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Rezensionen verfasst von
Toby Tambourine (Gießen)
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   

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Meister Eder und sein Pumuckl, Folge 1: Spuk in der Werkstatt / Das verkaufte Bett
Meister Eder und sein Pumuckl, Folge 1: Spuk in der Werkstatt / Das verkaufte Bett
Preis: EUR 4,99

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meister Eder trifft seinen Pumuckl, 8. Mai 2010
Eine meiner ersten Kinderschallplatten Anfang der Siebziger war "Spuk in der Werkstatt/Pumuckl soll Ordnung lernen". Zu dieser Zeit wurde Meister Eder noch von Alfred Pongratz gesprochen. Anfang der Achtziger wurden alle Pumuckl-Folgen parallel zur damals erfolgreichen Fernsehreihe (mit einem Zeichentrick-Pumuckl) neu aufgelegt, diesmal mit Gustl Bayrhammer als Ersatz für den verstorbenen Alfred Pongratz. (Den nervigen Titelsong "Hurra, hurra, der Pumuckl ist da" lasse ich beim Überspielen fürs Auto jedesmal weg.) Bayrhammer und Hans Clarin als Pumuckl waren auch ein toll eingespieltes Team, aber Pongratz als "Ur-Eder" war doch noch eine Spur gemütlicher, uriger und in den richtigen Momenten polternder, und das sage ich nicht nur aus nostalgischen Gründen. (Wenn ich die alten Folgen mit Alfred Pongratz hören will, muss ich mich auf Flohmärkten umtun.)

Ich habe Hans Clarin in vielen (teilweise erstaunlich seichten) Fernsehsendungen und als Hörspielsprecher mitbekommen (er war z.B. auch als "Hui Buh" großartig), aber der Pumuckl war einfach seine Paraderolle, in der er einzigartig und unersetzbar bleibt, wie folgende kleine Anekdote unterstreicht: Als ich meinem Sohn im Alter von 4 Jahren erzählte, dass die Rollen auf den Pumuckl-Platten von erwachsenen Sprechern aufgenommen werden - auch der Pumuckl -, fragte er mich empört: "Und wie ist der so klein geworden?!"

Es ist über 30 Jahre her, dass ich oben genannte Schallplatte -zigmal gehört habe, aber beim ersten Hören der Neueinspielung von "Spuk in der Werkstatt" fiel mir sofort auf, dass sie um die Szene, in der Pumuckl im Haushalt des Ehepaares Bernbacher Verwirrung stiftet, erweitert wurde, was diese Erstfolge mit 28 Minuten Laufzeit zu einer der längeren macht.

Mich hatte immer gestört, dass auf der 2. LP-Seite gleich die Geschichte "Pumuckl soll Ordnung lernen" kam: kaum kennengelernt, schon setzen die ersten heftigen Erziehungsmaßnahmen ein. Für die Neuauflage hat man statt dessen die nette Folge "Das verkaufte Bett" genommen, in der Eder dem Pumuckl ein eigenes Bettchen schreinert, das in er Nachbarschaft so gut ankommt, dass er gegen seinen Willen noch ein paar weitere anfertigen muss, weil er eben auch schlecht nein sagen kann. Damit wäre zumindest die Frage geklärt, wo der Pumuckl schläft, in weiteren Folgen erfahren wir auch von seiner Schiffsschaukel, was er gerne isst und an Kleidung braucht. Dass einige Fragen unbeantwortet bleiben müssen, liegt wohl in der Natur der Sache, z.B. wer seine Eltern sind bzw. woher er überhaupt kommt (wir erfahren nur, dass er "ein Nachfahre der Klabauter" ist), was er bisher so gemacht hat und wie alt er ist (die kleine Person eint in sich je nach Bedarf einen kombinierten Entwicklungsstand irgendwo zwischen 3 und 10 Jahren), wo er sein Geschäftchen verrichtet oder was Eder anstellen würde, sollte der kleine Kobold (der für sein Leben gern Süßes isst, für jede Zahnbürste aber zu klein ist) mal Zahnweh bekommen... das nur am Rande.

Für Pumuckl ist man nie zu alt, ich habe im Laufe der Jahre alle Folgen gesammelt und stöbere weiterhin nach den alten Cassetten. Die vorliegende 1. Folge ist unerlässlich für alle "großen Kinder" wie für die kleinen!


Mairegen
Mairegen
Preis: EUR 7,99

210 von 216 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Drachenblut, 7. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Mairegen (Audio CD)
Auf seiner Homepage bittet Reinhard Mey um Verständnis dafür, dass er angesichts seiner familiären Situation (sein Sohn Max liegt seit letztem Jahr im Wachkoma) bei diesem Album auf Medienpräsenz verzichtet, und er hat natürlich Recht mit seinem Hinweis, dass sich seine Lieder wachen Hörenden sowieso von selbst erklären. Er schreibt auch: "...das Schreiben, die Musik und die strenge Struktur der Arbeit haben mir Halt gegeben." Nun taucht ja Reinhard Meys Portrait auf vielen seiner Alben auf, aber sein Gesichtsausdruck auf dem Cover von "Mairegen" sagt alles.

Gleichzeitig macht das Album deutlich, dass Mey sich nicht von Trauer und Sorge überwältigen lassen will, wie der letzte Satz des Albums in "Was keiner wagt" (einem von Konstantin Wecker vertonten Text von Lothar Zenetti) zum Ausdruck bringt: "Wo alles dunkel ist, macht Licht." Es war zu erwarten, dass das Album nicht witzig ausfallen würde; "Mairegen" ist von einer angenehm nachdenklichen Ruhe und Besinnlichkeit geprägt, ohne jedoch depressiv zu wirken, es wird an keiner Stelle laut und ist mithin nicht nur eins von den Mey-Alben mit dem meisten Tiefgang, sondern auch mit den sparsamsten, homogensten Arrangements in seiner Karriere seit langem, mindestens seit "Farben" (1990) (und erhöht so einmal mehr den Kontrast zum von mir wenig geschätzten Vorgänger "Bunter Hund").

