32 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Informative, aber qualvolle Lektüre, 19. Februar 2009
Bei der mir vorliegenden Ausgabe handelt es sich um die 1. Auflage © 2008 by Verlag Hans Huber, Berlin.
Zum Inhalt:
Lutz Jäncke präsentiert in zwölf großen Kapiteln zeitgenössische und historische Veröffentlichungen zum breiten Thema "Musik und Gehirn". Der Autor bemüht sich dabei, alle Facetten des Themas zumindest anzuschneiden, und hinterfragt stets Methoden und Durchführung der Studien, die er zu diesem Zwecke gründlich recherchiert hat. Für den Laien mag das eine oder andere Kapitel schwer verständlich sein; dafür bringt Jäncke die großen Fragen des Buches mit einer Reihe von kurz gehaltenen "Schlussfolgerungen" am Ende auf den (gut nachvollziehbaren) Punkt.
Einige Analogien, die Jäncke zur Veranschaulichung heranzieht, halte ich für missglückt; ebenso manches Modell, das er scheinbar "nebenbei" zur Erklärung von Forschungsergebnissen vorschlägt ("Leistung = Wollen x Können x Möglichkeit", S. 13). Ein paar Mal bin ich beim Lesen über stark polemische Phrasen gestolpert-''so etwa, wenn er kommentiert, dass sich Don Campbell durch Summen und Beten ein Blutgerinnsel aus dem Gehirn entfernt haben soll: "Wenn Musik so gesundheitsfördernd ist - warum hat er dann überhaupt erst ein Blutgerinnsel entwickelt? Hat er vielleicht versehentlich Rap gehört?" Auch wenn ich schmunzeln musste' derlei "Argumente" gehören nicht in ein (populär)wissenschaftliches Buch.
Zur Form:
Es wundert mich, dass der Text in der mir vorliegenden Form überhaupt veröffentlicht wurde. Auf jeder Seite fand ich beim Lesen mehrere grammatikalische Fehler (insbesondere, wenn ein Abschnitt in indirekter Rede gehalten war); viele Sätze sind unklar oder unpräzise formuliert; und nicht zuletzt ist Jänckes Schreibstil von uneleganten Wiederholungen und falsch verwendeten Ausdrücken durchzogen.
Ein trauriges Beispiel: "Als zweite Erklärungsmöglichkeit wird vorgeschlagen, dass Mozart-Musik wie eine Art "Übung" wirke, mit der die kognitiven räumlichen Funktionen passiv traniert würden. Diese "Übung" könne man sich wie eine Vorerregung der an der Lösung der räumlichen Aufgaben beteiligten Aufgaben auffassen" (S. 33).
Fazit:
Ich gebe dem Buch drei Sterne, weil ich in wissenschaftlichen Arbeiten (und genau genommen nicht nur da) einen fehlerlosen Schreibstil erwarte. Aufgrund des miserablen Stils ist es mir nicht möglich, das Buch als Lektüre zu genießen. Möglicherweise ist es eine verlässliche Quelle für wissenschaftliche Informationen-'allerdings stelle ich mir die Frage, ob die Lektoren auf der inhaltlichen Ebene nicht ebenso gepfuscht haben wie auf der äußeren.