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M. Lehmann-Pape
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Hanns und Rudolf: Der deutsche Jude und die Jagd nach dem Kommandanten von Auschwitz Mit zahlreichen s/w-Abbildungen
Hanns und Rudolf: Der deutsche Jude und die Jagd nach dem Kommandanten von Auschwitz Mit zahlreichen s/w-Abbildungen
von Thomas Harding
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überzeugende Doppelbiographie, 3. September 2014
Ruhig, sachlich und nüchtern, unpathetisch im Tonfall und akribisch recherchiert, so legt Thomas Harding zum einen den Lebensweg seines Großonkels (mitsamt dessen durchaus gewichtiger „Fußnote“) in der Geschichte dar und folgt zum anderen den Lebensspuren des Rudolf Höss, Lagerkommandant von Auschwitz. Einer, den man gemeinhin eine „menschliche Bestie“ im nach hinein mit Fug und Recht nennt.

Langsam und stetig arbeitet Harding sich in flüssigem Stil und den Leser fesselnd auf den Schnittpunkt beider Personen zu, auf jenen Moment der Geschichte, in der Hanns Alexander, Hardings Großonkel, auf Höss trifft, für dessen Verhaftung sorgt.

Wobei es das tiefe Wissen, die fundierte Recherche und gerade der ruhige Ton des Buches sind, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesseln. Ein Buch, das ohne stilistisch gesetzte Spannungsbögen, ohne großartige Metaphern auskommt, sondern die Geschichte sich fast „von alleine „erzählen lässt. Und gerade deswegen eine hohe, spürbare Wirkung in den Raum setzt.

Jeweils kapitelweise abwechselnd stellt Harding den Werdegang der beiden Männer dar, die in ihren Personen auch Antipoden ihrer Zeit darstellen. Der eine Jude, ins Exil gegangen (und damit der Massenvernichtung entgangen), der andere Scherge des Systems und an „vorderster Front“ eben ein Vollstrecker dieser Massenvernichtung.

Pole, die bereits im Werdegang der jungen Menschen angelegt scheinen.

Höss in seinem streng katholischen Umfeld, aufgewachsen mit einer Vielfalt an Regeln, Gehorsam, Zwang in einer gefühlsarmen, einander unnahbaren Familie in Mannheim und Baden Baden.

Alexander umgeben von „Wärme“, mit Freiraum zur Entwicklung ausgestattet, erlebt in seiner Familie (was er für sich fließend übernimmt) die rege Beteiligung am öffentlichen Leben, an der Gesellschaft und Kultur im Berlin jener Tage ohne drängende materielle Sorgen.

Ohne den psychologischen Zeigefinger zu zücken und, vor allem, ohne in diesen äußeren Umständen Entschuldigungen vor allem für Höss spätere Taten anzulegen, bietet Harding doch einen tiefen Einblick in die „Saat“ eines später perfekten „Erfüllungsgehilfen“, was diese „programmierte Kindheit“ angeht.

Eine Saat, die durch die kapitelweise wechselnden Perspektiven in ihrer unmenschlichen Grausamkeit gerade durch den Kontrast zur „anderen Seite“ in aller Härte und klar vor Augen geführt den Leser unmittelbar und durchgehend beeindruckt.

Es ist eine hohe Kunst des Autors, all dies ohne spürbare und vordergründige Bewertungen zu schildern, tatsächlich im besten Sinne ein Berichterstatter zu sein und die Fakten dieser beider Leben für sich sprechen und sich entfalten zu lassen.

Ein hervorragend zu lesendes Buch, in dem Harding die überaus starke Präsenz der Figuren durch seine besondere Form der sachlichen Darstellung und persönlichen Zurückhaltung bestens ins Licht zu rücken versteht. Zwei Lebenswege in einer Zeit, die von ihren Wurzeln an sich fast folgerichtig entwickeln.

Ein Buch, dass eine hervorzuhebende Lektüre für den schulischen Bereich werden sollte und den Leser mit hohem Gewinn an Einblick zurücklässt.

Eine sehr zu empfehlende Lektüre.


Der Code
Der Code
Wird angeboten von Audible GmbH
Preis: EUR 12,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hervorragend getimt, 2. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Code (Hörbuch-Download)
In seinem Debüt lässt Olsson erkennen, das er in der Lage ist, seiner Geschichte eine hervorragende, genau auf die Spannungskurven und überraschenden Momente des Buches hin abgestimmte, Geschwindigkeit zu geben.

Seien es die Hintergründe über seine Protagonisten, die er je zum passenden Moment in genau der richtigen Breite einfließen lässt, sei es die vagen Vermutungen, die zunächst im Raum stehen, bevor sich die Dinge ein wenig mehr entfalten und klarer wird, worum es genau geht, seien die klug gesetzten Eröffnungen und Erkenntnisse für den Leser bis hin zu den ebenfalls den Ereignissen angemessen gewählten Örtlichkeiten (das riesige Schloss in der Schweiz) und seien es die, ebenfalls genau zum richtigen Zeitpunkt spannend eingesetzten, punktuellen Katastrophen, die Olsson beschreibt.

