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Rezensionen verfasst von
Guido Schröder (Bayreuth)
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Die ersten Tage der Zukunft. Wie wir mit dem Internet unser Denken verändern und die Welt retten können
Die ersten Tage der Zukunft. Wie wir mit dem Internet unser Denken verändern und die Welt retten können
von Michael Maier
  Gebundene Ausgabe

2.0 von 5 Sternen Neulich im Wirtshaus…, 10. September 2013
Beim Lesen des Buchs von Michael Maier (geb. 1958) hat man schon nach wenigen Seiten, den Eindruck, einer weinseligen Diskussion in einem fränkischen Wirtshaus zu folgen. Argumente schwirren durch die Luft, die so schnell niemand überprüfen kann oder will. Ein Teilnehmer der Diskussion ist dafür, ein anderer dagegen. Es ist ein Spiel unter Erwachsenen, allgemein bekannt und gut eingeübt. Im Kampf um die Lufthoheit über dem Stammtisch wird die Welt zu einer platten Angelegenheit. Worum es geht, ist eigentlich egal.

Als jüngerer Leser erwartet man instinktiv, das Internet als Quelle alles Bösen verdammt zu sehen – doch der Autor macht sich zum Advocatus Diaboli: Das Internet ist in Wirklichkeit die Quelle alles Guten. Und wie sich zeigt, brauchen wir diese Quelle dringender denn je. Damit ist die zentrale Pointe des Buchs schon verraten, doch diese soll sich noch über 249 Seiten ziehen (ohne Anhang).

Der Anspruch des Autors, sich dem Thema "Wirkung des Internet auf die Gesellschaft" nicht wissenschaftlich zu nähern, ist keineswegs ehrenrührig. Die Art und Weise, wie dies letztlich geschieht, hingegen schon. Im Grunde genommen geht es nicht nur um das Internet, sondern um jedes nur denkbare gesellschaftliche Problem, das gegenwärtig irgendwo auf dem Erdball in irgendeiner Form diskutiert wird: Managergehälter, Kommunismus, Neo-Liberalismus, Umweltschutz, Treibhauseffekt, Krieg, Terrorismus, Armut, Einwanderung, Innovation, Ideenwettbewerb, Beschleunigung und Zeitknappheit – letztlich das Überleben der Menschheit.

Abgehandelt wird dieser bunte Strauß an Themen en passant in Plattitüden, Klischees und Generalisierungen: Wir wissen doch alle, dass Manager zu viel verdienen, der Kapitalismus am Ende ist, das Öl zur Neige geht, das Klima kippt und die Beschleunigung der Zeit uns irgendwann ins Grab bringt, oder? Warum hierauf also wertvolle Zeilen oder gar Gedanken verschwenden? Die Menschheit hat schließlich immer nach Lösungen gesucht und war hierin am Besten im Anblick der Katastrophe. Zugegeben, der potentielle Leser hätte gewarnt sein müssen, dass sich der Autor nicht mit Details abgibt, verspricht doch schon das Cover „Besser, klüger, schneller: Das Internet - unser Superhirn“. Doch der Stil der Argumentation unterbietet diese bereits niedrige Erwartungshaltung. Bereits früh im Buch wird so die erste praktische Anwendung der Atombombe zum "möglichen Super-GAU […] unserer alltäglichen Befindlichkeit" (S. 15). Die Erfindung von Skype habe "den traditionellen Telefongesellschaften den Boden unter den Füßen weg[gezogen]" (S. 30). Das ist kein journalistischer Schreibstil, sondern als hochtrabende Wahrheit verkaufter Unsinn.

Schon nach wenigen Seiten stellt sich beim Leser der zunehmend fade Nachgeschmack ein, dass in diesem Buch nicht nur billiger alter, sondern eigentlich unverkäuflicher Wein mit einem farbenfrohem Etikett und dem Bezug zum Internet im Namen neu auf den Markt geworfen wurde. Selbst die eigentlich spannende Frage, wie das Internet Menschen und Gesellschaften gegenwärtig verändert, verliert angesichts des prätentiösen und meist plakativen Wirtshausstils schnell an Faszination. Man sieht den Argumenten beim Flug zu, möchte an vielen Stellen widersprechen, Aussagen gerade rücken und in den richtigen Zusammenhang stellen. Oder einfach mal Fakten sprechen lassen, nicht nur Zitate möglicher Experten aus einem vielleicht völlig anderen Kontext und abgegriffenes Zweite-Hand-Wissen.

