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Rezensionen verfasst von
Michael Koch

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5.0 von 5 Sternen Geschichte und Architektur romanischer Bauwerke in Sachsen-Anhalt kurz und gut für Kulturreisende, 4. Dezember 2014
Die Rezension bezieht sich auf den Band »Auf der Straße der Romanik« (1993; 240 S.) UND den Supplementband von Thorsten Schmidt: »Links und rechts der Straße der Romanik« (1994; 144 S.).
Marion und Thorsten Schmidt haben 1993 und 1994 den Haupt- und den Ergänzungsband zu romanischen Bauwerken in Sachsen-Anhalt (und auch in Niedersachsen) für kultur- und geschichtsinteressierte Regio-Touristen vorgelegt. In zwei Ausflugsrouten (Nord- und Südroute) werden die wichtigsten Bauwerke romanischer (strenggenommen auch der ottonischen) Provenienz besucht. Der Ergänzungsband orientiert sich ebenfalls an diesen Routen und fokussiert die im Hauptband nicht behandelten Orten, die etwas »abseits« liegen. Kurze Texte zur Geschichte der alphabetisch sortierten Orte, zu architektonischen und kunsthistorischen Aspekten, Bau- und Nutzungsdaten der Gebäude, einschließlich einiger recht guter Fotos und gelegentlich auch Grundrissen, geben Aufschluss über Kirchen, Klostergebäude und Burgen der Region. Die Texte sind für Kulturreisende mit historischen Vorkenntnissen sehr gut verständlich und bilden seriös den Wissensstand bis zu Beginn der 1990er Jahre ab.
Literaturhinweise und Begriffserklärungen runden die Bände ab – besonders Hilfreich (waren) die abschließenden Informationen zu Öffnungszeiten von Objekten (Museen), sowie zu Übernachtungsmöglichkeiten, zu Fahrt- und Parkmöglichkeiten, die heute jedoch nur noch eine geringe Relevanz besitzen dürften.
Die Taschenbuch-Bände – im praktischen 21x10cm-Format – eignen sich auch aktuell noch hervorragend als Reisebegleiter und »schmecken« Orte und Bauwerke gut an, soweit es um Kunst, Architektur und Geschichte geht. Für einen angemessenen Gebrauchtpreis eine vernünftige Investition.


Links und rechts der Strasse der Romanik: Der Ergänzungsband zu weiteren romanischen Bauten im mittleren Deutschland
Links und rechts der Strasse der Romanik: Der Ergänzungsband zu weiteren romanischen Bauten im mittleren Deutschland
von Thorsten Schmidt
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Geschichte und Architektur romanischer Bauwerke in Sachsen-Anhalt kurz und gut für Kulturreisende, 4. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Rezension bezieht sich auf den Band »Auf der Straße der Romanik« (1993; 240 S.) UND den Supplementband von Thorsten Schmidt: »Links und rechts der Straße der Romanik« (1994; 144 S.).
Marion und Thorsten Schmidt haben 1993 und 1994 den Haupt- und den Ergänzungsband zu romanischen Bauwerken in Sachsen-Anhalt (und auch in Niedersachsen) für kultur- und geschichtsinteressierte Regio-Touristen vorgelegt. In zwei Ausflugsrouten (Nord- und Südroute) werden die wichtigsten Bauwerke romanischer (strenggenommen auch der ottonischen) Provenienz besucht. Der Ergänzungsband orientiert sich ebenfalls an diesen Routen und fokussiert die im Hauptband nicht behandelten Orten, die etwas »abseits« liegen. Kurze Texte zur Geschichte der alphabetisch sortierten Orte, zu architektonischen und kunsthistorischen Aspekten, Bau- und Nutzungsdaten der Gebäude, einschließlich einiger recht guter Fotos und gelegentlich auch Grundrissen, geben Aufschluss über Kirchen, Klostergebäude und Burgen der Region. Die Texte sind für Kulturreisende mit historischen Vorkenntnissen sehr gut verständlich und bilden seriös den Wissensstand bis zu Beginn der 1990er Jahre ab.
Literaturhinweise und Begriffserklärungen runden die Bände ab – besonders Hilfreich (waren) die abschließenden Informationen zu Öffnungszeiten von Objekten (Museen), sowie zu Übernachtungsmöglichkeiten, zu Fahrt- und Parkmöglichkeiten, die heute jedoch nur noch eine geringe Relevanz besitzen dürften.
Die Taschenbuch-Bände – im praktischen 21x10cm-Format – eignen sich auch aktuell noch hervorragend als Reisebegleiter und »schmecken« Orte und Bauwerke gut an, soweit es um Kunst, Architektur und Geschichte geht. Für einen angemessenen Gebrauchtpreis eine vernünftige Investition.


