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Rezensionen verfasst von
M. Lehmann-Pape
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Himmel - Herrgott - Sakrament: Auftreten statt austreten
Himmel - Herrgott - Sakrament: Auftreten statt austreten
von Rainer M. Schießler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erfrischend, 11. April 2016
Hemdsärmelig, fröhlich, den Blick nach vorne (und oben) gewandt, auf die Menschen konzentriert und nicht das Dogma alleine in die Mitte stellend (durchaus aber mit beiden Beinen auf dem Boden der katholischen Tradition und Lehre), Rainer M. Schießler ist ein Prototyp fast eines modernen Priesters, der durchaus vor Ort „Erfolge“ feiert im Sinne einer lebendigen und ansteckenden Gemeindearbeit.

Schon das verdeckte Wortspiel des Titels des Buches ist dabei passend gewählt. Mit einer packenden, auch mal derben Sprache kommt umgehend das Zwinkern mit dazu, denn der „altbayerische Kraftausdruck“ ist bei Schießler durchaus wörtlich gemeint.

Den Himmel nahe holen, auf den Herrgott vertrauen und das Sakrament als Bild eine Kirche verwenden, die all dies an den Menschen vermittelt, das liest sich flüssig, frisch und gut im Buch.

„Nein, es ist kein Fluch, sondern schlichtweg die Aneinanderreihung dessen, was mir seit Kindesbeinen Kirche bedeutet“.

Und das, wie Schießler aus seinem Leben und seiner Arbeit zu berichten weiß, nicht nur als „inneres Vergnügen“, sondern als eine Art „Leuchten“, dass er mit seinem burschikosen und klaren Auftreten täglich versucht, in die „Welt hinein“ zu vermitteln.

Der liebende, die Menschen umsorgende Herrgott, dass ist inneres und äußeres Thema des Priesters, davon ist er, im wahrsten Sinne des Wortes, „begeistert“ und zudem sprachlich in der Lage, diese Begeisterung auf jeder Seite dem Leser unmittelbar mitzuteilen.

Mit dem klaren Ziel, aus dem Schießler von Beginn an keinen Hehl macht (er kommt nicht „hintenherum“, sondern von seiner ganzen Art her geradewegs zur Vordertür hinein) den Leser, all jene Menschen, die mit der Religion, der Kirche, den verkrusteten Strukturen vielleicht, hadern, ein stückweit zu erinnern.

Das ist wichtig auseinanderzuhalten. Schießler will nicht unbedingt und ungeduldig wieder „einfangen“, sondern sein Anliegen ist es viel mehr, die schönen, freudigen, innerlich aufhellenden Anknüpfungspunkte beim Leser zu erinnern, wieder ins Licht zu stellen, die eben jenen „Himmel“, jene Zuwendung Gottes emotional transportieren.

Man könnte (ketzerisch) sagen, dass es Schießler wichtiger ist, den Funken des Glaubens und Vertrauens wieder zu entfachen oder zu erhalten, als die reine Kirchenmitgliedschaft in den Mittelpunkt zu rücken.

Dass es für Schießler dabei selbstverständlich ist, innerhalb des Rahmens der (katholischen) Kirche fest „aufzutreten“ und dieses Glück des Glaubens zu vermitteln, zu bewahren, zu behaupten, das ist eine im Hintergrund mitlaufende Grundhaltung, die so klar im Raume steht, dass sie gar nicht unbedingt sonderlich breit im Buch thematisiert werden muss.

Allerdings, was Dogmatik, Sexualmoral, Priesterzentrierung und anderes Strittige an der Haltung der katholischen Kirche angeht, da läuft man bei Schießler offene Türen ein. Der Mensch steht im Mittelpunkt und das, was dem Menschen dient, nicht die Institution.

„Wir müssen Männer Gottes sein……. Gottes Werk und Teufels Beitrag“. Und da schadet es nicht, dem Leben vielfach im Taxi zunächst zu begegnen.

Die Liebe, das Gute, das Aufbauende, das ist, was Schießler zum Lebensthema für sich gefunden hat und was er mit seinen vielen Geschichten aus seinen eigenen Glaubenserfahrung und seiner Haltung als Priester im Buch erzählt. Helm, Motorrad, Gottvertrauen, ein Vertrauen in die Nähe Gottes, der für Schießler nicht Dogma, sondern lebendige Liebe ist.

„..wenn ich die Kraft zu lieben in mir finde für diesen Moment, dann wird es mir auch diesmal wieder gelingen“.

Ein flüssig zu lesendes, beeindruckendes Buch, das den Glauben in die Mitte stellt und aufzeigt, wie dieser wirken kann. Nicht unbedingt, wie dieser richtig zu verstehen ist, sondern wie er praktisch sich zeigt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 12, 2016 8:13 PM MEST


Grüner Mars: Die Mars-Trilogie
Grüner Mars: Die Mars-Trilogie
von Kim Stanley Robinson
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen In epischer Breite, 11. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Grüner Mars: Die Mars-Trilogie (Taschenbuch)
Überaus detailreich bis (fast) zum letzten Staubkorn, bis hin in Bodenfaltungen und Bodenverwerfungen, über vulkanische Höhenzüge, durch breite, öde Landschaften hin zum Südpol des Mars, das ist die Welt der in den frühen 90er Jahren erschienen „Mars-Trilogie“ Robinsons.

