Profil für Andrea Finja Groß > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Andrea Finja Groß
Top-Rezensenten Rang: 222.469
Hilfreiche Bewertungen: 101

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Andrea Finja Groß (Mannheim)

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2
pixel
Der Bann
Der Bann
von Stephen L. Jones
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Extrem spannend, aber auch blutrünstig, 3. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Bann (Taschenbuch)
Schon am Anfang packt einen das Buch und zieht einen mitten in ein dramatisches Geschehen. Hannah ist auf der Flucht, nachts, im Auto durch bergiges und nebliges Gelände in Wales, auf dem Beifahrersitz ihr verletzter und blutender Ehemann Nate, auf der Rückbank ihre schlafende, neunjährige Tochter Leah. Sie erreichen ein leeres Farmhaus, in dem sie sich niederlassen, und bald nach ihrer Ankunft klopft jemand an die Tür. Nate droht auf dem Sofa zu verbluten, und Leah ist noch im Auto. Was soll Hannah jetzt tun?

Man kennt die Vorgeschichte zunächst nicht, merkt nur, dass Hannah vor jedem, wirklich vor jedem anderen Menschen auf der Hut sein muss. Das hat sie von Kind auf gelernt. Das ist die Gegenwart, und es folgen mehrere Zeitsprünge in die Vergangenheit - als Hannahs Eltern Charles und Nicole noch jung waren - und noch weiter zurück, als das Unheil für ihre Vorfahren begann. 1873 nimmt der junge Balász Lukács in Ungarn an einer Art Initiationsritus zum Erwachsenwerden und Kennenlernen des anderen Geschlechts teil. In seiner Kindheit war er eher schüchtern, ängstlich, wurde verspottet, doch auf dieser Veranstaltung entdeckt er seine Kraft und Macht und gibt diese nie mehr ab. Er gehört zu den "hosszú életek", sehr langlebige Menschen, die ihre Gestalt verändern können, ähnlich wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Er bricht die Regeln, missbraucht seine Macht, nennt sich Jakab und verfolgt mit gnadenlosem Willen sein Ziel, eine Frau aus einer bestimmten Verwandtschaftslinie sein eigen zu nennen. Wer sich ihm widersetzt, den bringt er um.

Wie soll das weitergehen? Die jeweiligen Familien immer auf der Flucht, bis alle ausgelöscht sind? Nein. Hannah will es schaffen, ihre Familie zu retten und den jahrzehntelangen Fluch zu beenden.

Das beschreibt der Autor ungeheuer spannend, es geht in vielen Szenen um die Existenz, um Überleben oder Sterben. Die Geschichte zog mich weiter und weiter, die Seiten zu verschlingen. Kaum, dass man sich einmal in ruhigeren Textpassagen etwas erholen kann, z. B. als Charles und Nicole sich in einer Bibliothek kennenlernen. Das Buch hat eine lange Blutspur und endet in einem zerstörerischen Finale - ein paar brutale Szenen weniger hätten nicht geschadet. Man kann Spannung auch auf andere Arten aufbauen, das hätte das Buch vielleicht vielschichtiger und weniger verstörend gemacht.


Die Luft, die uns trägt: Roman
Die Luft, die uns trägt: Roman
von Joyce Hinnefeld
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Familiengeschichte und ein Leben für Vögel, 19. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Luft, die uns trägt: Roman (Taschenbuch)
Im Mittelpunkt steht die Vogelmalerin Adeline Sturmer, genannt Addie. Das Buch beginnt mit der Stunde, da Addie gerade an Krebs gestorben ist, im Jahr 2002. Sie ist 58 Jahre alt geworden. Ihre Tochter Scarlet und ihr Mann, der bekannte Ornithologe Tom Kavanagh, wollen Addie auf deren Wunsch hin auf unübliche Art und Weise bestatten - einfach begraben auf einer Lichtung im Wald, in der Nähe des Burnham College, an dem Tom als Dozent lehrt. Zunächst bleibt aber noch offen, ob die beiden das wirklich durchziehen.

