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Beiträge von H. P. Roentgen
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Rezensionen verfasst von
H. P. Roentgen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Agent Storm: Mein Doppelleben bei Al-Qaida und der CIA
Agent Storm: Mein Doppelleben bei Al-Qaida und der CIA
von Morten Storm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Inside der Selafisten und der Geheimdienste, 31. Dezember 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Storm wuchs in einem dänischen "Problemviertel" auf, kam früh in Konflikt mit der Schule, schloss sich der Rockerbande Bandidos an. Und dann entdeckte er den Koran, wurde zum Konvertiten, studierte ihn in einer radikalen salafistischen Koranschule. Wie so viele junge Salafisten verachtete er bald die konservativen Imane, die zwar radikal predigten, aber nichts taten.
Er schloss sich Al Quaida im Jemen an, lernte die Creme der dortigen Terroristen kennen - darunter den Schuhbomber und andere, die später berühmt wurden - und befreundete sich mit Anwar al-Awlaki, einem Amerikanischen Hassprediger, der den Djihad nicht nur predigte, sondern auch organisierte.
Doch dann kam die Ernüchterung. Er entdeckte, dass diese angeblich wörtliche Befolgung des Korans ebenfalls auf Interpretation beruhte, dass zahlreiche Fatwas geschrieben wurden, nur um die Aktionen der Salafisten zu rechtfertigen. Und fragte sich, ob das sein Leben sein sollte.
So arbeitete er mit dem dänischen Geheimdienst zusammen, die natürlich über diesen Insider froh waren. Auch der englische und amerikanische Geheimdienst bekundeten bald Interesse und setzten ihn für ihre Pläne und Aktionen ein.
Doch auch hier wurde er nicht glücklich. Das Doppelleben zerrte an den Nerven, belastete sein Familienleben und auch die Welt der Geheimdienste ist nicht so berückend. So sagte er auch dort Ade und veröffentlichte eine Serie von Zeitungsartikeln, aus denen dieses Buch entstand.
Natürlich muss man bei Berichten von Agenten immer vorsichtig sein. Doch die Ereignisse sind gut dokumentiert, zahlreiche Fußnoten belegen seine Erzählungen.
Das wichtigste ist aber die Innenansicht aus der Salafistenszene. Welche Gedankenwelt diese prägen, warum junge Männer ihr Leben für den Terror geben wollen. Und wer denn diese Terrorpaten sind, die sie zum Djihad verführen.
Auffällig, wie sehr sie durch den Westen, den sie angeblich so hassen, geprägt sind. Al Awlaki ist Anhänger der radikalen Frauenverschleierung, Frauen dürfen ohne ihren Ehemann gar nichts. Gleichzeitig wünscht er sich sehnlichst eine westliche Ehefrau, weil die arabischen Frauen ihm nicht "sexy" genug sind. Etwas, das auch die Gedankenwelt anderer Topterroristen bevölkert. Anna Erelle berichtet ähnliches in ihrem Buch Undercover-Dschihadistin: Wie ich das Rekrutierungsnetzwerk des Islamischen Staats ausspionierte.
Auch über die Arbeit der Geheimdienste berichtet er, ihre Eifersüchteleien, wie sie Agenten verheizen und sich lange Aufenthalte in Luxushotels und Sexbars auf Staatskosten genehmigen.
So entstand ein Buch, das sich wie ein Thriller liest und viel über das Innenleben und die Gedankenwelt der Salafisten enthüllt. Einziges Manko: Die Printausgabe ist sehr, sehr klein gedruckt, was das Lesen bei schlechtem Licht erschwert.

Hans Peter Roentgen


Heute schon geschrieben?: Mit Profitipps zum Bucherfolg, Band 2
Heute schon geschrieben?: Mit Profitipps zum Bucherfolg, Band 2
von Diana Hillebrand
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verlockung zum Schreiben, 26. Dezember 2015
»Regelmäßig kommt in meinen Schreibkursen die Frage auf nach einem Generalplan. Es wäre zu schön, wenn man eine Art Grundrezept hätte oder noch besser: gleiche einen Bestseller-Bausatz. Glauben Sie mir, ich – und vermutlich viele andere Autoren auch – würden Ihnen sehr gerne einen solchen Bausatz liefern. Aber um die Wahrheit zu sagen: Es gibt ihn nicht. Es gibt keine ultimative Anleitung, nach der man Bücher schreiben kann, keine Anweisung, die Sie von A-Z durcharbeiten können und am Ende kommt ein Buch dabei heraus.«

Diana Hillebrand ist nicht nur eine erfahrene Autorin, sie teilt ihre Erfahrungen auch mit ihren Schülern in zahlreichen Schreibkursen. Daraus entstand dieser Band, der sich mit Plot und Planung, Spannungsaufbau, Schluss und Überarbeitung, Verlagen und Agenten, sowie dem Marketing für Autoren beschäftigt.

Was kann ein Schreibratgeber enthalten, der gleich am Anfang sagt, dass es keine Anleitung gibt, nach der man Bücher schreiben kann? Heißt das nicht, dass Schreibratgeber vergebliche Liebesmüh sind, die den Lesern solche Anleitungen vorgaukeln?

Doch, Schreibratgaber können angehenden Autorinnen und Autoren nützen. Das gilt besonders für dieses Buch. Zwar liefert es kein Rezept zum Bestseller, dafür aber eine Fülle nützlicher Tipps, mit welchen Techniken sich Probleme beim Schreiben lösen lassen. Diana Hillebrand bietet ihren Lesern einen gut gefüllten Werkzeugkasten an, mit Techniken, Erfahrungen, vielen Beispielen und – nicht zu vergessen! – auch zahlreichen Übungen. Vor allem aber erinnert sie ihre Leser daran, dass man Schreiben muss, um ein guter Autor zu werden. Schreiben Sie ! Täglich ! das ist wohl der wichtigste Tipp dieses Buches.

