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Silnar "silnar" (Bayern)

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Die Tudors - Die komplette erste Season (3 DVDs)
Die Tudors - Die komplette erste Season (3 DVDs)
DVD ~ Jonathan Rhys Meyers

68 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte -ja bitte!, 2. Februar 2009
Als geschichtsbegeisterte Person stehe ich Historienfilmen und vor allem -romanen traditionell skeptisch gegenüber, wohl zum großen Teil deshalb, weil mir oft "die Substanz", d.h. der korrekte historische Hintergrund fehlt, und banale Begebenheiten zu geschichtsträchtigen Mammut-Eventen aufgeplustert werden.
Von den Tudors war ich positiv überrascht. Es ist natürlich so, dass hier historisch vieles nicht stimmt: Heinrich VIII. war zu der Zeit, in der Anne Boleyn in sein Leben trat, bereits Mitte Dreißig, seine Ehe mit Katharina von Aragón war durchaus harmonisch und glücklich. Auch die Geschichte mit der Schwester Margaret stimmt so nicht ganz und die Annahme, der römisch-deutsche Kaiser Karl V. wäre an den Hof nach London gekommen, ist geradezu lächerlich.
Außerdem muss gesagt werden, dass die Art wie Die Tudors in Szene gesetzt werden die Schrift des 21. Jahrhunderts trägt. Die Gesellschaft und die darin agierenden Personen werden nicht authentisch als Renaissance-Figuren beschrieben und gezeigt. Vor allem was die Kostüme angeht, orientieren sich die Produzenten sehr stark an verklärten Vostellungen und Erwartungen unserer modernen Welt. Hier sei z.B. die aufreizende Kleidung der Anne Boleyn genannt. Keine Frau hätte sich im 16. Jahrhundert so zeigen können. Sieht man sich Gemälde und Porträts aus diser Zeit an, tragen die Frauen im Gegenteil fast ausschließlich Schleier über ihren Haaren.
Dennoch sind die Tudors in anderen Bereichen überraschend korrekt und unterhaltend. Jonathan Rhys Meyers schafft es geradzu meisterhaft, den extravanganten, egozentrischen und tyrannischen Charakter des Heinrich voll auszuspielen. Die Freundschaft Heinrichs mit Thomas Morus ist gut porträtiert, ebenso wie das politische Genie des Kardinal Wolsey, dargestellt von einem perfekten Sam Neill. Auch die Art der Anne Boleyn passt. Tatsächlich geht die Geschichtsforschung heute davon aus, dass sich Anne Boleyn ziemlich berechnend in Anwesenheit des Königs in Szene setzte, v.a. um ihrer Familie einen rasanten Aufstieg zu bescheren. Sie trieb aktiv und fordernd die Scheidung Heinrichs von Katharina von Aragón voran und war historisch verbürgt eine glühende Anhängerin der lutherischen Revolution. Die Tudors leben vom Zusammenspiel der Charaktere und besonders beeindruckt war und bin ich von Maria Doyle Kennedys schauspielerischen Leistung als die unglückliche Katharina von Aragón. Zwar passt sie äußerlich sicherlich nicht zur historischen Figur (diese war ein recht heller Typ), aber die Rolle der leise leidenden Königin füllt sie meisterhaft aus. Gerade dieser Konflikt zwischen Heinrich und Katharina ist wirklich gut in Szene gesetzt. Tatsächlich war eine Scheidung zu dieser Zeit ein Politikum, in das mehr als nur zwei Parteien verwickelt waren. Heinrich konnte sich der Katharina nicht einfach entledigen. Erstens brauchte er die Zustimmung der Kirche und zweitens war Katharina von Aragón nicht einfach irgendeine europäische Adlige. Ihre Mutter war die berühmte und mächtige Königin Isabella I. von Kastilien und León, ihr Vater König Ferdinand II. von Aragón. Ebenso war ihr Neffe als Karl I. König von Spanien und als Karl V. deutscher Kaiser, und Karl stand seiner Tante sehr nahe, hätte also offiziell einer solchen Demütigung Katharinas niemals zugestimmt. Hinzu kam, dass sie als englische Königin im Volk unglaublich beliebt war, wohingegen Anne Boleyn als arrogant und herablassend gesehen wurde. Mit einer solchen Macht im Rücken konnte Katharina von Aragón wirklich stark sein. Maria Doyle Kennedy verkörpert diese zwischen ihrer Liebe zu Heinrich (was historischen Tatsachen enspricht) und ihrem Recht und Stolz hin- und hergetriebene Königin einfach perfekt. Sie ist eine meiner Lieblingscharaktere in der Serie.

Die Tudors sind sehr unterhaltend und auch sie tragen dazu bei, dass ein wichtiger historischer Stoff vereinfacht und verständlich einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird. Ein Beweis dafür, dass alles, was mit Geschichte zu tun hat, nicht immer langweilig sein muss.
Ich ziehe auch ausdrücklich KEINEN Stern für die historischen Unkorrektheiten ab; wer die wahre und echte Geschichte wissen will, der nehme sich bitte eines der vielen exzellenten Geschichtsbücher zur Hand, die die Tudor-Zeit in England zum Thema haben. Diese Serie ist meiner Meinung nach ein kleiner Eindruck der englischen Renaissance, ein gutes und mit Fakten untermauertes Buch ersetzen kann sie aber nicht.
Schauspielerisch und szenisch sind Die Tudors sicherlich eine der besten Serien, die derzeit im Umlauf sind. Ich fand nur die unglaublich hohe Anzahl an Sexszenen etwas übertrieben.
Ich kann Die Tudors nur wärmstens empfehlen, v.a. wenn man der Geschichte durchaus positiv gegenübersteht. Dennoch möchte ich wiederholen, dass eine DVD eben KEIN Geschichtsbuch sein kann und will. Ich würde außerdem empfehlen, die Serie auf Englisch anzusehen, da in der Originalversion Akzente und Authentizität besser zum Tragen kommen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 2, 2013 8:45 PM CET


An Ancient Muse
An Ancient Muse
Preis: EUR 11,49

21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen wie Musik zu wahrer Kunst wird..., 25. November 2006
Rezension bezieht sich auf: An Ancient Muse (Audio CD)
Als im 1. Jahrhundert n. Chr. der heilige Paulus seine Briefe an die “Galater” schrieb, gingen diese an ein Volk, das im Zentrum der heutigen Türkei seine Heimat hatte. Deren Verwandte im Westen waren die im Namen ähnlichen “Gallier”; beide Völker gehörten zu den Kelten, die ab dem 8. Jahrhundet v. Chr. ganz Europa besiedelten.