Ein Ort des Terra-Forming, der Besiedlung, aber auch der Auseinandersetzung eben genau über die Art der Nutzung und Gestaltung des Mars.

Während „Die ersten Hundert“, die Besiedler des Mars, mit wenigen „Anpassungen“ ihre Idee und Vision eines wirklich auch „neuen Lebens“ verwirklichen wollten, gerieten sie in Konflikt mit den industriellen und staatlichen Stellen der großen Konzerne und der tonangebenden Obrigkeit.

Dieser Bürgerkrieg ging verloren, mehr oder minder verdeckt leben die Rebellen in der Polregion des Mars. Während die offizielle Besiedlung und das Terraforming (quälend langsam) vorangeht.

Doch nun scheint eine (heimliche) Verbindung gewünscht, zwischen den Interessen eines der größten Konzerne der Erde, „Praxis“, in Person seines Gründers und Vorstandes William Fort.

Er sendet Art als seinen neuen Mitarbeiter auf den Mars, um Kontakt aufzunehmen zu den verborgenen Aufständischen. Zu einer Zeit, in der der neue Weltraumaufzug fertig gestellt wird, zu einer Zeit, in der alles ruhig scheint. Auf der Erde und dem Mars. Aber Fort ist ein Mann des weit nach vorne gerichteten Blickes.

Ein Blick der den „LZI“, den „Landeszukunftsindex“ fokussiert. Aber ob dies „dem Untergrund“ auf dem Mars bewusst und recht wäre? Oder ob noch andre Beteiligte ein doppeltes Spiel spielen?

Nun aber entsteht kein Thriller im üblichen Sinne oder eine Art „Star-Wars auf dem Mars“, sondern Robinson nutzt die volle Breite seiner Trilogie für eine hintergründige und nachhaltige Darstellung dessen, was den sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft ausmachen kann, welche Formen der sozialen Strategie denkbar sind, wie sich Gesellschaften in Frühzeiten einer Besiedlung entwickeln, welchen Formen sie folgen könnten und welche Begrenzungen durch Naturgesetze ihnen auferlegt sind. Wie daraus folgt, zu klären, welcher Umgang mit den gesetzten Bedingungen möglich ist, welche Intentionen die Wirtschaft antreibt, wie die Natur selbst „geformt“ werden kann.

So, wie sich jene riesige Baumaschine, „Das Biest“, in fast quälender Langsamkeit auf ihren Weg des Aufräumens beginnt, so schlägt auch Robinson ein sehr ruhiges, breites, Landschaft und Personen, Verhältnisse untereinander und große Pläne gegeneinander darstellendes Erzähltempo an.

Eine Art des Erzählens, auf die man sich tatsächlich einlassen können muss, um die vielfachen Facetten des Autors, die inneren Wendungen und äußeren Entwicklungen des Planeten und der beteiligten Menschen in ihrer minutiös durchdachten Entfaltung zu erleben.

Wobei manches Mal die seitenweisen Schilderungen von Landschaften oder des Abwartens oder der biologischen, chemischen oder wirtschaftlichen Erläuterungen bei aller Freude an der fundierten Darstellungsweise des Autors doch hier und da echte Geduldsproben bei der Lektüre mit sich bringen. Ein wenig Straffung zumindest hätte auch diesem zweiten Teil der Trilogie gutgetan.

Dennoch, eine faszinierende Lektüre, in der man sich durchaus für längere Zeit verlieren kann.


Brecht: Rollenmodell eines Dichters
Brecht: Rollenmodell eines Dichters
von Uwe Kolbe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Rolle und ihre Wirkung, 11. April 2016
„Brecht, wenn man sich einließ, baute jeden um“.

Sagte Max Frisch einmal. Wobei Brechts Attitüde nun allerdings auch jene war, im größeren Rahmen durch kritische Intellektualität selbst Strömungen hervorzurufen, das größere Gebilde durch Kunst „umzuerziehen“.

Oder war diese Haltung nur ein Habitus? Nur eine Selbstinszenierung um vielleicht gar zu verdeckten, dass Brecht im Kern Opportunist war? Ein Egozentriker, der für sich selbst den bestmöglichen Platz sicher einrichtete und damit eben nicht auch künstlerische, humane, kritische „Gegenkraft“ auch zu jener „geschlossenen Gesellschaft“ der DDR sein wollte?

An Brecht hat sich Uwe Kolbe schon mehrfach heran-, teils abgearbeitet. Und legt auch in diesem glänzend verfassten Essay seine rote Linie aus, Brecht als fast nur fast reines „Rollenmodell“ zu bewerten. Als einen Habitus, der durch eine zur Schau gestellte Strahlkraft eine ganze Mode quasi prägte.

Schwarz gekleidet, giftig-zynisch in der Sprache, kritisch in der äußeren Haltung, doch im Kern nur auf sich bezogen und damit auch ein Trug. Eine Rolle, die, so legt Kolbe ebenso offen, viel mehr „staatstagend“ in ihrer Funktion war, als man meinen würde und viel weniger „kritische Reflexion der DDR“ als man glaubt, auch noch aus dem zeitlichen Abstand heraus, auf die Person Brecht.