Dies alles bietet einen flüssigen, in sich stimmigen, unterhaltsamen und spannenden „Wissenschaftsthriller“ mit dem entscheidenden mythischen Element, das den Leser schon deshalb bei der Stange hält, um die Erklärung, die Olsson dem allem am Ende geben wird, nicht zu verpassen. Auch wenn diese Erklärung dann nicht unbedingt völlig realistisch wirkt und die ein oder andere offene Frage nach dem abrupten Ende des „Codes“ nicht ganz beantwortet wird, so konzipiert Olsson auch das Finale mit genügend Spannung, um bis zur letzten Seite eine anregende Lektüre zu liefern.

Eine Geschichte, die mit zwei Entführungen beginnt, Unerklärliche Entführungen, denn wozu William Sandberg lange nach seiner aktiven Zeit als Kryptologe für irgendjemanden aktuell von Interesse sein sollte, versteht vor allem seine Frau nicht wirklich.

Die als kompetente Journalistin allerdings, trotz ihrer Trennung von William, in keiner Weise dazu bereit ist, ihren Mann einfach abzuschreiben.

Von jetzt auf gleich verschwunden, alles an Besitz eingepackt und mitgenommen und das nach einem gerade überstandenen Selbstmordversuch? Das lässt Christina Sandberg keine Ruhe und mit einem jungen Mitarbeiter setzt sie sich unnachgiebig auf die Fährt der Entführer.

Ohne zu ahnen, dass hier nicht „das Böse“ am Werk ist, sondern das eine Gruppe von Menschen bereits seit geraumer Zeit händeringend versuchen, wissenschaftlich eine apokalyptisch wirkende Botschaft in der menschlichen DANN zu entschlüsseln und die Drohung, die sie hinter diesen DANN Sequenzen vermuten, zu entschärfen.

Auf allen Seiten beginnt somit ein Wettlauf mit der Zeit, der alle Beteiligten beständig in Gefahr schweben lässt, der seine Opfer fordern wird und der die Eindämmung der Bedrohung „im Menschen“ kaum mehr möglich sein lässt.

Ein interessanter, intelligenter Thriller, der moderne Wissenschaft mit mittelalterlichen Seuchen und etwas, das wie ein moderner Fluch anmutet verbindet.

Bestens unterhaltender Lesestoff.


Ein Buchladen zum Verlieben: Roman
Ein Buchladen zum Verlieben: Roman
von Katarina Bivald
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bücherliebe, 29. August 2014
Sara hatte nie geglaubt, man müsse sich persönlich kennen, um befreundet zu sein“.

Wenn das mal nicht ein Fehler war, sich auf eine schriftliche Freundschaft einzulassen, dazu mit einer 40 Jahre älteren Person aus der der Provinz, auf einem anderen Kontinent und das Ganze eigentlich ausschließlich darauf beruhen zu lassen, dass man gemeinsam Bücher liebt.

Broken Wheel heißt der amerikanische Ort im Buch und Sara aus Schweden macht sich auf, um bei ihrer Briefreundin Amy Urlaub zu verbringen.

Doch zu all dem kommt es nicht wirklich, denn als Sara in dem verschlafenen Ort eintrifft, ist Amy gerade gestorben und Sara trifft auf eine verschworene, in ihren einzelnen Bewohnern allerdings auch offensichtlich verschrobene Dorfgemeinschaft. Die sie allerdings ohne weitere Federlesen in ihrer Mitte aufnimmt.

Was also liegt näher, diese beginnenden Beziehungen und Freundschaften zu vertiefen, seine Dankbarkeit zu erweisen? Und für Sara liegt eben am Nächsten, ihre Leidenschaft und Liebe zum Lesen mit den Dörflern zu teilen.

Sie eröffnet einen Buchladen, den sie von Beginn an mit persönlicher und unkonventioneller Note versieht. Schnell rücken die einander eigentlich so fremd und anders lebenden „Parteien“ zusammen. Die Bewohner entdecken das Lesen, die Tiefe der Geschichten, lassen sich von Saras Begeisterung anstecken, während Sara auf der anderen Seite mehr und mehr die Augen öffnet (und geöffnet bekommt) für das „wahre Leben“, das Leben außerhalb der Bücher, der Romane, der Geschichten, die für Sara auch einen Schutzwall darstellen gegenüber der wirklichen Welt.

Wie aber kann aus diesem Urlaub, dieser kleinen Etappe im Leben etwas Dauerhaftes werden? Ein Plan entsteht, der nicht ganz ohne Tücken ist.

Vor allem die liebevolle Beschreibung der Personen ist es, die den Leser von Beginn an fesselt. Die kleinen Eigenheiten im Dorf, die kluge, aber etwas lebensferne Sara, die immer wieder emotional treffende Schilderung der Atmosphäre an diesem abseitigen Ort, die Entwicklungen, die (nicht nur, aber gerade) Sara mehr und mehr in das „echte“ Leben führen, ohne die Literatur hintenanzustellen. Und Amy, die der Leser schrittweise in Rückblicken kennen lernt und die ihm dabei regelrecht ans Herz wächst.

Ein Buch, dass zeigt, was Menschen auf tieferer Ebene miteinander in Verbindung setzt und wie die Literatur, die „Geschichten in Büchern“ die Seele aufzuschließen vermögen.

Dem Thema entsprechend hat Bivald ihre Geschichte mit Ruhe und mit Bedacht verfasst, in manchen Teilend es Buches vielleicht mit zu viel Ruhe und Bedachtsamkeit. Phasenweise schleppt sich das Tempo doch sehr dahin und erst langsam, zum Ende hin, schließen sich die Dinge zusammen, werden die Beziehungen griffiger und zeigt sich der Grund für so manch mürrische Haltung bei dem ein oder der anderen.