Hier schließt sich der Kreis.

Neun Jahre lang war Loreena McKennitt auf den Spuren dieses mysteriösen Volkes unterwegs, sie bereiste Irland, Schottland, Skandinavien, Spanien, Griechenland und die Türkei; sogar in die Mongolei hat es sie verschlagen. Sie hat persönlich die große Wanderung auf sich genommen, die vor fast 3000 Jahren die Kelten nach Europa führte und die erste kulturelle Blüte des Kontinents mit sich brachte -in einer Zeit, als der Aufstieg Roms noch in weiter Ferne lag. Und Loreena McKennitt hat etwas von ihren Reisen mitgebracht: ein Souvenir, das fern allen Kitsches am meisten über jene Länder auszusagen vermag: Musik. Tatsächlich ist das neue Album “An Ancient Muse” musikalisch sogar noch vielseitiger gefärbt, als die Vorgänger. McKennitt liefert dem Hörer einen grandiosen Einblick in die keltische Kultur und Musik, die nicht nur auf Nordwesteuropa beschränkt ist. Sie nimmt ihn mit auf eine Reise an die Grenzen und gleichzeitig das Herz Europas und verbindet irisch-schottische mit orientalischen und skandinavischen Weisen zu einer einzigartigen Harmonie. Ja, in der heutigen Musikwelt ist Loreena McKennitts Stil ohne Vergleich. Mit “An Ancient Muse” knüpft sie an “The Book of Secrets” an, ohne aber daran hängenzubleiben: Loreena McKennitt entwickelt sich weiter. Sie taucht tiefer ein in die Geschichte der Kelten, entdeckt uns eher fremde Kulturen und zeigt, dass sie alle zu harmonisieren imstande sind -da sie alle den mehr oder weniger gleichen Ursprung haben. Die Tatsache, dass die orientalische Musik mit der auf den Britischen Inseln beheimateten verwandt ist, mag uns neu sein, ist kulturhistorisch jedoch unbestritten. Gerade in unserer heutigen Zeit setzt Loreena McKennitt damit ein Zeichen: Orient und Okzident sind so verschieden nicht, als dass sie nicht harmonisieren könnten. Die Musik kann es bereits. Und was dabei herauskommt ist ein Ohrenschmaus höchsten Niveaus, voll Können, Liebe, Leidenschaft und dem Wissen um die Schönheit und Ästhetik der Klänge -und des Lebens.

Ähnlich wie in “The Book of Secrets” stimmt Loreena McKennitt den Hörer mit einem kurzen und fast magisch anmutendem Stück auf das Album ein: “Incantation” beschwört bereits die Bilder herauf, die sich dem Hörer später zeigen werden -ohne Worte, es geht allein um die Wirkung der Musik. “The Gates of Istanbul” ist ein fast lässiges Stück, das unverkennbar orientalische mit griechischen Klängen verwebt; und zwar in solch gekonnter Art und Weise, dass “let us dance all night” fast als Aufforderung gesehen werden kann! Der dritte Titel, “Caravanerai” reißt den Hörer förmlich mit, wie auf einer Reise als Teil einer Karawane durch die unendlichen Weiten des Seins. Ein wunderschöner Refrain umrahmt den tollen Text. “The English Ladye and the Knight” ist eines der Highlights des Albums. Eine für Loreena McKennitt typische Gedichtvertonung (Text: Sir Walter Scott); atemberaubend schön und eindringlich schafft sie es, die Geschichte dem Hörer direkt vor die Augen zu zaubern. Traditionelle irische Instrumente und ein Knabenchor rufen Bilder aus dem höfischen Leben im Hochmittelalter in die Gegenwart. Besonders interessant ist das intrumentale “Kecharitomene”, ein beinahe fröhlich anmutendes Lied. Im Booklet erwähnt Loreena McKennitt eine byzantinische Prinzessin aus der Zeit der Kreuzzüge; tatsächlich spielen in “Kecharitomene” byzantinische Klänge die Hauptrolle. Erinnerungen an das Byzantinische Reich und Konstantinopel, die schillerndste und größte Stadt der damaligen Welt, werden wachgerufen. Der Hörer fühlt sich als ein Teil des brodelnden Lebens dieser mittelalterlichen Haupt- und Weltstadt, der rauschenden Feste und des fröhlichen Tummelns vor alterwürigen Kulissen. Zu erwähnen ist ebenso “Penelope's Song”, ein durch Homers Odyssee inspiriertes Stück. In typische Loreena McKennitt-Tradition herrlich traurig und dennoch so hoffnungsvoll aufgrund der klaren Stimme der Sängerin. “Sacred Shabbat” spielt mit einer gewissen Fröhlichkeit und erinnert an griechische bzw. jüdische Tanzrhythmen. Einen weiteren Höhepunkt bringt dann “Beneath a Phrygian Sky”, was wohl als das bedeutendste Stück im Bezug auf die Weiterentwicklung des Stils von Loreena McKennitt gesehen werden kann. Dudelsack, Gitarre, Bass, Geige...sie alle erzählen zusammen mit der grandiosen Stimme der Künstlerin eine wunderbare Geschichte die durch die aktuellen Worte ins Herz unserer Moderne sticht! Es stimmt, das dieses Stück, was Melodie und Instrumenteinsatz betrifft, etwas an “The Bonny Swans” erinnert, eines von McKennitts Hauptwerken aus “The Mask and Mirror”. “An Ancient Muse” endet mit “Never-ending Road (Amhrán Duit)”. Loreena McKennitt entlässt den Hörer aus diesem musikalischen Wunderwerk mit einem Versprechen: dass die Reise weitergehen wird; dass die Straße nicht endet!