„Brecht nimmt also, hin und her, greift von Anfang an zu, grabscht dem Lied an die Brust, setzt sich jede Maske auf, unter der der Kleinbürgersohn abtauchen und wild sein kann. Er tut es nicht anders als Schausteller, Schauspieler und populäre Sänger seit je“.

Als „Frontmann seiner eigenen Band“ hat Brecht agiert, führt Kolbe aus, unter dem „Management“ der „bekannten Frauennamen“.

Natürlich ist da im Buch auch persönliche Enttäuschung zu spüren. Enttäuschung über den eigenen Weg geprägt von diesem Rollenmodell, um dann, später, die Leere hinter den Attitüden umso klarer zu sehen (und damit eben auch die eigene Haltung, dass eigene Auftreten, die eigene Wirkung in Frage stellen zu müssen).

Aber Kolbe vollzieht dies durchaus kenntnisreich, überzeugt durch Argumente, vollzieht Handlungen und Haltungen Brechts nach, die seine Sicht der Dinge durchaus untermauern und vom Sprachstil her intensiv, fast aufregend zu lesen sind.

Das jenes Verständnis des „Arbeiters“, den es kritisch intellektuell aufzuklären galt, nur ein modellhaftes, ideologisches Klischee darstellte, von Brecht selbst erfunden und erhöht.

„Brecht war darin ein Meister, genau darin“.

Und das trifft dann auch die Mitstreiter, die Nachfolger, jene, die sich in diesen Dunstkreis hineinbewegten.

„Und alle, die seine Prägung sich holten, taten weitgehend dasselbe. Soweit sie Talent hatten….nahmen sie seine Bilder auf und variierten sie“.

So findet sich in diesem Buch eine scharfzüngige, fundierte, kritische „Abrechnung“ mit der Person Brecht, aber auch mit dem gesamten Habitus des kritischen Intellektuellen „linker Prägung“, der als im besten Fall reines Rollenmodell, im schlechten Falle gar als „Hilfe für einen verbrecherischen Staat“ gedient hat.

Gerade weil Kolbe den gesamten Habitus im Blick hat lohnt die Lektüre des Essays ungemein, denn genau diese Haltung war ja nicht nur modisch stilprägend, sondern vor allem politisch massiv bewegend in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Da könnte sich so manches an „Haltung“ und „kritischer Reflexion“ samt mancher „Visionen“ als Scharade erweisen. Unbenommen der künstlerischen Fähigkeiten eines Bertold Brecht und vieler anderer, talentierter Künstler.


Weit über das Land: Roman
Weit über das Land: Roman
von Peter Stamm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Warum?, 11. April 2016
Sachlich, ruhig, karg in der Sprache schickt Peter Stamm seinen Protagonisten Thomas los.

Erfolgreicher Mann. Guter Job, wichtig in der Firma. Frau und zwei Kinder (eine Frau, die ihm von Anfang an bereits gefallen hat). Haus, gerade aus dem Urlaub zurück. Einer, der von der Bank vor dem Haus aufsteht, die aufgeschlagene Zeitung fast noch in der Hand und geht.

Und der Leser mag suchen und überlegen im Text, außer einem leichten Verdruss an den Gewohnheiten des Lebens (und noch nicht einmal einen drängenden Verdruss, eine ansonsten und überall eher alltägliche Krise vielleicht nach dem Urlaub zurück im gewohnten Ablauf) ist nichts als vordergründiges Motiv für diese Flucht zu finden.

Aber im Lauf der Lektüre beschleicht einen doch ein Gefühl, eher unklar, zaghaft, aus dem heraus eine existenzielle Frage des westlichen Lebensstiles heraus sich entfalten wird.

Warum schläft so einer lieber auf einer harten Plane im Vorzelt eines verlassenen Wohnwagens, denn das er nachts nach Hause zurückkehrt.

„Die Umkleidekabinen waren schmutzig, überall lagen Abfälle herum und der hellblau bestrichene Fußboden fühlte sich klebrig an“.

Unklar, aber mit einem melancholischen, unerbittlichen Unterton, der den Leser aufhorchen lässt. Könnte es sein, dass dieses „ganz normale Leben“, das jeder Westeuropäer für unbedingt erfolgreich und erstrebenswert erachten würde, einfach nichtig ist? Entleert, aushöhlt, so, dass alles andere als besser, gangbarer erscheint, so, dass der Aufbruch einfach existenziell notwendig ist?

Erfolgreiche Frau, Astrid. Verheiratet, Mutter zweier Kinder, ganz aufgehend in diesem überschaubaren, bürgerlichen Leben. Und wacht auf und findet ihren Mann nicht mehr. Später, da sie zunächst davon ausgeht, dass dieser einfach nach dem Urlaub früher ins Büro gefahren ist.

Bis das Büro anruft.
Und Astrid beginnt, vernünftige Ausreden zu erfinden. Erstmal. Den Schein aufrechterhalten. Und doch merken, wie sie selbst Stunde für Stunde sich entleerter fühlt. Nicht vordergründig verzweifelt, eher auf lethargische Art und Weise. Doch, sie wird ihn suchen, doch, sie wird den Kindern irgendwann was erzählen müssen, doch, sie bearbeitet eine Verkäuferin, eine Geschäftsführerin und findet in einem Polizisten einen, der ihr zuhört, der sein mögliches tut.

Aber all das trägt von Beginn an schon Zeichen der Zerfaserung und Zerfahrenheit, die Stamm höchst subtil im Text mitschwingen lässt.