Der Anteil an Songs, die von Erinnerungen handeln, ist höher als üblich ("Das erste Mal", "Gute Seele", "Mairegen", "Rotten Radish Skiffle Guys" (eine Reminiszenz an die Band seiner Jugend), "Spring auf den blanken Stein", "Das Butterbrot"), in ihnen klingt die stützende Funktion an, die sie für ihn im Laufe des Jahres, das er an den Songs schrieb, hatten.

Reinhard Mey scheint - zwangsläufig - näher bei sich zu sein: das einzige Liebeslied an seine Frau, "Wir sind eins", rührt trotz oder gerade wegen seiner Unsentimentalität. Mit "Antje" findet sich wieder ein liebevolles Portrait einer "ganz normalen" Frau, das überzeugender wirkt als etwa der thematisch ähnlich gelagerte Titelsong "Rüm Hart" von 2002.

"Gegen den Wind", "Gute Seele" und "Was keiner wagt" sind Appelle, seine Individualität zu leben, den Mut nicht zu verlieren und gegen den Strom zu schwimmen oder anders gesagt: "Fliegen kannst du nur gegen den Wind."

In "Larissas Traum" geißelt Mey in stillen, dafür umso treffenderen Worten die deutsche "DSDS"-Brot und Spiele-(Un-)Kultur, weniger die Mentalität der Kandidaten als viel mehr die der "drei Juroren" und nicht zuletzt auch der glotzenden Masse, die diese Shows überhaupt erst finanziert und möglich macht. Ich finde es unglaublich, welche Wucht, welche analoge Aussagekraft über die Lage der Nation in der Doppeldeutigkeit der Refrainzeilen "...Deutschland kanzelt ab (!), (...) Deutschland will nur spielen, Deutschland tut doch nichts" liegt.

Wie zu erwarten, hat Reinhard Mey auch ein Lied an seinen Sohn geschrieben: Mit dem Titel "Drachenblut" assoziiere ich den verzweifelten Wunsch, sein Sohn Max - oder er selber - mögen so unverletzlich sein wie Siegfried in der Nibelungen-Sage, dessen Bad in Drachenblut ihn (bis auf eine blattgroße Stelle) so gut wie unbesiegbar machte. Eine tiefe innere Zerrissenheit kommt zum Ausdruck, wenn er einerseits von der "Entschlossenheit, dich in die Welt zurückzulieben" singt, um den Refrain hingegen mit der Zeile "mein fernes, mein geliebtes Kind, schlaf ein" zu beenden. Ich habe den Songtext einer Freundin vorgelesen und hatte allein dabei mit Tränen zu kämpfen, selten hat ein Lied mich so berührt wie dieses. Dies umso mehr, als ich erst heute alte Songs wie "Kleiner Kamerad" oder "Du bist ein Riese, Max" hörte, die Mey über seine Söhne schrieb, als diese noch Kleinkinder waren. "Drachenblut" ist für mich der stille Titel des Albums.

Im Herbst 2011 wird Reinhard Mey mit diesen Liedern auf Tournee gehen; wie eine Mitrezensentin schrieb, ist es schwer vorstellbar, ob und wie "Drachenblut" darunter sein kann.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 12, 2011 6:15 PM CET


Yellow Submarine Songtrack
Yellow Submarine Songtrack
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vertraute Beatles-Songs in aktualisiertem Stereoklang, 5. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Yellow Submarine Songtrack (Audio CD)
Ich war schon glücklich, dass der Film "Yellow Submarine" 1999 endlich auf DVD erschien und dass analog dazu das Konzept der Original-LP komplett überarbeitet wurde: es machte Sinn, alle 15 im Film vorkommenden Beatles-Songs auf ein Album zu packen (den Soundtrack von George Martin gibt's ja weiterhin auf dem alten Album). Ich hab mir die Platte dann auch noch in gelbem Vinyl gekauft.

Dass alle 15 Songs aber zusätzlich sehr sinnvoll neu abgemischt wurden, machte mein Glück perfekt. Beatles-Toningenieur Geoff Emerick äußerte sich in seinem Buch "Du machst die Beatles!" zwar kritisch (vermutlich wäre er selber gerne beim Abmischen beteiligt worden), aber dafür sagte George Harrison im Interview angetan, der Sound scheine jetzt wirklich aus dem ganzen Raum zu kommen. Zu seinem Wohlwollen dürfte der Tantiemenregen beigetragen haben: keine andere Einzel-LP der Beatles beinhaltet vier Harrisongs!

Anders als bei "Love" sieben Jahre später haben die Tontechniker nicht experimentiert, sondern die Songs am Vorbild der Originale neu abgemischt, d.h. es gibt keine völlig unbekannten Spuren zu hören, und auch die Laufzeiten orientieren sich beinahe sklavisch an denen der Original-Stereomixe. Damit hat man die Beatles-Songs nicht neu erschaffen oder gar übertrieben modernisiert, sie sind jetzt einfach besonders über Kopfhörer viel angenehmer zu hören; mit etwas Phantasie ist gut vorstellbar, dass diese Mixe bereits in den Sechzigern so hätten klingen können, wenn man denn dem Stereoformat bereits vor 1969 mehr Bedeutung beigemessen hätte.

In den meisten Fällen wurden Gesang und Rhythmusspur, wo immer möglich und sinnvoll, in die Mitte gelegt, was für mehr Druck sorgt, und die Mixe darum herum aufgebaut (leider gehen so allerdings die Nuancen in Pauls sorgfältigen Bass-Overdubs bei With a little Help und Lucy in the Sky etwas unter). Selbst die Ausnahmen überzeugen: Hey Bulldog klingt ungleich lebendiger; die Streicher von Eleanor Rigby gab's schon auf "Anthology 2" in Stereo zu hören; dort handelte es sich aber um eine sinnlose Karaoke-Version. Pauls Stimme klingt jetzt ergreifend klar und nicht mehr so belegt wie im Original-Stereomix. Da der mehrstimmige Gesang bei Nowhere Man gedoppelt vorlag, hat man ihn übers Stereopanorama verteilt und so eine elektrisierende Räumlichkeit erzeugt - was für ein Kontrast zum '65er Stereomix, bei dem die Band links lag und die Gesangsspuren samt Gitarrensolo auf die rechte Seite gequetscht wurden!

