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Stehlampe "stehlampe" (Brüssel)

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Blood Special Edition
Blood Special Edition

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für Progger eine Offenbarung, für ungeübte Lauscher problematisch, 10. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Blood Special Edition (Audio CD)
Wer zu O.S.I. greift weiß genau, was auf dem Silberling zu hören sein wird, nämlich perfekt arrangierte Songperlen, die im Grenzbereich zwischen donnernden Gitarrenriffs und ambientlastigen Keyboard-Programmings angesiedelt sind. Dies hat sich auch am dritten Longplayer nicht geändert, der in einem schönen Digipack daherkommt, das wie das Inlay komplett in Schwarz und Rot gehalten ist und dessen Aufmachung schlicht, aber stilsicher ist. Unüberhörbar hat aber ein Reifeprozeß stattgefunden, der die kleinen Schwachpunkte der beiden Vorgänger ausmerzte. Waren am Debut die Songs oftmals ein wenig zu kurz angebunden und eher hektisch beendet, wurde auf Free anderseits doch zu sehr in die Breite gearbeitet.

Aber genug über die ersten beiden Langrillen geplaudert, die erste CD mal im Schlund des Players versenkt und rasant geht's los mit der O.S.I.-typischen melancholisch-aggressiven Grundstimmung, die in ein Riffgewitter mündet. Die erste Änderung kann ganz fein vernommen werden: Harrison trommelt "melodiöser" als Portnoy und trotz fehlendem Baß-Spieler ist der Druck von unten nochmals verstärkt worden.
The Escape-Artist überrascht dann am Ende sogar mit einem Gitarrensolo! Terminal schaltet wieder einen Gang zurück und ist in einer 10 Minuten Version auf der Bonus-Disk ebenfalls zu finden. Wieder diese ruhige, melancholische Athmosphäre, die von Moores Gesang eigentlich zärtlich untermalt wird. Hier schimmert ganz stark Chroma-Key durch.
False Start drückt das Gaspedal wieder nach unten und überzeugt durch perfektes Programming, kombiniert mit dem erneut sehr wuchtigen Riff.
Wieder wird's ruhig. We come undone drückt den Athmo-Level noch weiter runter Richtung Depression, hat aber hintergründig durch die raffiniert programmierten Drums ordentlich Zug. Nach 4 Nummern fehlte mir noch die Kreuzung aus Riffmonster und den ruhigen Momenten. Kaum gedacht, wurde ich schon bedient...
Radiologue ist eine Nummer, wie sie nur von O.S.I. stammen kann. Erstmals auf Blood ergänzen sich die so unterschiedlichen Ansätze des musikalischen Grundkonzepts. Blubbernde Synthies treffen auf perfekte Loops auf den kühl distanzierten Gesang Moores auf ein wahres Keyboard-Monsterriff auf die schrammelnde Gitarre, bis im Mittelpart alles wieder zusammensackt, um erneut ganz groß aufgebaut zu werden. Kann die Scheibe noch besser werden?
Ja, sie kann! Be the Hero beginnt dort, wo die Vornummer aufhört, nämlich in ruhigen Fahrwassern, bis Matheos aus dem Nichts erneut ein schweres Riff aus dem Ärmel schüttelt, das von den Keys schwebend aufgegriffen wird, bis beides im Einklang durchrockt.
Darauf folgt die wohl umstrittenste Nummer des Albums. Microburst Alert ist so ein Fall für sich. Entweder es wird gemocht, oder es wird abgelehnt. Ich finde dieses tonnenschwere Instrumental mit seinen Sprachsamples schlicht großartig! Hier wird der Bogen zum Debut gespannt, indem Paralellen zu Horseshoes & B52s unverkennbar sind. An jeder Ecke fiept, zirpt und pusht dieser zuerst unnahbare Sound-Brocken, der perfekt in das Album-Konzept paßt.
Denn mit Stockholm wird wieder das Tempo gedrosselt um erneut die Hand an die Kehle des Hörers/der Hörerin zu legen, die von Mikael Akerfeld ordentlich zugedrückt wird. Mit traumwandlerischer Sicherheit wird hier das Opeth-Feeling integriert.
Der Titeltrack nimmt den Faden von Radiologue auf und ist ein schöner Kehraus.

