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Rezensionen verfasst von
Hubert Milz (Absurdistan = Deutschland)
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Die Gelehrten. Der Niedergang der deutschen Mandarine 1890-1933.
Die Gelehrten. Der Niedergang der deutschen Mandarine 1890-1933.
von Fritz K. Ringer
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Abgesang?, 16. April 2016
Diese Arbeit von Fritz K. Ringer erschien im amerikanischen Original erstmals 1969. Eine deutsche Übersetzung wurde 1983 durch den Verlag Klett-Cotta besorgt; dieser brachte das Buch zunächst gebunden und dann unverändert auch als Taschenbuch heraus.

Was ist ein Mandarin?
Mandarine waren im chinesischen Kaiserreich Beamte, Gelehrte oder Richter, die nach einer jahrelangen, elitären Ausbildung, die den Zweck verfolgte nur die fähigsten Köpfe zum Staatsdienst zuzulassen, in den Staatsdienst übernommen wurden. Die gesamte kaiserlich-chinesische Staatsbürokratie - vom Schullehrer bis zum Berater des chinesischen Kaisers - bestand aus jenen Mandarinen. Die Mandarine sind demzufolge die verbeamtete Bildungselite des chinesischen Kaiserreichs gewesen.

Wer sind die "deutschen Mandarine"?
Ringer übernimmt den Ausdruck Mandarin für die deutschen Gelehrten des 19. und des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts. Er folgt damit einer Metapher Max Webers (1864-1920), der mit seinen Studien über China gleichzeitig eine Philippika gegen die zeitgenössische Gelehrtenszene der 'Wilhelminischen Zeit' geleistet hatte.

Ringer bezeichnet mit dem "deutschen Mandarin" einen 'Idealtypus', und zwar den typischen Vertreter der Bildungselite des Bismarck-Reiches bis zum Ende der Weimarer Republik, die sich selbst als gesellschaftliche und kulturelle Elite des Deutschen Reiches sah. Eine 'soziale Führungsschicht', die den kulturellen Führungsanspruch und ihre gesellschaftliche Stellung - und die daraus für sich abgeleiteten Privilegien - aufgrund ihrer elitären Bildung beanspruchten. Die Stellung der "deutschen Mandarine" resultierte aus ihrer akademischen Bildung, also aus eigener Leistung und nicht aus ererbten Pfründen oder sonstigen, ähnlichen Umständen.

Daraus folgt, dass Ringer in seine Analyse alle akademisch gebildeten Berufsstände hätte einbeziehen sollen. Doch sind z. B. Naturwissenschaftler in der Untersuchung kaum auszumachen; das Schwergewicht verortet sich bei Ringer auf die Geistes-, Sozial- und Staatswissenschaftler - und hier wiederum nimmt Ringer vornehmlich die Spitze dieser Gruppen, nämlich die Universitätsprofessoren (die Ordinarien), unter die Lupe.

Nach einem kurzen historischen Abriss zur Entwicklungsgeschichte der 'Gelehrten', welche die Zeit zwischen 1700 und 1890 umfasst, liegt das Hauptaugenmerk Ringers auf den Jahrzehnten des Niedergangs, der gemäß Ringer um 1890 eingesetzt hat.

Ihre hohe Zeit hatten die "deutschen Mandarine" für Ringer in der Übergangszeit von der Agrarwirtschaft zur Industrialisierung gehabt. In diesen Jahren, vorwiegend in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verortet Ringer durchaus vielversprechende liberale Ansätze bei den "deutschen Mandarinen". Doch in der Folge der Revolutionsjahre von 1848/49 und ganz besonders in den Jahren nach der Reichsgründung durch Bismarck sind jene liberalen Einflüsse mehr und mehr zurückgedrängt worden, so dass die "deutschen Mandarine" zur intellektuellen Speerspitze für die konstitutionelle Monarchie des Deutschen Reiches wurden. Ringer dazu wörtlich: "Vor dem Ende des Jahrhunderts war die deutsche akademische Welt insgesamt in die Rolle eines konservativen und offiziösen Establishments geraten."

Die ersten beiden Jahrzehnte des Bismarck-Reiches werden allgemein als 'Gründerjahre' oder 'Gründerzeit' beschrieben. Eine breite, umfassende Industrialisierung des Deutschen Reiches vollzog sich. Durch diese Industrialisierung wuchsen neue und einflussreiche gesellschaftliche Schichten heran. Nämlich das ganze Umfeld der erfolgreichen Unternehmer, Industriellen, Wirtschaftsführer usw., welche in wichtigen Teilen mit Erfolg den "deutschen Mandarinen" ihre gesellschaftliche und kulturelle Führungsrolle streitig machten.

Bildungspolitisch forderten jene neuen Schichten neue Wege ein, die von Kaiser Wilhelm II. wohlwollend aufgenommen und gefördert wurden. Die mehr oder weniger elitäre und praxisferne Universitätsbildung sollte zumindest um 'Realien' flankierend ergänzt werden. D. h., es wurde eine anwendungsbezogene und praxisnahe Wissenschaft eingefordert. Jene neuen, einflussreichen Gruppen machten ihren Einfluss geltend, um das Realgymnasium und die preußische Oberrealschule gleichberechtigt neben dem humanistischen Gymnasium zu stellen. Im akademischen Bereich förderten jene neuen Schichten die Etablierung der Polytechnika, so dass aus diesen Ingenieurschulen teilweise Technische Hochschulen in Konkurrenz zur Universität erwuchsen.

Die "deutschen Mandarine", allesamt vom humanistischen Gymnasium kommend und der elitären Universitätsbildung verbunden, befanden sich folglich auf ihrem ureigensten Gebiet, der Bildung, gleich auf mehreren Positionen in der Defensive.

Ringer unterteilt nun die "deutschen Mandarine" in "Orthodoxe" und "Modernisierer", wobei für Ringer die "Modernisierer' eindeutig die Minderheit bei den "deutschen Mandarinen' stellten.

