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Rezensionen verfasst von
Gerd T. "d2006" (Leipzig)

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Der Leopard (Dünndruck-Ausgabe)
Der Leopard (Dünndruck-Ausgabe)
von Ute Stempel
  Gebundene Ausgabe

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fürstliches Sizilien!, 29. März 2007
Einem Hinweis aus "Manieren" von Asfa-Wossen Asserate folgend begann ich mit diesem Roman, in den ich mich anfangs schwer hineinfand, weil er weniger von seiner Handlung als vielmehr von der treffenden Beobachtungsgabe des Autors lebt. In der Zeit um 1860 auf Sizilien spielend, erzählt Lampedusa die Geschichte seines Urgroßvaters Fabrizio, des Fürsten von Salina, die eng mit den damaligen historischen Ereignissen korreliert, weshalb ein wenig Stöbern nach Garibaldi etc. hilfreich wäre. Sehr schön werden die Fesseln deutlich, in denen der sizilianische Adel hängenbleibt, während sich so vieles verändert. (Stichwort Manieren, die sich hier sehr schön in der Anwendung studieren lassen). Die Erkenntnis, der letzte Leopard zu sein, überzieht das Empfinden des Fürsten mit einer Melancholie, die ein wehmütiges Bild des alten Sizilien entstehen läßt.


Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen
Sternstunden der Menschheit: Vierzehn historische Miniaturen
von Stefan Zweig
  Sondereinband
Preis: EUR 7,95

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lebendige Vergangenheit., 29. März 2007
12 Essays über ausgewählte Entscheidungspunkte des Fortschritts und der Geschichte aus sehr personalisierter Perspektive eines der Beteiligten. Dem Auswahlzeitpunkt (bis 1943) sowie der Schriftstellerperspektive geschuldet, daß sicher nicht alle der 12 Erzählungen ihre Bedeutung vermitteln können (z.B. Goethe, Tolstoi, Dostojewski). Dafür aber umso

lebendiger und fesselnder erzählt. Interessant auch die Tatsache, daß das Scheitern eines Menschen in dem entscheidenden Moment in mehreren Erzählungen zur Sternstunde erhoben wird.


Manieren
Manieren
von Asfa-Wossen Asserate
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,90

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein echtes Bonbon., 29. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Manieren (Taschenbuch)
Es sind eine genaue Beobachtung und damit intime Kenntnis der deutschen Verhältnisse nötig, um eine solch treffende Betrachtung über die Verhaltensweisen in Deutschland anzustellen. Daß dies ein äthiopischer Prinz mit einem sehr feinen Sprachgefühl getan hat, ist umso bemerkenswerter. Sehr wohltuend zu lesen, wie natürlich und selbstverständlich viele Dinge doch sein könnten, die wir gering oder gar nicht mehr achten. Umgekehrt ist es erschreckend zu sehen, wie die Umgangsformen des heutigen Berufs-Alltages die elementarsten Manieren konterkarrieren.

Im Übrigen sollte man nicht jede Empfehlung des Autors auf die Goldwaage legen wollen, zumal dann der stets durchscheinende Humor viel leichter zu genießen ist.


Die Sirene: Erzählungen
Die Sirene: Erzählungen
von Giuseppe Tomasi di Lampedusa
  Taschenbuch

2 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fürstliche Erzählungen über Sizilien, 28. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Sirene: Erzählungen (Taschenbuch)
In Ergänzung zum Roman "Der Leopard" sind dies 4 autobiographisch akzentuierte Fragmente über die sich anschließende Zeit in der ersten Hälfte des 20. Jhd. mit griech-mythol. Hintergrund (Die Sirene), über die Entwicklung der Gegend um das Haus Salina (Aufstieg eines Pächters), eine Anekdote über Manieren (Freude und moralisches Gesetz) sowie Erinnerungen (Die Stätten meiner frühen Kindheit). Vor allem die genüßlich, weil wissende Erzählweise läßt diese Erzählungen erstrahlen.


