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Rezensionen verfasst von
Toby Tambourine (Gießen)
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   

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Let It Be... Naked
Let It Be... Naked
Wird angeboten von kaleidoscope-music
Preis: EUR 16,16

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unmotiviert, 4. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Let It Be... Naked (Audio CD)
Im Januar '69, während das "Weiße Album" noch an der Spitze der Charts stand, trafen sich die Beatles zu erneuten Plattenaufnahmen unter dem Arbeitstitel "Get back". Nicht zuletzt auf Lennons Anregung hin, der von den ewig langen Sessions zu "Sgt. Pepper" und zum "Weißen Album" abgenervt war, standen diese diesmal unter der Prämisse: Alles wird live aufgenommen, keine Overdubs oder Studiotricksereien wie Edits etc. - "warts and all".

Nun hatten aber die bereits ein Jahr zuvor einsetzenden Risse im Bandgefüge ein Ausmaß angenommen, das sich - zumal die Beatles auch noch permanent für den geplanten begleitend entstehenden Film unter Kamerabeobachtung standen - einfach nicht mehr verbergen ließ und sich auch deutlich in stundenlangem lustlosen Rumjammen niederschlug. Immerhin bekamen die Beatles dabei trotz allem genügend hochwertige Aufnahmen für ein ganzes Album hin. Die beiden Erstversionen, die Glyn Johns den Beatles getreu ihren eigenen Vorgaben vorlegte, klangen eher wie die Bootlegs, die sie in den Folgejahren wurden, sie waren ihnen dann doch zu roh, und man verlor erstmal das Interesse an dem Projekt. Als klar war, dass die Aufnahmen für den anstehenden Film "Let it be" doch erscheinen sollten, beauftragten Lennon und Harrison Phil Spector, sich der Bänder anzunehmen.

Spector traf einige eigenmächtige Entscheidungen: er verlängerte I me mine und Let it be durch Schnitte und entfernte die Zeile "all I want is you" am Anfang und Ende von Dig a Pony, versah The long and winding Road, Across the Universe und I me mine mit üppigen Chor- und Orchester-Overdubs, zudem löschte er hierfür eine von zwei Gesangsspuren auf The long and winding Road, womit er das ursprüngliche Album-Konzept "verriet"; man muß ihm aber zugute halten, dass die Beatles mit ihren Overdubs selbst vom ursprünglichen Konzept abgewichen waren und dieser Mix größtenteils von ihnen selber abgesegnet wurde, und sogar Lennon war erleichtert, dass Spector die Aufnahmen so aufpoliert hatte, dass Glyn Johns' Fassungen nicht offiziell erschienen. Zudem finde ich The long and winding Road auch nicht stärker überorchestriert als Good Night auf dem "Weißen Album". Lennon und Harrison waren offenbar von Spectors Arbeit so überzeugt, dass beide ihn für weitere Soloalben engagierten, und seien wir ehrlich - eins meiner Lieblingsalben, Harrisons "All Things must pass", ist von Spector hemmungslos über-koproduziert, ähnlich wie Across the Universe und stärker als I me mine, und wir lieben es trotzdem!

McCartney beschwerte sich später, die üppige Überorchestrierung von The long and winding Road sei ohne sein Wissen vorgenommen und veröffentlicht worden, und führte sie vor Gericht als "Trennungsgrund" mit an. Wenn er übergangen wurde, ist das bestimmt ärgerlich und sprach für die mangelnde Kommunikation innerhalb der Band; ich fand jedoch immer grotesk, dass er Geschmacksgründe geltend machte angesichts der zahlreichen Geschmacksverirrungen auf seinen Wings- u. Soloalben in den folgenden Jahrzehnten (vgl. z.B. We all stand together von 1984), und auch die verschiedenen Versionen, die er von The long and winding Road über die Jahre präsentierte, waren beileibe nicht immer kitschfrei.

Die Idee, "Let it be" als "Naked"-Version, also gewissermaßen "entschlackt", wiederzuveröffentlichen, war also nicht ohne Reiz. Die Unmotiviertheit, die die Beatles während der Aufnahmen an den Tag legten, scheint sich aber auf die Produzenten übertragen zu haben. Das fängt damit an, dass das Booklet, obwohl üppig, keinerlei Angaben zu den verwendeten Aufnahmen (Aufnahmedatum, Take-Nr. etc.) macht. Laut John Robertsons & Patrick Humphries' "Complete Guide to their Music" lauten diese:

1. Get back (28.1.'69)
2. Dig a Pony (Rooftop Version) (30.1.'69)
3. For you blue (Take 6, 25.1.'69; Vocal Overdub 8.1.'70)
4. The long and winding Road (Take 19, 31.1.'69)
5. Two of us (Take 12, 31.1.'69)
6. I've got a Feeling (Edit of Rooftop Versions 1 & 2) (30.1.'69)
7. One after 909 (Rooftop Version) (30.1.'69)
8. Don't let me down (Edit of Rooftop Versions 1 & 2) (30.1.'69)
9. I me mine (Take 16, 3.1.'70)
10. Across the Universe (Take 7, 4.2.'68)
11. Let it be (Edit of Takes 27A & B, 31.1.'69, Backing Vocal Overdubs 4.1.'70)

Natürlich zeigten sich Ringo und Paul erfreut (angesichts der Tantiemen hätten sie auch schwerlich meckern können); unklar blieb jedoch, warum dieser Remix überhaupt erschien und warum grade jetzt. Jemand schrieb, dank der digitalen Möglichkeiten habe man nun das Gefühl, man stehe mit den Beatles im Proberaum. Die Bänder wurden aber derart "trocken" abgemischt, dass ich eher den Eindruck habe, direkt vorm Mikro zu stehen, und das ist mir dann doch zu nah - jede Band benutzt im Proberaum zumindest etwas Hall.