Auf der Strasse der Romanik: Der offizielle Kunstreiseführer
Auf der Strasse der Romanik: Der offizielle Kunstreiseführer
von Marion Schmidt
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Geschichte und Architektur romanischer Bauwerke in Sachsen-Anhalt kurz und gut für Kulturreisende, 4. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Rezension bezieht sich auf den Band »Auf der Straße der Romanik« (1993; 240 S.) UND den Supplementband von Thorsten Schmidt: »Links und rechts der Straße der Romanik« (1994; 144 S.).
Marion und Thorsten Schmidt haben 1993 und 1994 den Haupt- und den Ergänzungsband zu romanischen Bauwerken in Sachsen-Anhalt (und auch in Niedersachsen) für kultur- und geschichtsinteressierte Regio-Touristen vorgelegt. In zwei Ausflugsrouten (Nord- und Südroute) werden die wichtigsten Bauwerke romanischer (strenggenommen auch der ottonischen) Provenienz besucht. Der Ergänzungsband orientiert sich ebenfalls an diesen Routen und fokussiert die im Hauptband nicht behandelten Orten, die etwas »abseits« liegen. Kurze Texte zur Geschichte der alphabetisch sortierten Orte, zu architektonischen und kunsthistorischen Aspekten, Bau- und Nutzungsdaten der Gebäude, einschließlich einiger recht guter Fotos und gelegentlich auch Grundrissen, geben Aufschluss über Kirchen, Klostergebäude und Burgen der Region. Die Texte sind für Kulturreisende mit historischen Vorkenntnissen sehr gut verständlich und bilden seriös den Wissensstand bis zu Beginn der 1990er Jahre ab.
Literaturhinweise und Begriffserklärungen runden die Bände ab – besonders Hilfreich (waren) die abschließenden Informationen zu Öffnungszeiten von Objekten (Museen), sowie zu Übernachtungsmöglichkeiten, zu Fahrt- und Parkmöglichkeiten, die heute jedoch nur noch eine geringe Relevanz besitzen dürften.
Die Taschenbuch-Bände – im praktischen 21x10cm-Format – eignen sich auch aktuell noch hervorragend als Reisebegleiter und »schmecken« Orte und Bauwerke gut an, soweit es um Kunst, Architektur und Geschichte geht. Für einen angemessenen Gebrauchtpreis eine vernünftige Investition.