Denn, selbst wenn sie ihn fände, jetzt und hier, was dann? Was sagen, was zurechtrücken? Wo wäre der Draht zu ihrem Mann, wie könnte sie das angehen?

In einer Welt, in der zu gelten scheint: „Sie redeten über Geld, über Liegenschaften, über Inventare und nötige Investitionen, aber nie darüber, worum es wirklich ging. Warum das alles“?

Das scheint die entscheidende Frage zu sein. Und wüsste der Leser eine bessere, überhaupt ein „Mehr an Antwort“, als dieser Thomas? Vielleicht ist es so, dass diese „Leere des Lebens“, die Unerträglichkeit des „einfach so“ den Kern dieses kühl erzählten Buches ausmacht. Aber wer weiß, vielleiht finden andere Leser andere Antworten.

Vor allem, was das Ende angeht, eine Auflösung ohne wirkliche Auflösung, ein Kreis im Leben, der sich nicht wirklich schließt, oder doch?

Das Buch begleitet seine beiden Protagonisten, Erklärungen oder gar Erlösungen oder zumindest einfache Wertungen, wer von beiden es denn „richtig“ oder „falsch“ macht werden nicht angeboten. Und gerade deswegen bildet das Buch einen solch passenden, vergrößernden Spiegel, eine Lupe auf das, was allgemein unter alltäglichem, sogar erfolgreichen Leben gedacht wird. Worauf viele andere Hinarbeiten und was hier so lapidar, aber dennoch unter großem, inneren Zwang und alternativlos aufgeben wird.

Die Sinnfrage an das übersichtliche Leben zu stellen ist Peter Stamm intensiv gelungen, mit einem Ende, dass den Leser fast alleine und ohne „runde Auflösung“ zurücklässt. Aber mit offeneren Augen, was das alles angeht, was so geschäftig den Tag füllt.


Das Leben der Elfen: Roman (dtv Literatur)
Das Leben der Elfen: Roman (dtv Literatur)
von Muriel Barbery
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Poetische Fantasy, 11. April 2016
„Vom Hof des Bauernhauses betrachtete Jeannot den Kriegsschauplatz, und zum ersten Mal sah er seinen Bruder wieder mit dem Gesicht der Kindheit…….und dass Jeannot nicht mehr den Geschmack des Glücks gekostet hatte, das an diesem Tag die Gestalt eines Frauenkörpers und einer weißen Schulter annahm, an der man sich ausweinen konnte“.

Eine Weichheit, ein „in Fluss kommen“ des inneren Gefühlshaushaltes, die nicht nur Jeannot in diesem Roman erleben wird, sondern die, auf die ein oder andere Weise, so ziemlich alle beteiligten (bis auf die „dunkle Macht“) Personen anfassen, angehen wird.

Die einen samt aller anderen Dörfler weil jahrelang das Leben so richtig sich anfühlt., Winter Winter sind, Sommer, Sommer, Missernten nicht mehr vorkommen, das Leben lau und leicht, harmonisch und passend erscheint. Seitdem dieses Waisenkind, dieses Findelkind im Dorf lebt. Maria. Einfach so gefunden. Eine, die ihren Jahren weit voraus zu sein scheint, auch wenn sie nicht viel redet. Aber das braucht sie vielleicht auch nicht, wenn sie die „Gabe des Blickes“ trägt, auf einer Lichtung im Wald mit Nebelschwaden kämpft, welche die Form schwarzer Pfeile annehmen oder sich mit einem grauen Pferd zu unterhalten scheint.

Die anderen samt des Pfarrers und dessen Bruder Allessandro Centi. Ein „verlebter“ Bruder, ein gescheiterter, eigentlich. Der die Liebe verloren hat. Der mit dafür sorgt, dass in der kleinen Dorfkirche ein Klavier aufgestellt wird, das er selbst ein wenig schon zu bedienen vermag. Nichts aber ist seine handwerkliche Musik dagegen, wenn dieses andere Waisenkind, Claire sich an die Tasten setzt. Den Blick nach irgendwo gerichtet, wohin die Zuhörer kaum zu folgen vermögen. Die Partituren liest, nur um sich ein Bild zu machen und dann in einer Weise das Klavier spielt, dass Tränen laufen, Herzen weit werden, Klänge wie aus einer anderen, inneren Welt den Raum füllen.

„Man hätte meinen können, die Tiere hätten ihren eigenen Überfluss demonstriert, bevor die Dinge wieder ihren gewohnten Lauf nahmen“. So geht es im Dorf von Maria mit vielerlei anderen, Herz-Öffnenden Ereignissen zu.

„In diesem Moment erhellte das warme Mondlicht einen Teil….im Pfarrgarten und Allessandro wurde für Sekunden wieder zu dem feurigen, jungen Mann, der er einmal gewesen war“.

Wunder also geschehen, unterschwellig, seelenberührend. Und doch, die beiden Mädchen an den verschiedenen Orten und in den verschiedenen Dörfern, die sich zu Beginn nicht kennen, tragen auch eine andere Seite in sich. Kontakte zur „hellen Welt“ der Elfen und ebenso, wie sollte es auch anders sein, steht das „Dunkle“ im Raum.