Die Ansageschnipsel wegzulassen, die Spector teils willkürlich eingefügt hatte, um den Eindruck von Liveaufnahmen zu unterstreichen, war konsequent, aber unnötig - sie fehlen einfach. (Die schlecht produzierte Bonus-CD "Fly on the Wall" ist da kein Ersatz.) Konsequent auch die Entscheidung, bei Get back den Schlussteil (bekannt von der Singleversion) wegzulassen, der von einem anderen Take stammt. Unverständlich dagegen, warum Two of us und Across the Universe früher ausgeblendet werden mussten; und der Halleffekt, der am Ende von Across the Universe auftaucht, klingt eher nach digitaler Spielerei 2003 denn nach einem analogen Studioeffekt von '68. Immerhin läuft der Song hier zum ersten Mal in seiner Originalgeschwindigkeit - für die "Wildlife"-Version hatte George Martin das Tempo angezogen, Spector es für "Let it be" stark herabgesetzt. Bei For you blue durchläuft Georges Akustikgitarre - wie auch auf den einschlägigen Bootlegs - endlich wieder den ganzen Song, während sie auf "Let it be" nach dem Intro ausgeblendet worden war.

Don't let me down musste natürlich mit drauf, klar; Maggie Mae und Dig it wegzulassen, war ebenfalls nicht nötig, schließlich unterstrichen auch sie das ursprüngliche "Live"-Konzept. Ich hätte es auch konsequenter gefunden, von Dig a Pony und I me mine nicht die von Spector umgeschnittenen Versionen zu verwenden; hier waren eindeutig die Takes auf "Anthology 3" näher am Originalkonzept, wo I me mine und The long and winding Road ja auch bereits ohne Overdubs zu hören waren.

Dazu kommt, dass ich das originale "Let it be"-Album immer mochte (das "Weiße Album" ist qualitativ ebenfalls durchwachsen und dennoch populär) und einige der neuen Remixes mich nicht sooo umhauen... da hat mir "Love" (2006) dann wieder mehr Spaß gemacht. Ich freue mich immer, wenn etwas von den Beatles erscheint; im Falle von "Naked" hätte es aber deutlich mehr sein dürfen als 11 Songs in 35 Minuten Spielzeit. Für die relativ belanglose 21-minütige "Fly on the Wall"-Doku einen zweiten Silberling zu verschwenden, ist ärgerlich, das hätte locker noch hinten dran gepasst, und jeder CD-Spieler hat eine Stop-Taste.- Schade nebenbei, dass sich Hoffnungen nicht bewahrheiteten, "Let it be" könne begleitend endlich auf DVD erscheinen.


Let It Be (Remastered)
Let It Be (Remastered)
Preis: EUR 13,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "...ich hoffe, wir haben das Vorspielen bestanden!", 4. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Let It Be (Remastered) (Audio CD)
Ich konnte nie nachvollziehen, warum "Let it be" immer wieder gerne als schwächstes Beatles-Album bezeichnet wird - es ist nicht ihr stärkstes, aber ihr schwächstes ist eindeutig die Original-LP "Yellow Submarine". Ich mag das Album sehr. Der einzige etwas schwächelnde Song ist Georges For you blue, und selbst den mag ich, schon wegen seiner Unbekümmertheit. Ich mag auch das "Weiße Album", aber auch das hatte Aussetzer wie Wild Honey Pie oder Everybody's got something to hide (von Revolution 9 ganz zu schweigen!), "Let it be" hält dem Vergleich also locker stand. Beide Alben markierten den Zerfall der Beatles, den ich dem "Weißen Album" wegen seiner greifbaren Isoliertheit jedoch eher anhöre als "Let it be", auf dem sie immerhin einige Songs wieder gemeinsam live einspielten. Und nicht zuletzt waren sie immer noch für Klassiker wie Get back, The long and winding Road und den Titelsong gut.

Erstaunlich, wie kreativ die Beatles selbst kurz vor ihrem Auseinanderbrechen noch waren: bereits fünf Wochen nach dem Erscheinen des "Weißen Albums" trafen sie sich Anfang Januar '69 zu erneuten Sessions, die so viele neue Songs hervorbrachten, dass etliche von ihnen später nicht nur auf "Abbey Road" auftauchten (Octopus's Garden, I want you (She's so heavy), She came in through the Bathroom Window, Oh! Darling), sondern auch noch auf Lennons "Imagine", Harrisons "All Things must pass" und McCartneys gleichnamigem Soloalbum. Das Konzept - zugleich der Arbeitstitel - lautete "Get back", also: zurück zu den Wurzeln, keine Overdubs, vier Musiker, live, mit Fehlern und allem. Dass die Beatles Billy Preston zum Mitspielen einluden, war ein Glücksfall; dass dabei Kameras mitliefen, man schon ab 10 Uhr vormittags zu drehen begann und Yoko immer präsenter war, war den ohnehin bestehenden internen Spannungen zusätzlich abträglich. Die Beatles jammten viel ziellos herum und stritten, George verließ für ein paar Tage die Band, und all dies war dem Film auch anzusehen und auf den von Glyn Johns vorbereiteten Erstentwürfen des Albums zu hören, was John, George und Ringo bewog, Phil Spector mit der Überarbeitung der Bänder zu beauftragen.

