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Amazon-Kunde (Stuttgart)

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Kurzprosa schreiben: Praktische Einführung
Kurzprosa schreiben: Praktische Einführung
von Eleonore Wittke
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rundum wertvoll, 2. April 2011
Ein wichtiges Buch, das eine Lücke schließt. Beschäftigen sich die meisten Schreibratgeber noch immer mit der gefühlten literarischen 'Königsdisziplin', dem Roman, zumindest aber mit Erzählungen, Novellen, Kurzgeschichten, waren die Kurzprosaformen hier schon immer im Hintertreffen, obwohl es gerade diese Textsorten sind, die von Laien (und Profis) in großer Zahl geschrieben werden. Eleonore Wittke klärt in ihrem Buch Schritt für Schritt auf über die schreiberische Verwirklichung von Textsorten wie Fabel, Parabel, Kalendergeschichte, Anekdote (u.a.m.), gibt Tipps in Sachen Themenfindung, Perspektive, Stil und Tonlage der Kurztexte, und rundet das ganze ab mit praktischen Schreibübungen. Ein rundum wertvolles Buch für alle, die sich der literarischen Kurzform stellen möchten, ohne von tausendseitigen (amerikanisierten) Schreibratgebern erschlagen zu werden.


Vom Atmen unter Wasser
Vom Atmen unter Wasser
von Lisa-Marie Dickreiter
  Gebundene Ausgabe

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch über das Überleben, 13. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Vom Atmen unter Wasser (Gebundene Ausgabe)
Sarah, die 16jährige Tochter der Bergmanns, ist vergewaltigt und getötet worden. Ihr Mörder sitzt längst hinter Schloß und Riegel, das Leben sollte irgendwie weitergehen, aber was tun, wenn es einfach nicht gehen will, schon gar nicht 'weiter'?!

Etwa ein Jahr später, kurz vor dem Jahrestag des Mordes, wird Simon, der Bruder der Getöteten und eine der drei Perspektivfiguren, von seinem Vater Jo ins Krankenhaus beschieden: Mutter Anne Bergmann hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Der Vater bittet den 20jährigen, der übers Jahr versucht hat, in seinem Medizinstudium, in einem Studentenwohnheim ein eigenes Leben aufzubauen, wieder zu Hause einzuziehen, um die labile Mutter zu überwachen, die den Tod der geliebten Tochter nicht überwinden kann und nicht überwinden will. Aber kaum wieder im Elternhaus eingezogen, stellt Simon fest, daß die Familie längst zerbrochen ist und er zum Spielball der komplexen Elternbeziehung und der Trauerarbeit seiner Mutter wird. Weil aus Sarahs Lebzeiten nur wenige Super8-Filme existieren, beginnen Simon und Anne, Filme zu drehen, die Tod und 'Nachleben' des Mädchens dokumentieren. Das ganze entgleitet, und Simon wird immer tiefer in die Abgründe der mütterlichen Trauerarbeit gerissen.

'Vom Atmen unter Wasser' ist ein Buch über das Überleben. Eines der genauen Beobachtung und der lebendigen realistischen Schilderungen. Psychologisch höchst raffiniert in seinen Symbolen und Bildern, dabei so eindringlich, daß mir beim Lesen so mancher Szene ein Kloß im Hals drückte und der Schweiß auf der Stirn stand; ein Roman, der szenisch perfekt gebaut ist, mit größter erzählerischer und stilistischer Raffinesse geschrieben, aber dabei so gestaltet, daß er auch Wenigleser beeindrucken wird durch seinen Tiefensog, durch den Spannungsaufbau und die äußerst lebhafte Gestaltung seiner Charaktere, die, mit ihren ganzen Schwächen, dem Leser im Laufe der Geschichte immer mehr ans Herz wachsen.

'Vom Atmen unter Wasser' pulverisiert nachgerade einen Gutteil der neueren deutschsprachigen Literatur und läßt dessen Bücher zu Büchlein werden. Wenn die Jury des deutschen Buchpreises nicht ganz bescheuert ist, dann weiß sie, daß es dieser Roman mindestens in die Short List bringen muß.


