nach eigener Aussage hat er ca. 50 der vorhandenen 400 Stunden Studiobänder gehört, was ihn nicht davon abhält, angeberisch mit den gewonnenen Einblicken zu jonglieren und sie recht frei zu interpretieren - so, als ob nicht bereits Mark Lewisohn sämtliche dieser Informationen akribisch in "The Complete Recording Sessions" dokumentiert hätte. Interessant wird es allerdings, wenn er Studiokonversation zwischen John, George und Ringo während der Sessions zu "Plastic Ono Band" wiedergibt (S. 340f).

Außerdem leidet das Buch unter der deutschen Übersetzung von Willi Winkler (wie nicht erst der Vergleich mit der englischen Originalausgabe zeigt). Mein Lateinlehrer forderte immer: "So nah am Text wie möglich übersetzen, so frei wie nötig!" Das war mir oft zu eng, aber Winkler scheint diese Forderung manchmal genau umgekehrt umzusetzen. Anders ist nicht zu erklären, wie er "he blew his mind out in a car" ("er hauchte seinen Geist in einem Auto aus") mit "er fuhr sich mit seinem Auto um den Verstand" übersetzen konnte oder "working like a dog" mit "Hundearbeit" (S. 94). "Chasing paper, getting nowhere" ist nicht einfach eine "ziellose Schnitzeljagd" (S. 303). Es ist kein "Freier", der in "No Reply" am Haus seiner Angebeteten abgewiesen wird (S. 122). "Something in the WAY she moves" hat nicht allein mit "ihrem GANG" (S. 137), sondern mit der ART zu tun, wie sie sich bewegt. Lennon und McCartney sind nicht zu Day Tripper "gezwungen worden" (S. 171), das hätte mal jemand versuchen sollen; sie räumten lediglich später ein, den Song - im Gegensatz zum inspirierten We can work it out - eher "forciert", also wie eine (selbstauferlegte) Auftragsarbeit angegangen zu sein. Die Gitarren klangen in einigen Ohren "fuzzy", also "angezerrt" - aber keineswegs "verschwommen!" "She was buried along with her name" heißt nicht "mit ihr stirbt ihr Name" (S. 205), sondern "sie wurde zusammen mit ihrem Namen beerdigt". "I need to laugh" heißt einfach "ich muss lachen", nicht "ich muss lachen können" (S. 209). "Why in the world are we here?" (aus "Instant Karma!") kann man auch gleich mit "warum um alles in der Welt sind wir hier?" übersetzen statt "warum um Himmels willen..." (S. 227).

Zu den faktischen Fehlern:

Hertsgaard zeigt sich erstaunt, wieviel "musikalische Erfahrungen und Gefühle" der Song "A Day in the Life" "auf einem Raum von nur drei Minuten" enthält (S. 237), die Tatsache völlig ignorierend, dass dieser Song - der seinem Buch immerhin den Titel gibt! - zusammen mit Within you without you der erste Beatlessong war, der die FÜNF-Minuten-Grenze überschritt. Für ihn "drängt sich" verallgemeinernd beim Schlussakkord "im Kopf zuallererst das Bild der sich allmählich ausbreitenden unheimlichen Stille nach einer Atombombenexplosion auf" - das habe ich, seit ich die Beatles 1978 kennenlernte, nie so empfunden und auch niemand, den ich kenne.

Außer Hertsgaard fügte noch kein Autor ein Komma bei "Hey, Jude" ein. Es ist nicht "der längste Song, den die Beatles je herausgebracht haben" (S. 279), das ist "Revolution 9" oder, wenn man den nicht als Song werten will, immer noch "I want you (She's so heavy)". "Baby's in Black" war keineswegs ein "unbedeutendes Stück" (S. 123), im Gegenteil: kein andere Beatleskomposition kann sich rühmen, über einen so langen Zeitraum ('64-'66) ihr Live-Repertoire geziert zu haben. Ob "Yesterday" "gleichauf mit Lennons 'Help!' (...) den besten Text, den Paul je geschrieben hat", enthält (S. 151), darf stark bezweifelt werden. Lennons Beschreibung des Entstehungsprozesses von Michelle "widerspricht" keineswegs der "verbreiteten Annahme bei Beatles-Fans, dass der Sänger eines bestimmten Songs diesen auch geschrieben habe" (S. 130). Hertsgaard dürfte der einzige sein, den McCartneys Gesang in "That means a Lot" an den balladesken Gesangsstil in "Till there was you" erinnert (S. 148). Es war McCartney, nicht Lennon, der die Auflösung der Beatles verkündete (S. 165). Das Eingangsriff von "If I needed someone" ist nicht "mit elektronischen Effekten verändert" (S. 174), sondern einfach mit einer zwölfsaitigen Rickenbacker eingespielt worden. Wie bei Lewisohn (s.o.) nachzulesen, war es nicht Francois Truffauts, sondern Bernard Hermanns Filmmusik (aus Hitchcock-Filmen), dessen rhythmische Streicherarrangements George Martin zum Arrangement von Eleanor Rigby inspirierte (S. 205f). Lennon hat "Cry Baby cry" rückblickend vielleicht abgetan, aber nie bestritten, es überhaupt geschrieben zu haben (S. 292).