Hat sich das Warten auf dieses Album gelohnt? Ja, vollkommen. Selten hat ein Künstler ein solch intensives und persönliches Werk nach einer so langen Pause produziert. Bei Loreena McKennitt war und ist alles authentisch und glaubwürdig: Musik, Inspiration und Gefühl. Es zählt allein Qualität, nicht Quantität. “An Ancient Muse” macht eines deutlich: Das wird auch so bleiben.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 5, 2009 11:48 PM CET


Samsas Traum Einer Gegen Alle
Samsas Traum Einer Gegen Alle
Wird angeboten von echolot-records
Preis: EUR 76,90

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein Meisterwerk, 27. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Samsas Traum Einer Gegen Alle (Audio CD)
Alexander K. alias Samsas Traum (das "Chamäleon des des deutschen Gothic") hat schon immer gewusst, wie man überrascht und letztendlich doch begeistert. Das hat sich bisher bei allen CDs dieser genialen Band gezeigt. Überzeugende Musik, mehr als anspruchsvolle Texte, die sich vom schrecklich seichten Pop, aber auch dem oft sinnlos anmutenden Geschrei so mancher Death Metal oder "gothic" Bands abheben, verwoben zu einer nahezu vollkommenen und atmosphärischen Einheit -das ist Samsas Traum. Die überaus intensiven Worte hinter der Musik wirken oft kunstvoll, fast theaterhaft inszeniert und zeugen vom musikalischen und literarischen(!) Gespür des "Protagonisten". Samsas Traum, deren Bandname bereits einen gewissen intellektuellen Anspruch stellt, stehen für Niveau. Sofern man sich auf die Texte einlässt, die manchmal unverständlich und "krank" erscheinen -was sie auch sind und sein sollen. Beschäftigt man sich damit, wird einem mehr und mehr klar, was hinter den Worten steckt. Gefühle, Erfahrungen, Verhalten, bis ins Extrem gesteigert, stecken in der Musik von Samsas Traum.
Eines der kunstvollsten und auch ausgereiftesten Werke des Alex K. war ohne Zweifel das letzte Album "a.Ura und das Schneckenhaus". Über das gesamte Album hinweg wird dem Hörer eine Geschichte erzählt von Liebe, Leidenschaft -und Wahnsinn. Das Ergebnis ist schlichtweg überwältigend. Mit "Einer gegen Alle" hat Samsas Traum jetzt nachegreicht: Einige Stücke der "a.Ura" wurden von namhaften Künstlern und Bands geremixt und was dabei herauskommt ist grandios. Manche Lieder wirken härter, Rhythmus und Musik treten mehr in der Vodergrund -perfekt zum Tanzen! Und als wäre das nicht schon genug, liefert Alexander Kaschte den Fans noch ein neues Lied, das sich an "a.Ura" anschließen soll: "Einer gegen Alle". Auch diesmal ein gelungenes Werk im Stil von "Endstation.Eden", das mitreißt und fesselt. Weitere Extras sind in diesem Digipack mitenthalten. So wurde (endlich) für die Fans eine LiveDVD produziert, die das letzte Konzert der "a.Ura"-Tour in Leipzig zeigt, sowie Interviews (das mit den "Papiertüten" ist nur zu empfehlen), Tourfilm etc bietet. Und auch das ist nicht genug: Zwei weitere DVDs sind dabei: Eine zeigt eine visualisierte Version des Weena Morloch Albums "Kunst-X=?", die andere enthalt ein komplettes neues Album des Nebenprojekts von Alexander K., "Epanalepsis". Das Booklet enthält keine Songtexte (immerhin sind diese ja im "a.Ura"-Album zu lesen), dafür aber Photos vom Konzert und einen persönlichen Text Alexander K.s über die Produktion von "a.Ura und das Schneckenhaus" und all die damit verbundenen Schwierigkeiten.
Alles in allem ist dieses Digipack absolut zu empfehlen und noch dazu mehr als preiswert. Fans werden es lieben, Neulinge können sich vielleicht auch mit der Musik von Samsas Traum anfreunden. In jedem Fall: Fünf ganze Sterne!