Endlich ist Georges Gitarre in With a little Help nicht mehr im Mix begraben, und seinem Only a Northern Song, in meinen Ohren immer einer der drögesten Beatles-Songs, kann ich im Stereomix erheblich mehr abgewinnen (das war allerdings schon auf der "Anthology 2"-Zweispur-Stereoversion so, die ohne Overdubs, dafür aber mit unveröffentlichter, alternativer Gesangsspur aufwartete). Die Klangeffekte in Yellow Submarine sind nun klarer, und Johns Echo in der letzten Strophe ist wieder vollständig zu hören (wie auch schon im originalen Monomix und dem auf der Real Love-Maxi-CD zu findenden Remix, der neben einer von Ringo gesprochenen Einleitung ungefähr doppelt so viele Soundeffekte aufwies wie die regulären Versionen). It's all too much klingt jetzt transparenter und nicht mehr so lärmig wie das Original. Einige Spezialisten hören gar bisher im Mix verborgene Bläsermotive; ich gehöre nicht zu ihnen und bedauere höchstens, dass man sich nicht hat entschließen können, die von Bootlegs bekannten Extrastrophen der achtminütigen Version wieder zu re-installieren.

Ich genieße auch die experimentellen Remixe auf "Love" sehr und kann mich dem Chor derjenigen nur anschließen, die fordern, den gesamten Beatles-Katalog, Weltkulturerbe hin oder her, im Sinne des "Yellow Submarine Songtrack" neu abzumischen, das ist kein Sakrileg - es ist einfach immer wieder Genuss pur, den altvertrauten Beatlessongs neue Feinheiten abzugewinnen! Die Neuauflage der CD von 2012 ist kein neues Remaster, das war aber auch nicht notwendig.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 30, 2011 11:08 AM MEST


Let It Be... Naked
Let It Be... Naked
Wird angeboten von cdversandgemba
Preis: EUR 16,90

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unmotiviert, 4. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Let It Be... Naked (Audio CD)
Im Januar '69, während das "Weiße Album" noch an der Spitze der Charts stand, trafen sich die Beatles zu erneuten Plattenaufnahmen unter dem Arbeitstitel "Get back". Nicht zuletzt auf Lennons Anregung hin, der von den ewig langen Sessions zu "Sgt. Pepper" und zum "Weißen Album" abgenervt war, standen diese diesmal unter der Prämisse: Alles wird live aufgenommen, keine Overdubs oder Studiotricksereien wie Edits etc. - "warts and all".

Nun hatten aber die bereits ein Jahr zuvor einsetzenden Risse im Bandgefüge ein Ausmaß angenommen, das sich - zumal die Beatles auch noch permanent für den geplanten begleitend entstehenden Film unter Kamerabeobachtung standen - einfach nicht mehr verbergen ließ und sich auch deutlich in stundenlangem lustlosen Rumjammen niederschlug. Immerhin bekamen die Beatles dabei trotz allem genügend hochwertige Aufnahmen für ein ganzes Album hin. Die beiden Erstversionen, die Glyn Johns den Beatles getreu ihren eigenen Vorgaben vorlegte, klangen eher wie die Bootlegs, die sie in den Folgejahren wurden, sie waren ihnen dann doch zu roh, und man verlor erstmal das Interesse an dem Projekt. Als klar war, dass die Aufnahmen für den anstehenden Film "Let it be" doch erscheinen sollten, beauftragten Lennon und Harrison Phil Spector, sich der Bänder anzunehmen.

Spector traf einige eigenmächtige Entscheidungen: er verlängerte I me mine und Let it be durch Schnitte und entfernte die Zeile "all I want is you" am Anfang und Ende von Dig a Pony, versah The long and winding Road, Across the Universe und I me mine mit üppigen Chor- und Orchester-Overdubs, zudem löschte er hierfür eine von zwei Gesangsspuren auf The long and winding Road, womit er das ursprüngliche Album-Konzept "verriet"; man muß ihm aber zugute halten, dass die Beatles mit ihren Overdubs selbst vom ursprünglichen Konzept abgewichen waren und dieser Mix größtenteils von ihnen selber abgesegnet wurde, und sogar Lennon war erleichtert, dass Spector die Aufnahmen so aufpoliert hatte, dass Glyn Johns' Fassungen nicht offiziell erschienen. Zudem finde ich The long and winding Road auch nicht stärker überorchestriert als Good Night auf dem "Weißen Album". Lennon und Harrison waren offenbar von Spectors Arbeit so überzeugt, dass beide ihn für weitere Soloalben engagierten, und seien wir ehrlich - eins meiner Lieblingsalben, Harrisons "All Things must pass", ist von Spector hemmungslos über-koproduziert, ähnlich wie Across the Universe und stärker als I me mine, und wir lieben es trotzdem!

McCartney beschwerte sich später, die üppige Überorchestrierung von The long and winding Road sei ohne sein Wissen vorgenommen und veröffentlicht worden, und führte sie vor Gericht als "Trennungsgrund" mit an. Wenn er übergangen wurde, ist das bestimmt ärgerlich und sprach für die mangelnde Kommunikation innerhalb der Band; ich fand jedoch immer grotesk, dass er Geschmacksgründe geltend machte angesichts der zahlreichen Geschmacksverirrungen auf seinen Wings- u. Soloalben in den folgenden Jahrzehnten (vgl. z.B. We all stand together von 1984), und auch die verschiedenen Versionen, die er von The long and winding Road über die Jahre präsentierte, waren beileibe nicht immer kitschfrei.