"Orthodoxe", wie der berühmte Alt-Historiker Eduard Meyer (1855-1930), wollten an der einzigartigen Stellung des humanistischen Gymnasiums nicht gerüttelt wissen - ebenfalls sollte den Absolventen der Polytechnika der höhere Staatsdienst verwehrt bleiben. Eduard Meyer vertrat die Meinung, dass gerade das humanistische Gymnasium eine harte, aber effiziente intellektuelle Schmiede darstelle; wer diese erfolgreich durchlaufen habe, würde auch im Leben erfolgreich sein. Wäre also, um hier einen Ausdruck von Max Weber - nach Ringer ein Modernisierer - zu gebrauchen, reif sein, um im 'Stahlgehäuse der Moderne' bestehen zu können.

Die "Modernisierer" hingegen waren bereit sich mit Neuerungen zu arrangieren und behutsam neue Wege zu versuchen und einzuschlagen, um erfolgversprechende Chancen auszuloten. Es waren dies Gelehrte, die zugestanden, dass in einem vollindustrialisierten Land wie dem Deutschen Reich auch die angewandte Forschung und damit der Praxisbezug der Wissenschaft von Nöten war.

Was beide Gruppen miteinander verbunden hat, das war Kulturpessimismus. Die schnelle Umwandlung des Deutschen Reiches in eine Industrienation beobachteten die "deutschen Mandarine" misstrauisch. Insbesondere der rapide Umbruch von einem durch Landwirtschaft geprägten, urwüchsigen und bodenständigen Menschenschlag hin zum entwurzelten, bindungslosen Arbeiter der großstädtischen Großbetriebe bereitete den "deutschen Mandarinen" Sorgen. Anhand der ausgewählten Publikationen jener Zeit, die Ringer vorstellt und - zuweilen relativ ausführlich und breit - diskutiert, ist ersichtlich, dass die "Orthodoxen" diesbezüglich das Schlimmste zuerst argwöhnten, während die "Modernisierer" im Vergleich dazu verhalten pessimistisch waren. Die Sorge vor geistiger Entleerung, billigem Materialismus, Erschlaffung der Wehrtüchtigkeit, Furcht vor den Massen, Frontstellung gegen die sozialistischen Parteien usw., dies war beiden Gruppen gemein, so dass es nicht immer leicht ist zwischen "Orthodoxen" und "Modernisierer" exakt zu unterscheiden. Die Trennlinien zwischen den beiden Gruppen - hier "Orthodoxe", dort "Modernisierer" - fließen vielmehr oft genug ineinander über. Aus heutiger Sicht fällt es sowieso schwer in den von Ringer benannten "Modernisierern" keine konservativen Reaktionäre zu sehen. Ein Leser des Buches sollte sich stetig in Erinnerung rufen, dass der Zeitgeist damals ein gänzlich anderer war als heute; denn beide Gruppen der "deutschen Mandarine" waren 'preußisch-deutsch' sozialisiert worden und ihre bevorzugte Staatsform war mehr oder weniger uneingeschränkt das der konstitutionellen Monarchie gewesen.

Der Ausbruch des I. Weltkriegs wurden von der übergroßen Mehrheit der "deutschen Mandarine" geradezu begeistert begrüßt. Doch trotz aller Zustimmung der "deutschen Mandarine" zum 'gerechten Krieg', Ringer differenziert auch hier zwischen "Orthodoxen" und "Modernisierer".

Die "Orthodoxen" standen fest zu den deutschen Kriegszielen und der deutschen politischen Führung. Für den Fall eines deutschen Siegfriedens forderten die "Orthodoxen" weitgehende Annexionen im Osten und im Westen. Die "Orthodoxen" gebärdeten sich mehr als übertrieben nationalistisch. Die Novemberrevolution von 1918 und die Weimarer Republik wurden von den "Orthodoxen" rundweg abgelehnt, publizistisch vehement bekämpft und auch lächerlich gemacht.

Hingegen zeichnet Ringer bei den "Modernisierer" zwar auch einen teilweise pathetischen Patriotismus nach, gesteht ihnen aber einen gewissen und offenen Hang zum Weltbürgertum zu. Auch die neuen Gegebenheiten durch die Weimarer Republik haben - lt. Ringer - jene "Modernisierer" akzeptiert und durchaus organisierte Gruppen von republikanisch gesinnten "deutschen Mandarinen" gebildet. Dies sehe ich anders. Es mag republikanisch gesinnte "deutsche Mandarine" gegeben haben, doch unter den von Ringer immer wieder aufgezählten prominenten Professoren-Namen halte ich nur Alfred Weber für einen Republikaner. Die übrigen Professoren sind m. E. nur Zweck-Republikaner gewesen, deren Ideal nach wie vor die konstitutionelle Monarchie darstellte.

Das Ende der "deutsche Mandarine" als elitäre geistige Führungsschicht war - lt. Ringer - mit der sog. 'Deutschen Revolution' von 1933 gekommen. Also mit dem 'Dritten Reich', in welchem Universität und Wissenschaft rasch gleichgeschaltet worden sind. Verschiedene Kommentatoren von Ringers Buch sahen dies etwas anders. Diese meinten, dass der endgültige Abgesang auf die "deutsche Mandarine" erst durch die Studentenrevolten der sog. '1968er' erfolgt ist.

Ringers Buch zu lesen ist meiner Meinung nach interessant und lehrreich. Es finden sich in den Analysen Ringers viele Winke, die zeigen, dass reichlich Dinge, die heute z. B. in der 'veröffentlichten Meinung' der deutschen Medienlandschaft in der einen oder anderen Variante vielfach präsent sind, schon in der 'Wilhelminischen Zeit' präsent waren. Dazu zählen meiner Meinung nach etliche kulturpessimistische Momente, die Technikfeindlichkeit, das feindselige Unverständnis in Wirtschaftsfragen und andere Dinge mehr.

Zuzugestehen ist, dass die soziale Welt der "deutsche Mandarine" Ringers vergangen ist, doch in der heutigen gängigen Intellektuellenszene finden sich viele Parallelen zu Umständen, die in Ringers Untersuchung auch vorkommen. Oder anders ausgedrückt, wie bei einer Parallelverschiebung im Vektorraum haben sich die Dinge nur auf eine andere Ebene verschoben.