Final Fantasy X-2
Final Fantasy X-2
Wird angeboten von skgames
Preis: EUR 19,99

19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anders und erfrischend., 13. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Final Fantasy X-2 (Videospiel)
Wie man den meisten anderen Rezensionen entnehmen kann, handelt es sich bei Final Fantasy X-2 nicht um ein Spiel, das sich nahtlos in die Kette der traditionsreichen und heißgeliebten Playstation-Serie einreiht -was nicht als Nachteil gewertet werden sollte.
Ganz klar, Square hat hier einfach etwas neues probiert: Der stark rundenbasierende Kampf, der bisher in jedem Titel der Final Fantasy-Reihe anzutreffen war, wurde aufgelockert, verläuft schneller, hektischer, aber zeitgleich auch ungemein spannend. Richtig ist auch, dass es keine "große" Heldentruppe mehr gibt, aus der man die Charakter für den Kampf auswählen kann und die man spätestens nach den ersten Einsätzen schon ins Herz geschlossen hat. Stattdessen steht in X-2 dem Spieler nur das (bisweilen verführerische) Trio bestehend aus Yuna, Rikku und Paine zur Verfügung. Letztere ist aus dem Vorgänger FF X noch nicht bekannt. Dass der traditionelle Charakterenreichtum fehlt ist ungewohnt und in gewisser Hinsicht sicher auch schade. Dennoch tut dies dem Spielspaß keinen Abbruch, da man die drei Mädels nach kurzer Zeit sympathisch finden muss. Denn nicht nur die Kämpfe wurden gelockert, auch die Charaktere: Sie gehen viel mehr aus sich heraus, Emotionen werden durch fantastische Facial Motion Effekte beeindruckend und glaubwürdig ausgedrückt. Sie lachen, scherzen, tanzen, meckern, schreien, zanken...alles ist dabei. Und genau das ist es, was die Hauptcharaktere in FF X-2 auch so "nahe" und realistisch erscheinen lässt.
Schwer verständlich ist, dass es scheinbar viele Spieler gibt, denen gerade das sauer aufstößt und die sich lieber in dem alten Spira, der Welt von Final Fantasy X bewegen würden: Zwar bunt, aber auch düster und melancholisch, immer am Rande der Vernichtung. Zu leicht wird vergessen, dass es sich bei FF X-2 ja um den Nachfolger handelt! Die finale Schlacht ist vorbei, das Monster Sin vernichtet, der Schatten verschwunden. Warum sollte 2 Jahre danach wieder alles beim alten sein? Ich finde es nur konsequent vom Entwicklungteam, diesmal diese Heiterkeit miteinfließen zu lassen, die zwar gewöhnungsbedürftig, aber durchaus angebracht und glaubwürdig ist! Sehr schön ist die Tatsache, dass das alte Spira zwar zu gut 95% übernommen worden ist, aber doch grundlegend anders ist bezüglich der Einwohner, der Organisation und der Aktionen. Es breitet sich jedesmal ein tolles Gefühl aus, wenn man an Stellen kommt, die im Vorgänger FF X entscheidend waren, nun aber entweder nur noch eine Erinnerung für Yuna sind, oder gar völlig ihre Bedeutung verloren haben. Mit der allgemeinen Stimmung in Spira hat sich auch die musikalische Untermalung verändert. Sie ist spritziger und fröhlicher geworden (wie die Charaktere selbst auch), drückt aber immer noch die für die Final Fantasy-Reihe so typische, jeweils individuelle Stimmung aus, und erzeugt Atmosphäre!
Der Spielspaß kommt nie zu kurz, das Spielsystem ist anders als bisher, aber nach kurzer Eingewöhnungszeit leicht überschaubar. Die Graphik erscheint sogar eine Spur besser als im Vorgänger, hier möchte ich vor allem nochmal auf die drei Hauptcharaktere und vor allem die Gesichtsbewegungen hinweisen. Sicherlich das beste, was es bisher auf der PS2 zu sehen gab. Fantastische Videosequenzen wie in FF X sind hier zwar spärlich gesäht, aber wenn dann um so genialer. Da die normale Spielgraphik bereits zur Crème-de-la-Crème gehört, sind viele Zwischensequenzen auch in dieser gehalten.
Es ist auch klar, dass in FF X-2 die Beschwörungszauber fehlen müssen. Wer sich darüber beklagt, hat wohl vergessen, was am Ende von FF X geschehen ist. Die Asthra, Grundsubstanz für die Bestia, sind verschwunden, es gibt keine Möglichkeit mehr, diese mächtigen Wesen zu rufen, da Yuna sie im finalen Endkampf des Vorgängers opfern musste. Stattdessen entschädigt Square den Spieler mit einer Palette von sog. Kostümen, die jeweils verschiedene Fähigkeiten beherbergen, die es zu erlernen gilt: Weiß- und Schwarzmagie, Fertigkeiten mit der Pistole, Schwertkunst und Tanz. Dieses System erinnert an Final Fantasy 9, setzt aber erfrischend neue Akzente. Zumal sich die jeweilige "Umkleidesequenz" im Kampf atemberaubend effektreich abspielt, man fühle sich an die Beschwörungssequenzen aus FF X erinnert!
Natürlich bringt FF X-2 als erster Zweiter Teil eines Titels der Final Fantasy-Reihe Neuerungen mit sich, sowohl in Hinsicht auf die Story und die Welt, als auch das Kampfsystem und die allgemeine Präsentation. Ganz klar: Square hat wieder einmal eine tolle Arbeit geleistet und einen einzigarten Titel geschaffen, der sich mit der Brillianz der restlichen Spielereihe durchaus messen kann. Vorraussetzung für die vollkommenen Spielgenuss ist die Bereitschaft, sich auf die Neuerungen einzulassen und nicht immer in der Erinnerung an die Genialität des Vorgängers zu schwelgen.
Wäre ein Final Fantasy X-2, das sich in allen Dingen direkt an den ersten Teil anlehnt nicht auch irgendwie langweilig?
Die Kreativität der Entwickler, die Spielern überall jene unvergesslichen Stunden mit Final Fantasy VII und den anderen Titeln beschert haben, sollte jedenfalls nicht eingeengt werden!
Schließlich wird Final Fantasy XII auch Neuerungen beinhalten. Nur so, kann sich die Reihe schließlich immer weiter bis zur XX hangeln!


Angel Sanctuary, Band 20
Angel Sanctuary, Band 20
von Kaori Yuki
  Taschenbuch

11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen wer oder "was" ist Gott?, 9. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Angel Sanctuary, Band 20 (Taschenbuch)
Eine Frage, die sich wahrscheinlich viele Menschen im Laufe ihres Lebens einmal wenn nicht tausenfach stellen.
Hier ist er also, Band 20 von Angel Sanctuary, und wenigstens in dieser nun zu Ende gehenden Geschichte soll die Frage endlich beantwortet werden. Kaori Yuki und ihr Team bringen ihre Geschichte um Engel, Menschen, Dämonen und viele andere Wesen fulminant und atemberaubend zu einem bisher selten gesehen Abschluss.
Nach ewigen Hin-und-Her, Gewinnen, Rückschlägen, Mord und Totschlag, Intrigen und Verlust gelangt die Gruppe um Setsuna Mudo zum Gottesturm Ethemenanki, um sich dort dem Großen Widersacher, dem Inorganischen Engel Rosiel zu stellen, der es auf die sog. "Enochtafeln" abgesehen hat, die angeblich die göttliche Allmacht in sich tragen. Mit diesem letzten Band ist die Reihe "Angel Sanctuary" an ihrem Ende angelangt.
Wie immer beweist das Team um die geniale japanische Zeichnerin überschäumende Phantasie was Handlung und Zeichnung betrifft. An den vielen Details und imposanten Szenen kann man sich kaum satt sehen, im Gegenteil ist es kaum möglich, den Manga NICHT in einem Zug durchzulesen. Der Handlungsstrom läuft nun am Ende rauschen und schäumend seiner Mündung zur umfassenden Erklärung von Geschichte und Zusammenhängen zu -und reißt den Leser mit.
Phantastisch illustrierte, finale Endkämpfe und die unglaublich originellen Erklärungen und Ideen können vollends überzeugen.
Und eines kann man Kaori Yuki sicherlich nicht vorwerfen: Dass sie falsch recherchiert hätte. Viele Charaktere (oder zumindest deren Namen) haben authentischen Ursprung in christlich-jüdischer Mythologie und der Lehre der Khaballa oder den Apokryphen. Bezeichnungen wie "Enoch", "Sephiroth", "Ethemenanki" oder die Namen der Großen Engel sind keinesweg erfunden, noch japanisch-fernöstlichen Ursprungs.
All das macht aus der "Engels-Saga" ein Prachtstück japanischer Mangakunst, das mehr als würdig und mit Fanfaren und Trompeten zu Ende geht. Kaori Yuki zieht wirklich noch einmal alle Register.
Ob einem diese doch etwas überraschende und skuril anmutende Idee vom Wesen "Gott" gefällt, bleibt jedem selbst überlassen.
Keine Frage, 5 Sterne!