So schreibt das Kapitel «Plot und Plan» dem Nachwuchsautor nicht vor, wie er an die Planung herangehen soll, wie das so mancher andere Schreibratgeber tut. Stattdessen werden Planungsmethoden vorgestellt, wie das Drei-Akt-Modell, die Schneeflocken-Methode und diskutiert, welche verschiedenen Möglichkeiten Plotter und Bauchschreiber haben und dass es zwischen beiden Methoden durchaus Mischformen gibt. Vor allem letzteres wird gerne vergessen.

Im Spannungskapitel finden sich insgesamt siebzehn Techniken, um Spannung zu erzeugen, aus denen sich der Leser die für ihn geeignetesten heraussuchen kann. Darunter auch der Hinweis auf Musik, Rythmus und Dynamik der Sätze, etwas, das viele Schreibratgeber sträflich vernachlässigen.

Ich kann hier nicht sämtliche Einzelheiten des Buches auflisten. Lesen Sie es selbst, es lohnt sich. Denn das Buch liest sich ebenfalls spannend, die Sätze von Diana Hillebrand haben Rythmus und Dynamik und es macht Spaß, darin zu lesen.

Die einzelnen Kapitel sind auch als Ebook erschienen, der Uschtrin-Verlag hat sie jetzt dankenswerterweise als Printbuch herausgegeben. In einer sehr sorgfältigen, illustrierten und ansprechenden Aufmachung, die allein schon Lust zum Lesen macht.

Hans Peter Roentgen


Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen
Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen
von Ahmad Mansour
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warum Jugendliche nach Syrien gehen, 12. Dezember 2015
«In jüngster Zeit häuften sich offen antisemitische Äußerungen bei den Jugendlichen. Mit Entsetzen hatte die Sozialarbeiterin erlebt, wie Jugendliche die Nachricht von Anschlägen auf jüdische Einrichtungen in Europa regelrecht beklatschten. Und auch wenn die Anwesenheit von Mädchen im Treff an sich normal sei, tauchten jetzt bei männlichen und sogar bei weiblichen Besuchern immer öfter fragwürdige Rollenzuweisungen zwischen den Geschlechtern auf. 'Bedecke dich, Schwester, bevor du auf ewig zur Nahrung für das Höllenfeuer wirst.' Solche und ähnliche Mahnungen waren plötzlich zu hören.«
Ahmad Mansour ist arabischer Israeli und hat selbst erlebt, wie man in den radikalen Islam hineinrutscht. Wie die Salafisten Jugendliche verführen. Jetzt will er dem vorbeugen und hält in Deutschland Workshops ab, berät Eltern, deren Kinder in islamistische Gruppen geraten oder gar nach Syrien in den Kampf für den IS ziehen wollen.
Dieses Buch will dem Leser vermitteln, was denn so faszinierend daran ist. Und zeigen, dass wir viel früher reagieren müssen, denn die Salafisten schotten sich ab. Ist ein Kind erst einmal in diese Kreise geraten, bricht es die Kontakte zum Elternhaus ab (selbst wenn die Eltern Muslime sind) und alles, was diese Gruppe und deren Glauben in Frage stellt, ist "haram" - unrein, unzulässig. Jeder Zweifel, jede Frage ist bereits des Teufels.
Doch warum geraten Jugendliche dann in derartig abgeschottete Gruppen?
Die Salafisten sind die besseren Sozialarbeiter, sagt der Autor. Sie können die Jugendlichen ansprechen, nehmen sie ernst, reden auf Augenhöhe mit ihnen. Laden sie unverbindlich in die Moschee ein, zu den radikalen Predigern, die Saudiarabien aussendet. Die Jugendliche begeistern können, ihnen eine Aufgabe geben.
Und alle Sünden werden dir vergeben, wenn du umkehrst, Bruder. Gerade Jugendliche, die Drogen und Alkohol mißbraucht haben, bietet das eine attraktive Möglichkeit der Umkehr. Die Prediger docken außerdem an ein strenggläubiges Islamverständnis an, das viele dieser Jugendliche im Elternhaus erlebt haben. Die festen Regeln bieten Halt in einer Zeit, in der viele unsicher sind. Und die Zahl der Salafisten steigt kontinuierlich, ebenso die derjenigen, die als Djihadisten nach Syrien ziehen. Der Djihadismus ist mitten in unserer Gesellschaft angekommen und spricht auch viele Jugendliche an, die gar nicht aus muslimischen Familien stammen. Ein junger Mensch, der vorher kaum Anerkennung erfahren hat, findet sich nun in sicheren Strukturen wieder, in denen ihm Achtung und ein Versprechen von Macht eingeflüstert werden.
Dagegen ist die Gesellschaft mit den Bedürfnissen dieser Jugendlichen überfordert. Sie versteht häufig die Psychologie dahinter nicht.
Religion ist bei den Salafisten nicht nur eine identitätsstiftende Größe, sie ist ein unantastbarer heiliger Gral geworden.
Lehrer und Sozialarbeiter sind oft hilflos. Sie "haben es satt, von einer Fortbildungsveranstaltung zur nächsten geschickt zu werden. Sie haben Veranstaltungen besucht, auf denen furchtbar viel geredet und Flipchart nach Flipchart vollgeschrieben wird mit Phrasen, die ihnen helfen sollen, die Jugendlichen vom Pfad der Radikalisierung abzuhalten."
Die Politik bezuschusst solche Veranstaltungen. Aber selten wird nachkontrolliert, ob sie auch tatsächlich hilfreich sind. Mittlerweile gibt es eine Workshop-Mafia, die weiß, wie man die Anträge formulieren muss, damit Politiker bereit sind, die Zuschusstöpfe zu öffnen. Aber Predigten, dass der Islamismus furchtbar schlecht sei, bringen die Jugendlichen nicht zurück. Und ein festgefahrenes "Wir - Ihr" Schema erst recht nicht.
Sind wir also machtlos?
Nein, meint Ahmad Mansour. Er hat selbst eine Islamisierungsphase durchgemacht und dieses starre Gedankengebäude überwunden. Man muss Jugendliche reden lassen, Fragen stellen, das feste Freund-Feind Denken ins Wanken bringen. Zeigen, dass Fragen weiterhelfen. Denn die Radikalen arbeiten nach der Methode: "Der Islam ist die Wahrheit", sagt Pierre Vogel, ein Konvertit, und dass man dieser Wahrheit folgen müsse. Fragen kommen dort nicht vor, Zweifel erst recht nicht.
Ich will hier nicht alles wiederholen, was Ahmad Mansour über die Generation Allah sagt. Das müssen Sie schon selbst lesen und das sollten Sie auch.
Aber noch ein paar Gedanken über das Thema hinaus. Feind-Freund Schemata gibt es auch anderswo. Ebenso die Weigerung, Fragen zuzulassen, festgefügte Gedankengebäude und jeder, der Fragen stellt, ist der Feind. Die Medien verbreiten nur Lügen, wir sind die Opfer, das alles findet sich mittlerweile auch anderswo. Pegida und die zahlreichen Anti-islamischen Gruppen im Internet funktionieren nach genau dem gleichen Schema. Auch dort weigert man sich, mit "Ungläubigen" (=Lügenpresse) zu reden, auch dort ist das Freund-Feind Schema beliebt, auch dort können kleinste Anlässe zu wütenden Protesten führen, etwa ein Adventskalender mit dem Namen "1001 Nacht".
Und schaut man sich die Vertreter der "Islamophobie" Theorie an, so stellt man fest, dass dort ebenfalls jeder Kontakt mit "Ungläubigen" am besten zu verhindern sei. Mittlerweile gibt es Computerprogramme, mit deren Hilfe man feststellen kann, ob irgendeiner der FB Freunde Freunde hat, die schon mal AfD oder Pegida Seiten gelikt hat. Die Bereitschaft, miteinander zu diskutieren, zu reden, unterschiedliche Meinungen zuzulassen, scheint auch gesamtgesellschaftlich immer mehr auf dem Rückzug begriffen.
Aber gerade das wäre das beste Prophylaxe gegen Radikalisierungen.

