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Rezensionen verfasst von
Peter Raeggel (Olsberg-Bigge)
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Die andere Frau
Die andere Frau
von Tamar Cohen
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Die Familien des Simon Busfield, 17. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Die andere Frau (Taschenbuch)
An den fünf Stationen des Sterbeprozesses nach Elisabeth Kübler-Ross entlang erzählt Tamar Cohen hier in fünf Kapiteln eine ungewöhnliche Geschichte im szenischen Blickwinkel aus der Sicht ihrer beiden Hauptfiguren, Selina und Lottie Busfield. Die Abschnitte sind jeweils mit deren Namen überschrieben.

Während Simons Beerdigung, man hat seine Leiche in der Themse gefunden und Selbstmord liegt nahe, erfahren Selina und Lottie, dass er ein Bigamist war, mit jeder von ihnen verheiratet, und die Story kreist jetzt darum, wie sie und ihre Familien mit dieser Tatsache umgehen und fertigwerden. Simon hat einen echten Schlamassel hinterlassen. Hauptsächlich finanzieller und natürlich emotionaler Art. Doch am Ende ist wirklich fast nichts so, wie es am Anfang scheint.

Insbesondere vermeidet es Frau Cohen, ein weiteres Buch über Frauen als arme Opfer der verantwortungslosen und flatterhaften Männer zu schreiben. Selbst wenn es spätestens mit dem Auftauchen von Lady Caroline eine Option gewesen wäre. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen vier und fünf Sternen.

Der Sterbeprozess den Selina, Lottie und die anderen Busfields in bezug auf ihr altes Leben durchmachen, endet in Akzeptanz und heilt in neue Beziehungen und Umstände hinein. Der Name von Lotties Tochter ist Hope - Hoffnung!


Das goldene Ei: Commissario Brunettis zweiundzwanzigster Fall
Das goldene Ei: Commissario Brunettis zweiundzwanzigster Fall
von Donna Leon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

4.0 von 5 Sternen Das dürfte nicht sein, dass Dummheit soviel kostet (243), 16. August 2014
Korruption, Schuldgefühle, Bigotterie, Untreue und Dummheit sind die Zutaten, aus denen Frau Leon den 22. Fall für Commissario Guido Brunetti und seine Kolleginnen mixt.

Den Fall, auf den er eigentlich angesetzt ist, eine kleine Speichelleckerei seines Chefs für den Bürgermeister, die Sicherung eines läppischen finanziellen Vorteils nebst Straffreiheit für den Teilhaber von dessen zukünftiger Schwiegertochter, erledigt Brunetti mit links, ohne das jedoch besagtem Chef, dem Vize-Questore Guiseppe Patta auf die Nase zu binden, dem er vorspielt, er habe die Sache nur mit Mühe im Sinne des Stadtoberhauptes klären können. Patta indes wird von Brunetti als Gegenleistung in internen Querelen mit Signora Elettra und Tenente Scarpa zurückgepfiffen. Eine Hand wäscht halt die andere. Dass der Commissario bereit ist, auch im zweiten Fall auf diese Karte zu setzen, verstört auch Vianello, als sein Freund Guido ihn bittet, seine Frau Nadja zu Spionagediensten im Fall Davide Cavanella heranzuziehen.

Davide Cavanella, der bei seiner Mutter Ana lebte, ist nach der Einnahme von Schlaftabletten zu Tode gekommen. Voller Schuldgefühle hat Paola Brunetti ihren Mann um Nachforschungen gebeten, weil ihr klar geworden ist, dass der gehörlose Mann jahrzehntelang in ihrer Nachbarschaft gelebt und in der Reinigung an der Ecke gejobbt hat und trotzdem für alle nur der "taubstumme Junge" war. Um die 40 Jahre alt, war er nur wenigen in seinem Umfeld überhaupt dem Namen nach bekannt. Auch den Brunettis nicht.

Brunetti ermittelt also: Zunächst äußert sich der Hausarzt der Familie. Auch den erreicht er auf dem "kleinen Dienstweg" weil er mit dessen Bruder zur Schule gegangen ist. Auf Brunettis Frage nach Davides Problem antwortet der Doktor: "Er war das Kind einer zutiefst dummen Frau, die, was auch immer er hatte, als Strafe Gottes ansah, als lebe sie in einer Hütte im Wald und glaube noch an Hexen. Wie die meisten Christen kannte sie sich mit Schuldgefühlen bestens aus, verstand aber nichts von Nächstenliebe. Also schwieg sie sich über seine Krankheit aus und holte sich keine Hilfe....(198)." Später interpretiert Brunetti den Arzt so, dass die Mutter diese Sicht nicht nur auf die Krankheit ihres Sohnes, sondern auch auf Davide selbst haben könnte (244).