Damals wie heute wollen viele Intellektuelle meinungsbildend sein, dem Volk das Denken vorgeben, bzw. das Vorschreiben was das Volk zu denken hat und denken darf. Grob gesprochen: Auch sehen viele der heutigen Intellektuellen in 'Vox populi' vielfach nur 'Vox Rindvieh' - und 'Vox populi' können nur sie - die 'wahren' Intellektuellen - in die richtigen Bahnen lenken. Folglich haben sich viele der intellektuellen Anmaßungen - die 'geistige und soziale Führungskraft' in Staat und Gesellschaft zu beanspruchen - seit der 'Wilhelminischen Zeit' kaum geändert.

Ebenfalls unverändert wie zu Kaisers Zeiten ist der heutige Drang spezieller Arten von Intellektuellen eine staatlich besoldete Anstellung zu ergattern, von welcher dann herablassend und verächtlich auf das im Erwerbsleben stehende Volk, welches solche Intellektuellen durch Volkes Arbeit zu ernähren hat, herabgeblickt wird. Der französische Schriftsteller und Philosoph Julien Benda (1867-1956) titelte diese Arroganz der intellektuellen Klasse schon vor vielen Jahrzehnten mit einem Essay: "Der Verrat der Intellektuellen".


Eine kurze Geschichte der Menschheit: Fortschritt und Niedergang
Eine kurze Geschichte der Menschheit: Fortschritt und Niedergang
von Hans-Hermann Hoppe
  Broschiert
Preis: EUR 16,90

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kompakt und informativ, 9. April 2016
Hans Hermann Hoppe (HHH) bietet dem Leser mit diesem Buch einen atemberaubenden 'Parforceritt' durch die Menschheitsgeschichte. In einem konsequent dichten Text fasst HHH die Erkenntnisse der anthropologischen Forschung zur Menschheitsgeschichte zusammen. Aus dieser Entwicklungsgeschichte zieht HHH Schlussfolgerungen über und für das Gemeinwesen; Schlussfolgerungen, mit denen HHH gegen etliche Ansichten des heutigen Hauptstroms der Meinungsmacher bürstet.

HHH schildert, dass der Ursprung des modernen Menschen als 'Jäger und Sammler' in den üppigen Regionen Afrikas zu verorten ist, wo die Natur den Tisch reichlich für die 'Jäger und Sammler' gedeckt hatte.

Die Schilderungen von HHH stellen klar, dass jene ursprünglichen 'Jäger und Sammler' der Steinzeit mit dem verklärenden Bild des 'edlen Wilden' à la Jean-Jacques Rousseau keine Berührungspunkte haben. Vielmehr wird es ständigen Zwist, Streit und Kampf zwischen den verschiedenen Horden der 'Jäger und Sammler' um die besten Jagd- und Sammelreviere gegeben haben; denn auch das beste Revier kann nur eine kleine Horde ernährt haben.

Im Kampf unterlegene Horden mussten, um zu überleben, neue Reviere erschließen. Auch der Teil eine Horde, der sich wegen Kinderreichtum (die Horde wurde zu groß) abspaltete und eine neue Horde bildete, wanderte weiter und suchte sich ein neues Revier.

Die Forschungsergebnisse der Anthropologie legen den Schluss nahe, dass als Folge solcher Wanderungen vor rund 50.000 Jahren der Exodus der Horden aus Afrika einsetzte. Ein Exodus, der innerhalb von 15.000 Jahren zur Landnahme des modernen Menschen rund um den Globus führte - alle möglichen Reviere waren erschlossen und der Existenzkampf zwischen wachsenden Horden wird härter und schärfer geworden sein.

HHH macht klar, dass es zu den Zeiten der 'Jäger und Sammler' keine Familien und kein Eigentum im heutige Sinne gegeben haben wird. Alle wichtigen Güter gehörten der Horde gemeinsam, auch Mann und Frau standen jedem zur Verfügung. Erst mit er Sesshaftwerdung der Menschen konnte sich dies, wie HHH einleuchtend darlegt, ändern.

Den Übergang vom Nomadentum zur Sesshaftigkeit der Menschen mit Ackerbau und Viehzucht vor rund 11.000 Jahren nennt HHH eine enorme intellektuelle Leistung. Diese imposante Leistung gelang den Menschen in Regionen, in welchen die Natur den 'Tisch' für die 'Jäger und Sammler' nicht unbedingt üppig gedeckt hatte. In diesen Regionen waren Kreativität und Intelligenz von Nöten, um als Horde überleben zu können.

Ackerbau und Viehzucht - das Gefühl die eigene Scholle zu bestellen bewirkte, dass die Institution des Privateigentums entstand. Arbeitsteilung in kleinen Gruppen war nötig, so dass Vertrauen und Bindungen der Menschen untereinander wirken konnten, die Urzelle jeder Zivilgesellschaft, nämlich die Institution der Familie entwickelte sich.

Außerdem, Ackerbau und Viehzucht ermöglichten eine größere, bessere und vor allem stetigere Versorgung mit dem Lebensnotwendigen. Bessere Versorgung hieß aber auch, dass mehr Menschen überleben konnten. Dieser Erfolg wurde imitiert, so dass Ackerbau und Viehzucht einen Siegeszug rund um den Globus antraten. Schnell wuchs die Zahl der Menschen weltweit an, so dass - bedingt durch die Knappheit der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen auch der Mensch der Sesshaftigkeit schnell wieder auf das Niveau des Existenzminimums zurückfiel.

Jahrtausende von Jahren stagnierte die Menschheit in dieser sog. "Malthusianischen Armutsfalle" des Existenzminimums. Erst durch die Industrialisierung änderte sich dieser Zustand. Die Industrialisierung ermöglichte ein Bevölkerungswachstum in Kombination mit einem hohen Einkommen und einem Lebensstandard für diese Massen von Menschen, der weit über dem Existenzminimum der sog. "Malthusianischen Armutsfalle" angesiedelt ist.

