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Lück Walter
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Glück ist Lebenslust: Erfüllt leben durch Wohl-FÜHLEN-wollen
Glück ist Lebenslust: Erfüllt leben durch Wohl-FÜHLEN-wollen
von Britta Kanacher
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

5.0 von 5 Sternen Lebenslust wagen, 19. August 2014
Rezension zu dem Buch: Britta Kanacher, Glück ist Lebenslust, BoD 2014

Im Hintergrund des Buches steht eine überzeugende Gesellschaftskritik:

Jeder Mensch wird auf seine für die Wirtschaft und Gesellschaft notwendigen Fähigkeiten reduziert. Er soll optimal eingesetzt werden, um den optimalen Nutzen zu bringen.
Die Menschen sind auf ihre Funktionalität reduziert, alles andere interessiert an einem Menschen nur in dem Zu- und Untergeordnetsein auf dieses Ziel.
Menschen neigen dazu, andere auszubeuten, wenn sie merken, dass dies möglich ist.
Die Menschen müssen an die erwarteten Strukturen angepasst werden und tun dies als so selbstverständlich und unreflektiert freiwillig. Frau Dr. Kanacher nennt sie die "Nur-Dasein- Menschen", was ich als Wortschöpfung sehr schön finde. Die "Nur-Da-Sein-Menschen" powern sich aus und scheffeln Geld als Daseinszweck.
Die Konsumgesellschaft baut sich auf diesen reduzierten Menschen, die die Rolle als "Nur-Dasein-Mensch" angenommen haben, auf. Diese Menschen wollen immer mehr, wollen immer bessere angepriesene Produkte. Sie wollen als Ziel ein neues Auto, ein größeres Auto, neue technische Geräte in der neuesten Version, usw. Sie müssen sich etwas gönnen können und dies zur Schau stellen.
Der Mensch lässt sich auf seine Funkionalität reduzieren, die ausnahmslos auf Wachstum und Rendite als oberstem Wert ausgerichtet ist.

Solche Menschen leben letztlich unzufrieden in einem lustlosen Dasein. Sie sind keine lebendigen Menschen. Um sich lebendig wahrzunehmen, suchen sie die Extremsportarten. Die Erwartungen an sich und an den Sport werden immer mehr gesteigert.
Der Mensch ist nur veräußerlicht und vernachlässigt den eigentlichen menschlichen Ansatz von Gefühlen und Gefühlswelt.
Die Autorin sieht diesen Ansatz darin begründet, dass menschliches Verhalten seit Jahrhunderten ausschließlich an der Vernunft orientiert war, der Mensch sei aber kein reines Vernunftwesen, sondern er sei ein gefühlsbetontes und gefühlsorientiertes Wesen.
Dieser falsche Ansatz führe zu Unzufriedenheit und lustlosem Dasein.

Hierzu möchte ich die folgenden Gedanken zur Vertiefung einbringen, um diesen Ansatz zu bestätigen:
Am Wochenende besuchten wir das schöne Eifelfdörfchen Bad Münstereifel. Dieser beschauliche Ort wurde komplett nach den Bedürfnissen einer neuen Outletausrichtung umgestaltet. In den Geschäftseingängen stehen gleiche Werbeblumentöpfe mit der gleichen Aufschrift, in vielen Geschäften steht groß an der Fassade oder über dem Eingang, dass sie ein Outletgeschäft sind. Ein Investor hat mehr oder weniger das Städtchen aufgekauft und die kommerzielle Ausrichtung betrieben. In dem ehemals beschaulichen Städtchen wimmelte es von Menschen, die sich diese kommerzielle Umgestaltung eines ganzen Städtchens anschauen wollen.
Bisher hatten wir eine Marktwirtschaft, mit Märkten wie sie immer schon bestanden haben. In diesem Beispiel wird als total neue Entwicklungsstufe eine ganze Gemeinde in der geschäftlichen Ausrichtung zu einem einzigen riesigen Marktplatz.

Kritik an diesem Ansatz:
Alles wird zur Ware. Dieser Tage entfachte ein Fußballweltmeister eine öffentliche Kritik, indem er thematisierte, dass Fußballspieler über ihre Köpfe hinweg weltweit vermarktet werden in Richtung besserem Kapitaleinsatz. Die Gesellschaft ist nur um die ökonomischen Interessen organisiert.
Damit werden die Menschen und die Erde zerstört.
Da die Naturressourcen auf äußerst räuberische Weise ausgebeutet werden, werden ganze Ökosysteme verwüstet, Wasser, Luft und Lebensmittel werden kontaminiert oder technisch verändert.

Die Autorin legt keine bloße Gesellschaftskritik vor, sondern zeigt auf, wie ganz persönliche Veränderungsoptionen weiterführen können.
Zwei Punkte scheinen mir besonders aufschlussreich zu sein:

Viele Menschen leiden unter psychosomatischen Beschwerden.
Wir müssten also mehr auf unseren Körper hören.
Im Verlaufe des Lebens gehen Ereignisse und Gefühle nicht spurlos an einem Menschen vorbei. Gefühle und Erinnerungen werden in Teilen des Gehirns gespeichert, zu denen man aber mit der Vernunft keinen Zugang hat.

Die gängigen abendländischen Lebensziele wie materieller Wohlstand, beruflicher Erfolg und Macht werden kritisch unter die Lupe genommen:

Dabei wird letztlich die Verlogenheit der Grundpfeiler, auf dem die Gesellschaft beruht, kritisch zur Sprache gebracht:

Frau Dr. Kanacher fragt:

Stimmt es, dass jeder im Leben etwas erreicht, wenn er fleißig ist?
Die Autorin gibt zu bedenken, dass Beziehungen auch in einer aufgeklärten Gesellschaft immer noch wichtige Grundlage für alles sind.
Ferner braucht man ein notwendiges Grundkapital.

Stimmt es, dass man immer mehr Geld braucht, um glücklich zu sein?
Dies ist eine Illusion der Konsumgesellschaft. Die Reichen sind eher anfällig für Depressionen und Burnout.

Stimmt es, dass jeder alles erreichen kann?
"Vom Tellerwäscher zum Millionär" ist ein Bild voller Hoffnung und Illusion der Konsumgesellschaft.

Bringt mehr Bildung mehr Erfolg?
Heute wimmelt es von akademisch gebildeten Arbeitslosen. Die Autorin als promovierte Geisteswissenschaftlerin war längere Zeit arbeitslos und lebte von Hartz IV.
Auch hier verweist die Autorin wieder auf die Bedeutung von Beziehungen und Geldpolster.

Welches Bild vom Menschen setzt die Autorin diesem hoffnungslosen Menschenbild, wie es unsere Gesellschaft prägt oder bestimmt, entgegen?

Sie zitiert D. Lostado:
"Glück ist nicht das Ziel des Lebens, es ist das Ergebnis einer Lebensweise" .
Erfolg spiegele sich in persönlichem Wachstum, nicht in der Höhe des Kontostandes.

Man muss den Ist-Zustand sehen, ohne Beschönigung, ohne Augenverschließen, ohne Zurückweisen der darin begründeten Forderung an einen selbst. "Nur-Dasein-Menschentum" ohne Tiefgang kann ja nicht die gesuchte Alternative sein.

Wirkliche Lebensqualität kann man in lebendigen Beziehungen suchen: lebendige Beziehungen zu Menschen, zu Tieren, zu seinem Garten, zur gesamten Natur, zu den Schönheiten der Erde, nicht zu den Stellen, wo sie verwundet und zerstört wird.

Wir müssen unsere Vergangenheit akzeptieren, als Teil unseres Lebens. Die Vergangenheit gehört zu mir.
Zu den Erinnerungen von im Gehirn für immer abgelegten Fakten: Ich kann belastende Erinnerungen aufarbeiten, sie versprachlichen, sie mit anderen Menschen durchgehen.
Und: Erinnerungen sind ja nicht nur belastend, und deshalb bearbeitet werden müssen, um den Charakter des Belastens zu verlieren, um quasi unschädlich gemacht zu werden, neutralisiert zu werden, sondern Erinnerungen sind ja genauso lebensfördernd, aufbauend, also oft positiv. Solche Erinnerungen halte ich am Leben, erinnere mich bewusst, suche Stätten auf, die mir lieb geworden waren, schaue alte Fotos an usw.
Ich kann mit Erinnerungen ganz unterschiedlich umgehen.
Es geht um eine bewusste Akzeptanz der ursprünglich belastenden Ereignisse und um Genießen und Verweilen in Erinnerungen, die uns glücklich stimmen.
Tatsachen der Vergangenheit kann ich nicht ändern, aber die Erinnerungen kann ich verarbeiten, neutralisieren und die krankmachenden Gefühle, wie sie in dem emotionalen Gehirn gespeichert sind, wozu ich rational keinen Zugriff habe, vergesundheiten.

Dem gesellschaftlichen Erwartungsdruck auf äußere vorzeigbare materielle Anhäufungen sollte ich nicht entsprechen und die Lebenslügen der Konsumgesellschaft, soweit sie Glaubenssätze der Gesellschaft sind, durchschauen.

Mehr äußere Kritik an dem Buch:

Die Autorin spricht von kollektiven Persönlichkeitdsdefekten. Diese Sicht des Menschen ist doch konsequent, originell und bedenkenswert!

In dem Buch wird der Leser nicht permanent zu Übungen und Aufforderungen zur Selbstreflexion genervt, sondern die Autorin, eine promovierte Geisteswissenschaftlerin, zeigt die Lebensgrundlagen des Menschen aus ihrer Sicht auf, wie sie alles innerst erlebt hat und erlebt. Das sind keine unverarbeiteten angelesenen Darstellungen. Dies macht das Buch sehr lebendig und anschaulich, will und kann aber keine wissenschaftliche Gesellschaftskritik ersetzen. Gerade durch diesen Ansatz gewinnen Leser leichter Zugang zu zeitgemäßen gesellschaftlichen und anthropologischen Sichtweisen.

Diese Gesellschaftskritik wird den Leser durch ihre Erkenntnisse, zu denen man hingeleitet wird, in ganz persönliche Veränderungsoptionen münden lassen. (überführen, Transfervorbereitung leisten).

Fazit für den Leser, wie es die Autorin sieht:
Pfeiler des Lebens sind Aktivität und Selbstvertrauen.

Aktiv kann ich Leben gestalten, an mir arbeiten, verdrängte Gefühle heben und unschädlich machen, die Autorin zeigt, wie ich etwas bewegen und verändern kann: in Selbstvertrauen und in Vertrauen in die eigene Kraft keine vorgegebenen Lebenslügen annehmen.

Infolge des Grundansatzes und in der überschneidenden Thematik ist das von Frau Dr. Kanacher engagiert und sehr persönlich geschriebene Buch als Ergänzung zu meinem Buch: "Leben wagen Herausforderungen annehmen" in seiner einfachen und anschaulichen Sprache sehr zu empfehlen.