Die deutschen Mörder. Die SS-Einsatzgruppen und der Holocaust
Die deutschen Mörder. Die SS-Einsatzgruppen und der Holocaust
von Richard Rhodes
  Taschenbuch

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Dokumentation der dunkelsten Vergangenheit, 28. März 2007
Eine Beschreibung des von den Einsatzgruppen organisierten Massenmordes im Hinterland der Ostfront 1941-'45, die in ihrer Deutlichkeit erschrecken läßt.

Eine detaillierte Konfrontation mit der Unzahl an dokumentierten Vorfällen(in Zahlen und Bildern) und vor allem den psychologischen Vorgängen auf Seiten der Opfer sowie (ausführlich) der Täter liefert ein eindringliches Bild der Ungeheuerlichkeit des Vorgehens der nationalsoz. Führung.


Früchte des Zorns: Roman
Früchte des Zorns: Roman
von John Steinbeck
  Gebundene Ausgabe

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Realität der Großen Depression, 16. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Früchte des Zorns: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eine zutiefst erschütternde Erzählung aus der Zeit der großen Depression in den Vereinigten Staaten. Die Familie Joad, Pächter einer Farm in Oklahoma, wird als "Opfer der Traktoren" gezwungen, ihr Land zu verlassen und nach Kalifornien zu ziehen, einer zunächst lebendigen Hoffnung auf Arbeit folgend. Mitreißend zu lesen, wie sie sich in einem riesigen Treck Hunderttausender Hunger-Flüchtender wiederfindet, der in Kalifornien zunehmend auf Ablehnung stößt, und zudem systematisch zum Lohndumping mißbraucht wird. Einem solchen äußeren Druck ausgesetzt, kann dem kein noch so gefestigter Familienbund widerstehen. Die Familie zerfällt zusehends, während einige wenige, darunter Mutter Joad eine Größe entwickeln, die bewundernswert ist. Im zweifelhaften Spannungsfeld zwischen Religion und Ansätzen von Kommunismus macht das wahrhaft monumentale offene Ende das Dilemma deutlich:

Der Mensch ist des Menschen Wolf. Was schützt aber vor dem Wolf? Darauf sind wir heute wahrscheinlich einen Schritt weiter, aber keinesfalls befriedigend. Es scheint fast, als wäre dies auch kaum erreichbar.

Übrigens Pulitzerpreis-ausgezeichnet(1940), und der Autor auch Nobelpreisträger (1960).
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Der Spieler
Der Spieler
von Fjodor Michailowitsch Dostojewski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 3,95

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der fühlbare Schmerz in der Erfahrung des Spielens, 16. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Spieler (Gebundene Ausgabe)
Ganz sympathisch und rational erscheint der Erzähler Alexej Iwanowitsch, der russische Hauslehrer eines Generals in Roulettenburg, bis ihn die Umstände (seine Begeisterung für Polina Alexandrowna oder das Risiko?) an den Roulette-Tisch treiben. Das Spiel beginnt, sein Denken zu dominieren, und schließlich sein Leben zu verändern. Wir können im Wissen um die vielfältigen Avancen, die uns heute das Glücksspiel macht, sicher nachempfinden, wie Dostojewski in seinem autobiographisch geprägten Roman sein eigenes Dilemma nachempfindet und aufarbeitet. Wieviele Niederschläge ein Mensch doch einstecken kann, solange ihm ein Strohalm (Hoffnung, Liebe?) bleibt. Mit viel Sympathie wirbt Dostojewski um seine Hauptfigur, die sich bis zum Schluß nicht aus dem Abwärtsstrudel um das Spielen lösen kann.