Also waren es die Beatles selbst (zumindest drei von ihnen), die das Originalkonzept über den Haufen warfen, und offenbar waren sie mit dem Ergebnis so zufrieden, dass Harrison und Lennon Spector für die nächsten drei Jahre als Koproduzent engagierten. Wie Lennon später erleichtert feststellte, hatte Spector aus den "erbärmlichsten Sessions auf der Welt" etwas Vernünftiges erstellt. Wie der Vergleich mit "Anthology Vol. 3" zeigt, schnitt er das "All I want is you" am Anfang und Ende von Dig a Pony heraus, verlängerte I me mine (von 1:35 auf 2:25) und Let it be und versah I me mine, Across the Universe und The long and winding Road mit teilweise heftigen Orchester-Overdubs, was wiederum für Paul McCartney einen weiteren Trennungsgrund darstellte. Paul hat The long and winding Road im Laufe seiner Karriere, live und im Studio, mindestens sechsmal erneut veröffentlicht und sich dabei nie um entschlackte Versionen bemüht; ich konnte die Aufregung über diese "geschmacklosen" Overdubs von dem Mann, der später Quatsch wie We all stand together (bei dem ein Chor quakende Frösche imitiert!) fabrizierte, nie nachvollziehen. Da ging es wohl eher um verletzte Eitelkeiten.

Overdubs hin oder her, ich mochte den Song immer, wie er war: The long and winding Road ist mit seinem fast philosophischen Text einer der besten McCartney-Songs. Wie schon zu Yesterday kam ihm die Inspiration zu Let it be im Traum, eine verdiente Nr. 1-Single ebenso wie Get back, das sich aus einer Session heraus entwickelte.

Wie Beatles-Fans wissen, entstand "Let it be" unter höchst unerfreulichen Umständen; ich stimme Lennon jedoch zu, dass man dies der Phil Spector-Fassung nicht anhört: in Two of us singen Lennon und McCartney in alter Everly Brothers-Tradition einträchtig zweistimmig, und obwohl McCartney den Song über Linda und sich schrieb, hörte ich ihn doch immer als eine Botschaft an Lennon und sich selbst.

Drei Songs stammen vom berühmten Dach-Konzert am 30.1.'69: wie sehr die Beatles in nur sechs Jahren gereift waren, zeigt die Version ihres alten Gassenhauers One after 909 im Vergleich mit den Aufnahmen bei den Sessions zu From me to you am 5.3.'63 (s. "Anthology 1"). Lennon/McCartney mochten schon lange nicht mehr gemeinsam komponiert haben; Lennons Everybody had a hard Year fügte sich aber so genial in McCartneys I've got a Feeling ein, dass sie beide Teile übereinander singen konnten. Dig a Pony ist ein weiterer Lennon-Rocker mit Nonsens-Text und Wortspielen, textlich in der Tradition von I am the Walrus oder Happiness is a warm Gun.

Across the Universe, einer der besten Lennon-Songs überhaupt, lag seit den Lady Madonna-Sessions ein Jahr zuvor unveröffentlicht in der Schublade; zum Glück tauchte der Song im Film kurz auf, sodass er auch aufs Album musste. Dasselbe galt für Harrisons I me mine, das George, Paul und Ringo (ohne John) am 3.1.'70 extra für das Album einspielten; knapp 25 Jahre später trafen sie in dieser Besetzung wieder im Studio zusammen, um Lennons Free as a Bird zu vervollständigen.

Aufgenommen vor "Abbey Road", aber begleitend zum gleichnamigen Film erst im Mai 1970 veröffentlicht, hatte "Let it be" mit den vier getrennten Portraits das passende Abschieds-Cover; "Abbey Road" aber bleibt das eigentliche Abschiedsalbum der Beatles.


Magical Mystery Tour (Remastered)
Magical Mystery Tour (Remastered)
Preis: EUR 13,99

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The Walrus was Paul, 24. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Magical Mystery Tour (Remastered) (Audio CD)
Nach Brian Epsteins Tod Ende August '67 übernahm Paul McCartney die Führung in dem Versuch, die Beatles nicht aus dem Ruder laufen zu lassen, und das erste Projekt unter seiner Ägide war der Film "Magical Mystery Tour", der zu Recht floppte, das kann man auch über McCartneys Hinweis hinaus darauf, dass er ein tolles Video zu I am the Walrus enthält, nicht weiter schönreden.

Da die sechs Filmsongs Magical Mystery Tour, Your Mother should know, I am the Walrus, The Fool on the Hill, Flying und Blue Jay Way für eine LP nicht ausreichten, erschienen sie in England im ungewöhnlichen Format einer Doppel-EP. Ausgerechnet die amerikanische Plattenfirma Capitol, die bis zu "Sgt. Pepper's" Beatles-Alben zerpflückt, gekürzt und wild mit älteren Songs bestückt hatte, machte diesmal aus der Not eine Tugend und ergänzte die Filmsongs (in abgeänderter Songabfolge) mit den restlichen fünf '67er Beatlessongs, die bisher noch nicht auf LP erhältlich waren, den Singles Strawberry Fields forever/Penny Lane, All you need is Love/Baby you're a rich Man sowie der neuesten A-Seite Hello Goodbye, die auf der Doppel-EP nicht enthalten war, zu einer LP, die erst 1976 auch in England erschien, und schuf so eine sinnvolle Ergänzung zu "Sgt. Pepper's". "Magical Mystery Tour" war das letzte Dokument der verspielt-psychedelischen Phase der Beatles, die bei ihrem nächsten Studiobesuch im Februar '68 mit Songs wie Lady Madonna und Hey Bulldog ihre Rückkehr zu erdigem, schnörkellosem Rock'n'Roll einleiteten.