In sehr bildkräftiger, wunderschöner, überaus poetischer Sprache, durchgehend sanft wie das Sommerlicht oder der leichte Herbstwind erzählt Marbery diese fantastische Geschichte von Waisen, die einander begegnen werden, von der Welt der Elfen und der Welt der Menschen, die zunächst nur auf einer einzigen Waldlichtung einander begegnen können (und das auch nicht jedem). Vom Kampf gegen das Böse, das sich regen wird und von der Harmonie des Lebens, die möglich ist. Aber erst, wenn all die verhärteten Mauern und das dichte Gestrüpp, dass sich im Lauf des Lebens um die Seele des Menschen gelegt hat, weichen werden.

Sicher, man muss diese Form der poetischen Fantasy mögen, aber in diesem Bereich rundherum gelungen und sprachlich hervorragend ist, was Muriel Barbery erzählt.


Water - Der Kampf beginnt: Thriller
Water - Der Kampf beginnt: Thriller
von Paolo Bacigalupi
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Knallhart, brandaktuell und rundum überzeugend, 11. April 2016
Gold, Silber, Öl, Kohle, Diamanten, Ackerflächen neuerdings, immer und immer wieder stehen eher glitzernde, fassbare Dinge als „wertvoll“ vor den Augen gerade der Menschen der westlich geprägten Zivilisationen.

Dass neben der Luft, die jeder für selbstverständlich hält, es letztendlich das Wasser, und zwar das Süßwasser ist, welches das wertvollste Gut der Erde darstellt, ist dem Bewusstsein viel zu gefährlich oft nicht bewusst. Wird als „normal“, als Selbstverständlichkeit genommen.

„Ihr mit Euren schönen Hardcoverausgaben, ihr tut alle so, als wärt ihr besonders schlau….Ihr tut alle so, als hättet ihr diesen ganzen Wahnsinn kommen sehen. Dieser Reisner….der hat hingeschaut. Ihm ist was aufgefallen. Aber die Leute heute…..? Die haben einfach nur danebengestanden und alles gesehen lassen“.

Damals hat dem Journalisten Reisner keiner wirklich zugehört, trotz Lob von der Kritik.
„Cadillac Desert“ heißt Reisners Dokumentation aus der zweiten Hälfte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Reisners Blick auf die „Wasserkriege“ im „Wilden Westen“ (Arizona, Nevada und Kalifornien), seine faktisch felsenfest untermauerte Untersuchung über das Scheitern am Wassermangel, das nicht nur droht, sondern für Reisner nur eine Frage der Jahrzehnte war, ist in der Gegenwart bereits hoch problematisch, wie die Dürren in den dortigen Landstrichen zeigen und droht in der Zukunft durchaus realistisch diese ganzen Städte in einen immensen Verdrängungswettbewerb um das dann staubige und aufgeheizte Wüstenland zu stürzen.

Ein Szenario, das in der Gegenwart dieses glänzend verfassten Thrillers bereits Vergangenheit ist. Staub, sengende Sonne, Notlager, Wasserpumpen wie heutzutage Tankstellen für Autos, Grenzzäune, Stacheldraht, Millionen fliehende Texaner, geschlossene Grenzen in den Norden hinein, wo Wasser ist und in alle anderen Richtungen ebenfalls hinein, wo um den letzten Tropfen noch gerungen wird.

Konzerne, die um Wasserrechte ringen mit Mitteln, bei denen die heutige Mafia wie ein Kindergarten wirkt. „Waterknives“ (die Männer fürs „Grobe“), die keine Hemmungen haben, Leichen ihren Weg pflastern zu lassen, wenn ihre Bosse in den großen Konzernen sie „an die Front“ schicken.

Refugien für Reiche, für „Fünfer“, die als Oasen in Las Vegas, Phoenix, Los Angeles entstehen, Chinesen, die ihre Baufertigkeit gegen gutes Geld zur Verfügung stellen und eine ominöse Urkunde, die dieses ganze System ins Wanken bringen könnte. Angesichts der „sterbenden Stadt „Phönix, die Bacigalupi als Blaupause für sein apokalyptisches und doch ungeheuer realistisches Szenario als Haupt-Schauplatz seines Thrillers setzt.

Lucy, die Pulitzerpreisträgerin und Journalistin, die in Phoenix mit Schutzmaske, eigenem Blog und einem guten Gespür den Untergang dokumentiert. Angel, der harte, vernarbte Mann, der von seiner Chefin nach Phoenix entsandt wird, um Rechte zu finden und zu sichern, gegen jedweden Widerstand und der, weil er doch noch ein Herz zu haben scheint, zwischen alle Fronten gerät. Und Maria, die sich kaum mehr entscheiden kann, welche Hyänen ihr mehr Schmerz zufügen können (und werden), die echten in der Laufbahn des Doppelzaunes oder die menschlichen auf der Veranda der Häuser innerhalb des Zaunes.

Mit großer Bildkraft, einer detailliert gestalteten Welt, die den Leser hautnah fühlen lässt, wie es in einer Welt der knappen Wasserressourcen zugehen würde, mit differenzierten Charakteren, die Bacigulapi ohne mit der Wimper zu zucken massiv auch einstecken lässt, entfaltet sich ein überaus temporeicher und spannender Ablauf der Ereignisse in einer scharf gezeichneten Welt im Verfall, in der alle Unterschiede zwischen den Betroffenen eben nicht glatt gebügelt werden durch die Katastrophe, sondern sich tiefer und tiefer und unüberwindbarer einkerben.