Leben wagen - Herausforderungen annehmen: Erfahrungen und Besinnungen hin zum One-Bewusstsein
Leben wagen - Herausforderungen annehmen: Erfahrungen und Besinnungen hin zum One-Bewusstsein
von Walter Lück
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 23,99

5.0 von 5 Sternen Ausgangspunkte des Buches, 25. April 2014
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Ausgangspunkte des Buches
Walter Lück Leben wagen - Herausforderungen annehmen

Die fünf monotheistischen Religionen beanspruchen, jede für sich, gegenüber den anderen, im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein.
Aus ihrer Geschichte wissen wir, wie sie sich bekämpft haben,
Stichwörter: Kreuzzüge, Hexenverbrennung, bekannte Fehlverhalten von Kirchenmännern bis zu den Päpsten hin.
Warum sollte also eine einzige Religion alleinige Wahrheit haben und die Menschen diesen Tatbestand akzeptieren?

Aus dem Glaubensverdruss heraus wenden sich viele Gläubige esoterischen Richtungen und östlichen Richtungen zu. Diese sind dann, weil weitgehend nicht bekannt, historisch nicht so belastet. Die vom Menschen geforderte Glaubenstiefe ist auch nicht so zwingend. Wer sein Kind in eine anthroposophische Schule (Waldorfschule) schickt, muss sich im Extremfall nicht um die Philosophie von Steiner kümmern. Wer ein christliches Krankenhaus den öffentlichen vorzieht, ebenso bei der Schulwahl für freie Schulen, muss sich mit den jeweiligen geistigen Grundlagen nicht auseinandersetzen. Wer am Wegesrand, aus den verschiedensten Vorgaben und Motiven heraus, Regenwürmer und Kleinlebewesen aufsammelt und zu einer besser geschützten anderen Straßenseite trägt, muss im Leben doch nicht umfassend oder gar zwingend dem ökologischen Denken verpflichtet sein. Wenn eine Lehrerin demonstrativ in den Pausen auf dem Schulhof weggeworfene Essensreste sammelt, kann dies auch eine Demonstration sein, um öffentlich einen guten Charakter vorgeben zu können, was ja ganz hilfreich sein kann für vordergründige Zwecke der Außendarstellung.
Esoterik und östliche Religionen auf einer ganz pragmatischen Ebene sind förderlich für das gedeihliche Zusammenleben. Über die zugrunde liegende Geisteshaltung, die ganz konkret praktiziert und innerlich gelebt wird, sagen sie nichts zwingend aus.

Mithin stelle ich fest:
Der alleinige Anspruch der Religionen auf alleinigen Wahrheitsbesitz kann es in der heutigen Zeit nicht mehr sein. Das Leben, ganz pragmatisch ausgerichtet auf eine vertiefte Lebensgestaltung in Richtung auf: mehr Achtsamkeit, Achtung vor dem Leben, kann doch unseren verloren gegangenen Glauben nicht ersetzen.

Und da kommt mein Ansatz ins Spiel: Gott, das Transzendente, das Eigentliche, das Leben kann nicht außerhalb von uns gesucht werden, sondern ist in unserem Tiefsten und Innersten, das, in dem und aus dem wir leben. Alle Menschen sind 'göttlich' von ihren Gegebenheiten und zu verwirklichenden Möglichkeiten her, alles ist gut, wie es ist: Das muss man einfach mehrfach im Leben erfahren haben, wenn man sich immer wieder ernsthaft mit dem Leben in seinen konkreten Gegebenheiten auseinandersetzt; also nicht als vorgefertigter übernommener Spruch, sondern aus den persönlichen Erfahrungen heraus. Und nebenbei oder gerade deswegen sollten wir allen Menschen helfen, die schönen Erfahrungen des Lebens machen zu können. Wer sich nicht um sein Werden kümmert, für den "fallen" Begebenheiten immer wieder "vom Himmel", die wir dann abweisen müssen, nicht an uns herankommen lassen; die Auseinandersetzung als Steilvorlagen des Lebens abweisen und verdrängen statt sie aufzunehmen als Chance für sich und den Begegnenden. Leben aber ist ein Wachsen (auch!) an Widerständen, indem wir uns pragmatisch u n d darüber hinaus nach Erledigung der pragmatischen Sicht und Ebene in der transzendenten Ebene auseinandersetzen. Transzendente Auseinandersetzung, transzendent ausgerichtetes Werden ist für mich Verwahrheiten und Verreinheiten, in der jeweils erreichbaren, aufreißbaren und anreißbaren Ebene, wo ich inneres Wachsen beglückend erfahre. Und von diesem Ansatz her kann ich dann die Aussagen der Religionen wohlwollend mich bereichernd aufnehmen, soweit sie meinen Weg in das Innere fördern. Selbst der Gedanke der Wiedergeburt ist doch kein Problem. Von den Gedanken der Evolution her, bis dieser Tatbestand von der Kirche anerkannt wurde, werden musste, war es ein langer schmerzlicher Weg mit der Kirche. Mein damaliger katholischer Schulleiter sagte, als wir ihn mit der von ihm abgelehnten Evolutionstheorie konfrontierten : Wenn ihr von den Affen abstammt, dann ist es so. Ich jedenfalls stamme von Gott ab. Es ist inzwischen doch unbestritten, dass die Aussagen gegen die Evolutionstheorien auch nicht mehr von Christen ernsthaft vorgetragen werden. Wir tragen das Erbe der Menschheit in uns. Und wir arbeiten an der Zukunft und Zukunftsfähigkeit der Menschheit mit, indem wir positiv willentlich so leben, dass die Schöpfung bewahrt werden kann.- Es geht ja immer um vorgegebene Glaubenstatbestände, die wir von dem vordergründigen Verstehen wegholen hin zu einem geistigen Erfassen in letzter uns jeweils innerlich zugänglicher Tiefe. Das Beispiel zeigt aber auch, wie zäh Religion an über durch Wissenschaft überholten Tatbeständen haften kann, die anschließend so einfach über Bord gehen, weil dies, was Jahrhunderte geglaubt werden musste, einfach nicht mehr haltbar ist.

Meine Tiefe erarbeite ich ein Leben lang, von einer Auseinandersetzung/Erfahrung zur nächsten. Glück und Lebensaufgabe und Lebenssinn bestehen darin, Leben anzunehmen, ohne es mit verordneten Scheuklappen abzustoßen. Was heute Glaubenstatbestand ist, wofür historisch gestorben werden musste und immer noch wird, was danach in späteren Jahrhunderten dann nur noch ein müdes Lächeln hervorrufen kann, wenn dies als Vorwand dient, um die Transzendenz zu dem Eigentlichen im Menschen abzuweisen, zu bekämpfen oder lächerlich zu machen. Ich finde es wunderbar, wie unsere Bestseller der Kirchenkritik (besonders Sloterdijk, Flasch) den Nerv der Zeit treffen, wenn sie Glaubenstatbestände als von der Wissenschaft überholt darstellen, Widersprüche in Kirchenaussagen sehen, Verbrechen der Kirchen ungeschminkt darstellen. Dies ist ein Reinigungsprozess, aber innerlich bringt uns dies allein zunächst nicht weiter.

Mein Ansatz ist : Verwahrheiten und Verreinheiten als Lebensaufgabe.

Ich muss mich nicht mit angeblichen, missbrauchten Vorgaben eines äußeren Gottes und seinen selbst ernannten Bevollmächtigten auf Erden auseinandersetzen. Das kann ich nebenbei, und gut ist es, bringt mich aber innerlich nicht weiter.
Ich gehe vielmehr in die Tiefe. Ich nehme mir viel Zeit und Lebenskraft, um mich mit den Widerfahrnissen und ihren Wirkungen auf mich auseinanderzusetzen. Ich frage mich immer: Welches Weltbild hat der andere, der mit mir in geistigen Austausch kommt? Kann mich dies bereichern, dass ich mehr, vertiefter, glücklicher Mensch werde, oder ist es jeweils ohne Substanz für mich? Und da geht es nicht um gelehrte Gespräche. Dieser Tage hatte ich ein langes Gespräch mit einem "grünen Engel" im Krankenhaus. Es ist eine Dame, die vor dem Operationssaal des Krankenhauses Kranke anspricht, wenn und wo gewünscht, sie tröstet und kleine Hilfestellungen gibt. Wie entwickelt sich die Seele einer solchen Frau, die tagtäglich mit den Operierten in Hoffnung oder auch Niedergeschlagenheit in den Grenzsituationen ihres Lebens umgeht? Da wird mehr Lebenssicht sichtbar als in hunderten Gesprächen mit den Leeren, den Aufgeblasenen, den vermeintlich Zeitnutzenden für Wegwerftätigkeiten, die Zeitstaubsauger sein können.
Immer wieder greife ich in meinem Buch Begebenheiten auf, die es wert sind, bedacht zu werden. Da geht es nicht um Fehlverhalten oder Begebenheiten, die auch in einer pragmatischen Ebene ohne jede Bedeutung sind.

Und dabei stelle ich fest: Menschen werden in Grenzsituationen am meisten aufgerissen, auch wenn sie diese dann ein Leben lang verdrängen und Fehlverhalten aggressiv verteidigen, wo sie sich stellen müssen.
Grenzsituationen ergeben sich auch, wo die Menschen überfordert sind. Ich erinnere mich, wie ich als Abiturprotokollant alle Protokollblätter falsch eingetragen hatte. Ich war, wie vom Blitz getroffen, erst mal verzweifelt. Wie konnte mir, der ich alles so gewissenhaft mache, diese Bloßstellung im Team der Prüfenden passieren? Und mein damaliger Schulleiter brachte für mich mit wenigen Anweisungen und konkreten Hilfestellungen alles liebevoll in Ordnung. Da kann man dann sein wahres Gesicht zeigen, übrigens gilt dies für beide Betroffene.

Wir leben in zwei Ebenen: in der pragmatischen Ebene u n d in der Ebene der Liebe. Zur Pragmatik gehören Gesetz, Vorschriften, nüchternes Kalkül. Und in die transzendente Ebene der Liebe gehört, dass ich keine Fehler in den Vordergrund stelle, keine suche um meiner Vorteile willen, um andere auszubremsen, sondern weil alles aus dem Innersten kommt.


Der Herr ist nicht im Himmel: Sprachstörungen in der Rede von Gott. Mit Audio-CD (Schriften zur Glaubensreform, Band 2)
Der Herr ist nicht im Himmel: Sprachstörungen in der Rede von Gott. Mit Audio-CD (Schriften zur Glaubensreform, Band 2)
von Hubertus Halbfas
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,99

11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Versöhnung mit dem Christentum, 21. November 2013
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Versöhnung mit dem Christentum.doc
Versöhnung mit dem Christentum

Der Autor setzt sich mit dem doppelstöckigen theistischen Weltbild auseinander. Es gibt für ihn keine übernatürliche Welt, von der das Diesseits abhängig wäre. Der Himmel ist für ihn leer. Die fremde Sprache in den Gebeten und Liedern erscheint ihm ohne ein gesundes Verhältnis zur Gegenwartskultur.