Hans Peter Roentgen
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 17, 2016 10:45 AM CET


Sprengkraft
Sprengkraft
von Horst Eckert
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

5.0 von 5 Sternen Prophetisches Buch, 7. Dezember 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sprengkraft (Taschenbuch)
»Als Abderrafi Diouri seinen Wagen abschloss, fiel sein Blick auf die schöne Tasnim, die keine dreißig Meter entfernt aus dem Bus stieg. Er wusste, dass es kein Zufall war, sondern Schicksal – gerade noch hatte er an sie gedacht.
Die Siebzehnjährige trug eine knallgelbe Tasche an einem Riemen über der Schulter und schlenderte die Strasse entlang.
Kein Blick zu ihm herüber. Und keinen Hijab – sie trug das Haar schamlos zur Schau.
[…]
Vielleicht sollte er mit Tasnims Bruder reden.
Rafi ärgerte sich, dass ihn der Gedanke an eine Frau so plagte, obwohl er längst wusste, dass das irdische Leben nicht zählte. Nicht Partys, nicht Alkohol, sondern ausschließlich Allahs Wort und das Beispiel des Propheten.«

Rafi will sein Leben für den richtigen Glauben geben. Und die Ungläubigen dafür strafen, was sie den gläubigen Muslimen antun. In Palästina, im Irak, in Afghanistan.
Die Ehrenfelder CDU will derweil einen Moscheeneubau verhindern.
Moritz Lemke wird Pressesprecher der Freiheitlichen. Die wollen ihren Ruf als rechte Partei ablegen und in der Mitte der Gesellschaft wildern. Mit der islamischen Bedrohung auf Stimmenfang gehen.
Dazwischen stehen Martin Zander und Anna Winkler von der Mordkommission, die einen alten Fall aufklären wollen. Vor eineinhalb Jahren wurde Rafis Bruder ermordet.

Was sich wie ein superaktueller Krimi nach dem Paris-Anschlag anhört, ist in Wirklichkeit 2009 erschienen. Aber inklusive Bombenanschlag auf ein Stadion. Inklusive einer rechten Gruppe, die sich seriös gibt, der AfD ähnelt, obwohl es diese Partei noch gar nicht gab, als Horst Eckert den Roman schrieb. Und Salafisten die dieser neuen Partei die Wähler zutreiben.

Horst Eckert lässt seine Figuren leben, wir können ihnen folgen, verstehen sie. So schwierig das auch ist, wenn es sich um mordbereite Salafisten, Populisten á la Pegida oder um Industrielle handelt, die Nazi-Devotionalen sammeln. Und er nimmt sie ernst. Da wird nichts verharmlost, aber auch nicht die islamische Gefahr an die Wand gemalt.

Deshalb klingt diese Geschichte von 2009 so aktuell, als hätte der Autor eine Zeitreise ins Heute gemacht, als wäre das Buch gerade erst erschienen, als sollte es eine Antwort auf die aktuellen Ereignisse sein.

Ein spannender Roman mit bedrückendem Zeitkolorit und einem realistischen Einblick in die Mechanismen, mit denen sich Pegidas, Salafisten und Neonazis die Bälle zuspielen. Ich kenne keinen Roman, der so detailliert die Konflikte rund um islamistischen Terror und Pegida-Populismus schildert und gleichzeitig seine Personen derart ernstnimmt, auch wenn es schmerzt.

Hans Peter Roentgen


Islamic State: The Digital Caliphate
Islamic State: The Digital Caliphate
von Abdel Bari Atwan
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Islamischer Staat - Djihad mit Hilfe des Internets, 31. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der islamische Staat beherrscht mit seinen Gräueltaten die Medien. Abdel Bari Atwan schreibt seit über zwanzig Jahren über den Nahen Osten, er hat den Aufstieg der Djihadisten verfolgt und in diesem Buch gibt er dem Leser einen Überblick über den islamischen Staat (IS), seinen Aufstieg, seine Methoden und Ziele.