Die Aufnahmen zum Titelsong und zu drei der vier neuen Songs, die erst später im "Yellow Submarine"-Film und auf dem gleichnamigen Album auftauchten (was ihre Qualitätseinschätzung zum Ausdruck brachte), begannen bereits während der "Sgt. Pepper"-Sessions, nämlich All together now, Only a Northern Song und It's all too much. (Die Entstehung der späteren B-Seite von Let it be, You know my Name (Look up the Number), nahm hier ebenfalls ihren Anfang. 1967 war ein sehr kreatives Jahr für die Beatles!)

Die beiden Höhepunkte auf der "MMT"-Doppel-EP waren das melancholisch-philosophische The Fool on the Hill, dessen Text für McCartney ungewöhnlich tief geht, und besonders Lennons nicht schönes, aber geniales I am the Walrus, für mich der Abschluss seiner mit Strawberry Fields forever und A Day in the Life begonnenen psychedelischen Klassiker-Trilogie. Lennons alter Schulfreund Pete Shotton war beim Komponieren dabei und beschreibt, wie Lennon sich vor Lachen in die Hose machte bei der Idee, all denen, die seit Jahren auch noch in die nichtssagendsten Beatles-Texte tiefgründige Interpretationen hineinlasen, diesmal gezielt einen absoluten Nonsenstext an die Hand zu geben: I am he as you are he as you are me and we are all together... In Texten wie diesen und auch in den "bunten" Arrangements der Beatlessongs dieser Zeit kamen nicht zuletzt ihre Erfahrungen mit LSD zum Ausdruck.

Das Remaster von 2009 reproduziert (leicht abgeändert) das 28-seitige Booklet der Doppel-EP samt Songtexten, und das neue Mastering übertrifft das der klanglich etwas dünnen '87er Erstauflage bei weitem. Ein kleiner kosmetischer Eingriff ist am Ende von I am the Walrus zu entdecken, bei dessen Ausblende direkt nach "untimely death" (4'16) ein Knacksen entfernt wurde, das der Radioübertragung mit Shakespeares King Lear geschuldet war, mit der die Beatles den Song beim Abmischen unterlegten.

Der Titelsong ist nicht ganz auf Augenhöhe mit anderen Beatles-Klassikern, auch Your Mother should know ist eher netter McCartney-Durchschnitt. Das Instrumental Flying (der einzige Beatlessong, bei dem alle vier als Komponisten gelistet sind) erhebt gar nicht erst den Anspruch, mehr als Filmmusik zu sein, und Harrisons dröger Beitrag Blue Jay Way fällt trotz einer Fülle an Studiospielereien in dieselbe Kategorie wie sein schwerfälliges Only a Northern Song; man hört deutlich, dass 1967 kompositorisch nicht Harrisons bestes Jahr war (bei den "Sgt. Pepper"-Sessions war er eigenen Angaben zufolge "mit dem Herzen immer noch in Indien"). Dessen ungeachtet ist es mir unmöglich, einem Beatles-Album, das die fünf übrigen Beatles-Songs enthält, darunter die für viele beste Pop-Single aller Zeiten, Strawberry Fields forever/Penny Lane, weniger als fünf Sterne zu geben.

Eine perfekte und durchaus praktikable Lösung wäre es in meinen Augen allerdings gewesen, die gut 36 Minuten Spielzeit um den Monomix des Albums aufzustocken, anstatt diesen ausschließlich in der Mono-Box zugänglich zu machen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 20, 2012 3:21 PM MEST


Santana - Viva
Santana - Viva
DVD ~ Santana
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Viva Santana, 29. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Santana - Viva (DVD)
Diese Retrospektive (83 Min.) entstand und erschien parallel zur gleichnamigen Dreifach-LP/Doppel-CD, einem faszinierenden Rückblick über die ersten 20 Jahre von Santanas Bandgeschichte. Als visuelles Pendant darf sie nur als Begleiterscheinung gelten, sie ist dem Album aber keineswegs ebenbürtig, dafür erfolgte die Umsetzung viel zu halbherzig, obwohl immerhin Doors-Tontechniker Bruce Botnick für den Sound verantwortlich war! Die deutschen Untertitel sind sehr ordentlich ausgefallen.

Dabei stimmen die Ansätze: von den 17 gezeigten Songs (s. Produkt-Kurzbeschreibung) waren vermutlich lediglich She's not there und Peraza (beide San Francisco '85) auf der LP zu hören, die anderen sind interessante Mitschnitte von Fernseh- und Liveauftritten von 1969-1988, größtenteils in recht guter Qualität (nur bei Evil Ways gibt es Tonaussetzer, und Samba pa ti klingt recht dumpf). Nicht alle Songs werden dabei ausgespielt, bei einigen hat man in kurzen Abständen Fragmente aus diversen Gigs zusammengeschnitten, eine nette Spielerei. Über die Instrumentalpassagen der meisten Songs hat man den Audiokommentar des damals vierzigjährigen Carlos Santana gelegt, der sich zu den zu erwartenden Themen Jugend, Eltern, Highschool, Karriere, Plattenfirmen, Mitmusiker, Inspiration, sein Sohn Salvador, Politik, musikalische Einflüsse und natürlich Drogen und Spiritualität äußert. Dies mag man je nach Standpunkt als ärgerlich oder informativ empfinden; ich finde die DVD ganz nett, weil ich zum ersten Mal aus Santanas Mund selber etwas über sein Leben erfahre.