Eine hervorragende Lektüre.


Der Gerechte: Roman
Der Gerechte: Roman
von John Grisham
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Perfekte Vorlage für TV-Serie, 11. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Der Gerechte: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nicht nur, weil Grisham wie gewohnt plakativ, flüssig und bildkräftig seine neue Geschichte erzählt (und damit vor den inneren Augen des Lesers die Ereignisse sehr lebendig und anschaulich werden lässt), sondern auch im Gesamtaufbau des neuen Werkes sind Tempo, Szenen, Verbindungen und je neue Impulse sorgfältig so gesetzt, dass man fast die einzelnen Folgen einer Serienstaffel aus dem Buch herauszulesen vermag.

„Es gibt jede Menge Leute, die mich umbringen wollen und einige davon haben das ziemlich deutlich zum Ausdruck gebracht“.

Aber da sei der Leser unbesorgt dieser Rudd kann sich wehren, privat wie beruflich.

So ist verständlich (und wirkt frisch, anders), dass Sebastian Rudd, der Anwalt, der die dunkelsten Fälle übernimmt, sein Büro in einem Van eingerichtet hat und kaum einen Schritt ohne seinen Beschützer, Fahrer, Mädchen für alles und Freund „Partner“ unternimmt.

Auf der einen Seite bietet Grisham in den einzelnen Hauptteilen des Buches immer wieder neue Fälle und neue Mandaten, deren Ergehen er zudem benutzt, immer wieder andere Teile des amerikanischen Gerichtswesens näher zu erläutern. Geschworenenauswahl, Vergabe von Richtern als Vorsitzende, die marode Arbeitsweise der Polizei, die vor gefälschten Beweisen, Vorverurteilungen, im Extremen gar Kindesentführung zur Erpressung von Informationen nicht zurückschreckt.

Eine Staatanwaltschaft, die mit Eitelkeit und ständigem Schielen auf die eigene Karriere und Wiederwahl mehr beschäftigt ist, als mit gründlicher Rechtsprechung.

Dass der des Mädchenmorde Angeklagte die Tat gar nicht begangen haben kann, egal, die Stadt will ihren Mörder und die Justiz ihren Erfolg.

Dass ein unbescholtener Bürger sich mitten in der Nacht dunklen schießenden Gestalten gegenübersieht und Opfer zurückbleiben werden, was soll's, da gibt es doch extra ein Gesetz für.

Neben den konkreten Fällen lässt Grisham, auch das, wie bei erfolgreichen TV Serien üblich, einige Handlungsfäden sich durch die einzelnen Ereignisse durchziehen.

Sein Sorgerechtstreit mi seiner Ex-Frau, die Anklage gegen einen MMA Kämpfer, den Rudd seit Jahren bereits mit gesponsert hat, alte Feindschaften, die auf harte Weise ihren Preis von Rudd einfordern, dazu ein gefährlicher Mann mit gefährlichen Neigungen und gefährlichen Informationen über das Verschwinden der Tochter eines Polizisten, der seinen Narren an Rudd gefressen zu haben scheint. Und diesen für die Polizei viel weiter in den Scheinwerfer rückt, als es ihm und seiner Familie je lieb hätte sein können.

Wobei Grisham dafür sorgt, dass sich zum Ende hin alle Fäden vereinigen, alle Fälle auf die ein oder andere Weise schließen und so eine anregende, spannende, genau richtig getimte Lektüre ergibt.

Temporeich, sehr flüssig und sprachlich eingängig aus einem Guss erzählt, sieht man die Ereignisse dieses neuen Romans und „neuen Helden“ tatsächlich bereits wie in Film-Form vor sich. Gespickt mit jeder Menge harter, teils zynischer (und wohl wahrer) Kritik am Justizwesen der USA.


Once There Were Polaroids: Instant Photography at Steidl
Once There Were Polaroids: Instant Photography at Steidl
von Jonas Wettre
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Analog statt Digital und das mit Recht, 11. April 2016
Haben in der Gegenwart, jener Zeit der Millionen Bilder auf digitalen Kameras und, noch mehr und zunehmend auf den Handys der Menschen und in den Clouds der Sicherungsspeicher, analoge Bilder, Polaroids, Fotos von „Sofortbildkameras“ irgendeinen Nutzen? Braucht das jemand noch?

Ja, auf jeden Fall. Sagt Stephen Herchen nicht nur im Vorwort dieses Bildbandes, sondern zeigt dieser Bildband von der ersten Fotografie her auf.

Dies, zumindest Menschen über 45 vertraute Bildatmosphäre, dieser besondere Reiz der analogen Farben, des leichten Bildrauschens, gebannt in Momentaufnahmen, die sofort Gedanken, Assoziationen wachrufen und den Leser auf die Spur einer Geschichte bringen. Die gar nicht tatsächlich faktisch geschehen sein muss, die Fantasiereise ans ich ist schon die ruhige Betrachtung der vielen Momentaufnahmen im Buch wert.

„Das ist etwas Magisches, ein „instant analog Foto“ in der Hand zu halten“.