Das Debut benötigte doch einige Durchläufe um sich in den Hörgängen festzukrallen, Free war deutlich eingängier, hatte aber eine geringere Halbwertszeit, und Blood? Schon nach dem ersten Durchgang war ich begeistert, nach weiteren 10 bin ich dies noch immer. Für mich sind die ersten 4 Nummern eine Art Tanz, in dem sich die beiden harten Nummern um die beiden Ruhigeren bemühen, sie umwerben, bis mit den nun folgenden Nummern die Kombination zu hören ist. Die Tracks 5 bis 9 sehe ich als eine Art Suite, die um Microburst Alert herumkomponiert ist und eben mit Blood, dem Titel der Scheibe, ihr Ende findet.

Fazit: Die Herrn Moore und Matheos haben alles richtig gemacht und mit Blood ihr bisher bestes Werk abgeliefert, das eigentlich nur Proggern so richtig gut als Ganzes gefallen wird können. Einzelne Nummern für Metalheads sind dabei, einzelne Nummern für die Ambient-Fraktion und zwei Titel für solche, die die Kombination schätzen. Ungeübte Lauscher werden wohl zahlreiche Durchläufe brauchen, um mit diesem Gerät warm zu werden, wobei ich vermute, ein Kennen und Mögen von Chroma-Key und jüngeren Fates Warning Scheiben wäre fast schon Vorraussetzung, um überhaupt tiefer in das O.S.I.-Universum eintauchen zu wollen/können. Für mich bis jetzt die Prog-Platte des Jahres. Mal sehen, ob Kevins Exband daran was ändern kann.

Abschließend noch die Bonusdisk, die wie in den anderen Special Editions Titel enthält, die zwar gut sind, aber den Fluß der eigentlichen Scheibe gestört hätten:
Neben der 10 Minuten Terminal-Version ist mit No Celebretions ein sehr starker Metal-Song drauf, der von Tim Bowness gesungen wird. Mit Christians Brothers (eine Coverversion einer mir unbekannten Band) wird kurz in die Alternative-Richtung geblickt, ein Ergebnis, das sich ebenso hören lassen kann.


The Anatomy Of Melancholy
The Anatomy Of Melancholy
Wird angeboten von Obsessed-Records GmbH inkl-MwSt-Widerrufsbelehrung-AGB-unter-Verkäufer-Hilfe
Preis: EUR 17,71