In mehreren Rückblenden, die immer wieder zwischen den Zeiten wechseln, mal aus Scarlets, mal aus Toms und mal aus Addies Sicht, wird die Geschichte der Familie erzählt. Addies beste Freundinnen Lou und Cora sowie deren Ehemänner und Kinder sind ebenfalls eng in diese Geschichte verwoben. Die drei Frauen sind einst Biologiestudentinnen und nehmen am Kurs "Biologie der Vögel" bei Tom Kavanagh teil. Addie und Tom sind von Anfang an fasziniert voneinander. Auf einer Exkursion wird klar, dass sie ineinander verliebt sind, und eine intensive Liebesbeziehung nimmt ihren Anfang. Tom ist 15 Jahre älter als Addie, doch findet er sie sehr erwachsen, ernsthaft, tiefgründig und leidenschaftlich. Mit Tom entdeckt sie ihre Liebe zu den Vögeln, zeichnet und malt sie mit Hingabe, so dass ihr einige meisterhafte Gemälde gelingen. Tom und Addie schreiben zusammen ein Buch, "Eine Prosodie der Vögel", das später auch Unterrichtsmaterial für die Studenten wird. 1967 oder 1968, das wird nicht ganz klar, kommt ihre Tochter Scarlet zur Welt. Addie nimmt Scarlet als Kind immer mit auf ihren Ansitz im Wald, auf dem sie stundenlang Vögel beobachtet und zeichnet. Dennoch wird die Beziehung zwischen den beiden mit den Jahren immer distanzierter. Scarlet kann mit ihrem Vater viel freier und ungezwungener umgehen. Sie hält sich oft bei Cora, der Freundin von Addie, auf. Cora wird eine Art Mutterersatz für Scarlet.

Addie entwickelt mit der Zeit eine Unzufriedenheit mit dem Leben, sie ist ständig auf der Suche, die Liebe zu Mann und Kind, auch ihre Arbeit als Illustratorin füllen sie anscheinend nicht aus, Scarlet wird ihr fremd. Addie findet ein neues Betätigungsfeld als Naturschutzaktivistin, belagert mit anderen Leuten zusammen Baugrundstücke, ist in Gefahr, festgenommen zu werden. Ihr Mann Tom lässt sie gewähren, wünscht sich aber die sanfte, besonnene Addie zurück, die sie einst war. Er leidet unter ihrem Zorn und Kampfesgeist, wenn sie sich auch nicht gegen ihn, sondern gegen die Umweltzerstörung richten. Addie richtet sich vollkommen darin ein, lässt sogar das Malen sein, weil sie ihren Kampf so wichtig findet. Sie merkt aber auch, dass sie damit nur wenig bis gar nichts ausrichtet und außerdem noch die Menschen um sie herum vor den Kopf stößt. Aus ihren ganzen Aktionen wird sie jäh herausgerissen, als sie einen Knoten in ihrer Brust bemerkt. Doch immerhin bleiben ihr noch 15 Jahre ...

Das Buch wühlt auf, erzählt von intensiven Gefühlen, hat viel Tiefgang, beschreibt ausführlich, wie die verschiedenen Personen denken und fühlen und zu ihren Handlungen kommen. Vögel spielen darin eine wichtige Rolle, sie sind die Repräsentanten der Natur, die durch die Menschen immer stärker eingeschränkt wird. Wie geht man am besten damit um? Kämpferisch wie Addie? Oder lieber wissenschaftlich-aufklärerisch wie Tom? Stellenweise kann der Lesefluss etwas ins Stocken geraten, wenn allzu sehr zwischen Zeiten und Perspektiven hin- und hergesprungen wird. Wer sich jedoch für die Irrungen und Wirrungen der Menschen, für Natur und Biologie im Allgemeinen und für Vögel im Besonderen interessiert, kommt mit diesem Buch wohl schon auf seine Kosten.