Dass es sich auch um echte Bosheit handeln könnte, legt der später von Signora Ghezzi kolportierte Spruch Anas nahe. Ich werde das Baby schon versorgen (300). Genau dies hat sie schließlich getan. Doch auch Brunetti verliert diesmal seine philosophisch weiße Weste, mit der er immer ein wenig über den Dingen zu schweben scheint. Auch er netzwerkelt gegen Patta, versucht Nadja Vianello und den Doktor für sich einzuspannen und hofft darauf, dass Ana Cavanella nochmals über ihre Dummheit stolpern und einen, den Schuldgefühlen der Nachbarschaft geschuldeten, sozialen Tod sterben wird.

Das macht den Commissario vielleicht ein wenig menschlicher. In den ersten Bänden hätte Guido sich aber garantiert auch in die Frage verbissen, ob Davide die Pillen absichtlich, versehentlich oder gegen seinen Willen genommen hat.

Wieder ein Band aus der Brunetti-Reihe, der weniger Krimi als sozialkritische Millieustudie ist.


Mein Tor ins Leben: Vom Flüchtling zur Weltmeisterin
Mein Tor ins Leben: Vom Flüchtling zur Weltmeisterin
von Lira Bajramaj
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Mehr als 1 : 0, aber auch nicht weniger!, 12. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eine Einundzwanzigjährige schreibt ihre Memoiren. Oberflächlich betrachtet könnte man schon fragen: Geht's noch?

Allerdings kratzte das wirklich nur an der Oberfläche. Diese Frau, Fatmire, genannt Lira, Bajramaj, geboren 1988, hat tatsächlich etwas zu erzählen. Weil sie mehr erlebt hat, als andere in dreimal soviel Lebenszeit. Weil "vom Flüchtling zur Weltmeisterin" tatsächlich ein besonderer Weg zu gehen ist. Weil Fußball, wie Sport im Allgemeinen, völkerverbindend sein kann und sich für die Autorin sowieso nicht auf Ergebnisse und Tabellenstände reduzieren lässt. Für sie ebenso wenig, wie für viele andere Sportlerinnen.

Also, natürlich geht das! Warum sollte sie nicht? Denn, es gäbe ein Mutmachbuch(10) weniger im Lande, das zu lesen sich lohnt. Nicht nur für Fußballfans!


Bretonisches Gold: Kommissar Dupins dritter Fall
Bretonisches Gold: Kommissar Dupins dritter Fall
von Jean-Luc Bannalec
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wir werden uns wiedersehen, M. le Commissaire. Wenn Wind und Sonne wollen (334)!, 24. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Da begegnet uns wieder ein Ermittlerteam, auf dessen nächsten Fall man mit Spannung wartet. Dupin, Reval, Kadeg und Nolwenn, verstärkt durch Rose und Chadron, in deren Revier die ersteren wildern.

Auf Bitten seiner Bekannten, der Journalistin Lilou, tut Dupin das. Sie setzt ihn dort auf eine Sache an, die ihr "faul" vorkommt. Prompt wird sie zum Mordopfer. Für Rose erscheint Dupin, welcher sich zunächst als Einzelkämpfer in Gefahr gebracht hat, eher allgemein verdächtig. Die beiden Teams haben wirklich genug damit zu tun, sich zusammenzuraufen. Schon das macht einen Teil der Spannung aus.

Doch auch die positiven Seiten der beiden ersten Bücher der Serie lassen sich wieder erleben. Ermittlungen zwischen bezaubernder Landschaft und leckerem Essen. Interessante Infos zu Geschichte, Land und Leuten der Bretagne. Ebensolche Charaktere, schlüssige Motive und ebenbürtige Gegner. Und diesmal sogar eine Grundsatzphilosophie über Polizeiarbeit in den Gedanken des Georges Dupin: "Das Entscheidende war, sie hatten die Täter dingfest gemacht....Er konnte wirken, solange zu ermitteln war und dafür sorgen, die Ordnung wiederherzustellen. Dafür sorgen, dass zumindest manche nicht durchkamen, mit ihrer Vorstellung einfach davonzukommen (325)".