Schloß Gripsholm. Eine Sommergeschichte. Textillustrationen Wilhelm M. Busch.
Schloß Gripsholm. Eine Sommergeschichte. Textillustrationen Wilhelm M. Busch.
von Kurt Tucholsky
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Das Sommermärchen des Stilisten, 29. November 2014
Schloss Gripsholm ist eine leicht und schwebend geschriebene Sommer- und Reisegeschichte, die dialogstark und plänkelnd die Erlebnisse des Ich-Erzählers und seiner Begleiterin Lydia in Mitten eines Urlaubssommers in Schweden schildert. Begegnungen mit anderen Reisenden und den Menschen vor Ort stehen zunächst im Mittelpunkt – begleitet von Eindrücken, Anekdoten und Bonmots, sekundiert von allerlei kleinen erotischen und sozialkritischen Miniaturen. Spannend – im konventionellen Sinne – wird es im zweiten Drittel der Erzählung, als das Pärchen das Mädchen Ada aus den Fängen eines Kinderheimes und ihrer (an Spyris Frau Rottenmeier erinnernde) Leiterin zu befreien sucht und dieser Befreiungscoup auch letztendlich gelingt.
Wichtig ist vor allem die Beurteilung des Werkes aus der Zeit heraus. »Spannende« Erzählungen aus den letzten Jahrzehnten können kaum als Referenzgröße für dieses kleine Werk herhalten. Der Geschmack hat sich verändert, moderne »Unterhaltungsromane« orientieren sich vermehrt am amerikanischen und englischen Erzählstil und die kleine »Zielgruppe« des nachkaiserzeitlichen, liberalen und quasi paneuropäischen Bildungsbürgertums« gibt es so nicht mehr.
Für die späten 1920er und 30er Jahre ist dieser Roman tatsächlich durchaus bemerkenswert, denn er kontrastiert die sonst eher aufdringliche und bisweilen schwülstige deutsche Reiseliteratur, die stets das Abenteuer herbeiredet (mögen die Erlebnisse auch direkt in der deutschen Nachbarschaft stattfinden) und in Stil, Form und Inhalt oft nicht die Qualität eines Karl May abstreifen konnte und wollte. Zudem gibt es einige Aspekte in Schloss Gripsholm, die Heutzutage als selbstverständlich erscheinen: Die Reise eines unverheirateten Paares, die Schilderung einer spielend erotisch freien und gebildeten jungen Frau mit Esprit, die ihre Reize auch und besonders intellektuell zu versprühen weiß. Gewiss: heute ist das vielleicht »kalter Kaffee« - damals war es das nicht. Auch die plattdeutschen Sprachspielereien sind durchaus erfrischend und zum Teil tatsächlich komisch – da ich niederdeutsch und niederländisch einigermaßen verstehe, geht diese Spielerei für mich auf. Für andere mag dies dann doch eher eine klägliche und fade Nummer sein, die man schnell überlesen will.
Schloss Gripsholm ist ein Buch für jene, die Tucholsky als wunderbaren Stilisten schätzen, seiner Zeit manchmal weit voraus. Freilich wird es auch ein wenig überschätzt, denn wer Tucholsky vor allem als Zeitkritiker und wortmächtigen Satiriker mit feinem Blick für die menschliche Psyche mag, der kommt hier nur bedingt auf seine Kosten.
Tucholsky starb (durch Selbstmord oder Medikamentenabusus?) in Göteborg und wurde später auf dem Gelände von Schloss Gripsholm beigesetzt. Dies dürfte bis heute die Popularität dieses Werkes gefördert haben. Vielleicht etwas unverdient.


Schloß Gripsholm. Mit Illustrationen von Wilhelm M.Busch.
Schloß Gripsholm. Mit Illustrationen von Wilhelm M.Busch.
von Kurt: Tucholsky
  Unbekannter Einband

