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Rezensionen verfasst von
B. Heinze "elbdeich" (Hamburg)
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Das geraubte Leben des Waisen Jun Do: Roman
Das geraubte Leben des Waisen Jun Do: Roman
von Adam Johnson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

1 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Erzähltechnisch fragwürdig, 12. Januar 2014
Mir hatte ein Freund diesen Roman als Urlaubslektüre empfohlen. "Spielt in Nordkorea." Die durch Hörensagen und Zeitunglesen angeregten Phantasien über die Unmenschlichkeiten dieses Systems tauschten wir beim Teetrinken aus. Unvorstellbares sollte in diesem Roman noch konkreter werden.
"Das musst du lesen!" Noch vor dem Urlaub wollte ich einen Leseeindruck gewinnen,- und habe den Roman schon auf Seite 55 beiseite gelegt.
Mir erging es bei diesen ersten Seiten des Romans wie bei einem schlecht gemachten Tatort. Die Handlung beginnt damit, dass Nordkoreaner mit einem Boot an die japanische Küste fahren und dort Menschen kidnappen. Das ist alles sehr brutal und grausam. Leider schmückt der Erzähler die Handlung mit zahlreichen Dialogen aus, welche wie in einem schlechten Tatort oft unrealistisch konstruiert werden, damit der Leser über den Hintergrund der Personen oder den Kontext der Handlung informiert wird.
Der Erzähler zeigt mit seinen Dialogen wenig Einfühlungsvermögen in die psychologische Situation, in welche er seine handelnden Personen gebracht hat.
Grotesk und kitschig wirkt es, wenn eine "Opernsängerin", welche erst vor kurzem mit roher Gewalt in einen Sack gesteckt wurde, sich mit ihrem Überwältiger über die Bedeutung einer Opernarie unterhält, welche den "Helden" des Romans "nicht mehr loslässt." Wenn der Tatort unerträglich wird, sollte man ihn abschalten.
Ich denke auch nicht daran, dieses Buch weiter zu lesen.


Winterreise
Winterreise
DVD ~ Josef Bierbichler
Preis: EUR 4,97

7 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Formal fragwürdig und gewollt, 6. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Winterreise (DVD)
Die Geschichte eines gescheiterten Unternehmers, welcher darüber hinaus ein reiches Innenleben hat(er hat auch mal Schuberts Winterreise gesungen), könnte doch mit viel einfacheren und weniger aufgeblasenen Mitteln erzählt werden. Gewiss kann Bierbichler wieder beeindrucken, auch wenn man man ihn akustisch oft gar nicht versteht.Viele Einfälle des Drehbuchs erscheinen mir jedoch völlig gewollt und nicht einmal originell.
Die Landschaftsbilder (weiße Winterlandschaft und Berge von Kenia) werden hier sehr platt und oft überflüssig als Stimmungsbilder eingesetzt, als könnte Bierbichler nicht schon selbst ausdrücken,was er fühlt. Das wirkt oft sehr redundant und wenig originell. Wer Fassbenderfilme kennt, -oder den Film "Tamrock" oder den "Bienenzüchter", der könnte sogar meinen, dass hier vieles in diesem Film geklaut ist. Außerdem gehört die Winterreise bei meiner Generation noch zu einem gängigen Kulturgut, so dass mir kein Schauspieler während des Films erzählen muss, welchen Gehalt der Text des gesungenen Schubertliedes hat, welches übrigens auf einem in Kenia bereitgestellten Klavier gesungen wird. Solche Überflüssigkeiten machen den Film zum pädagogisierenden Film für Jugendliche und es wirkt so, als wolle man unter ein Stimmungsbild von C.D.Friedrich auch noch drunter schreiben, wie es gemeint ist.- Die schauspielerischen Leistungen der Nebenfiguren bleiben leider blass. An mehreren Stellen des Films, der die Einzelszenen( für sich genommen durchaus interessante Sketche)ziemlich langatmig aneinanderreiht, habe ich mich immer wieder gefragt: "Was soll das denn jetzt wieder?", da überhaupt gar keine innere Notwendigkeit für die jeweiligen Einfälle des Films bestand.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 23, 2009 1:35 AM CET


Der Zementgarten
Der Zementgarten
von Ian McEwan
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