Köpfen, lebendig verbrennen, versklaven, all diese Gräuel des islamischen Staates sind nicht zufällig, sondern geplante Politik dieser Gruppe. Mit immer neuen Brutalitäten sichert sich IS die Schlagzeilen, wurde bekannt und kann so immer neue Gotteskriege anziehen. Alles andere als eine mittelalterliche Splittergruppe weiß IS die Medien und die neuen Techniken von Facebook über Twitter bis zu den Möglichkeiten der spurenlosen Internetnutzung für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Doch der Terror soll nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen und die eigene Gruppe unter den Muslimen ins rechte Licht rücken. Er soll auch die Feinde so einschüchtern, dass niemand mehr Widerstand wagt. Wie wirkungsvoll diese Taktik ist, zeigt die wiederholte Flucht irakischer Soldaten, die ihre Waffen und Uniformen wegwarfen. Verständlich, denn IS vergibt nicht. Gegner, die in ihre Hände fallen, erwartet lebendig begraben zu werden, der Genickschuss oder das Verbrennen. Und auch Muslime mit anderer Koranauslegung haben im IS keine große Lebenserwartung.

Mit diesen Methoden hat es IS geschafft, die Konkurrenz unter den Gotteskriegern auszuschalten. Al Quaida hat seine Faszination seit Bin Ladens Tod verloren, die Djihadisten aller Couleur strömen jetzt dem selbsternannten Kalifen zu. Von Boko Haram in Nigeria über den Jemen und Nordafrika bis zu Indonesien haben die Führer anderer Organisationen dem Kalifen Treue geschworen. Der Tod von Bin Ladem hat eine neue, viel gefährlichere Gruppe zur Spitzenstellung verholfen.

Abu Bakr al Baghdadi nennt sich der neue Kalif, angeblich ist er ein Nachfahre Mohammeds und stammt aus dessen Stamm, was seinem Anspruch, über alle Gläubigen zu herrschen, weiteren Nachdruck verleiht. Doch so überraschend, wie er in den westlichen Medien auftauchte, ist sein Aufstieg nicht, und wer den Hintergrund wissen will, der erfährt es in diesem Buch.

Begonnen hatte es in Afghanistan. Als die Sowjetunion dort einmarschierte, unterstützten die USA, der pakistanische Geheimdienst und vor allem die Saudis die Aufständischen und insbesondere die religiösen Gruppen. Schließlich waren die Sowjets Atheisten, die Glaubenskrieger also Feinde der Kommunisten und der Feind meines Feindes ist mein Freund, nicht wahr? In den Moscheen in Saudiarabien wurde zum heiligen Krieg aufgerufen, weit über zehntausend Saudis zogen nach Afghanistan. Für das Königshaus hatte das einen angenehmen Nebeneffekt: Es wurde die radikalen Islamisten los, die ihr Regime bedrohten. Die USA lieferten Waffen und bildeten aus, Pakistans Geheimdienst, eine Hochburg islamischer Fanatiker, lieferte Konzepte und Rückzugsgebiete und die Sowjetunion erlebte ihr Vietnam.

Doch die Glaubenskrieger waren nach dem Untergang des Kommunismus nicht bereit, die Waffen niederzulegen. Ihr Ziel, eine streng islamische Gesellschaft nach dem (angeblichen) Muster der Gesellschaft Mohammeds zu schaffen, verfolgten sie weiter. Und das Leben als Krieger hatten sie lange geführt und nur wenige von ihn waren bereit, das aufzugeben.

Die Geister, die sie riefen, wurden sie nun nicht mehr los. Al Quaida wendete sich jetzt dem nächsten westlichen Gegner zu. Mit dem Angriff auf die Zwillingstürme am 11.9. erwarben sie sich Reputation unter den radikalen Muslimen.

Dann marschierten die USA in den Irak ein, der Fall Saddam Husseins öffnete die Grenzen für die Glaubenskrieger, und die Offiziere und anderen Gefolgsleute Saddams wurden entlassen. Heute dienen sie in der Armee des IS und sind einer der Gründe, warum diese Armee denen der anderer Gruppen und des irakischen Staates haushoch überlegen ist.

Die arabische Revolution wurde im Westen bejubelt und viele Araber setzten große Hoffnungen darein. Gleiches galt für die Proteste in Syrien, erst friedlich, dann mit Waffen sollte Assad gestürzt werden. Einer der grausamsten Diktatoren war er, den konnte der Westen nicht unterstützen. Doch gerade dieser Krieg nutzte den Vorläufern des IS. Heute scheint IS die einzige Kraft zu sein, die Assad stürzen und die einzige, die das korrupte schiitische Regime in Bagdad in die Knie zwingen kann. Wen wundert es, dass soviele Schiiten sich auf die Seite des neuen Kalifen schlagen? Dass IS obendrein die einzige Kraft zu sein scheint, die wieder Ruhe und Ordnung in das Bürgerkriegschaos bringen könnte, kommt dazu. Das Buch schildert detailliert und mit vielen Quellenangaben diese Ausgangslage.

Auch das ist durchaus geplante Strategie: Chaos schaffen, damit die eigene Gruppe als einzige Möglichkeit dasteht, wieder ein friedliches Leben zu garantieren. Die Nazis haben die gleiche Methode benutzt und damit ebenfalls Erfolge erzielt. Auch sie benutzten die modernen Kommunikationsmittel (damals das Radio) geschickt und beriefen sich gleichzeitig auf die glorreiche Vergangenheit. Nur waren es in Deutschland die Germanen, deren Leben als Vorbild dienen sollte.

Natürlich ist die Theologie des neuen Kalifen und seine Koranauslegung nicht unumstritten. Hunderte muslimische Theologen haben heftigst widersprochen. Leider sind viele junge Muslime durch die alten Theologen gar nicht mehr erreichbar, für sie sind der neue Kalif und die radikalen wahabitischen Prediger die Stars. Angeblich verehren mehr als 90% der Saudis den neuen Kalifen, zum Schrecken des Königshauses, das die Unterdrückung jeder eigenen Meinung deshalb noch einmal verschärfte. Dabei waren es die Saudis, die anfänglich IS und seine Vorläufer finanziert haben.