Die Idee, "Let it be" als "Naked"-Version, also gewissermaßen "entschlackt", wiederzuveröffentlichen, war also nicht ohne Reiz. Die Unmotiviertheit, die die Beatles während der Aufnahmen an den Tag legten, scheint sich aber auf die Produzenten übertragen zu haben. Das fängt damit an, dass das Booklet, obwohl üppig, keinerlei Angaben zu den verwendeten Aufnahmen (Aufnahmedatum, Take-Nr. etc.) macht. Laut John Robertsons & Patrick Humphries' "Complete Guide to their Music" lauten diese:

1. Get back (28.1.'69)
2. Dig a Pony (Rooftop Version) (30.1.'69)
3. For you blue (Take 6, 25.1.'69; Vocal Overdub 8.1.'70)
4. The long and winding Road (Take 19, 31.1.'69)
5. Two of us (Take 12, 31.1.'69)
6. I've got a Feeling (Edit of Rooftop Versions 1 & 2) (30.1.'69)
7. One after 909 (Rooftop Version) (30.1.'69)
8. Don't let me down (Edit of Rooftop Versions 1 & 2) (30.1.'69)
9. I me mine (Take 16, 3.1.'70)
10. Across the Universe (Take 7, 4.2.'68)
11. Let it be (Edit of Takes 27A & B, 31.1.'69, Backing Vocal Overdubs 4.1.'70)

Natürlich zeigten sich Ringo und Paul erfreut (angesichts der Tantiemen hätten sie auch schwerlich meckern können); unklar blieb jedoch, warum dieser Remix überhaupt erschien und warum grade jetzt. Jemand schrieb, dank der digitalen Möglichkeiten habe man nun das Gefühl, man stehe mit den Beatles im Proberaum. Die Bänder wurden aber derart "trocken" abgemischt, dass ich eher den Eindruck habe, direkt vorm Mikro zu stehen, und das ist mir dann doch zu nah - jede Band benutzt im Proberaum zumindest etwas Hall.

Die Ansageschnipsel wegzulassen, die Spector teils willkürlich eingefügt hatte, um den Eindruck von Liveaufnahmen zu unterstreichen, war konsequent, aber unnötig - sie fehlen einfach. (Die schlecht produzierte Bonus-CD "Fly on the Wall" ist da kein Ersatz.) Konsequent auch die Entscheidung, bei Get back den Schlussteil (bekannt von der Singleversion) wegzulassen, der von einem anderen Take stammt. Unverständlich dagegen, warum Two of us und Across the Universe früher ausgeblendet werden mussten; und der Halleffekt, der am Ende von Across the Universe auftaucht, klingt eher nach digitaler Spielerei 2003 denn nach einem analogen Studioeffekt von '68. Immerhin läuft der Song hier zum ersten Mal in seiner Originalgeschwindigkeit - für die "Wildlife"-Version hatte George Martin das Tempo angezogen, Spector es für "Let it be" stark herabgesetzt. Bei For you blue durchläuft Georges Akustikgitarre - wie auch auf den einschlägigen Bootlegs - endlich wieder den ganzen Song, während sie auf "Let it be" nach dem Intro ausgeblendet worden war.

Don't let me down musste natürlich mit drauf, klar; Maggie Mae und Dig it wegzulassen, war ebenfalls nicht nötig, schließlich unterstrichen auch sie das ursprüngliche "Live"-Konzept. Ich hätte es auch konsequenter gefunden, von Dig a Pony und I me mine nicht die von Spector umgeschnittenen Versionen zu verwenden; hier waren eindeutig die Takes auf "Anthology 3" näher am Originalkonzept, wo I me mine und The long and winding Road ja auch bereits ohne Overdubs zu hören waren.

Dazu kommt, dass ich das originale "Let it be"-Album immer mochte (das "Weiße Album" ist qualitativ ebenfalls durchwachsen und dennoch populär) und einige der neuen Remixes mich nicht sooo umhauen... da hat mir "Love" (2006) dann wieder mehr Spaß gemacht. Ich freue mich immer, wenn etwas von den Beatles erscheint; im Falle von "Naked" hätte es aber deutlich mehr sein dürfen als 11 Songs in 35 Minuten Spielzeit. Für die relativ belanglose 21-minütige "Fly on the Wall"-Doku einen zweiten Silberling zu verschwenden, ist ärgerlich, das hätte locker noch hinten dran gepasst, und jeder CD-Spieler hat eine Stop-Taste.- Schade nebenbei, dass sich Hoffnungen nicht bewahrheiteten, "Let it be" könne begleitend endlich auf DVD erscheinen.


Let It Be (Remastered)
Let It Be (Remastered)
Preis: EUR 13,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "...ich hoffe, wir haben das Vorspielen bestanden!", 4. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Let It Be (Remastered) (Audio CD)
Ich konnte nie nachvollziehen, warum "Let it be" immer wieder gerne als schwächstes Beatles-Album bezeichnet wird - es ist nicht ihr stärkstes, aber ihr schwächstes ist eindeutig die Original-LP "Yellow Submarine". Ich mag das Album sehr. Der einzige etwas schwächelnde Song ist Georges For you blue, und selbst den mag ich, schon wegen seiner Unbekümmertheit. Ich mag auch das "Weiße Album", aber auch das hatte Aussetzer wie Wild Honey Pie oder Everybody's got something to hide (von Revolution 9 ganz zu schweigen!), "Let it be" hält dem Vergleich also locker stand. Beide Alben markierten den Zerfall der Beatles, den ich dem "Weißen Album" wegen seiner greifbaren Isoliertheit jedoch eher anhöre als "Let it be", auf dem sie immerhin einige Songs wieder gemeinsam live einspielten. Und nicht zuletzt waren sie immer noch für Klassiker wie Get back, The long and winding Road und den Titelsong gut.