5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Licht und Schatten, 26. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: The Anatomy Of Melancholy (Audio CD)
Value for money - so kurz könnte die Review eines vergleichbaren Pakets lauten. 2 DVDs, 2 Audio-CDs, nettes Layout, und Booklet mit Linernotes um knapp 40,-. Könnte deswegen, denn hier geht's schließlich nicht um irgendeine Pipi-Fax-Band bei der jede/r KäuferIn schon im vorhinein ganz genau weiß, was der Inhalt ist, sondern eben um die eher kontroversiellen Paradise Lost, darum sei mehr geschrieben und der Gehalt des ersten Satzes genau geprüft.
Die beiden DVDs:
DVD Nummer eins liefert das komplette Konzert, das im Londoner Koko aufgezeichnet wurde. Spektakulär ist das jedenfalls nicht, großartige Bühnenshow gibt's nicht, Nick Holmes hat wie immer einen Aktionsradius und den Energiegehalt einer Wasserflasche, Aaron und Greg schütteln ihre Birnen mal mit mehr oder weniger Haar, und die Rhythmus-Fraktion hatte ohnehin nie was zu melden, ist also ziemlich unsichtbar. Nach 95 Minuten ist das Konzert vorüber und die erste DVD geschafft. Bildtechnisch wage ich keine Bewertung abzugeben, dazu habe ich nicht das passende Equipment, was den 5.1-Soung angeht ebensowenig, aber Stereo war nicht auszuhalten. Entweder es lag an meinem Player oder sonstigen Settings, von Dynamik war keine Spur, die gesamte Spielzeit über war der Ton so krass komprimiert, dass alles in undifferenzierbarer Lautstärke vorbeirauschte.
Die zweite DVD brachte bei meinen Einstellungen dynamischeren Ton, ein Interview, das zu verpassen keinen großen Verlust darstellt, ein paar befragte Fans und einen kleinen Tour-Film, der hauptsächlich im Wiener Planet-Music aufgenommen wurde. Einen schön abgedrehten, einen zusammengeschusterten und einen reinen für Promotion geschnittenen Video-Clip dazu, schon ist die zweite DVD aus....
Die DVD-Sektion hinterläßt einen mehr als schalen Nachgeschmack. Einen Gig einfach abfilmen, okay, kein Problem, wenn eine ordentliche Show geboten wird ist das sicher unterhaltsam. Bei Paradise Lost geschieht auf der Bühne aber zu wenig, als daß mich die Bilder wirklich vor dem Bildschrim festpinnen konnten. Da der Sound bei mir nicht funktionierte, wird die DVD wohl so schnell nicht mehr angesehen werden, wie auch die andere Scheibe. Der Tourfilm ist ganz nett und rief jede Menge Erinnerungen an das ehemalige Rockhaus wach, aber das ist Lokalitäten-Bonus. Der Rest des Materials ist durchaus zu vernachlässigen. Rein als DVDs mit ach und Krach 2 Sterne.
Weg vom optischen Firlefanz, hin zur Musik, nämlich zu den beiden CDs, auf die das Konzert gebannt wurde, was zur Abhandlung der Tracklist führt. Die ist ausgewogen und stellt einen Best-Of Querschnitt durch das Schaffen der Band dar. Songperlen aus der früheren Schaffensperiode der Band, beispielsweise Gothic, Sweetness, As I die, stehen neueren Stücken gleichwertig gegenüber, mal genannt No Celebration, The Enemy, Grey. Dreh- und Angelpunkt ist für mich jedoch die Periode DT bis BIN, die live einfach schmutziger und direkter rüberkommt. Absolutes Highlight ist überraschenderweise So much is lost", das in dieser Spielvariante erlaubt, daß das von vielen verschmähte Experiment Host" seine versteckte Qualität nun offen zur Schau stellen kann. Ein perfektes Konzert wird es nie geben, die üblichen kleinen Schnitzer im Timekeeping (Click!) und dem Treffen der Töne, das gehört einfach dazu und fällt gegenüber den zuletzt absolut glattpolierten Produktionen sogar positiv auf. Keine Frage, die CDs funktionieren ohne Bild sehr gut und lassen sogar den Schluß auf Spielfreude zu, der sich optisch jedoch nicht nachvollziehen läßt. Was läßt mich also für die CDs nicht zur Höchstwertung von 5 Sternen greifen? Ganz einfach, 20 Minuten mehr hätten den beiden Scheiben gut getan, auch wenn es Aufnahmen von anderen Locations gewesen wären, und der aus meiner Sicht zu heftig eingestellte Limiter/Kompressor. Ein wenig mehr Dynamik hätte wirklich gut getan, in Ton und Bild. Bleiben also 4 Sterne für die CDs.
Nun aber zur Gesamtbenotung, und die kommt auf 3 Sterne für das Paket. Nur gut, daß von Century Media sowohl eine reine CD (4 Sterne) als auch eine DVD-Version (2 Sterne) angeboten wird. So kann sich jede/r entscheiden. Die Kombination aus beidem sei echt nur Personen empfohlen, die mit beiden Formaten was anfangen können, sonst ist's rausgeworfenes Geld.


Lichtjahre
Lichtjahre
Preis: EUR 18,93

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Stilvolle Klischees, 18. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Lichtjahre (Audio CD)
Lacrimosa... nach Jahren kann ich nun endlich sagen, ja auch diese Bildungslücke habe ich abgedeckt. Zwar bin ich hauptsächlich im progressiven Blutwurst-Genre unterwegs, dennoch bin ich bemüht, auch in anderen Sparten Gutes zu entdecken. Seit Jahren nahm ich mir also vor, diese Band unter die Lupe zu nehmen. Nun wollte es der Zufall in Person eines Verkäufers (der mich und meinen Musikgeschmack sehr genau kennt) in meinem bevorzugten Plattenladen so, daß ich mit "Lichtjahre" nach Hause ging, da Vintersorgs neuer Silberling ausverkauft war und die Scariot noch nicht geliefert wurde. Wäre es anders gekommen, ich hätte noch immer keine Scheibe von Lacrimosa, und vermissen würde ich diese auch nicht wirklich, da mir nur ein paar Songs bekannt waren, die an drei Fingern abgezählt werden können. Wie also herausgelesen werden kann, ich ging vollkommen erwartungslos an die Musik heran und wollte mich überraschen lassen...