Harrison bat Clapton nicht, das Solo bei "While my Guitar gently weeps" zu übernehmen, "um sich für die Apathie und die Streiterei der anderen Beatles zu rächen" (!) (S. 283), sondern um ein ausgleichendes Element einzubringen, das die anderen dazu bringen würde, sich etwas zusammenzureißen. Schwer nachzuvollziehen, dass es sich bei "Wild Honey Pie" (0:53) gegenüber dem gut achtmal so langen "Revolution 9" "um die extremste Maßlosigkeit des (Weißen) Albums" handeln soll (S. 287). Lennon lobte an "Come together" nicht McCartneys Klavier-, sondern sein Bassspiel (S. 328). Unsinn ist, dass Paul "zwar sonst Rechtshänder, auf der Gitarre aber Linkshänder" ist (S. 32). "Die erfolgreichste Single in der britischen Geschichte" (S. 66) war "She loves you" m. W. lediglich bis zu "Hey Jude" - und später bis zu "Mull of Kintyre". "I want to hold your Hand" beginnt sehr energetisch und keineswegs "wie ein gemächlicher Spaziergang die Straße hinunter" (S. 68). Ein früher Synthesizer (der Moog) kam erst ab "Abbey Road" zum Einsatz, nicht bereits bei "I am the Walrus" (S. 182). Lennon legte sich für den Gesang von "Revolution 1" auf den Rücken, nicht aber für "Revolution" (S. 192) - das hätte auch er nicht hinbekommen! Seite 2 der "Abbey Road"-LP klang noch nie "wie ein einziges langes Stück" (S. 194/324): selbst unter Weglassung von Here comes the Sun, Because und Her Majesty bleiben immer noch ZWEI Medleys übrig.

Hertsgaard scheint zudem äußerst rare Pressungen von Beatles-Alben zu besitzen: Seite 2 des "Weißen Albums" beginnt bei ihm mit "While my Guitar gently weeps" (S. 288) und Seite 2 von "Let it be" mit "Maggie Mae" (S. 307).

Zu den musikalischen Aspekten:

Es ist Unsinn, dass die Akkorde von "Day Tripper", "We can work it out", "Norwegian Wood", "I'm looking through you", "Nowhere Man" und "In my Life" "einfacher nicht denkbar" waren (S. 167ff.), schließlich reden wir hier nicht über "Love me do". Schlimm wird es, wenn Hertsgaard, offenbar Hobbygitarrist, darüber schwadroniert, wie einfach McCartney und Lennon das Komponieren von "We can work it out" gefallen sein muss und dabei die zahlreichen Harmonien des Mittelteils unterschlägt (s.d.). "Twist and Shout" hat denn auch drei Akkorde, nicht zwei (S. 40). Das Geschwafel über die Harmoniewechsel im Mittelteil von "Here comes the Sun" ist ebenfalls ärgerlich. Dies war auch nicht "der einzige Song auf Abbey Road, bei dem John mit keinem Ton beteiligt war" (S. 335) - da bleiben noch vorneweg "Her Majesty", "Golden Slumbers" und "Carry that Weight". "A hard Day's Night" endet nicht "damit, dass die einzelnen Noten des Auftaktakkordes einzeln gespielt werden" - der erste Akkord ist ein G4/7, die Schlusstöne modulieren um einen F9 herum. Diese Ausblende wäre auch keinesfalls bei den Zweispuraufnahmen der ersten beiden LPs technisch "undenkbar gewesen" (S. 92). "Here, there and everywhere" kann nur jemand als "Inbegriff an Einfachheit" (S. 207) zitieren, der die Akkorde im Intro und im Mittelteil ignoriert.

Hertsgaard schafft es zu allem Überfluss wie kein Zweiter, bei zahlreichen Songzitaten Fehler einzubauen, die einem Muttersprachler einfach nicht unterlaufen dürfen:

Aus "love was more than just holding hands" wird bei Hertsgaard "love IS more..." (S. 95). Harrisons nostalgischer Rückblick-Song von '87 heißt explizit "When we WAS fab", nicht "When we WERE fab" (S. 110). Bei "I know that she's no peasant" vergisst Hertsgaard das "that", aus "turns me on when I get lonely" wird bei ihm "feel lonely" (S. 120), "you refuse to even listen" zitiert er aus "I'm looking through you" anstatt aus "You won't see me" (S. 177). Wie Hertsgaard aber die Zeile "whole world in a plan" bei "Love you to" heraushört (S. 206), wird mir immer ein Rätsel bleiben, ebenso wo er die Worte "it's too late" in "The long and winding Road" hernimmt (S. 308).

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass Hertsgaard einen Abriss über die Geschichte der Beatles hinlegt unter Einbeziehung ihrer Musik undsoweiterundsofort; das Lesen wird einem Beatles-Kenner wegen der zahlreichen Fehlinformationen und -interpretationen aber ziemlich verleidet, und Einsteigern würde ich deshalb dringend andere Bücher ans Herz legen. Ich habe im Laufe der letzten dreißig Jahre viele Beatlesbücher gelesen, gute wie schlechte; aber keines scheitert so grandios an seinem eigenen Anspruch wie "A Day in the Life".
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 24, 2015 12:17 AM CET


03:die Aberglubische Putzfrau/Pumuckl und die Sch
03:die Aberglubische Putzfrau/Pumuckl und die Sch
Preis: EUR 5,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ich werde die Frau Rettinger rettingen!", 11. Mai 2010
Meister Eder hütet mit Angina das Bett, und da der Hausarzt ihm strenge Bettruhe verordnet hat, bittet er seine Zugehfrau, Frau Rettinger, ihm einige Arbeiten im Haushalt abzunehmen. Der Pumuckl sieht seine große Stunde gekommen und will den Eder trösten und unterhalten. Frau Rettinger (brilliant: Erni Singerl) gehört zu jenen abergläubischen Menschen, die in allem ein positives oder negatives Vorzeichen sehen und sämtliche Geschehnisse ihren Bedürfnissen entsprechend deuten müssen. Als Meister Eder dem Pumuckl fälschlicherweise sagt, dass man abergläubische Menschen nur durch Gegenbeweise von ihrem Aberglauben heilen könne, ist dieser wild entschlossen, Frau Rettinger zu "rettingen". Dadurch werden Pumuckl und Frau Rettinger - ohne es zu ahnen - zu einem solch perfekt eingespielten Chaos-Team, dass die halbstündige Episode fast ohne Erzähler auskommt - und man nach wenigen Minuten mit dem Meister Eder mitfühlt, dessen Genesungsprozess so natürlich nur in die Länge gezogen wird!