Erstaunlich, wie kreativ die Beatles selbst kurz vor ihrem Auseinanderbrechen noch waren: bereits fünf Wochen nach dem Erscheinen des "Weißen Albums" trafen sie sich Anfang Januar '69 zu erneuten Sessions, die so viele neue Songs hervorbrachten, dass etliche von ihnen später nicht nur auf "Abbey Road" auftauchten (Octopus's Garden, I want you (She's so heavy), She came in through the Bathroom Window, Oh! Darling), sondern auch noch auf Lennons "Imagine", Harrisons "All Things must pass" und McCartneys gleichnamigem Soloalbum. Das Konzept - zugleich der Arbeitstitel - lautete "Get back", also: zurück zu den Wurzeln, keine Overdubs, vier Musiker, live, mit Fehlern und allem. Dass die Beatles Billy Preston zum Mitspielen einluden, war ein Glücksfall; dass dabei Kameras mitliefen, man schon ab 10 Uhr vormittags zu drehen begann und Yoko immer präsenter war, war den ohnehin bestehenden internen Spannungen zusätzlich abträglich. Die Beatles jammten viel ziellos herum und stritten, George verließ für ein paar Tage die Band, und all dies war dem Film auch anzusehen und auf den von Glyn Johns vorbereiteten Erstentwürfen des Albums zu hören, was John, George und Ringo bewog, Phil Spector mit der Überarbeitung der Bänder zu beauftragen.

Also waren es die Beatles selbst (zumindest drei von ihnen), die das Originalkonzept über den Haufen warfen, und offenbar waren sie mit dem Ergebnis so zufrieden, dass Harrison und Lennon Spector für die nächsten drei Jahre als Koproduzent engagierten. Wie Lennon später erleichtert feststellte, hatte Spector aus den "erbärmlichsten Sessions auf der Welt" etwas Vernünftiges erstellt. Wie der Vergleich mit "Anthology Vol. 3" zeigt, schnitt er das "All I want is you" am Anfang und Ende von Dig a Pony heraus, verlängerte I me mine (von 1:35 auf 2:25) und Let it be und versah I me mine, Across the Universe und The long and winding Road mit teilweise heftigen Orchester-Overdubs, was wiederum für Paul McCartney einen weiteren Trennungsgrund darstellte. Paul hat The long and winding Road im Laufe seiner Karriere, live und im Studio, mindestens sechsmal erneut veröffentlicht und sich dabei nie um entschlackte Versionen bemüht; ich konnte die Aufregung über diese "geschmacklosen" Overdubs von dem Mann, der später Quatsch wie We all stand together (bei dem ein Chor quakende Frösche imitiert!) fabrizierte, nie nachvollziehen. Da ging es wohl eher um verletzte Eitelkeiten.

Overdubs hin oder her, ich mochte den Song immer, wie er war: The long and winding Road ist mit seinem fast philosophischen Text einer der besten McCartney-Songs. Wie schon zu Yesterday kam ihm die Inspiration zu Let it be im Traum, eine verdiente Nr. 1-Single ebenso wie Get back, das sich aus einer Session heraus entwickelte.

Wie Beatles-Fans wissen, entstand "Let it be" unter höchst unerfreulichen Umständen; ich stimme Lennon jedoch zu, dass man dies der Phil Spector-Fassung nicht anhört: in Two of us singen Lennon und McCartney in alter Everly Brothers-Tradition einträchtig zweistimmig, und obwohl McCartney den Song über Linda und sich schrieb, hörte ich ihn doch immer als eine Botschaft an Lennon und sich selbst.

Drei Songs stammen vom berühmten Dach-Konzert am 30.1.'69: wie sehr die Beatles in nur sechs Jahren gereift waren, zeigt die Version ihres alten Gassenhauers One after 909 im Vergleich mit den Aufnahmen bei den Sessions zu From me to you am 5.3.'63 (s. "Anthology 1"). Lennon/McCartney mochten schon lange nicht mehr gemeinsam komponiert haben; Lennons Everybody had a hard Year fügte sich aber so genial in McCartneys I've got a Feeling ein, dass sie beide Teile übereinander singen konnten. Dig a Pony ist ein weiterer Lennon-Rocker mit Nonsens-Text und Wortspielen, textlich in der Tradition von I am the Walrus oder Happiness is a warm Gun.

Across the Universe, einer der besten Lennon-Songs überhaupt, lag seit den Lady Madonna-Sessions ein Jahr zuvor unveröffentlicht in der Schublade; zum Glück tauchte der Song im Film kurz auf, sodass er auch aufs Album musste. Dasselbe galt für Harrisons I me mine, das George, Paul und Ringo (ohne John) am 3.1.'70 extra für das Album einspielten; knapp 25 Jahre später trafen sie in dieser Besetzung wieder im Studio zusammen, um Lennons Free as a Bird zu vervollständigen.

Aufgenommen vor "Abbey Road", aber begleitend zum gleichnamigen Film erst im Mai 1970 veröffentlicht, hatte "Let it be" mit den vier getrennten Portraits das passende Abschieds-Cover; "Abbey Road" aber bleibt das eigentliche Abschiedsalbum der Beatles.


Magical Mystery Tour (Remastered)
Magical Mystery Tour (Remastered)
Preis: EUR 14,98

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The Walrus was Paul, 24. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Magical Mystery Tour (Remastered) (Audio CD)
Nach Brian Epsteins Tod Ende August '67 übernahm Paul McCartney die Führung in dem Versuch, die Beatles nicht aus dem Ruder laufen zu lassen, und das erste Projekt unter seiner Ägide war der Film "Magical Mystery Tour", der zu Recht floppte, das kann man auch über McCartneys Hinweis hinaus darauf, dass er ein tolles Video zu I am the Walrus enthält, nicht weiter schönreden.

Da die sechs Filmsongs Magical Mystery Tour, Your Mother should know, I am the Walrus, The Fool on the Hill, Flying und Blue Jay Way für eine LP nicht ausreichten, erschienen sie in England im ungewöhnlichen Format einer Doppel-EP. Ausgerechnet die amerikanische Plattenfirma Capitol, die bis zu "Sgt. Pepper's" Beatles-Alben zerpflückt, gekürzt und wild mit älteren Songs bestückt hatte, machte diesmal aus der Not eine Tugend und ergänzte die Filmsongs (in abgeänderter Songabfolge) mit den restlichen fünf '67er Beatlessongs, die bisher noch nicht auf LP erhältlich waren, den Singles Strawberry Fields forever/Penny Lane, All you need is Love/Baby you're a rich Man sowie der neuesten A-Seite Hello Goodbye, die auf der Doppel-EP nicht enthalten war, zu einer LP, die erst 1976 auch in England erschien, und schuf so eine sinnvolle Ergänzung zu "Sgt. Pepper's". "Magical Mystery Tour" war das letzte Dokument der verspielt-psychedelischen Phase der Beatles, die bei ihrem nächsten Studiobesuch im Februar '68 mit Songs wie Lady Madonna und Hey Bulldog ihre Rückkehr zu erdigem, schnörkellosem Rock'n'Roll einleiteten.