Er versucht den Werdegang dieser Entwicklung zu analysieren und zu verstehen:

In den Kulturen der alten Welt war die eigentlich bedeutende Welt in der Höhe angesiedelt, als Welt der Götter, wo es kein Leid, keinen Tod, keine Unvollkommenheit gab. Es gab unterschiedliche Ränge der Engel wie in einem Hofstaat, es gab besondere Fürsprecher für die Nöte der Menschen.
Wo die eigenen Lösungswege versagen, hilft nur noch Beten und Erflehen himmlischer Intervention.

Antiken Menschen galten visionäre Erfahrungen als eine Stimme aus der Transzendenz.
Erschien ein echter Ekstatiker wie Paulus, überwältigt von einem Erlebnis, traf er auf Menschen, die von einem Kontakthunger gegenüber der Transzendenz erfüllt waren. So wurde er ernst genommen und wirkte suggestiv.

Die Zehn- Gebote wurden von Menschen erarbeitet, die überzeugt waren, dass es Gottes Wille ist, das Lebensrecht jedes Menschen zu sichern. Was man als geboten und notwendig ansah, legte man Gott in den Mund.
Der Wille Gottes - da geht es aber auch oft um die eigenen Interessen der Kirche.

Engel sind den Hirten tatsächlich erschienen und haben die Geburt des Heilands verkündet.
Bei der Taufe Jesu hat sich der Himmel wirklich geöffnet.
Jesus konnte über den See gehen und nach seiner Auferstehung bei geschlossenen Türen Räume betreten.
Dieses wortwörtliche Verstehen ist für den Evangelisten nicht zu bestreiten. Aber dies sind keine historischen Vorgänge.

Solche visionären Erfahrungen gibt es:

C.G. Jung:
erlebte in einer Krankheit immerwährende Seligkeit, Visionen und Erlebnisse waren ihm vollkommen real. Wir sollten diese Tiefe in Erfahrungen, die als wirklich und bewusst gemacht worden sind, nicht einfach abtun. Wir müssen trennen zwischen subjektivem Erleben und historisch nachprüfbaren Fakten.

Diese himmlische Parallelwelt wurde immer stärker eingegrenzt

seit Galilei.
Blitzableiter verdrängen geweihte Kerzen, Kunstdünger und Agrardünger ersetzen die Bittprozessionen um das Gedeihen der Ernte wirksamer.
Im 17. Jahrhundert gab es noch Hexenwahn und Teufelsglauben.
Doch eine jenseitige Welt zur Erklärung diesseitiger Phänomene wird immer mehr überflüssig.
Französische Revolution und Erklärung der Menschenrechte führten zu einem Prozess demokratischer Autonomie, was von Gläubigen verurteilt wurde, Prinzipien die sich aber heute durchgesetzt haben.
Die Kirche hat auf die wissenschaftlichen Herausforderung mit ihren Gegenmitteln von Zensur, Schreibe-, Lese- und Redeverbot unglücklich reagiert.
Marx, Nietzsche, Feuerbach, Freud führten zu dem beschriebenen Untergang der Parallelwelt.
Gott gibt zur Erklärung des Unbekannten nichts mehr her. Erdbeben, Überschwemmungen, Seuchen, Krankheiten, Wettergeschehen,
das sind Fragen der wissenschaftlichen Welterklärung, in Sachbereichen der Wissenschaften ist Gott systemfremd und störend.

Gegen den Verfall religiöser Tradition und anstatt nur zu tradieren muss sich die Kirche von Generation zu Generation erneuern, umbauen, anpassen, reparieren.

Die Religion hat es mit der Auslegung des menschlichen Daseins zu tun, im Aufschließen eigener Erfahrung für neue tiefergehende Erfahrung.

Gott ist der Namen für unendliche Tiefe und unerschöpflicher Grund allen Seins.

Nur wenn das Leben keine Tiefe hat, seicht ist, Sein selbst nur Oberfläche ist,
dann wäre man Atheist.
Doch wer um die Tiefe weiß, der weiß auch um Gott.

Jesu Tod war der Tod eines Propheten, der für sein öffentliches Auftreten büsste, ähnlich Martin Luther King oder Romero.
Das Kreuz in unseren Kirchen mahnt, jene zu erkennen, die vor unseren Augen gekreuzigt werden.
Wenn wir Jesus nur anbeten, werden wir ihm nicht folgen. Das Göttliche, das ihn erfüllte, soll in jedem Menschen zum Durchbruch kommen.
Unsere lebenslange Selbsterfahrung soll verschränkt sein mit Gotteserfahrung.

Halbfas reißt ein ganz anderes Weltbild für die heutige Zeit an:

Er zitiert ausführlich Eckhart:
Was die Schultheologie Christus allein vorbehält, spricht Eckhart jedem Menschen zu.
Alles, was die Heilige Schrift über Christus sagt, das bewahrheitet sich völlig an jedem guten und göttlichen Menschen.
Alles, was Gott seinem Sohn in der menschlichen Natur gegeben hat, das hat er alles auch jedem Menschen gegeben.

Zum Weltbild der modernen Physik verweist er auch auf Max Born.
Max Born sagt:
Im Fußballspiel wird das Zuschauen begleitet von Applaus und Pfeifen, dieses Beteiligtsein am Geschehen hat seinen ausgeprägten Einfluss auf Schnelligkeit und Konzentration der Spieler.

Zur Kritik an der zweigeteilten Welt verweist er auf den Zen-Meister Seng-tsan.

Gott sei kein Gegenüber, keine Abgrenzung, sondern der leere Grund. aus dem alles fließt. Sein Name ist Tao, Brahman, göttlicher Geist, EINE

Die Mystik kannte zu keiner Zeit eine zweigeteilte Welt.
Einen außerweltlichen Gott, der quasi über der Welt und allem schwebt, hat es nie gegeben.

Bewertung:
Auf der Rückseite des Buches steht: "Ein befreiendes Buch!"
Hubertus Halbfas greift die Position des Christentums an, soweit sie nicht mehr haltbar ist. Seine Kritikpunkte drücken eine respektvolle wohlwollende Grundhaltung aus, weil er ganz klar trennen kann von bekannten und akzeptierten und allgemein bekannten Entwicklungen, wo "Fehler" der Kirche, aus dem heutigen Verständnis heraus, ganz einfach aus der Entwicklung heraus verstanden und erklärt werden können.
Er trennt prägnant das religiöses Weltbild von dem wissenschaftlichen Weltbild, er sieht die mythische Einbettung der Menschheit für die Zeit hilfreich und nachvollziehbar.
Letztlich ist die große Stärke dieser Entwicklung des Autors, dass er von dem Weltbild der zweigeteilten Welt wegkommt und die Einheit von allem sieht, wie sie durch Eckhart für das Christentum erarbeitet worden ist.

Damit nimmt er allerdings eine Position ein, die von der offiziellen Kirche nicht gedeckt ist. Als Professor für Religionspädagogik kann er sich diesen Notwendigkeiten für die Weiterentwicklung der Glaubensgrundlagen nicht verschließen sondern sie aktiv mit weitertreiben.

Dieses mutige wohlwollendes Buch fern jeglicher Effekthascherei bewerte ich mit 5 Punkten.


Die geprügelte Generation: Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen
Die geprügelte Generation: Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen
von Ingrid Müller-Münch
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

4 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die ganz normale Kindheit, 12. November 2013
Die ganz normale Kindheit

In
[...]
finde ich folgende Informationen zur Autorin: In ihrer Kindheit wurde der Vater abends mit den Worten begrüßt: Das Kind hat heute Widerworte gegeben. Der Vater holte den Kochlöffel aus der Küchenschublade und ging mit der Autorin ins Wohnzimmer. "Und dann setzte es was. Aber nicht zu knapp".

Dies sei eine für die 50er und auch die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ganz normale Kindheit gewesen.

Und dies sei alles so normal gewesen, dass sie nie mit jemandem darüber gesprochen habe, weder mit Freunden noch in der Freizeit oder in politischen Diskussionen, "einfach nie".

Es wusste doch jeder, dass man zu Hause "Senge" bekommen hatte, weshalb also darüber reden.

Die Autorin sieht im Rückblick als oftmals lang anhaltende Folgeschäden solcher Misshandlungen, die die Kinder damals als ganz normal erlitten hatten:
mangelndes Selbstbewusstsein, Depressionen, Unsicherheit, Ängste.
Zu den tiefen Verletzungen aufgrund dieser tiefen Verletzungen schreibt die Autorin dieses Buch mit dem Titel "Die geprügelte Generation".

Sie will zeigen, dass es um die ganz normale Erziehung in dem o. a. Zeitraum ging. Es sind Porträts von Menschen, die noch immer, egal wie alt sie in der Zwischenzeit geworden sind, "mit den Dämonen kämpfen müssen", die ihnen die Eltern eingebläut haben.

Jeder Leser wird sich in den Schilderungen und Gedanken hierzu mit hohem Interesse herausgefordert sehen. Dazu hat das Buch 5 Sterne verdient.

Kritische Gedanken:
Zur These: Jedes geprügelte Kind schleppe einen schmerzhaften Ausdruck von Verachtung, der durch das Schlagen ausgedrückt werde, mit sich herum.

Da ich dieser Generation angehöre, habe ich dieses selbstverständliche Bestrafen auch erlebt. Ich habe dies aber nicht als Ausdruck von Verachtung empfunden. Man kann in vielen pädagogischen Ratgebern von früher nachlesen, dass da durchaus Liebe als entgegengebrachtes Grundgefühl war.
"Wer seinen Sohn liebt, der züchtigt ihn", war durchaus nicht ironisch oder verletzend gemeint. Ich hatte immer das Gefühl, dass dieses Bestrafen dem Vater weh tat, dass es aber sein musste, und mir ist es aus der Einstellung dieser Generation, die wünschte, dass ihre Kinder Lebenschancen nicht leichtfertig wegwerfen und verschenken sollten, verständlich.

Zur These:
Jedes Kind wurde psychisch geschädigt.
Hier habe ich den Vergleich mit meinem Schwager. Dieser erzählte ein Leben lang mit und ohne ein Glas Bier, wie er als Kind immer geschlagen worden sei.
Er wollte den Eltern Schuldgefühle kultivieren, um daraus seine ganz persönlichen Vorteile zu ziehen. Die Eltern waren Schuld daran, dass er die Schule nicht länger besuchte oder mit besseren Ergebnissen abschnitt, die Eltern waren schuld, dass er keine Lust und Kraft hatte, sich eine eigene Existenz aufzubauen, während er offensichtlich alle Möglichkeiten und Chancen, die sie ihm boten und die ihm das Leben bot, mit Fußen trat.