Gedichte
Gedichte
von Arthur Rimbaud
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen wirr, schön und modern!, 3. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Gedichte (Gebundene Ausgabe)
Keine Frage: Arthur Rimbaud gehört zu den ganz Großen der französischen Literatur und einem der wichtigsten Vertreter der einsetzenden Moderne im 19. Jahrhundert überhaupt. Was macht die Faszination dieses Dichters und genialen Künstlers aus? Vor allem seine Lebensgeschichte, die ganz eng mit seinem Werk verflochten ist.
Stefan Zweig beschreibt Rimbaud in einem Leitwort zu einem Band von gesammelten Gedichten, er sei bereits in seiner Jugend ein hitziger und vor Energie nur so strotzender Mensch gewesen, eine unruhige und rastlose Persönlichkeit. In das Leben des jugendlichen Rimbaud tritt nun sein Lehrer, Georges Izambard, der den jungen Mann anhält, sich doch durch die Poesie auszudrücken zu versuchen. Mit 16 Jahren beginnt Rimbaud zu schreiben, und das eben NICHT nach allen Regeln der Kunst, denn noch viel mehr als Charles Baudelaire vor ihm kündigt er der künstlerischen Form auf. Rücksichtslos bricht er die alten Regeln bezüglich Form und Inhalt, Enjambements unterbrechen die Harmonie und die bereits von Victor Hugo formulierte "Ästhetik des Hässlichen" tritt deutlich zu Tage. Trotzdem schafft es Rimbaud, eine neue Harmonie zu erzeugen; ein Beispiel dafür ist das einfach wunderbare Gedicht "Le dormeur du val", das unter dem Eindruck des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 steht. Dennoch: Die Revolution in der französischen Lyrik ist geschehen, der Umsturz vollzogen. Und dann der andere Umbruch: Rimbaud hört auf. Nicht einmal zehn Jahre schreibt der junge Franzose und zieht sich mit etwa 23 Jahren vom Schreiben zurück, gerade als sein Werk allgemeine Anerkennung zu ernten beginnt. Auf Knien fleht man ihn an, doch weiterzumachen, doch harte Worte und Ausrufe wie "Ridicule!" sind die Reaktion. Stattdessen verlangt es den jungen Mann nach Reichtum und so macht er sich auf, um als Händler im Französischen Kolonialreich sein Brot zu verdienen. Rimbaud stirbt im Alter von 37 Jahren 1891 in Marseille. In einem Brief an seine Schwester kurz vor seinem Tod schreibt er: "Notre vie est une misère, une misère sans fin. Pourquoi donc existons-nous?" Ja, warum existieren wir dann, wo doch unser Leben ein einziges, endloses Elend ist? Worin besteht also Rimbauds Leistung? Vor allem bereitete er mit Baudelaire die Entwiclung der Moderne vor, die Expressionismus, Impressionismus, Décandence und viele andere literarische Gattungen hervorbringen sollte. Die Absage zur Harmonie von Form und Inhalt ist bezeichnend, Rimbauds Gedichte sind individuell und deshalb oft wirr, bewahren aber immer ihre Ausstrahlung und schaffen es, einen wahrhaft bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Stefan Zweig beschrieb das Phänomen Arthur Rimbaud folgendermaßen: "Er bediente sich der Kunst, als sie ihm dienlich war, vergewaltigte sie und als er sie nicht mehr brauchte, schleuderte er sie fort."
Rimbauds Gedichte sind meiner Meinung nach einzigartig. Beim Lesen dürfte eine Erinnerung an Baudelaires "Fleurs du Mal" unumgänglich sein, eine unausgesprochene Einladung zum Vergleich und zum völligen Eintauchen in die frühe Moderne des 19. Jahrhunderts, die zur Zeit von Industrialisierung, politischer Instabilität und tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen entsteht.
Die hier vorliegende Übersetzung ist wirklich sehr gut und trifft die Aussagen der Gedichte. Es wurden keine weitreichenden Veränderungen aufgrund persönlicher Interpretationsansätze der Übersetzer vorgenommen, sodass der Zauber des Französischen auch zum Großteil im Deutschen erhalten bleibt. Trotzdem, wie sagte bereits Voltaire:
"Mit der Übersetzung eines Werkes anderer Sprache ist es wie mit einer Frau, mit der man ausgeht, obwohl man mit der Schwester verabredet war. Sie mag noch so schön sein, sie ist nicht die richtige."