4.0 von 5 Sternen Das Sommermärchen des Stilisten, 29. November 2014
Schloss Gripsholm ist eine leicht und schwebend geschriebene Sommer- und Reisegeschichte, die dialogstark und plänkelnd die Erlebnisse des Ich-Erzählers und seiner Begleiterin Lydia in Mitten eines Urlaubssommers in Schweden schildert. Begegnungen mit anderen Reisenden und den Menschen vor Ort stehen zunächst im Mittelpunkt – begleitet von Eindrücken, Anekdoten und Bonmots, sekundiert von allerlei kleinen erotischen und sozialkritischen Miniaturen. Spannend – im konventionellen Sinne – wird es im zweiten Drittel der Erzählung, als das Pärchen das Mädchen Ada aus den Fängen eines Kinderheimes und ihrer (an Spyris Frau Rottenmeier erinnernde) Leiterin zu befreien sucht und dieser Befreiungscoup auch letztendlich gelingt.
Wichtig ist vor allem die Beurteilung des Werkes aus der Zeit heraus. »Spannende« Erzählungen aus den letzten Jahrzehnten können kaum als Referenzgröße für dieses kleine Werk herhalten. Der Geschmack hat sich verändert, moderne »Unterhaltungsromane« orientieren sich vermehrt am amerikanischen und englischen Erzählstil und die kleine »Zielgruppe« des nachkaiserzeitlichen, liberalen und quasi paneuropäischen Bildungsbürgertums« gibt es so nicht mehr.
Für die späten 1920er und 30er Jahre ist dieser Roman tatsächlich durchaus bemerkenswert, denn er kontrastiert die sonst eher aufdringliche und bisweilen schwülstige deutsche Reiseliteratur, die stets das Abenteuer herbeiredet (mögen die Erlebnisse auch direkt in der deutschen Nachbarschaft stattfinden) und in Stil, Form und Inhalt oft nicht die Qualität eines Karl May abstreifen konnte und wollte. Zudem gibt es einige Aspekte in Schloss Gripsholm, die Heutzutage als selbstverständlich erscheinen: Die Reise eines unverheirateten Paares, die Schilderung einer spielend erotisch freien und gebildeten jungen Frau mit Esprit, die ihre Reize auch und besonders intellektuell zu versprühen weiß. Gewiss: heute ist das vielleicht »kalter Kaffee« - damals war es das nicht. Auch die plattdeutschen Sprachspielereien sind durchaus erfrischend und zum Teil tatsächlich komisch – da ich niederdeutsch und niederländisch einigermaßen verstehe, geht diese Spielerei für mich auf. Für andere mag dies dann doch eher eine klägliche und fade Nummer sein, die man schnell überlesen will.
Schloss Gripsholm ist ein Buch für jene, die Tucholsky als wunderbaren Stilisten schätzen, seiner Zeit manchmal weit voraus. Freilich wird es auch ein wenig überschätzt, denn wer Tucholsky vor allem als Zeitkritiker und wortmächtigen Satiriker mit feinem Blick für die menschliche Psyche mag, der kommt hier nur bedingt auf seine Kosten.
Tucholsky starb (durch Selbstmord oder Medikamentenabusus?) in Göteborg und wurde später auf dem Gelände von Schloss Gripsholm beigesetzt. Dies dürfte bis heute die Popularität dieses Werkes gefördert haben. Vielleicht etwas unverdient.