Nachdem der Pumuckl mitbekommen hat, dass alle Kinder in die Schule gehen, muss er dies - gegen Eders ausdrücklichen Wunsch - natürlich auch tun. Anfangs ist er begeistert vom Vorsagen und den Gedichten; er kann ja nicht ahnen, dass der Quatsch, den er dort aufschnappt, qualitativ gar nicht so weit von dem entfernt ist, was er dem Meister Eder in der Pause davon berichtet. Nachdem er fast im Mülleimer kleben geblieben wäre und die Lust an der Schule wieder verloren hat, bleibt ihm die Erkenntnis, dass er sowieso viel zu schlau für die Schule ist - und den Schülern bleibt viel Trubel erspart.

Michael Lenz, der sonst sehr sympathische Rollen spielt, gibt hier einen derart unsympathischen Lehrer, der seinen Schülern grundsätzlich Faulheit, Feigheit und sonstige schlechte Absichten unterstellt und sie mit pädagogischen Steinzeitmethoden wie kollektiven Strafarbeiten gängelt, dass man erstens auf seine schauspielerischen Fähigkeiten schließen kann und vielleicht auch darauf, dass er sich hier einen Pauker von der Seele spielt, unter dem er selber mal zu leiden hatte. So gesehen ist die Idee natürlich amüsant, die Episode vom "Pumuckl in der Schule" aber eine der etwas unerfreulicheren.


The Beatles: Die Geschichte ihrer Musik
The Beatles: Die Geschichte ihrer Musik
von Mark Hertsgaard
  Gebundene Ausgabe

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schlampig recherchiert, 10. Mai 2010
Nach eigener Aussage hat Mark Hertsgaard dieses Buch geschrieben, um der "nachlässigen Arbeit" vieler Journalisten etwas entgegenzusetzen: "Letztlich waren es die schlampig recherchierten (...) Beatles-Bücher, die mich dazu brachten, mein eigenes zu schreiben" (S. 353); er ärgert sich über die selektive Wahrnehmung vieler Buchautoren und darüber, dass sie in den wenigsten Fällen ihre Schlussfolgerungen durch Quellenangaben belegen und beklagt, wie selbst kleine Unterschiede bei der Wiedergabe eine Aussage erheblich verändern können. Zu meinem großen Ärgernis hat er selber genau diese Prämissen derart mit Füßen getreten, dass ich alle betreffenden Stellen im Buch mit Textmarker gekennzeichnet habe, was das Buch stark einfärbte. Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich so geärgert hat, die Lektüre wimmelt von so vielen Halb- und Unwahrheiten auf mehreren Ebenen, dass es mir seit dem Erwerb des Buches (1996) ein Bedürfnis ist, die wichtigsten von ihnen zu benennen.

Dem Dilemma mit den fehlenden Quellenangaben versucht Hertsgaard mit einem sehr löblichen, 100-seitigen Anhang zu begegnen; leider findet sich auch hier schlampig Recherchiertes: "I wanna be your Man" war nicht "der erste Song, den die Stones aufnahmen" (S. 384), sondern ihre 2. Single. Aus "She's a Woman" macht Hertsgaard "She's a Girl" (!) (S. 417), aus "Her Majesty" "Your Majesty" (S. 445), und in der Diskographie fehlt die Single We can work it out/Day Tripper.

Vorab stimmt schon nicht, dass Hertsgaard, wie der Verlag behauptet, "als bisher einziger Außenstehender die Möglichkeit" hatte, alle (Mehrspur-)Bänder der Beatles in den Abbey Road-Archiven zu hören; nach eigener Aussage hat er ca. 50 der vorhandenen 400 Stunden Studiobänder gehört, was ihn nicht davon abhält, angeberisch mit den gewonnenen Einblicken zu jonglieren und sie recht frei zu interpretieren - so, als ob nicht bereits Mark Lewisohn sämtliche dieser Informationen akribisch in "The Complete Recording Sessions" dokumentiert hätte. Interessant wird es allerdings, wenn er Studiokonversation zwischen John, George und Ringo während der Sessions zu "Plastic Ono Band" wiedergibt (S. 340f).