Die Theologie Abu Bakrs ist nicht neu. Saudi Arabien hat jahrzehntelang überall in der Welt tausende Medressen, Moscheen und Schulen gegründet und unterstützt, die die radikale wahabitsche Koranauslegung verbreitet haben. Sie bezieht sich auf die Koransuren und Hadithe aus der Kriegszeit Mohammeds. Theologen, die darauf hinweisen, dass das historisch bedingte Aussagen sind, die man nicht einfach so übernehmen könne, haben keine große Lebenserwartung. Den Mullah der Moschee, in der er sein Kalifat verkündete, ließ Abu Bakr vorher köpfen, wie auch alle anderen, die ihm und seiner Koranauslegung nicht Treue schwören wollten.

Auch die Rolle der Wahabiten und deren Koranauslegung schildert das Buch anschaulich. Es findet sich eine Fülle von Material zur Geschichte des nahen Ostens und des Islams. Leider ist es nicht optimistisch. Nicht nur die USA, sondern auch die anderen Mächte, Saudis, Iran, Schiiten, Saddam, Assad, sie alle haben mit ihren jeweiligen Eigeninteressen dazu beigetragen, dass die Region im Chaos versank – und so dem IS das Wachsen ermöglicht.

Nicht nur Männer folgen dem Aufruf zum Glaubenskrieg. Angeblich sind 20% Frauen, die entweder selbst kämpfen wollen – oder sich einen Glaubenskrieger als Mann wünschen. Oft als Flucht aus einem strengen Elternhaus, aus Abenteuerlust. Die unterschiedlichen Motive, die Männer und Frauen um die Zwanzig, zum Teil aber auch jünger, in die Arme Kalifats treibt, werden an vielen Beispielen im Buch erläutert. Abenteuerlust, das Gefühl, etwas sinnvolles zu tun, das eigene Scheitern in der westlichen Welt, Kämpfen, als reales Abenteuerspiel, die Motive sind unterschiedlich.

Dabei sind die Glaubenskrieger aus dem Westen durchaus nicht frei von den westlichen Vorlieben. Eine wirbt im Internet mit ihrem Schokoladenkuchen mit M&M, andere sehnen sich nach Nutella und Marmite.

Atwan gibt keine Patentrezepte. Vielmehr sagt er aufgrund seiner Analyse, dass das Kalifat und der Bürgerkrieg noch viele Jahre erhalten bleiben werden. Und er beschreibt das Dilemma des Westens, der aufgrund der eigenen moralischen Ansprüche eine brutale Kriegsführung wie IS nicht führen kann – und meist auch nicht will. Abu Graib war schlimm genug, aber nichts, was Glaubenskrieger schrecken könnte. Jede Verschärfung der Gesetze, alle erweiterten Rechte für Geheimdienste und Polizei bergen die Gefahr, dass sich noch mehr Muslime an den Rand gedrängt fühlen und ihr Heil in Mossul suchen, so dass der Westen noch mehr in die Defensive geraten würde.

Ich weiß nicht, wie ich entschieden hätte, wenn ich die Außenpolitik hätte bestimmen können. Vermutlich genauso falsch, wie all die Politiker, deren Aktionen in dem Buch beschrieben werden. Ein wenig lässt mich das bescheiden werden. Verschwörungstheorien und moralische Entrüstung ärgern mich mittlerweile. Diese Selbstgerechtigkeit derer, die hinterher immer alles besser wissen und den moralischen Zeigefinger erheben, hilft nichts. Übrigens ist der zum Himmel erhobene Zeigefinger das Zeichen der IS.

Eines lässt sich dem Buch auch entnehmen. Die Gefahr, dass der IS Anschläge plant, ist im Moment eher gering. Ihre Propaganda zielt darauf, Glaubenskrieger in den nahen Osten zu locken, damit sie als Selbstmordattentäter dort verheizt werden können. Wer zurückgeht, ist ein Fahnenflüchtiger, ein Verräter, und darauf steht der Tod.

IS setzt sich immer ein konkretes Ziel, verzetteln ist nicht seine Art. Erst einmal Irak und Syrien, dann Saudi Arabien mit Mekka und Medina, den heiligen Stätten. Und dann sehen wir weiter, dann werden wir Europa überrennen. So das Konzept. So werden weiterhin vor allem Muslime die Opfer der Gotteskrieger werden. Dennoch: Denen, die nicht die Reise ins Kalifat auf sich nehmen wollen, um als Martyrer zu sterben, rät der Kalif, doch wenigstens in den westlichen Staaten ein paar Ungläubige mit dem Auto tot zu fahren.

Ein ausführlicher Index zum Nachschlagen und ein genauer Nachweis der Quellen tragen dazu bei, dass das Buch eines der besten Werke über den IS ist, das ich kenne.

Hans Peter Roentgen


Die Bauchtänzerin
Die Bauchtänzerin
Preis: EUR 7,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Multikulti, Nationalismus und Selbstbetrug in Bosnien, 26. Mai 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Bauchtänzerin (Kindle Edition)
Zwei jungen Frauen wachsen in Bosnien auf. Vildana Mulic liebt Mode und ist eine geniale Näherin, Sandra eine gute Fotografin. Sie leben in einer bosnischen Kleinstadt, beide machen sich selbstständig. Doch die Zeiten sind gegen sie. Jugoslawien zerfällt nach Titos Tod. Die alten kommunistischen Kader und ihre Ideologie verlieren die Macht. Die Kleinstadt, eine Multikulti-Mischung aus bosnischen Muslimen, kroatischen Katholiken, serbischen Orthodoxen, sogar ein deutscher Donauschwabe gehört dazu, löst sich auf. Die kommunistische Ideologie, die die Spannungen und die blutige Geschichte Bosniens mit Parolen übertüncht hatte, zerfällt. Vildanas Bruder glaubt an Europa, das den Bürgerkrieg verhindern werde, ihr Vater an die alten kommunistischen Ideale, andere an die Volksarmee, die Jugoslawien von Hitlers Horden befreit hat. Alle werden sie enttäuscht und ihre Träume zerbrechen an der Wirklichkeit.