Schloss Gripsholm : e. Sommergeschichte. [Textill. Wilhelm M. Busch], Rororo-TB 4
Schloss Gripsholm : e. Sommergeschichte. [Textill. Wilhelm M. Busch], Rororo-TB 4
von Kurt Tucholsky
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen Das Sommermärchen des Stilisten, 29. November 2014
Schloss Gripsholm ist eine leicht und schwebend geschriebene Sommer- und Reisegeschichte, die dialogstark und plänkelnd die Erlebnisse des Ich-Erzählers und seiner Begleiterin Lydia in Mitten eines Urlaubssommers in Schweden schildert. Begegnungen mit anderen Reisenden und den Menschen vor Ort stehen zunächst im Mittelpunkt – begleitet von Eindrücken, Anekdoten und Bonmots, sekundiert von allerlei kleinen erotischen und sozialkritischen Miniaturen. Spannend – im konventionellen Sinne – wird es im zweiten Drittel der Erzählung, als das Pärchen das Mädchen Ada aus den Fängen eines Kinderheimes und ihrer (an Spyris Frau Rottenmeier erinnernde) Leiterin zu befreien sucht und dieser Befreiungscoup auch letztendlich gelingt.
Wichtig ist vor allem die Beurteilung des Werkes aus der Zeit heraus. »Spannende« Erzählungen aus den letzten Jahrzehnten können kaum als Referenzgröße für dieses kleine Werk herhalten. Der Geschmack hat sich verändert, moderne »Unterhaltungsromane« orientieren sich vermehrt am amerikanischen und englischen Erzählstil und die kleine »Zielgruppe« des nachkaiserzeitlichen, liberalen und quasi paneuropäischen Bildungsbürgertums« gibt es so nicht mehr.
Für die späten 1920er und 30er Jahre ist dieser Roman tatsächlich durchaus bemerkenswert, denn er kontrastiert die sonst eher aufdringliche und bisweilen schwülstige deutsche Reiseliteratur, die stets das Abenteuer herbeiredet (mögen die Erlebnisse auch direkt in der deutschen Nachbarschaft stattfinden) und in Stil, Form und Inhalt oft nicht die Qualität eines Karl May abstreifen konnte und wollte. Zudem gibt es einige Aspekte in Schloss Gripsholm, die Heutzutage als selbstverständlich erscheinen: Die Reise eines unverheirateten Paares, die Schilderung einer spielend erotisch freien und gebildeten jungen Frau mit Esprit, die ihre Reize auch und besonders intellektuell zu versprühen weiß. Gewiss: heute ist das vielleicht »kalter Kaffee« - damals war es das nicht. Auch die plattdeutschen Sprachspielereien sind durchaus erfrischend und zum Teil tatsächlich komisch – da ich niederdeutsch und niederländisch einigermaßen verstehe, geht diese Spielerei für mich auf. Für andere mag dies dann doch eher eine klägliche und fade Nummer sein, die man schnell überlesen will.
Schloss Gripsholm ist ein Buch für jene, die Tucholsky als wunderbaren Stilisten schätzen, seiner Zeit manchmal weit voraus. Freilich wird es auch ein wenig überschätzt, denn wer Tucholsky vor allem als Zeitkritiker und wortmächtigen Satiriker mit feinem Blick für die menschliche Psyche mag, der kommt hier nur bedingt auf seine Kosten.
Tucholsky starb (durch Selbstmord oder Medikamentenabusus?) in Göteborg und wurde später auf dem Gelände von Schloss Gripsholm beigesetzt. Dies dürfte bis heute die Popularität dieses Werkes gefördert haben. Vielleicht etwas unverdient.


Schloss (Schloß) Gripsholm Eine Sommergeschichte
Schloss (Schloß) Gripsholm Eine Sommergeschichte

4.0 von 5 Sternen Das Sommermärchen des Stilisten, 29. November 2014
Schloss Gripsholm ist eine leicht und schwebend geschriebene Sommer- und Reisegeschichte, die dialogstark und plänkelnd die Erlebnisse des Ich-Erzählers und seiner Begleiterin Lydia in Mitten eines Urlaubssommers in Schweden schildert. Begegnungen mit anderen Reisenden und den Menschen vor Ort stehen zunächst im Mittelpunkt – begleitet von Eindrücken, Anekdoten und Bonmots, sekundiert von allerlei kleinen erotischen und sozialkritischen Miniaturen. Spannend – im konventionellen Sinne – wird es im zweiten Drittel der Erzählung, als das Pärchen das Mädchen Ada aus den Fängen eines Kinderheimes und ihrer (an Spyris Frau Rottenmeier erinnernde) Leiterin zu befreien sucht und dieser Befreiungscoup auch letztendlich gelingt.
Wichtig ist vor allem die Beurteilung des Werkes aus der Zeit heraus. »Spannende« Erzählungen aus den letzten Jahrzehnten können kaum als Referenzgröße für dieses kleine Werk herhalten. Der Geschmack hat sich verändert, moderne »Unterhaltungsromane« orientieren sich vermehrt am amerikanischen und englischen Erzählstil und die kleine »Zielgruppe« des nachkaiserzeitlichen, liberalen und quasi paneuropäischen Bildungsbürgertums« gibt es so nicht mehr.
Für die späten 1920er und 30er Jahre ist dieser Roman tatsächlich durchaus bemerkenswert, denn er kontrastiert die sonst eher aufdringliche und bisweilen schwülstige deutsche Reiseliteratur, die stets das Abenteuer herbeiredet (mögen die Erlebnisse auch direkt in der deutschen Nachbarschaft stattfinden) und in Stil, Form und Inhalt oft nicht die Qualität eines Karl May abstreifen konnte und wollte. Zudem gibt es einige Aspekte in Schloss Gripsholm, die Heutzutage als selbstverständlich erscheinen: Die Reise eines unverheirateten Paares, die Schilderung einer spielend erotisch freien und gebildeten jungen Frau mit Esprit, die ihre Reize auch und besonders intellektuell zu versprühen weiß. Gewiss: heute ist das vielleicht »kalter Kaffee« - damals war es das nicht. Auch die plattdeutschen Sprachspielereien sind durchaus erfrischend und zum Teil tatsächlich komisch – da ich niederdeutsch und niederländisch einigermaßen verstehe, geht diese Spielerei für mich auf. Für andere mag dies dann doch eher eine klägliche und fade Nummer sein, die man schnell überlesen will.
Schloss Gripsholm ist ein Buch für jene, die Tucholsky als wunderbaren Stilisten schätzen, seiner Zeit manchmal weit voraus. Freilich wird es auch ein wenig überschätzt, denn wer Tucholsky vor allem als Zeitkritiker und wortmächtigen Satiriker mit feinem Blick für die menschliche Psyche mag, der kommt hier nur bedingt auf seine Kosten.
Tucholsky starb (durch Selbstmord oder Medikamentenabusus?) in Göteborg und wurde später auf dem Gelände von Schloss Gripsholm beigesetzt. Dies dürfte bis heute die Popularität dieses Werkes gefördert haben. Vielleicht etwas unverdient.