„Aber sie wusste auch, dass die Stadt jemanden brauchten der die Lage im Griff behielt und allen half, jemanden, der wusste, was richtig war und jemanden der wusste, was gut war. Solange Amy lebte, hatte dieses System funktioniert“.

Wird Sara diese Lücke füllen können? Werden die Bewohner sie soweit annehmen, um das zuzulassen?

Eine ruhige, durchaus tieferreichende Lektüre, die manche Längen allerdings nicht vermeidet.


Vaterjahre: Roman
Vaterjahre: Roman
von Michael Kleeberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Karlmanns Leben im Alltäglichen, 29. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Vaterjahre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Was Kleeberg in „Karlmann“ beginnen hat, führt er in „Vaterjahre“ weiter.
Intensiv, wortgewaltig, dicht, so, als hätte sein Karlmann kaum Zeit, zu atmen, als würde der Schwall der Worte, der auch noch das Alltäglichste aus allen denkbaren Perspektiven heraus assoziativ betrachtet, in Sorge sein, unterbrochen zu werden.

Bildkräftig, genau beschreibend und dennoch nicht kühl oder nüchtern, sondern voll bewegter Emotionen bleibt dem Leser kaum etwas anderes übrig, als in bester Weise wie durch einen Sog in diese Erfahrungen, die sowohl Lebens- als auch Zeitgeschichte beinhalten, hineingezogen zu werden.

Schon zu Beginn, als Karlmann mit den verklärten Augen des liebenden Vaters im schweren Gespräch über das Sterben und das Abschweifen in den schon spürbaren Schmerz des „gehen lassen müssen“ seine Tochter abends im Bett betrachtet. Und wie dann ohne Anlauf umgeschwenkt wird innerlich in die eigene Erfahrungswelt. In diesen „Verlust eigener Erfahrungen nach der Geburt der Kinder“, in dieses „einen Sack voll Verantwortung und Sorge tragen“, endend im dringenden Bedürfnis, selbst auch getröstet zu werden, das ist mitreißend geschildert und nimmt den Leser mit in Beschlag.

Denn Karlmann ist doch der Vater. Der Tröster!
Getröstet werden ist da nicht im Programm.
Vor allem, wenn der geliebte, todkranke Hund der Familie am nächsten Tag eingeschläfert werden soll. Und wer, wenn nicht „der Vater“ wird dies beim Tierarzt durchstehen, das Loch im Garten graben und den schweren, kalten Körper dann im Garten bestatten?

In jenem Garten im Grüngürtel Hamburgs. Doppelhaushälfte, wie es sich gehört für einen, der seinen Kindern „die perfekte“ Kindheit bieten will. Die er selbst ja wohl nicht hatte.
Obwohl, wenn seine Gedanken abschweifen, gerade weil die eigene Kindheit nicht perfekt war, von Brüchen begleitet war, gerade darum ist er doch geworden, was er geworden ist, oder? Erfolgreich und angekommen.

So schweifen die Gedanken nach hinten und der Titel des Buches nimmt seine doppelte Bedeutung an. „Vaterjahre“ für Karlmann, der Vater ist, aber auch „Vaters-Jahre“, Karlmanns Leben „vor dem Kind“, das eine intensive Reise durch das Leben der Zeit bietet, durch seine vielfachen, oft banalen Alltäglichkeiten, die Kleeberg wunderbar ausleuchtet und immer wieder mit einzelnen Betrachtungen den allgemeinen, gültigen, über das Erleben weit hinausreichenden Kern vor Augen führt.

Die Besuche als Kind im Heimatdorf der Mutter bei den Großeltern.
Plastisch lässt Kleeberg diese Welt erstehen, die Tage in der Dorfkneipe unter Männer, die abgewetzten Stühle, das Geheimnis der Männerwelt, den frischen Apfelwein, Alltag damals und doch dahinter eine ganze Kulturhaltung:

„Männer bemühen sich um Frauen, bis sie eine haben, dann überlassen sie den weiblichen Teil der Schöpfung wieder sich selbst und bleiben untereinander, um in die mythische Welt männlicher Wichtigkeit einzutauchen“.

Was für ein Bild für all die Schützenvereine, Kegelclubs, Sitzungen des Kleingartenvorstandes oder aller anderer möglichen Vereinigungen von Männern bis eben hin zum Stammtisch, die jene Jahrzehnte geprägt haben

Eine tröstliche Welt, wie eben auch der „Trost der Dinge“, den Karlmann sucht und den (s)eine Frau nie verstehen würde wohl. Das rassige Rennrad, die wunderbare „Nomas Glashütte Tetra“ am Arm, die Eingeweihte mit Kennerblick zu schätzen wissen.

„Sie ist sein einziger Schmuck. Der Schmuck eines Mannes“.

Dazu die geübte Zunge, über die der Wein genussvoll gerollt wird.

Ein „Trost der Dinge“, ein „sich über sich selbst (materiell) vergewissern“, das ebenso über dieses konkrete Leben des Karlmann hinausreicht, wie der zerfressende Neid auf den erfolgreicheren Freund, der eine Sinnkrise und eine Therapie nach sich ziehen wird.
Wobei es vielleicht gar nicht der Fakt des Erfolges des Freundes ist, sondern „das dieser bekannt ist“. Nun nicht mehr daran vorbeigesehen werden kann.