Die Einsamkeit der Primzahlen
Die Einsamkeit der Primzahlen
von Paolo Giordano
  Gebundene Ausgabe

18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Poetische Sprache, leidvolles Thema, 26. Dezember 2009
Paolo Giordano beschreibt die Lebensgeschichten von Alice und Mattia, beide 1976 geboren. Beide wachsen in ihrer jeweiligen Familie in Italien auf - wo genau, erfährt man nicht. Überhaupt spielen äußere Fakten in diesem Buch keine große Rolle.
Wodurch es vor allem hervorsticht, sind zwei Dinge:
1. die plastische Schilderung der Innenansichten der verschiedenen Personen - im Mittelpunkt Alice und Mattia, aber auch Randpersonen wie Mattias Schulfreund Denise oder die spanische Haushälterin Soledad werden mit ihren Gedanken und Gefühlen sehr persönlich dargestellt.
2. die klare, eindringliche, bezaubernde Sprache mit poetischen Vergleichen und Bildern wie dem der Primzahlen, die zwar nah beeinander stehen, aber doch nie zusammenkommen können.
Diese zwei Dinge sind mir vier Sterne wert.
Das Buch liest sich flüssig und ich habe es in einem Zug durchgelesen - jedoch blieb mir danach ein schweres, bedrückendes, deprimierendes Gefühl zurück. Die zwei Hauptpersonen erstarren in ihrer Hilflosigkeit, bis ins Erwachsenenleben hinein (das Buch endet 2007, als beide 31 sind), beide können ihre Kindheitstraumata auch nicht ansatzweise verarbeiten. Ich litt mit ihnen mit - wenn Mattia sich immer wieder absichtlich in die Hand schneidet - wenn Alice nur Salatblätter und Mineralwasser hinunterbekommt, obwohl der Hunger in ihr brennt - doch es ändert sich über Jahre hinweg praktisch nichts. Eltern, Lehrer, Mitschüler sind seltsam gleichgültig oder kommen gar nicht vor. Sowohl Mattia als auch Alice lernen einen Beruf, haben Kontakt zu anderen Menschen, doch keinem aus ihrem Umfeld gelingt es, nahe genug an sie heranzukommen, um irgendeine Änderung anzustoßen. In gewisser Weise sind alle Personen in dem Buch wie Primzahlen. Es gibt nur Innenansichten, ausgesprochen werden wichtige Dinge praktisch nie. Nur einmal erzählt Mattia Alice sturzbachartig sein Trauma mit der Zwillingsschwester, aber dabei bleibt es dann auch. Im Inneren toben die Kämpfe, die Verletzungen, der Schmerz, doch mitgeteilt werden diese Gefühle nie. Das letzte Kapitel heißt "Was bleibt" - doch was bleibt denn nun? Es bleibt das Schweigen, die Selbstbestrafung, der Rückzug, das Unverständnis. Ist Literatur eigentlich nur gut, wenn das Leid siegt?


Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter: Roman
Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter: Roman
von Dilek Güngör
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine junge Deutsch-Türkin und ihre familiären Wurzeln, 17. Dezember 2008
So oberflächlich, wie meine Vor-Rezensenten dieses Buch einordnen, finde ich es gar nicht. Die 32-jährige Zeynep reist mit ihren Eltern in die Türkei, weil ihre Großmutter Fatma krank ist und sich wahrscheinlich nicht mehr erholen wird. Zeynep ist in Deutschland geboren, kennt ihre Großmutter nur von wenigen Besuchen in der Türkei und einigen Telefonaten und hat zunächst Bedenken, ob sie mit ihr überhaupt reden kann. Doch wider Erwarten geht das ganz gut, die Großmutter spricht sie unbefangen an, und die beiden kommen sich recht nah.

