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Rezensionen verfasst von
Peter Raeggel (Olsberg-Bigge)
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Alles kein Zufall: Kurze Geschichten
Alles kein Zufall: Kurze Geschichten
von Elke Heidenreich
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So ist das Leben, 2. Mai 2016
Kurzweilige Geschichten aus dem (eigenen) Leben. Es macht Spaß, Frau Heidenreich durch die sieben Jahrzehnte ihres Lebens und dem der Menschen zu folgen, die ihren Weg gekreuzt haben. So gekreuzt haben, dass sie Spuren darin hinterlassen haben. Literarisch, aber ohne den Eindruck von etwas zu hinterlassen, was ich gern "Literatur und so" nenne. Der preisgekrönte 800-Seiten-Wälzer von Herrn Frank Witzel war zuletzt ein Beispiel für solche Bücher.

Wenn das das Feuilleton wüsste.... So schreibt die Autorin in einer ihrer Stories

Frau Heidenreich führt uns das Leben vor, wie bunt vielseitig und so gar nicht schwarz-weiß es immer wieder ist, für jede(n) immer wieder anders. Sich selbst auch nie überhöht, sondern menschlich. Als Diebin genauso, wie als verlässliche Freundin, die selbst vor dem Sterben ihrer Freundin nicht zurückschreckt, sondern bis zuletzt an ihrer Seite bleibt.

Gesellschaftskritik und Humor, literarisch angehauchte Sprachkunst und einfach nur Erzählung werden zusammengeführt. Inspirierend und sicher "alles kein Zufall!"


Inside IS - 10 Tage im 'Islamischen Staat'
Inside IS - 10 Tage im 'Islamischen Staat'
von Jürgen Todenhöfer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verkehrte Welt...., 27. Oktober 2015
.....der Christ Jürgen Todenhöfer erklärt den Moslems vom IS den Koran und scheint damit theologisch richtig zu liegen. Er liest auch den eigenen Leuten im Westen die Leviten, die zwar auf dem Werteticket unterwegs sind, aber eigentlich doch nur ihren Wohlstand und ihre Sicherheit meinen. Der Autor denkt da hauptsächlich an den Irakkrieg, den er als Wiege des IS ausmacht.

"Hört auf, uns zu überfallen und zu demütigen. Haut ab aus unseren Ländern. Dann wird Al Kaida von allein verschwinden (9)." So zitiert er schon auf den ersten Seiten einen IS-Kämpfer. Dieser redet auch nicht von Religion im Allgemeinen oder dem Islam oder gar dem Dschihad im Besonderen, sondern von seiner Mutter, welche von amerikanischen Soldaten bei einer Haussuchung erschossen wurde (9), wenn er nach dem Grund gefragt wird, warum er für den IS kämpft.

Allerdings klagt Herr Todenhöfer den Westen und besonders George Bush jun. auch nur deshalb des Staaatsterrorismus an, weil ihm mit den Zivilisten die falsche Menschengruppe zum Opfer wird. Gegen Krieg als Mittel der Politik, mit Soldaten als Opfern hat der bekennende Christ offenbar nichts (30).

Verkehrte Welt. Zu Hause in Solingen (73) war Christian E. an einem bürgerlichen Leben als Lebenspartner (129) und Unternehmer (79) gescheitert. Auch seine Ursprungsreligion, das protestantische Christentum, konnte ihm offensichtlich die Antworten nicht geben, nach denen er schon als Jugendlicher so verzweifelt suchte (127). Auch stand er in dieser Zeit in Neuß an der Schwelle zu einer Karriere im Eishockey, bis ihm eine Verletzung einen Strich durch die Rechnung machte (128/129). Bei den Steinzeitsunniten vom IS hingegen bringt er es zum Pressesprecher. Als Abu Qatadah scheint er unter ihnen seinen Platz im Leben gefunden zu haben, auch und vielleicht gerade wegen der Brutalität, die man dort an den Tag legt. Der Mann fordert indirekt die Todesstrafe für Schiiten (95/96), für Bundeskanzlerin Angela Merkel und den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard (107). Er prangert "Demokratismus und Säkularismus" (110) an. "Unser Islam," so sagt er "ist der wahre Islam, frei von Vermischungen mit anderen Ideologien, sei es Demokratie, Säkularismus, Buddhismus, Christentum oder sonst etwas (111)." Die Demokratie als Staatsforrm wird abgelehnt, weil es "eigentlich nur Gott zustehe, Gesetze zu machen (125)."