„Mir ist klar, dass ich auf einer schwankenden Brücke von Trägheit, Faulheit, Selbstzufriedenheit und Mühelosigkeit balanciere“.
Und dabei wird er das Gefühl nicht los, unter seinen Möglichkeiten (leider nur allzu gerne) geblieben zu sein. Und auch damit dürfte Karlmann in seiner Generation nicht alleine stehen.

Nur einige Momente dieser „Jahre des Vaters bevor und als man Vater wurde“ aus der Fülle des Buches, die mit beeindruckendem Reichtrum der Sprache und ständig hintergründig mitlaufender emotionaler Botschaften von Kleeberg aufgenommen werden.

Eine sprachlich hervorragende Lektüre, die leicht wirkt und dennoch tief reicht.


Glücksökonomie: Wer teilt, hat mehr vom Leben
Glücksökonomie: Wer teilt, hat mehr vom Leben
von Ute Scheub
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es geht auch anders, 29. August 2014
„Reichtum besteht nicht in der Ansammlung von Geld, sondern in der Qualität menschlicher Beziehungen“

Diesen Satz vom Klappentext kann sicherlich in ruhigen Minuten, im Warmen und bei einem Glas Wein, so gut wie jeder sinnierend unterstreichen.

Der Zustand der Welt und der Alltag an allen Ecken und Enden des Globus scheinen aber aufzuzeigen, dass es entweder mit der praktischen Umsetzung gewaltig hapert oder der Satz missverstanden wird (die „Beziehungen“ werden an manchen Orten sehr eng gefasst und für alle anderen gilt: Nach uns die Sintflut) oder er einfach nicht stimmt. Denn sonst wäre die Welt ja ein Ort sich ständig vertiefender und sich erweiternder „Beziehungen mit Qualität“ und es wäre allen möglich, daran reich zu werden. Ist sie aber (noch) nicht.

So ist der Untertitel des Buches schon eine steile These, die einerseits theoretisch breite Zustimmung und anderseits praktisch weitgehende Ignoranz erfährt:

„Wer teilt hat mehr vom Leben“.

Doch andererseits ist ein gewisses Umdenken durchaus auch zu spüren. Etwas tun, sich engagieren, Not lindern, Lebensmittel sammeln und Verteilen, sich zur Verfügung stellen, Dinge nicht besitzen, sondern teilen, all das findet in kleinerem Rahmen bereits statt, wird mehr und hat längst die Grenzen alternativer Landwohngemeinschaften überschritten.

Und was das nun genau sein kann, jene Formen des Wirtschaftens, welche die Lebenszufriedenheiten der Menschen tatsächlich und zwar in der Breite fördern (und nicht nur wenigen ein „immer mehr“ ermöglichen), dem gehen die Autorinnen im Buch differenziert, überzeugend und sehr anschaulich dargestellt nach.

Von der Beobachtung ausgehend, dass Ökonomen nicht erklären können, warum eigentlich Solidarität, Lebenszufriedenheit, Lachen und Glück sich mehre, wenn man sie teilt (und auch nur dann), entfalten die Autorinnen ihre These vom Teilen, das nicht zum Bankrott, sondern im Gegenteil, zu einem persönlichen „Mehr“ führt. Und das ohne Sozialromantik, sondern durchaus aufgrund belastbarer, empirischer Beobachtungen.

Was sind die Beispiele „andren Wirtschaftens“? Es gibt sie und im Buch findet man genug Beispiele für ein „ökosoziales Wirtschaften von unten“, das an vielen Orten sich mehr und mehr entwickelt.

Nachdem breit und belastbar im Buch dargelegt wird, was die Glücksforschung in der aktuellen Diskussion bereits deutlich herausgearbeitet hat:

Eigentum und Geld steigern das Wohlbefinden nur begrenzt. Ab einem gewissen Einkommen verschafft der „Mehrwert“ keine oder nur eine sehr kurze Befriedigung.
Kooperation ist das, was dauerhaft und langfristig für Zufriedenheit und damit auch Glück sorgt. Konkurrenz und Statusstress dienen nur einem je kurzen Aufflackern von „sich sonnen“ in Anerkennung oder Neid, Teilen und Teilhabe entsprechen der Grundkonstitution des Menschen als soziales Wesen bei weitem mehr.

So ergibt sich im Lauf der Lektüre ein klares Bild, dass der Mensch (Gründe werden natürlich ebenfalls benannt) eher „gegen sich“ lebt in den modernen Bezügen der Welt, als „sich gemäß“ (und damit mit den anderen).

Eine Lebensform, die Folgen hat, die nicht zu einem Mehr an Zufriedenheit und Glück, an Gesundheit und Lebensfreude führt, sondern im Gegenteil durch das fast allein als „Erflog“ geltende Anhäufen von materiellen Dingen, Konsum, Einfluss, Konkurrenz den einzelnen inmitten seines Wohlstandsberges rastlos und „krank“ zurücklässt.

Eine Spirale, die sich immer schneller dreht und die scheinbar noch kein Ende findet.