Die Feststellung seiner Kollegin Rose in der Überschrift trifft hoffentlich zu. Es wäre ein Gewinn für die Bretagne-Krimis von Jean Luc Bannalec.


AH - Ich war nie weg
AH - Ich war nie weg
von Eric Zonfeld
  Broschiert
Preis: EUR 6,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wahrhaft teuflisch II, 31. März 2014
Rezension bezieht sich auf: AH - Ich war nie weg (Broschiert)
Die teuflische Politsatire wird fortgesetzt. Das Urteil des Jerusalemer Richters gegen Adolf Hitler wirkt abermals wie die absichtsvolle Konstruktion von dessen ganz persönlicher Hölle (99). Außerdem entzaubert Eric Zonfeld "AH" - wie er meistens schreibt - als das "personifizierte Böse," den Teufel in Menschengestalt, als den wir ihn so gern markieren, damit die Distanzierung leichter fällt. Nicht mit Zonfeld: "Hitler war auch und zuallererst ein Kind seiner Zeit (151)"

Aber was soll die juristische Absicherung gegenüber der realen Claudia Roth. Meint Herr Zonfeld das ernst? Ignoriert er oder weiß er gar nicht, dass Frau Roth zum Jahrgang 1955 gehört, und deshalb keine Zeitgenossin Hitlers war? Als deren erster Schrei durch Ulm gellt, ist der Gröfaz schon zehn Jahre tot. Meint er bei der grünen Bundestagevizepräsidentin so wenig Respekt vor der Judikative vorzufinden? Glaubt er wirklich, ihr sei der Sacherhalt, den er zu "Persönlichkeiten der deutschen Politiklandschaft" erläutert (7) nicht bewusst, oder ausgerechnet diese Frau könne nicht mit Satire umgehen, so gern, wie sie selbst im Wahlkampf austeilt?

Dass Hitler sich entscheidet, seine Strafe in Putins Rußland "abzusitzen," dass sie bald Adolf und Wladimir füreinander sind, wundert nicht, auch ohne, dass etwas wie die Krimkrise zur Zeit der Fertigstellung des Buches, im August 2012, auf irgendjemandes Schirm aufgetaucht wäre.

Wahrhaft teuflisch auch, Hitler Wohnsitz nehmen zu lassen im Lande der nächsten Erzfeinde, die er noch 1941, als Slawen und Kommunisten und nicht anders als die Juden, "mit Stumpf und Stiel ausmerzen" wollte.


Adolf Hitler - Der totale Frieden
Adolf Hitler - Der totale Frieden
von Hansjoachim Bernt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wahrhaft teuflisch!, 19. Dezember 2013
Teuflische Politsatire - Vom Ende her gedacht, wird man dem zustimmen. Besser könnte auch Luzifer dem "Führer" dessen ganz persönliche Hölle nicht gestalten.

Hier heißen die Protagonisten genauso oder gewollt ähnlich wie frühere oder gegenwärtige EntscheidungsträgerInnen: SS-Mann/Bundespräsident Weizsäcker, der fiktive und der reale Generalbundesanwalt Rebmann, Journalist/Forschungs- und Verkehrsminister Wissmann, und natürlich lässt die Bundeskanzlerin aus dem Buch an die "echte" Verteidigungsministerin denken. Wer will, mag auch das "teuflisch" nennen.

Da sich bis jetzt noch jedes System in Deutschland seit 1871 aus sich selbst heraus vernichtet hat, bietet Herr Zonfeld auch der Demokratie des Jahres 2014 Stolpersteine an. Die auch im wirklichen Leben oft furchterregende Unkenntnis des "Stimmviehs" ist nur einer davon (174).

Es war schon ein gelungener Gag. Zomfelds Adolf bekundet, der Bundeskanzlerin beim Aufbau einer besseren Demokratie behilflich sein zu wollen...Hätte Zonfeld diesen Ansatz nur durchgehalten. Aber am Ende mutiert Hitler bei ihm doch wieder nur zu dem Wahnsinnigen, der er auch in der Realität war.

Da er uns auf der letzten Seite jedoch als Morphinist präsentiert wird, auf der auch die eingangs erwähnte "Teufelei" auffliegt (238), entsteht für alle diese lose-lose-Situation, in der sich herausstellt, dass es Hitler in der Niederlage sogar fertigbringt, die Daseinsverantwortung, sogar für sich als Junkie, an seine Erzfeinde zu delegieren. Und die anderen - Deutschland, England, haben was? ja, den totalen Frieden!