Verkehrte Welt auch daheim in Deutschland, wo der Kreis sich schließt und der drittgrößte Waffenexporteur der Welt sich anschickt, viele vor dem IS geflohene Menschen hier aufzunehmen. Frau Merkel, sonst die Meisterin des Pragmatismus und des entschiedenen Sowohl als auch, leistet sich in dieser Frage einen eigenen Standpunkt: "Wir schaffen das!" Sie versucht Christentum und Mitmenschlichkeit in die Gestaltung von Politik einzuführen und erntet dafür Widerstand, ausgerechnet bei den eigenen Leuten, der Gruppe mit dem "C" im Parteinamen, die übrigens auch die politische Heimat von Herrn Todenhöfer ist.

Was dieses Buch lehrt - gerade auch im Zusammenhang mit der aktuellen politischen Entwicklung, der Völkerwanderung, die als "Flüchtlingskrise" verkannt wird - Deutschland hört auf, nach Art der Nachkriegszeit eine Insel zu sein. Auch im Lande des Ex-Export- und amtierenden Fußball-Weltmeisters, dämmert es uns langsam, dass Weltpolitik nicht mehr länger ein Auswärtsspiel bleiben kann. Obwohl der IS für Herrn Todenhöfer der Schurke in diesem Spiel bleibt, stellt der Christdemokrat in diesem Buche klar, dass weder Deutschland noch der Westen insgesamt seine Rache-, Rohstoff- und Stellvertreterkriege weiterhin konsequenzlos wird führen lassen oder führen können, spätestens dann nicht mehr, wenn uns klar wird, dass uns mit Abu Qatadah, früher mal Christian E., Fleisch von unserem Fleische entgegentritt. Und nicht nur seine Mutter schüttelt darüber fassungslos den Kopf.

Erstaunlich, dass es selbst in diesem Umfeld dem Fußball gelingt, zum "Eisbrecher" (173) zu werden. Selbst beim IS haben fast alle eine Meinung dazu, sowie Interesse daran. Und jede(r) der dazu etwas sagen will, kann dort - wie auf der ganzen Welt - offene Ohren finden, sei er Kind oder Feind oder was auch immer.

Doch, verkehrte Welt auch hier: Im Reich von König Fußball geht Ungeheuerliches vor. Seit über 30 Jahren wird es 2016 eine Europameisterschaft ohne die Niederlande geben und der Nachbar aus Deutschland steht plötzlich im Verdacht, nur mittels Korruption zum Ausrichter der WM 2006, welche das Land als "Sommermärchen" begeisterte, geworden zu sein.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 13, 2015 1:35 AM CET


Recht und Gerechtigkeit: Ein Märchen aus der Provinz
Recht und Gerechtigkeit: Ein Märchen aus der Provinz
von Jörg Kachelmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wetterfrösche und Schweine, 31. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ob und inwiefern "der Wetterfrosch ein Schwein war (16)" war nicht Gegenstand des Verfahrens gegen Jörg Kachelmann. Das muss jede(r) für sich klären.

Verhandelt wurde die Frage, ob Kachelmann Claudia D vergewaltigt hatte. Laut Urteil hatte er nicht!

Was der Prozess und das hier zu rezensierende Buch sonst noch ans Licht brachten: Männer und Frauen, Recht und Gerechtigkeit sind zwei Paar Schuhe. Moralität und Delinquenz auch - nicht nur, soweit es Herrn Kachelmann betrifft - sogar Recht und Gesetz. Über die rechte Nutzung von juristischem Handwerkzeug lässt sich trefflich streiten. Am Schluss halst uns dieser Prozess eine Debatte über Medienethik und Webfehler im Rechtssystem auf.