Doch Digitales Teilen, Patenfreie Produktion, Lokales Tauschen, Forschung und Bildung auf der Basis „offener Quellen“, Schwarmgeld und dezentrale Selbstorganisation (auch auf dem Energiesektor) sind viele und noch lange nicht die einzigen Ansätze, die überall erprobt, versucht, als Lebensform experimentiert werden und in diesen Anfangsmomenten bereits Kooperation, Teilhabe und Teilen und ein gutes Maß an Zufriedenheit bei den Beteiligten offenkundig werden lassen.

Alles in allem eine interessante Lektüre auf der Basis der Fakten der „Glücksforschung“ und der aktuell zu beobachtbaren Versuche, es tatsächlich nicht nur anders zu denken, sondern auch anders zu machen.


Energiepolitik unter Strom: Alternativen der Stromerzeugung im Akzeptanztest
Energiepolitik unter Strom: Alternativen der Stromerzeugung im Akzeptanztest
von Dirk Scheer
  Broschiert
Preis: EUR 29,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bedürfnisse und Wünsche der Bürger, 29. August 2014
Dass die Energiepolitik sich radikal verändert hat, ist ein Fakt. Das erneuerbare Energien aktuell höchste Priorität genießen, scheint zumindest auf den ersten Blick so. Trotz vielfacher Problemen (z.B. die notwendige Infrastruktur für Offshore-Windanlagen).

Und zudem regt sich durchaus auch Diskussion in der Bevölkerung, vor allem, wenn die sichtbaren Zeichen des Umbaus der Energieerzeugung zu sichtbar oder nah am eigenen Leben werden (Windräder in Sicht- und Hörweite, Verlegung von Trassen „quer durch Deutschland“).

Die Autoren dieser Studie sind „der Bevölkerung“ intensiv nachgegangen. Welche Bedürfnisse, welche Wünsch herrschen vor im Blick auf die Energiepolitik? Wie werden konkrete Maßnahmen bewertet? Wie ist der Blick auf Kohlekraftwerke? Auf Reste von Atomenergie?

Im Zeittraum von 2010 bis 2013 wurde hier im Rahmen der Studie intensiv befragt und nachgeforscht. Wohlwissend, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von Stromtechnologien der entscheidende Erfolgsfaktor für einen Umbau der Energieversorgung in Deutschland ist und sein wird.

Diese gesellschaftliche Akzeptanz, darauf verweist die Studie fundiert, hängt aber in entscheidendem Maße von der subjektive Wahrnehmung und Bewertung der Bürger ab.

So ist es einer der Schlüsse und zugleich Grundlage der Studie, die Notwendigkeit einer positiven Bilanz zugunsten des individuellen und kollektiven Nutzens als entscheidenden Faktor zu benennen und zu beschreiben, zudem mögliche Fehler in der Kommunikation anzusprechen und allgemein eine fundierte Handreichung für den weiteren Verlauf der öffentlichen Diskussion zu liefern. Im Sinne eines Umbaus der Energieversorgung wohlgemerkt, diese Haltung liegt dem Buch sichtbar zu Grunde.

Hierzu führen die Autoren im inhaltlichen Teil zunächst als Ergebnis ihrer Untersuchungen auf, wie stark der „Klimawandel als systemisches Risiko“ in breiten Teilen der Bevölkerung (noch) unterschätzt wird und liefert im Anschluss die Gründe für diese Unterschätzung der Klimarisiken.

Methoden der Studie, die Bewertungsgrundlage (Darstellung von zukünftigen Stromtechnologien und Strommixen)werden differenziert und fundiert benannt, bevor als Ergebnisse der Studie die Akzeptanzprofile der Stromtechnologien einerseits und der Strommixe anderseits breit und ausführlich ausgewertet im Buch dargelegt sich finden.

Im Ergebnis lässt sich ablesen, dass die größte Gefahr für eine Veränderung der Energieerzeugung und deren Verankerung in der Bevölkerung das mangelnde Aufgreifen des Stromnachfrageverhaltens und des technischen Akzeptanzniveaus nicht frühzeitig gesehen und kommunikativ intensiv aufgenommen werden. Eine große Chance liegt vor, ohne Frage, da eine breite Präferenz für erneuerbare Energieträger zu erkennen ist. Diese nicht durch eine einseitige Ausrichtung auf die Mehr-Kosten für die Bevölkerung zu gefährden ist dabei ein erster, wichtiger Schritt, neben der Erhaltung oder (wieder-) Herstellung von Vertrauen in die Technik und ihre Betreiber.

Das ebenso im aktuellen Status Quo die Klimabewahrung noch immer unzureichend als wichtiger Faktor für die persönlichen Entscheidungen wahrgenommen wird, ist dabei ein bedenkliches Ergebnis der Studie, das aufgegriffen und deutlich kompetenter kommuniziert werden muss.

Alles in allem bietet die Studie eine profunde und methodisch sorgfältig erarbeitete Einsicht in die „Befindlichkeit“ der Bürger, die in dieser Form ein wichtiges Element für die weiterführende Diskussion und das weitere politische Vorgehen an die Hand gibt.


Ein verhängnisvoller Sommer: Roman
Ein verhängnisvoller Sommer: Roman
von Stuart Nadler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Familiengeschichte mit Hintergründen, 29. August 2014
Es ist der „amerikanische Traum“, der sich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts für Arthur Wise erfüllt.