Der Tod ist mein Beruf, Jubiläumsausgabe
Der Tod ist mein Beruf, Jubiläumsausgabe
von Robert Merle
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das in der Alltäglichkeit verdrängte Grausen, 16. März 2007
Ein wahrhaft spannendes Experiment für den Leser, dem Ich-Erzähler Rudolf Lang (dem Auschwitz-Lagerkommandanten Rudolf Höß nachempfunden) in seiner Biographie von einer von seinem fast pathologisch religiösen Vater dominierten Kindheit über einen Freiwilligeneinsatz im ersten Weltkrieg, die schwierige Zeit der Weimarer Republik bis zum Vernichtungslager Auschwitz zu folgen. Erschreckend erscheint vor allem, daß er an keiner Stelle das für uns Unbegreifliche hinterfragt, dies verdrängt und sich auf rein organisatorische Abläufe konzentriert. Wahrlich mahnend, aus wieviel Ideologie die Motivation für sein Denken und Handeln scheint bestanden zu haben.


Hannibal Rising
Hannibal Rising
von Thomas Harris
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Läßliches Prequel für Hannibal, 16. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Hannibal Rising (Gebundene Ausgabe)
Es beginnt wie eine Familiensaga im Baltikum. Die Szenerie des zweiten Weltkrieges ist dann die Voraussetzung dafür, daraus einen wahren Horrortrip zu machen. In überraschend kurzer, fast stichwortartiger Form kann der Leser Anteil nehmen an der Entwicklung Hannibal Lecters zum Monster, als das er sich in "Das Schweigen der Lämmer" dargestellt hatte, gleichzeitig aber auch zu dem äußerst intelligenten, tiefsinnigen wie auch wissenden Mann von Welt, als der er sich besonders in "Hannibal" zeigte. Durch diese Kombination entsteht erst die wahre Bedrohung durch Hannibal, da ihm niemand in irgendeiner Art gewachsen scheint. Scheibchenweise nimmt Hannibal den Leser mit auf die Suche nach der verdrängten Wahrheit, daß seine Schwester Kanibalismus zum Opfer fiel. Der adlige und wohl auch intellektuelle Außenseiterstatus Hannibals zwingt ihn letztlich auf einen Selbstjustiz-Rachzug, dem vielleicht 9 oder 10 "Böse" zum Opfer fallen werden. Leider braucht man für diese große Zahl an Toten auch viele Figuren, die für die Geschichte gar nicht so wichtig sind. Sicherlich aber routiniert erzählt, schaut man viel zu wenig auf die Psyche der Beteiligten als vielmehr auf die Ungeheuerlichkeiten, die ihnen "passieren". Hannibal verliert allerdings durch die Tatsache, daß er für den Leser die fast sympathische Hauptperson ist, viel von seinem Image.

Kein unbedingtes Muß.


Mir selber seltsam fremd: Russland 1941-44
Mir selber seltsam fremd: Russland 1941-44
von Stefan Schmitz
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Authentisches Zeitzeugnis, 5. Februar 2007
Der einfache Soldat Willy Peter Reese verwendet seine umfangreichen Aufzeichnungen vom Rußlandfeldzug, um etwas zu schaffen, von dem er selber nicht weiß, was es werden soll: einfaches Tagebuch, Anklage an die "Kriegsführenden", Tatsachenberichte, Bild seiner Stimmungen...?

Das scheint mir auch eine große Schwäche des Buches zu sein:

Die Verfremdung der Ereignisse bzw. deren Ersatz durch seine Empfindungen, die die Unmittelbarkeit der Unmenschlichkeit abzuschwächen scheint. Andererseits ist die offensichtliche Unvollständigkeit dieser Arbeit (er selber schreibt viele Nächte an der Front und wird seit August '44 vermißt) umso beeindruckender, als dadurch nur der unmittelbare Informationsstand unbeeindruckt von Retrospektive

und Interpretation dargestellt sein kann. Und dennoch enthält dieses Buch soviel Weitsicht und Einsicht, wovon nach dem Krieg so viele in D. so wenig gehabt haben wollen...


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