Die Beschissenheit der Dinge: Roman
Die Beschissenheit der Dinge: Roman
von Dimitri Verhulst
  Taschenbuch

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen High Noon in Flandern, 1. April 2008
High Noon in Flandern

Dimitri, genannt Dimitrieken, wächst im Haus seiner Großmutter auf, in dem auch sein versoffener Vater und dessen drei nicht weniger versoffene jüngere Brüder untergekrochen sind, nachdem sie samt und sonders von ihren Ehefrauen zum Teufel gejagt wurden. Schon Dimitriekens erste nachgeburtliche Erfahrung soll zeigen, wohin für ihn der Weg führt: sein Vater schleppt ihn auf dem Fahrrad von einer Kneipe in die andere, um das sexuelle Versehen vorzuzeigen und dabei ordentlich zu begießen.
Dimitris Leben wird fortan geprägt sein vom Verhältnis zu seiner proletarischen Meschpoche, die, mutig wie die Existentialisten, sich der Chancenlosigkeit ihrer Schicht und der Sinnlosigkeit des Daseins an sich stellt, indem sie es saufend vernichten, ihr Schicksal Tag für Tag abzutragen wissen („>>Gott schuf den Tag, und wir schleppten uns hindurch<<). Eine Meschpoche, auf die er trotzig stolz ist, weil er weiß, daß man einander liebt und aufeinander bauen kann; ganz im Gegensatz zur (Kultur-) Bourgeoisie, auf die man im gleichen Maße herabsieht wie sie auf das Prekariat und die dessen neueste Dummheiten belustigt im Unterschichtenfernsehen verfolgt oder seine Sauflieder bestenfalls als Teil eines volkskundlichen Forschungsprojekts dokumentierend zur Kenntnis nimmt. Von beiden muß Dimitri sich freizukämpfen lernen, um sein Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen.

Mit den Mitteln einer fiktiven Autobiographie rechnet der erst 35jährige Verhulst mit einer Gesellschaft ab, die billigend in Kauf nimmt, jeden Tag neuen menschlichen Bodensatz zu schaffen und dabei ein Tänzchen auf dem Vulkan wagt. Und er tut das, ohne auch nur einmal weinerlich zu werden. Die grandiose „Sauf-Tour-de-France“ ist nur der komische Höhepunkt eines durch und durch so lakonisch wie humoresk erzählten Buchs, das keinen Hehl daraus macht, daß es die Tragik des Lebens kennt und erkennt und sich ihr mutig, eben mit den Mitteln der Humoreske, stellt. Wer „Populärmusik aus Vittula“ mochte, wird auch hieran sein Vergnügen haben - nur daß Verhulst der eindeutig bessere Erzähler ist. Ein fantastisches Leseabenteuer, und ein Autor, der noch mehr von sich reden machen wird.


Kasse 53
Kasse 53
von Nils Mohl
  Gebundene Ausgabe

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jesus wäre ein prima Kassierer gewesen, 6. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Kasse 53 (Gebundene Ausgabe)
Eine Woche im Leben eines namenlosen, in einem Hamburger Kaufhaus arbeitenden und in der Platte am Stadtrand wohnenden Kassierers. Eines Kassierers, der mit Herz und Hirn bei der Sache ist, dafür aber nicht so recht zu sagen weiß, wie es eigentlich kam, daß er Kassierer geworden ist. Dafür weiß er umso genauer anzugeben, weshalb er es noch immer ist: das Kassieren ist eine Kunst von hoher Intensität, und diese Kunst, erweitert um die an Sarkasmen und Humor ausgesprochen reiche Innenwelt unseres Endzwanziger-Kassierers, stellt Nils Mohl auf 200 stilistisch von wunderbarer und selten gewordener Sicherheit gestalteten Seiten vor.

>>Dass man gut vierundzwanzig Arbeitsstunden und rund zweitausend Kunden nach Wochenstart den Eindruck hat, es sind nicht Krethi und Plethi, sondern Krethi, Plethi und Yeti unterwegs, ist nicht verwunderlich: Reizüberflutung. Der Donnerstag kommt einem immer so vor wie der Tag der Gestörten und Kaputten, wie der Tag der Seligen, Dummtröpfe, Paradebilen, Teilverwirrten, der Halbidioten, wie der Tag der Narren, Tölpel, Simpel und Toren, wie der Tag der Trottel, Volldeppen und Komplettdefekten.<<