Hier geht es wieder um ein Beispiel zu stetigen gesellschaftlichen Entwicklungen. Das allgemeine Recht kann in jeder Generation ganz anders lauten; wer früher die später dann als allgemeine Rechtsaufassung geltenden Überzeugungen hatte, war in der jeweils zuvorgehenden Generation in Widerspruch zur geltenden Auffassung der Gesellschaft. Niemals darf etwas als absolut angesehen werden, nur weil es jeweils geltende allgemeine vorgegebene Überzeugung ist. Dies gilt für gesellschaftliche Entwicklungen und erst recht- und damit werde ich mich ja nachfolgend ausführlich auseinandersetzen- für religiöse Entwicklungen in meinen Rezensionen zu Rohr, Sloterdijk, Flasch.

1958 verschwand das Recht des Vaters auf ein "angemessenes Zuchtmittel" aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB).
1968 entschied der Bundesgerichtshof, dass Eltern weiterhin " eine Befugnis zur maßvollen körperliche Züchtigung" haben, damals ging es um die Anwendung eines 1,4 cm starken Wasserschlauches.
2000 sorgte dann der Bundestag dafür, dass das Recht jeden Kindes auf gewaltfreie Erziehung im BGB verankert wurde.

Und ferner ist festzuhalten, dass wir uns immer abgrenzen müssen von Forderungen, die entgegen unserem menschlichen Grundverständnis stehen.
Es geht mir nicht um die abartigen und krankhaften Verhaltensweisen, die in den Medien großes Interesse finden, wenn beispielsweise ein Kind gezwungen wurde, Erbrochenes wieder aufzuessen, oder wenn ein Kind, das einnässt, damit bestraft wurde, dass alle Kinder der Gruppe aufgefordert worden sind, das Kind zu schlagen.
Interessant ist auch, wenn die Grünen bei einzelnen Thesen zur Pädophilie später zurückruderten, dass es in der Entwicklung nach vorne entweder unaufhaltbare Entwicklungen gibt oder aber es geht um krankhafte geächtete Empfindungen, was dann noch nicht entschieden ist, was sich durchsetzt.

Fazit:

Man macht es sich allzu leicht, wenn man mit den Möglichkeiten von heute die Vergangenheit beurteilen will.
Mich interessiert immer ganz unspektakulär, wie die durchschnittlichen Menschen jeweils in ihrer Zeit empfunden haben, Auch spektakuläre Einzelfälle von Abweichungen, die in Richtung Krankheiten und Gesetzesübertretungen wider das gesunde Empfinden gehen, sollen nicht im Mittelpunkt meines Nachdenkens sein.


Das Wahre Selbst: Werden, wer wir wirklich sind
Das Wahre Selbst: Werden, wer wir wirklich sind
von Richard Rohr
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

12 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch zur Grundlegung eines Verständnisses für ein aufziehendes neues Schisma, 30. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension zu Richard Rohr Das wahre Selbst.doc
Thema: Ein Buch zur Grundlegung eines Verständnisses für ein
aufziehendes neues Schisma

In dem Buch finde ich ein wunderbares Zitat, das den ganz anderen Ansatz von Rohr gut erklären lässt:

" In der Geschichte des Christentums war man im Wesentlichen damit beschäftigt, ein christliches falsches Selbst zu schmücken und zu maskieren! Wir haben es getauft, konfirmiert oder gefirmt, verheiratet und Christen dazu gebracht, "zur Kirche" zu gehen, anstatt wahrzunehmen, dass sie die Kirche sind. Wir haben einem Selbst die heilige Kommunion gereicht, das weitgehend unfähig zu jeder Art von Kommunikation und Gemeinschaft war, und ja, wir haben viele Falsche Selbste zu Priestern, Predigern, Bischöfen und Päpsten geweiht und gewählt, die ihr Wahres Selbst nicht kannten und nicht wussten, wie sie es in Gott genießen sollten. Das ist ein Anlass zu großem Kummer und großer Trauer, nicht zu Hass und Verachtung, und ich hoffe, ich bringe das auf konstruktive Weise zum Ausdruck." (Seite 127)

Rohr spricht klare Worte:
- ein falsches Selbst wurde maskiert-- Christentum wurde also von ihm von Grund auf als unehrlich eingeschätzt,
- nicht Kommunion, Kommunikation, Gemeinschaft wurde gesucht, sondern Verabreichung äußerlich gebliebener Sakramente,
- selbst Päpste und Bischöfe hatten keinen ehrlichen Genuss an diesem Christentum.

Da muss in der Geschichte der Religionsausbreitung ja einiges verdammt schief gelaufen sein!
Und zu Recht haben heute Kirchenkritiker Bestseller geschrieben (Küng: Ist die Kirche noch zu retten? Flasch: Warum ich kein Christ bin. Sloterdijk: Im Schatten des Sinai), ohne dass dies Klarheit in die Ursachen bringen kann.

Zunächst einmal wird übersehen: Jahwes Sorge -und das bezieht sich auf das Alte Testament- gilt vor allem der Gruppe, sein Bund wird mit dem ganzen Israel geschlossen, nicht nur mit einzelnen Juden. Aus unserem übertriebenen Individualismus des Westens haben wir keinen inneren Zugang zu diesem für die damalige Zeit gegebenen Ansatz. Daher Fehleinschätzungen von Flasch, Küng, Sloterdijk.

Mich wundert, wie vor dem Hintergrund des heutigen Zeitgeistes und der Daseinsmöglichkeiten früheren Daseinsbedingungen das Faktische von den Kirchenkritikern abgewertet werden muss.

Vor 800 vor Christus standen allem Anschein nach die meisten Menschen in Verbindung mit Gott und mit der Wirklichkeit: durch Mythen, Dichtung, Tanz, Musik, Fruchtbarkeit und Natur.
Eine Welt, in der es nur ums Überleben ging, aber die Menschen waren psychisch gesünder.
Es war eine gefährliche Welt, aber die Menschen hatten das ehrliche tiefe Gefühl der Zugehörigkeit, zu einem ganz und gar verzauberten Universum, in einem Gefühl ursprünglicher Einheit.

Wenn es im Inneren nicht so viel Grund zur Freude gibt, bleibt einem ja nichts anderes übrig, als sich anderen überlegen zu fühlen und sich von ihnen abzutrennen. (Die Leute mussten bei der Stange gehalten werden, mit den damals noch möglichen und durchsetzbaren Tricks, selbst am Gottesdienst einer anderen Gruppe teilzunehmen war doch schwere Sünde!)

In einer Prüfung zur Geographie von Norwegen zählte ich als Student die Möglichkeiten auf, die ein kleines Land im Norden ohne damals bekannte Bodenschätze hatte, unter anderem Seefahrt und Rauben. Ein Dozent fand dieses Ansinnen völlig abwegig, - allein, es ging doch darum, was den Menschen zum Überleben überhaupt möglich war. Es muss doch immer der zeitgenössische Rahmen mit seinen damaligen Möglichkeiten gesehen werden.
Die Geschichte zeigt: Zum Überleben aßen Menschen beispielsweise bei Flugzeugabstürzen Menschenfleisch. Die Einhaltung unserer ethischen Maßstäbe weltfremd in andere Zeitepochen allgemein zu erwarten, ist doch naiv.

Und das ergibt doch den entscheidenden Punkt: Muss ich die Religionen nach dem unverfälschten Geist von Jesus betrachten oder aus der Entwicklung des darauf zurückführenden Christentums mit all seinen Irrwegen, die doch nicht mehr geleugnet werden können und wozu jedes Buch Fleiß, Gelehrsamkeit, Wissenschaftlichkeit oder einfach nur Hass und nicht abgebaute Frustration beinhaltet.
Mit anderen Worten: Gehen wir auf den Geist Christi zurück, zurück zu den Wurzeln, oder schlagen wir uns damit herum, wie und was alles schief gelaufen ist, weil da eine klerikale Schicht ihre Vorrangstellung lebte und ausbaute, teils in ehrlichem Glauben, den Menschen zu helfen im Rahmen der damaligen Möglichkeiten.

Unter Machterhaltungsaspekten hat die Kirche alles -und ich füge hinzu- nicht nur zu ihrem Wohl, sondern weitgehend auch zum Wohl des damaligen Menschen richtig getan: die Menschen wurden von außen her getrieben!
Sie tun, was sie müssen, weil sie im Diesseitigen und Jenseitigen eine Strafe befürchten und daran glauben.
Die Vorstellung von Religion wurde zu einer Ansammlung von Gesetzen, Forderungen, Reinheitsgeboten, Einschränkungen.

Eine richtig spannende Geschichte:
Bei jeder Teilung oder Trennung haben die Gruppen je eine Hälfte des Evangeliums verloren, beginnend mit dem Großen Schisma von 1054, als die Leiter der Ost- und Westküste sich gegenseitig exkommunizierten. Derselbe Verlust von Ganzheit vollzog sich 1517 mit den protestantischen Reformatoren (Luther, Calvin) und ebenso bei der Trennung von den Naturwissenschaften zur Zeit Galileos. Und nahezu unsere ganze jüdisch-christliche Geschichte spiegelt die Abspaltung vom Weiblichen. Immer haben beide Seiten etwas verloren, um über ihren Teil souverän zu bleiben. Das Ganze interessierte nicht.

Bei der Betrachtung der Abspaltungen wird deutlich:
Die Ebene des Sowohl- als auch, des "nicht ganz eins, aber auch nicht zwei"
wurde nie verstanden, nie akzeptiert, weil man immer die ganze Macht behalten wollte.
Für die nicht-duale Ebene gab es keinen Horizont, kein Verständnis, das konnte gar nicht in das Denken der Leute kommen.

Besondere Stationen des Irrweges:
Die äußerst verkopfte scholastische Philosophie hatte 1100- 1500 ihre Blütezeit, der Buchstabenglauben an die Vernunft dominierte in der sog. Aufklärung,
Antagonistisches Denken dominierte in den Reformbewegungen.

Zur Machtsicherung griffen Religionen zu Ausschluss, Verurteilung, Drohen.
In der Zeit damals war die Kontrolle der eigenen Mitglieder durch Schuldgefühle besonders angesagt.
Spätestens wenn wir die Ausbeutung ganzer Völker und Länder betrachten, wird uns klar, dass die Kirche nicht im Geist Jesu gehandelt hat.

Der neue Papst Franziskus möchte an die TRADITION JESU anknüpfen:
TRADITION JESU besagt inhaltlich:

Jesus predigt die bedingungslose Liebe, die für ihn gleichrangig ist mit der Liebe zu Gott. Die Armen und Kleinen stellt er in den Mittelpunkt, weil man ihnen das Leben vorenthält. Liebe, Sanftmut, Barmherzigkeit, auch zu den und dem Bösen, sind seine Werte und Visionen.
Die Tradition Jesu hat ihren Ursprung noch vor der Niederschrift der Evangelien. Die Evangelien entstanden 30- 60 Jahre nach Jesu Hinrichtung. Die Evangelien spiegeln diese Situation, sind keine Geschichtsbücher.