Und Gott sei Dank wird der Rechtsstaat noch nicht in den Gremien deutscher Sportvereine verfrühstückt, was auf die Kachelmanns durchaus so wirken muss, wenn ein Sportskamerad des Vaters von D. am Richtertisch Platz nimmt. Fragwürdig ist diese Praxis tatsächlich. Allerdings kann selbst er der Freundestochter nicht die gewünschte Genugtuung verschaffen. Zu zahlreich deren Lügen und Widersprüche.

Kratzer auch am Image des Feminismus und seiner "Allmutter (342)" Alice Schwarzer, mit der besonders Miriam Kachelmann in einem eigenen Kapitel abrechnet. Ebenso finden wir plausible Kritik am deutschen Rechtssystem, vor allem bezüglich einer konstatierten hohen Dunkelziffer bei Falschbeschuldigungen und das Fehlen von Inhaltsprotokollen in Landgerichtsprozessen.

Der sog. "Deal" wird durch die Kachelmanns im Buche ebenfalls heftig kritisiert. Vor kurzem ging in Hannover der Prozess gegen Sebastian Edathy zu Ende, welcher der Gesetzeslage nach nie hätte stattfinden dürfen, da erste Schritte gegen den Mann bereits unternommen wurden, als er noch Immunität als MDB genoss, dessen Tat zudem in ihrem Status als "Straftat" hochumstritten war. Man stritt sich in "studierten Kreisen" über die Definition der Begriffe "(Kinder-)pornographie" und "Nacktfoto."

Am Ende gab Herr Edathy eine Straftat zu, blieb allerdings ohne Urteil und also ohne Vorstrafe. Inwieweit nehmen solche Konstrukte das Anliegen von Rechtsprechung und -pflege überhaupt ernst - oder auch das Rechtsempfinden von Lisa und Lutz Mustermann? Herr Edathy ist zudem gesellschaftlich durch die im Raum stehenden Vorwürfe so erledigt, dass der Kinderschutzbund es abgelehnt hat, von ihm die auferlegte Geldbuße anzunehmen.

Denkt man dann noch an den Fall Wulff zurück, kann man tatsächlich auf den Gedanken kommen, dass saubere Rechtspflege anders aussieht. Die Frage danach geht aber nicht nur an die Justiz, sondern an unsere ganze Gesellschaft, gestellt auch in diesem Buch.


Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament
Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament
von Roger Willemsen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wichtig, Berlin 2013: Unsere Demokratie funktioniert!, 9. Februar 2015
So wirkt ein Jahr Bundestag auf einen Außenstehenden. Der Bundestag zwischen Sternstunde und Schande. Das meiste irgendwo dazwischen, getragen von Menschen, und immer irgendwie anders als man denkt. Das Klischee kommt durchaus vor. Was bewiesen wurde: Unsere Demokratie funktioniert!

Und trotzdem, oder gerade deswegen?? hat uns Roger Willemsen mit seiner Art der Erzählung aus dem Herzen des politischen Deutschland, das er uns mit so vielen Facetten zeigt, auch ein gutes Stück Literatur geschenkt, weil er ansprechend schreiben kann. Das Buch nimmt den Leser mit, nicht exklusiv nach Bad Langweil, wie ich befürchtete, sondern an einen neuen Standort, der mir neu zeigt: Wir sind da, wo andere gern hinwollen, selbst unter Einsatz ihres Lebens.

Das "gelobte Land" heißt Demokratie. Und sie funktioniert. Dass er das in "Das Hohe Haus" sogar noch unterhaltsam gezeigt hat, egal wie dröge die eine oder andere Materie war, dafür hat Herr Willemsen meinen Dank und Respekt!


Unterwerfung als Freiheit: Leben im Neoliberalismus (Neue Kleine Bibliothek)
Unterwerfung als Freiheit: Leben im Neoliberalismus (Neue Kleine Bibliothek)
von Patrick Schreiner
  Broschiert
Preis: EUR 11,90

30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Drauf steht "Freiheit," drin steckt Sklaverei. Wenn auch sehr subtil, 27. Januar 2015
Der Neoliberalismus ist eigentlich nur eine ökonomisch-politische Schule. Mittlerweile aber hat diese Idee es geschafft, auch noch den letzten Winkel des Daseins zu ökonomisieren und ist zu einer Ideologie verkommen.