Die ungewöhnliche, den Leser direkt ins Geschehen einbeziehende Du-Perspektive, die zuweilen in eine neutrale, eine Erzählperspektive des „Man“ übergeht, das vage Schwebende der inneren Monologe, die von einer nachgerade naturwissenschaftlichen Versuchsanordnungs-Diktion und einer teilnahmslos-beobachtenden Haltung durchzogen sind, auch die bis ins Detail genauen und lebensechten Darstellungen von Menschen (der Spezies „Kunde“), ohne jede Sentimentalität vorgetragen, haben mich an niemand Geringeren als an Alain Robbe-Grillet denken lassen. Oder auch an Michel Butor. Nicht zufällig sind sie, die Anklänge an den Nouveau Roman.
Sicher, dadurch ist ein nicht gerade plotorientiertes Buch entstanden, Figuren im klassischen Sinne gibt es auch keine; bisweilen erinnert „Kasse 53“ mehr an eine hochironische Einzelhandelsreportage im Stil der späten Sechziger Jahre als an eine konventionell erzählte Geschichte. Und gerade dies macht es in einer Zeit der gesichtslosen und ununterscheidbaren kulturindustriellen Hochproduktion, auch und gerade in der deutschsprachigen Belletristik, zu einem Kleinod. (Zumal das Buch, dies nur am Rande vermerkt, perfekt lektoriert und gestaltet ist. So etwas erlebt man bei Großverlagen schon lange nicht mehr, da muß man zu Achilla-Presse greifen.)
Dieses Buch zu lesen ist höchster Genuß! Vor allem für all die, die Nils Mohls wunderbare Welt zwischen den Zeilen aufzuspüren vermögen.


Schule der Arbeitslosen
Schule der Arbeitslosen
von Joachim Zelter
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefschwarze Humoreske, 6. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Schule der Arbeitslosen (Gebundene Ausgabe)
Die radikalste Abrechnung mit der allenthalben statthabenden Torpedierung des Sozialen, eine tiefschwarze Humoreske, die die Sinnhaftigkeit der Arbeitsagentur unter Dauerbeschuß nimmt. Wer wissen möchte, wie es mit der Arbeitslosigkeit in ein paar Jährchen weitergehen wird, und v.a. mit den Arbeitslosen, kommt um dieses Buch nicht herum. Für mich einer der besten Romane 2006.


High & Low Level Litbizz: Über den Berufs- und Karrierestart von Schriftstellern heute
High & Low Level Litbizz: Über den Berufs- und Karrierestart von Schriftstellern heute
von Nils Mohl
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Muss für Jungautoren, 4. Juni 2006
Seit einigen Jahren, spätestens mit den "Pop-Literaten", wollen all diejenigen, die immer Rockstar oder Schauspieler werden wollten, Schriftsteller werden. Mit einem Buch "Über den Berufs- und Karrierestart von Schriftstellern heute", erschienen bei Artislife Press Hamburg, hat der junge Hamburger Autor Nils Mohl eine Lücke geschlossen zwischen den allenthalben wie Pilze aus dem Boden schießenden "Handbüchern für Autoren" und den Merkantilberichten über das deutsche Verlagswesen.

Es ist eine hochintelligente Untersuchung, ein äußerst fleißig zusammengetragenes Kompendium des deutschprachigen Literaturbusiness, das Mohl vorlegt, und das auf schmalen 160 Seiten. Wo andere geschwafelt hätten, hat der Autor seinen Inhalt und dessen klare und zielsichere Vermittlung im Sinn. Wie bei seiner Kurzprosa sitzt jeder Satz, stimmt jedes Zitat.

Wie bereits das Präfix "High & Low Level" suggeriert, unterscheidet Mohl zwischen dem großen Geschäft im ersten Teil und den Zurüstungen dafür im zweiten Teil des Buches. Der erste konzentriert sich auf eine Analyse des Marktgeschehens der letzten zehn Jahren, und zwar eine Ist-, keine Soll-, oder schlimmer noch: keine moralisierende Sollte-Analyse. Im zweiten Teil präsentiert das Buch Tips und Kniffe für Einsteiger, weshalb es gerade jungen AutorInnen unbedingt zu empfehlen ist.