Ein besonderer, dynamischer Charakter wohnt den Fotografien inne. Allein schon durch die Klarheit, dass es diese Aufnahme genau nur einmal gibt, sie nicht beliebig digital reproduzierbar ist, nicht von tausenden von Menschen zur gleichen Zeit (im Original wohlgemerkt) betrachtet werden kann.

Herchens Vergleich zwischen dem Erhalt einer Email und dem Erhalt eines handgeschriebenen Briefes trifft dabei den Unterschied bildhaft wunderbar.

Dieses verwachsene Foto von Günter Grass, das Gesicht kaum zu erkennen, ist ein Paradebeispiel für diese Dynamik des Fotos selbst im Buch und der Dynamik in der Vorstellungskraft des Betrachters. Dass da einer „in Bewegung“ ist, dennoch aber klar als Person erkennbar, trotz verwaschener Unschärfe des Bildes.

Oder die demgegenüber glasklar ausgelichtete und getroffene Person dieses älteren, amerikanischen Mannes vor der verfallenden Mauer. Wobei „glasklar“ eben Klarheit und Schärfe nach den Möglichkeiten eines Polaroid bedeutet, Farbe leicht verwaschen wirkt, die Konturen des Gesichtes durch die niedere Auflösung der Bilddichte schattig noch klarer hervortreten.

Portrait über Portrait legt sich so vor die Augen des Betrachters, teils auch in schwarz-weiß, wie jenes von Bryan Adams.

Und immer wieder ist es erstaunlich, am eigenen Betrachten zu erkennen, wie sich die Sehgewohnheiten verändert haben, wie unscharf selbst ausgelichtete Polaroids des Weges daherkommen und wie verbunden man sich umgehend damit fühlt. Wie genau der Blick wird, um Details zu erkennen, die bei der digitalen Fotografie ohne Mühe ins Auge springen und hier die ein oder andere Entdeckungsreise ins Foto hinein notwendig machen.

Und, auch das besonders an diesem Bildband, das Weglassen zeigt Wirkung. Weiße Seiten, die gar nicht so selten (aber nicht durchgehend) den Blick konzentriert auf das dann „einzige“ Bild der jeweiligen Doppelseite wirft.

Ein gelungenes, intensives Erlebnis bietet diese Zeitreise, die Wehmut aufkommen lässt, aber auch das Besondere der analogen Polaroids unmittelbar erfahrbar gestaltet.


Nonkonformisten: Warum Originalität die Welt bewegt
Nonkonformisten: Warum Originalität die Welt bewegt
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit einigen Wiederholungen, aber sehr hilfreich für die Praxis, 4. April 2016
Beide Motivationen stecken im Menschen. Zum einen die Suche nach Zugehörigkeit, Teil einer Gruppe zu sein und zum anderen den eigenen Ideen zu folgen, die eigene Individualität in das Leben zu setzen.

So entsteht immer wieder Reibung zwischen den Normen und Ansprüchen der Mehrheit einer Gruppe, eines Arbeitsumfeldes, einer Gesellschaft (oder was man dafür hält), dem Anpassungsdruck einerseits und den eigenen Ideen, Vorlieben, Interessen, auch der eigenen Kritik an dem „wie es immer gemacht wird“, „weil es immer so gemacht wurde“, der Non-Konformität.

Dass in der Gesellschaft eher von Beginn an (Kindergarten-Schule-Ausbildung-Arbeit-Umfeld) auf Anpassung ausgerichtet wird ist sicherlich kein Geheimnis. Zwar steht im Raum, individuelle Fähigkeiten zu fördern, dies wird aber weitestgehend nur in jenem Rahmen sanktioniert, in dem die individuellen Fertigkeiten aus Sicht der Bewertungsinstanz konstruktiv das Gesamtbild ergänzen. Ansonsten werden solche stark individuellen Ausprägungen gerne und häufig als „Störung“ gekennzeichnet und entsprechend behandelt.

Den Wert solcher Störungen und der „Störer“ nun legt Adam Grant in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen und schafft eine anregende, vielfältige und, vor allem, für „Entscheider“ und „Kollegen“ ebenso eine nachdenkenswerte Lektüre, wie er breite Hilfestellungen für Non-Konformisten anbietet.

Wie bei amerikanischen Sachautoren fast durchweg üblich verknüpft Grant dabei seine Grundgedanken mit vielen konkreten Beispielen, folgt so z.B. einer Nachwuchs CIA-Agentin „durch die Instanzen“ mit ihren (noch) wenig angepasst erscheinenden Ideen, wie er für jedes der wichtigen Felder der Umsetzung non-konformistischer Haltungen konkrete Personen vor Augen führt und damit seine Aussagen sehr griffig setzt.

Der „Gang durch die Instanzen“, der auch in Deutschland als Begriff seine Prägung gefunden hat, ist es letztendlich, den Grant als eine Art Ausgleich zwischen Anpassung und ganz eigene Wege gehen setzt.

Die eigenen Ideen wertschätzen, aber auch darauf achten, ob und wann das Umfeld bereit für solche Ideen ist (was alleine schon in der Hackordnung von Unternehmen ei9ne ganze Weile dauert).
Dabei unterscheiden lernen, was inhaltliche Gegenargumente sind und was einfach der „falsche Ort zur falschen Zeit“ sein könnte. Die Augen aufhalten für jene, die „Förderer“ werden könnten, entschärfen von Situationen, in denen es gar nicht um Inhalte, sondern um Ängste, Revierverhalten oder den „falschen Ton“ nur geht.