38 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Utopie hat keinen Ort, 9. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: Der Zementgarten (Taschenbuch)
Es könnte eine grosse Hilfe für den Leser sein, wenn er sich einmal klar machen würde, dass MC Ewan "diese schrecklichen Pubertätserlebnisse" so keineswegs erlebt hat.(Siehe Interview in der Frankfurter Rundschau im Okt.2003)Wer hier also auch am liebsten sofort die Polizei rufen möchte, weil er diese Zustände der Kinder nicht aushält, der sollte doch lieber innehalten und sich fragen, was den Schriftsteller dazu bewegt haben könnte, sich soetwas auszudenken. Hier könnte die Metapher des Zementgartens ein möglicher Deutungsansatz sein. Welche verschiedenen Vorstellungen von Gärten tragen wir in uns, wie weit reicht unsere Phantasie zwischen Wildnis und "Zementgarten"? Wie wild war denn unsere Kindheit? Was geschah mit unseren Sehnsüchten und Trieben, als es aufbrach in der Pubertät? In MC Ewans Roman gibt es eine wunderschöne und einfache Schlüsselszene, in der er phantasiert, wie es ist, wenn die Eltern ihre halbwüchsigen Kinder einmal einen ganzen Nachmittag allein lassen, wie diese Kinder anfangen wild zu toben und ihre grenzenlose Freiheit zu geniessen. Kinder haben nun einmal kein schlechtes Gewissen und verhalten sich sehr unmoralisch. Der Leser wird in diesem Roman immer wieder an seine moralischen Grenzen stossen. Vielleicht spürt der Eine schon ein Unbehagen bei den Doktorspielen der Kinder, während ein Anderer erst beim Inzest ruft: Jetzt reicht's! Dabei geschieht hier überhaupt nichts, ohne dass der Autor es nicht einfühlsam und sorgfältig vorbereitet.Wer das Buch genau liest, wird feststellen müssen, dass es für jede provokative Szene, für jeden Durchbruch abweichenden Verhaltens, immer schon vorher eine Andeutung, ein Vorzeichen gab, der einen Riss im Zement andeutet.Im Roman wird buchstäblich mehrmals auf diese Risse im Zement geschaut: manchmal sind es Ameisen, die hier hervorkriechen, dann ist es die Leiche der Mutter, die nicht zugedeckt werden kann. Wer hier nur Makabres sieht, dem entgeht diese eindringliche Metapher, die mich sehr an Gottfried Benns Gedicht an die Mutter erinnert, wo er schreibt: ...Du bist wie eine Wunde, die sich nicht schliesst".- Wer sich daran stört, dass diese Kinder ein so abweichende Verhalten zeigen, der sollte weiter danach fragen, welche Bedürfnisse und Sehnsüchte Jack, Julie, Sue und Tom in ihrem abweichenden Verhalten auszudrücken versuchen. Wahrscheinlich hat dieses Verhalten und Zusammenleben der Kinder in Wirklichkeit hier in unserer Gesellschaft keinen Ort.Auch MC Ewan lässt ja am Ende die Staatsgewalt eingreifen. Ich selbst habe als Leser, wahrscheinlich auch von der normalen Meinung abweichend, hier überhaupt nicht am Ende das Gefühl, dass jetzt durch den Einfriff der Ordnung bei den Kindern alles gut wird.Im Gegenteil: ich finde das Zusammenleben der Kinder zunehmend so spannend und liebevoll, dass ich diese Phantasie noch gerne etwas länger verfolgt hätte. Schade, dass es so nicht weiter geht,-so empfinden es am Ende Jack und Julie. Beide bereuen nichts. Im Film...hier etwas anders als im Roman...lässt der Autor Julie sagen: ich fand es ganz natürlich ,was wir gemacht haben. Ich fand es auch, habe mir den Film 5mal angeschaut und inzwischen das Buch mehrmals gelesen. Was ich jedoch auch erfahren habe, ist, dass 17-20Jährige ganz empfindlich und eher ablehnend auf dieses Buch reagieren,...wahrscheinlich eine viel zu frische Wunde, an die hier der Autor rührt, und die frisch Betroffene unbedingt geschlossen halten wollen.