Da erfährt Zeynep von einem dunklen Familiengeheimnis - jedoch durch eine andere Person - in dem die Großmutter eine unrühmliche Rolle gespielt hat. Über dieses heikle Thema kann die ganze Familie bis heute nicht offen reden, auch Enkelin und Großmutter gelingt dies nicht, trotz der neu gewonnenen Nähe. Die Großmutter wird ohnehin von Tag zu Tag weniger, der Tod nähert sich. Zeynep bleibt bei ihr bis zum Schluss, sie hat zur Zeit keine Arbeit und kann sich eine längere Auszeit erlauben, während ihre Eltern nach drei Wochen wieder nach Deutschland abgereist sind. Doch obwohl sich Enkelin und Großmutter in wenigen Wochen näher gekommen sind, als in den Jahren zuvor, bleibt letztlich jede mit ihrem Schmerz alleine, auch der Rest der Familie, durch den ein Riss geht: Zeyneps Eltern leben in Deutschland, ihr Onkel und dessen Nachkommen in der Türkei. Das dunkle Familienkapitel steht weiterhin ungelöst zwischen ihnen. Dennoch kann Zeynep einiges aus dieser Geschichte für sich mitnehmen. Sie hat die Augen geöffnet bekommen und weiß jetzt eher, was sie will in Bezug auf Männer, Beruf und Familie.

Zum Schreibstil: Das Buch liest sich sehr leicht, der Stil ist journalistisch knapp und treffend, zielgerichtet, ohne Satzbandwürmer oder Abschweifungen. Dass wenig Adjektive vorkommen, ist übrigens ein Zeichen von gutem Schreibstil, denn Adjektive "spreizen, blähen und verwischen, sie provozieren Doppeldeutigkeit und Widersinn ..." (Wolf Schneider Deutsch für Kenner: Die neue Stilkunde).
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 14, 2013 12:57 PM MEST


Reifejahre. Lebensfreude und Sinnfindung
Reifejahre. Lebensfreude und Sinnfindung
von Manfred Stöhr
  Broschiert
Preis: EUR 19,80

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wenig ansprechender Schreibstil, 6. September 2008
Der Autor umreißt alle Themen, die man für Ältere als wichtig erachtet: z.B. Ruhestand, Einstellung zum Alter, geglücktes Altern, Partnerschaft, Gesundheit, Bildung, Religion. Das ist alles gut und schön. Was mich jedoch an diesem Buch massiv stört und mich am kompletten Durchlesen gehindert hat, ist der trockene, wissenschaftliche und unpersönliche Sprachstil. Das erste Kapitel (60 Seiten), ein eher allgemeiner Überblick, ist noch ganz interessant, danach aber quälte ich mich immer mehr durch, las quer, um wieder auf ansprechendere Textpassagen zu stoßen, fand keine und gab schließlich auf. Das Buch ist gespickt mit vielerlei Zitaten von anderen Personen, die Wissenschaftlichkeit und Objektivität hervorrufen sollen, gleichzeitig drückt der Autor aber dem Leser immer wieder seine eigene Meinung auf oder hat eine seltsame Ausdrucksweise.

Beispiele:

"Es ist eines der zahllosen Zeugnisse menschlicher Dummheit, dass ausgerechnet der Lebensstil einer der unkultiviertesten Nationen (der USA) eine weltweite Akzeptanz erfährt ..." (Seite 48)

"Erotische Beziehungen im Alter unterscheiden sich nicht prinzipiell von denen in jüngeren Jahren, wenn sich auch die reife Meisterschaft eines Könners gegenüber den ungestümen Stümpereien des Anfängers in einer anderen Klasse abspielt." (Seite 73)

"In der entbehrungsreichen Nachkriegszeit empfanden Kinder eine unbändige Freude über kleinste Geschenke, während die mit Geschenken verwöhnten Gören unserer Wohlstandsgesellschaft höchstens noch ein blasiertes Lächeln zustande bringen oder sich nicht einmal mehr die Mühe machen, das Geschenk auszupacken." (Seite 134)

Auch wenn der Autor in der Sache sicher hie und da recht hat, komme ich mit diesem Schreibstil nicht zurecht. Ich lasse mich als Leser ungern beschimpfen und belehren in diesem altväterlichen und autoritären Ton. "Lebensfreude", wie es im Untertitel des Buches heißt, stellt sich dabei nicht ein.