... was Lacrimosa allerdings nicht gelang, eher erschreckte ich mich, nämlich dabei, daß mir das Dargebotene schon beim ersten Hördurchlauf gefiel. Generell reagiere ich allergisch und mit Ohr-Katarrh auf simplen Bombast, herkömmliche und platte Melodien, Texte die in ihrer Tiefgründigkeit seichten Pfützen gleichen, Arrangements die schon bei der Komposition einen Bart hatten und auf Gefälligkeit getrimmte Soundarbeit die die Eintönigkeit noch unterstreicht. Alle, wirklich alle Kritikpunkte vereint dieses Live-Album eindrucksvoll, verdichtet diese sogar zu einem Konzentrat, dem nur schwer zu entkommen ist, eine Unart, die wohl das gesamte Gothic-Genre auszeichnet. Im Gegensatz zu den anderen Konsorten macht dies bei Lacrimosa aber Spaß und Vergnügen, obschon dies sicherlich nicht im Sinne des Erfinders ist. Das Hirn macht einfach Pause, genüßlich kann in den schwelgenden Ergüssen entspannt werden, am besten bei einem Glas gutem Rotwein im Kerzenschein. Dazu empfehle ich Lesestoff von E.T.A. Hoffmann oder Edgar Allen Poe, damit wird dann die romantische und zarte Gruseligkeit der Musik angenehm ergänzt. Wirklich niveauvoll, geistreich oder gar innovativ ist der Doppeldecker wirklich nicht, aber was soll's, mir taugt's. Das zuvor kritisierte Fangegröle macht, für mich zumindest, einen großen Teil des Gefallens aus, da es eigentlich so überhaupt nicht dazupaßt und der Aufnahme die Sterilität ein wenig entzieht.

Die Wertung von 3 Sternen ist also ein Kompromiss. Nach dem subjektiven Spaß- und Vergnügen-Faktor sind 4 Sternchen drinn, durch die genre-typischen Schwächen aber maximal 2.


Systematic Chaos ( CD+DVD)
Systematic Chaos ( CD+DVD)
Wird angeboten von 101Trading
Preis: EUR 9,78

19 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schnellschuß, 8. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Systematic Chaos ( CD+DVD) (Audio CD)
Beginnen möchte ich diese kleine Rezi mit einer nicht ganz ernst gemeinten Quizfrage: Wer ist die beste Dream Theater-Cover-Combo der Welt?

A: Spastic Ink

B: Planet X

C: Fates Warning

D: Dream Theater

Tja, schwierig, oder nicht? Spastic Ink frickeln ärger, Planet X haben ein kompositorisches Konzept in jeder Nummer, Fates Warning spielen direkter, also bleibt nur noch Dream Theater als richtige Antwort übrig.

Wie komme ich Unwürdiger eigentlich dazu, eine solche Frechheit an den Beginn zu stellen, geht die Besprechung doch über die neue Scheibe von Dream Theater, den Progressive-Metal-Göttern schlechthin! Eben genau darum, und weil die Band an ihren eigenen Ansprüchen wieder einmal grandios auf hohem Niveau scheitert, wie schon auf den Alben zuvor. Bevor ich überhaupt auf die Musik eingehe möchte ich noch einen kleinen Side-Step wagen: Nach diversen Pro-Äußerungen Mike Portnoys zum Thema Irakkrieg, die durchwegs in die Kategorie 'Dumpfbacke' fielen, erhoffte ich mir ein wenig mehr Vernunft und einen gewissen Lerneffekt, der wohl nicht so ganz stattgefunden hat, wie die Dokumentation 'Making of'' gezeigt hat. Irgendjemand sollte Mike ganz schnell erklären, was niveauvoller Humor ist, denn einen Kanal auf einem Mischpult 'Gay' zu nennen und in einem kurzen Statement dies auch noch zu preisen wie den humoristischen Stein der Weisen, weil dieser auf 0 gedreht ist, mit Verlaub, ist nicht nur eine Diskriminierung sondern unglaublich kleingeistig. Genauso kleingeistig ist die Produktion, für die sich neben Portnoy auch noch Petrucci nicht gerade mit Ruhm bekleckerte. Die beiden haben leider kein Korrektiv, keinen Produzenten, der ihnen hilfreich unter die Arme greift oder unnütze Flausen aus den Köpfen schlägt, und wohl auch keine Bandmitglieder, die als Kontroll-Ohrwascheln funktionieren könnten. Wird Opposition innerhalb der Band totgeschlagen? Mir scheint genau dies der Fall zu sein. Einfallslos ist der Sound, die geniale Idee Fans für Hintergrund-Gegröle zu engagieren ist witzlos, ebenso Sprachsamples von diversen bekannten Musikern und Kumpels von der Band aufzunehmen, um diese im Geklimper versumpern zu lassen und gerade John Myung wird leider wieder gnadenlos in den Hintergrund gemischt und geht mit seinem superben Baßspiel im knallenden, leider nur knallenden, Schlagzeug unter oder wird anderweitig überlagert.