Fakt ist aber, dass heute ganz andere Maßstäbe gelten als 1988: man würde Santana und andere Bandmitglieder sowie Tontechniker, Journalisten, Manager etc. zeigen, viele Informationen zu Songs, Alben und Karriere bringen und die Songs ausspielen oder zumindest getrennt auf einer Bonus-DVD unterbringen; ich denke da z.B. an die Umsetzung auf Tom Pettys "Running down a Dream"-Retrospektive in Form einer Doppel-DVD samt Bonus-CD.

Als Nice Price-Produkt ist diese DVD aber eine kurzweilige Überbrückung, bis es soweit ist.


Santana - Viva Santana!
Santana - Viva Santana!
DVD ~ Carlos Santana
Preis: EUR 11,56

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Viva Santana, 29. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Santana - Viva Santana! (DVD)
Diese Retrospektive (83 Min.) entstand und erschien parallel zur gleichnamigen Dreifach-LP/Doppel-CD, einem faszinierenden Rückblick über die ersten 20 Jahre von Santanas Bandgeschichte. Als visuelles Pendant darf sie nur als Begleiterscheinung gelten, sie ist dem Album aber keineswegs ebenbürtig, dafür erfolgte die Umsetzung viel zu halbherzig, obwohl immerhin Doors-Tontechniker Bruce Botnick für den Sound verantwortlich war! Die deutschen Untertitel sind sehr ordentlich ausgefallen.

Dabei stimmen die Ansätze: von den 17 gezeigten Songs (s. Produkt-Kurzbeschreibung) waren vermutlich lediglich She's not there und Peraza (beide San Francisco '85) auf der LP zu hören, die anderen sind interessante Mitschnitte von Fernseh- und Liveauftritten von 1969-1988, größtenteils in recht guter Qualität (nur bei Evil Ways gibt es Tonaussetzer, und Samba pa ti klingt recht dumpf). Nicht alle Songs werden dabei ausgespielt, bei einigen hat man in kurzen Abständen Fragmente aus diversen Gigs zusammengeschnitten, eine nette Spielerei. Über die Instrumentalpassagen der meisten Songs hat man den Audiokommentar des damals vierzigjährigen Carlos Santana gelegt, der sich zu den zu erwartenden Themen Jugend, Eltern, Highschool, Karriere, Plattenfirmen, Mitmusiker, Inspiration, sein Sohn Salvador, Politik, musikalische Einflüsse und natürlich Drogen und Spiritualität äußert. Dies mag man je nach Standpunkt als ärgerlich oder informativ empfinden; ich finde die DVD ganz nett, weil ich zum ersten Mal aus Santanas Mund selber etwas über sein Leben erfahre.

Fakt ist aber, dass heute ganz andere Maßstäbe gelten als 1988: man würde Santana und andere Bandmitglieder sowie Tontechniker, Journalisten, Manager etc. zeigen, viele Informationen zu Songs, Alben und Karriere bringen und die Songs ausspielen oder zumindest getrennt auf einer Bonus-DVD unterbringen; ich denke da z.B. an die Umsetzung auf Tom Pettys "Running down a Dream"-Retrospektive in Form einer Doppel-DVD samt Bonus-CD.

Als Nice Price-Produkt ist diese DVD aber eine kurzweilige Überbrückung, bis es soweit ist.


The Who - The Kids Are Allright [Special Edition] [2 DVDs]
The Who - The Kids Are Allright [Special Edition] [2 DVDs]
DVD ~ Jeff Stein

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Jungs sind in Ordnung!, 28. März 2010
"The Kids are alright" ist nicht nur eine der besten der mittlerweile zahlreichen Who-DVDs, sondern eine der besten Rock-Dokus überhaupt. Rund 25 Who-Songs von 1965-1978 sind als Promofilme bzw. als TV- oder Livemitschnitte zu sehen, gewürzt mit diversen Interviewauszügen mit den Bandmitgliedern oder auch anderen Prominenten wie Ringo Starr. Sorgfältige bild- und klangtechnische Restauration bringt den Hauptfilm auf 109 Minuten Länge (zum 5.1-Mix kann ich mangels Anlage keine Angaben machen). Die Performance von Who are you zeigt Keith Moons letzte Studioaufnahmen und Won't get fooled again seinen letzten Liveauftritt mit den Who; er starb vor der Filmpremiere. Angesichts von Pete Townshends Hörproblemen finde ich die kurze Szene bezeichnend, in der er sich im Gespräch mit Keith Moon darüber kaputtlacht, dass ihm bereits Ende der Siebziger jemand riet, sich schon mal auf das Ablesen von Lippen vorzubereiten.

Meine DVD von 2004 weist nur englische Untertitel samt Songtexten auf. Das ausführliche Booklet ist angelehnt an das des '79 parallel zum Film erschienenen Soundtracks (die remasterte CD erschien 2000).

Richtig interessant wird die DVD zusätzlich durch die Bonus-Disc. Wegen des Fehlens jeglicher Untertitel muss man nicht nur auf diverse amerikanische und britische Akzente gefasst sein (besonders Daltrey macht es einem nicht ganz leicht), man sollte auch in Studiotechnik etwas bewandert sein. Dann allerdings macht die DVD richtig Spaß: Produzent, Colorist, Soundmixer und Editor der DVD demonstrieren, mit welchen digitalen Mitteln sie Bild und Ton restauriert haben, und in anschaulichen Vorher-Nachher-Vergleichen lassen sich die Ergebnisse bestaunen. Seit Mitte der Achtziger war nur eine VHS-Version erhältlich (die auch für die Laserdisc verwendet wurde), die ihrerseits eine Kopie der 3. oder 4. Generation und im Laufe der Zeit so beschleunigt worden war, dass der Film zehn Minuten eher fertig war, was u.a. zur Folge hatte, dass die Ansagen von TV-Moderatoren oder Daltreys Gesang stellenweise recht mickymausig klangen. Für die DVD wurde der komplette Mitschnitt von A Quick One (entstanden am 10.12.'68 beim Rock'n'Roll Circus der Stones) wieder re-installiert; kurioserweise scheint mir allerdings dessen Bildqualität auf dieser DVD schlechter zu sein als auf der Stones-DVD "Rock'n'Roll Circus" aus demselben Jahr.