Aber man kennt das Spiel – die Beteiligten wollen in der Regel unbehelligt und unter sich bleiben. So trinkt man schnell aus und lässt diese unerfreuliche Erfahrung hinter sich. Real life halt. Auf dem Heimweg denkt man noch kurz über die Frage nach, ob der Autor lediglich einen guten Advocatus gegeben oder sich in einen quasi-religiösen Heilsglauben gesteigert hat. In jedem Fall ist eine zentrale Regel des Spiels, dass keiner der Anwesenden später dem anderen etwas nachträgt oder sich auch nur an das Thema der intensiven Diskussion erinnert. Und so dürften die meisten Argumente schon bei Tagesanbruch vergessen sein. Dem Buch von Michael Maier wird es kaum anders ergehen.

Bleibt zu hoffen, dass sich jemand dem eigentlich interessanten Thema mal mit einem mehr sachorientierten, vielleicht sogar wissenschaftlichen Anspruch nähert.


Sorge dich nicht, lese. Siebenunddreißig Glossen gegen den Bestseller
Sorge dich nicht, lese. Siebenunddreißig Glossen gegen den Bestseller
von Klaus Bittermann
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unverändert lesenswert..., 5. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Warum soll man ein Buch lesen, das 1997 erschienen ist und sich mit den Bestsellern der 90er Jahre auseinandersetzt? Heinz G. Konsalik ist bereits im Jahre 1999 gestorben, Lothar-Günther Buchheim 2007, Johannes Mario Simmel 2009.

Kurz: Weil es ein kluges Buch ist, ein unterhaltsames Buch und ein Buch, das ein Teelicht anzündet gegen die Dunkelheit, die auf den Bestsellerlisten dieser Welt herrscht. Der Titel "Sorge Dich nicht, lese!" wird so nicht nur zu einem Versprechen gegenüber dem Leser (das voll umfänglich eingelöst wird), sondern zu einem Zeichen der Hoffnung auf geistreichere, unterhaltsamere und besser geschriebene Bestseller.

Ausführlich: Die Not auf den Bestseller-Listen ist heute so groß wie vor 15 Jahren. Viele der früheren Beststeller-Autoren produzieren auch heute noch. Ulrich Wickert reitet immer noch die Tugendwelle, Günter Ogger klärt über die wirtschaftlichen, Guido Knopp über die historischen Abgründe der Gesellschaft auf. Michael Ridpath plaudert als angeblicher Insider immer noch über die Machenschaften der Finanzwelt, Hera Lind über die Männerwelt. Sie alle finden wie ehedem Abnehmer für ihre Elaborate. Auch der Tod von Simmel und Konsalik hat auf den Bestseller-Listen keine Lücke hinterlassen, sind andere doch an die freigewordenen Stellen getreten. Hiervon zeugen die Bücher von Stieg Larsson ebenso wie das neue Genre der romantischen Vampirliteratur.

Was macht das Buch zu einer klugen, unterhaltsamen und anregenden Lektüre?
Klug und extrem sorgfältig recherchiert sind u.a. die Besprechungen von Wolfgang Schneider (zu Viktor Klemperers Tagebüchern) und Klaus Bittermann (zu Daniel Goldhagens "Hitlers willige Vollstrecker"). Unterhaltsam zu lesen sind etwa die Beiträge von Wiglaf Droste (zu Michael Ridpaths "Der Spekulant") und Fritz Eckenga (zu Helmut Kohls "Ich wollte Deutschlands Einheit"). Viele andere Beiträge regen einfach zum Nachdenken an – vor allem über die Frage, was gute Literatur (bei allen Geschmacksunterschieden) ausmacht.