Das Silmarillion
Das Silmarillion
von John R. R. Tolkien
  Taschenbuch

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Herzstück von Tolkiens Welt!, 6. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Das Silmarillion (Taschenbuch)
J.R.R. Tolkien hat im "Silmarillion" sein Lebenswerk manifestiert; denn Tolkien selbst betrachtete es stets als sein Herzstück, jenes Werk, für das er am meisten Zeit aufwandte und das bereits sehr früh entstanden ist: Aus Ideen, die unter anderem während eines unfreiwilligen Aufenthalts im Kriegshospiz ersonnen wurden. Für den Schriftsteller waren die Geschichten, die im "Silmarillion" verewigt sind z.T. die frühesten Entwürfe von Mittelerde (sofern man von den Büchern der "Verschollenen Geschichten" absieht), und um so mehr Liebe zum Detail hat Tolkien darauf verwandt.
Doch Vorsicht!
Das "Silmarillion" ist NICHT mit dem Herrn der Ringe vergleichbar, denn es erzählt weder aktiv eine Geschichte, noch beschränkt es sich auf einen Hauptthememkomplex. Stattdessen kann man es als eine Art "Geschichtsbuch" aus der Welt Mittelerdes bezeichnen, in der der Erzähler jeweilige berühmten Legenden von grob bis zum kleinsten Detail dem Leser näher bringt. Dennoch entsteht eine Atmosphäre von wahnsinniger Dichte, die mich letztendlich dazu brachte, das Buch in zwei Tagen zweimal zu lesen.
Noch einmal Vorsicht!
Das "Silmarillion" ist in seiner Übersetzung in vergleichsweise hohem sprachlichen Niveau gehalten. Es werden sehr viele altertümliche Ausdrücke verwendet, die im heutigen Deutsch kaum mehr Platz finden bzw einfach nicht mehr üblich sind. Das Lesen ist durchaus etwas anspruchsvoller, es gestaltet sich ähnlich wie bei der Carroux'schen Übersetzung des "Herrn der Ringe". Diese Schwierigkeit ergibt sich nicht nur durch das hochdringende Deutsche, sondern auch durch die vielen Details und Namen, die Tolkien erwähnt. Dutzende Gegenden, Flüsse, Bäche, Flussübergänge, Wälder, Berge und Städte haben Namen, die verhältnismäßig häufig genannt werden. Glücklicherweise befindet sich auch im Silmarillion eine Karte, die es so ermöglicht, einen bessern Eindruck zu bekommen. Man muss als Leser aber auch der Typ sein, der sich auf solches einlässt!! Blicke nach hinten in die Karte sind unablässig, will man zu einer besseren Vorstellung gelangen; gerade das aber macht -wie bereits beim "Herrn der Ringe"- die Anschaulichkeit des Buches aus. Man wird förmlich mitgerissen in die Welt Mittelerdes, man bekommt konkrete Bilder und Beschreibungen geliefet, die der eigenen Phantasie sprichwörtlich Flügel wachsen lassen.
Noch einmal: Sofern man sich darauf einlässt!
Nun zur inhaltlichen Seite: Tolkien beschreibt im Silmarillion die Dinge, die ihm selbst an seiner Phantasiewelt am wichtigsten waren: die Vorgänge und Geschehnisse aus den Ältesten Tagen, dem "Zeitalter der Sterne", dem "Zeitalter der Bäume" und dem "Ersten Zeitalter der Sonne", auf die bereits im "Herrn der Ringe" oft ehrfürchtig zurückgeblickt wird. Es beginnt mit der Erschaffung der Welt durch den Gott Éru Iluvátar und die sog. Ainur bzw Valar; interessant ist hier vor allem, wie Tolkien -selbst bekennender Christ- verschiedene mythologische Aspekte aus der antiken Welt verarbeitet. Betrachtet man die Kapitel genauer, finden sich Anlehnung an christlich-jüdische und griechische bzw nordische Mythologie; all das ist auf erzählerisch höchstem Niveau verfasst. Im weiteren Verlauf erfährt man endlich über das Schicksal der Elben, v.a. der "Noldorhim", die sich durch die Schuld des Dunkeln Herrschers Morgoth (eine Verkörperung des uns bekannten "Luzifers") auf einen verbrecherischen Eid einlassen und die Unsterblichen Lande -die im "Herrn der Ringe" nur unklar nasprochen werden- verlassen, um einen aussichtslosen Kampf gegen das Böse zu führen. Hier wird ganz deutlich Tolkiens Begeisterung für die Elben klar. Grund für all das Übel sind die sog "Silmaril", Steine, in die da Licht, das "noch vor Sonne und Mond existierte", eingeschlossen ist. Es schließen sich Berichte über Schlachten wie die Nirnaeth Arnoediad, die Gründung und der Zerfall der Elbenreiche, sowie das einfache Leben in Beleriand, Mittelerdes Westen (der zur Zeit dea Ringkrieges schon lange nicht mehr existiert), an. Besonders reizend sind die Legenden über herzzerreißende Einzelschicksale wie jene über "Lúthien Tinúviel" und "Túrin Turambar". Auch Entwicklung und Werdegang von bereits aus dem "Herrn der Ringe" bekannten Charakteren wie Galadriel, Elrond und Gandalf werden geschildert. Wie der Krieg um die Silmaril und gegen den Dunklen Herrscher letztendlich ausgeht, soll hier nicht verraten werden. Weitere Pluspunkte des Buches sind die Geschichte vom "Akalabêth", dem Untergang "Númernors" (wo klar wird, von welchem Geschlecht und welcher Welt Aragorn abstammt), und die Schilderung der Geschehnisse um die "Ringe der Macht".
Alles in allem ist das "Silmarillion" aufs wärmste zum empfehlen. Freilich ist es keine leichte Kost, doch für die, die noch tiefer in die "Faszination Mittelerde" eintauchen wollen, unabdingbar. Ich rate aber, den "Herrn der Ringe" unbedingt vorher gelesen zu haben, dann erschließen sich die Zusammenhänge besser. Weiterhin empfehle ich, sich der Trilogie nach der Lektüre des "Silmarillions" nocheinmal zuzuwenden, erst dann werden alle Details und Anspielungen deutlich und die Atmosphäre noch geschlossener und verzaubernder. Übrigens möchte ich darauf hinweisen, dass auch in der genialen Verfilmung von Peter Jackson viele Kleinigkeiten auf das "Silmarillion" anspielen. Glauben Sie mir, es ist jedesmal eine wahre Freude, diese zu entdecken und dabei an jenes Buch zu denken, in dem Tolkiens Geist voll und ganz gegenwärtig ist!


