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Rezensionen verfasst von
Odysseus (HH)

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Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend: Roman (dtv Unterhaltung)
Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend: Roman (dtv Unterhaltung)
von Charles Bukowski
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

10 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Essentiell, aber kein Klassiker, 25. September 2007
Ein grundlegender Teil von Bukowskis Oeuvre ' endlich erfährt der interessierte Leser Fragen, die ihn schon lange bewegen: Warum wurde Henry Chinasiki, Bukowskis Synonym, so wie er ist? Wie war es mit ihm und den Frauen in der Schule? Von was für Eltern stammt dieser manchmal sympathische Alkoholiker und "Gesellschaftsanalytiker" eigentlich ab? Wie kam er zum Schreiben?

Spaß beiseite. Bukowski alias Henry Chinaski geht in diesem Buch zurück in seine Kindheit und Jugend, beschreibt die Verhältnisse, in denen er aufwuchs, und das Außenseitertum und die Prügel auf dem Schulhof. Logisch, auch der Alkohol kommt nicht zu kurz, dafür finden Mahlers Symphonien oder Pferderennen fast keine Erwähnung. Alleine schon deshalb eher eine Ausnahme unter seinen Romanen, wobei hier der Protagonist Chinaski wie immer wenig zu lachen hat.

Auch in diesem Buch begeistert Bukoswki durch seine teils geniale Ironie und seine knappen, effizienten Beschreibungen, von Carl Weissner übrigens meisterhaft ins Deutsche übersetzt. Zart besaitere Leser seien aber schon hier von den manchmal sehr vulgären Inhalten gewarnt. Wie bei vielen seiner Werke sind Überschneidungen und Andeutungen erkennbar.

Ein lesenswertes Buch, auch für Menschen die sonst Bukoswki eher meiden, da es etwas von der Norm des Autors abweicht. Wer sich aber für Buk interessiert, sollte vielleicht eher mit "Faktotum" oder dem "Mann mit der Ledertasche" anfangen, die sind typischer , um erst dann dieses Werk gewinnbringend zur Hand nehmen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 15, 2009 11:35 AM MEST


Verdun: Die Schlacht und der Mythos
Verdun: Die Schlacht und der Mythos
von German Werth
  Gebundene Ausgabe

14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Basiswerk, 24. September 2007
Eines der wichtigsten Bücher über den Ersten Weltkrieg.

German Werth, ehemals Redakteur beim Deutschlandfunk und mittlerweile verstorben, legt mit diesem Buch ein umfassendes Werk vor, das nicht nur die Kämpfe 1914-1918 selber beleuchtet, sondern auch die Beschäftigung der Nachwelt mit dem "Mythos", und knapp auch die Geschehnisse um Verdun im Zweiten Weltkrieg.

Werths Werk ist ein Kompromiß zwischen einer Reportage und in gewisser Hinsicht auch einem klassischen historischem Werk. Er hat in den 1960ern und 1970ern einige Augenzeugen befragt, und deren Eindrücke in die Schilderung einfließen lassen. Gleichzeitig beschreibt er aber auch die "Schlacht" aus Sicht der Generalstäbe. Seine eingestreuten Exkurse bleuchten dabei Literatur, Film und den Umgang mit dem Thema Verdun (bzw. Grabenkrieg) in der Gesellschaft.

Werths Sprache ist zwar nüchtern, er erspart aber dem Leser keineswegs die abschreckenden Details der Kämpfe. Allerdings, Verlustzahlen behandelt Werth – wohl aus Mißtrauen über deren Verläßlichkeit – eher sparsam. Seine Darstellung versucht zwar grundsätzlich beiden Seiten gerecht zu werden, ein Schwerpunkt auf deutscher Seite ist aber erkennbar.