Außerdem leidet das Buch unter der deutschen Übersetzung von Willi Winkler (wie nicht erst der Vergleich mit der englischen Originalausgabe zeigt). Mein Lateinlehrer forderte immer: "So nah am Text wie möglich übersetzen, so frei wie nötig!" Das war mir oft zu eng, aber Winkler scheint diese Forderung manchmal genau umgekehrt umzusetzen. Anders ist nicht zu erklären, wie er "he blew his mind out in a car" ("er hauchte seinen Geist in einem Auto aus") mit "er fuhr sich mit seinem Auto um den Verstand" übersetzen konnte oder "working like a dog" mit "Hundearbeit" (S. 94). "Chasing paper, getting nowhere" ist nicht einfach eine "ziellose Schnitzeljagd" (S. 303). Es ist kein "Freier", der in "No Reply" am Haus seiner Angebeteten abgewiesen wird (S. 122). "Something in the WAY she moves" hat nicht allein mit "ihrem GANG" (S. 137), sondern mit der ART zu tun, wie sie sich bewegt. Lennon und McCartney sind nicht zu Day Tripper "gezwungen worden" (S. 171), das hätte mal jemand versuchen sollen; sie räumten lediglich später ein, den Song - im Gegensatz zum inspirierten We can work it out - eher "forciert", also wie eine (selbstauferlegte) Auftragsarbeit angegangen zu sein. Die Gitarren klangen in einigen Ohren "fuzzy", also "angezerrt" - aber keineswegs "verschwommen!" "She was buried along with her name" heißt nicht "mit ihr stirbt ihr Name" (S. 205), sondern "sie wurde zusammen mit ihrem Namen beerdigt". "I need to laugh" heißt einfach "ich muss lachen", nicht "ich muss lachen können" (S. 209). "Why in the world are we here?" (aus "Instant Karma!") kann man auch gleich mit "warum um alles in der Welt sind wir hier?" übersetzen statt "warum um Himmels willen..." (S. 227).

Zu den faktischen Fehlern:

Hertsgaard zeigt sich erstaunt, wieviel "musikalische Erfahrungen und Gefühle" der Song "A Day in the Life" "auf einem Raum von nur drei Minuten" enthält (S. 237), die Tatsache völlig ignorierend, dass dieser Song - der seinem Buch immerhin den Titel gibt! - zusammen mit Within you without you der erste Beatlessong war, der die FÜNF-Minuten-Grenze überschritt. Für ihn "drängt sich" verallgemeinernd beim Schlussakkord "im Kopf zuallererst das Bild der sich allmählich ausbreitenden unheimlichen Stille nach einer Atombombenexplosion auf" - das habe ich, seit ich die Beatles 1978 kennenlernte, nie so empfunden und auch niemand, den ich kenne.

Außer Hertsgaard fügte noch kein Autor ein Komma bei "Hey, Jude" ein. Es ist nicht "der längste Song, den die Beatles je herausgebracht haben" (S. 279), das ist "Revolution 9" oder, wenn man den nicht als Song werten will, immer noch "I want you (She's so heavy)". "Baby's in Black" war keineswegs ein "unbedeutendes Stück" (S. 123), im Gegenteil: kein andere Beatleskomposition kann sich rühmen, über einen so langen Zeitraum ('64-'66) ihr Live-Repertoire geziert zu haben. Ob "Yesterday" "gleichauf mit Lennons 'Help!' (...) den besten Text, den Paul je geschrieben hat", enthält (S. 151), darf stark bezweifelt werden. Lennons Beschreibung des Entstehungsprozesses von Michelle "widerspricht" keineswegs der "verbreiteten Annahme bei Beatles-Fans, dass der Sänger eines bestimmten Songs diesen auch geschrieben habe" (S. 130). Hertsgaard dürfte der einzige sein, den McCartneys Gesang in "That means a Lot" an den balladesken Gesangsstil in "Till there was you" erinnert (S. 148). Es war McCartney, nicht Lennon, der die Auflösung der Beatles verkündete (S. 165). Das Eingangsriff von "If I needed someone" ist nicht "mit elektronischen Effekten verändert" (S. 174), sondern einfach mit einer zwölfsaitigen Rickenbacker eingespielt worden. Wie bei Lewisohn (s.o.) nachzulesen, war es nicht Francois Truffauts, sondern Bernard Hermanns Filmmusik (aus Hitchcock-Filmen), dessen rhythmische Streicherarrangements George Martin zum Arrangement von Eleanor Rigby inspirierte (S. 205f). Lennon hat "Cry Baby cry" rückblickend vielleicht abgetan, aber nie bestritten, es überhaupt geschrieben zu haben (S. 292).

Harrison bat Clapton nicht, das Solo bei "While my Guitar gently weeps" zu übernehmen, "um sich für die Apathie und die Streiterei der anderen Beatles zu rächen" (!) (S. 283), sondern um ein ausgleichendes Element einzubringen, das die anderen dazu bringen würde, sich etwas zusammenzureißen. Schwer nachzuvollziehen, dass es sich bei "Wild Honey Pie" (0:53) gegenüber dem gut achtmal so langen "Revolution 9" "um die extremste Maßlosigkeit des (Weißen) Albums" handeln soll (S. 287). Lennon lobte an "Come together" nicht McCartneys Klavier-, sondern sein Bassspiel (S. 328). Unsinn ist, dass Paul "zwar sonst Rechtshänder, auf der Gitarre aber Linkshänder" ist (S. 32). "Die erfolgreichste Single in der britischen Geschichte" (S. 66) war "She loves you" m. W. lediglich bis zu "Hey Jude" - und später bis zu "Mull of Kintyre". "I want to hold your Hand" beginnt sehr energetisch und keineswegs "wie ein gemächlicher Spaziergang die Straße hinunter" (S. 68). Ein früher Synthesizer (der Moog) kam erst ab "Abbey Road" zum Einsatz, nicht bereits bei "I am the Walrus" (S. 182). Lennon legte sich für den Gesang von "Revolution 1" auf den Rücken, nicht aber für "Revolution" (S. 192) - das hätte auch er nicht hinbekommen! Seite 2 der "Abbey Road"-LP klang noch nie "wie ein einziges langes Stück" (S. 194/324): selbst unter Weglassung von Here comes the Sun, Because und Her Majesty bleiben immer noch ZWEI Medleys übrig.