Während wir bei Timur Vernes noch lernen sollten, an Hitlers Seite zu lachen, wird Eric Zonfelds Hitler in einer stillen Stunde am Ende der sein, der über alle anderen lacht.

Zuletzt beginnt er ja schon wieder, einen neuen Grundsatztext zu schreiben!


Schantall, tu ma die Omma winken! Aus dem Alltag eines unerschrockenen Sozialarbeiters
Schantall, tu ma die Omma winken! Aus dem Alltag eines unerschrockenen Sozialarbeiters
von Kai Twilfer
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Danke, dass ich nicht bin, wie die da! (Lk. 18, 11), 30. September 2013
Ja, es ist Satire. Ja, Sozialarbeit, auch in ihrer "aktivierenden" Form, ist notwendig, schon aus Gründen der Fairness gegenüber allen, die z. B. als Regalauffüller verlässlich ao arbeiten, dass die Kolleginnen mit dem Ergebnis etwas anfangen können. Ja, Shakespeare ist nicht die neue Mixmilch einer bekannten Kuhsaftklitsche. Und die Farbe der Kühe, von denen die Milch stammt, ist nicht lila. Nie! Definitiv nicht! Auch, wenn uns die Werbung im Fernsehen da etwas anderes erzählt! Das kann man wissen, wenn man die Schule verlässt!

Abgesehen davon, dass sich das Problem nicht verflüchtigt, wenn getreu der sozialpädagogisch-soziologischen Weisheit, nach der "Kevin" und selbstredend auch "Chantal" keine Namen, sondern Diagnosen sind, jetzt alle, die sonst diesen Vornamen zuneigen, ihre Brut "Soffiescharrlotte" nennen würden, nach diversen adligen Damen früherer Jahrhunderte.

Warum verströmt das Buch dann trotzdem den Geruch des Pharisäerhaften, gemäß der biblischen Geschichte, auf welche die Überschrift deutet?

Weil, gesetzt den Fall, Schantall Pröllmann - grundsätzlich so geschrieben, denn natürlich geht es Herrn Twilfer um den "Typus Unterschichtsproll," nicht um eine konkrete Person - gewänne zehn Millionen Euro im Lotto, die Notwendigkeit erzieherisch auf die Lebensführung der dann wohlhabenden Dame einzuwirken, hätte sich für Jochen und seine Zunft gewiß erledigt. Mit großer Freude würde er ihr sicherlich noch erklären, wie sie sich beim Arbeitsamt abmeldet. Verständlich, aber eben damit wäre klargestellt, dass es bei der Betreuung von Arbeitslosen in der Hauptsache um die korrekte Verwaltung fremden Geldes geht, erst die zweite Geige spielt dann Vermittlung, Bildung und berufliche Qualifizierung der Klientel. Anders ausgedrückt geht es um Kostenreduktion im Sozialsektor, welcher im Fall von ALG gern auch mal als "Hängematte" diffamiert wird.

Und ja, wir gebrauchen das böse Wort von der "Unterschicht." Ja, man kann dem Buch einen gewissen Witz nicht absprechen. Und ja, es erntet Spott, wer wie Hilde Pröllmann ihre Prioritäten so grotesk verschiebt, dass sie 134 Euro in Kirmeslose investiert. Das gibt es natürlich auch in männlich; Jason Pröllmann pumpt sich bei Sozialarbeiter Jochen 50 Euro für den Autoscooter.

Doch, war nicht das Verschwinden der "nivellierten Mittelschichtsgesellschaft" spätestens ab 2003 politisch so gewollt, führend genau von der Partei, die sonst so gern die Anwältin der "kleinen Leute" gibt?

Für etwas, wie den Kosovokrieg oder den Neoliberalismus hat 1998 sicher niemand Schröder und schon gar nicht Fischer gewählt. Später ging es dann in diesem Stil weiter. Wir können sogar sagen, dass es ihre derzeitigen Nachfolger unter Umständen tatsächlich fertigbringen, die europäische Idee gegen die Wand zu fahren.

Allerdings kratzt das echte Schantalls auch nicht. Unsere Frau Pröllmann steht gerade am Flugplatz. Dort tut sie der Omma ihre Freundin winken. Diese möchte in den kommenden Wochen ihr Glück versuchen....Als Kompaarsin in Lloret!