Für HHH ist es logisch, dass die Industrialisierung in einer Region der Erde einsetzte, in welcher die Natur sich vom Menschen im ständigen Kampfe das Lebensnotwendige abringen ließ. In solchen Regionen muss der Mensch, um zu überleben, kreativ und intelligent sein. So wichtig Rechtssicherheit, Privateigentum und andere der regelmäßig genannten Institutionen für die Industrialisierung auch waren, für HHH ist der wichtigste Punkt die mit Kreativität gepaarte Intelligenz gewesen, welche Industrialisierung, Marktwirtschaft (Kapitalismus) und die immense Wohlstandssteigerung erst ermöglicht hat.

Im letzten Teil legt HHH seine Sicht der Entwicklung de Zivilgesellschaft dar. HHH zeigt in streng logischer Argumentationsfolge, dass in kleinen, übersichtlichen politischen Gemeinschaften, wo sozusagen 'jeder jeden kennt', die Ambitionen der politisch Mächtigen eher in Zaum zu halten sind. Dagegen, je größer ein Staat ist, desto leichter können und werden die Herrschenden das Gemeinwesen für ihre Zwecke handhaben, verunstalten und ausbeuten.

In diesem Zusammenhang diskutiert HHH die Staatsformen der Monarchie und der Demokratie.

HHH entwickelt hier HHH in Kurzfassung seine Hauptargumente aus dem Buch "Demokratie, der Gott, der keiner war'. HHH zeigt, dass ein Monarch, egal, wie absolut dieser herrscht, langfristig über Generationen hinweg denkt. Die Zeitpräferenz des Monarchen ist niedrig; denn der Monarch betrachtet seinen Staat als Eigentum seiner Familie. Der Monarch will seiner Dynastie ein gut florierendes und intaktes Staatsgebilde erhalten, d. h. der Monarch will zwar gut leben, wird sich aber beim Ausplündern der Untertanen zurücknehmen.

Für die Demokratie sieht HHH dies völlig anders. Demokratische Herrscher sind nur auf Zeit gewählt, folglich denken die demokratischen Politiker kurzfristig - sprich, die Zeitpräferenz dieser Politiker ist hoch. Daraus folgt, dass dem demokratischen Politiker in der Regel nur wenig Zeit verbleibt, um zum eigenen Nutzen soviel wie möglich aus dem Gemeinwesen herauszuziehen, dabei aber scheinbar 'Gutes' für die Zukurzgekommenen tut. Scheinbar; denn in Wirklichkeit verschwenden die demokratischen Politiker das Eigentum und das Vermögen der erfolgreich arbeitenden Teile der Bevölkerung. Für HHH ist es logisch, dass gerade in Demokratien die Steuer- und Abgabenlasten immer weiter steigen und auf einem Niveau sind, welches ein absolut regierender Monarch gescheut haben würde.

Die Demokratie ist folglich für HHH ein Rückschritt gegenüber der Monarchie. Dabei ist HHH kein Monarchist, sondern HHH präferiert die natürliche Privatrechtsgesellschaft. Deren Gebiet wäre klein und überschaubar; mit natürlichen Eliten, die diese Gesellschaft führen - also eine hierarchisch geordnete Anarchie.

Es machte Vergnügen das Buch zu lesen. HHH nimmt kein Blatt vor dem Mund; HHH beugt sich nicht irgendwelchen, liebgewordenen Mythen oder Meinungsvorgaben, sondern bürstet, wenn es denn in seinem Argumentationsrahmen nötig ist, voll dagegen - und dies stets sprach-logisch auf einem hohen Niveau. Dadurch zwingt HHH einem Leser, der seinen Argumenten konzentrierte Aufmerksamkeit schenkt, dazu selber zu denken und eigene Positionen zu überdenken.


Max Weber und die jüdische Ethik: Die Beziehung zwischen politischer Philosophie und Interpretation der jüdischen Kultur
Max Weber und die jüdische Ethik: Die Beziehung zwischen politischer Philosophie und Interpretation der jüdischen Kultur
von Michael Spöttel
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zwiespältig, 3. April 2016
In diesem Buch aus 1997 untersuchte Michael Spöttel, ein promovierter Ethnologe, das Verhältnis der politischen Anschauungen Max Webers zur jüdischen Kultur. Ein Artikel zur "Gesinnungsethik" im aktuellen 'Schweizer Monat' (April 2016), in welchem auf Max Webers Unterscheidung in "Gesinnungsethik" und "Verantwortungsethik" kurz angespielt worden ist, inspirierte mich dazu Michael Spöttels Buch über Max Weber nach bald zwanzig Jahren noch einmal zur Hand zu nehmen.

Spöttel zeigt, dass das Denken Max Webers (1864 - 1920) ganz im Sozialdarwinismus jener Zeit verhaftet gewesen sein wird. Max Webers 'Gesinnungsethik' ist - nach Spöttel - in einem Puritanismus verwurzelt gewesen, der asketisch und kämpferisch auftritt. Folgt man Spöttels Analyse, so wurzelte Max Webers Gesinnung eindeutig in einer Verherrlichung der Starken, der Kämpfer, des Krieges und der mutigen politischen Führer. Eine Sichtweise, die ein kurzer Blick in Max Webers Hauptwerk "Wirtschaft und Gesellschaft" bestätigt; dort ist zu lesen, dass für Max Weber nur der Heldentod für das Vaterland auf dem Schlachtfeld ein sinnvoller Tod sein kann.

Demzufolge waren Max Weber friedliche, insbesondere pazifistische Weltanschauungen suspekt, gegen diese brachte Max Weber sich in Stellung. So etwa gegen die Anschauungen der Konfuzianer, deren 'Vernunft' eine essentiell pazifistische "Intellektuellen-Ethik" hervorgebracht habe, die dem asketischen Puritanismus weit unterlegen sei.
Ebenso verwarf Max Weber die 'jüdische Ethik' im Nachgang zur 'babylonischen Gefangenschaft'.
Spöttel zeigt die Sympathien Max Webers mit dem kriegerischen Wüstenvolk der Israeliten, die während der vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste ganz auf einen kriegerischen Wüstengott 'Jahwe' vertrauten und im Kampf um 'Kanaan' obsiegten.
Im Anschluss an das babylonische Exil haben die Priester und Gelehrten - so Max Weber - diese kämpferische Grundgesinnung in eine 'pazifistische Ethik' - für Max Weber eine "Paria-Ethik"- umgeformt, die alles Kriegerische und Kämpferische eliminiert habe, mit allen schädlichen Folgen für das Judentum.
Konsequenterweise folgt aus diesen Darlegungen meiner Ansicht nach natürlich auch, dass Max Weber die 'Lehren des Liberalismus' abzulehnen hatte; denn auch der 'klassische Liberalismus' verfocht und verficht das 'friedliche Zusammenleben, das friedliche Miteinander der Völker'.