Als aufstrebender Anwalt wird er mit einer erfolgreichen Sammelklage der Hinterbliebenen aufgrund eines Flugzeugabsturzes beauftragt und schwer reich, von jetzt auf gleich.
Und beginnt umgehend, sich in den Kreisen der Reichen einzurichten, wobei das Haus auf Cape God nur eines der Puzzlesteine ist, das seinen Aufstieg begleitet.

Doch der damals verbreitete und vorherrschende Standesdünkel, der konsequent auf die Grenzen achtet, sowohl, was den Geldbeutel des Bekanntenkreises angeht, wie vor allem, was die Hautfarbe betrifft, scheint in seiner Nachfolgegenration noch nicht recht angekommen und verankert zu sein. Vielleicht, weil sein Sohn die ersten 12 Jahre seines Lebens „ganz normal“ verbracht hat, bevor der Reichtum kam?

Sein Sohn, Hilly zumindest schließt enge Freundschaft mit Lem. Der arm und schwarz zugleich ist. Und mehr noch, die Nichte Lems, Savannah, bedeutet Hilly bald mehr, als es einem Sohn reicher, weißer Leute eigentlich gut zu Gesicht stehen würde. Sagt man.

Missverständnisse, Unbill, verletzte Gefühle, all dies steigert sich mehr und her (durch Nadler in seiner Spannungskurve sehr nachvollziehbar Schritt für Schritt dargestellt) und endet in einer Tragödie. Die aus diesem Sommer heraus für Jahre ihren Schatten über das Leben legt.

Was aber genau dahinter gesteckt hat, warum es so kommen musste, wie es kam, wer alles an Schrauben gedreht hatte, das erschließt sich Hilly erst viel später, im Leben und im Roman. Eine Wahrheit entdeckt er, auch über seinen Vater, die nicht leicht zu tragen sein wird.

Wie die Geschichte sich im Außen darstellt, so lässt Nadler dies auch in den Beziehungen untereinander korrespondieren. Die Zerrissenheit der Gesellschaft der damaligen Zeit findet sich gekonnt dargestellt im Binnenverhältnis zwischen Vater und Sohn wieder.

Diese Zerrissenheit zwischen Liebe und Ablehnung, Zuwendung und Strenge, Vertrautheit und Fremdheit, zwischen den Zeilen ist zu spüren, wie schön es wäre, klare Beziehungen und Bindungen leben zu können und wie dies immer wieder am „So- Sein“ der Personen scheitert, ebenso, wie an den Grenzen des gesellschaftlichen Lebens Dinge eben „einfach nicht gehen, nicht gehen dürfen, nicht sein sollen“.

Haltungen, die ihren Preis fordern und eine gelungene Darstellung der Reibung zwischen den Generationen jener Zeit, dann auch der sechziger Jahre in Amerika mit der „erwachenden Jugend“ und den stärker werdenden Anti-Rassismus-Bürgerbewegungen der Zeit.

Die alltäglichen kleinen Diskriminierungen, das ständige Schwelen der Abgrenzung, das erwachsen werden Hillys in der Reibung zwischen dem, was ihn bewegt und dem, wofür auch sein Vater zu stehen scheint finden sich wie beiläufig bestens beobachtet und geschildert im Roman wieder und lassen jene Haltung dem Leser nahe kommen, die auf Dauer mehr zerstört, als dass sie bewahrt.

Wobei die Lektüre sich nicht immer als ganz einfach herausstellt. Aus der Perspektive Hillys in der Ich-Form erzählt lässt Nadler gerade im ersten Teil des Buches diese Zerrissenheit des jungen Mannes intensiv auch im Stil spürbar werden, was zu manchen Sprunghaftigkeiten führt, nichtsdestotrotz aber das Gefühl der Beklemmung im Leser deutlich anspricht und spürbar macht.

„Bei Dir ist nie irgendetwas dabei, Hilly. Und dann passiert etwas Schreckliches. Du ziehst das Unglück an“. Oder er macht es sichtbar, je nachdem, wie man es sieht.

Eine interessante, sehr genau schildernde Lektüre, die nicht immer flüssig zu lesen ist, aber emotional nahe kommt und gerade die Beiläufigkeit der rassistischen und klassenorientierten Diskriminierung jener Jahre bestens vor Augen führt.


Todeszimmer: Thriller
Todeszimmer: Thriller
von Jeffery Deaver
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Dunkeln tappen, 29. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Todeszimmer: Thriller (Gebundene Ausgabe)
Lange Zeit zunächst werden Lincoln Rhyme und seine kongeniale Partnerin, die Polizistin Amelia Sachs (die inzwischen ja auch im Leben seine Partnern geworden ist) bei diesem Fall im Dunkeln tappen. Zunächst tappen müssen.

Denn der Tatort liegt außerhalb ihrer Reichweite auf den Bahamas. Und Indizien sind schwer zu erhalten, denn die Polizei dort hat es verdächtig eilig, den Fall bereits als abgeschlossen zu betrachten und auf keinen Fall Dinge um den Mord herum zur Verfügung zu stellen. Weder einfachen Sand noch scharfe Glasscherben noch die tödliche Kugel noch Bilder vom Tatort.