Genauso grobschlächtig ist die Musik ausgefallen, um nun thematisch die Kurve zu kratzen. Was will eine Band wie Dream Theater auch noch erreichen? An den Instrumenten sind sie perfekt, ihren eigenen Stil fand und perfektionierte die Band mit dem Album Awake, nur um diesen nach und nach verschwinden zu lassen um in fremden Gewässern zu fischen, euphemistisch ausgedrückt ließ sich die Band von diversen Bands beeinflussen, zu nennen Pantera, Metallica, Maiden, Muse, U2 und zahlreiche mehr. Aneinandergereihte Kabinett-Stückerln, die einen mit der Zunge schnalzen lassen, ergeben keine Songs, selbst wenn die Strukturen diesmal klar zu finden sind. In allen Song hangelt sich die Band von einer Sequenz zur nächsten, was kurzfristig spannend ist, auf lange Sicht jedoch die falsche Strategie darstellt. Gutes Beispiel ist eines von vielen Intermezzi, die den Fluß stören, die Spannung minimieren und die Songs nur aufblasen, ohne von Substanz zu sein. Track 4, 4:35 bis 6:40. Das krasseste Beispiel ist in Track 8, 9:46 bis 13:14! Reine Notenverschwendung! Schon bei diesen beiden Hörbeispielen wird neben der Produktion die zweite Schwäche evident, und diesmal ist diese nicht James LaBrie, der eine außerordentlich gute Leistung abliefert, sondern Jordan Rudess, dem originelle, schräge oder passende Sounds einfach nicht gelingen wollen. Ja, spielen kann er, nur seine Klimperkästen klanglich einer Metal-Band anpassen, daran scheitert er und vermasselt die Songs, sobald sich seine klebrigen Tastenergüsse wie ein Schleimfilm über die restlichen Linien ziehen. Ein dezenterer Einsatz, dafür umso pointierter würde gut tun, wird doch auch ein großer Teil der Scheibe den ausführlichen Key-Soli gewidmet, die wiederum die Songs kurz und klein schlagen oder eben ersticken. Ist dieser Umstand der Gefälligkeit zu verdanken, der sich Dream Theater unterworfen haben? Einerseits bedienen sie sich der Stilmittel oben genannter Bands und kombinieren dies mit mehr als nur Zitaten aus eigenen Werken, andererseits wird somit vorhersehbare Kost gereicht. Der Beginn von Track 2 steht stellvertretend für diese These, das Finale von Track 7 verstärkt diesen Eindruck noch, Track 5 eröffnet sogar mit 'Hello mirror, so glad to see you my friend, it's been a long while', um ohne Tiefgang weiterzuplätschern. Das bringt mich wieder zurück zum Anfang, nämlich der Quizfrage, die ich ein wenig umgewandelt wieder stelle:

Welche Band hat ihren Stil nicht über den Haufen geworfen und fesselt das Audiotorium mit ausgefeilten Kompositionen, die dem Begriff 'Progressive' Ehre machen und verblüffen oftmals mit Mut zu Experimenten? Mehrfachnennungen sind möglich.

A: Spastic Ink

B: Planet X

C: Fates Warning

D: Dream Theater

Ich jedenfalls weiß, welche Band ich nach "Genuß" dieser Scheibe nicht ankreuzen werde. Wenn mir eine Fee erscheinen würde, die mir die Möglichkeit gäbe, mir meine idealen Dream Theater wünschen zu können, hätte ich folgende 3 Ideen:

.) Rick Rubin als Produzent

.) Jordan Rudess durch KevMo oder Sherinian ersetzen, die einfach zu DT paßten

.) Zusammenarbeit in den Kompositionen mit Steven Wilson oder Jim Matheos

Damit wären die Schwachpunkte abgedeckt und einem nächsten Überwerk a la 'Awake' würde nichts im Wege stehen. 'Systematic Chaos', ja der Name ist Programm, das Chaos überwiegt, darum nur 3 Sterne für einen überladenen, unausgegorenen Wurf, der einiges an Reifungsprozeß benötigt hätte. Klar, solchen Musikern fällt ständig etwas ein, dies und jenes wollen sie noch unterbringen, noch mehr Soli und Breaks reinpacken, die gerade so improvisiert wurden, dementsprechend zusammen-geschustert hört sich die Scheibe auch an. Nochmal erwähnt, es fehlt eichfach die schlichtende Hand, die diese Auswüchse in eine Richtung kanalisiert. Sollte das jemals einem gelingen, spielen Dream Theater mit Sicherheit die zukünftigen Klassiker des nächsten Jahrzehnts ein, Potenzial dazu haben die Jungs im Überfluß. Hier wurde wiedermal eine Chance dazu verpaßt, was schade ist.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 10, 2011 5:03 PM MEST