Kein Titel verfügbar

5.0 von 5 Sternen Mit neuer Treiberversion sehr gut..., 11. Mai 2011
Ich besitze die D-Link Karte seit zwei Jahren und bin seit geraumer Zeit sehr zufrieden damit. Die Karte wurde bis Februar 2009 sehr günstig verkauft, da sie in vielen Konstellationen (vor allem mit der in Deutschland populären Fritzbox 7270) nicht richtig lief. Die Verbindung brach regelmäßig ohne erkennbaren Grund zusammen, was sich letztlich in einer schlechten Übertragungsleistung niederschlug.

Das änderte sich mit der Treiberversion 1.60b05, die die deutsche Niederlassung (dlink.de) im Januar 2010 veröffentlich hat und die alle Stabilitäts- und Performanceprobleme beseitigt. Vor allem in Verbindung mit einer FritzBox sollten Nutzer diese, nicht die mitgelieferte oder die amerikanische Version verwenden.


POLAR Trainingscomputer FT80 BLK, black
POLAR Trainingscomputer FT80 BLK, black

119 von 127 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die G**gle-Uhr von Polar, 9. August 2009
Seit mehreren Monaten bin ich Besitzer einer Polar
FT80 und einigermaßen zufrieden mit den
Trainingsfunktionen. Die Uhr ist gut zu nutzen, auch
wenn die Anzeige schon ziemlich dunkel und die
Anleitung ziemlich knapp ist. Obwohl die zehnmal so
teure Polar-Uhr viele Funktionen nicht besitzt, die bei
einer einfachen Casio zu haben sind, ist nicht der
Umfang, sondern die Nutzbarkeit der Funktionen das
größte Problem.

Worüber sich jeder potenzielle Käufer im Klaren sein
muss, ist die fehlende Auswertbarkeit der
Trainingsdaten allein über den heimischen Rechner:
Die FT80 (ebenso wie die FT60) setzt zur Auswertung
zwingend voraus, dass ein Internetaccount bei
polarpersonaltrainer besteht, zu dem alle Daten über
die USB-Cradle hochgeladen werden. Wer glaubt, die
Daten auch mit der offiziellen Trainingsoftware von
Polar (dem nicht gerade billigen Polar Trainer Pro 5)
auswerten zu können, sieht sich bitter enttäuscht. Auch
Drittanbieter einer Software gibt es, soweit ich sehen
kann, nicht.

Manch einem mag es egal sein, seine Daten zu Polar
hochzuladen, doch sollte man sich bewusst sein,
welchen Umfang diese haben. Hierzu zählen ebenso
persönliche Daten (Alter, Gewicht, Geschlecht,
Trainingszustand), Körperdaten (die OwnZone und
EKG-genauen Herzfrequenzmessungen) und
Trainingsinformationen (Daten, Längen, Intensität,
Ruhephasen) wie die Daten der Sensoren (Laufdistanz,
Schrittfrequenz, GPS-Position, präzise Zeit). Insgesamt
liefern diese Informationen schon ein sehr genaues Bild
der Person, hinzu kommen die Anmeldeinformationen
bei der Registrierung wie etwa Name, eMail-Adresse
und Land. Warum Polar an diesen Daten interessiert
ist, dürfte nicht schwer zu erraten sein: Im Zeitalter, in
dem Suchmaschinen sich über personalisierte Daten
refinanzieren, ist das Datenpaket, das die FT80/FT60
liefern, eine wertvolle Ressource.

Zudem sind die Nutzungsbedingungen einen Blick
wert: Polar sichert sich zu, dass das ihnen überspielte
Material NICHT vertraulich ist und dass keine
Beschränkungen bestehen, es zu reproduzieren, zu
veröffentlichen oder in anderer Weise zu nutzen. Von
Datenschutz nach deutschen Recht und in deutschem
Umfang ist auf der internationalen Seite also keine
Rede.

Zu diesem Problem des Schutzes persönlichster Daten
kommt, dass sich die FT80 nur unvollständig nutzen
lässt, wenn kein Internetaccount bei
polarpersonaltrainer.com zur Konfiguration besteht. So
lassen sich die einzelnen Übungen im Krafttraining-
Programm nur online anlegen und dann herunterladen
- ohne die Vorgabe von Übungen ist das Modul aber
recht sinnfrei.