Mühsam, Schritt für Schritt, mühen sich die Ermittler daher, ein wenig Licht ins Dunkle des Geschehens zu bekommen. Einerseits durch eine (wie in allem bei Deaver in der Recherche realistisch und ausführlich dargestellt) Internetjagd auf Orte, von denen Emails abgesandt wurden bis hin zu Handys, welche der Täter vielleicht immer noch benutzt.
Andererseits wird sich letztendlich der schwer behinderte Lincoln Rhyme selbst der Erschwernis aussetzen, vor Ort seine hervorragenden Beobachtungsfähigkeiten zur Geltung zu bringen. Wobei das nicht ohne Widerstand der dortigen Staatsgewalt und so manch anderer ausgehen wird, die ein hohes Interesse daran haben, die wahren Hintergründe des Morde an einem sehr amerikakritischen Geschäftsmann zu verschleiern.

Zieht sich dies alles im ersten Teil des Buches doch um einiges hin und beginnt für den Leser, das hier und da eingeblendete „White Plain“ des Ermittlers (zu oft und zu unübersichtlich, letztlich) leicht zu nerven, zieht das Tempo des Buches nach der ausführlichen Vorbereitung der Fakten und der beteiligten Personen doch (ebenfalls wie bei Deaver gewohnt), zügig an.

Vor allem der Part des Gegners ist in diesem Lincoln-Rhyme Thriller ganz hervorragend besetzt. Auch wenn eine deutliche gestalterische Nähe zu „Hannibal Lecter“ ganz offenkundig im Raum steht (mit klaren Unterschieden allerdings, zumindest was das angeht, was bei „Täter 516“ im Buch auf den Teller kommt), gelingt Deaver hier eine tatsächlich furchteinflößende Figur, deren Nutzung des ultrascharfen Küchenmessers durchaus für Schaudern auf breiter Ebene sorgt.

Wie Deaver zudem mit Gefahrensituationen spielt (als der letzte Mietwagenfahrer des Ermordeten aufgesucht werden soll), wie er hinter einer vermeintlichen Lösung wieder neue Fäden und überraschende Wendungen eröffnet, das lässt auch diesen Thriller im Ganzen zu einem hervorragend unterhaltsamen, filmreifen Leseerlebnis werden.

Auch wenn es zu Rhyme und Sachs wenig Neues zu erzählen gibt, diese Figuren in ihrer inneren Befindlichkeit inzwischen sattsam bekannt sind, durch das Einführen neuer „Mitspieler“ erhält dieser Fall auch von dieser Seite einen neuen Schwung und setzt die unterschwellige Abneigung zwischen Sachs und der beteiligten Staatsanwältin gut in Szene.

Wie nun tatsächlich heute „sauber“ gemordet wird, wie Regierungsorganisationen dabei durchaus das Maß verlieren, wie andererseits in einer digitalen Welt ein mehr oder minder „analoger“ Täter seine Kreise zieht und sich der wahre Schuldige erst ganz am Ende überraschend präsentieren wird (und selbst das Opfer mehr und mehr in seiner Rolle fragwürdig wird), das lohnt durchaus die Lektüre dieses neuen Lincoln-Rhyme Falles.


Das Mädchen mit den Smaragdaugen: Roman
Das Mädchen mit den Smaragdaugen: Roman
von Carla Montero
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beutekunst und die Folgen, 29. August 2014
In der Gegenwart des Romans sucht die Kunsthistorikerin Ana Garcia Brest nach einem alten Bild.
Aus dem Besitz der jüdischen Familie Bauer. Wobei das Besondere an diesem Bild ist, dass es (wohl als einziges Bild) aus der Sammlung der Bauers nicht als „Beute“ in die Hände der Nazis fiel.

Ähnlich wie das Bild (auch wenn der Vergleich ein wenig despektierlich ist), wurde auch eine Tochter der Bauers, Sarah Bauer, nicht zur „Beute“.
Was vielleicht auch mit SS Obersturmannführer Georg von Bergheim zu tun gehabt haben könnte, eine der Schlüsselfiguren dieses Romans.

Einer, der umfassend patriotisch im Paris des Jahres 1942 seinem Auftrag nachgeht. Und ein Teil seines Auftrages ist es, genau dieses Bild in den Besitz zu bekommen. Mit dem Sarah in den Wirren der Zeit auf der Flucht ist. Ein Mann, der Tag für Tag mehr Mühe damit hat, die Augen vor den Gräueln, dem Holocaust, dem Bruch aller Menschenrechte zu verschließen, die „sein Land“ der Welt brutal und grausam zumutet. Und der in Sarah als Mensch intensiv auf die Probe gestellt wird. Liebe zu einer Mitwirkenden der Resistance? Zu einer Jüdin? Kann das ein gutes Ende nehmen?

Ana Garcia beginnt ihre Suche in der Gegenwart und reist zunächst nach Paris (und viele weitere Orte werden folgen), während der zweite Erzählstrang des Buches aus dem Jahre 1942 an die Ereignisse schildert.

So führt Montero in beidem Fäden des Romans die Puzzleteile Schritt für Schritt zusammen, berichtet vom Mut auch auf der „falschen Seite“ und wie am Ende die Integrität gewinnt, erzählt eine klare und gut zu lesende Liebesgeschichte unter erschwerten Bedingungen und lässt vor den Augen des Lesers nicht nur das Zeitgeschehen damals, sondern das ganze Thema der „Beutekunst“ erstehen.

