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Odysseus (HH)

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Amadeus - Director's Cut (2 DVDs)
Amadeus - Director's Cut (2 DVDs)
DVD ~ F. Murray Abraham
Preis: EUR 5,97

5 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen War Mozart eigentlich ein Punk?, 23. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Amadeus - Director's Cut (2 DVDs) (DVD)
Ich war überrascht hier so viele positive Bewertungen zu sehen.

Die Konstellation ist erst einmal reizvoll: Das Leben des am kaiserlichen Hof zu Wien engagierten und notorisch humorlosen Komponisten Salieri erfährt eine jähe Wendung, als das mittlerweile erwachsen gewordene Wunderkind Mozart am Hof eingeführt wird. Der leichtfüßige Mozart sprüht vor gerade zu vor Humor und Genialität, was Salieri mehr als einmal übel aufstößt. Salieri ist bald zerfressen vor Neid, aber gleichzeitig genauso voller professioneller Bewunderung für den aufstrebenden Mozart, der ihm eigentlich in allen Belangen überlegen ist.

Puristen findem in diesem Film genügend Angriffsfläche, seien es biographische Details oder die Darstellung Salieris selbst, einschließlich seiner Keuschheit. Aber um das geht es gar nicht. Wer einen pädagogisch angehauchten Film über das Leben Mozarts erwartet, dem sei abgeraten, denn das wollte der leidenschaftlich spekulierende und auch verfälschende Film nie leisten. Amadeus ist ein reiner Unterhaltungsfilm, bei dem ein nervender und lächerlich dargestellter Clown namens Mozart den Zorn eines bis dahin etablierten und ab da unglaublich verbitterten Spießers erregt, und schließlich dessen Opfer wird. Die Darstellung des Letzteren ist klasse, die Mozarts einfach nur nervtötend. Zu schade, denn die eigentlich reizvolle Konstellation hätte man spannender und besser darstellen können, wenn man etwas an der Lächerlichkeit gespart hätte. Mozart als billiges Zerrbildchen der Popkultur? Definitv ein Reinfall.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 20, 2014 6:44 PM CET


Satan der Rache
Satan der Rache
DVD ~ Klaus Kinski

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gary Hamilton schlägt zurück, 21. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Satan der Rache (DVD)
Kinski kompromisslos: Zu Unrecht zur Zwangsarbeit im Steinbruch verurteilt, fristet Gary Hamilton ein bedauernswertes Dasein und sinnt auf Rache. Und die bekommt er ' kaum begnadigt, begibt sich Hamilton auf einen gnadelosen Rachefeldzug, und ein alter Bekannter, der ihn damals in den Steinbruch brachte bekommt endlich die Rechnung präsentiert, aber natürlich erst nach dem Hamilton seine Handlanger erledigt hat...

Auf der Habenseite stehen ganz klar Kinski als Satan der Rache, die zynischen Spaghetti-Western-Beigaben (die Orgel, der Geistliche, krumme Typen), ab und an gelungene Töne vom Soundtrack und ein ordentlicher Showdown.

Mittelmäßig: Peter Carsten als Gegenspieler des Satans.

Mankos: Die Story ist doch leicht vorhersehbar, die 'Horror'-Effekte wirken aufgesetzt und das Abschlachten der ganzen Reihe von Gorillas des Oberbösen dehnt sich.

Das humorlose Werk ist weder Fehlgriff noch Meilenstein oder Must-see, eher ein klassischer wenig anstrengender Spätfilm.


Töte Amigo
Töte Amigo
DVD ~ Gian Maria Volonté
Wird angeboten von Mediafoxx
Preis: EUR 4,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Respekt und Hochachtung, 2. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Töte Amigo (DVD)
Einer der stärksten Italo-Western überhaupt, der leider viel zu selten als Referenzwerk genannt wird.

Die schmissige Handlung ist wieder hemmungslos gerötet: Ein reichlich unsympanthischer Gringo schließt sich den Befreiungshelden um den charismatischen aber im Kern doch eigentlich recht unfähigen El Chucho an. Genretypisch ' man ist ja im Zapata-Western ' beziehen die 'Federales' ordentlich Prügel, vor allem von dem grandiosen El Santo, natürlich Klaus Kinski, einem ehemaligen Mönch und Halbbruder des Oberguerilleros, der nun wirklich zu keinerlei Gnade fähig ist.