Pressure Chief
Pressure Chief
Wird angeboten von hifi-max
Preis: EUR 10,90

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen One-CD-Wonder, 1. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Pressure Chief (Audio CD)
Cake klingen wie Calexico, die in einem Topf mit Weichspüler gelandet sind. Oder in einem Kessel guter Laune, aber dabei hart aufgeschlagen. Da ich persönlich schon immer auf diese Sorte musikalisches Wohlaufgelegtsein gern verzichten konnte, zog und ziehe ich gemeinhin Calexico Cake vor. Dennoch waren Cake immer eine meiner erklärten Lieblingsbands der an musikalischen Höhepunkten nicht wenig verwöhnten 90er Jahre.
Nach drei Jahren Abstinenz legt die vierköpfige amerikanische Band nunmehr ihr fünftes Album vor. Vom Konzept her business as usual: elektrisierende Bläser bei gleichzeitiger elektronischer Rhythmussektion, überraschende Subbässe, wie immer grandiose Texte von John McCrea, einem überzeugenden Sänger mit charismatischer Stimme, und sogar der passionierte Gitarrist findet an Xan McCurdys Spiel rasch sein Wohlgefallen.
Pressure Chief beginnt mit drei furiosen Stücken, die an die besten Zeiten von Fashion Nugget erinnern, darunter die sinister treibende Videoauskopplung „No phone". Dann allerdings kippt die ganze CD grauenvoll ins Beliebige, wird zu demselben seichten Weichspülersound, der mich schon auf den letzen beiden Alben zu Tode gelangweilt hat. Die ebenso harm- wie arglose Mischung aus Country-Rock und Pop, der niemandem auch nur ein Härchen krümmt. Optimistische Tragödien aus nostalgischen Kübeln, und davon reichlich ausgeschöpft. Zuwenig, um gut genug zu sein.
Immerhin macht man es kurz und schmerzlos: mit 11 Songs und 36 Minuten Spielzeit besitzt die CD gute LP-Länge. Und warum auch nicht, das könnte das Konzept der Zukunft sein, besonders angesichts dessen, daß mittlerweile 2/3 der Songs auf neueren CDs meist ohnehin nur Schrott sind. Wie würde man bei einem Fußballteam sagen? Drittes maues Spiel in Folge. Das Wohlwollen der Fans, das man mit Fashion Nugget erspielt hat, hat man nun längst wieder verspielt. Es wird höchste Zeit für einen neuen Trainer. Oder ein Wunder. Sonst ist und bleibt die Band aus Sacramento auf ewig ein One-CD-Wonder.


Medúlla
Medúlla
Preis: EUR 6,49

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schön. Anstrengend. Und nicht überzeugend., 2. September 2004
Rezension bezieht sich auf: Medúlla (Audio CD)
Nachdem die letzten drei Jahre wenig von ihr zu hören war - zumindest wenig Fachnahes - legt Björk nun mit "Medulla" ein Album vor, das - fast wäre man veranlaßt zu sagen: mal wieder - ordentlich aus der Reihe tanzt. Oder eher nicht tanzt. Von Tanzen kann hier recht eigentlich gar nicht die Rede sein.
Mit Geräusch-Loops zu arbeiten ist nichts Neues für die Isländerin, schon der Soundtrack zum filmisch entsetzlichen "Dancer in the dark" basierte auf Alltagsgeräuschen, die rhythmisiert wurden und Veranlassung gaben für die eingesprengten Gesangs- und Tanzeinlagen. Auf "Medulla" geht Björk nun indes konsequent ihren Weg, auf jegliche Instrumentierung und "Orchestrierung" zu verzichten. Ihr Konzept lautet: nur die menschliche Stimme sei zu hören. Die Stimme: zerhackt (die Funkaussetzer eines Mobile-Gesprächs) wird sie zum Rhythmusloop, kurze synthetisierte Passagen geben die Begleitung ab, darüber steht, produktionstechnisch erhaben wie eh und je, Björks Gesang. Und auch der wie gewohnt: eigen, eigenwillig, eigenartig, eigenverliebt.
Neben Vokalartistinnen wie Diamanda Galás oder Meredith Monk, die sich schon in den 80ern den Raum geschaffen haben für ihre künstlerischen Kreationen, dafür allerdings auch immer buchstäblich am Existenzminimum kratzten, wirkt Björks Musikwelt irgendwie angestrengt, ausgeborgt, bemüht um Andersartigkeit in dieser ziemlich oberflächlichen und glatten Popwelt der Nuller-Jahre. Ob es "Medulla" wirklich gelingen wird, einem größeren Publikum diese neutönerischen Formen nahezubringen, steht auf einem anderen Blatt. Wahrscheinlich hängt auch das, wie alles, vom rechten Marketing ab. Gut und groß ist eben, was beworben wird.
Sicher ist, daß ich gespannt war wie ein Flitzbogen auf die Gastsänger: Mike Patton (Ex-Faith No More, Tomahawk), Mark Bell (LFO) und Robert Wyatt (u.a. Soft Machine). Nach viermaligem Hören frage ich mich nun allerdings doch recht enttäuscht, wo um alles in der Welt ihre Stimmen versteckt sind. Und ob es nicht günstiger gewesen wäre, sie einfach von CD zu sampeln. Zu viel Tamtam. Zu wenig Egebnis.
Immerhin gelingen Björk auf "Medulla" einige kleine Perlen, die in der allgemeinen Stimmung allzu rasch überhört werden könnten: das atmosphärische "Vökuro", das an altnorwegisch-isländische Volksgesänge angelehnt zu sein scheint, die wunderschöne Ballade "Oceania" oder "Triumph of the heart", der Videoauskopplung, einem der humorigsten und poppigsten Stücke Björks seit "Debut".
Trotzdem überwiegt für den nicht eingefleischten Fan - und der bin ich nicht - das Gefühl, daß "Medulla" nicht ganz durchgearbeitet ist, eventuell ein Schnellschuß, trotz jahrelanger Vorbereitung.
Oder die Idee Vokalsymphonie trägt nicht. So nicht. Oder noch nicht.