Grundlegend stellt Grant klar (und das wiederholt sich durch das gesamte Buch: Nur mit Konformisten ist ein Fortschritt, eine Weiter-Entwicklung kaum möglich. Das menschliche Sicherheitsdenken neigt zu stark dazu, bewährte (nicht-schmerzende) Handlungen und Wege beizubehalten und das „Unbekannte“ als „Risiko“ zunächst zu fürchten und abzulehnen, der Gefahr des Scheiterns damit (vordergründig und kurzfristig) aus dem Weg zu gehen.

Neue Ideen aber sind es, die ein Projekt, ein Unternehmen, manchmal die gesamte soziale Gruppe erst zu neuen Gedanken und Entwicklungsschritten antreiben. Wichtig für Non-Konformisten ist es, um diesen Wert des eigenen „Anders Seins oder Anders Denkens“ zu wissen ohne gleich in der Methode mit dem Kopf durch jede Wand zu wollen.

Es braucht Mut, seine Meinung zu sagen. Es braucht auch Sozial-Kompetenz, die eigene Meinung so zu sagen, dass andere nicht sofort auf Angriff schalten. Es braucht Durchhaltevermögen die Einsicht, Bündnisse zu schmieden. Und ebenso sollte „der anderen Seite“ klar sein, dass ein „Advocatus diaboli“ mehr zum Gelingen eines Projektes zu bieten hat als die Vielzahl der professionellen Abnicker, auf die man in der Regel trifft.

Grant setzt den Wert der Non-Konformisten klar in den Raum, bietet eine Vielzahl praktischer Strategien sehr lehrreich dar und macht allen Seiten Mut, Reibungen auch auszuhalten, so fremd man sich selber fühlen mag oder so befremdend einem das Verhalten eines anderen auch vorkommen mag.

Dies wird Grant nicht müde, immer neu zu erläutern. Was das Buch ein wenig vorhersehbar macht, dafür aber die Grundgedanken am Ende klar eingeprägt hat.


Babylon: Thriller
Babylon: Thriller
Preis: EUR 12,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Zwietrachtsäer, 4. April 2016
Rezension bezieht sich auf: Babylon: Thriller (Kindle Edition)
Eigentlich bedarf es in jener Gegend der Erde, in der die bereits aus Vorgängerthrillern bekannten Personen John, Hannah, deren Kind Lina und Norman, der archäologisch interessierte Milliardär, sich aufhalten werden, keiner weiteren Zwietracht.

Einheimische Beduinen, zerrrieben zwischen dem IS, anderen Terrorgruppen und amerikanischer Präsenz. Angegriffene Konvois, gefangen genommene Journalisten, Tote, Thiemeyer setzt in diesem neuen Mystik-Thriller die aktuelle Lage im Irak an der Grenze zu Syrien als einen der Hintergründe der Ereignisse.

Und scheut sich nicht, so manche Gurgel durchschneiden zu lassen und manche blutige Masse
Mehrere Meter weit fliegen zu lassen.

Action-Teile im Buch, die mit aller Härte zeigen, wie brutal, mit welch harten Bandagen dort gekämpft wird.

Doch noch tiefer, hasserfüllter, schlichtweg böser geht es durchaus noch. Wenn der Turm von Babylon in den Blick rückt, wenn die Frage sich stellt, in welche Richtung der „Himmel“ damals eigentlich verortet wurde. Was natürlich davon abhängt, welcher Gott verehrt wurde.

Neun Stockwerke voll dunkler Kraft und ein Portal, das fugendicht geschlossen den Zugang versperrt.

Einen Zugang, den Hannah auch liebend gern versperrt gelassen hätte, ist sie doch inzwischen Ehefrau und Mutter, der Schutz ihrer kleinen Familie. Und hält sie doch den Schlüssel zum Portal in der Hand.

Und ihre vierjährige Tochter, die spricht und handelt, als wäre sie längst erwachsen, die innerhalb eines Tages Backgammon meisterhaft erlernt, die vieles zu wissen scheint, was noch in der Zukunft liegt, ist ihr auch keine Beruhigung.

„Uns bleibt nur der Weg nach….Dorthin, wo alles endet. Und dort werde ich sterben“.

Und der Weg zurück ist verschlossen.

Von hinten gejagt, von vorne eine drängende, drohende, unbekannte, unnennbare Gefahr, die zusammengeschrumpfte, kleine Gruppe von Forschern wird sich übermächtigen Gefahren stellen müssen. Und es ist nicht gesagt, ob auch nur einer oder eine der Gruppe dies unbeschadet überstehen wird.

Flüssig und mit Tempo erzählt Thiemeyer, deutet alttestamentliche Überlieferungen fantasiereich in neue Bahnen, lässt den „Westen“ unbarmherzig auf den „Osten“ treffen und streut geschickt jene Prisen hintergründiger, mythischer Bedrohung ein, die durchgehend Spannung erzeugt.

Etwas stereotyp geraten sind die Figuren, gut ist gut, böse ist böse, auch wenn gerade im Blick auf die beiden Hauptpersonen der „Gegenseite“ auch andere Nuancen hier und da mitschwingen. Doch für den geraden und anregenden Weg der Lektüre ist das kein allzu großes Manko.

Ein spannender und unterhaltsamer Thriller.


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