Sicherlich, auch diesem eher lockeren Zapata-Western fehlt es etwas an bewegenden Momenten à la 'Spiel mir das Lied vom Tod' oder 'Leichen pflastern seinen Weg'. Stattdessen wird ' auch dank eines Maschinengewehrs ' schießwütig und bleihaltig die Revolution vorweggenommen. Wer kaputte Helden schätzt und sich von kommunistischen Mythen, Zynismus und Brutalität nicht abschrecken lässt, wird hier bestens bedient, denn die Story ist abwechslungsreich, und die Schauspieler enttäuschen kaum.

Das unterhaltsame Werk braucht den Vergleich mit dem Mercenario nicht zu fürchten: Legendäre Szenen finden Freunde des Genres auch hier.


Das Schlangenmaul
Das Schlangenmaul
von Jörg Fauser
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

3.0 von 5 Sternen Heinz Harder for ever, 6. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Schlangenmaul (Broschiert)
Als einen Krimi im klassischen Sinne kann man das "Schlangenmaul" beim besten Willen nicht bezeichnen. Eher wieder eine durchgeknallte überdrehte Story des leider schon lange verstorbenen Fausers ' Analogien zum "Schneemann" exisitieren durchaus, z.B. in Fausers leidenschaftlichen Milieu- und Szenebeschreibungen oder der ' was sonst - "hard boiled"-Attitüde seines Helden.

Kurz zur Handlung: Der gescheiterte Boulevardjournalist und Wodka-Trinker Heinz Harder muss ein verschwundenes Mädchen im Berlin der frühen 1980er aufspüren. Natürlich trifft er dabei auf krumme Typen, vernachlässigte Ehefrauen, gerissene Betrüger sowie einen Sumpf voller Korruption und Kriminalität. Als ständig mitschwingender Grundton liegt über dem West-Berlin des kalten Krieges die morbide Frontstadtstimmung.

Das liest sich auch durchwegs flott. Sicher, stellenweise geht es etwas zu sehr in's James-Bond-hafte - da war sogar die Looser-Story vom "Schneemann" mit dem Koks-Fund durchaus glaubwürdiger. Aber wenn ich ernsthaft alltägliche Banalitäten erwarte, brauche ich den Fauser erst gar nicht zu beginnen.

Fazit: Wer sich an der teilweisen Realitätsferne oder dem meisterlich angedeuteten zivilisatorischen Verfall nicht stört, und Gefallen an gut recherchierten (oder doch nur gekonnt phantasierten?) Szenestudien hat, dem dürfte das spannende Werk gefallen. Miss-Marple-Fans oder Doyle-Fetischisten mit Hang zum durchstrukturierten Plot oder andere schöngeistige Naturen sollten aber eher die Finger davon lassen.


Ich nicht: Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend
Ich nicht: Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend
von Joachim Fest
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schade - einer der besten feiert sich selbst, 4. Oktober 2010
Eine Frage, die sich nach dem Lesen des Werkes aufdrängt ' was hätte denn der Journalist Fest gesagt, wenn ihm solch ein Werk zur Rezension vorgelegt worden wäre? Es ist anzunehmen, er hätte es spöttisch, scharfzüngig und unterhaltsam zerrissen.

Zur Sache: Der mittlerweile verstorbene Jorunalist und Hitler-/Speer-Biograph Fest beschreibt seine Kindheit und Jugend. Sein Vater, ein konservativer Gymnasialdirektor, weigert sich mit den Nazis zu kooperieren und wird alsbald vom Schuldienst suspendiert. Weite Teile des Buches beschreiben die "Innere Emigration" des Vaters, sein Meinungsaustausch mit Gegnern der Nazidiktatur, natürlich eher aus dem bürgerlichen wie aus dem linken Lager. Joachim Fest wächst in Mitten der Nazidiktatur auf, besucht die Schule, beginnt im 2. Weltkrieg als Flakhelfer, meldet sich zur Wehrmacht und gerät an der Westfront in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Eher skizzenartig beschreibt er am Ende des Bisches seinen Werdegang nach seiner Rückkehr, i.e. das Studium, seine journalistische Karriere und die beginnende Beschäftigung mit dem Dritten Reich.