Im Lauf der Geschichte wurde aus der Tradition Jesu die christliche Religion. Kennzeichnend für die römisch-katholische Religion sind: Doktrinen, ethische Beschlüsse, rituelle Zelebrationsformen, juristischer Kanon.
In den Händen einer kleinen Elite liegt die Heilige Vollmacht, beim Papst an der Spitze, unter Ausschluss von Laien und Frauen.

Die weltfremde Haltung verkörpert selbst Kardinal Ratzinger, der Vorgängerpapst:
In der katholischen Kirche hat Kardinal Ratzinger Homosexualität einmal als "intrinsisch ungeordnet" bezeichnet, als etwas, das "in sich selbst" einen Angriff auf die gute Ordnung darstellt. Wie kann ein Mensch die Frohe Botschaft hören, wenn er "in sich selbst" ein Problem darstellt?

Die römisch-katholische Kirche erhebt zu Unrecht den Anspruch, identisch mit der Tradition Jesu zu sein.
Doch Papst Franziskus will direkt an die Tradition Jesu anknüpfen.

Wieder steht die Kirche an einer Wegesgabel, zu einem Schisma. Sie kann Papst Franziskus folgen oder auf ihren historisch gewachsenen Machtansprüchen einer kleinen Gruppe bestehen.

Das Buch von Rohr bereitet den offen denkenden Christen auf diese Möglichkeit vor!

Die nicht-duale Ebene wurde nie verstanden,
die Ebene des Sowohl- als auch, des "nicht ganz eins, aber auch nicht zwei".
Aber aus den Fehlern der Vergangenheit kann man doch lernen und darf sie nicht als hassenswerte Erinnerung wegschieben.

Was wollte Jesus?
Der Jesus hatte eine eigene ganzheitliche Lehre,
er sah eine Einheit in uns selbst, mit dem Nächsten, mit Außenseitern oder gar Feinden und mit Gott.

Dass die Christen seinen Ansatz auch oder gar weitgehend auf den Köder "Lohn im Jenseits" verkürzten, ist einfach eine Tatsache.

Das eigentliche Christentum, wie dies Jesus vertrat,
blieb eine Art Unterströmung, wurde nicht zum Mainstream.

Der Ansatz von Jesus widmet sich nicht der machtpolitischen Auswertung und Entwicklung des jüdischen Volkes im Alten Testament.

Heute tun wir Dinge, weil sie wahr sind und nicht weil wir müssen und Strafe befürchten. Wir sind nicht mehr von außen getrieben, sondern von innen gezogen.

Die dramatischste Art, unsere Trennung zu überwinden, geschieht als
la petite Mort, dem kleinen Tod. Nach jeder augenblickkurzen Erfahrung von Vereinigung fallen wir traurig in die vertraute Distanz zurück, letztlich suchen wir zur Einheit in Gott über und durch das Du in der Liebe.

Eine Vorstellung von Religion als nur Ansammlung von Gesetzen, Forderungen, Reinheitsgeboten ist dem vorrangigen Suchen nach Einheit, Liebe, dem Du, Wahrheit hintangestellt.

Gott sagt "Ich bin nicht ganz anders. Ich habe etwas von mir in dich eingepflanzt, das sich nach Vereinigung sehnt." Erotisches Begehren und die sexuelle Vereinigung bei allen Lebewesen sind Nachahmung und Spiegel dieser Sehnsucht, weshalb das Hohelied, Rumi, Hafis, Kabir und Johannes vom Kreuz so hocherotische Bilder benutzen konnten, um ihre Mystik zu vermitteln." (Zitiert nach dem Buch auf Seite 107)

"Gemeint ist, dass das Wahre Selbst in seiner ursprünglichen, reinen, uranfänglichen Form ganz oder teilweise mit Gott identifizierbar oder sogar identisch ist, mit der letzten Wirklichkeit, dem Grund und Ursprung aller Erscheinungen. Das, wonach wir uns sehnen, das sind wir. Tatsächlich kommt unser Sehnen daher." (Zitiert nach dem Buch auf Seite 106)

Alles, was uns durch seine Wahrheit erschüttert, verwandelt uns.

Augenblicke ewigen Lebens erleben:
Augenblicke der Liebe, der Geburt eines Kindes, der Vereinigung, der Schönheit.

Das Falsche Selbst bezieht seine Energie aus Problemen und selbst gemachten Zielen, fast in jedem Augenblick. Das Wahre Selbst (die Seele) braucht einen anderen Treibstoff:
Einheit und Zufriedenheit selbst und vor allem tiefe Resonanz (Sinn ) jeglicher Art.

"Menschen, die diese Ganzheit finden, sind im Gleichgewicht und neigen dazu aufzublühen, im Gegensatz zu bloßen Konformisten und bloßen Rebellen, die bei allem ständig Partei ergreifen- ohne die erforderliche Weisheit. Denken Sie an den armen Galileo Galilei, der unter dem Druck der Kirche, zu widerrufen, dass sich die Erde um die Sonne dreht, vor seinem Tod ganz ruhig sagt: "Und sie bewegt sich doch". Es war klug genug, in einem totalitären System zu überleben, und bis heute gilt er als Vater der modernen Wissenschaft."
(zitiert, Seite 29)

Das Zitat zeigt mir den Wandel der menschlichen Notwendigkeiten und Möglichkeiten. Galilei stand moralisch über den Kirchenleuten mit dem Papst. Aber das Faktische, dass andere ihre Macht auslebten und anderen aufzwangen, musst er anerkennen. Wie weit sind wir heute davon entfernt. Wenn ein Küng rebelliert, bekommt er an einer anderen Universität einen Lehrstuhl, zurück bleibt nur die innere Kränkung, dass er nicht mehr zur kirchlich anerkannten Elite gehört.
Überleben wird im Verlaufe der Menschheitsgeschichte immer einfacher, die Wahrheit zu leben ist doch erst in jüngster Zeit möglich geworden.

"Die Entdeckung des Wahren Selbst wird sich anfühlen, als würde Ihnen eine tonnenschwere Last von den Schultern genommen. Sie müssen Ihr idealisiertes Selbstbild nicht mehr aufbauen, schützen oder voranbringen. Das Leben im Wahren Selbst ist viel glücklicher..." (Zitat Seite 30)

"Das Wahre Selbst hat immer etwas Gutes zu sagen. Das Falsche Selbst plappert drauflos, hauptsächlich über sich selbst."
(Zitat Seite 33)

Mein persönlicher Gewinn aus dem Buch sind Aussagen zum

Neuen Menschen:

Zusammenstellung:

- Etwas ist in den Menschen eingepflanzt, was sich nach Vereinigung sehnt. Es geht darum, in alles immer tiefer einzudringen, Zusammenhänge zu sehen, über das Vordergründige hinaus zu gucken.

- "Christus möchte, dass wir die Wahrheit ihm selbst vorziehen, denn bevor er Christus ist, ist er zunächst Wahrheit. Dieses Zitat von Simone Weil
ist Seite 131 bei Rohr abgedruckt.

Die Wahrheit zu suchen ist wichtiger als das Annehmen und Aufnehmen von verkündeten Worten.

- Leben hat seine Erfahrungen der Ewigkeit in uns, wenn etwas ganz tief in uns eindringt, uns erschüttert, unsere Sichtweise vertieft, wir immer ein wenig neuer Mensch, mehr Mensch werden.
Sinnerlebnisse, wenn Erfahrungen eine tiefe Resonanz in uns erzeugen, beglücken uns.

- "Die heilige Teresa beschrieb, dass man entweder damit beschäftigt ist, einen Kanal zu graben, - oder man findet die Quelle und lässt das Wasser einfach auf sich zu und in sich hineinfließen. Ihre gesamte mystische Theologie beruht darauf, diesen inneren Strom zu finden und seine Zeit nicht mit Kanalarbeiten zu vergeuden."
(Zitiert Seite 36)
Die Kirche hat immer abgehoben versucht den Kanal für uns Gläubige zu graben, während doch jeder von uns in sich schon einen inneren Strom hat,
worin alles einfach fließt.

Fazit:
Das Buch setzt bei dem Menschen an. Es stellt den idealen Menschen durch die Darstellung des Wahren Selbst konkret dar, das Wahre selbst ist der Mensch in der nicht-dualen Ebene, im Sowohl- als auch, " im nicht ganz eins, aber auch nicht zwei". Davon wird das Falsche Selbst unterschieden. In der Geschichte ging es zu sehr um das Falsche Selbst, aber das Wahre Selbst war immer vorhanden und die Zeit ist heute reif dafür, dass es sich ohne Behinderungen durch eine falsch verstandene Religion genießen darf.

Wer die anthropologisch-ethisch-ökologische Dimension des heutigen Menschen ohne die differenzierte religionsphilosophische Grundlegung lesen möchte, wird in
Barbara Vödisch: Das One-Bewusstsein. In der Erfahrung der Einheit die Fülle des Seins leben
einen ersten Zugang finden, um Rohr vertiefter verstehen zu können.
Das o.a. Buch von Kurt Flasch kann zur Kontrastierung eines ganz anderen Ansatzes hilfreich sein.

Das Buch "Das wahre Selbst" kann in seiner Bedeutung für die kirchliche Entwicklung nicht hoch genug eingeschätzt werden, daher die höchste Bewertung mit 5 Sternen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 8, 2013 10:24 AM CET


Das One-Bewusstsein
Das One-Bewusstsein
von Barbara Vödisch
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,95

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Welt retten - ein genialer Versuch, 16. Oktober 2013
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Rezension bezieht sich auf: Das One-Bewusstsein (Taschenbuch)
Barbara Vödisch, Das One Bewusstsein
In der Erfahrung der Einheit die Fülle des Seins leben.doc

Die Welt retten- ein genialer Versuch

Die Autorin greift unser alltägliches Lebensverständnis an, wie es unreflektiert als unser Leben gesehen werden kann.
Mögliche unreflektierte Angriffspunkte können sein:
Wir leben in Illusionen, nehmen Zwänge und Druck hin,
wir sind in Lebensgeschichten verwickelt, die sich im Laufe der Zeit unbemerkt in unsere Wahrnehmungen und Auseinandersetzungen festgesetzt haben, quasi als fest gewordene Sicht von Tatbeständen,
wir hängen in Vergangenem und Zukünftigem, was dann mehr oder weniger zu einem ständiges Kreisen in sich wird.
Unsere Vorstellungen und Erwartungen erzeugen in uns eine Parallelwelt, und der jetzige Moment kann gar nicht mehr voll wahrgenommen werden.
Ich bin in alten Erfahrungen gefangen:
Habe ich alles richtig gemacht?
Fühle ich mich für irgendwas schuldig?
Gebe ich anderen die Schuld?
Bin ich mit meinem Leben unzufrieden und erhoffe Besserung?
Mein ganzes Weltbild und Menschenbild ist aus Glaubenssätzen zusammengebastelt. Dass heute andere Grundlagen der Lebensgestaltung sind, wird dann übersehen, weil man in der Vergangenheit eingehaust ist.
Ich strenge mich an, weil ich geliebt und anerkannt werden will,
ich fürchte Ablehnung, Liebesentzug, wenn meine Erwartungen und Vorstellungen nicht verwirklicht werden.
Ich meine, dass ich mir die Liebe verdienen muss,
ich fühle mich zurückgewiesen, mache anderen Vorwürfe,
ich glaube, das Recht zu haben, andere bestrafen zu können, wo
alte Verletzungen künstlich am Leben gehalten werden.
Ich mache andere für ein (fehlendes ) Glück verantwortlich,
mache das Leiden anderer zu meinem Leiden.
Ich leide unter Kälte, Gefühllosigkeit, Egoismus, die ich erfahre.
Vieles empfinde ich als Angriff gegen mich selbst, bin ständig im
Bestreben, recht zu haben.
Ich will von allem mehr: mehr Geld, mehr Anerkennung, mehr Erfolg.
Jedes Ich kämpft ums Überleben, um ein möglichst großes Stück vom Kuchen erhalten zu wollen. Ich verurteile andere statt
eigene Schatten, Gier, Härte und Kampf im Konkurrenzdenken zu sehen.