Was den Leser hier nicht erwartet, sind Abhandlungen über die Arbeit des Generalstabes zur Haputzeit der Kämpfe. Sicher, Werth behandelt die personellen Veränderungen, aber er bevorzugt, v.a. wenn es um die beiden heißen Phasen 1916 geht, eher die Sicht des Frontsoldaten. Was der Generalstab sich so dachte und erhoffte, der Leser entschuldige bitte in diesem grausamen Zusammenhang solche 'naiven' Verben, bleibt eher im Dunklen. Möglich auch, dass es in dieser 'Abnutzungsschlacht' auch um konkrete Ziele gar nicht mehr ging.

Wer sich für den Ersten Weltkrieg interessiert wird das Buch sicher schon kennen. Aber auch dem Zeitgeschichtler sei das Buch empfohlen, nicht nur wegen der Tatsache, dass es wenig Orte gibt, an denen in so einem knappen Zeitraum so viele Menschen sinnlos starben. Werth zeigt wie die Kämpfe und der Mythos um Verdun und den Stellungskrieg in die 1920er/1930er hineinwirkten und die verschiedenen Machthaber sich ihrer bedienten.


Von Bismarck zu Hitler: Ein Rückblick
Von Bismarck zu Hitler: Ein Rückblick
von Sebastian Haffner
  Taschenbuch

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interpretierendes Werk, keine Chronik, 9. August 2007
Vorneweg: Als geschichtlich Interessierter sollte man dieses Buch gelesen haben, da Sebastian Haffner hier interessante Denkanstöße bietet, und diese auch darzustellen versteht.

Aber: Das Buch ist keine datenbasierte Analyse und auch keine Geschichtsschreibung, sondern eine von Haffner genehmigte, editierte Zusammenfassung seiner Gespräche mit dem Historiker Arnulf Baring. Haffner bewertet und interpretiert lediglich die Ereignisse 1848- bzw. 1871-1945 aus seiner Sicht. Teilweise kommentiert und widerlegt er auch herrschende Lehrmeinungen. Was er dabei vermeidet ist eine Beschreibung der Ereignisse selbst. Haffner geht es um Folgen und Konsequenzen, um das "Warum" der politischen Entscheidungen. Hin und wieder streut er für den Interessierten reizvolle Gedankenspiele à la "was wäre wenn" ein. Denn seiner Meinung war die Geburt des Deutschen Reiches, wie es 1871 geschah, nicht das ursprüngliche Ziel Bismarckscher Politik. Gelungen stellt er die Veränderungen im Denken Bismarcks im Lauf der Jahre dar und versucht Antworten darauf zu finden, warum der Reichskanzler erst die Annektion Elsaß-Lothringens zuließ und später dann die Koloniegründungen. Bei der Sommerkrise 1914 scheint ihn wohl die Überlegung wie es hätte anders laufen können faszniert zu haben. So sieht er den Schlieffen-Plan als Grundübel an und glaubt, dass das Deutsche Reich mit einer verkündeten Beschränkung der Kampfhandlungen auf den Osten den verhängnisvollen Zweifrontenkrieg verhindert hätte. Auch wenn dabei immer wieder sozial- und wirtschaftspolitische Überlegungen einfließen, wird das Werk von der Außenpolitik dominiert.

Ein großer Pluspunkt des Werkes ist seine Lesbarkeit. Haffner, zeitweise als Journalist für "Die Welt" und den "Stern" tätig, versteht es seine Gedanken einfach und unkompliziert darzustellen. Das macht das Werk zu einer eher entspannenden Lektüre. Wer lediglich etwas Vorbildung mitbringt, erhält hier gewinnbringende Einsichten.

Ein kleines Manko: Haffners Werk wird von den beiden Namen im Titel, Bismarck und Hitler, sowie dem Ersten Weltkrieg dominiert ' obwohl die Zeitabschnitte noch genügend andere Namen, Ereignisse und Entwicklungen bieten. Nach der Abhandlung von Bismarcks Wirken, ordnet er die Jahre 1890-1914 gedanklich unter die Frage "Wie konnte es zum Ersten Weltkrieg kommen?", derweil der Ablauf des Ersten Weltkrieges und die Weimarer Republik lediglich als Hinführung zu Hitler behandelt werden. Umfassende Geschichtsschreibung ' sicher nicht Haffners Ziel, aber von manchen Lesern erwartet ' sieht anders aus.