Bei den beiden für den Film ausgewählten Songs Baba O'Riley und Won't get fooled again (Shepperton '78) kann man zwischen vier bzw. sechs verschiedenen Kameraeinstellungen wählen oder aber sich mittels der "Ox Cam" nur John Entwhistles Bassspiel anschauen und anhören, getrennt vom Bandsound; auch Nichtmusiker werden von Ehrfurcht ergriffen!

Die Bonbons sind die beiden Interviews mit zwei von drei möglichen Hauptpersonen (Townshend ist diesmal leider nicht dabei): im 25minütigen Interview mit Roger Daltrey erinnert sich dieser an die Explosion beim Auftritt in der Smothers Brothers Comedy Show '67, den Effekt, den der Rohschnitt des Films auf Keith Moon hatte, der dabei seinen körperlichen Verfall im Zeitraffer nachempfinden musste, und weckt (unverdient, wie sich herausstellen sollte) hohe Erwartungen an die damals im Entstehen befindlichen Aufnahmen zum ersten neuen Who-Album seit 1982, das 2006 als "Wire & Glass" erschien.

Schließlich äußert sich Regisseur Jeff Stein im Interview (29 Min.) zu seiner Idee, den Film auf die Beine zu stellen, die Who davon zu überzeugen und Sponsoren zu finden, Filmmaterial zu lokalisieren, die technischen Schwierigkeiten zu überwinden und letztendlich die Who davon zu überzeugen, "die definitive Version von Won't get fooled again" für seinen Film einzuspielen - was ihnen meiner Meinung nach auch gelungen ist!


The Who - The Kids are alright
The Who - The Kids are alright
DVD ~ The Who

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Jungs sind in Ordnung!, 28. März 2010
Rezension bezieht sich auf: The Who - The Kids are alright (DVD)
"The Kids are alright" ist nicht nur eine der besten der mittlerweile zahlreichen Who-DVDs, sondern eine der besten Rock-Dokus überhaupt. Rund 25 Who-Songs von 1965-1978 sind als Promofilme bzw. als TV- oder Livemitschnitte zu sehen, gewürzt mit diversen Interviewauszügen mit den Bandmitgliedern oder auch anderen Prominenten wie Ringo Starr. Sorgfältige bild- und klangtechnische Restauration bringt den Hauptfilm auf 109 Minuten Länge (zum 5.1-Mix kann ich mangels Anlage keine Angaben machen). Die Performance von Who are you zeigt Keith Moons letzte Studioaufnahmen und Won't get fooled again seinen letzten Liveauftritt mit den Who; er starb vor der Filmpremiere. Angesichts von Pete Townshends Hörproblemen finde ich die kurze Szene bezeichnend, in der er sich im Gespräch mit Keith Moon darüber kaputtlacht, dass ihm bereits Ende der Siebziger jemand riet, sich schon mal auf das Ablesen von Lippen vorzubereiten.

Meine DVD von 2004 weist nur englische Untertitel samt Songtexten auf. Das ausführliche Booklet ist angelehnt an das des '79 parallel zum Film erschienenen Soundtracks (die remasterte CD erschien 2000).

Richtig interessant wird die DVD zusätzlich durch die Bonus-Disc. Wegen des Fehlens jeglicher Untertitel muss man nicht nur auf diverse amerikanische und britische Akzente gefasst sein (besonders Daltrey macht es einem nicht ganz leicht), man sollte auch in Studiotechnik etwas bewandert sein. Dann allerdings macht die DVD richtig Spaß: Produzent, Colorist, Soundmixer und Editor der DVD demonstrieren, mit welchen digitalen Mitteln sie Bild und Ton restauriert haben, und in anschaulichen Vorher-Nachher-Vergleichen lassen sich die Ergebnisse bestaunen. Seit Mitte der Achtziger war nur eine VHS-Version erhältlich (die auch für die Laserdisc verwendet wurde), die ihrerseits eine Kopie der 3. oder 4. Generation und im Laufe der Zeit so beschleunigt worden war, dass der Film zehn Minuten eher fertig war, was u.a. zur Folge hatte, dass die Ansagen von TV-Moderatoren oder Daltreys Gesang stellenweise recht mickymausig klangen. Für die DVD wurde der komplette Mitschnitt von A Quick One (entstanden am 10.12.'68 beim Rock'n'Roll Circus der Stones) wieder re-installiert; kurioserweise scheint mir allerdings dessen Bildqualität auf dieser DVD schlechter zu sein als auf der Stones-DVD "Rock'n'Roll Circus" aus demselben Jahr.

Bei den beiden für den Film ausgewählten Songs Baba O'Riley und Won't get fooled again (Shepperton '78) kann man zwischen vier bzw. sechs verschiedenen Kameraeinstellungen wählen oder aber sich mittels der "Ox Cam" nur John Entwhistles Bassspiel anschauen und anhören, getrennt vom Bandsound; auch Nichtmusiker werden von Ehrfurcht ergriffen!