Der Zementgarten [VHS]
Der Zementgarten [VHS]
VHS

34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Zementgarten, 16. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: Der Zementgarten [VHS] (Videokassette)
Nach dem Herztod ihres Vaters müssen 4 Kinder (Julie 17, Jack15,Sue 12,Tom 7Jahre alt) sich schon zum Teil selbst versorgen, weil ihre Mutter immer bettlegriger wird und nur noch oben im Schlafzimmer des allein stehenden Einfamilienhauses liegt.Wer soll hier die häuslichen Pflichten übernehmen?Wer hat hier zu bestimmen und etwas zu sagen? Mc Ewan schildert hier sehr sensibel die Auseinandersetzungen zwischen dem pubertierenden Jack und seinen Geschwistern, besonders zwischen ihm und seiner älteren Schwester.Während Jack seine Schwester bewundert, hat er selbst ein sehr negatives Selbstbild. Da er zusehen muss, wie die Pickel auf seinem Gesicht immer mehr zunehmen, hört er schliesslich auf sich zu waschen.Wer ihn wirklich liebt, soll ihn auch lieben, wenn er ungewaschen ist und stinkt.Ein Science Fiktion Roman, ein Geburtstagsgeschenk seiner jüngeren Schwester, hilft ihm durch das Vorbild des Kosmonauten Commander Hunt aus der pubertären Zwickmühle.Jacks Mutter hat mehrmals ein liebevolles Gespräch mit ihrem Sohn und rät ihm auf dem Krankenbett, möglichst niemandem etwas von ihrer Abwesenheit zu sagen, wenn sie für längere Zeit ins Krankenhaus muss."Dann reisst man die Familie auseinander...man bringt euch ins Heim"
Ein paar Tage später liegt die Mutter tot im Schlafzimmer, und Jack und Julie sowie Sue erfüllen letztlich den Willen ihrer Mutter, den Tod zu verheimlichen, durch ein Hausbegräbnis in einem Zementsarg.Das klingt hier zwar skurril und makaber, ist im Roman und im Film jedoch so gut vorbereitet, dass es dem Leser fast wie natürlich und selbstverständlich in der extremen Situation der Kinder vorkommt.Duch diese Extremsituation erfährt Jack, was es heißt Verantwortung zu übernehmen, und auch die Beziehung zwischen vorher stark konkurrierenden Kindern wird plötzlich sozialer und enger.Julie übernimmt z.B. gegenüber dem kleinen Tom die Mutterrolle.All dies spielt sich dann in den gerade beginnenden Sommerferien ab.
Es handelt sich in diesem Roman keineswegs um das Austoben skurriler und abweichender Neigungen von Kindern, sondern viel eher um die Frage, ob Kinder sich nicht von Natur aus in solch einer Extremsituation ebenso verhalten würden.Die Metapher des Zementgartens ist hier treffend gewählt,wenn wir uns vergegenwärtigen, dass auch in einem mit Zement planierten fruchtbaren Garten irgenwann Risse entstehen, durch welche die Kraft der Natur wieder durchbricht.Der Inzest zwischen Jack und seiner älteren Schwester fällt hier mit dem Erscheinen der Polizei und mit dem Ende des Romans zusammen, so dass man hier auch keinesfalls davon sprechen kann, dass dieses Buch von einer fortlaufenden inzestuösen Beziehung handelt.Kein Leser erwartet hier eine Wiederholung!Im Gegenteil: Das Ende des Romans zeigt deutlich, dass es sich hier um eine Utopie des Schriftstellers handelt, nämlich um eine Beziehung und eine Welt, die bei uns keinen Ort hat.In dieser Hinsicht gleicht die ganz unschuldige und ungewollte Liebe zwischen Jack und Julie all den Liebesmotiven in der Geschichte der Literatur, die ebenfalls zwei Menschen haben zusammenkommen lassen, die nach den Normen der Gesellschaft nicht zusammenkommen durften.Der Schriftsteller versteht es, in den Dialogen die gewisse Sprachlosigkeit der Kinder sehr echt wiederzugeben.Die Art und Weise, wie hier jedes Kind des Romans für die Anerkennung seiner Eigenart eintritt, wirkt auf den erwachsenen Leser rührend und erweckt auch Sehnsüchte bei ihm nach nicht gelebtem Leben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 12, 2009 4:14 AM CET


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