Man muss Haffners Thesen nicht immer zustimmen. Auch sind seine Angaben manchmal überholt: So gehen zum Beispiel Historiker wie Ian Kershaw heute davon aus, dass Hitler sich im Lazarett wahrscheinlich nicht dazu entschloss, Politiker zu werden, sondern viel später. Aber das sind eher Marginalitäten, die der Qualität des Werkes keinen Abbruch tun.

Wer sich für die deutsche Geschichte bis Ende des Zweiten Welltkrieges interessiert, sollte sich das Werk unbedingt ansehen. Leser ohne Vorkenntnisse sollten aber eher einführendere Darstellungen zur Hand nehmen.


Erinnerungen
Erinnerungen
von Albert Speer
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,95

37 von 74 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Abgrund der Primärliteratur, 3. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Erinnerungen (Taschenbuch)
Zu recht eines der umstrittensten Bücher der Nachkriegszeit. Das Buch erschien zum ersten Mal nach Albert Speers Entlassung aus dem Kriegsverbrechergefängnis in Spandau und fußt weitgehend auf während seiner seiner Haftzeit niedergeschriebenen Erinnerungen. Mitautor war sein späterer Biograph, der ehemalige FAZ-Herausgeber Joachim C. Fest, nebenbei ja auch Autor eines der Standardwerke über Hitler.

Zum Inhalt:
Albert Speer, Günstling Hitlers, einer der Hauptarchitekten des dritten Reiches und als Reichsminister später für Rüstungsfragen zuständig, beschreibt hier sein Leben bis zum Ende der Nürnberger Prozesse. Den Hauptteil des Buches nehmen dabei die Jahre 1933-1945 ein. Seine darauffolgende Gefangenschaft im Spandauer Kriegsverbrechergefängnis handelt er in den (übrigens kaum lesenswerten) darauf folgenden "Spandauer Tagebüchern" ab.

Speer beschreibt ' durchweg flüssig und leicht lesbar ' in seinen Erinnerungen seinen Weg zur NSDAP, seine Faszination für die Person Hitler, die ersten Aufträge von der Partei. Gerade in der Vorkriegszeit befassen sich seine Erinnerungen viel mit architektonischen Fragen und den megalomanischen Bauplänen der Naziführung, Stichwort "Germania". Mit der Ernennung zum Minister wechselt dann die Perspektive mehr hin zur Kriegführung und Rüstungsplanung. Viel Raum nimmt am Ende der Zusammenbruch des Dritten Reiches ein, seine schleichende Entmachtung, später seine Versuche, die von Hitler befohlenen Zerstörungsmaßnahmen im "Reichgebiet" zu verhindern.

Zu den Versäumnissen
Wie in den meisten Autobiographien wird hier viel zu viel an Untaten und Verbrechen verschwiegen. Speer, der Mann der die Effektivität der deutschen Rüstungsindustrie auch unter dem Einsatz von Zwangsarbeitern um ein Vielfaches erhöhte, meint zum Thema Judenvernichtung, dass er es zwar hätte wissen können, sich aber damit nicht beschäftigt hat. Seine wahrscheinlichen Einblicke in die Verbrechen des Regimes und seine Mitwisserschaft verschweigt er, was ihm und dem Werk im Nachhinein zahlreiche berechtigte Vorwürfe einbrachte. Die immer wieder einfließenden "Entschuldigungen" für das Geschehene widern den Leser eher an. Interessierte, die hier Einsichten in die Person Speer und sein Handeln erwarten, seien die zahlreichen, kritischen Biographien empfohlen.