Die Bonbons sind die beiden Interviews mit zwei von drei möglichen Hauptpersonen (Townshend ist diesmal leider nicht dabei): im 25minütigen Interview mit Roger Daltrey erinnert sich dieser an die Explosion beim Auftritt in der Smothers Brothers Comedy Show '67, den Effekt, den der Rohschnitt des Films auf Keith Moon hatte, der dabei seinen körperlichen Verfall im Zeitraffer nachempfinden musste, und weckt (unverdient, wie sich herausstellen sollte) hohe Erwartungen an die damals im Entstehen befindlichen Aufnahmen zum ersten neuen Who-Album seit 1982, das 2006 als "Wire & Glass" erschien.

Schließlich äußert sich Regisseur Jeff Stein im Interview (29 Min.) zu seiner Idee, den Film auf die Beine zu stellen, die Who davon zu überzeugen und Sponsoren zu finden, Filmmaterial zu lokalisieren, die technischen Schwierigkeiten zu überwinden und letztendlich die Who davon zu überzeugen, "die definitive Version von Won't get fooled again" für seinen Film einzuspielen - was ihnen meiner Meinung nach auch gelungen ist!


Have a Little Faith
Have a Little Faith
Wird angeboten von Movie4U
Preis: EUR 9,50

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Summer in the City, 26. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Have a Little Faith (Audio CD)
Hatte Cocker auf "Night Calls" bezüglich der Songauswahl und der Einspielungen noch recht unbeteiligt auf mich gewirkt, war er 1994 bei "Have a little Faith" wieder voll da. Das lag an drei Faktoren: Cocker hatte seine Band - bis auf seinen alten Freund aus der Anfangszeit, Chris Stainton - komplett ausgetauscht, er schien an der Songauswahl mit dem Herzen beteiligt gewesen zu sein, und so sang er sie auch: unter den 13 Songs ist kein einziger Ausfall zu finden, und Balladen und Rocker halten eine ausgewogene Balance. Einen der stärksten Songs auf dem Album, Angeline, schrieb er gemeinsam mit Tony Joe White, was sein Engagement umso mehr verdeutlicht, als er nur alle paar Jahre als Co-Autor in Erscheinung tritt.

"Have a little Faith" warf gleich vier Singles ab, die das Album eröffnen: den Titelsong, The simple Things, Let the Healing begin und vor allem Cockers schmissiges Cover des Lovin' Spoonful-Hits Summer in the City, das den Sommer '94 so gut aufgriff, dass ich das Autoradio gerne lauter drehte! Ein weiteres starkes Cover ist Robbie Robertsons Out of the Blue von The Band's "Last Waltz". Auch das rockige Hell and High Water ragt heraus.

Als Bekka Bramlett noch ein Baby war, sang Cocker im Chor auf dem Album "Motel Shot" ihrer Eltern Delaney & Bonnie mit, und Joe und Bekka beschließen das Album mit dem Duett Take me home. (Bekka Bramlett sprang übrigens ein Jahr später auf Fleetwood Macs unterirdischem Album "Time" für Stevie Nicks ein; ein undankbarer Job!) Ihre Stimme ähnelt der ihrer Mutter, nur dass sie ihr Vibrato besser im Griff hat. Auf den Maxi-CDs The simple Things ('94) und später My Father's Son (2000) erschien noch ein Duett aus dieser Zeit, My strongest Weakness, diesmal mit Bonnie Raitt. Ebenfalls auf letztgenannter Maxi gab's mit Ain't no Sunshine einen weiteren Outtake aus dieser Zeit, nicht mein Lieblingslied, aber interessant umarrangiert.

Cockers neue Band spielte natürlich höchst professionell, und das Album klang etwas gefälliger und nicht mehr ganz so rockig wie z.B. "One Night of Sin", aber Gefälligkeit und "Rock-Credibility" hielten sich hier ein letztes Mal die Waage. Erstmals zeichnete sich die Handschrift von Cockers neuem Arrangeur, C.J. Vanston, ab, der für den Großteil der Keyboards und die Bläserarrangements verantwortlich war und es sich nicht verkneifen konnte, ein paar Bläsersätze am Keyboard zu simulieren. Gut, die Technik gab es her, aber es läßt sich darüber streiten, ob das nötig war, zumal auch echte Bläser auf dem Album mitspielten. Das "synthetische" Harmonika-Solo (sprich: per Keyboard erzeugt) in The simple Things klingt aber zu künstlich. Das waren halt die Neunziger!

Natürlich sagte Cocker seinerzeit in der Presse, dies sei sein bestes Album bisher, aber ich vermute, Künstler sind sowieso vertraglich verpflichtet, das zu sagen - bis zum nächsten Album. "Have a little Faith" ist zumindest Cockers bestes in den Neunzigern, eins meiner Lieblingsalben von ihm und das letzte, das mich durchgehend überzeugt; in der Folgezeit schien er zunehmend bereit, sich zugunsten der Radiotauglichkeit mit einer Gastrolle auf seinen Alben zufrieden zu geben.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 28, 2010 12:09 AM CET


Greatest Hits
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Preis: EUR 18,05

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beim Versuch, das Beste von den Who aus 42 Jahren..., 24. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Greatest Hits (Audio CD)
...auf eine Einzel-CD zu packen, müssen, trotz einer Spielzeit von über 78 Minuten, zwangsläufig essenzielle Songs wegfallen, hier z.B. I'm a Boy, I'm free oder 5:15. Anders als im Download angegeben, erscheint Magic Bus im weithin verfügbaren Mono- statt im selteneren Stereomix. Who are you gibt's nur hier als leicht verstümmelten Edit (3:25) - vielleicht der aus der TV-Serie "CSI"? Immerhin ist es so gelungen, neben etlichen frühen Who-Singles auf diesem Sampler mindestens einen Song von jedem regulären Studio-Album der Who unterzubringen (von "Who's Next" natürlich drei), d.h. mit einem meiner Lieblings-Who-Songs, Eminence Front, ist der wichtigste Song von "It's hard" und mit It's not enough sogar "Endless Wire" vertreten. Selbst wenn wie gesagt einige Songs fehlen müssen, ist "Greatest Hits" ein sehr stimmiger Überblick über die Who-Karriere von 1965-2006. Das Booklet enthält einen konzentrierten Begleittext von Dave Marsh und einige schöne Fotos.