Auch wenn die Uhr und der Sensor in der Praxis gut
funktionieren, lassen sich die Funktionen zur
Trainingsauswertung nicht nutzen, wenn man seine
Daten nicht Polar anvertrauen will. Bei dem hohen
Preis der Uhr eine Einschränkung, die kaum
hinnehmbar ist - zumal viele Anwender von
erheblichen Problemen berichten, die Software
überhaupt zum Laufen zu bekommen.

Nachtrag (Juni 2010): Mittlerweile gibt es eine PC-Software
von dem Programmierer Carlos Segura Sanz, die die Daten
der Polar FT80 auch rein lokal auslesen kann. Sein Programm
"Polar Show" ist kostenlos und kann von seiner Seite ideseg.com
heruntergeladen werden.

Nachtrag 2 (Mai 2011): Carlos Segura Sanz hat die
Entwicklung von "Polar Show" leider aufgegeben - er
hat eine Nicht-Polar-Uhr gekauft.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 2, 2010 5:58 AM CET


Mathematik durch die Hintertür
Mathematik durch die Hintertür
von Adrián Paenza
  Taschenbuch

18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Aus Mathematik-Einführung wird liebloses Sammelsurium von Denksportaufgaben, 18. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Mathematik durch die Hintertür (Taschenbuch)
Zusammengefasst hat das Buch von Adrian Paenza meine Erwartungen nicht erfüllt. Auf dem launig gestalteten Cover als "vergnügliche Reise durch das Universum der Zahlen" angepriesen, erweisen sich die ersten Kapitel zumindest als Streifzug durch interessante Teile der Mathematik. In einem beiläufigen Plauderton erfährt der Leser etwas über unendliche Mengen, binäre Zahlen und Primzahlen. Alles schon unzählige Male beschrieben, hier aber zumindest ganz nett dargebracht und zumindest mit dem Anspruch, dem Leser etwas beizubringen. Was allerdings schon an dieser Stelle stört, ist der fehlende innere Zusammenhang zwischen den Themen. Statt einem Konzept, das sich vom Einfachen zum Komplexen fortentwickelt, liefert der Autor lediglich ein Sammelsurium an Fragen, zu denen er einen persönlichen Bezug hat. Dieser Bezug kann auf Interesse beruhen oder durch einen der zahllosen Kontakte zu anderen (ausnahmslos brillanten) Forschern hergestellt worden sein.

Mit dem Fortschreiten der Kapitel gibt der Autor im zweiten Teil ("Persönlichkeiten") den ursprünglich pädagogischen Anspruch zugunsten eines reinen Geschichtenerzählens auf. Die (Kurz)Biographien von berühmten Mathematikern werden ebenso oberflächlich wiedergegeben wie weitere Anekdoten. Was das Ganze soll, erfährt der Leser nicht, sondern wird anhand wörtlicher Zitate von Oscar Bruno aufgeklärt, wie wichtig Mathematik für die wissenschaftliche Theoriebildung sei. Geflissentlich übersehen wird, dass Mathematik in den genannten Beispielen nur die Statistenrolle einer reinen Hilfswissenschaft einnimmt. Originär mathematische Forschung wird noch nicht einmal erwähnt, sondern stattdessen ansatzlos zur Alan Turings Berechenbarkeitstheorie gesprungen.

Als drittes Kapitel schließen sich "Wahrscheinlichkeiten und Schätzungen" an, ohne in irgendeiner Weise in Beziehung zum vorher Gesagten zu stehen. Wahllose Beispiele sollen verdeutlichen, wie sich etwa die Zahl der Klavierstimmer in Boston schätzen lässt. Das hat mit gesundem Menschenverstand viel, mit der klassischen Mathematik jedoch wenig zu tun.