In Requiem (Deluxe Version)
In Requiem (Deluxe Version)
Wird angeboten von SIDE2
Preis: EUR 8,99

5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tot - nur nicht richtig, 30. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: In Requiem (Deluxe Version) (Audio CD)
Was wurde nicht alles über die Band geschrieben, über Verrat an der eigenen Seele, die doch ohrenscheinliche Weiterentwicklung, wahre Haß-Rezensionen, andere die in himmelhochjauchzenden Wörtern jeden Ton der Band zu einem Heiligtum verehren... Kurz, ich werde mich mit diesem Beitrag nun wohl zwischen alle Sessel setzen, hoffe aber trotzdem, daß die Rezi der einen oder anderen Person hilfreich sein kann.

Das Schaffen von Paradise Lost gleicht ja eigentlich einer Achterbahn, in dem jeder Anhänger der musikalischen Blutwurst- oder Düster-Liga seine Lieblingsmomente hat, ob das nun der Looping, das langsame Anrollen oder die donnernde Abfahrt ist... Geschenkt, die Diskussion, welches Album nun das Beste, Härteste, oder gar Echteste ist möchte ich nicht führen, ja auch auf keinen Fall dazu anstacheln. Geschmäcker sind verschieden. Spätestens jetzt kann die Frage gestellt werden, warum ich überhaupt Zeit verschwende, diesen Silberling zu beschreiben, worauf ich antworte: Ich möchte eine etwas andere Bewertung wagen. Ob mir das gelingt, werden Sie entscheiden.

Fakt ist, daß In Requiem das elfte Album Paradise Losts in der langjährigen Karriere ist, was in jeder Note zu hören und zu spüren ist. Das Alter bringt eben Weisheit und Erfahrung, die ungestüme jugendliche Unbekümmertheit weicht einem sanfteren, wenn auch schärferen Blick auf das Leben, eine Balance wird gefunden, die sogar länger als ein paar Stunden gehalten werden kann. Die Band konnte sich diesem Reifungsprozeß ebenso wenig entziehen, wie das Audiotorium; die Evolution ist halt ein Hund. Damit meine ich nicht, daß sich automatisch im Laufe der Zeit alles zum Besseren entwickelt, sondern nur, daß alles anders wird, im Hinblick auf dieses Album: Langsam aber sicher. Dieses Album könnte nie von einer jungen Band stammen, dazu paßt jeder Ton zu perfekt, das Changieren der verschiedenen Stimmungen ist zu gekonnt, die Beherrschung der Melodie, der ursprünglichen Kraft und der Leidenschaft zu total, was den Energiefluß von den Musikern zur hörenden Person komplett unterbindet. Wirkliche Ausbrüche, Explosionen, ja sogar Dynamik hört sich ganz anders an, nämlich freier, experimenteller und aufregender, was mich zum Titel der Rezension bringt. In Requiem ist NOCH nicht tote Musik, ich gehe sogar weiter und sage absichtlich: pseudo-totes Gewäsch, das eigentich komplett ausdruckslos, belanglos und ohne Authentizität (das war das Wort, nach dem ich so lange suchte!) aus den Lautsprechern gepreßt wird. Trotzdem hat die Scheibe ihren Reiz, denn der einzige Grund für diese vorher so vernichtenden Worte ist die Produktion. Wieder blubbert und pumpt die Elektronik uninspiriert im Hintergrund, der Sound generell ist klinisch sauber und der Kompressor arbeitet auf Hochtouren, was einer Band wie Paradise Lost zwar stehen kann, jedoch nicht zwangsläufig zum Erfolg führt, der mir mit diesem Album zu vorprogrammiert erscheint. Um einen kulinarischen Vergleich zu ziehen: Die Zutaten sind hervorragend ausgesucht, die Rezepte ebenfalls von guter Qualität, aber der Koch versemmelts, indem er auf alles ein und die selbe Gewürzmischung streut. Das führt auch zu der Wertung von 4 Sternen. Wem das so schmeckt, der kann sich den fünften dazudenken, wem das zu glatt runtergeht, bitte einen abziehen. Schlechter als 3 Sterne ist die Scheibe, die echt nett aufgemacht ist (Filzkisterl, Digipack, Bonustracks) auf keinen Fall, was ja auch nicht zu erwarten war, bei all den Lenzen am Buckel der Band.