Die Aufnahmen zum Titelsong und zu drei der vier neuen Songs, die erst später im "Yellow Submarine"-Film und auf dem gleichnamigen Album auftauchten (was ihre Qualitätseinschätzung zum Ausdruck brachte), begannen bereits während der "Sgt. Pepper"-Sessions, nämlich All together now, Only a Northern Song und It's all too much. (Die Entstehung der späteren B-Seite von Let it be, You know my Name (Look up the Number), nahm hier ebenfalls ihren Anfang. 1967 war ein sehr kreatives Jahr für die Beatles!)

Die beiden Höhepunkte auf der "MMT"-Doppel-EP waren das melancholisch-philosophische The Fool on the Hill, dessen Text für McCartney ungewöhnlich tief geht, und besonders Lennons nicht schönes, aber geniales I am the Walrus, für mich der Abschluss seiner mit Strawberry Fields forever und A Day in the Life begonnenen psychedelischen Klassiker-Trilogie. Lennons alter Schulfreund Pete Shotton war beim Komponieren dabei und beschreibt, wie Lennon sich vor Lachen in die Hose machte bei der Idee, all denen, die seit Jahren auch noch in die nichtssagendsten Beatles-Texte tiefgründige Interpretationen hineinlasen, diesmal gezielt einen absoluten Nonsenstext an die Hand zu geben: I am he as you are he as you are me and we are all together... In Texten wie diesen und auch in den "bunten" Arrangements der Beatlessongs dieser Zeit kamen nicht zuletzt ihre Erfahrungen mit LSD zum Ausdruck.

Das Remaster von 2009 reproduziert (leicht abgeändert) das 28-seitige Booklet der Doppel-EP samt Songtexten, und das neue Mastering übertrifft das der klanglich etwas dünnen '87er Erstauflage bei weitem. Ein kleiner kosmetischer Eingriff ist am Ende von I am the Walrus zu entdecken, bei dessen Ausblende direkt nach "untimely death" (4'16) ein Knacksen entfernt wurde, das der Radioübertragung mit Shakespeares King Lear geschuldet war, mit der die Beatles den Song beim Abmischen unterlegten.

Der Titelsong ist nicht ganz auf Augenhöhe mit anderen Beatles-Klassikern, auch Your Mother should know ist eher netter McCartney-Durchschnitt. Das Instrumental Flying (der einzige Beatlessong, bei dem alle vier als Komponisten gelistet sind) erhebt gar nicht erst den Anspruch, mehr als Filmmusik zu sein, und Harrisons dröger Beitrag Blue Jay Way fällt trotz einer Fülle an Studiospielereien in dieselbe Kategorie wie sein schwerfälliges Only a Northern Song; man hört deutlich, dass 1967 kompositorisch nicht Harrisons bestes Jahr war (bei den "Sgt. Pepper"-Sessions war er eigenen Angaben zufolge "mit dem Herzen immer noch in Indien"). Dessen ungeachtet ist es mir unmöglich, einem Beatles-Album, das die fünf übrigen Beatles-Songs enthält, darunter die für viele beste Pop-Single aller Zeiten, Strawberry Fields forever/Penny Lane, weniger als fünf Sterne zu geben.

Eine perfekte und durchaus praktikable Lösung wäre es in meinen Augen allerdings gewesen, die gut 36 Minuten Spielzeit um den Monomix des Albums aufzustocken, anstatt diesen ausschließlich in der Mono-Box zugänglich zu machen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 20, 2012 3:21 PM MEST


Santana - Viva
Santana - Viva
DVD ~ Santana
Preis: EUR 8,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Viva Santana, 29. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Santana - Viva (DVD)
Diese Retrospektive (83 Min.) entstand und erschien parallel zur gleichnamigen Dreifach-LP/Doppel-CD, einem faszinierenden Rückblick über die ersten 20 Jahre von Santanas Bandgeschichte. Als visuelles Pendant darf sie nur als Begleiterscheinung gelten, sie ist dem Album aber keineswegs ebenbürtig, dafür erfolgte die Umsetzung viel zu halbherzig, obwohl immerhin Doors-Tontechniker Bruce Botnick für den Sound verantwortlich war! Die deutschen Untertitel sind sehr ordentlich ausgefallen.

Dabei stimmen die Ansätze: von den 17 gezeigten Songs (s. Produkt-Kurzbeschreibung) waren vermutlich lediglich She's not there und Peraza (beide San Francisco '85) auf der LP zu hören, die anderen sind interessante Mitschnitte von Fernseh- und Liveauftritten von 1969-1988, größtenteils in recht guter Qualität (nur bei Evil Ways gibt es Tonaussetzer, und Samba pa ti klingt recht dumpf). Nicht alle Songs werden dabei ausgespielt, bei einigen hat man in kurzen Abständen Fragmente aus diversen Gigs zusammengeschnitten, eine nette Spielerei. Über die Instrumentalpassagen der meisten Songs hat man den Audiokommentar des damals vierzigjährigen Carlos Santana gelegt, der sich zu den zu erwartenden Themen Jugend, Eltern, Highschool, Karriere, Plattenfirmen, Mitmusiker, Inspiration, sein Sohn Salvador, Politik, musikalische Einflüsse und natürlich Drogen und Spiritualität äußert. Dies mag man je nach Standpunkt als ärgerlich oder informativ empfinden; ich finde die DVD ganz nett, weil ich zum ersten Mal aus Santanas Mund selber etwas über sein Leben erfahre.

Fakt ist aber, dass heute ganz andere Maßstäbe gelten als 1988: man würde Santana und andere Bandmitglieder sowie Tontechniker, Journalisten, Manager etc. zeigen, viele Informationen zu Songs, Alben und Karriere bringen und die Songs ausspielen oder zumindest getrennt auf einer Bonus-DVD unterbringen; ich denke da z.B. an die Umsetzung auf Tom Pettys "Running down a Dream"-Retrospektive in Form einer Doppel-DVD samt Bonus-CD.