Für einige überblicksartige Informationen, die dieses Buch bietet, vergebe ich zwei Sterne.

Mehr empfehlen zum Thema "Leben im Alter" kann ich das Buch Wir Alten: Porträts einer lebenserfahrenen Generation von Sabine Bode.


Die Pflanzenmalerin: Roman
Die Pflanzenmalerin: Roman
von Martin Davies
  Gebundene Ausgabe

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebe und Natur im 18. und im 20. Jahrhundert, 17. August 2008
Seit 14 Jahren hat der englische Biologe John Fitzgerald keinen Kontakt mehr zu seiner ehemaligen Kollegin und großen Liebe Gabriella, als sie ihn unerwartet anruft. Sie will seine Hilfe bei der Suche nach dem geheimnisvollen Vogel von Ulieta, von dem vor 200 Jahren ein einziges Exemplar entdeckt und präpariert wurde. Dieses Exemplar ist spurlos verschwunden. Der neue Freund von Gabriella, Karl Anderson, will den Vogel unbedingt wiederfinden und dieses Ereignis finanziell ausschlachten. Gabriella erhofft sich davon neue Geldmittel für ihre Forschung. Fitzgerald hatte einst über den Vogel geforscht, dies aber aus verschiedenen Gründen aufgegeben. Er ist zunächst wenig begeistert von Anderson und seiner Idee, kann sich dem aber auch nicht völlig verschließen und begibt sich mit seiner Untermieterin Katya in Stadtarchive und Büchereien, um nach Spuren des geheimnisvollen Vogels zu suchen.

Als Parallelgeschichte hierzu erzählt Martin Davies von dem Naturforscher Joseph Banks, der im 18. Jahrhundert mit dem Seefahrer James Cook auf Exkursion ging. Dabei entdeckte er unter anderem den Vogel von Ulieta. Doch in seinem Nachlass tauchte der Vogel nicht auf - wo ist er abgeblieben? Hierzu entspinnt der Autor eine phantasievolle und zarte Geschichte, in der eine außergewöhnliche Frau die Hauptrolle spielt: Mary Burnett. Joseph und Mary begegnen sich im Wald des Dorfes, wo er sein Gut verwaltet und sie mit ihrem Vater lebt. Mary und ihr Vater sind Außenseiter, werden von allen Dorfbewohnern gemieden, weil der Vater ein Freigeist ist und sich nicht an die üblichen Konventionen hält. Zudem ist er Alkoholiker und hoch verschuldet. Seine Tochter hat er religionslos erzogen und lässt sie alleine in den Wäldern herumziehen - in einer Zeit, in der junge, unverheiratete Frauen nur mit Begleitung das Haus verlassen dürfen. Mary ist sehr einsam und unglücklich und hat keine Chance auf ein normales Leben ohne Anfeindungen, denn kein Mann wird sie heiraten. Sie findet aber eine geniale Möglichkeit, ihren Kummer zu vergessen und gleichzeitig sich selbst auszudrücken. Sie zeichnet Bäume und Blumen und bringt es darin zu einer solchen Perfektion, dass der Naturforscher Banks davon ganz begeistert ist. Die beiden verlieben sich ineinander.

Fitzgerald und Katya stoßen bei ihren Nachforschungen auf diese Geliebte von Joseph Banks und vermuten, dass sie über diese eine Spur zum Vogel von Ulieta aufnehmen können. Doch sie finden zunächst keinen Hinweis darauf, wie die Dame heißt. Nur in einem archivierten Klatschblatt lesen sie von einer "Miss B.". Und eine Zeichnung von ihr gibt es: Ein gewöhnliches Gesicht, jedoch mit faszinierenden Augen.