Um hier einen zu einseitigen Eindruck zu vermeiden: Fests Schilderungen sind teilweise fesselnd. Weniger, wenn es darum geht, die unbeugsame Abneigung seines Vaters gegen die Nazis zu schildern (denn hier wollte er wohl mehr seiner Familie eine Denkmal setzen als den Alltag im Dritten Reich zu analysisieren). Interessanter und lebendiger wird er bei persönlichen Erlebnissen ' seine Schulerlebnisse in Berlin, die Anfeindungen der auf Linie gebrachten Nachbarschaft oder dann der Zweite Weltkrieg. Etwas mehr persönliches Erleben hier hätte das Buch lesbarer gemacht. Ebenso der Abschnitt nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft, seine Sichtweise der Nachkriegsjahre, seine Seitenhiebe auf Grass und die 68er ' gerade hier hätte es ruhig ein bischen mehr sein dürfen. Stattdessen aber mutet er dem Leser abschnittsweise Ergüsse zu, wie er schon als gerade dem Laufstall entflohener Bekanntschaft mit den deutschen Klassikern machte oder einem Wunderknaben gleich sich mit Mozart und Beethoven beschäftigt. Selbstherrlich finden sich hier lange Ausführungen, wie die bildunsgbürgerliche Familie sich mehr mit Heine beschäftig oder Goethe-Zitate zum besten gibt, derweil sich schon der kommende Weltkrieg abzeichnet. Defintiv schade, denn hier wurde viel Potential irreparabel verschenkt.


Mercenario - Der Gefürchtete
Mercenario - Der Gefürchtete
DVD ~ Franco Nero
Wird angeboten von schnellundbilligwarenhandel:
Preis: EUR 15,88

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Macht Laune, 20. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Mercenario - Der Gefürchtete (DVD)
Altmarxisten hätten ihre helle Freude: Statt im Soziologieseminar die marxistische Theorie zu büffeln, nehmen die Arbeiter einer Silbermine, angeführt von einem durchgeknallten Leichtfuß, revolutionär ihr Schicksal in die Hand. Und dann geht es erst richtig los. Mit einer skrupellosen Söldnernatur als Mastermind knallen sich die Proletarier ' einige Jahre vor Baader-Meinhof und den Roten Brigaden ' fröhlich durch das revolutionäre Mexico des frühen 20. Jahrhunderts. Am Ende wird dann noch eine längst überfällige Rechnung beglichen, die sicher zu den sehenswertesten Szenen des Genres zählt.

Corbucci's Revolutionsparabel aus dem Jahr 1968 ist in erster Linie unterhaltsam. Klar, auch die Brutalität kommt nicht zu kurz. Aber während der Edelsozialist bei Django (1966) noch bestenfalls mit rabenschwarzem Humor daher kommt, wird hier kurzweilig ironisiert. Das macht den Film sehenswert, auch wenn man die Sache nicht bierernsten Sinnes anschauen darf.

Die Umsetzung der DVD lässt nur wenig Wünsche offen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 5, 2014 11:28 PM CET


Django - Der Rächer
Django - Der Rächer
DVD ~ Franco Nero
Preis: EUR 8,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hausmannskost, 12. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Django - Der Rächer (DVD)
Django arbeitet als Sheriff in einer verträumten Kleinstadt. Gerade hat er mal wieder einen Ganoven erfolgreich zur Strecke gebracht, da ereilt ihn der Schrei nach Vergeltung. Er will den Mörder seines Vaters, der in Mexico als drakonischer Warlord weilt, endlich in Texas ordnungsgemäß hinter Schloss und Riegel bringen. Sein kleiner Bruder meint ihn begleiten zu müssen, doch er ahnt ja nicht, was da vor ihm liegt.

Vorneweg: Der echte Django ist das trotz Franco Nero nicht. Die Rolle wurde für diverse Länder nachträglich in Django umsynchronisiert, dieser Film stammt wie das Original aus dem Jahr 1966. Django ist hier weniger der zynische Antiheld mit MG im Sarg, sondern ein an Recht und Ordnung glaubender Sheriff, der eben noch eine Rechnung offen hat.