Hertsgaard scheint zudem äußerst rare Pressungen von Beatles-Alben zu besitzen: Seite 2 des "Weißen Albums" beginnt bei ihm mit "While my Guitar gently weeps" (S. 288) und Seite 2 von "Let it be" mit "Maggie Mae" (S. 307).

Zu den musikalischen Aspekten:

Es ist Unsinn, dass die Akkorde von "Day Tripper", "We can work it out", "Norwegian Wood", "I'm looking through you", "Nowhere Man" und "In my Life" "einfacher nicht denkbar" waren (S. 167ff.), schließlich reden wir hier nicht über "Love me do". Schlimm wird es, wenn Hertsgaard, offenbar Hobbygitarrist, darüber schwadroniert, wie einfach McCartney und Lennon das Komponieren von "We can work it out" gefallen sein muss und dabei die zahlreichen Harmonien des Mittelteils unterschlägt (s.d.). "Twist and Shout" hat denn auch drei Akkorde, nicht zwei (S. 40). Das Geschwafel über die Harmoniewechsel im Mittelteil von "Here comes the Sun" ist ebenfalls ärgerlich. Dies war auch nicht "der einzige Song auf Abbey Road, bei dem John mit keinem Ton beteiligt war" (S. 335) - da bleiben noch vorneweg "Her Majesty", "Golden Slumbers" und "Carry that Weight". "A hard Day's Night" endet nicht "damit, dass die einzelnen Noten des Auftaktakkordes einzeln gespielt werden" - der erste Akkord ist ein G4/7, die Schlusstöne modulieren um einen F9 herum. Diese Ausblende wäre auch keinesfalls bei den Zweispuraufnahmen der ersten beiden LPs technisch "undenkbar gewesen" (S. 92). "Here, there and everywhere" kann nur jemand als "Inbegriff an Einfachheit" (S. 207) zitieren, der die Akkorde im Intro und im Mittelteil ignoriert.

Hertsgaard schafft es zu allem Überfluss wie kein Zweiter, bei zahlreichen Songzitaten Fehler einzubauen, die einem Muttersprachler einfach nicht unterlaufen dürfen:

Aus "love was more than just holding hands" wird bei Hertsgaard "love IS more..." (S. 95). Harrisons nostalgischer Rückblick-Song von '87 heißt explizit "When we WAS fab", nicht "When we WERE fab" (S. 110). Bei "I know that she's no peasant" vergisst Hertsgaard das "that", aus "turns me on when I get lonely" wird bei ihm "feel lonely" (S. 120), "you refuse to even listen" zitiert er aus "I'm looking through you" anstatt aus "You won't see me" (S. 177). Wie Hertsgaard aber die Zeile "whole world in a plan" bei "Love you to" heraushört (S. 206), wird mir immer ein Rätsel bleiben, ebenso wo er die Worte "it's too late" in "The long and winding Road" hernimmt (S. 308).

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass Hertsgaard einen Abriss über die Geschichte der Beatles hinlegt unter Einbeziehung ihrer Musik undsoweiterundsofort; das Lesen wird einem Beatles-Kenner wegen der zahlreichen Fehlinformationen und -interpretationen aber ziemlich verleidet, und Einsteigern würde ich deshalb dringend andere Bücher ans Herz legen. Ich habe im Laufe der letzten dreißig Jahre viele Beatlesbücher gelesen, gute wie schlechte; aber keines scheitert so grandios an seinem eigenen Anspruch wie "A Day in the Life".
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 13, 2015 1:13 AM CET


02:das Neue Badezimmer/das Schlossgespenst
02:das Neue Badezimmer/das Schlossgespenst
Preis: EUR 5,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Habt ihr schon mal was von Schlossgespenstern gehört? Sicher.", 9. Mai 2010
Meister Eder stellt fest, dass sein Bad dringend renovierungsbedürftig ist, rechnet aber nicht damit, dass die von ihm angedachten Handwerker, der Installateur Lechner und der Fliesenleger Ramsauer, Zeit dafür haben werden. Aus Dankbarkeit für das neue Bett, das Eder ihm (in Folge 1) geschreinert hat, hat der Pumuckl in Sekunden eine Idee, wie er seinem Meister Eder zu dem neuen Bad verhelfen kann: er stattet beiden Handwerkern und ihren Ehefrauen einen Kurzbesuch ab und erreicht jeweils durch seinen Schabernack, dass beide mit Reparaturaufträgen zu Meister Eder in die Werkstatt kommen, wo man sich einigt, dass doch die eine Hand die andere waschen könne, wodurch die beiden umgehend zu ihrem neuen Bad kommen.

Diese Idee ist so knuffig, dass man über die Ungereimtheiten hinwegsieht: die meisten Pumuckl-Folgen leben davon, dass der kleine Kobold im wahrsten Sinne des Wortes immer erst in den Brunnen (oder wie in diesem Falle in die Wanne) fallen muss, um einzusehen, dass Meister Eder mit seinen Warnungen Recht hatte. Er ist zwar pfiffig, aber normalerweise käme Pumuckl nicht allein und in Sekundenschnelle auf eine so komplexe Idee, die dann auch noch am selbem Tag Früchte trägt; auch wäre der Kobold logistisch überfordert, schließlich ist er noch nicht lange beim Meister Eder und kann die beiden Handwerker weder anhand von Straßen- noch von Namensschildern ausfindig machen.