So geht es immer wieder zwischen beiden Parallelgeschichten hin und her, man erfährt einiges vom Leben im England des 18. Jahrhunderts, von Naturforschung damals und heute, von Problemen fachlicher und menschlicher Art und von einer großen Liebesgeschichte. Auch wird deutlich, dass auch die herausragendste Forschung mit den hehrsten Zielen ihre Schattenseiten hat. Fitzgerald wird das schließlich klar. Nachdem er diese Erkenntnis jahrlang nicht wahrhaben wollte, zieht er nun die Konsequenzen daraus und setzt alles daran, Anderson den Vogel nicht zu überlassen.

Ein vielschichtiges, wunderbar erzähltes, märchenhaftes, sachliches und etwas trauriges Buch, das alle begonnenen Handlungsstränge und Fragen zu Ende führt und gleichzeitig den Leser seine eigene Meinung bilden lässt.


Die Zeit der Schattenblütenfrau: Eine Reise durch die Wechseljahre
Die Zeit der Schattenblütenfrau: Eine Reise durch die Wechseljahre
von Christina Casagrande
  Gebundene Ausgabe

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wechseljahre: Auf zu neuen Ufern, 27. Juli 2008
Die Heilpraktikerin und Autorin Christina Casagrande hat hier ein kraftvolles Werk geschrieben, eine Mischung aus Roman und Sachbuch. In den ersten zwei Dritteln erzählt sie die Geschichte der 53-jährigen Sekretärin Tatjana, die ihre Arbeit verliert, mit ihrem Mann kaum mehr normal reden kann und erfährt, dass ihre Tochter schwanger ist. Die Ereignisse überschlagen sich, gleichzeitig kämpft sie mit Wechseljahresbeschwerden und fühlt sich zum alten Eisen abgeschoben. Zum Glück hat sie ihre Freundin Maria, die sie zu einer Reise in die Berge einlädt - hier findet Tatjana zu ihrer eigenen Kraft und will ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen. Das Ende bleibt letztlich offen, doch bekommt man als Leser eine Ahnung davon, dass Tatjana von nun an nicht mehr alles ziellos mitmachen wird, sondern weiß, was sie will, dass sie sich dem Thema Tod stellen wird und selbst entscheidet, wie sie die verbleibende Zeit nutzen will.

Im letzten Drittel des Buches stellt die Autorin wichtige Fragen als Orientierungshilfe: Wo stehe ich jetzt - mit meinen Fähigkeiten, mit meinen Beziehungen? Wo will ich hin? Was brauche ich dazu? Welchen spirituellen Weg will ich gehen?

Weiterhin gibt die Autorin einfache Tipps für Wohlbefinden und Gesundheit und stellt auch einige Kochrezepte für Entlastungstage vor. Das Besondere dabei ist die Verwendung von Gewürzen, die sechs verschiedene Geschmacksrichtungen enthalten: süß, sauer, salzig, scharf, bitter, zusammenziehend. Unser heutiges Essen hat selten dieses ganze Spektrum, so ist man zwar satt, aber unzufrieden und sucht immer noch nach etwas weiterem Leckeren... der Weg zum Übergewicht ist nicht weit.

Ein außergewöhnliches Buch, das sich super liest, klar und sehr direkt ist, Mut macht und hilfreiche Anregungen gibt, die Zeit der Wechseljahre nicht nur unter dem Zeichen des Verlusts zu sehen, sondern vor allem als Chance zu mehr Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung.


Was in zwei Koffer paßt: Klosterjahre
Was in zwei Koffer paßt: Klosterjahre
von Veronika Peters
  Gebundene Ausgabe

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Distanzierte Schilderung ohne Innenleben, 15. Mai 2008
Die Autorin schreibt unterhaltsam und gut zu lesen über ihre zwölf Jahre Klosterleben. Da sind die strenge Lehrmeisterin Hildegard, die gerechte Äbtissin Raphaela oder die burschikose Schwester Paula. Es geht nicht nur fromm zu, sondern es gibt auch Streitereien, schlechte Laune und Neid unter den Schwestern.