Die soziale Frage wird individualisiert und hauptsächlich moralisiert. Wer "es" nicht schafft, erfolglos bleibt, ist vor allem eines: Selbst schuld!

Bildung wird zu Ausbildung pervertiert und Konkurrenz zu einem Lebenselexier hochgejazzt. Daher wird "Veränderung" nur noch als An- oder Überforderung, sowie Aufforderung zur Selbstoptimierung an den Menschen herangetragen, anstatt auf dem Weg zum "guten Leben" für alle auch den Anspruch zu haben, die Umstände zum Besseren ändern zu wollen.

Herr Schreiner arbeitet verschiedene Sachgebiete und Lebensbereiche ab, an denen er zeigt, wie sehr sich der Neoliberalismus bereits in unsere Köpfe eingeschlichen hat und wie es dazu kommen konnte. Margret Thatchers TINA-Prinzip ist das Fundament dieser Lehre, des Hohelieds von Wettbewerb und Konkurrenz, die die Menschen völlig zu vereinnahmen droht. Die ihm Freiheit verspricht, aber nur Unterwerfung für ihn bereithält.


Die andere Frau
Die andere Frau
von Tamar Cohen
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Familien des Simon Busfield, 17. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Die andere Frau (Taschenbuch)
An den fünf Stationen des Sterbeprozesses nach Elisabeth Kübler-Ross entlang erzählt Tamar Cohen hier in fünf Kapiteln eine ungewöhnliche Geschichte im szenischen Blickwinkel aus der Sicht ihrer beiden Hauptfiguren, Selina und Lottie Busfield. Die Abschnitte sind jeweils mit deren Namen überschrieben.

Während Simons Beerdigung, man hat seine Leiche in der Themse gefunden und Selbstmord liegt nahe, erfahren Selina und Lottie, dass er ein Bigamist war, mit jeder von ihnen verheiratet, und die Story kreist jetzt darum, wie sie und ihre Familien mit dieser Tatsache umgehen und fertigwerden. Simon hat einen echten Schlamassel hinterlassen. Hauptsächlich finanzieller und natürlich emotionaler Art. Doch am Ende ist wirklich fast nichts so, wie es am Anfang scheint.

Insbesondere vermeidet es Frau Cohen, ein weiteres Buch über Frauen als arme Opfer der verantwortungslosen und flatterhaften Männer zu schreiben. Selbst wenn es spätestens mit dem Auftauchen von Lady Caroline eine Option gewesen wäre. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen vier und fünf Sternen.

Der Sterbeprozess den Selina, Lottie und die anderen Busfields in bezug auf ihr altes Leben durchmachen, endet in Akzeptanz und heilt in neue Beziehungen und Umstände hinein. Der Name von Lotties Tochter ist Hope - Hoffnung!


Das goldene Ei: Commissario Brunettis zweiundzwanzigster Fall
Das goldene Ei: Commissario Brunettis zweiundzwanzigster Fall
von Donna Leon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das dürfte nicht sein, dass Dummheit soviel kostet (243), 16. August 2014
Korruption, Schuldgefühle, Bigotterie, Untreue und Dummheit sind die Zutaten, aus denen Frau Leon den 22. Fall für Commissario Guido Brunetti und seine Kolleginnen mixt.

Den Fall, auf den er eigentlich angesetzt ist, eine kleine Speichelleckerei seines Chefs für den Bürgermeister, die Sicherung eines läppischen finanziellen Vorteils nebst Straffreiheit für den Teilhaber von dessen zukünftiger Schwiegertochter, erledigt Brunetti mit links, ohne das jedoch besagtem Chef, dem Vize-Questore Guiseppe Patta auf die Nase zu binden, dem er vorspielt, er habe die Sache nur mit Mühe im Sinne des Stadtoberhauptes klären können. Patta indes wird von Brunetti als Gegenleistung in internen Querelen mit Signora Elettra und Tenente Scarpa zurückgepfiffen. Eine Hand wäscht halt die andere. Dass der Commissario bereit ist, auch im zweiten Fall auf diese Karte zu setzen, verstört auch Vianello, als sein Freund Guido ihn bittet, seine Frau Nadja zu Spionagediensten im Fall Davide Cavanella heranzuziehen.