Als Nice Price-Produkt ist diese DVD aber eine kurzweilige Überbrückung, bis es soweit ist.


Santana - Viva Santana!
Santana - Viva Santana!
DVD ~ Carlos Santana
Preis: EUR 11,52

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Viva Santana, 29. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Santana - Viva Santana! (DVD)
Diese Retrospektive (83 Min.) entstand und erschien parallel zur gleichnamigen Dreifach-LP/Doppel-CD, einem faszinierenden Rückblick über die ersten 20 Jahre von Santanas Bandgeschichte. Als visuelles Pendant darf sie nur als Begleiterscheinung gelten, sie ist dem Album aber keineswegs ebenbürtig, dafür erfolgte die Umsetzung viel zu halbherzig, obwohl immerhin Doors-Tontechniker Bruce Botnick für den Sound verantwortlich war! Die deutschen Untertitel sind sehr ordentlich ausgefallen.

Dabei stimmen die Ansätze: von den 17 gezeigten Songs (s. Produkt-Kurzbeschreibung) waren vermutlich lediglich She's not there und Peraza (beide San Francisco '85) auf der LP zu hören, die anderen sind interessante Mitschnitte von Fernseh- und Liveauftritten von 1969-1988, größtenteils in recht guter Qualität (nur bei Evil Ways gibt es Tonaussetzer, und Samba pa ti klingt recht dumpf). Nicht alle Songs werden dabei ausgespielt, bei einigen hat man in kurzen Abständen Fragmente aus diversen Gigs zusammengeschnitten, eine nette Spielerei. Über die Instrumentalpassagen der meisten Songs hat man den Audiokommentar des damals vierzigjährigen Carlos Santana gelegt, der sich zu den zu erwartenden Themen Jugend, Eltern, Highschool, Karriere, Plattenfirmen, Mitmusiker, Inspiration, sein Sohn Salvador, Politik, musikalische Einflüsse und natürlich Drogen und Spiritualität äußert. Dies mag man je nach Standpunkt als ärgerlich oder informativ empfinden; ich finde die DVD ganz nett, weil ich zum ersten Mal aus Santanas Mund selber etwas über sein Leben erfahre.

Fakt ist aber, dass heute ganz andere Maßstäbe gelten als 1988: man würde Santana und andere Bandmitglieder sowie Tontechniker, Journalisten, Manager etc. zeigen, viele Informationen zu Songs, Alben und Karriere bringen und die Songs ausspielen oder zumindest getrennt auf einer Bonus-DVD unterbringen; ich denke da z.B. an die Umsetzung auf Tom Pettys "Running down a Dream"-Retrospektive in Form einer Doppel-DVD samt Bonus-CD.

Als Nice Price-Produkt ist diese DVD aber eine kurzweilige Überbrückung, bis es soweit ist.


The Who - The Kids Are Alright [Special Edition] [2 DVDs]
The Who - The Kids Are Alright [Special Edition] [2 DVDs]
DVD ~ Jeff Stein
Wird angeboten von -uniqueplace-
Preis: EUR 21,93

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Jungs sind in Ordnung!, 28. März 2010
"The Kids are alright" ist nicht nur eine der besten der mittlerweile zahlreichen Who-DVDs, sondern eine der besten Rock-Dokus überhaupt. Rund 25 Who-Songs von 1965-1978 sind als Promofilme bzw. als TV- oder Livemitschnitte zu sehen, gewürzt mit diversen Interviewauszügen mit den Bandmitgliedern oder auch anderen Prominenten wie Ringo Starr. Sorgfältige bild- und klangtechnische Restauration bringt den Hauptfilm auf 109 Minuten Länge (zum 5.1-Mix kann ich mangels Anlage keine Angaben machen). Die Performance von Who are you zeigt Keith Moons letzte Studioaufnahmen und Won't get fooled again seinen letzten Liveauftritt mit den Who; er starb vor der Filmpremiere. Angesichts von Pete Townshends Hörproblemen finde ich die kurze Szene bezeichnend, in der er sich im Gespräch mit Keith Moon darüber kaputtlacht, dass ihm bereits Ende der Siebziger jemand riet, sich schon mal auf das Ablesen von Lippen vorzubereiten.

Meine DVD von 2004 weist nur englische Untertitel samt Songtexten auf. Das ausführliche Booklet ist angelehnt an das des '79 parallel zum Film erschienenen Soundtracks (die remasterte CD erschien 2000).

Richtig interessant wird die DVD zusätzlich durch die Bonus-Disc. Wegen des Fehlens jeglicher Untertitel muss man nicht nur auf diverse amerikanische und britische Akzente gefasst sein (besonders Daltrey macht es einem nicht ganz leicht), man sollte auch in Studiotechnik etwas bewandert sein. Dann allerdings macht die DVD richtig Spaß: Produzent, Colorist, Soundmixer und Editor der DVD demonstrieren, mit welchen digitalen Mitteln sie Bild und Ton restauriert haben, und in anschaulichen Vorher-Nachher-Vergleichen lassen sich die Ergebnisse bestaunen. Seit Mitte der Achtziger war nur eine VHS-Version erhältlich (die auch für die Laserdisc verwendet wurde), die ihrerseits eine Kopie der 3. oder 4. Generation und im Laufe der Zeit so beschleunigt worden war, dass der Film zehn Minuten eher fertig war, was u.a. zur Folge hatte, dass die Ansagen von TV-Moderatoren oder Daltreys Gesang stellenweise recht mickymausig klangen. Für die DVD wurde der komplette Mitschnitt von A Quick One (entstanden am 10.12.'68 beim Rock'n'Roll Circus der Stones) wieder re-installiert; kurioserweise scheint mir allerdings dessen Bildqualität auf dieser DVD schlechter zu sein als auf der Stones-DVD "Rock'n'Roll Circus" aus demselben Jahr.