Hanoi
Hanoi

5.0 von 5 Sternen Perfekte Balance, 25. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Hanoi (Audio CD)
Ob es aus dem Blickwinkel der Lebensqualität ein Glück ist, in Brüssel zu arbeiten lasse ich absichtlich offen, aus musikalischer Sicht ist dies jedoch der Fall, werden einem hier französische Musik-CDs zu unverschämten Preisen geradezu aufgedrängt, was mich in die beneidenswerte Lage brachte, dieses Kleinod zur Hälfte des hier angegebenen Preises erstehen zu können, obschon ich auch die rund 33 € für angemessen halte, ist für den Indochine-Fan, und solche die es noch werden wollen, wirklich alles enthalten, was diese Band auszeichnet:

Wunderschöne und griffige Melodien

Perfekte Arrangements

... einfach Stimmung

Die Umsetzung erfolgt jedoch auf dieser Scheibe mit Hilfe des Opernorchesters des bespielten Hauses, was den kompositionstechnischen Perlen einen besonderen Glanz verleiht. Die erste CD ist eine Zusammenstellung der eher ruhigeren Indochine-Nummern, die stimmungsvoll aufgeladen ein Mehr an allem transportieren. Zerbrechlichkeit, Romantik, Melancholie... immer fügt sich das Orchester perfekt ein, verschmilzt mit der Band zu einem einzigen Klangkörper, eine Fusion, deren Perfektion ihresgleichen sucht. Auf der zweiten CD geht dafür so richtig die Post ab, denn die einzige Marschrichtung heißt "Vorwärts!". Bombastisch beweist das Orchester, wie schön symphonische Rockmusik sein kann.

Fazit: Packender kann Musik nicht sein, und wer auf Indochine steht, sollte mal ganz schnell einen kurzen Frankreich- oder Belgien-Trip einlegen, hier durch die Läden stöbern und sich auch gleich mit den CDs aus dem Backkatalog eindecken, die einem ebenfalls nachgeworfen werden. Übrigens: Von diesen Konzerten in Hanoi existiert auch eine limitierte DVD, die hier nicht im Angebot auftaucht...


Re: Free
Re: Free
Preis: EUR 17,07

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Feine Remixes, 20. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Re: Free (Audio CD)
Welch eine Überraschung! Hielt ich das Büro für strategischen Einfluß anfangs nur für ein kleines, dafür aber umso besseres, Side-Project von hyperaktiven Musikern die einfach mal was neues fabrizieren wollten (das Debut-Album), so freute ich mich umso mehr, daß mit Free ein toller Nachfolger erschien, der geschliffener und weniger düster daherkam und ebenfalls überzeugen konnte. Und nun beschert uns wohl Kevin Moore, aka Chroma Key, dieses Kleinod in Form einer Maxi-Single mit ruhigen, angenehm temperierten Mixes von den Free-Highlights. Generell wurde der Druck rausgenommen der latent in den Originalen herumwaberte und durch eine introvertiertere Athmosphäre abgelöst, was die Kompositionen eindeutig in Richtung Chroma Key rückt, ohne allerdings den O.S.I.-Stempel gänzlich zu verwischen. Kombiniert mit den Bonusstücken auf der limitierten Free kann die Maxi wohl als Fingerzeig für ein neues CK-Album verstanden werden, das ich sehnsüchtig herbeisehne, wie auch einen dritten Teil des aufregenden O.S.I.-Projekts.


Room V/Ltd.
Room V/Ltd.
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 11,06

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es ist nicht Metal, aber verdammt gut!, 10. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Room V/Ltd. (Audio CD)
4 Jahre können verdammt lang sein, und ohne Shadow Gallery sind sie es sicherlich. Ich mag die Band, weil sie die Gratwanderung zwischen Metal, Progressive und sphärischen Passagen durchgehend meistert. Und da sind sie schon, die drei Probleme der Band, die vor allem im Zusammenhang mit diesem Output evident werden:
SG sind nicht metallisch genug, um "Progressive Metal" zu sein.
SG stellen ausgefeilte und entwickelte Melodien, Spannungsbögen und Gesangspassagen über sinnentleerte Frickelei, die oftmals mit "progressiv sein" verwechselt wird.
SG huldigen Pink Floyd und einem satten und eleganten Röhrensound.
Soll das den Musikgenuß beeinträchtigen? Ich meine: Nein! SG ziehen ihr Ding einfach durch, und das ist gut so. "Room V" überzeugt mit den eingeführten Trademarks, und das sind nunmal hymnische Kompositionen, durchsetzt von heftigeren Nummern, die nicht überhand nehmen und so ein homogenes und stimmungsvolles Album ergeben, das halt andere Emotionen freisetzt als Gehämmer irgendeiner Art und Weise. Klar ist das gerade für Die-Hard-Progg-Metaller und/oder gerade Dream Theater Fans unzumutbar, die sich seit "Scenes from a Memory" an das Fehlen jeglichen Songwritings gewöhnt haben (müssen).
Mein Tip ist ein ganz einfacher: Vorher "Tyranny" reinziehen, wer das nicht hat ist selber schuld, in die Geschichte eintauchen, und dann nahtlos zu "Room V" übergehen. So paßt dann auch der eher sehr softe Act III ins Konzept.
Meine Anspieltips sind merkwürdigerweise das gescholtene "Encrypted", das wunderbare Instrumental "Seven Years" und das heftigere "Andromeda Strain", womit nicht zu viel für das erste mal Höhren verraten wird.