Als eine der wenigen Pumuckl-Geschichten hat "Das neue Bad" zwei aufeinander folgende Handlungsstränge: nach einem Streit badet Pumuckl alleine in der neuen Badewanne und wird erst dank Eders Intuition kurz vorm Ertrinken von ihm gerettet. Dies ist so realistisch dargestellt, dass es vor allem kleinere Hörer ängstigen könnte.

"Pumuckl und das Schlossgespenst" ist eine der vergnüglichsten Pumuckl-Geschichten, in der dieser sich in einer Kommode in die Stadtwohnung der Gräfin Zur Linden transportieren lässt, um vor Ort die Ritterrüstungen und vor allem die Uhren zu inspizieren und letztendlich den Diener der Gräfin, Jakob, doch noch dazu zu bringen, an Kobolde zu glauben. Mir gefällt diese Geschichte besonders, weil Eder, anders als in den meisten Fällen, ganz locker bleibt, obwohl der Pumuckl gegen seinen Willen in die Wohnung der Gräfin gefahren ist, und sich um den Pumuckl in dem Vertrauen, dass er ihn wieder mitnehmen können wird, sobald dieser seine Neugier gestillt und genug Schabernack getrieben hat, keinerlei Sorgen macht.

Alle Nebenrollen der Pumuckl-Folgen (Kunden, Nachbarn, Kinder, Hausmeister, Zugehfrau, Verkäuferinnen etc.) werden von einer überschaubaren Schauspielergruppe gesprochen, was ausgezeichnet funktioniert; im "Schlossgespenst" glänzt Regisseur Alexander Malachovsky als vornehmer, dienstbeflissener, abergläubischer und leicht vertrottelter Diener Jakob.

Ellis Kaut stellte den Pumuckl in Buchform bereits in den Sechzigern vor, und entsprechend angestaubt fällt das Rollenverhältnis der oben genannten Ehepaare aus: die Ehemänner wissen alles besser, belehren ihre Frauen und lassen sich gerne von ihnen bedienen; diese wiederum verbitten sich zwar den Vorwurf der Schlampigkeit im Haushalt, ansonsten aber lenken sie um des lieben Friedens Willen ein. Ein bisschen unangenehm wird es auch immer, wenn Ellis Kauts moralischer Zeigefinger auftaucht wie am Ende der Geschichte mit dem neuen Bad: "Da sieht man wieder einmal, wo Eigensinn hinführen kann."


Meister Eder und sein Pumuckl, Folge 1: Spuk in der Werkstatt / Das verkaufte Bett
Meister Eder und sein Pumuckl, Folge 1: Spuk in der Werkstatt / Das verkaufte Bett
Preis: EUR 5,99

20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meister Eder trifft seinen Pumuckl, 8. Mai 2010
Eine meiner ersten Kinderschallplatten Anfang der Siebziger war "Spuk in der Werkstatt/Pumuckl soll Ordnung lernen". Zu dieser Zeit wurde Meister Eder noch von Alfred Pongratz gesprochen. Anfang der Achtziger wurden alle Pumuckl-Folgen parallel zur damals erfolgreichen Fernsehreihe (mit einem Zeichentrick-Pumuckl) neu aufgelegt, diesmal mit Gustl Bayrhammer als Ersatz für den verstorbenen Alfred Pongratz. (Den nervigen Titelsong "Hurra, hurra, der Pumuckl ist da" lasse ich beim Überspielen fürs Auto jedesmal weg.) Bayrhammer und Hans Clarin als Pumuckl waren auch ein toll eingespieltes Team, aber Pongratz als "Ur-Eder" war doch noch eine Spur gemütlicher, uriger und in den richtigen Momenten polternder, und das sage ich nicht nur aus nostalgischen Gründen. (Wenn ich die alten Folgen mit Alfred Pongratz hören will, muss ich mich auf Flohmärkten umtun.)

Ich habe Hans Clarin in vielen (teilweise erstaunlich seichten) Fernsehsendungen und als Hörspielsprecher mitbekommen (er war z.B. auch als "Hui Buh" großartig), aber der Pumuckl war einfach seine Paraderolle, in der er einzigartig und unersetzbar bleibt, wie folgende kleine Anekdote unterstreicht: Als ich meinem Sohn im Alter von 4 Jahren erzählte, dass die Rollen auf den Pumuckl-Platten von erwachsenen Sprechern aufgenommen werden - auch der Pumuckl -, fragte er mich empört: "Und wie ist der so klein geworden?!"

Es ist über 30 Jahre her, dass ich oben genannte Schallplatte -zigmal gehört habe, aber beim ersten Hören der Neueinspielung von "Spuk in der Werkstatt" fiel mir sofort auf, dass sie um die Szene, in der Pumuckl im Haushalt des Ehepaares Bernbacher Verwirrung stiftet, erweitert wurde, was diese Erstfolge mit 28 Minuten Laufzeit zu einer der längeren macht.