Und die beiden Frauen werden in den Strudel gerissen. Wer seine jugoslawischen Dinare nicht sofort umtauscht, hat am Wochenende nur noch wertloses Papier. Jetzt zählt nur noch, wer zu welcher Gruppe und Religion gehört. Die Volksarmee wandelt sich zur serbischen Armee, jede Gruppe pflegt die eigenen Mythen und alles, was dem widerspricht, wird heftigst bekämpft. Neue Parteien werden zugelassen, doch die erhoffte Demokratie bringt nur Chaos.

Safeta Obhodjas führt uns diesen Zerfall vor Augen. Anschaulich lässt sie die Kleinstadt vor unseren Augen entstehen. Nicht der Horror des Bürgerkriegs in Bosnien und Herzegowina ist der Schwerpunkt, sondern die Vorgeschichte. Gut, einfach geschrieben, zieht die Autorin die Leser in den Bann. Dem Buch würde ich viele Leser wünschen, dem Culturbooks Verlag gebührt Dank, dass er dieses Buch herausgebracht hat.

Eigentlich habe ich nur zwei Kritikpunkt. Dass die üblichen Anführungszeichen durch Gedankenstriche ersetzt wurden, erschwert die Lesbarkeit. Und dass das Buch nicht auch als Print erscheint, beschränkt die Leserzahl. Aber in den Zeiten des Print on Demands entschließt sich der Verlag vielleicht doch noch zu einer Druckausgabe?

Hans Peter Roentgen


1000 Peitschenhiebe: Weil ich sage, was ich denke
1000 Peitschenhiebe: Weil ich sage, was ich denke
Preis: EUR 4,99

39 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein leidenschaftliches Bekenntnis zu Toleranz und Meinungsfreiheit, 1. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
»Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, eine neue Lesart des Liberalismus in Saudi-Arabien zu finden und meinen Teil zur Aufklärung meiner Gesellschaft beizutragen. Ich habe versucht, die Mauern der Unwissenheit niederzureißen, die Heiligkeit des Klerus zu brechen, ein wenig Pluralismus zu verbreiten und Respekt vor Werten wie Ausdrucksfreiheit, Frauenrechten und den Rechten von Minderheiten und Mittellosen in Saudi-Arabien.
Das war mein Leben, bevor ich im Jahre 2012 verhaftet und mit Personen, die man aufgrund der verschiedensten Kriminaldelikte festgenommen hatte, zusammengeworfen wurde«

Raif Badawi ist zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden, zu 1.000 Peitschenhieben und zur Zahlung von umgerechnet ca. 200.000€ verurteilt worden. In Saudi-Arabien, weil er „den Islam beleidigt habe“. Auf Beleidigung des Islams stehen in muslimischen Staaten schwere Strafen, in einigen dieser Staaten kann man deshalb zum Tode verurteilt werden. Gleichermaßen gefährlich ist der Abfall vom Glauben, deshalb wurde er im ersten Prozess verurteilt.

„Beleidigung des Islams“ ist der Paragraph, der den Hardcore-Muslimen erlaubt, jegliche Kritik zu unterdrücken und ihre Ideologie als die einzige Interpretation des Korans und des wahren Glaubens darzustellen. Wer der Beleidigung des Islams schuldig ist, kann auch ganz ohne Prozess ermordet werden. Das widerfuhr den Zeichnern von Charlie Hebdo, deren Mördern aus den Banlieus von Paris stammten, aber indoktriniert wurden von wahabitischen Theologen aus Saudi-Arabien und dem islamischen Staat.

Gerne nehmen wir in Europa an, dass der islamische Staat und seine Theologie nicht „der wahre Islam“ sei, dass er von jungen Männern vertreten werde, die in Problemvierteln ohne Zukunftsaussichten aufwachsen und der Hass sei nur eine Reaktion auf ihre Marginalisierung.

Dieses schmale Büchlein erinnert uns daran, was für eine Fehleinschätzung das ist. Diese Theologie ist die offizielle Koranlesart der Theologen, die im Zentrum der Macht sitzen, in einem der reichsten Länder der Welt und ganz und gar nicht sind sie marginaliert. Auch ist ihre Koranauslegung nicht nur eine abseitige Theorie einiger Spinner, es ist heute die offizielle Linie der meisten islamischen Staaten – und ganz besonders von Saudi-Arabien und dem Islamischen Staat (IS). Und diese Theologie bedroht nicht nur die westliche Welt – ganz im Gegenteil, sie bedroht vor allem die Muslime, die eine liberalere, eine menschlichere Lesart des Korans bevorzugen. Sie riskieren ihr Leben, wenn sie diese Meinung öffentlich kuntun. Die meisten der tausenden Opfer dieser Ideologie waren keine Europäer, sondern Muslime in muslimischen Staaten.

Das Bändchen ist nur ein Auszug aus Badawis Artikeln, einige sind verloren gegangen, andere zu speziell. Sie sind ein leidenschaftliche Bekenntniss zu Liberalität, zu Toleranz. Und so einfach sie auch geschrieben sind, so wirkungsvoll erinnern sie uns daran, dass „Meinungsfreiheit“ und „Toleranz“ keine Selbstverständlichkeiten sind.

Nicht immer war die saudische, die muslimische Welt so von Theokraten beherrscht wie heute. Badawis Großmutter erzählte ihm, dass es früher selbstverständlich war, dass Frauen und Männer gemeinsam arbeiteten – heute in Saudi-Arabien undenkbar. Dass zur saudischen Buchmesse ausnahmsweise Frauen und Männer gemeinsam gehen durften, gilt schon als Ausgeburt westlicher Verworfenheit, die von den Theokraten heftigst angefeindet wurde. Die außerdem von jeder saudischen Studentin in Großbritannien verlangen, dass sie einen männlichen „Beschützer“ nachweisen müssten.