Six Degrees of Inner Turbulence
Six Degrees of Inner Turbulence
Preis: EUR 7,97

3 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen größenwahn?, 12. Februar 2002
Rezension bezieht sich auf: Six Degrees of Inner Turbulence (Audio CD)
hui, wie war ich gespannt, wie zitterte ich als ich die scheibe bezahlte, und wie enttäuscht bin ich nun. abgezählte 4 klasse-songs auf einer doppel-cd sind für mich zu wenig, auch als treuer fan, der alle albem hat.
die ersten vier songs sind eindeutig die besten, glass prison ein dampfhammer, der beim ersten mal unvorbereitet hören voll zwischen die augen trifft. blind faith beginnt langsam, steigert sich dafür gewaltig und bleibt am ehesten beim ersten hören haften. echt hervorragend auch misunderstood, balladesk, aber nicht schnulzig, eben auch meisterhaft, nur das ende hätten sich die meister sparen können. the great debate nimmt den faden des ersten tracks wieder auf und rockt ordentlich durch, aber dann kommt der absturz. wer auch immer auf die abstruse idee kam, disappear mit space-dye vest zu vergleichen, nach nur 5 sekunden wird wohl klar, welcher song um eckhäuser besser ist. eindeutig der schwächste song, uninspiriert und lasch. trotzdem bis dahin eine saugeile scheibe, 4 sterne.
gut, einen aussetzer pro cd verzeihe ich (wie bei SFAM the spirit carries on *grusel*, oder bei FII take away my pain *raunz*), aber nicht einen 43-minuten aussetzer mit ein paar netten solistischen einlagen. es gibt nichts vergleichbares, richtig, und das ist gut so. konzeptalbum-teil, monströser kitsch oder einfach nur 6 zusammengewürfelte songs ohne spannungsbogen, deren melodien kurz in einer overtüre halbklassisch angerissen und verwurstet werden, es paßt nichts zusammen. mal trans-siberian orchestra, dann wieder anleihen an ACOS, plötzlich geht es dann ab in poppige gefilde, es fehlt der rote faden. ich mag abwechslung, weiterentwicklung (siehe paradise lost !) und progressive-metal, aber das.... weniger kann mehr sein, und als beispiel wie man 34-minuten-epen aufzieht sei hier jedem first light von Shadow Gallery ans herz gelegt. ergo: gerade mal ein stern.
über die musiker ist kein böses wort zu verlieren, technisch ist die scheibe brilliant, sogar JLB paßt sich mal dem niveau seiner kumpanen an, aber das songwriting im zweiten teil....
klar ist jede noch so schlechte dream theater-veröffentlichung besser als 90 % aller cds auf diesem planeten, aber es gibt eben 10 %, die eindeutig um vieles besser sind.
ergo: kaufen, zweite scheibe wegwerfen und mit den 4 ersten songs glücklich werden.


Mulholland Drive
Mulholland Drive
Wird angeboten von pahubhen
Preis: EUR 22,00

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen film im kopf, 15. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Mulholland Drive (Audio CD)
der film ist schon das genialste, was ich je gesehen habe, und der soundtrack ist in seiner perfektion und stimmung gleichwertig. schön zu merken ist, dass die chronologie des films auf die cd gepackt wurde, und die oft schweren klänge den film in der phantasie (oder real ? *gg*) ablaufen lassen. angelo badalemnti und david lynch bauen klanggebilde höchster schönheit und trauer, tauchen in spannungsgeladene abgründe ab, veredeln den kitsch der 60er und persiflieren wie im film hollywood. alles wird hier gewaltig gegen den strich gebürstet, vor allem die feinen haare am rücken, die immer wieder um einen stehplatz kämpfen. wie der film packt einen die musik eben ab der ersten sekunde und läßt den hörer nicht mehr los.
fazit: buy or die


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