Das Buch liest sich gut, doch blieb bei mir nach der Lektüre ein leeres Gefühl zurück. Es beschränkt sich auf äußerliche Beschreibungen, die sehr plastisch sein können, doch bei diesem Thema nicht ausreichen. Warum es die Autorin so lange im Kloster ausgehalten hat, sogar ihre ewigen Gelübde ablegt, bleibt sehr schwammig. Sie ist auch nach Jahren noch sehr skeptisch gegenüber ihrer Umgebung, obwohl einige Schwestern ein freundschaftliches Verhältnis zu ihr haben. Sie sucht hartnäckig nach etwas Bestimmtem, aber nach was? Auch nach vielen Jahren verhält sie sich sehr distanziert gegenüber ihren Mitschwestern, und auch ihr Erzählstil drückt große Distanz zu den Lesern aus. Bloß nicht zu viel über sich selbst preisgeben! Ihr sarkastischer Unterton, ihr ständiges Auf-dem-Sprung-Sein nervt mit der Zeit.

Und dann das plötzliche Ende, als sie einen Mann kennenlernt und schließlich wegen ihm das Kloster verlässt: Wenigstens dies hätte sie liebevoller, spannender und innerlich nachvollziehbarer schreiben können, da es doch um die große Liebe ihres Lebens geht! Ich hätte mich gern mehr mit ihr gefreut. Doch ihre Gefühle, ihre Reflexionen, ihre Entwicklung, ihre Beziehung zu Gott, zu sich selbst und ihren Mitmenschen bleiben mir zu nebulös. Diese Aspekte kommen fast gar nicht vor oder werden nur äußerlich geschildert wie in einem Zeitungsbericht. Schade.


The School Of Notre Dame
The School Of Notre Dame
Wird angeboten von MUSIC DIRECT
Preis: EUR 27,58

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ruhige Mönchsgesänge, 25. März 2008
Rezension bezieht sich auf: The School Of Notre Dame (Audio CD)
Diese CD eignet sich wunderbar zum Ruhigwerden und verbreitet eine meditative Stimmung. Die klaren Männer- und Frauenstimmen vermitteln ein inneres Bild von Ruhe und Frieden, was nach einem hektischen Tag eine wahre Wohltat ist. Die Lieder haben abwechslungsreiche Melodien und langweilen nicht - allerdings eignen sie sich eher für abends, wenn man abschalten und einschlafen möchte - weniger zum Aufwachen und Aktiv-Werden.


If Only They Could Talk
If Only They Could Talk
von Christopher Timothy
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Doktor und das liebe Vieh ..., 25. März 2008
Rezension bezieht sich auf: If Only They Could Talk (Taschenbuch)
Das schmale Buch vereinigt 15 in einfachem Englisch geschriebene Kapitel aus dem Werk des englischen Tierarztes James Herriot. Wer einst die Fernsehserie "Der Doktor und das liebe Vieh" gesehen hat, wird die eine oder andere Geschichte wiedererkennen. Da ist die nächtliche schwere Geburt eines Kalbs und die trickreiche Abmagerungs- und Fitness-Kur für den überfütterten Schoßhund Trickie Woo. Die Storys sind unterhaltsam und mit hintergründigem Witz geschrieben. Nach jedem Kapitel finden sich einige Fragen, die man sich selbst oder in einer Gruppe beantworten und damit auch das freie Sprechen auf Englisch üben kann. Es macht richtig Spaß, das Buch zu lesen und ganz nebenbei sein Englisch wieder aufzufrischen. Auch wer lange Zeit kein Englisch mehr gemacht hat, kommt auf angenehme und lockere Weise wieder in die Sprache hinein. Allzu spezielle Fachbegriffe aus der Tiermedizin werden erklärt, ohne den Lesefluss zu stören.


Seite: 1 | 2