Davide Cavanella, der bei seiner Mutter Ana lebte, ist nach der Einnahme von Schlaftabletten zu Tode gekommen. Voller Schuldgefühle hat Paola Brunetti ihren Mann um Nachforschungen gebeten, weil ihr klar geworden ist, dass der gehörlose Mann jahrzehntelang in ihrer Nachbarschaft gelebt und in der Reinigung an der Ecke gejobbt hat und trotzdem für alle nur der "taubstumme Junge" war. Um die 40 Jahre alt, war er nur wenigen in seinem Umfeld überhaupt dem Namen nach bekannt. Auch den Brunettis nicht.

Brunetti ermittelt also: Zunächst äußert sich der Hausarzt der Familie. Auch den erreicht er auf dem "kleinen Dienstweg" weil er mit dessen Bruder zur Schule gegangen ist. Auf Brunettis Frage nach Davides Problem antwortet der Doktor: "Er war das Kind einer zutiefst dummen Frau, die, was auch immer er hatte, als Strafe Gottes ansah, als lebe sie in einer Hütte im Wald und glaube noch an Hexen. Wie die meisten Christen kannte sie sich mit Schuldgefühlen bestens aus, verstand aber nichts von Nächstenliebe. Also schwieg sie sich über seine Krankheit aus und holte sich keine Hilfe....(198)." Später interpretiert Brunetti den Arzt so, dass die Mutter diese Sicht nicht nur auf die Krankheit ihres Sohnes, sondern auch auf Davide selbst haben könnte (244).

Dass es sich auch um echte Bosheit handeln könnte, legt der später von Signora Ghezzi kolportierte Spruch Anas nahe. Ich werde das Baby schon versorgen (300). Genau dies hat sie schließlich getan. Doch auch Brunetti verliert diesmal seine philosophisch weiße Weste, mit der er immer ein wenig über den Dingen zu schweben scheint. Auch er netzwerkelt gegen Patta, versucht Nadja Vianello und den Doktor für sich einzuspannen und hofft darauf, dass Ana Cavanella nochmals über ihre Dummheit stolpern und einen, den Schuldgefühlen der Nachbarschaft geschuldeten, sozialen Tod sterben wird.

Das macht den Commissario vielleicht ein wenig menschlicher. In den ersten Bänden hätte Guido sich aber garantiert auch in die Frage verbissen, ob Davide die Pillen absichtlich, versehentlich oder gegen seinen Willen genommen hat.

Wieder ein Band aus der Brunetti-Reihe, der weniger Krimi als sozialkritische Millieustudie ist.


Mein Tor ins Leben: Vom Flüchtling zur Weltmeisterin
Mein Tor ins Leben: Vom Flüchtling zur Weltmeisterin
von Lira Bajramaj
  Broschiert

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als 1 : 0, aber auch nicht weniger!, 12. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eine Einundzwanzigjährige schreibt ihre Memoiren. Oberflächlich betrachtet könnte man schon fragen: Geht's noch?

Allerdings kratzte das wirklich nur an der Oberfläche. Diese Frau, Fatmire, genannt Lira, Bajramaj, geboren 1988, hat tatsächlich etwas zu erzählen. Weil sie mehr erlebt hat, als andere in dreimal soviel Lebenszeit. Weil "vom Flüchtling zur Weltmeisterin" tatsächlich ein besonderer Weg zu gehen ist. Weil Fußball, wie Sport im Allgemeinen, völkerverbindend sein kann und sich für die Autorin sowieso nicht auf Ergebnisse und Tabellenstände reduzieren lässt. Für sie ebenso wenig, wie für viele andere Sportlerinnen.

Also, natürlich geht das! Warum sollte sie nicht? Denn, es gäbe ein Mutmachbuch(10) weniger im Lande, das zu lesen sich lohnt. Nicht nur für Fußballfans!