Die Bücher der muslimischen Ketzer werden natürlich nicht auf der saudischen Buchmesse ausgestellt, wer sie besitzt, sollte sie gut verstecken. Und natürlich werden in Deutschland wieder die aufschreien, die diesem Bändchen „Islamophobie“ vorwerfen werden – schließlich hätte er sich ja nicht so leidenschaftlich für Toleranz einsetzen müssen. Das Auswärtige Amt in Berlin hat bereits vor der Veröffentlichung des Buchs gewarnt, meldete die FR. Jeder weiß doch, dass das die Gefühle der Muslime verletzt. Hat nicht auch in Deutschland ein Muslim eine Anzeige wegen „Beleidigung des Islams“ gegen den Komiker Nuhr erstattet? Dass es vor allem die Gefühle der Hardcore Islamisten beleidigt, wird gerne übersehen.

Solcher Denke lässt gerade jene Muslime und Araber (nicht jeder Araber ist Muslim!) im Regen stehen, die sich eine liberalere, tolerantere Gesellschaft erhoffen und ihr Leben riskieren, wenn sie das fordern. Und ich hoffe, dass Badawi möglichst viele Leser und noch mehr Unterstützer finden möge. Er hat es bitter nötig, die Muslime haben es bitter nötig – und wir anderen auch.

Hans Peter Roentgen


How to Write a Novel Using the Snowflake Method (Advanced Fiction Writing)
How to Write a Novel Using the Snowflake Method (Advanced Fiction Writing)
von Randy Ingermanson
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Romanentwicklung mit Schneeflocken: Witzig und spannend dargeboten, 16. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
»Goldilocks had always wanted to write a novel. […] On a beautiful morning in September, after sending her children off to school, Goldilocks sat down at her computer and opened a new document. She wanted to write an exciting story packed with romance and Suspense. It would star a handsome man and a beautiful woman and an evil villain during a dangerous time – the last year of the Third Reich.
She typed the first word of her novel “The”.
Goldilocks stopped typing. She stared at the screen. She had a million different choices for the next word. And a million for the word after that.
The possibilities were endless.
And she couldn’t type the next word. There were too many possibilities.
She didn’t dare make a mistake.«

Randy Ingermanson hat vor etlichen Jahren die Schneeflocken Methode entwickelt, um Romane zu schreiben. Sie ist mittlerweile berühmt, aber im Deutschen gibt es nur eine kurze Übersetzung. Seit Mitte 2014 gibt es ein englisches Buch zu der Methode.

Der Gedanke dahinter ist einfach: Entwickle deine Geschichte aus einem Satz, aus dem du dann fünf machst und aus jedem der fünf Sätze dann fünf Absätze und so entsteht ein Konzept des Romans. Anders als manche andere Methode ist die Schneeflockenmethode nicht auf einen Autorentyp zugeschnitten. Bekanntlich gibt es Kopfschreiber, die vorab alles planen und Bauchschreiber, die loschreiben. Die Schneeflockenmethode eignet sich für beide. Man kann immer zurückgehen und den alten Entwurf überarbeiten und dann wieder vorgehen, um den Rest anzupassen. Man kann Dinge auslassen, die für das eigene Konzept nicht nötig sind oder nicht zur Arbeitsweise des Autors passen.

Vor allem ist dieses Buch eine unterhaltsame Reise durch die Abgründe des Romanschreibens, das nicht nur die Methode vorstellt und eine Menge über die hohe Kunst des Geschichtenerzählens, sondern uns zwei Geschichten erzählt. Einmal die Geschichte eine Fallschirmspringers und einer Französin und wie diese Geschichte entwickelt wird aus der sehr allgemeinen und nichtssagenden Form „Ich möchte eine Romanze über einen ansehnlichen jungen Mann und eine schöne Frau im letzten Kriegsjahr schreiben“.

Und dann ist da die Geschichte von Goldilocks, Papa Bär, Mama Bär und dem kleinen Bär, die sich auf einer Autorenkonferenz treffen. Mit dabei der große böse Wolf, Robin Hood, drei kleine Schweinchen und einige andere Möchtegern Schriftsteller. Auch das entwickelt sich anhand der Schneeflockenmethode und ist höchst unterhaltsam, weil einem so manche bekannte Autorenfigur über den Weg läuft. Wer ehrlich ist, erkennt sich dabei selbst.

Und mit den Autorenfiguren begegnet man auch so mancher Schwierigkeit, so manchem Problem, mit dem Nachwuchsautoren konfrontiert werden. Wie wäre es mit dem Bösewicht, um den so mancher Autor einen großen Bogen macht, anstatt ihn lebendig und mitfühlend zu schildern? Oder den abstrakten Sätzen, statt anschaulich den Lesern das Problem erleben zu lassen?

Das Buch hat nur einen Wermutstropfen. Dass es nicht auf Deutsch erhältlich ist.

Hans Peter Roentgen
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 30, 2015 9:11 AM MEST


Schattenboxer (Vincent Veih ermittelt)
Schattenboxer (Vincent Veih ermittelt)
von Horst Eckert
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwarz, schnell und nicht weglegbar, 7. März 2015
»Also der Anwalt präsentiert eine Frau, die behauptet, zum fraglichen Zeitpunkt mit Götz zusammengewesen zu sein, und schon knickt die gesamt Justiz ein?«
»Herr Veih ...«
»Auf diese Art können wir sämtliche Morduntersuchungen der letzten Jahre neu aufrollen! Wie begründet es die Frau denn, dass sie erst jetzt mit ihrer Neuigkeit angerannt kommt?«
»Sie war damals illegal im Land und fürchtete die Abschiebung. Erst später hat sie einen Deutschen geehelicht und sich einbürgern lassen und war danach zur Aussage bereit.«
»Und die ist schlüssig und glaubhaft?«
»Ausreichend im Sinne des Paragraphen 359 der Strafprozessordnung.«

Vincent Veih ist gerade Leiter des KK11 geworden. Da erfährt er, dass der Fall Polesch neu aufgerollt werden soll. Weil der Anwalt des Mörders eine Entlastungszeugin gefunden habe, die er im Prozess nie präsentiert hat. Die Schmauchspuren am rechten Ärmel der Jacke von Polesch, die Tatwaffe, die die Polizisten in seinem Zimmer gefunden haben, die DNA Spuren, alles umsonst?