Dennoch:
Man kann das Werk gewinnbringend lesen. Ich meine damit nicht die Tatsache, dass die "Erinnerungen" ein Meisterstück darin sind, wie man die eigene Vergangenheit verklären kann. Der Leser erfährt hier sehr viel über die Führungsschicht des Dritten Reiches aus "erster Hand", denn diese Memoiren (neben denen von Karl Dönitz) sind die einzigen aus der ersten Reihe der Naziführung. Speer gelingt eine trefflich, distanzierte (und viel übernommene) Beschreibung der nach 1933 emporgekommenen neuen "Elite", der Person Hitlers und seiner direkten Umgebung. Das Buch zeigt auch, wie dilletantisch und ineffizient das System der Nazis funktionierte. Nebenbei weist Speer daraufhin, wie der Bombenkrieg der Westallierten hätte anders geführt werden können und wie verwundbar die deutsche Rüstungsindustrie mit ihrer teilzentralisierten Fertigung doch war. In solchen Erkenntnissen lag der eigentliche Wert dieses Wekes. "Lag", weil diese schon lange Eingang in die Sekundärliteratuir gefunden haben.

Fazit
Die Wertung soll als neutral verstanden werden. Wer sich für das Dritte Reich tiefer gehend interessiert, sollte einen Blick riskieren. Aber definitiv keine Pflichtlektüre für den Zeitgeschichtler.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 8, 2016 5:45 AM MEST


Faktotum: Roman (dtv Literatur)
Faktotum: Roman (dtv Literatur)
von Charles Bukowski
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Guter Einstieg, 1. August 2007
Rezension bezieht sich auf: Faktotum: Roman (dtv Literatur) (Taschenbuch)
Die Handlung des Romanes ist rasch erzählt: Der nicht immer unsympathische Taugenichts Hank Chinaski, Bukowsis mehr oder weniger autobiographisches Synonym, versucht sich mit wechselndem Erfolg eine Existenz als Schriftsteller aufzubauen, säuft permanent, arbeitet meist in irgendwelchen Gelegenheitsjobs und wird dabei immer wieder aufgrund von Faul-, Trunkenheit und/oder seines miserablen Benehmens gefeuert. Weitere Handlungsbeigaben sind , typisch für Bukoswki, Chinaskis Frauengeschichten sowie seine ausgeprägte Vorliebe für Sinfonien und Pferederennen. Mehr passiert hier nicht.

Spötter werden sagen, diese meist autobiographischen Motive sind der Rahmen für den Großteil des Bukowskischen Werkes - kennt man eine der Stories, kennt man fast alles, wie einer der Rezensenten trefflich sagte. Wer hingegen Bukowski schätzt wird wahrscheinlich erwidern, dass er genau deshalb seine Erzählungen so schätzt.

Was die Sprache bzw. die Übersetzung anbelangt ' sie liest sich sehr flüssig, glaubhaft und passt sich an Bukowskis Ansichten und Denkweisen an. Diese sind bei weitem nicht so pornographisch und vulgär wie ihr Ruf. Sensiblere Leser könnten sich höchstens an Hank Chinaski's derber Wortwahl stören, und manchmal sicher auch an seinem Zynismus. Hin und wieder gelangt er aber manchmal zu Analysen und gelungener Satire auf das Leben in der "Neon-Wildnis".

Bukowski hat stellenweise extrem Krankes und zum Teil auch eher Langweiliges geschrieben, dieses Werk gehört zu keiner der beiden Gruppen. Seine Werke und Ansichten polarisieren und können nicht jedem gefallen. Aber: Wer schon immer mal Bukoskwi lesen wollte, kann hier oder alternativ beim "Mann mit der Ledertasche" bedenkenlos zuschlagen. Leser, die schon andere Werke angewidert weglegten, dürften hier auch nicht glücklich werden. Fans von Buk kennen das kurzweilige Buch ja i.d.R. schon.