Mich hatte immer gestört, dass auf der 2. LP-Seite gleich die Geschichte "Pumuckl soll Ordnung lernen" kam: kaum kennengelernt, schon setzen die ersten heftigen Erziehungsmaßnahmen ein. Für die Neuauflage hat man statt dessen die nette Folge "Das verkaufte Bett" genommen, in der Eder dem Pumuckl ein eigenes Bettchen schreinert, das in er Nachbarschaft so gut ankommt, dass er gegen seinen Willen noch ein paar weitere anfertigen muss, weil er eben auch schlecht nein sagen kann. Damit wäre zumindest die Frage geklärt, wo der Pumuckl schläft, in weiteren Folgen erfahren wir auch von seiner Schiffsschaukel, was er gerne isst und an Kleidung braucht. Dass einige Fragen unbeantwortet bleiben müssen, liegt wohl in der Natur der Sache, z.B. wer seine Eltern sind bzw. woher er überhaupt kommt (wir erfahren nur, dass er "ein Nachfahre der Klabauter" ist), was er bisher so gemacht hat und wie alt er ist (die kleine Person eint in sich je nach Bedarf einen kombinierten Entwicklungsstand irgendwo zwischen 3 und 10 Jahren), wo er sein Geschäftchen verrichtet oder was Eder anstellen würde, sollte der kleine Kobold (der für sein Leben gern Süßes isst, für jede Zahnbürste aber zu klein ist) mal Zahnweh bekommen... das nur am Rande.

Für Pumuckl ist man nie zu alt, ich habe im Laufe der Jahre alle Folgen gesammelt und stöbere weiterhin nach den alten Cassetten. Die vorliegende 1. Folge ist unerlässlich für alle "großen Kinder" wie für die kleinen!


Mairegen
Mairegen
Preis: EUR 7,99

215 von 221 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Drachenblut, 7. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Mairegen (Audio CD)
Auf seiner Homepage bittet Reinhard Mey um Verständnis dafür, dass er angesichts seiner familiären Situation (sein Sohn Max liegt seit letztem Jahr im Wachkoma) bei diesem Album auf Medienpräsenz verzichtet, und er hat natürlich Recht mit seinem Hinweis, dass sich seine Lieder wachen Hörenden sowieso von selbst erklären. Er schreibt auch: "...das Schreiben, die Musik und die strenge Struktur der Arbeit haben mir Halt gegeben." Nun taucht ja Reinhard Meys Portrait auf vielen seiner Alben auf, aber sein Gesichtsausdruck auf dem Cover von "Mairegen" sagt alles.

Gleichzeitig macht das Album deutlich, dass Mey sich nicht von Trauer und Sorge überwältigen lassen will, wie der letzte Satz des Albums in "Was keiner wagt" (einem von Konstantin Wecker vertonten Text von Lothar Zenetti) zum Ausdruck bringt: "Wo alles dunkel ist, macht Licht." Es war zu erwarten, dass das Album nicht witzig ausfallen würde; "Mairegen" ist von einer angenehm nachdenklichen Ruhe und Besinnlichkeit geprägt, ohne jedoch depressiv zu wirken, es wird an keiner Stelle laut und ist mithin nicht nur eins von den Mey-Alben mit dem meisten Tiefgang, sondern auch mit den sparsamsten, homogensten Arrangements in seiner Karriere seit langem, mindestens seit "Farben" (1990) (und erhöht so einmal mehr den Kontrast zum von mir wenig geschätzten Vorgänger "Bunter Hund").

Der Anteil an Songs, die von Erinnerungen handeln, ist höher als üblich ("Das erste Mal", "Gute Seele", "Mairegen", "Rotten Radish Skiffle Guys" (eine Reminiszenz an die Band seiner Jugend), "Spring auf den blanken Stein", "Das Butterbrot"), in ihnen klingt die stützende Funktion an, die sie für ihn im Laufe des Jahres, das er an den Songs schrieb, hatten.

Reinhard Mey scheint - zwangsläufig - näher bei sich zu sein: das einzige Liebeslied an seine Frau, "Wir sind eins", rührt trotz oder gerade wegen seiner Unsentimentalität. Mit "Antje" findet sich wieder ein liebevolles Portrait einer "ganz normalen" Frau, das überzeugender wirkt als etwa der thematisch ähnlich gelagerte Titelsong "Rüm Hart" von 2002.

"Gegen den Wind", "Gute Seele" und "Was keiner wagt" sind Appelle, seine Individualität zu leben, den Mut nicht zu verlieren und gegen den Strom zu schwimmen oder anders gesagt: "Fliegen kannst du nur gegen den Wind."

In "Larissas Traum" geißelt Mey in stillen, dafür umso treffenderen Worten die deutsche "DSDS"-Brot und Spiele-(Un-)Kultur, weniger die Mentalität der Kandidaten als viel mehr die der "drei Juroren" und nicht zuletzt auch der glotzenden Masse, die diese Shows überhaupt erst finanziert und möglich macht. Ich finde es unglaublich, welche Wucht, welche analoge Aussagekraft über die Lage der Nation in der Doppeldeutigkeit der Refrainzeilen "...Deutschland kanzelt ab (!), (...) Deutschland will nur spielen, Deutschland tut doch nichts" liegt.

Wie zu erwarten, hat Reinhard Mey auch ein Lied an seinen Sohn geschrieben: Mit dem Titel "Drachenblut" assoziiere ich den verzweifelten Wunsch, sein Sohn Max - oder er selber - mögen so unverletzlich sein wie Siegfried in der Nibelungen-Sage, dessen Bad in Drachenblut ihn (bis auf eine blattgroße Stelle) so gut wie unbesiegbar machte. Eine tiefe innere Zerrissenheit kommt zum Ausdruck, wenn er einerseits von der "Entschlossenheit, dich in die Welt zurückzulieben" singt, um den Refrain hingegen mit der Zeile "mein fernes, mein geliebtes Kind, schlaf ein" zu beenden. Ich habe den Songtext einer Freundin vorgelesen und hatte allein dabei mit Tränen zu kämpfen, selten hat ein Lied mich so berührt wie dieses. Dies umso mehr, als ich erst heute alte Songs wie "Kleiner Kamerad" oder "Du bist ein Riese, Max" hörte, die Mey über seine Söhne schrieb, als diese noch Kleinkinder waren. "Drachenblut" ist für mich der stille Titel des Albums.