Der Mord war ein besonders heimtückischer Fall, die Tochter eines Polizisten wurde dabei verletzt und lag tagelang im Koma. Vor wenigen Tagen hat sie sich umgebracht. Und jetzt wittert der Anwalt Morgenluft und will den Prozess neu aufrollen. Unterstützt wird er von einer Initiative, die der Polizei Rassismus vorwirft. Denn der verurteilte Mörder ist schwarz.

Dass Veihs Mutter ein neues Buch herausbringt, macht es nicht besser. „Frei und ohne Furcht“ heißt es und damit macht die Ex-Terroristen Kohle und Karriere. Umgeben von schwarzgekleideten Kulturfuzzies, die sie verehren. Ihrem Sohn hat sie erst den zweiten Vornamen „Che“ verpasst und ihn später verlassen. Seine Kollegen hatten ihn deshalb für einen Maulwurf der Terroristenbande gehalten.

Horst Eckert hat aus der deutschen Vergangenheit, aus RAF, dem Mord an dem Treuhandchef und manchem anderen einen Krimi gebastelt, der einem den Atem nimmt. Hardboiled crimi noir, das können nur die Amis? Falsch, Eckert kann das ebenfalls, das hat er bereit mit Schwarzlicht bewiesen und jetzt wieder mit Schattenboxer.

Und er versteht es, die Geschehnisse aus immer neuer Perspektive zu schildern, was eben noch gesichert erschien, sieht plötzlich ganz anders aus. Der Polesch Mord wird zu einem ...

Nein, das verrate ich jetzt nicht. Das müssen Sie selbst lesen. Und lesen sollten Sie diesen Krimi auf jeden Fall. Weil er zeigt, zu was deutsche Krimiautoren fähig sind.

Hans Peter Roentgen


Über das Schreiben
Über das Schreiben
von Sol Stein
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

35 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DAS Standardwerk über das Schreiben, 24. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Über das Schreiben (Gebundene Ausgabe)
Ich sitze vor meinem Text. Irgend etwas stimmt nicht, ich kann aber nicht sagen was. Der Bleistift, extra scharf gespitzt, tritt nicht in Aktion. Wie zum Teufel kann ich den verdammten Text verbessern, wenn ich nicht weiß, was ihm fehlt? Kommt euch dieses Gefühl bekannt vor? Dann solltet ihr euch Soll Steins Buch anschauen. Lange Zeit war dieses Werk vergriffen, wurde gebraucht zu Höchstpreisen gehandelt, jetzt hat der Autorenhausverlag es dankenswerterweise neu aufgelegt.

Aus seiner Arbeit als Herausgeber und Lektor bringt Sol Stein eine Fülle von Beispielen, wie Texte verbessert werden können und vor allem: welche Texte verbessert werden müssen. Sein Buch liest sich spannend und oft habe ich nach einem Kapitel meinen Text hervorgekramt, weil ich Lust hatte, ihn zu verbessern. Meist fielen mir auch die Stellen auf, die ich ändern musste. Heute überarbeite ich selbst Texte von Autorinnen und Autoren – Sol Stein war mein wichtigster und erster Lehrmeister.

Wer alle Regeln über das Schreiben kennt, kann sowenig schreiben, wie einer mit allen Regeln des Fahrradfahrens im Kopf Rad fahren kann. Übung gehört in beiden Fällen dazu und zum Üben bietet das Buch viele Beispiele.

Personen haben gute und schlechte Seiten, starke und schwache. Ein Protagonist, der nur edel, ein Schurke, der nur gut ist, sind keine Persone,n sondern Maschinen. Niemand interessiert sich, was Maschinen zustößt, es sei denn, sie entwickeln wie Frankenstein menschliche Züge. Geschichten entwickeln sich aus Personen, was dem blonden Siegfried zustieß, hätte Odysseus nicht passieren können - die Nibelungensage wie die Odyssee entwickeln ihre Handlung aus den unterschiedlichen Charakteren ihrer Helden. Einfach nur einen Plot entwickeln, um dann Personen einzustreuen, bringt bestenfalls drittklassige Actionfilme hervor. Sol Stein beginnt den Hauptteil des Buches deshalb mit der Charakterisierung der Personen und wie ein Autor es erreichen kann, dass seine Figuren Leben bekommen.

"Spannungsaufbau" und "Szenenfolge" behandelt er nicht abstrakt, wie viele anderen Schreibbücher, sondern anhand zahlreicher Beispiele, wie ein vorhandener Text verbessert werden kann.

Jeder weiß, ein Autor soll zeigen, nicht beschreiben (show, don’t tell). Sol Stein zeigt auch, wie das geht und wie ein beschreibender Text in einen zeigenden geändert wird. Er ist Fanatiker des Streichens, führt eine Unzahl von Beispielen an, Texte durch Streichen von Wörtern, Satzteilen oder auch ganzer Szenen spannender zu gestalten. "Wie wird man überflüssiges Fett los" ist denn auch eines der wichtigsten Kapitel seines Buches.

Er beschreibt die häufigsten Fehler von Autoren:
- Zu viele Adjektive und Adverbien ("Wenn Sie ein Adjektiv finden, bringen Sie es um" zitiert er Mark Twain)
- zusammenfassende ("narrative") Schilderungen des Autors, mit denen Szenen verbunden werden sollen, statt mit hartem Schnitt von Szene zu Szene zu gehen
- blasse Charaktere und was sich dagegen tun lässt.

Am Ende des Buches zeigt er, wie die Arbeit des Korrigierens so aufgeteilt wird, dass der Autor nicht alles gleichzeitig machen muss und vor allem nicht jedes Mal das gesamte Manuskript neu lesen muss. Jeder, der schreibt, sollte dieses Buch im Bücherschrank haben.

Hans Peter Roentgen


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