Die Rote Armee Fraktion - RAF -: 14.5.1970 bis 20.4.1998
Die Rote Armee Fraktion - RAF -: 14.5.1970 bis 20.4.1998
von Klaus Pflieger
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Protokollarisch, 31. Juli 2007
Vornweg: Dieses Buch ist keine historische Abhandlung oder ein Werk im Reportage Stil à la Austs "Baader-Meinhof-Komplex", sondern eine sparsam und sehr trocken kommentierte Sammlung von Originaldokumenten über die RAF. Der Autor, mittlerweile Generalstaatsanwalt in Stuttgart, war selber im Rahmen seiner Tätigkeit bei der Bundesanwaltsschaft mit der Verfolgung von Straftaten der RAF beschäftigt.

Pflieger geht beim Aufbau seines Werkes strikt nach der Chronologie der Taten der RAF vor. Beschreibungen der Tathintergründe, Entwicklungstendenzen innerhalb der Gruppe oder auch die Biographien der einzelnen Mitglieder finden sich nicht. Der Stil bleibt dabei "juristisch" knapp, auffälllig ist die Vorliebe des Autors für die Beschreibung der verwendeten Waffentypen.

Für den interessierten Leser dürften in dem Buch genügend neuer Fakten enthalten sein, die beispielsweise Aust wegen seines anderen Fokus weglässt. Wer sich für das Thema interessiert, für den dürfte dieses Werk als Materialiensammlung und zum Nachschlagen einen hohen Wert besitzen. Einsteiger in die Thematik sollten sich aber darüber im Klaren sein, dass hier weder erklärt noch interpretiert wird und man sich einen bestenfalls groben Überblick über die RAF-Anschläge verschaffen kann.

Bewerten kann man diese Faktensammlung nicht, deshalb die drei Sterne.

Noch eine persönliche Schlussbemerkung: Im Prinzip ist es ja schade, dass ein Zeitzeuge wie Pflieger sich mit Wertungen oder auch Selbsterlebtem zurückhält (zurückhalten muss von Amts wegen?). Ich denke, dass ein flüssig geschriebenes Standardwerk, das die Geschehnisse um die RAF von der staatlichen Seite aus betrachtet, einfach fehlt. Auf dem Büchermarkt tummelt sich in letzter Zeit zu viel halbgares Zeug, dazu kommen noch diverse "Memoiren" einiger mehr oder weniger Beteiligter, meist tendenziös und schlecht geschrieben. Austs brillant verfasstes aber zurecht nicht unumstrittenes Werk beleuchtet ja leider nur die Zeit bis 1977.


Die römische Republik: Von der Gründung bis Caesar (Beck'sche Reihe)
Die römische Republik: Von der Gründung bis Caesar (Beck'sche Reihe)
von Martin Jehne
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überdurchschnittlich, 14. Juni 2007
Martin Jehnes Buch ist eine kurze und präzise Beschreibung der römischen Republik, beginnend mit der Gründung Roms und endend mit der Ermordung Cäsars. Der Autor, geb. 1955 und Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte an der TU Dresden, hat eine sehr gut lesbare Abhandlung der Ereignisse vorgelegt und sich dabei nicht nur auf das politische Geschehen beschränkt, sondern geht auch auf sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Fragen ein.

Jehnes Buch ist eine Mischung aus rein deskriptiver Geschichtsschreibung und Analyse. Er bringt seine Meinung ein und scheut auch nicht vor abwertenderen oder leicht spöttischen Urteilen vor allem bei Cicero und Pompeius zurück. Charakteristisch für das ganze Buch ist sein ironisch-distanzierter Stil, mit dem allerdings eher konservativere Leser ihre Schwierigkeiten haben könnten.

M.E. einziger Makel: Das Ende der Republik kommt etwas abrupt und der Autor scheint die Jahre zwischen Sullas Abtreten und Cäsars Ermordung im Flug bewältigen zu wollen.