Weshalb einem der Film trotz Franco Nero nicht so ganz locker den Gaumen heruntergeht ' dem Helden fehlt der Webfehler, die Unkorrektheit, die doch die Sparte charakterisiert. Die nackte Story, das ist doch eher klassischer Western. Zudem: das Getue mit dem kleinen Bruder nervt. Ein paar zynische Elemente aus dem Spahghettigenre helfen wenigstens teils darüber hinweg.

Definitiv kein Muss. Mehr bieder bis durchschnittlich.


Leichen pflastern seinen Weg
Leichen pflastern seinen Weg
DVD ~ Klaus Kinski
Preis: EUR 6,99

4 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Überbewertet?, 12. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Leichen pflastern seinen Weg (DVD)
Einer der am meisten zitierten und diskutierten Italo-Western, den Fans des Genre sicher als "Must see" sehen.

Die Handlung ist Klassenkampf in Reinkultur. Ein harter Winter zwingt die Bewohner einer gottverlassenen Gegend in Utah zur Wegelagerei. Kopfgeldjäger machen im Auftrag der Bourgeoisie und im Namen des Gesetzes erbarmungslos Jagd auf die eigentlich recht harmlosen Banditen, unter ihnen der von Klaus Kinski gespielte Loco, der sich durch besonderen Zynismus hervortut. Da kann auch der korrekt denkende Sherriff nur wenig ausrichten. Die Antwort des hungernden Proletariats läßt nicht lange auf sich warten. Der stumme Silence, der zudem noch eine Rechnung mit dem Friedensrichter offen hat, wird engagiert, um Rache zu üben...

Es ist nicht falsch, politische Inhalte, egal ob konservativ oder marxistisch, mit einem Film zu verknüpfen. Das Problem ist hier, es findet auf eine etwas platte Weise statt, die immer mal wieder etwas zu sauer aufstößt. Die hungernden Banditen werden hemmungslos als Gutmenschen dargestellt, die eigentlich nur etwas zu essen wollen, und dabei der Mordgier der skrupellosen, vom Friedensrichter finanzierten Kopfgeldjäger zum Opfer fallen. Dabei entschädigt die in meinen Augen ordentliche (aber nicht brilliante) Darstellung des Loco durch den leider synchronisierten Kinski o.g. Manko nur zum Teil. Dazu kommt noch, dass die Dialoge zumindest in der deutschen Synchronisation extrem hölzern wirken und dem Film stellenweise eine aufgesetzte, unglaubwürdige Szenerie geben.

Der Film hat seine Befürworter, was man verstehen kann, wenn man die stramm patriotischen Konkurrenzprodukte aus den USA als Maßstab sieht, oder das Entstehungsjahr 1968 bedenkt. Auch die Idee, den Film im tief verschneiten Utah, statt vor typisch mediterranem Hintergrund spielen zu lassen kann man als originell bezeichnen, ebenso das spektakuläre Ende, den stummen Helden sowie die Seitenhiebe auf Sergio Leone.
Nichtsdestotrotz ist der Streifen weit entfernt vom Meisterwerk. Abgesehen von den lahmen Dialogen, es fehlt einfach die Spannung aus "Spiel mir das Lied vom Tod" oder die apokalyptische Atmosphäre beim originalen "Django" (ebenfalls von Corbucci). Außerdem, bis auf Kinski hätten die anderen Rollen mehr herausholen können, und selbiger bleibt streng genommen auch unter seinem diabolischen Limit. Die Musik von Morricone finde ich übrigens wenig erhellend. Der war anderen Ortes imposanter.

Zwei Punkte für das letzte Drittel des Filmes, aber sonst wenig Licht.


Soloalbum
Soloalbum
von Benjamin von Stuckrad-Barre
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Überschätzt????, 4. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Soloalbum (Taschenbuch)
Das wichtigste vorneweg: Man soll das Buch nicht bierernst nehmen, auch 10 Jahre nach seinem Erscheinen nicht.

Was passiert denn? Der Protagonist, Ende der 1990er Anfang 20 und irgendwie im U-Musikgeschäft tätig, wird von seiner mehrjährigen Freundin, die nebenbei gesagt gerade das Abitur gemacht hat, verlassen, und zwar per Fax. Was folgt ist Schmerzbewältigung, Vergessen, ... die ganze Psychohölle, die Stoff für schier endlose und seichte Dramen bietet. Aber so schlim kommt es dann doch nicht.