Derartige friedliche oder auch pazifistische Einstellungen sah Max Weber als gefährlich an, und zwar für den Kampfeswillen und die Wehrhaftigkeit eines Staates und Volkes, in welchem Intellektuelle solcherart Weltanschauungen aus einflussreichen Positionen heraus implementieren konnten.

Eine "Gesinnungsethik" sprach Max Weber jenen Vertretern derartiger Weltanschauungen keineswegs ab. Max Weber verteidigte sogar vehement deren Recht ihre Gesinnung öffentlich zur Diskussion zu stellen. Nichtsdestotrotz hielt Max Weber derartige Gesinnungen für falsch und gefährlich; denn diese führten zu Unfreiheit, fehlender Souveränität und kultureller Stagnation.

Inwieweit Max Weber bei seinen Ansichten z. B. von Heinrich von Treitschke, während des Studiums hatte Max Weber bei Treitschke Vorlesungen belegt gehabt und Treitschke verkehrte im weberischen Elternhaus, beeinflusst worden ist, lässt sich ohne Spekulationen wohl nicht sagen. Doch Spöttel zeigt, dass Max Weber spätestens ab 1910 auf "Formeln" Treitschkes zurückgegriffen hat.

Ob aus diesem folgt, dass Max Weber ein Antisemit gewesen ist? Ein vulgärer Antisemit ist Max Weber sicher nicht gewesen, aber ein Gegner der Weltanschauungen, die damals durch jüdische Intellektuelle wie z. B. Ernst Bloch, Lujo Brentano, Edgar Jaffé, Georg Lukács oder Ernst Toller vertreten worden sind. Im privaten Miteinander zählten die genannten Personen zum Freundeskreis Max Webers. Deren Anschauungen sah Max Weber als tief in der "jüdischen Paria-Ethik" verwurzelt an; für Max Weber "typisch jüdisch" und in der Sicht Max Webers ungeheuer schädlich für das 'Deutsche Reich'.

Die Lektüre von Spöttels Buch führt meiner Ansicht nach zu dem Schluss, dass Max Weber ein überzeugter Nationalist gewesen ist, dessen Gesinnung durch eine reichliche Portion nationalistischem Pathos gespeist worden ist und der keineswegs seinem eigenen Postulat der 'wissenschaftlichen Werturteilsfreiheit' entsprochen hat. Ja, mehr noch, Max Webers genialische Fähigkeit komplexe Themen simplifizierend in Idealtypen zu gießen, habe im Grunde stereotypischen Vorurteilen Vorschub geleistet. Jene Argumentationsstränge der weberischen Idealtypen wurden nach dem Zusammenbruch des 'Dritten Reiches' von Wissenschaftlern aufgegriffen und in ihre Arbeiten eingebaut. Somit konnten Wissenschaftler, getarnt durch weberische Idealtypen, ihre 'alten Thesen', die durch das 'Dritte Reich' eindeutig diskreditiert und unhaltbar geworden waren, trotzdem weiterhin in ihren Publikationen verbreiten.

Der auch von Spöttel an ein paar Stellen zitierte Fritz K. Ringer z. B. zeichnete in seinem Buch "Der Niedergang der deutschen Mandarine 1890-1933" Max Weber nicht der Art und Weise wie Spöttel als überzeugten Nationalisten, sondern - auch mit eigentlich guten und differenzierten Argumenten - als durchaus patriotisch gesinnten Weltbürger.

Flankierend zu Spöttel und Ringer nahm ich dann auch noch Mariannes Webers Buch "Max Weber. Ein Lebensbild" zur Hand. Marianne Weber, die Ehefrau von Max Weber, zeigte in diesem Buch doch ziemlich deutlich, dass Max Weber sich nach dem für das 'Deutsche Reich' verlorenem I. Weltkrieg selbst mit 'Beelzebub' verbündet haben würde, um das Deutsche Reich wieder zur Großmacht zu machen und zur Stärke vor 1914 zurückzuführen.

Bei der Bewertung der Gesichtspunkte von Spöttel und Ringer, in der Zusammenschau mit einigen - aus meiner Sicht nicht unwichtigen - Passagen aus dem Werk Max Webers, flankiert durch Bemerkungen Marianne Webers, neige ich dann doch dazu, dass ich Max Weber tendenziell als Nationalisten - und nicht als Patrioten ' einordne. Außerdem kann ich nicht nachempfinden, dass Max Weber immer wieder als 'Liberaler' bezeichnet wird - nur weil er ab und an ein paar 'Freiheitsgrade' verteidigte? Max Weber war - genau wie Friedrich Naumann - alles andere als ein 'Liberaler'; Max Weber war im Gegenteil durch und durch ein 'Etatist' gewesen.

Ähnlich sah dies - so glaube ich - auch Lord Dahrendorf. Ich erinnere mich an eine Stelle in irgendeiner Publikation von Ralf Dahrendorf, wo dieser anmerkt, dass er dem gängigen und in allen Lagern verbreiteten Urteil nicht folgen kann, welches lautet, dass Max Weber, wenn er 1933 noch erlebt haben würde, direkt in Opposition zum 'Dritten Reich' gestanden hätte. Dahrendorf meinte, dass Max Weber die sog. 'deutsche Revolution' von 1933 aus seiner nationalen Einstellung heraus anfangs sicher begrüßt haben würde. Dass also Max Weber nicht wie sein Bruder Alfred Weber gehandelt haben würde. Alfred Weber setzte die Flagge auf dem 'Institut für Sozial- und Staatswissenschaften' auf Halbmast, nachdem der "GröFaZ" am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt worden war, und Alfred Weber schied damals freiwillig aus seinem Amt als Hochschullehrer aus; Alfred Weber wurde vorzeitig und freiwillig Professor Emeritus.