Ansatzpunkte zu Veränderungen:

Stelle d e i n e Erwartungen in Frage und mache dich nicht von dem Verhalten der anderen abhängig,
kläre für dich, was dich verletzt, was du erwartest, und wo deine Illusionen liegen,
mach dich nicht von dem Verhalten der anderen abhängig.
"Du hast wirklich schlechte Karten, wenn du darauf hoffst, dass deine Vorstellung von immer wohlwollenden und in Harmonie lebenden Menschen in Erfüllung gehen. Akzeptiere lieber, was ist " (Seite 41)
Erwarte nicht viel zu viel von den anderen, mach nicht andere für dein Glück verantwortlich, denn sonst bist du von deren Verhalten abhängig.

"Wie oft schon hast du versucht, jemandem zu helfen, und es zeigte keine Wirkung, weil er es selbst nicht wirklich wollte." ( Seite 87)

Bei diesen Überlegungen zur konkreten Daseinsbewältigung kommt immer der Punkt, an dem wir über unseren Urgrund nachdenken.
Die Frage stellt sich dann so:
Kann es auf Erden Frieden geben, beständiges Glück, "paradiesische Zustände" und eine Berufung auf einen "Gott"?

Auch diesen Fragen will sich Vödisch stellen, möchte aber zunächst ganz klar herausstellen, dass die Befolgung der obigen Lebensratschläge nicht ein feiges Hinnehmen von uns aufgestülpten Lebenssichten anderer beinhalten kann:

Wer uns behindert, kann uns zu wahrer Größe verhelfen.
Einwände gegen uns, die uns tief berühren und ins Mark treffen, fordern uns heraus, leiten Veränderungen ein. Ich wachse in den Auseinandersetzungen auch mit Menschen, die mir nicht wohlwollend begegnen, die mich in deren Vorwärtsintrigieren vielleicht nicht mal sehen. Verhalten anderer, das für den anderen ungewollt einen Wachstumsprozess in mir bedingt, rechtfertigt nicht dessen Tun, löst also keine Abhängigkeit von ihnen aus.
Natürlich kann ich immer NEIN sagen. Ich muss Dinge beim Namen nennen und dazu den Mut haben!
Ich kann auf den Tisch hauen! Ich muss mich nicht schlecht behandeln lassen!
Andere nicht zu verurteilen, heißt aber nicht, alles durch die rosarote Brille zu sehen.
Ein Nein, um Dingen Einhalt zu gebieten, ist niemals ausgeschlossen. Eine sehr klare Sprache ist manchmal notwendig!
Mit jemand unter vier Augen deutsch reden, klar, eindeutig, ist niemals ausgeschlossen.

Vödisch spricht von einem Bewusstsein in einem dualen Weltbild.
Duale Weltsicht trennt, spaltet.
Vödisch stellt ein Bewusstsein der Einheit
im Miteinander, in Ausgewogenheit, Frieden, Mitgefühl, Liebe dar.
Bewusstseinswandel, Bewusstseinssprung
in Gegensatz hin zu einem Bewusstsein der Fülle.

Bewusstsein der Fülle beinhaltet:
Ich bin eins mit mir selbst, eins mit der Liebe, eins mit dem stillen inneren Glück, ich fließe mit dem Fluss des Lebens.

In diesem Geiste ist ein Berufen auf einen äußeren Gott nicht kompatibel. Gott und das Paradies müssen uns gerecht werden bzw. in uns gelebt werden.

Jeder Mensch muss sich selbst befreien, und auf dieser Grundlage sind dann alle frei.
Die Vollkommenheit, die Ganzheit ruht in dir.
Das stille Glück liegt in dem Urgrund deines Seins, kommt in dir an.
Paradies ist nicht getrennt von uns, nicht an einem unbekannten Ort, es ist verankert in deinem Sein.
Paradies ist deine innerste Dimension, findest du in Frieden, Liebe, im stillen Urgrund des Seins.
Das duale Bewusstsein lässt uns glauben, dass das Paradies woanders sei.

Das Paradies ruht in dir, es ist hier und jetzt.
Es existiert kein Ich getrennt von Gott.

Leben erfolgt in der jeweiligen selbst gewählten und erkannten Berufung:

Beschneide dich nicht in deinen Möglichkeiten.
Habe den Mut, das zu tun, was dir entspricht.
Dein Durchhaltevermögen hilft dir, Hindernisse und Rückschläge zu überwinden.
In jedem liegt ein unendliches Potential,
dem Leben liegt eine absolute Genialität zugrunde.
Leben kann als Experiment und Abenteuer gesehen werden.
Nicht mit einem Leben mit angezogener Handbremse zufrieden geben, mit all dem Ballast, der uns bremst.
Wir können uns voll entfalten, wenn wir frei sind von all dem Ballast und
in vollkommenem Frieden leben.

Im ersten Teil oben wurde herausgestellt, was uns bremst, behindert, was wir in unserem ( alten!) dualen Bewusstsein überwinden müssen.

Was aber macht dann unsere Lebensgestaltung in dem neuen Bewusstsein aus?

Grundsatz: Ich brauche nichts und niemanden für mein Glück. Was ich brauche, liegt in mir. Anziehung zu bestimmten Menschen, zu bestimmten Orten und Erfahrungen ist okay, soweit sie meinen Ansatz teilen.

Im Bewusstsein der Fülle ruhe ich in vollkommenem Frieden.

Dieser Ansatz spricht aus, was ich in meinen Schriften unter den Begriffen von Verreinheiten und Verwahrheiten in einem identischen Ansatz vertrete.
Wenn wir uns heute von einem äußeren Gott verabschieden und dafür gibt es zwingende Gründe, gerade nach den Büchern von Kurt Flasch und Hans Küng, und sich in dise Richtung nichts mehr retten lässt, müssen wir die Blickrichtung vom außen auf das Innen richten. In uns ist alles, wobei uns unterschiedliche Bezeichnungen nicht stören können: Gott, das Himmlische, das Paradies, die Liebe, das absolute Freisein, die beglückende Lebensaufgabe, und jeder kann von sch aus " die Welt retten", wenn er im innersten Kern erst mal sich selbst sieht und aus diesem gesundeten Kern Kreise ziehen kann, aber ohne jedes Muss.

In dem Buch wird asiatisches Denken mit unseren konkreten individuellen Daseinsleistungserfordernissen zu einer überzeugenden Einheit nachvollziehbar an konkreten Lebensauseinandersetzungen vorgestellt. Verlogene Vorgaben, von wem auch immer, wären da auf verlorenem Posten.


Warum ich kein Christ bin: Bericht und Argumentation
Warum ich kein Christ bin: Bericht und Argumentation
von Kurt Flasch
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

9 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wissenschaftlich ohne Abstriche, 24. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension zu Kurt Flasch Warum ich kein Christ bin
Rezension zu Kurt Flasch Warum ich kein Christ bin

Flasch listet die Glaubensinhalte auf, an die ein Christ glauben müsste und die den Gläubigen oft nicht bekannt sind. ( Und daher konkret für den durchschnittlichen Christen keine Belastung darstellen.)
Er geht alles gründlich mit der historisch- kritischen Methode an und setzt sich mit zahlreichen Inhalten des christlichen Glaubens auseinander.
Er schreibt:
"Seit dem Konzil von Chalcedon 451 ist (der Kirche) Jesus im Vollsinn Mensch, hat also menschlichen Verstand und menschlichen Willen, und er ist zugleich im Vollsinn wesensgleich Gott, hat also göttliche Einsicht und allmächtigen göttlichen Willen." ( Seite 259).
In seinem Buch "Meister Eckhart Philosoph des Christentums" stellt er Meister Eckhart als Christ ( schon als Buchtitel) im Selbstverständnis der Römischen Kirche von Johannes dem XXIII. bis Benedikt XVI. dar. Dort ist die Position Gottes aus einer theologisch vertiefteren Sicht dargestellt, da eine historische Sicht nicht zum Grund der angesprochenen Problematik kommen kann.
Warum arbeitet er nicht in einer Auseinandersetzung mit Meister Eckhart positiv die Aspekte des Christentums heraus, die ein eigenes Denken, ein eigenes Aufarbeiten von Lebenserfahrung, ein Ansatzpunkt zum Selbstdenken, aufzeigen?

Flasch kann unwidersprochen bleiben, wenn er die Fehler und Unterlassungen der Kirche, die Machtsicherung der Institutionen betrieb, angreift, das ist eine lange Liste, beispielsweise:

- Die historischen Quellen seien widersprüchlich und deuteten nicht auf göttliche Inspiration, sondern auf allzu menschlichen Ursprung hin.

- Die unbefleckte Empfängnis sei keine historisch belegte Tatsache, wie es die Gläubigen als historisch belegte Tatsache hinnehmen und glauben müssten.

- Die Auferstehung, wie sie die Gläubigen akzeptieren sollen, beruht auf widersprüchlichen Zeugnissen /Aussagen von Zeugen, in deren Auswertung kein Ergebnis im Sinne der Kirche als Glaubensgrundlage gefordert werden könne.

- Jesus selbst habe sich mehrfach getäuscht, beispielsweise in der Erwartung des nahen Weltendes.
- Die Wunderberichte widersprechen sich.
- Der Glaube an Dogmen, wie: zur unbefleckten Empfängnis, der Auferstehung
Jesu und der Himmelfahrt sei auch heute noch gefordert.
- Die Kirche hat den Ungläubigen ewige Höllenstrafen angedroht.
- Gott sei nicht ein Gott der Liebe, sondern ein machtbesessener Sexist, der mit roher Gewalt das Volk führt und dominiert.