Sicher, Jehne überspringt einiges und der eine oder andere Name in der an Akteuren reichen res publica wird sicher nicht gewürdigt. Leser, die einen allgemeineren, verständlicheren Überblick über die Geschichte der römischen Republik suchen, sind mit diesem Buch besser versorgt als mit dem ausführlicheren, vermeintlichen Standardwerk von Bringmann.

Fazit: Wer auf der Suche nach einer kurzen, nicht wissenschaftlichen Einstiegslektüre ist, wird hier gut bedient.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 6, 2013 2:47 PM CET


Die Entführung und Ermordung des Hanns Martin Schleyer: Eine dokumentarische Fiktion
Die Entführung und Ermordung des Hanns Martin Schleyer: Eine dokumentarische Fiktion
von Peter-Jürgen Boock
  Gebundene Ausgabe

7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schwach, 12. Juni 2007
Ein Buch, das viel verspricht, aber wenig hält.

Peter Jürgen Boock, auskunftsfreudiges ehemaliges RAF-Mitglied der sogenannten "zweiten Generation" und maßgeblich an der Schleyer-Entführung beteiligt, hat seine Sicht des Herbstes 1977 in einer romanhaften, sogenannten "dokumentarischen Fiktion" beschrieben. Boocks Ausführungen beinhalten nicht nur die Entführung des Hanns-Martin Schleyer sondern auch die Flucht einiger RAF-Mitglieder nach Bagdad, die Kontakte mit den Palästinensern und am Ende die Geschehnisse um die "Landshut" und die Reaktion auf die Stammheimer Selbstmorde. Der Autor verwendet dabei ' typisch für die RAF ' nicht die wahren Namen der Beteiligten sondern vergibt Synonyme. Boock ist dabei stellenweise kritisch, erzählt z.B. wie die "Verhöre" von Schleyer ins Leere liefen.

Die Diskussion, ob man Bücher von Tätern lesen soll, stellt sich hier nicht denn das Buch bietet dafür zu wenig neues und ist zudem stilistisch fragwürdig. Wie hier schon angemerkt wurde bewegt sich dieser teils auf Kolportageniveau. Und wirkliche Erkenntnisgewinne finden nicht statt, weil sich Boock größtenteils in Nebensächlichkeiten verliert, auch wenn die memorierten Verhöre Schleyers teils interessant sind. Hin und wieder erfährt man noch, wie die RAF sich während der Entführung organisierte, wie "aufwändig" die Kommunikation und Koordination der Terroristen untereinander lief. Doch das sind marginale Gewinne für den interessierten Leser, die den Kauf des Buches nicht rechtfertigen.

Mit Sicherheit kein Beitrag zur Zeitgeschichte.


Geschichte der römischen Republik
Geschichte der römischen Republik
von Klaus Bringmann
  Gebundene Ausgabe

17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Da wäre mehr zu holen gewesen, 11. Juni 2007
Bringmanns Werk bietet einen anspruchsvollen und umfassenden Überblick über die Geschichte der Römischen Republik, angefangen bei den fast mythologischen Anfängen und endend bei den ersten Maßnahmen des späteren Kaisers Augustus, dem Begründer des Prinzipats. Bringmann, ehemaliger Ordinarius für Alte Geschichte an der Frankfurter Universität, beschreibt nicht nur sondern bindet auch auf gelungene Weise (übersetzte) zeitgenössische Quellen in den Text mit ein. Das Buch enthält zudem mehrere Karten.

Einfach ausgedrückt: Bringmanns Werk ist keine leichte Lektüre. Das liegt nicht nur am Stoff selbst, sondern auch an seiner sehr nüchternen Erzählweise. Bringmann konzentriert sich hauptsächlich auf die Darstellung politischer Ereignisse und versteht es dabei, das Geschehen einigermaßen klar und strukturiert darzustellen. Bei den teils verworrenen Verhältnissen in der Geschichte der "res publica", vor allem in ihrer Endphase, nicht immer ein leichtes Unterfangen.