Natürlich kann unser Oasis-verehrender Held nicht nur trauern. Recht zusammenhangslos berichtet er - neben seinen angesammelten Lebensweisheiten - von seinem Schaffen in den Untiefen der Popmusik, glänzt auf Podiumsdiskussionenn zum Thema Jugendkultur, geht journalistischen Nebentätigkeiten nach und ist auch Dingen, die das extrem harte Leben leichter erscheinen lassen, nicht abgeneigt. Als da wären bierschwangere Parties, Zeitungslektüre und TV, Frauenbekanntschaften und ' obligatorisch 'das Nasenpudern. Klar, er kennt sich mittlerweile aus und hat längstens schon alles gesehen und durchschaut, deshalb kann sich BvSBzu allem und jedem seine distanzierte und zynische Meinung erlauben ' einzige Ausnahmen: Oasis und seine Verflossene, hier ist keine kritische Distanz möglich. Mehr passiert hier eigentlich nicht.

Aber: Soloalbum ließt sich flott, und da vergisst man die ganze Irrelevanz des Inhalts schon mal. Natürlich werden hier nicht Schenkelklopfer am Band produziert und natürlich geht einem die altkluge, ach so abgebrühte Art des Autors zwischendurch gehörig auf die Nerven, ebenso die Sache mit der Ex oder auch sein leicht spätrömischer Lebensstil. Zudem: Etwas mehr Selbstironie hätte nicht geschadet. Da stimme ich den anderen Rezensenten absolut zu. Zudem: Die Texte bei den Bildzeitungsgirls in aller Ausführlichkeit zu kommentieren ist nicht gerade kreativ und wohl eher früher 1990er-Pausenhofhumor.

Wer nach ein paar Seiten merkt, dass ihn das alles anwidert ' sofort Finger weg, besser (oder schlechter) wirds nicht. Sieht man aber mal von diesen Mankos plus Oasis und dem faden Britpop ab, gibt es auch Sternstunden. Die Podiumsdiskussion beispielsweise, aber eigentlich auch seine durchweg amüsanten Partybesuche. Und dann gibt es immer wieder diese Beschreibungen von Typen, die sind so trefflich ironisch und echt, das man diese ganze gespielte Arroganz und Selbstherrlichkeit in den fünf Seiten vorher ihm plötzlich doch gar nicht mehr so übel nimmt.

Also: Nichts für unsere Literaturschaffenden, Böll-Fans oder Möchtegern-Deutsch-LKler, denn mehr als eine lockere Reiselektüre für Mittzwanziger bis 'dreißiger ist es wirklich nicht. Passagenweise kann man es aber mit Gewinn lesen.


Damenwahl
Damenwahl
Wird angeboten von pahubhen
Preis: EUR 18,00

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Classics inside, 12. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Damenwahl (Audio CD)
Das dritte Hosenalbum - ein wahrer Hörgenuß im Vergleich zu den neueren Outputs der Band.

Die Scheibe hat auch mehr als 20 Jahre nach Erscheinen nur wenig schlechte Seiten: Das Hauptmanko m.E. ist der etwas dünne Klang dieser Ausgabe. Und: Die A capella-Version von "Bis zum bitteren Ende" und das alberne Altbierlied hätte man sich schenken können. Ich weiß, manche denken da komplett anders.

Darüber wird der Hörer durch die gnadenlose Verlierer-Hymne "Verschwende deine Zeit" mehr als entschädigt. Weitere Highlights: Das eingedeutschte Vibrators-Cover "Disco in Moskau" ist sicher einer der Klassiker des Frühwerkes, und wird leider viel zu selten live gespielt. Dazu natürlich die von der nachfolgenden, nie mehr erreichten Liveplatte bekannten "Schwarzwaldklinik" und "Freitag der 13." Über das "Wort zum Sonntag" braucht man nichts zu sagen. Zudem zu Unrecht völlig unterschätzt: Der "Ehrenmann".

O.g. Klassiker sollten der Platte eigentlich zur Höchstwertung verhelfen. Aber die etwas lahme Geräuschkullisse und die Tatsache, dass härtemäßig nicht ganz das Niveau des schillerenden Vorgängers ("Unter falscher Flagge") erreicht wurde, lassen mich zu drei Punkten greifen.

P.S. Es gibt mittlerweile eine neuere, erweiterte Fassung der Platte.


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