The Standards II: Filme aus der Freiheitsperspektive betrachtet
The Standards II: Filme aus der Freiheitsperspektive betrachtet
von Michael von Prollius
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht nur einfach Unterhaltung!, 2. April 2016
Kommerzielle Unterhaltungsfilme sollen beim Publikum ankommen, einfach Geld einspielen, dafür sind diese Filme gemacht worden. Gerade für Filme der sog. 'Traumfabrik Hollywood' gilt dies sicherlich uneingeschränkt, ein Film soll ökonomisch erfolgreich sein.

Trotz diesem Prinzip, Filme können auch Botschaften enthalten. Hier in diesem Buch analysieren verschiedene Autoren bekannte und berühmte Filme, um zeigen, dass auch reine Unterhaltungsfilme 'Botschafter der Ideen der Freiheit' sein können.

Die Filme, die in diesem Band untersucht werden, sind in ganz unterschiedlichen Genres zu Hause. Ob Western, Alpen-Western, Historiendrama, Comic-Verfilmung oder Science Fiction Film, die Analysen der Autoren verdeutlichen, in jedem Genre kann die Botschaft herausgearbeitet werden.

Dabei zeigt sich, dass im Unterhaltungsfilm vielschichtig und differenziert solche Botschaften eingewoben sein können. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass das Medium 'Film' seine 'Botschaft' in eindrucksvollen Bildern transportieren kann, so dass die in Bilder und Sprache gegossenen Aktionen der handelnden Protagonisten weit mehr an 'Botschaft' vermitteln können, als dies jemals das 'theoretische Wort' überhaupt kann - egal ob gesprochen oder geschrieben. Gerade dadurch wird es deutlich, dass die Filme dem Zuschauer zum Beispiel vermitteln,

- dass die Menschen sich zu allen Zeiten zwischen Freiheit und Unterdrückung zu entscheiden haben;
- dass es in einem Gemeinwesen, wie auch immer dieses gestaltet sein mag, stets den Zielkonflikt zwischen der individuellen/persönlichen Freiheit und den Interessen der Gemeinschaft gibt;
- dass die persönliche Freiheit durch allgemeine Regeln eingehegt wird, um die allgemeine Freiheit und die Spontanität des Gemeinwesens, mit Blick auf eine gute menschliche Gesellschaft, zu erhalten;
- dass diese allgemeinen Regeln durch den Missbrauch der politischen Macht, also der politisch Mächtigen, die persönliche Freiheit ersticken können;
- dass staatliche Politik, die z. B. nicht neutral ist, indem es die Eigentumsrechte der einen Gruppe vorsätzlich gegen die Rechte und berechtigten Interessen anderer Gruppen ausspielt und/oder bevorzugt zu behandeln sucht, ganz allgemein und selbstverständlich zu allen Zeiten, ob Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, eine Gefahr für die Freiheit darstellt;
- dass Freiheit nicht selbstverständlich ist, sondern immer wieder von den Menschen eingefordert und erkämpft werden muss;
- dass das Recht auf privates Eigentum und persönliche Freiheit ineinander verwoben sind, sich gegenseitig bedingen;
- dass es oftmals die Außenseiter und/oder die Ausgestoßenen einer Gesellschaft sind, welche die entscheidenden Kristalle sind, um die persönliche Freiheit zu erhalten oder wiederzubeleben;
- dass regelmäßig eine große Masse von Menschen geben wird, welche die persönliche Freiheit freiwillig aufgeben, um scheinbar bequem, gut versorgt und sicher unter dem Gezelt der politisch Mächtigen zu leben. Also eine komfortable Stallfütterung einem Leben in Freiheit und Eigenverantwortung vorziehen - 'Freiheit heißt Verantwortung, und Verantwortung wollen viele Menschen nicht übernehmen';

Diese und andere Punkte werden von den Autoren des Buches innerhalb der Analysen zu den einzelnen Filmen gut herausgearbeitet. Natürlich mit jeweils anderen Schwerpunkten - etwas, was mit Blick auf die unterschiedlichen Genres der Filme auch nicht anders sein kann.

Dem Buch gebe ich eine eindeutige Leseempfehlung. Besprechungen berühmter Filme unter den Gesichtspunkten der 'Ideen der Freiheit' zu lesen, das ist ein regelrechtes Vergnügen gewesen. Ein sehr gut gelungenes Buch - bitte mehr davon!


Der Fall Roms: Die Auflösung des römischen Reiches im Urteil der Nachwelt
Der Fall Roms: Die Auflösung des römischen Reiches im Urteil der Nachwelt
von Alexander Demandt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 68,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Verfall eines Imperiums, 30. März 2016
Prof. Dr. Alexander Demandt legte dieses Buch erstmals 1984 vor. Damals war Demandt noch am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin tätig gewesen, inzwischen ist Demandt ein emeritierter Alt-Historiker der Freien Universität Berlin.
Das Buch reüssierte, trotz anspruchsvoller Wissenschaftlichkeit, als internationaler Bestseller und war lange Zeit vergriffen.
Im Jahre 2014 erschien eine um Ergänzungen erweiterte 2. Auflage, welcher schon im Jahre 2015 ein Nachdruck als 3. Auflage folgte - mehr Erfolg kann ein Autor sich für ein Fachbuch nicht wünschen.

"Der Fall Roms: Die Auflösung des römischen Reiches im Urteil der Nachwelt" - und die Urteile dieser Nachwelt sind breitgefächert, die Spannbreite zieht sich vom Jammern über ein fürchterliches Unglück bis hin zum triumphierenden Jubel über den Untergang des römischen Imperiums.
Ebenso gibt es in den Urteilen der Nachwelt den einen und entscheidenden Grund für den Untergang Roms nicht.
Einen solchen kann es auch nicht gegeben haben, sondern der Gründe werden viele gewesen sein; denn das Imperium hat immerhin viele Jahrhunderte bestanden;

- rund 600 Jahre gab es nur das eine römische Imperium;
- dann, im Jahre 395 wurde das Imperium in ein west- und ein oströmisches Reich geteilt;
- zwar wurde der letzte weströmische Kaiser schon im Jahre 476 abgesetzt, aber das oströmische Reich unterlag erst im Jahre 1453 endgültig dem Ansturm der Osmanen.