Schloss Gripsholm: Eine Sommergeschichte.
Schloss Gripsholm: Eine Sommergeschichte.

4.0 von 5 Sternen Das Sommermärchen des Stilisten, 29. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Schloss Gripsholm: Eine Sommergeschichte.
Schloss Gripsholm ist eine leicht und schwebend geschriebene Sommer- und Reisegeschichte, die dialogstark und plänkelnd die Erlebnisse des Ich-Erzählers und seiner Begleiterin Lydia in Mitten eines Urlaubssommers in Schweden schildert. Begegnungen mit anderen Reisenden und den Menschen vor Ort stehen zunächst im Mittelpunkt – begleitet von Eindrücken, Anekdoten und Bonmots, sekundiert von allerlei kleinen erotischen und sozialkritischen Miniaturen. Spannend – im konventionellen Sinne – wird es im zweiten Drittel der Erzählung, als das Pärchen das Mädchen Ada aus den Fängen eines Kinderheimes und ihrer (an Spyris Frau Rottenmeier erinnernde) Leiterin zu befreien sucht und dieser Befreiungscoup auch letztendlich gelingt.
Wichtig ist vor allem die Beurteilung des Werkes aus der Zeit heraus. »Spannende« Erzählungen aus den letzten Jahrzehnten können kaum als Referenzgröße für dieses kleine Werk herhalten. Der Geschmack hat sich verändert, moderne »Unterhaltungsromane« orientieren sich vermehrt am amerikanischen und englischen Erzählstil und die kleine »Zielgruppe« des nachkaiserzeitlichen, liberalen und quasi paneuropäischen Bildungsbürgertums« gibt es so nicht mehr.
Für die späten 1920er und 30er Jahre ist dieser Roman tatsächlich durchaus bemerkenswert, denn er kontrastiert die sonst eher aufdringliche und bisweilen schwülstige deutsche Reiseliteratur, die stets das Abenteuer herbeiredet (mögen die Erlebnisse auch direkt in der deutschen Nachbarschaft stattfinden) und in Stil, Form und Inhalt oft nicht die Qualität eines Karl May abstreifen konnte und wollte. Zudem gibt es einige Aspekte in Schloss Gripsholm, die Heutzutage als selbstverständlich erscheinen: Die Reise eines unverheirateten Paares, die Schilderung einer spielend erotisch freien und gebildeten jungen Frau mit Esprit, die ihre Reize auch und besonders intellektuell zu versprühen weiß. Gewiss: heute ist das vielleicht »kalter Kaffee« - damals war es das nicht. Auch die plattdeutschen Sprachspielereien sind durchaus erfrischend und zum Teil tatsächlich komisch – da ich niederdeutsch und niederländisch einigermaßen verstehe, geht diese Spielerei für mich auf. Für andere mag dies dann doch eher eine klägliche und fade Nummer sein, die man schnell überlesen will.
Schloss Gripsholm ist ein Buch für jene, die Tucholsky als wunderbaren Stilisten schätzen, seiner Zeit manchmal weit voraus. Freilich wird es auch ein wenig überschätzt, denn wer Tucholsky vor allem als Zeitkritiker und wortmächtigen Satiriker mit feinem Blick für die menschliche Psyche mag, der kommt hier nur bedingt auf seine Kosten.
Tucholsky starb (durch Selbstmord oder Medikamentenabusus?) in Göteborg und wurde später auf dem Gelände von Schloss Gripsholm beigesetzt. Dies dürfte bis heute die Popularität dieses Werkes gefördert haben. Vielleicht etwas unverdient.