Der Herr der Ringe - Die Gefährten (Special Extended Edition) [4 DVDs]
Der Herr der Ringe - Die Gefährten (Special Extended Edition) [4 DVDs]
DVD ~ Elijah Wood
Wird angeboten von Music-Shop
Preis: EUR 38,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Wegweiser des Genres!, 28. September 2004
Keine Frage: "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" ist an sich schon ein genialer Film. Was die Macher bei der Kinofassung versäumt haben, das wird hier auf wunderbarste Weise nachgeholt. Die Special Extended Edition ist auf jeden Fall um vieles besser als der originale Film, zu viele Szenen haben gefehlt, zu viele wichtige Informationen und Details waren nicht oder nur halbherzig vermittelt worden. Diese Version hier aber ist durchaus ein Werk, das man ohne mit der Wimper zu zucken als "perfekt" bezeichnen kann. Besser als in der Kinofassung, und mit mehr Gefühl und Eindringlichkeit, entführt die SEE den Zuschauer nach Mittelerde, viel mehr wird hier die persönliche Leidenschaft und die Liebe des Regisseurs und seiner Crew für den Filmstoff deutlich: Denn erfreulicherweise hält sich die SEE wieder mehr an die einfach wundervolle Buchvorlage von J.R.R. Tolkien. Die, die bei Erscheinen des Films laut aufschrien (zum Teil auch zu Recht!), dürften jetzt eindeutig zufrieden sein und verstummen. Bereits der Anfang im Auenland ist liebevoller und ausführlicher gestaltet und bringt uns das liebenswürdige und sympathische Volk der Hobbits näher. Weitere eingestreute Szenen lassen das Herz des Fans höher schlagen. Ich persönlich muss auch sagen, dass ich den Einbau Arwens in die Saga nicht vollkommen abwegig finde, zwar entspricht es nicht der literarischen Vorlage, doch bringt die Geschichte um ihre Liebe zu dem Sterblichen Aragorn durchaus Atmosphäre in die Handlung. Auch die verlängerten Szenen in Elronds Rat sind restlos gelungen, es gibt einige mehr Erklärungen, die dem, der sich das Buch noch nicht zu Gemüte geführt hat, sicherlich einige Details klarer machen. Am besten gelungen ist aber "Lothlórien", das Reich Galdriels. Meiner Meinung war dies der große Schwachpunkt des ersten Teils der Trilogie: Denn die Begegnungen in Lothlórien, die im Buch sehr wichtig sind und auf die immer wieder zurückgesehen wird, fielen in der Kinofassung doch recht mager aus. Da war nicht davon zu spüren -wie in der Buchvorlage Tolkiens- vom Elbenbrot, das Frodo und Sam über die gesamte Geschichte praktisch am Leben hält, vom Seil, das den beiden aus mancherlei schwieriger Situation hilft usw. Die Geschenke Galadriels sind wohl das größte Plus, dass die SEE enthält! So viel Magie schwiegt in diesen Szenen mit, einfach grandios. Die Geschichte um die Ringe wird auch eine Spur vertieft, da Galadriel Frodo ihren Ring Nenya zeigt.

Mit der Special Extended Edition von "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" zeigen Peter Jackson und seine Leute ihre Detailverliebtheit und ihr persönliches Interesse an der Umsetzung des gigantischen Stoffes. Herausgekommen ist eine einzigartige DVD-Box voll dichter Handlung, schöner Charaktere und viel Liebe zur Thematik. Eine Reise in die Phantasie auf höchstem Niveau!
Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass die beste Verfilmung eines Buches immer noch die ist, die sich in den eigenen Gedanken formt und der eigenen Vorstellungskraft und Kreativität entspringt. Nichtsdestotrotz ist dieser Film mit dem ausführlichem und tollen Bonusmaterial hierfür eine großartige Bereicherung!


The Mask and Mirror
The Mask and Mirror
Preis: EUR 18,98

76 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Enya war gestern!, 28. August 2004
Rezension bezieht sich auf: The Mask and Mirror (Audio CD)
Enya war gestern! Wer Loreena McKennitt kennt, wird dem sicherlich zustimmen, spätestens nach dem Album "The Mask and Mirror" wird man wohl kaum mehr drumherumkommen. Das musikalische Niveau der kanadischen Sängerin ist höher angesetzt, die Stimme ist klar und facettenreich und lässt Enya im direkten Vergleich wie eine sprichwörtliche "Seusel-Tante" abblitzen. Die wahre "Queen" des Celtic offenbart sich hier.
Ohne die Bedeutung von "The Visit", dem vorangehenden Album, herunterspielen zu wollen, bedeutet "The Mask and Mirror" eine gewaltige Steigerung in der Entwicklung von Loreena McKennitts Musik. Das liegt v.a. daran, dass hier eindeutig zu Tage tritt, was sich bei "The Visit" erst vorsichtig andeutet: Der Einfluss orientalischer Klänge, der den Stil auf voll und ganz positive Art und Weise verändert und viel mehr noch bereichert. Denn nun endlich beginnt die Künstlerin mit ihrer Gruppe diese aufregenden Klänge aus Nordafrika sowie dem vorwiegend islamischen Kulturkreis mit jenen keltischen Ursprungs aus Europas nördlichen Regionen zu verbinden. Das Ergebnis ist ein farbenprächtiges und einzigartiges musikalisches Feuerwerk, dass nicht von ungefähr nach seiner Veröffentlichung diese spezielle Musiksparte beeindruckte. Loreena McKennitts Leben ist so eng mit der Musik verwoben, dass ein musikalischer Fehltritt der Sängerin unmöglich erscheint -und ist! "The Mask and Mirror" ist ein starkes Album, das sich einen Schritt weiter in eine neue Richtung bewegt und somit McKennitts Talent verdeutlicht. Denn man merkt recht schnell, dass sie mehr will. Während viele Künstler oftmals in ihrem gewohnten musikalischen Umfeld verbleiben und in Folge dessen nicht selten uninteressant werden, ist es die unerschöpfliche Kreativität, die Loreena McKennitt antreibt, neue Möglichkeiten auszuschöpfen, bisher unbekannte Weisen und Stile einzuarbeiten und ganz einfach ihren eigenen Weg zu gehen.
"The Mask and Mirror" beginnt mit dem Stück "The Mystic's Dream", das seinem Titel in allen Bereichen gerecht wird: Mystisch-verzaubernd schafft es eine träumerische Atmosphäre, in der nichts ummöglich ist. Loreena McKennitt nimmt den Hörer mit auf eine Reise; eine Reise, die für jeden anders verlaufen wird. Es ist bereits der Charme dieses Liedes, der Lust auf "mehr" macht. Kaum verwunderlich ist also, dass gerade "The Mystic's Dream" zur musikalischen Untermalung des Trailers zu "Der Herr der Ringe: Die Gefährten" verwendet wurde. Die Magie des ersten Liedes aber mündet bereits in einen weiteren Höhepunkt: "The Bonny Swans", die Vertonung eines traditionellen Gedichtes, erzählt eine fesselnde Geschichte, die durch die dazu komponierte Musik förmlich vor den Augen des Hörers "gemalt" wird. Trotz der über 7-minütigen Länge ist dieses Lied nie langweilig oder eintönig, sondern schließt mit einem wunderschönen Geigen-Solo, das dieses harmonisch einwandfreie Stück gelungen abrundet. Übrigens ist "The Bonny Swans" ein gutes Beispiel für die langen Werke, von denen mindestens eines auf beinahe jedem Album von Loreena McKennitt zu finden ist. Der Kontrast zur heutigen populären Musikrichtung ist klar: Keine dümmlichen 2-Zeilentexte, umrahmt von stupiden dutzendweise wiederholten Refrains, sondern niveauvolle Lieder, die die Person ansprechen und nicht oberflächlich vorbeiziehen, um bald unbeachtet in den Annalen der Musikgeschichte zu verhallen. "The Dark Night of the Soul" ist ein recht einfaches Werk, in dem Loreena McKennitts Stimme und der fabelhafte Gesang besonders im Vordergrund stehen. Emotionen werden eindringlich dargestellt und eine gewisse Traurigkeit schwingt in der Musik mit.
"Marakesh Night Market" ist zwar meiner Meinung nach nicht das schönste Stück auf "The Mask and Mirror", aber durchaus das bedeutendste, denn dies ist das Manifesto des keltisch-orientalischen Stils, den die Künstlerin weiter verfolgen wird. Es entführt den Zuhörer selbst in jene Nacht voll orientalischen Charmes und munterer Geschäftigkeit. Ein grandioser Schritt, mutig gewagt, aber letztendlich erfolgreich und bereichernd!
"Santiago" ist ein wundervolles Stück, in dem die orientalischen Instrumente weiterhin starken Einfluss auf die Stimmung nehmen, zusammen mit McKennitts Gesang fühlt man sich an einen Tanz erinnert. Jedoch auch und v.a. ein Lied, in dem sich die Geige, eines der wichtigsten Instrumente in der Gruppe, endlich mit voller Kraft und Leidenschaft austoben kann. "The Two Trees", erneut eine Gedichtvertonung, besticht durch den leichten Gesang und die von der musikalischen Umrahmung vermittelten Stimmung, die sich mit der in den Texten in vollendeter Harmonie verbindet. Die keltischen Klänge treten hier wieder in den Vordergrund, ein weiteres Indiz für die Abwechslung, die das Album bietet. Die Tagebuchauszüge im Booklet verstärken den persönlichen Anspruch und verdeutlichen Quellen der Inspiration, wie sie nur Loreena McKennitt in vollem Maße nutzen kann.
Das bisher stärkste Album Loreena McKennitts endet mit einem Auszug aus dem Werk Shakespears, eines der größten Schriftsteller der Geschichte. Hier dürfen sich zwei große Künstler stolz die Hände reichen!