Die Überschrift ist allerdings für all die anderen gedacht, die sich hier außer Familie Pröllmann nicht mit Ruhm bekleckern, seien sie fiktiv oder real. Von "Sozialarbeiter" Jochen, bis hin zu den Architekten von "Fördern und Fordern."
Twilfer überspitzt, weil Satire das darf und soll. Sicher ist ihm auch klar, dass nicht jede(r) qua Einkommensart (Hartz IV) und Arbeitsmarktstatus zum Proll, hier "Schantall" und "Kevin" genannt, mutiert.


Der ungewöhnliche Schriftwechsel des Heinrich Gebrande
Der ungewöhnliche Schriftwechsel des Heinrich Gebrande
von Heinrich Gebrande
  Sondereinband

5.0 von 5 Sternen Der Kunde ist König, 24. Juli 2013
Ende der achtziger Jahre muß Karl-Heinrich Gebrande aus Altena so etwas wie der Alptraum aller Offiziellen und Halboffiziellen gewesen sein. Denn weil der Kunde König und der Bürger Souverän ist, werden auch die skurillsten Anfragen ernsthaft beantwortet. Die "Staatsdiener" und "Stützen der Firma" wissen, daß sie genasführt werden, haben aber keine andere Wahl. Man weiß ja auch nie, wer sonst noch Ärger machen könnte....

Herr Gebrande legt "Arbeitsproben" von 1988/89 vor. Er erkundigt sich bei der Kurverwaltung in Bad Iburg nach Kurschatten, die den Sonnenschein verdrängen könnten (47), fragt bei der LZB, Dortmund, nach der Möglichkeit, 1/4 Pfund Fünfzigmarkscheine zu verschenken (5) und regt sich beim Verkehrsverein der Gemeinde Kröv/Mosel über den Weinnamen "Kröver Nacktarsch" auf (58).

In diesem Sinne geht es weiter. Auf 176 Seiten lesen wir derlei Schriftverkehr, welcher der damaligen Bundespost Umsatz verschaffte. Und mir zwei vergnügliche Lesestunden.


Schmerzliche Heimat: Deutschland und der Mord an meinem Vater
Schmerzliche Heimat: Deutschland und der Mord an meinem Vater
von Semiya Simsek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Deutschland nach dem Mord an einem Vater, 16. Juli 2013
Familie Simsek hat ihren ganz eigenen 11. September erlebt. Sie verliert den Vater durch dessen Tod, der nicht Gottes- sondern Menschenwille war. Ganz wie bei den Anschlägen in den USA ein Jahr später.

Tochter Semiya schildert das Leben ihres Vaters und der Familie bis hin zu dieser Tat. Sie berichtet, wie sie als "ganz normale" Familie in Deutschland in guter Nachbarschaft leben, wie ihr Vater eine quasi "deutsche Karriere" vom Hilfsarbeiter zum Blumengroßhändler macht. Sie erzählt, wie es ihnen danach ergangen ist. In den folgenden elf Jahren durften sie, Zitat: "nicht mal reinen Gewissens Opfer sein (214)!" Die Polizei? Alles andere alls "Freunde und Helfer." Man ermittelt gegen den Toten und seine Familie. Sie sollen Dealer, Schmuggler und Mafiosi gewesen sein. Der trauernden Witwe erzählt man immer wieder, ihr geliebter Gatte sei zu allem anderen noch ein Ehebrecher. Wie man heute weiß, stimmt nichts von alldem.

Semiya Simsek schreibt sich alles von der Seele, was ihr im Zusammenhang mit dem Mord an ihrem Vater, Deutschland zu einer "schmerzlichen Heimat" macht. Sie schreibt ohne Hass und Bitterkeit. Sehr differenziert gewährt sie Einblick in die mehr als peinliche Pannenshow, welche die Behörden gegeben haben und die den Mördern von der NSU ermöglicht hat, über zehn Jahre lang ungestört ihr Unwesen zu treiben.

Doch die Ironie des Schicksals hält noch einen sicherlich schmerzhaften Denkzettel für alle bereit, die in unserem Land Migrationspolitik machen. Ausgerechnet Frau Simsek geht der Liebe wegen in die Türkei. Nach dem NSU-Debakel und ihrer im Buch veröffentlichten Rede (213 - 215) auf dem Empfang, den die Bundeskanzlerin am 23.02.2012 für die Angehörigen der NSU-Opfer gab, hätte sie das Zeug gehabt zu einer dieser neuen deutschen HeldInnen der Integration etwa Marke Özil oder Öger. Ausgerechnet sie führt damit unseren Umgang mit Identität ad absurdum, stellt ihn in Frage. Es ist sehr wichtig, festzuhalten, dass sie nicht des Verbrechens wegen geht, sondern einem geliebten Menschen an dessen Lebensmittelpunkt folgt. Der NSU wird damit keinen Punktsieg verbuchen können.