Hierzu und insoweit ist die Darstellung von dem von Kurt Flasch gewählten historischen Ansatz her in Ordnung.
Dieses Buch hilft dem Leser, der überhaupt mal wissen will, was man der Kirche historisch vorwerfen kann und muss, wobei nichts unterschlagen oder beschönigt wird. Insoweit verdient das Buch in der Bewertung fünf Punkte.

Der persönliche menschliche Ansatz, der mit der sachlich überzeugenden Arbeitsweise verbunden wird, ist aber nicht zu akzeptieren:

Kurt Flasch bezeichnet sich als einen "langsamen Nestflüchter" ( Seite 265). Denkprozesse, die andere kritische Menschen wesentlich früher in ihrem Leben vorgenommen haben, finden bezüglich fundamentalem Kritischsein als Lebensansatz erst jenseits seines sechsten Lebensjahrzehntes statt.
Dabei holt er aus Gläubigersicht eine ausgefallene pubertäre Entwicklung in aller Heftigkeit nach. Er schreibt: "Eine Kirchenversammlung hat mir nichts zu sagen" (Seite 261).
"Ich habe Gott gesucht und habe ihn nicht gefunden " (Seite 255)
"Ich habe etwas genauer hingesehen, und dabei bröckelte die barocke Stuckherrlichkeit alter Beweispaläste ab" (Seite 255)
Trotzig sagt er, dass er nicht verpflichtet sei, an die Stelle des christlichen Glaubens etwas Besseres zu setzen.
Mir wäre viel spannender, wenn er am Ende eines Gelehrtenlebens selbst mit einem dem heutigen Glaubenserfordernis angemessenen Ansatz nachdenken würde, statt die Gedanken anderer kalt und sachlich und nüchtern zu analysieren.

Kirche ist von ihrem Selbstverständnis her nie in vorderster Front, wenn es um Wandel und Anpassung an die Zeit geht. Dies kann man durchaus als eine Stärke sehen.

Wenn man aber die aktuellen Diskussionen innerhalb der Kirche aufgeschlossen und wohlwollend verfolgt, so sind mir solche Punkte viel wichtiger als nach rückwärts gewandte historisch einseitig ausgerichtete Kirchenkritik:
Papst Franziskus, der aktuelle Papst, sagt, dass die Kirche zuerst die Wunden und Verletzungen der Menschen zu heilen habe, statt sie moralisch zu kategorisieren.
Schwulen und Lesben solle mit Anstand und Respekt begegnet werden, Geschiedenen, die wieder heiraten, mit Barmherzigkeit und Frauen, die abtreiben, mit Anteilnahme.
Man müsse über eine gründliche Theologie der Frau arbeiten.
"Wenn eine homosexuelle Person guten Willens ist und Gott sucht, dann bin ich keiner, der sie verurteilt", sagt Papst Franziskus.

Kardinal Lehmann denkt öffentlich darüber nach, dass es in der katholischen Kirche künftig verheiratete Priester geben kann. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sagte schon 2008, dass die Ehelosigkeit der Priester nicht theologisch notwendig sei.
Es dürfe keine spirituelle Einmischung in das persönliche Leben geben.
(Quelle: Süddeutsche online:
[...] vom 21.09.2013)

Gefordert ist heute eine Kirche, die warmherzig, schlicht und liebevoll ist.
In diesen Stil würde die Darstellung von Flasch auch nicht passen, der mehr historisch- nüchtern sachlich an dem die einzelne Person im Innern betreffenden Anliegen des Glaubens vorbeigeht, weil er rückwärts gerichtet historische Schwachpunkte herausarbeitet und keinen eigenen anders ausgerichteten Ansatz dagegen halten kann.

Beeindruckt hat mich, dass Flasch auch ein Buch über den Gottesbegriff schrieb. das offensichtlich genauso an seinem Innersten vorbeigegangen ist. Ich erinnere mich an ein frühes Seminar zum Bildungsbegriff an einer Universität. Der Dozent referierte ganz ausführlich und gründlich die einzelnen Ansätze mit ihren Stärken und Schwächen. Als er aber abschließend nach immer wieder vorgetragenen Wünschen, selbst seinen Bildungsbegriff, wie er ihn in dieser Arbeit für sich gewonnen hatte, vorzutragen, hatte er nichts vorzuweisen.

Der Leser hat sicherlich mehr Gewinn für sich, wenn er den Ansatz der schlichten Gläubigkeit eines Anselm Grün, über den Flasch spottet, zu seiner Glaubensauseinandersetzung hinzunimmt.

Empfindsame Vernunft, Vernunft des Herzens, Herz als zentrales Element, Sensibilität, das sind die Ausrichtungen von Religion heute.
Diesem Ansatz ist die katholische Kirche in Papst Franziskus näher als dem historisch-kritischen Ansatz von Flasch, wenn ein Christ im Glauben eine innere Heimat finden will.

Fazit:

Die von Kurt Flasch vorgelegten historisch- kritischen Darstellungen zum Glauben sind eine wertvolle Arbeit, die jedem Christen empfohlen werden kann, damit er mit den Einwänden zum Glauben gründlich vertraut ist.
Unbegreiflich aber ist mir, wenn diese sachlich- nüchterne wertvolle Arbeit ein Zeugnis gegen den Glauben sein sollte. Nur weil der Titel eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Glauben in all seinen Aspekten suggerieren könnte, hat er einen derartig unwahrhaftigen Erfolg. Ein Buch auf der Basis einer suggerierten Richtung, die nicht hält, was sie verspricht, kann einer Kirche, die um Wahrheit und um die Reinheit des eigenen Ansatzes ringt, nur neue Leser gewinnen, die sich mündig informieren wollen.

Über die aufgeschlossene Lektüre des hier vorliegenden Bestsellers hinaus wird ein Zugang zum Glauben durchaus sehr fruchtbar angebahnt werden können. weil er einen Aspekt des Glaubens gründlich herausarbeitet. Das Buch ist daher dem mündigen Leser mit fünf Sternen zu empfehlen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 5, 2013 7:06 PM CET


Im Schatten des Sinai: Fußnote über Ursprünge und Wandlungen totaler Mitgliedschaft (edition suhrkamp)
Im Schatten des Sinai: Fußnote über Ursprünge und Wandlungen totaler Mitgliedschaft (edition suhrkamp)
von Peter Sloterdijk
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,00

14 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heute im Schatten des Sinai, 25. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Anspruch der monotheistischen Religionen
Religion gehört zu den anthropologischen Grundkonstanten. Können wir uns von den Geschichtswissenschaften her nähern? Welche Fakten aus unserer Vergangenheit sind bekannt? Hilft uns die Auseinandersetzung damit zum Verständnis unseres gegenwärtigen Standes?

Sloterdijk hat umfangreiche Analysen vorgelegt (Gottes Eifer: Vom Kampf der drei Monotheismen; Im Schatten des Sinai: Fußnote über Ursprünge und Wandlungen totaler Mitgliedschaft) und beschreibt den Werdegang zum heutigen IST-Zustand.

Judentum, Christentum und Islam (die drei monotheistischen Glaubensbekenntnisse) beanspruchen jedes für sich die absolute Wahrheit.
Der absolutistische Anspruch beinhaltet den Machtanspruch, alleiniger Inhaber der ewigen Wahrheit zu sein.
Dieser Ansatz zur bedingungslosen Unterwerfung führt zur Entmündigung, zum Kleinhalten des Menschen, weg von der Realität, in Demutshaltung und in einem System der Unterdrückung.
Das Christentum entfaltete seine Botschaft mit einem universalen Verkündigungsgehalt. Im Christentum ist die Expansion auf die Mission gerichtet.

Die monotheistischen Religionen insistieren, allein im Besitz einer bestimmten offenbarten Wahrheit zu sein. Die Mitglieder akzeptieren widerspruchslos den von den kirchlichen Institutionen geschaffenen und propagierten Wahrheitsanspruch. Sie beruhen auf den Prinzipien von wahr und falsch und schaffen damit Vorbedingung für Intoleranz und Gewaltbereitschaft. Die Gläubigen haben einen Anteil an der Macht und Souveränität des Höchsten.

Diese Religionen haben eine ausgeprägte Neigung zur Ritualisierung. Der Glaube muss durch die ständige Ritualisierung in die Gemeinschaft eingeschliffen werden. Wer gezwungen ist, ständig zu zeigen, dass er sich dem Glauben unterwirft, hat andere Ungläubige nötig, um für seine Wahrheit kämpfen zu können.
Christen bevorzugen die Mission, dem Islam wird der Heilige Krieg das Mittel der Wahl. Ein Aufruf zum Kampf gegen die Feinde Gottes fanatisierte vor 1000 Jahren das christliche Europa zu den "Kreuzzügen".

Was hat Gott mit den unheiligen Kriegen der Menschen zu tun?
Gott duldet von Anfang an keine anderen Götter neben sich! Er verlangt bedingungslose(s) (Liebe) Anhangen und Unterwerfung. Er ist der einzige und wahre Gott, Herr des Lebens aller Menschen. Sein Wille ist Gesetz.

Alle drei bestreiten unerbittlich die auch jeweils vom anderen beanspruchte göttliche Legitimität.
Die Radikalität scheint sie unempfindlich zu machen für die Herausforderung der globalen Krise: von Überbevölkerung, Armut und Umwelt. Gott ist wichtiger! Für seine Getreuen hat Gott einen Platz im Himmel, für seine Feinde die Hölle!

Daraus folgen:
Unterwerfungslust, Aggressionspotential, Eiferertum, Sündengerede
Verrat am diesseitigen Leben,
Todeskult der Religionen ist wichtiger, zeigt sich im religiös begründeten Vorzug des Jenseits vor dem Diesseits.

Sloterdijk stellt dar, was sich ihm als gegenwärtiges IST darbietet.
Und immer wieder stellt er die Notwendigkeit auf den zivilisatorischen Weg in seinen Forderungskatalog.
Eine laufend sich verändernde Welt zwinge zu einer Verhaltensänderung.

Moses hatte sein Volk nicht nur befreit, sondern ihren Blick nach oben geführt, weg von der Realität. Jetzt müsse die Realität von heute im Mittelpunkt stehen.
Nur der zivilisatorische Weg ist allein noch offen.
Darin liege die Lösung zur Beendigung der Konflikte zwischen den drei Monotheismen.

Positive Aspekte und konstruktive Übergangsmöglichkeiten heute:

Wir leben heute mit einem sich laufend verändernden Weltbild.
Das Christentum hat seinen Anspruch, die Welt zu missionieren, nicht mehr militärisch verfolgt.
In einer Welt voller Waffen kann es nur um einen Wettbewerb um die zivilisatorischen Leistungen für die einzelnen Mitglieder gehen.