The Visit
The Visit
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 11,32

51 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Wegweiser!, 28. August 2004
Rezension bezieht sich auf: The Visit (Audio CD)
Dass Loreena McKennitt mit ihrem Album "The Visit" der Durchbruch gelang ist nicht weiter verwunderlich, wenn man sich diesem musikalischen Wunderwerk nähert. In der Entwicklung des typischen McKennitt-Stiles ist "The Visit" auf jeden Fall ein markanter Wegweiser, wird doch hier bereits angedeutet, welchen Weg diese wunderbare Künstlerin gehen wird. Zwar ist es richtig, dass der Großteil der Stücke von Musik keltischen Ursprungs und irischer Weisen dominiert wird, doch ist klar zu erkennen, dass Loreena McKennitt sich bereits für die orientalischen Klänge zu interessieren beginnt; welche die weiteren Werke entscheidend und immer mehr beeinflussen werden! Instrumente aus dem Morgenland beginnen schon auf diesem Album die musikalische Gestaltung auszuschmücken.
Wie immer besticht Loreena McKennitt mit ihrer unglaublichen Stimme, mit der sie die jeweiligen Themen und Stimmungen der verschiedenen Lieder eindringlich und packend vertritt. Der gekonnte Einsatz der Instrumente durch die herrausragenden Gruppe um die kanadische Künstlerin rundet das musikalische Kunstwerk erneut ab.
"The Visit" startet mit dem mitreißenden "All Souls' Night", ein Lied, dass das keltische Neujahrsfest beschreibt. Eine mysthische Atmosphäre und vollendete Harmonie von Loreena McKennitts wunderbar eingesetzter Stimme und der musikalischen Leistung des Ensembles verleihen diesem Stück eine einzigartige Stimmung. "All Souls' Night" ist wirklich wie ein Fest, das mit einem betörendem Zauber den Zuhörer gefangen nimmt aber ihn durchaus mit einer gewissen Fröhlichkeit mit hineinpackt und zum Tanze auf jenem Fest auffordert. "Between The Shadows" ist ein schönes Musikstück, schlicht und ohne jeden Gesang; es würde wohl nicht einmal jeder noch so poetische Text das auszudrücken imstande sein, was die Musik vermitteln will. Sanfte Harfenklänge und der perfekte Einsatz der Geige zeigen wiedereinmal das hohe musikalische Niveau, das Loreena McKennitt verspricht. "The Lady of Shalott" ist ebenso schön und faszinierend, da es zum einen eine sehr gute aber auch traurige Geschichte aus dem Bereich der Artus-Sage erzählt, zum anderen die Tendenz der Künstlerin verdeutlicht, Gedichte zu vertonen!
"Greensleeves" -wer kennt es nicht- klingt für manche vielleicht etwas eigentümlich, passt aber wunderbar ins Konzept von "The Visit" und zeigt eine der vielen Facetten der Sängerin und ihrer Musik. "Tango to Evora" hat v.a. einen anpruchsvollen Charakter und weiß durch richtigen Takt und eine gewisse melancholisch-leidenschaftliche Stimmung zu überzeugen. Bei manchem mögen beim Hören die Füße kribbeln, wenn man diese mit viel Kraft dargebrachte Tango-Stimmung in sich aufnimmt.
Ein Glanzstück der ganzen CD ist wohl "The Old Ways". Dieses Stück ist atemberaubend schön und erzählt von unvorstellbar traurigen Gefühlen, in die man als Zuhörer sprichwörtlich "eintauchen" kann. Es mag durchaus sein, dass Loreena McKennitt hier persönliche Erlebnisse und Erfahrungen miteingearbeitet hat, wer sich etwas über ihre Biographie kundig gemacht hat, wird wissen, welches Ereignis hiermit angedeutet sein soll. "The Old Ways" ist eines der persönlichsten Lieder, die die Künstlerin bisher kreiert hat, und meiner Meinung nach auch eines der schönsten Musikstücke überhaupt.
Loreena McKennitts Neigung, ihre Werke von den Worten berühmter Schriftsteller abschließen zu lassen, ist in "Cymbeline" verwirklicht und offenbart sich als gekonnte Abrundung eines durchaus anspruchsvollen und in allen Punkten überzeugenden Albums.


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