Flauberts Papagei. Roman
Flauberts Papagei. Roman
von Julian Barnes
  Taschenbuch

13 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kultbuch für den frustrierten universitären Mittelbau, 23. Januar 2004
Rezension bezieht sich auf: Flauberts Papagei. Roman (Taschenbuch)
Barnes, 1946 in Leicester geboren, Lexikograph, Kritiker, lebt heute als freier Schriftsteller in London.
"Roman" möchte man das Büchlein nicht nennen. Eher "Dozenten-Prosa": Ein britischer Arzt und Hobby-Flaubert-Kenner schwadroniert geläufig und geschwätzig über die komischen und unkomischen Seiten in Flauberts Werk, in Flauberts Apokryphen und seinem Liebesleben. Als Aufhänger dient ein doppelter Papagei, der bei Gustave einst die Muse ersetzte, aber das ist für das endlos mäandernde Buch auch komplett unwichtig. Literarhistorikerhumor. Ein Kultbuch für den frustrierten universitären Mittelbau, für verklemmte AnglistInnen und RomanistInnen, die sich das Buch in miefigen Aulabänken zwischen die Schenkel stecken können und sich dabei verschämt hüstelnd Luft zufächern. Wen wie mich die Worte "causieren" und "parlando" zum Brechen reizen, sollte die Finger davon lassen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 18, 2011 4:51 PM MEST


»Ich«: Roman
»Ich«: Roman
von Wolfgang Hilbig
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

2 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Besoffen durch Kellergewölbe, 23. Januar 2004
Rezension bezieht sich auf: »Ich«: Roman (Gebundene Ausgabe)
Hilbig, Jahrgang 41, in Meuselwitz gebürtig, emigriert 85 in die Bundesrepublik, lebt heute in Berlin (Ost). Mehrfach literarisch vorbestrafter Autor, zuletzt Büchner-Preis 2002.
Das Erzähler-"Ich" ist ein von der Stasi in den 70er und 80er Jahren "geförderter" Schriftsteller, der Ostberliner Szeneautoren nachstellen soll. Er zieht es jedoch vor, durch unendliche Kellergewölbe, die die halbe Stadt durchziehen, zu tapern und sich über das Verhältnis von Literatur und Staat, Staat und Gesellschaft, Literatur und Ich zu brüten (- worüber er nach und nach sein "Ich" verliert und zu einem Erzähler-Er mutiert - ), seine alternde Landlady zu pimpern und mit seinem Führungsoffizier zu saufen. Wenig wirklich gelungene Gedankensplitter und groteske Szenen, die sich zum 89er DDR-Chaos hinschleppen in einem sich auch ansonsten meist besoffen dahinschleppenden Roman, dem nicht geschadet hätte, wenn LektorIn hier oder da genauer hingesehen hätte.


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