Bretonisches Gold: Kommissar Dupins dritter Fall
Bretonisches Gold: Kommissar Dupins dritter Fall
von Jean-Luc Bannalec
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wir werden uns wiedersehen, M. le Commissaire. Wenn Wind und Sonne wollen (334)!, 24. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Da begegnet uns wieder ein Ermittlerteam, auf dessen nächsten Fall man mit Spannung wartet. Dupin, Reval, Kadeg und Nolwenn, verstärkt durch Rose und Chadron, in deren Revier die ersteren wildern.

Auf Bitten seiner Bekannten, der Journalistin Lilou, tut Dupin das. Sie setzt ihn dort auf eine Sache an, die ihr "faul" vorkommt. Prompt wird sie zum Mordopfer. Für Rose erscheint Dupin, welcher sich zunächst als Einzelkämpfer in Gefahr gebracht hat, eher allgemein verdächtig. Die beiden Teams haben wirklich genug damit zu tun, sich zusammenzuraufen. Schon das macht einen Teil der Spannung aus.

Doch auch die positiven Seiten der beiden ersten Bücher der Serie lassen sich wieder erleben. Ermittlungen zwischen bezaubernder Landschaft und leckerem Essen. Interessante Infos zu Geschichte, Land und Leuten der Bretagne. Ebensolche Charaktere, schlüssige Motive und ebenbürtige Gegner. Und diesmal sogar eine Grundsatzphilosophie über Polizeiarbeit in den Gedanken des Georges Dupin: "Das Entscheidende war, sie hatten die Täter dingfest gemacht....Er konnte wirken, solange zu ermitteln war und dafür sorgen, die Ordnung wiederherzustellen. Dafür sorgen, dass zumindest manche nicht durchkamen, mit ihrer Vorstellung einfach davonzukommen (325)".

Die Feststellung seiner Kollegin Rose in der Überschrift trifft hoffentlich zu. Es wäre ein Gewinn für die Bretagne-Krimis von Jean Luc Bannalec.


AH - Ich war nie weg (SCIPIO)
AH - Ich war nie weg (SCIPIO)
von Eric Zonfeld
  Broschiert
Preis: EUR 6,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wahrhaft teuflisch II, 31. März 2014
Rezension bezieht sich auf: AH - Ich war nie weg (SCIPIO) (Broschiert)
Die teuflische Politsatire wird fortgesetzt. Das Urteil des Jerusalemer Richters gegen Adolf Hitler wirkt abermals wie die absichtsvolle Konstruktion von dessen ganz persönlicher Hölle (99). Außerdem entzaubert Eric Zonfeld "AH" - wie er meistens schreibt - als das "personifizierte Böse," den Teufel in Menschengestalt, als den wir ihn so gern markieren, damit die Distanzierung leichter fällt. Nicht mit Zonfeld: "Hitler war auch und zuallererst ein Kind seiner Zeit (151)"

Aber was soll die juristische Absicherung gegenüber der realen Claudia Roth. Meint Herr Zonfeld das ernst? Ignoriert er oder weiß er gar nicht, dass Frau Roth zum Jahrgang 1955 gehört, und deshalb keine Zeitgenossin Hitlers war? Als deren erster Schrei durch Ulm gellt, ist der Gröfaz schon zehn Jahre tot. Meint er bei der grünen Bundestagevizepräsidentin so wenig Respekt vor der Judikative vorzufinden? Glaubt er wirklich, ihr sei der Sacherhalt, den er zu "Persönlichkeiten der deutschen Politiklandschaft" erläutert (7) nicht bewusst, oder ausgerechnet diese Frau könne nicht mit Satire umgehen, so gern, wie sie selbst im Wahlkampf austeilt?

Dass Hitler sich entscheidet, seine Strafe in Putins Rußland "abzusitzen," dass sie bald Adolf und Wladimir füreinander sind, wundert nicht, auch ohne, dass etwas wie die Krimkrise zur Zeit der Fertigstellung des Buches, im August 2012, auf irgendjemandes Schirm aufgetaucht wäre.

Wahrhaft teuflisch auch, Hitler Wohnsitz nehmen zu lassen im Lande der nächsten Erzfeinde, die er noch 1941, als Slawen und Kommunisten und nicht anders als die Juden, "mit Stumpf und Stiel ausmerzen" wollte.


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