Im Herbst 2011 wird Reinhard Mey mit diesen Liedern auf Tournee gehen; wie eine Mitrezensentin schrieb, ist es schwer vorstellbar, ob und wie "Drachenblut" darunter sein kann.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 12, 2011 6:15 PM CET


Yellow Submarine Songtrack
Yellow Submarine Songtrack
Wird angeboten von XXAXX
Preis: EUR 12,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vertraute Beatles-Songs in aktualisiertem Stereoklang, 5. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Yellow Submarine Songtrack (Audio CD)
Ich war schon glücklich, dass der Film "Yellow Submarine" 1999 endlich auf DVD erschien und dass analog dazu das Konzept der Original-LP komplett überarbeitet wurde: es machte Sinn, alle 15 im Film vorkommenden Beatles-Songs auf ein Album zu packen (den Soundtrack von George Martin gibt's ja weiterhin auf dem alten Album). Ich hab mir die Platte dann auch noch in gelbem Vinyl gekauft.

Dass alle 15 Songs aber zusätzlich sehr sinnvoll neu abgemischt wurden, machte mein Glück perfekt. Beatles-Toningenieur Geoff Emerick äußerte sich in seinem Buch "Du machst die Beatles!" zwar kritisch (vermutlich wäre er selber gerne beim Abmischen beteiligt worden), aber dafür sagte George Harrison im Interview angetan, der Sound scheine jetzt wirklich aus dem ganzen Raum zu kommen. Zu seinem Wohlwollen dürfte der Tantiemenregen beigetragen haben: keine andere Einzel-LP der Beatles beinhaltet vier Harrisongs!

Anders als bei "Love" sieben Jahre später haben die Tontechniker nicht experimentiert, sondern die Songs am Vorbild der Originale neu abgemischt, d.h. es gibt keine völlig unbekannten Spuren zu hören, und auch die Laufzeiten orientieren sich beinahe sklavisch an denen der Original-Stereomixe. Damit hat man die Beatles-Songs nicht neu erschaffen oder gar übertrieben modernisiert, sie sind jetzt einfach besonders über Kopfhörer viel angenehmer zu hören; mit etwas Phantasie ist gut vorstellbar, dass diese Mixe bereits in den Sechzigern so hätten klingen können, wenn man denn dem Stereoformat bereits vor 1969 mehr Bedeutung beigemessen hätte.

In den meisten Fällen wurden Gesang und Rhythmusspur, wo immer möglich und sinnvoll, in die Mitte gelegt, was für mehr Druck sorgt, und die Mixe darum herum aufgebaut (leider gehen so allerdings die Nuancen in Pauls sorgfältigen Bass-Overdubs bei With a little Help und Lucy in the Sky etwas unter). Selbst die Ausnahmen überzeugen: Hey Bulldog klingt ungleich lebendiger; die Streicher von Eleanor Rigby gab's schon auf "Anthology 2" in Stereo zu hören; dort handelte es sich aber um eine sinnlose Karaoke-Version. Pauls Stimme klingt jetzt ergreifend klar und nicht mehr so belegt wie im Original-Stereomix. Da der mehrstimmige Gesang bei Nowhere Man gedoppelt vorlag, hat man ihn übers Stereopanorama verteilt und so eine elektrisierende Räumlichkeit erzeugt - was für ein Kontrast zum '65er Stereomix, bei dem die Band links lag und die Gesangsspuren samt Gitarrensolo auf die rechte Seite gequetscht wurden!

Endlich ist Georges Gitarre in With a little Help nicht mehr im Mix begraben, und seinem Only a Northern Song, in meinen Ohren immer einer der drögesten Beatles-Songs, kann ich im Stereomix erheblich mehr abgewinnen (das war allerdings schon auf der "Anthology 2"-Zweispur-Stereoversion so, die ohne Overdubs, dafür aber mit unveröffentlichter, alternativer Gesangsspur aufwartete). Die Klangeffekte in Yellow Submarine sind nun klarer, und Johns Echo in der letzten Strophe ist wieder vollständig zu hören (wie auch schon im originalen Monomix und dem auf der Real Love-Maxi-CD zu findenden Remix, der neben einer von Ringo gesprochenen Einleitung ungefähr doppelt so viele Soundeffekte aufwies wie die regulären Versionen). It's all too much klingt jetzt transparenter und nicht mehr so lärmig wie das Original. Einige Spezialisten hören gar bisher im Mix verborgene Bläsermotive; ich gehöre nicht zu ihnen und bedauere höchstens, dass man sich nicht hat entschließen können, die von Bootlegs bekannten Extrastrophen der achtminütigen Version wieder zu re-installieren.

Ich genieße auch die experimentellen Remixe auf "Love" sehr und kann mich dem Chor derjenigen nur anschließen, die fordern, den gesamten Beatles-Katalog, Weltkulturerbe hin oder her, im Sinne des "Yellow Submarine Songtrack" neu abzumischen, das ist kein Sakrileg - es ist einfach immer wieder Genuss pur, den altvertrauten Beatlessongs neue Feinheiten abzugewinnen! Die Neuauflage der CD von 2012 ist kein neues Remaster, das war aber auch nicht notwendig.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 30, 2011 11:08 AM MEST


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