In der Türkei, im Geburtsort ihres Vaters, welcher nur 38 Jahre alt werden durfte, weil das "deutsche Übermenschentum"- ein reichlich schräger Bezug der Nazis auf Nietzsche übrigens - noch immer kein Anderes neben sich duldet, hofft sie, dass an der Seite ihres Mannes und im Kreise ihrer Angehörigen, die Wunden heilen, die ihr die "schmerzliche Heimat" geschlagen hat.

Frau Simsek ist also nun Auslandsdeutsche. Vergessen wir nicht, sie an die Seite einer Mevlüde Genc oder Serap Ciceli zu stellen und ihr das Bundesverdienstkreuz zu geben, für die Art und Weise, wie sie vorbildlich mit ihrem Schicksal umgegangen ist. Denkt dagegen nicht einmal im Traume dran, ihr den deutschen Pass abzunehmen, sollte sie, des einfacheren Lebens in der Türkei wegen, auch dort einen Ausweis beantragen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 24, 2013 11:28 AM CET


Abgekanzelt: Protokoll einer Inquisition
Abgekanzelt: Protokoll einer Inquisition
von Georg Schwikart
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herr Doktor, Ich kann Sie nicht weihen - Joachim, mir graut vor Dir - immer noch!, 6. Juni 2013
Wieder einmal jemand, den "die vielen Dummheiten des Herrn Dr. Joachim Kardinal Meisner zur lutherischen Konkurrenz getrieben haben." In Anführungszeichen steht ein Selbstzitat aus meiner Rezension des Buches von Hans-Conrad Zander, welches dieser ebenso benannte "Joachim, mir graut vor Dir!" (Rez. 04.08.06). Es gibt keine bessere katholische Apologetik, die mir aus den letzten Jahren seit damals bekannt geworden ist, als den Stein des Anstoßes, Georg Schwikarts Buch: "Evangelisch - Never!" Daß Schwikart, mir noch bekannt aus gemeinsamen Zeiten beim in "Abgekanzelt" kurz erwähnten "Grünen Zweig" (28), nicht zum Diakon geweiht wurde, ist eigentlich fast schon logisch - bei seinem Kirchenbegriff und seiner großen Neugier auf die jeweils andere Art der Nachfolge Jesu, von der er stets zu lernen wünschte, ohne das Eigene aufzugeben. Der Mann denkt selbst, gerade wenn er glaubt. Einen Rausschmiß a la Meisner 2010 hatte selbst ein Georg Schwikart nicht auf dem Schirm. Wie auch. Denn gemäß seines Wahlspruchs (148) wollte er als katholischer Diakon mitbauen am Reich Gottes.Trotz aller verständlichen Enttäuschung bleibt der Autor fair. Nachkarten ist nicht sein Stil. Es fällt kein unangemessen böses Wort gegen die erwähnten Widerparts, da er z. B. sogar Herrn Meisner noch versteht, als dieser ihm den ersten Teil der Überschrift, mit einer derartigen Begründung mitteilt(47). Wahre Größe!

Die Kirche Jesu Christi war ihm schon immer mehr, als die einzelnen Untergruppen des Christentums. " Ich bin ausgetreten und bleibe doch katholisch, und als ich noch katholisch war, war ich schon evangelisch"(11). Er hat die "Leidenschaft für die Einheit des Leibes Christi," wie Frere Roger in der Regel von Taize formuliert.
Den Satz von Alfred Loisy "Jesus verkündete das Reich Gottes...(80)" den legt Herr Dr. Schwikart, entgegen der üblichen Lesart, positiv aus. Denn er vertraut der Quelle aller christlichen Kirchlichkeit: Jesus Christus!

Leider kann er nun nicht so für den Glauben wirken, wie er es gern wollte. Denn wer "Freunde" hat wie Kardinal Meisner, der braucht keine Feinde mehr. Das gilt für Herrn Schwikart, wie für die Römisch Katholische Kirche.

Was dem emigrierten deutschen Juden in New York 1935 das Hitlerbild in seiner Wohnung war - die denkbar beste Medizin gegen Heimweh - das ist "Abgekanzelt" für zum Protestantismus konvertierte Katholiken.


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