Schloss Gripsholm
Schloss Gripsholm

4.0 von 5 Sternen Das Sommermärchen des Stilisten, 29. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Schloss Gripsholm (Broschüre)
Schloss Gripsholm ist eine leicht und schwebend geschriebene Sommer- und Reisegeschichte, die dialogstark und plänkelnd die Erlebnisse des Ich-Erzählers und seiner Begleiterin Lydia in Mitten eines Urlaubssommers in Schweden schildert. Begegnungen mit anderen Reisenden und den Menschen vor Ort stehen zunächst im Mittelpunkt – begleitet von Eindrücken, Anekdoten und Bonmots, sekundiert von allerlei kleinen erotischen und sozialkritischen Miniaturen. Spannend – im konventionellen Sinne – wird es im zweiten Drittel der Erzählung, als das Pärchen das Mädchen Ada aus den Fängen eines Kinderheimes und ihrer (an Spyris Frau Rottenmeier erinnernde) Leiterin zu befreien sucht und dieser Befreiungscoup auch letztendlich gelingt.
Wichtig ist vor allem die Beurteilung des Werkes aus der Zeit heraus. »Spannende« Erzählungen aus den letzten Jahrzehnten können kaum als Referenzgröße für dieses kleine Werk herhalten. Der Geschmack hat sich verändert, moderne »Unterhaltungsromane« orientieren sich vermehrt am amerikanischen und englischen Erzählstil und die kleine »Zielgruppe« des nachkaiserzeitlichen, liberalen und quasi paneuropäischen Bildungsbürgertums« gibt es so nicht mehr.
Für die späten 1920er und 30er Jahre ist dieser Roman tatsächlich durchaus bemerkenswert, denn er kontrastiert die sonst eher aufdringliche und bisweilen schwülstige deutsche Reiseliteratur, die stets das Abenteuer herbeiredet (mögen die Erlebnisse auch direkt in der deutschen Nachbarschaft stattfinden) und in Stil, Form und Inhalt oft nicht die Qualität eines Karl May abstreifen konnte und wollte. Zudem gibt es einige Aspekte in Schloss Gripsholm, die Heutzutage als selbstverständlich erscheinen: Die Reise eines unverheirateten Paares, die Schilderung einer spielend erotisch freien und gebildeten jungen Frau mit Esprit, die ihre Reize auch und besonders intellektuell zu versprühen weiß. Gewiss: heute ist das vielleicht »kalter Kaffee« - damals war es das nicht. Auch die plattdeutschen Sprachspielereien sind durchaus erfrischend und zum Teil tatsächlich komisch – da ich niederdeutsch und niederländisch einigermaßen verstehe, geht diese Spielerei für mich auf. Für andere mag dies dann doch eher eine klägliche und fade Nummer sein, die man schnell überlesen will.
Schloss Gripsholm ist ein Buch für jene, die Tucholsky als wunderbaren Stilisten schätzen, seiner Zeit manchmal weit voraus. Freilich wird es auch ein wenig überschätzt, denn wer Tucholsky vor allem als Zeitkritiker und wortmächtigen Satiriker mit feinem Blick für die menschliche Psyche mag, der kommt hier nur bedingt auf seine Kosten.
Tucholsky starb (durch Selbstmord oder Medikamentenabusus?) in Göteborg und wurde später auf dem Gelände von Schloss Gripsholm beigesetzt. Dies dürfte bis heute die Popularität dieses Werkes gefördert haben. Vielleicht etwas unverdient.