Trotz der eigentlich guten Darstellung war ich von dem Werk leicht enttäuscht. Zum einen fehlt in manchen Kapiteln, vor allem in den früheren Zeitabschnitten wie den Punischen Kriegen oder den Auseinandersetzungen mit Pyrrhos die Interpretation des Geschehenen. Hier hätte etwas mehr "Meinung" seitens des Autors dem Werk gut getan. Das wird dann später besonders an den Passagen über Julius Cäsar sichtbar. Hält sich Bringmann vorher mit Interpretationen zurück, wird er bei Cäsar mehr als deutlich. Der Autor stellt den späteren Diktator als kühlen Machtmenschen dar, ein krasser Gegensatz zu den eher verherrlichenden Darstellungen vergangener Zeiten steht. Solche wertenden Passagen hätte ich mir in anderen Kapiteln gerade von solch einem fachlich ausgewiesenen Autor gewünscht.

Zudem leidet das Werk auch stellenweise unter der Fokussierung auf das Politische. Über die wirtschafts-, militär- und sozialgeschichtlichen Aspekte der Römischen Republik erfährt der Leser nur sehr bedingt etwas. Die handelnden Politiker und Feldherren werden so gut wie gar nicht biographisch eingeführt. Sicher, ein Geschichtswerk muss einen klaren Fokus aufweisen, aber erläutendere Ausführungen, auch zum grundsätzlichen Aufbau des Magistrats, hätten das Werk m.E. lebendiger gemacht.

Bringmanns Buch wertet sicherlich jedes Regal auf und gibt dem Leser ein stabiles Gerüst über die politischen Aspekte römische Geschichte vor Augustus. So richtig satt macht es den interessierten Leser aber eher nicht.


Ach, du mein Vaterland: Gemischte Erinnerungen an 50 Jahre Bundesrepublik
Ach, du mein Vaterland: Gemischte Erinnerungen an 50 Jahre Bundesrepublik
von Herbert Riehl-Heyse
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sympathisches Werk, 1. Juni 2007
"Ach, Du mein Vaterland" ist trotz des etwas unhandlichen Titels ein leicht verdauliches, lesenswertes Buch: Der mittlerweile verstorbene Autor, studierter Jurist und später als Journalist verantwortlich für die Innenpolitik bei der Süddeutschen Zeitung, erzählt die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland vom Kriegsende bis in die 1990er, angereichert mit zahlreichen persönlichen Anekdoten.

Riehl-Heyse geht zwar in gewisser Weise chronologisch beim Aufbau seines Buches vor, wer jetzt aber eine vollständige, satiririsch angehauchte Aufbereitung des Nachkriegsgeschehens in der BRD erwartet, liegt falsch. Das Buch beleuchtet eher einzelne, teils unangenehme Aspekte oder "schillerende" Persönlichkeiten, wie zum Beispiel den dem Autor besonders verbundenen Franz Josef Strauß, als ein Gesamtbild oder gar Analysen abzugeben. Gut gelungen ist dabei die Mischung: Der Autor widmet der Politik zwar weite Teile, aber auch die kulturellen und kulinarischen Entwicklungen des Lebens in der BRD kommen zur Sprache. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt das Buch dabei nicht, und so kommen vermeintlich große gesellschaftliche Fragen wie das Thema 1968 oder meinetwegen etwas akademischer der Historikerstreit eher nicht vor.

Das Buch ist sehr gut lesbar und der Stil bleibt trotz allem sachlich und angenehm distanziert. Ich kann es jedem empfehlen, der kurzweilige, unterhaltsame und gleichzeitig bildende Lektüre für den Urlaub oder Bahnfahrten sucht. Man kann bei dem Buch bedauern, dass es recht kurz ist. M.E. hätte der Autor bei seiner langjährigen journalistischen Tätigkeit sicher noch den einen oder anderen Schwank aus dem politischen Alltag zu erzählen gewusst.


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