Damals wie heute entstehen Widerstände gegen ein Aufdecken dessen, wie der Umgang mit diesen vielen geraubten Kunstschätzen sich darstellt und breite Versuche, Ana Garcia daran zu hindern, ihre Suche erfolgreich zu gestalten. Wobei nicht nur der „alte Geist“ sich noch als in der Gegenwart höchst lebendig erweisen wird.

„Komm zu mir nach Paris. Hilf mir. Alleine schaffe ich das nicht“, fleht sie im Buch fast.

„Ich war es leid, E-Mails zu verschicken und bei sämtlichen Archiven in halb Europa und in den USA anzurufen, ohne jemals auf das Dossier zu stoßen“.

All das erzählt Montero mit hohem Tempo, flüssig und mitreißend, zieht den Leser durch ihre plastische Sprache und Bildkraft immer wieder mitten hinein in das Geschehen zu beiden Zeiten im Buch.

Zwei Suchen, die unterschiedlicher nicht sein können, die beide an Widerständen drohen, zu scheitern, die beide wirken, wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Suchen, welche die beteiligten, sehr nah und lebendig geschilderten, Personen nicht unverändert zurücklassen werden.
So durchmischen sich Roman, Thriller, Liebesroman und Kunstgeschichte im Buch in bester und zudem noch äußerst unterhaltsamer Weise zu einer sehr empfehlenswerten Lektüre.


Berufsbildung und Berufsbildungssystem: Darstellung und Untersuchung nicht-akademischer und akademischer Lernbereiche
Berufsbildung und Berufsbildungssystem: Darstellung und Untersuchung nicht-akademischer und akademischer Lernbereiche
von Jörg-Peter Pahl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 59,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Umfassende Darstellung der gesamten Berufsbildung in Deutschland, 29. August 2014
Vielfach ist die Literatur zur beruflichen Bildung. Ausbildung, Weiterbildung, akademischer Bildung und die jeweiligen Abstufungen, die sich vornehmlich konkreten Bereichen oder Einzelfragen zuwendet.

Der Ansatz dieses Werkes von Jörg-Peter Pahl ist nun (und der reine Umfang des Buches kündet schon von der Breite dieses Anliegens), den gesamten Bereich der Berufsbildung (innerhalb derer die akademische Berufsbildung bis dato in Pahls Augen zu kurz gekommen ist) einer systematischen Untersuchung und Darstellung in Gänze zu unterziehen.

Erstausbildung im „dualen System“, Fachhochschulen, freie und betriebliche Bildungsanbieter, Universitäten mit differenzierten Abschlüssen, der Bereich der Bildung ist ein weiter Bereich und, vor allem im Blick auf die „freie Weiterbildung“ auch ein nur schwer zu fassender und einzugrenzender Bereich.

Pahl bietet nun eine systemübergreifende Reflexion des beruflichen Lehrens, Lernens und Studierens, welches zum einen die verschiedenen Felder und Bereiche fundiert und differenziert beleuchtet und zum anderen alle diese Bereiche in einen Gesamtzusammenhang der Berufsbildung setzt.

Berufsbildung erfolgt auf breiter Ebene in Deutschland, im akademischen und nicht-akademischem Bereich, die Konzentration auf einzelne der Berufsbildungsbereiche hat zu erkennbaren Verengungen geführt, welche der Diskussion im Blick auf den gesamten Bereich oft nicht förderlich waren.

Das vorliegende Werk schafft hier eine fundierte Abhilfe und bietet eine „erste Bestandsaufnahme für alle Felder, in denen berufliche Aus- und Weiterbildung stattfindet“. Wobei für die Hochschulen der Forschungsbereich ausgeklammert wird und der für die Berufsbildung relevante Teil in die Untersuchung eingeflossen ist.

Von einer Darlegung der historischen Entwicklungen der Berufsbildung über die aktuellen Rahmenbedingungen für die Organisation des Berufsbildungssystems und dem darauf folgenden Blick auf die konkreten Lernorte in der Gegenwart reicht die sehr strukturierte und sprachlich anspruchsvolle Darstellung im Buch, die dann über die Akteure und Gestalter des Berufsbildungssystems, die Lernorganisation und die Curricula in den Berufsbildungsstätten hin zur Didaktik und Methodik führt.

Differenziert, argumentativ schlüssig und umfassend dargestellt wird der Leser so in aller denkbaren Breite auf den aktuellen Status Quo des Berufsbildungssystems geführt, bis dann im letzten Hauptteil die sich ergebenden Schlüssen gezogen werden.

Das Berufsbildungssystem als Ganzes unter Berücksichtigung gleichartiger Strukturen und mit einem ebenso breiten Blick auf die sich eröffnenden Perspektiven von der Arbeits- zur Wissensgesellschaft, auf die Entwicklungsperspektiven der beruflichen Erstausbildung und der vielfachen Weiterbildungsmöglichkeiten hin zu den Perspektiven für das gesamte Berufsbildungssystem.

Ein bahnbrechendes Werk, welches erstmalig eine umfassende Untersuchung des Berufsbildungssystems in all seinen Ausrichtungen bietet und die weitergehende Diskussion damit sowohl mit einer breiten und fundierten Grundlage versieht, als auch die notwendigen und sich aufdrängenden Fragen zur weiteren Gestaltung des gesamten Berufsbildungssystems und seiner wichtigen Komponenten gleichermaßen formuliert.


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