Dies mag helfen, sich bei der Vielzahl weiterer Who-Einzel-CD-Sampler wie "The Singles", "Who's better Who's Best", "Then and now", "My Generation" etc. für "Greatest Hits" zu entscheiden. Wirklich umfassend befriedigen kann zum Thema aber weiterhin nur die Doppel-CD "Ultimate Collection". Der zweite Grund liegt für mich im Mastering von Gavin Lurssen, das, wie seit einiger Zeit üblich, wieder weniger stark komprimiert und dafür luftig und doch erdig, weich, detailliert und irgendwie angenehm "vinylig" ausgefallen ist.

Wer überlegt, sich die parallel erscheinende Doppel-CD "Greatest Hits and More" zuzulegen, sollte bedenken, dass deren 2. CD randvoll mit 16 starken, größtenteils unveröffentlichten Live-Songs bestückt ist (s.d.), die aber, ergänzt um sechs weitere, alle auf der Doppel-CD "Greatest Hits Live" wieder auftauchen.


Black and Blue
Black and Blue
Preis: EUR 39,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hot Stuff, 24. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Black and Blue (Audio CD)
Nach Mick Taylors Kündigung nutzten die Rolling Stones die Aufnahmen zu diesem (fast ausschließlich in München aufgenommenen) Album Ende '74 bis Frühling '75 als Vorspieltermine u.a. für die Ersatzkandidaten Ron Wood, Wayne Perkins und Harvey Mandel, der durch Alben wie Canned Heats "Future Blues" und John Mayalls "Back to the Roots" in mein Gesichtsfeld rückte. Nachdem Rod Stewart die Faces verlassen hatte, war auch Ron Wood frei, um auf dem Cover von "Black and Blue" gleich als Bandneuzugang vorgestellt zu werden. Keith hat später gescherzt, diese Entscheidung habe mit Rons britischer Staatsangehörigkeit zu tun gehabt, und er mag als Persönlichkeit gut zu den Stones und vom Stil her gut zu Keith passen; die Musikalität und elegante Virtuosität eines Mick Taylor konnte er nicht ersetzen.

Hot Stuff und Hey Negrita (basierend auf einem Riff von Ron Wood) fallen in die Kategorie "Ich hab' nicht viel Geld, Mädel, aber lass die Hüften kreisen und tanz für mich!" Zum Tanzen gut, für viel mehr nicht - aber toll!

Vorläufiger Tiefpunkt nicht nur auf diesem Album, sondern in der ganzen Karriere der Stones ist für mich der kinderliedartige, flügellahme Reggae Cherry oh Baby, der dem ohnehin schon nicht aufregenden Original nichts Neues abringt, einer der wenigen Songs überhaupt, die ich bisweilen überspringe; da haben die Stones mit Ain't too proud to beg oder (Just my) Imagination in den 70ern weitaus überzeugender gecovert.

Das sacharinsüße Fool to cry - ausgerechnet die Singleauskopplung!- sollte wohl in die Erfolgskerbe von Angie hauen; Macho Mick kann aber als im Falsett singender Softie, der sich beim Weinen nach einer laaangen, harten Nacht im Büro von seiner Tochter auf dem Schoß trösten läßt, nicht wirklich überzeugen. Der Legende nach soll Keith bei dem Song auf der Bühne regelmäßig eingeschlafen sein; eine gesunde Reaktion.

Viel überzeugender ist für mich Melody Motel, der Höhepunkt auf dem Album, in dem Jagger von der Liebe unterwegs singt, und wie immer in seinen besten Songs scheint die Protagonistin nicht ganz frei erfunden zu sein.

In Melody und Crazy Mama ist Jagger der Jäger, in Hand of Fate der Outlaw auf der Flucht (wie Dylan in Romance in Durango auf "Desire"); die kontrollierte Stimmung läßt den Song nie ganz abheben, aber auch nicht langweilig werden. Crazy Mama ist ziemlich viel heiße Luft, das Duett mit Billy Preston im angejazzten Melody groovt launig.

Crazy Mama (halbe Minute), Fool to cry (ganze Minute) und Hot Stuff (zwei Minuten) erschienen über die Jahre (auf "Sucking in the 70s", "Jump back" oder "Forty Licks") als leicht bis stark gestraffte Edits, was vor allem Hot Stuff gut getan hat, das dadurch kompakter wurde. Anders als auf LP und den beiden CDs von '86 bzw. '95 erreicht Hot Stuff auf dem Remaster von 2009 erst nach drei Minuten das Lautstärkeniveau des Restalbums.

Als Stones-Platte mit der kleinsten Songanzahl (8) kam "Black and Blue" dank längerer Songs doch auf normale LP-Länge; trotz der genannten Mängel strahlt sie eine luftige Sorglosigkeit und Unbekümmertheit aus, die mich die Platte immer wieder gern auflegen läßt, besonders wenn mir sommerlich ist.


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