Und in diesen vielen Jahrhunderten ist 'Rom' immer und immer wieder in Sachen Kultur, Recht und Zivilisation prägend für den Okzident gewesen - im Grunde wirkt diese 'römische Prägung' bis heute.

Daher sind die Gründe und Urteile, die Demandt in diesem Buch bezüglich des Untergangs des römischen Imperiums anführt und diskutiert auch vielfältiger Art und vielschichtiger Natur.

Demandt führt eine Unzahl an Quellen und Literaturstellen an, dabei entsteht leicht der Eindruck, als ob eine ganze Parade an Stars und Koryphäen des europäischen Kultur-, Literatur- und Wissenschaftslebens aufmarschiert. Gleichwohl klingen die Urteile über und die Gründe für den Fall Roms ungeheuer modern, wenn z. B. die Rede ist

- von Wirtschaftskriminalität;
- von Dekadenz und Kulturpessimismus;
- von einem schlechten Schulsystem, mit miserablen Schülern und ebensolchen Lehrern;
- von zerrütteten Staatsfinanzen;
- von demographischen Fragen bis hin zur Überalterung der Gesellschaft,
- vom Versagen der Eliten,
- oder auch von der Völkerwanderung, also dem Ansturm der germanischen Barbaren;

dann erweckt dies den Eindruck, als ob aktuelle Probleme zur Diskussion stehen. Es stellen sich dann unwillkürlich Fragen in der Art wie:

- Leben wir in einer Art von Spätantike?
- Steht der Fall unserer bekannten 'kulturellen Welt' bevor?
- Liefert 'Rom' die Blaupause für den Verfall von Imperien in der heutigen Zeit?

Die Lektüre des Buches ist interessant und anregend gewesen. Mit Blick auf den stolzen Preis von 68 Euro habe ich mich gescheut das Buch zu erwerben, sondern ich habe mir das Buch nur ausgeliehen.

Dem Buch gebe ich - trotz eines insgesamt mehr als guten Eindrucks - nur vier Sterne. Genau wie der Rezensent 'Wilhelm' hätte ich es nämlich beim Lesen als angenehm empfunden, wenn zumindest die wichtigsten Zitate etc. - z. B. in Fußnoten oder in Klammern gesetzt - ins Deutsche übertragen gewesen wären. Nicht jeder ist so gelehrt wie Prof. Dr. Alexander Demandt, der - für einen Alt-Historiker selbstverständlich - nicht nur die alten Sprachen, sondern zudem natürlich auch Englisch, Französisch usf. beherrscht.


Strom ist nicht gleich Strom: Warum die Energiewende nicht gelingen kann (Schriftenreihe des Europäischen Instituts für Klima und Energie)
Strom ist nicht gleich Strom: Warum die Energiewende nicht gelingen kann (Schriftenreihe des Europäischen Instituts für Klima und Energie)
von Michael Limburg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eindeutig, 27. März 2016
Der Wissenschafts-Journalist Fred F. Müller und der Diplom-Ingenieur Michael Limburg haben gemeinsam dieses - gerade für den Laien - lesenswerte Buch zur Stromversorgung geschrieben.

Zu den Autoren:
- Fred. F. Müller ist ein Journalist, der heiße Eisen nicht fürchtet; siehe z. B. seine Artikel auf dem Blog "Science-Skeptical", wo er sich nicht scheut mit gut recherchierten und fundierten Texten gegen die Mainstream-Journaille anzuschreiben.
- Der Diplom-Ingenieur Michael Limburg ist Vizepräsident des "Europäisches Institut für Klima und Energie - EIKE ". Auch EIKE - und somit ebenso Michael Limburg - setzen seit Jahren ihr "Votum" gegen die einseitige Berichterstattung der Mainstream-Journaille in Sachen sog. "Energiewende".
- Beide Autoren bevorzugen es selber zu denken, beide fügen sich nicht einfach den politisch gewünschten Vorgaben bei der Berichterstattung in Sachen "Energiewende".

Das "Erneuerbare-Energien-Gesetz - EEG" sieht vor, dass in Deutschland bis zum Jahre 2050 die Stromversorgung zu 80% aus den sog. "erneuerbaren Energien" erfolgen soll. Die beiden Autoren argumentieren in diesem Buch gegen diese sog. "Energiewende". Sie legen dar, dass es unmöglich ist, eine sichere und nachhaltige Stromversorgung auf Basis der sog. "erneuerbaren Energien" (EEG-Anlagen) zu gewährleisten.

Limburg und Müller zeigen auf, dass der Energiebedarf einer Industrienation und modernen Zivilisation wie Deutschland immens ist. Dabei erklären die beiden Autoren, ohne in fach-chinesisch abzudriften, dem technisch-naturwissenschaftlichen Laien einfach und verständlich, wie ein verlässliches Stromversorgungssystem in einem hochtechnisierten Industriestandort wie Deutschland, in welchem 'Arbeit und Brot' von einer sicheren und bezahlbaren Stromversorgung abhängig sind, ausschauen sollte.

Es wird deutlich;
- dass Versorgungssicherheit und stabile Stromnetze zusammen gehören;
- dass die Stromeinspeisung in die Netze sich an der Netzstabilität auszurichten hat;
- dass sprunghafte Schwankungen bei der Stromeinspeisung die Netze stressen und instabil machen;
- dass instabile und gestresste Netze die Gefahr eines vermeidbaren, großflächigen Schwarzfalls (Blackout) erhöhen.

Daraus folgt, dass stabile Netze einer belastbaren Datenbasis zur vernünftigen Planung bedürfen; d. h. die Stromeinspeisung und die Fahrweise des Kraftwerksparks sind belastbar längerfristig zu planen, kurzfristig zu prognostizieren und sollten Puffer enthalten, um schnell auf unverhoffte aktuelle Gegebenheiten reagieren zu können.