Kurt Tucholsky: Schloss Gripsholm - Eine Sommergeschichte
Kurt Tucholsky: Schloss Gripsholm - Eine Sommergeschichte
von Kurt Tucholsky
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Das Sommermärchen des Stilisten, 29. November 2014
Schloss Gripsholm ist eine leicht und schwebend geschriebene Sommer- und Reisegeschichte, die dialogstark und plänkelnd die Erlebnisse des Ich-Erzählers und seiner Begleiterin Lydia in Mitten eines Urlaubssommers in Schweden schildert. Begegnungen mit anderen Reisenden und den Menschen vor Ort stehen zunächst im Mittelpunkt – begleitet von Eindrücken, Anekdoten und Bonmots, sekundiert von allerlei kleinen erotischen und sozialkritischen Miniaturen. Spannend – im konventionellen Sinne – wird es im zweiten Drittel der Erzählung, als das Pärchen das Mädchen Ada aus den Fängen eines Kinderheimes und ihrer (an Spyris Frau Rottenmeier erinnernde) Leiterin zu befreien sucht und dieser Befreiungscoup auch letztendlich gelingt.
Wichtig ist vor allem die Beurteilung des Werkes aus der Zeit heraus. »Spannende« Erzählungen aus den letzten Jahrzehnten können kaum als Referenzgröße für dieses kleine Werk herhalten. Der Geschmack hat sich verändert, moderne »Unterhaltungsromane« orientieren sich vermehrt am amerikanischen und englischen Erzählstil und die kleine »Zielgruppe« des nachkaiserzeitlichen, liberalen und quasi paneuropäischen Bildungsbürgertums« gibt es so nicht mehr.
Für die späten 1920er und 30er Jahre ist dieser Roman tatsächlich durchaus bemerkenswert, denn er kontrastiert die sonst eher aufdringliche und bisweilen schwülstige deutsche Reiseliteratur, die stets das Abenteuer herbeiredet (mögen die Erlebnisse auch direkt in der deutschen Nachbarschaft stattfinden) und in Stil, Form und Inhalt oft nicht die Qualität eines Karl May abstreifen konnte und wollte. Zudem gibt es einige Aspekte in Schloss Gripsholm, die Heutzutage als selbstverständlich erscheinen: Die Reise eines unverheirateten Paares, die Schilderung einer spielend erotisch freien und gebildeten jungen Frau mit Esprit, die ihre Reize auch und besonders intellektuell zu versprühen weiß. Gewiss: heute ist das vielleicht »kalter Kaffee« - damals war es das nicht. Auch die plattdeutschen Sprachspielereien sind durchaus erfrischend und zum Teil tatsächlich komisch – da ich niederdeutsch und niederländisch einigermaßen verstehe, geht diese Spielerei für mich auf. Für andere mag dies dann doch eher eine klägliche und fade Nummer sein, die man schnell überlesen will.
Schloss Gripsholm ist ein Buch für jene, die Tucholsky als wunderbaren Stilisten schätzen, seiner Zeit manchmal weit voraus. Freilich wird es auch ein wenig überschätzt, denn wer Tucholsky vor allem als Zeitkritiker und wortmächtigen Satiriker mit feinem Blick für die menschliche Psyche mag, der kommt hier nur bedingt auf seine Kosten.
Tucholsky starb (durch Selbstmord oder Medikamentenabusus?) in Göteborg und wurde später auf dem Gelände von Schloss Gripsholm beigesetzt. Dies dürfte bis heute die Popularität dieses Werkes gefördert haben. Vielleicht etwas unverdient.


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