Den vollständigen Abschied vom Thema Mathematik markiert das anschließende Kapitel "Probleme". Um Seiten zu füllen, wurden hier beliebige Aspekte aus anderen Bereichen (und von anderen Autoren) oder schlichte Rätselaufgaben aus dem Internet zusammenkopiert. "Laterales Denken" wird ohne weitere Erklärung angeschnitten, entsprechende Aufgaben abgedruckt, die Lösung findet sich dann im Anhang. Nach diesem Schema folgen zahlreiche Denksportaufgaben, die der kundige Leser schon - meist besser - aus anderen Quellen kennt. Wiederum geht es um Logik und Menschenverstand, aber nicht um Mathematik.

Fragen, die dem Autor ebenfalls wichtig waren, folgen im Kapitel "Überlegungen und Kuriositäten". Kurios an den dargebrachten Überlegungen ist vor allem, warum sie in ein Buch über Mathematik aufgenommen wurden. Beispiel ist der "Unterschied zwischen einem Mathematiker und einem Biologen", das einem eigentlich kurzen Witz über die Alltagstauglichkeit von Mathematikern ausführlich auf zwei Seiten wiedergibt. Das ist nicht nur wenig erhellend, sondern vor allem bemerkenswert langweilig. Von ähnlicher Relevanz sind Paenzas Überlegungen zur Bildungspolitik (Alphabetisierung, Prüfungen), Ethik (Wissenschaftseid) und die um Beifall heischende Beschreibung, warum er selbst für ein Wunderkind gehalten wurde. Der wissenschaftliche Anspruch der ersten Seiten verfällt hier zu einer zähen Geschwätzigkeit, die über das Niveau des Readers Digest nicht hinauskommt. Von der anfänglichen Begeisterung des Autors für die Vermittlung abstrakter mathematischer Inhalte ist nichts mehr zu spüren. Da der rote Faden für den Leser schon vor 100 Seiten gerissen ist, wird das Weiterlesen zu einer Durchhalteübung, von der man nicht weiß, warum man sie bestehen soll. Andererseits entgeht dem Gros der Leser, das in der Mitte des Buchs gelangweilt aufgegeben hat, nichts an Substanz.

Zwei Unzulänglichkeiten aus den Schlusskapiteln führen zudem vor Augen, dass man auch im flachen Wasser ertrinken kann: Der moderne Mythos, die aktuelle QWERTY-Belegung der Tastatur sei ineffizient, wird kurz dargestellt, ohne auf die zahlreichen Studien zu verweisen, die das Gegenteil belegen.

In einer längeren Passage versucht Paenza, dem Leser das seit Mitte des 18. Jahrhunderts bekannte Condorcet-Wahlparadoxon (im 20. Jahrhundert von Kenneth Arrow erneut aufgegriffen) als neue Erkenntnis zu verkaufen und beschreibt es als Mittel zur Manipulation des Wählerwillens, was schlicht Unfug ist und allein auf ein Missverständnis des Autors zurückgeht. In beiden Fällen hätte ein kurzer Blick in wikipedia geholfen, diese Fehler zu vermeiden.

Fazit: Das Buch startet hoffnungsvoll, versandet dann aber in uninteressanten Geschichtchen, die nichts mehr mit Mathematik zu tun haben. Kaum zu übersehen ist, dass der Autor wohl mit einem Vorlesungsskript begonnen hat, dann aber zu wenig Material hatte, um 286 Seiten zu füllen. Die Lücken werden mit beliebigen Versatzstücken und nacherzählten Texten aus anderen Quellen gefüllt. Das Ganze wird so erstaunlich belanglos und trifft damit die negative Erwartungshaltung, die viele Leser an ein Mathematikbuch haben werden. Statt die Mathematik durch die Hintertür einzuführen, hat sich Paenza durch eben diese Tür davongestohlen und den Leser orientierungslos und gelangweilt zurückgelassen. Seiner Wissenschaft hat Paenza mit dieser lieblosen Einführung wohl eher einen Bärendienst erwiesen.

Nachtrag: Der spanische Originaltitel "Matemática... ¿Estás ahí?, sobre números, personajes, problemas y curiosidades" beschreibt den Inhalt recht treffend und ungeschminkt. Es geht um Zahlen, Personen, Probleme und Kuriositäten - weniger um eine Einführung in die Mathematik durch die Hintertür, wie der deutsche Verlag meint.


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