Im Wettbewerb der Religionen muss man daran anknüpfen herauszustellen, was die einzelnen Religionen in psycho-sozialer Ausrichtung leisten und in der Caritas.
Der gegenwärtige IST- Zustand in seinen sozialen und integrationsfördernden Aspekten ist wichtiger.

Der aktivistische Anspruch der Religionen kann nur zivilisatorisch eingebracht werden. Es ginge darum, den Eifer jeder Religion in den Prozess der Zivilisation zu integrieren, "Gotteseifer" in "Menscheneifer" umzuwandeln und keine aggressive Rechthaberei bezüglich göttlicher Wahrheiten zuzulassen.

Es darf nicht mehr zentral um die Auseinandersetzung mit Fragen zum jüngsten Gericht gehen, sondern um die tägliche Arbeit und Auseinandersetzung mit den Weltproblemen. Auseinandersetzung mit: Umweltbericht, Lage der Menschenrechte u. ä. - das wird die neue Grundlage für den aktuell erforderlichen Menscheneifer.
Nur der zivilisatorische Weg ist noch offen!!


Herzensruhe: Im Einklang mit sich selber sein (HERDER spektrum)
Herzensruhe: Im Einklang mit sich selber sein (HERDER spektrum)
von Anselm Grün
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Einklang mit sich selber, 23. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Herzensruhe: Im Einklang mit sich selber sein Buchbesprechung .doc

Anselm Grün analysiert den unruhigen Zeitgeist. Er spürt persönliche, soziale und wirtschaftliche Ursachen der Ruhelosigkeit auf. Er stellt fest, daß wir ständig auf der Flucht, im Streß, auf der Suche nach neuen Kicks und neuen Konsummöglichkeiten sind. Wir sorgen uns übermäßig um unsere unerledigten Aufgaben. Ursachen und Zwänge im sozialen und wirtschaftlichen Umfeld spricht er ehrlich an.

Als heutige Wege zur Ruhe stellt er heraus: Meditation, Entspannung, Fasten,
inneres Gespräch, ordnende Rituale, Vereinfachung des Lebens.

Wahre Ruhe kann nur aus dem Inneren kommen, letztlich aus Gott.
Ausgangspunkt besteht zunächst darin, mit sich in Einklang zu kommen, die eigene Identität zu suchen. Dazu muß ich mein Leben vereinfachen.
Wie komme ich zu meinem Inneren, zu dem Göttlichen in mir?
Ich muß loslassen können und mich in mir wohlfühlen, mich annehmen können, Bedürfnisse sind immer kritisch zu hinterfragen, bis ich mich in Gott geborgen fühlen kann. Rückbesinnung auf Gott ist das Stichwort, das konkret entwickelt wird.

Viele Menschen haben ein getrübtes Verhältnis zu der christlichen Vorstellung von Gott. Diese psychischen Störungen in der Seele verstopfen/versperren den Weg in unser Innerstes. Das äußere Weglaufen vor allem hat hier eine Ursache, weil der Weg zu Gott verschüttet ist.
Die äußeren Bedürfnisse, das Weglaufen, das Auffüllen der inneren Leere durch Konsum machen das uns bewußte Leben in der Folge aus.

Wie kann ich feststellen, ob ich den Weg nach innen gefunden habe?
Kriterien könnten sein: die bewußte Verlangsamung meines Lebens wohltuend verspüren, das Erfahren, daß ich innerlich frei werde von Bedürfnissen, daß ich loslassen kann.

Fazit:

Das Aufspüren der Ursachen der Ruhelosigkeit ist notwendig und muß uneingeschränkt betrieben werden.
Auf dieser Ebene bleiben wir aber nicht stehen. Wir fragen, wie wir von innen heraus zur Ruhe kommen. Da wir im Inneren göttlich sind, lautet die Frage: Wie kann ich mein Innerstes als Göttliches erschließen?
Letztlich finden wir die Antwort, wenn wir Erfahrungen in dieser letzten Tiefe einbeziehen und uns diesen stellen.


Die Bibel verstehen: Hinführung zum Buch der Bücher
Die Bibel verstehen: Hinführung zum Buch der Bücher
von Anselm Grün
  Taschenbuch

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5.0 von 5 Sternen Hinführung zum Gottesverständnis, 23. Januar 2013
Die Bibel verstehen: Hinführung zum Buch der Bücher.doc

Christ ist der Mensch, der sein Heil, seine Rettung, seine Gerechtigkeit nicht mehr bei sich selbst sucht, sondern bei Jesus Christus allein" (Dietrich Bonhoeffer)

In diesem Sinne wollen die Bücher von Anselm Grün Jesus Christus in den Mittelpunkt stellen. Dies ist aber stets als pragmatische Hilfestellung gedacht, nicht als konfessioneller Schrankenaufbau. Auch Menschen ohne religiösen Hintergrund oder mit einem anderen religiösen Hintergrund bekommen wertvolle Impulse.
Durch die Bibel kann ich mich selbst neu verstehen.
Da lebenspraktische Ausrichtung und Erfahrung und Deuten aus dem Tiefsten, mit und aus Gottesworten, kein Widerspruch sind, sind Bücher aus einem neuen Geist der Ehrlichkeit in der Lektüre eines Christen in der heutigen Zeit besonders wichtig geworden.

Anselm Grün geht immer ganz pragmatisch von dem Alltagshorizont der Leser aus. Von diesem Ansatz aus entwickelt er seine praktischen Ansichten zu Gott, dem Heiligen Geist, dem Himmel.

An folgenden Jesuszitaten möchte ich diese Herangehensweise erläutern:

1. Beispiel:
Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz" Lukas 12,34

Erfolg, Besitz, gesellschaftliche Positionen werden gemeinhin als anzustrebende Schätze angesehen.
Geld als unser Schatz läßt das Herz erkalten, erstarren.
Jesus bringt den Schatz in Verbindung mit dem Herzen.

Wenn ein geliebter Mensch unser Schatz ist, wird das Herz weiter. Irdisch gesehen ist meine Frau mein Schatz", Jesus bezeichnet von diesem alltagsbekannten vertrauten Bild zum Schatz Gott als unseren wahren Schatz, der also über die erlebte beglückende Erfahrung hinausgeht. Wenn Bilder zu Gott nicht aus dem ganz konkreten Erfahrungshorizont heraus entstehen, bleiben sie reine Hirngespinste und leerer Glauben, die unter den Möglichkeiten konkreter Lebenserfahrung unrealistisch sind und bleiben. Dieser Schatz ist in uns.
Gott ist unser Schatz, unser Herz ist in Gott. Das weite Herz erfährt inneren Frieden und Beglückung.

Grün spannt also immer aus den Alltagserfahrungen heraus den Bogen zu dem Innersten und Tiefsten im Menschen. Daß er dies als das Göttliche anspricht, erzeugt auch keinen Widerspruch zu (vielen) anderen Religionen.
Worum es mir geht: Grün nutzt Erfahrungen des Menschen, leuchtet sie aus, und setzt dann noch einen hinzu: Indem er diese Bilder in uns umfassend ausweiten läßt, mit konkreten Ausweitungen der Erfahrungen bis hin zu dem letztlich denkbaren total ausgeweiteten Bild, wie es im Leben nicht oft in dieser Tiefe ausmalbar ist.

In der Bibel finde ich also viele Bilder, die im Alltag ganz konkret praktisch hilfreich sein können, selbst wenn ich aus der Lebensgeschichte heraus zu irgendwas noch keinen inneren Bezug erarbeitet habe, den Bezug zum Innersten noch nicht leisten kann. Besser bescheiden bleiben als sich durch aufgesetzten Glauben eventuell sogar Zugänge verbauen zu lassen!
Anselm Grün ist in seiner konkret-praktischen Glaubens- und Lebensausrichtung sicherlich nicht in der Ausrichtung der Mehrzahl der Christen, wie wir sie in deren konkreten Alltag antreffen.

2. Beispiel:
Es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar wird, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommt" Markus 4,22

Die vordergründig pragmatische Deutung: Alles, was ich unterdrücken möchte, wird irgendwann doch offenbar. Keine Gedanken lassen sich vor anderen auf Dauer verbergen. Solche Gedankenimpulse können mir schon weiterhelfen.

Und die tiefere Deutung unter Einbeziehung des Gottesbildes: Da Gott alles kennt, alles Verborgene in uns schauen kann, ist Abschotten unseres Innersten, unserer Seele, nicht hilfreich.

Wir haben nichts zu verbergen, weil Gott alles in uns annimmt- und da Gott als letztes Prinzip die Liebe ist- uns in seiner Liebe durchdringt.
Die tiefsten Winkel unserer Seele zu öffnen, wirkt befreiend, wenn wir über alles sprechen dürfen. Dabei ist es unerheblich, ob dies im seelsorgerischen Gespräch oder im stillem Kämmerlein stattfindet.

Mithin ist in diesem Beispiel ein Grundsatz, der eine befreiende und heilende Wirkung in uns entfalten kann, fern einengender Religionsgebundenheit.

Das Göttliche ist in uns. Gottes Geist wohnt somit in uns.

Wenn Grün an anderen Stellen herausstellt, daß der Heilige Geist beim Bibellesen gleichsam heilend dabei ist, so kann ich meine Erfahrungen konkret überprüfen. Grün nötigt uns nicht, alle Tiefen, die innerlich aufgeschlossen werden können, auch erreichen zu müssen.

Bei der Lektüre von Grün werde ich immer mehr darin bestärkt, daß das überholte konservative Christentum, in dem es um Buchstabenglauben ohne praktische Umsetzung im Leben geht, um kirchliche Vorschriften, die in allen Zeiten unterschiedlich verkündet worden sind, in denen Versagen von Christen unter den Teppich gekehrt worden ist und die eigene Lebensgestaltung aus dem Innersten heraus nicht so in den Mittelpunkt gestellt worden ist, wie dies heute selbstverständlich ist, ausgedient hat.

Bei Grün ist ein neuer befreiender Geist im Vordergrund. Und die erforderliche Tiefe bis hin zum Ausgangspunkt des Innersten des Menschen als das Himmlische", der Himmel", Herz als Gott, kann im Blick sein, muß aber nicht von jedermann im praktischen Leben wirklich umgesetzt werden können.

Im In-den-Vordergund-Stellen von Forderungen an die Christen, in deren Verständnisfähigkeit, muß Kirche bescheidener werden.
Viele Bücher von Grün oder die Sendungen zum Wort zum Sonntag" (in der ARD) gehen diesen neuen Ansatz. Da ich viele Jahre katholische Religion unterrichtet habe, muß ich auch nicht in allen Veröffentlichungen immer wieder die Bibelzitate, die im Hintergrund stehen, herausstellen, kann also ganz von einem Glauben ausgehen, der nur auf lebenspraktischen Erfahrungen beruht.


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