Bei den beiden für den Film ausgewählten Songs Baba O'Riley und Won't get fooled again (Shepperton '78) kann man zwischen vier bzw. sechs verschiedenen Kameraeinstellungen wählen oder aber sich mittels der "Ox Cam" nur John Entwhistles Bassspiel anschauen und anhören, getrennt vom Bandsound; auch Nichtmusiker werden von Ehrfurcht ergriffen!

Die Bonbons sind die beiden Interviews mit zwei von drei möglichen Hauptpersonen (Townshend ist diesmal leider nicht dabei): im 25minütigen Interview mit Roger Daltrey erinnert sich dieser an die Explosion beim Auftritt in der Smothers Brothers Comedy Show '67, den Effekt, den der Rohschnitt des Films auf Keith Moon hatte, der dabei seinen körperlichen Verfall im Zeitraffer nachempfinden musste, und weckt (unverdient, wie sich herausstellen sollte) hohe Erwartungen an die damals im Entstehen befindlichen Aufnahmen zum ersten neuen Who-Album seit 1982, das 2006 als "Wire & Glass" erschien.

Schließlich äußert sich Regisseur Jeff Stein im Interview (29 Min.) zu seiner Idee, den Film auf die Beine zu stellen, die Who davon zu überzeugen und Sponsoren zu finden, Filmmaterial zu lokalisieren, die technischen Schwierigkeiten zu überwinden und letztendlich die Who davon zu überzeugen, "die definitive Version von Won't get fooled again" für seinen Film einzuspielen - was ihnen meiner Meinung nach auch gelungen ist!


The Who - The Kids are alright
The Who - The Kids are alright
DVD ~ The Who

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Jungs sind in Ordnung!, 28. März 2010
Rezension bezieht sich auf: The Who - The Kids are alright (DVD)
"The Kids are alright" ist nicht nur eine der besten der mittlerweile zahlreichen Who-DVDs, sondern eine der besten Rock-Dokus überhaupt. Rund 25 Who-Songs von 1965-1978 sind als Promofilme bzw. als TV- oder Livemitschnitte zu sehen, gewürzt mit diversen Interviewauszügen mit den Bandmitgliedern oder auch anderen Prominenten wie Ringo Starr. Sorgfältige bild- und klangtechnische Restauration bringt den Hauptfilm auf 109 Minuten Länge (zum 5.1-Mix kann ich mangels Anlage keine Angaben machen). Die Performance von Who are you zeigt Keith Moons letzte Studioaufnahmen und Won't get fooled again seinen letzten Liveauftritt mit den Who; er starb vor der Filmpremiere. Angesichts von Pete Townshends Hörproblemen finde ich die kurze Szene bezeichnend, in der er sich im Gespräch mit Keith Moon darüber kaputtlacht, dass ihm bereits Ende der Siebziger jemand riet, sich schon mal auf das Ablesen von Lippen vorzubereiten.

Meine DVD von 2004 weist nur englische Untertitel samt Songtexten auf. Das ausführliche Booklet ist angelehnt an das des '79 parallel zum Film erschienenen Soundtracks (die remasterte CD erschien 2000).

Richtig interessant wird die DVD zusätzlich durch die Bonus-Disc. Wegen des Fehlens jeglicher Untertitel muss man nicht nur auf diverse amerikanische und britische Akzente gefasst sein (besonders Daltrey macht es einem nicht ganz leicht), man sollte auch in Studiotechnik etwas bewandert sein. Dann allerdings macht die DVD richtig Spaß: Produzent, Colorist, Soundmixer und Editor der DVD demonstrieren, mit welchen digitalen Mitteln sie Bild und Ton restauriert haben, und in anschaulichen Vorher-Nachher-Vergleichen lassen sich die Ergebnisse bestaunen. Seit Mitte der Achtziger war nur eine VHS-Version erhältlich (die auch für die Laserdisc verwendet wurde), die ihrerseits eine Kopie der 3. oder 4. Generation und im Laufe der Zeit so beschleunigt worden war, dass der Film zehn Minuten eher fertig war, was u.a. zur Folge hatte, dass die Ansagen von TV-Moderatoren oder Daltreys Gesang stellenweise recht mickymausig klangen. Für die DVD wurde der komplette Mitschnitt von A Quick One (entstanden am 10.12.'68 beim Rock'n'Roll Circus der Stones) wieder re-installiert; kurioserweise scheint mir allerdings dessen Bildqualität auf dieser DVD schlechter zu sein als auf der Stones-DVD "Rock'n'Roll Circus" aus demselben Jahr.

Bei den beiden für den Film ausgewählten Songs Baba O'Riley und Won't get fooled again (Shepperton '78) kann man zwischen vier bzw. sechs verschiedenen Kameraeinstellungen wählen oder aber sich mittels der "Ox Cam" nur John Entwhistles Bassspiel anschauen und anhören, getrennt vom Bandsound; auch Nichtmusiker werden von Ehrfurcht ergriffen!

Die Bonbons sind die beiden Interviews mit zwei von drei möglichen Hauptpersonen (Townshend ist diesmal leider nicht dabei): im 25minütigen Interview mit Roger Daltrey erinnert sich dieser an die Explosion beim Auftritt in der Smothers Brothers Comedy Show '67, den Effekt, den der Rohschnitt des Films auf Keith Moon hatte, der dabei seinen körperlichen Verfall im Zeitraffer nachempfinden musste, und weckt (unverdient, wie sich herausstellen sollte) hohe Erwartungen an die damals im Entstehen befindlichen Aufnahmen zum ersten neuen Who-Album seit 1982, das 2006 als "Wire & Glass" erschien.

Schließlich äußert sich Regisseur Jeff Stein im Interview (29 Min.) zu seiner Idee, den Film auf die Beine zu stellen, die Who davon zu überzeugen und Sponsoren zu finden, Filmmaterial zu lokalisieren, die technischen Schwierigkeiten zu überwinden und letztendlich die Who davon zu überzeugen, "die definitive Version von Won't get fooled again" für seinen Film einzuspielen - was ihnen meiner Meinung nach auch gelungen ist!


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