Konsequent zeigen Limburg und Müller, dass alle diese Anforderungen an ein sicheres Stromversorgungssystem durch die sog. "EEG-Anlagen" keineswegs zu gewährleisten sind. Anlagen, die aus Wind- oder Sonnenenergie den Strom erzeugen sind abhängig von dem, was die Natur momentan rein zufällig preisgibt. "EEG-Anlagen" sind also vergleichbar den Jägern und Sammlern der Steinzeit, auch diese konnten nur das verbrauchen, was die Natur gerade anbot - mehr ging nicht und mehr geht auch bei den "EEG-Anlagen" nicht!

Folgerichtig ist die Netzstabilität nicht belastbar planbar und prognostizierbar, denn,
- wenn relativ viel an Strom benötigt wird, scheint unter Umständen die Sonne nicht und es ist windstill, mit der Folge, dass jene "EEG-Anlagen" keinen Strom einspeisen;
- oder wenn ziemlich wenig Strombedarf ansteht, dann speisen jene "EEG-Anlagen", wegen guten Windverhältnissen und herrlichem Sonnenschein, Unmengen an nicht benötigtem Strom ins Netz ein.

Beide Situationen sind der Netzstabilität keineswegs dienlich, sondern erhöhen die Gefahren von großflächigen Stromausfällen. Und solche Gefahren sind mit Blick auf die Versorgung von Krankenhäusern, Verkehrssignalanlagen etc. sicherlich nicht mit einem einfachen "na und, und wenn schon" vom Tisch zu fegen - ein Blackout kann und wird viele - ohne EEG-Stress vermeidbare - Todesopfer zeitigen.

Kann diesen Gefahren und Problemen mit Stromspeichern, die überflüssigen Strom sozusagen lagern und bei Bedarf ins Netz einspeisen, abgeholfen werden?
Die Antwort der beiden Autoren ist ein eindeutiges "Nein", Stromspeicher, die man für solche Zwecke benötigen würde, müssten Speicher mit einer enormen Kapazität sein.
Manche Laien wenden hier oftmals ein, dass es doch z. B. Batterien für die Taschenlampe gibt; weshalb sollten also Batterien in Form von großen Stromspeichern nicht machbar und möglich sein?
Derartige Speicher gibt es derzeit nicht und wird es in absehbarer Zukunft auch nicht geben können; aus technischen und wirtschaftlichen Gründen sind Stromspeicher für solche Riesenstrommengen, die zwingend anfallen werden, nicht realisierbar.
Auch den ganzen Versuchen mit dem sog. Windgas (Power to Gas) räumen die beiden Autoren kaum Chancen einer vernünftigen technisch-wirtschaftlichen Umsetzung für die großräumige Praxis ein.

Die Lektüre dieses Buches führt zwangsläufig und logisch zu dem Urteil, dass der Versuch die gesetzlichen Vorgaben des EEG-Gesetzes umzusetzen an Traumtänzerei grenzt. Und nicht nur das, die Realisierung der EEG-Träume bedeutet;
- dass die verantwortlichen deutschen Politiker freiwillig den sog. "Morgenthau-Plan" umsetzen wollen. Der sog. "Morgenthau-Plan" war ein Memorandum, welches gegen Ende des II. Weltkriegs der amerikanische Finanzminister Henry Morgenthau entworfen hatte, um das besiegte Deutschland zu deindustrialisieren. Die Pläne der deutschen "Energiewende-Politiker" können ohne große Umstände als eine moderne Variante des "Morgenthau-Plans" zur Deindustriealisierung Deutschlands interpretiert werden. Jene "Energiewende-Politiker" handeln folglich absolut unverantwortlich und vorsätzlich zum Schaden des allgemeinen Wohls;
- außerdem widersprechen die Mittel und Instrumente, mit welchen das EEG realisiert werden soll, den Gesetzen der Natur- und Ingenieurwissenschaften. Also ist dies eine Politik, die - wie mir dies ein Wiener Physik-Professor im persönlichen Gespräch im Jahre 2010 sagte - einem Verrat an den Naturwissenschaften gleichkommt; und jener Professor setzte hinzu, dass es für ihn kaum zu fassen ist, dass die "Kanzlerin der sog. Energiewende" eine promovierte Physikerin ist.

Ein wesentlicher Punkt spezifisch deutscher Befindlichkeiten sollte beim Lesen des Buches klar vor Augen stehen: Seit sehr vielen Jahrzehnten wird in Deutschland fälschlicherweise - pressewirksam und meinungsbildend - verbreitet, dass ein grundsätzlicher Gegensatz zwischen 'Ökonomie und Ökologie' besteht. Die Verbreiter dieser 'ökologistischen Ideologie' haben es geschafft, dies zeigen regelmäßig die Umfragen der Meinungsforscher in Deutschland, dass wohl eine Mehrheit der Deutschen diesen falschen ideologischen Vorgaben zuneigt; ja mehr noch, dass die 'ökologistische Ideologie' inzwischen fast so etwas wie den Rang einer zivilen Ersatzreligion eingenommen hat.

Schon 1641 war auf einem Londoner Flugblatt zu lesen: "Die Welt wird von Meinungen regiert und beherrscht". Und das Instrumentarium der Meinungsbildung beherrschten die 'Ökologisten' in den letzten Jahrzehnten famos. Sie haben diesen Staat 'grün angemalt', wie z. B. die weit verbreitete, aber fälschliche Ansicht vom Gegensatz zwischen 'Ökonomie und Ökologie' und die sog. Energiewende zeigen.

Nichtsdestotrotz, Ökologie und Ökonomie sind keineswegs Gegensätze, sondern haben letztendlich ein gemeinsames Ziel: «Den rationellen und sparsamen Umgang mit sämtlichen vorhandenen Ressourcen». Nicht zufällig ist das alt-griechische Wort für Haus die gemeinsame Wurzel von Ökonomie (oikonomia für alt-griechisch "Verwaltung eines Hauses", von oikos = "Haus, Haushalt" plus nemein = "verwalten" bzw. nomia = "Gesetz") und Ökologie (von alt-griechisch oikos = "Haus, Haushalt" plus logos = "Lehre", also "Lehre vom Haushalt"). Diesen eigentlichen und ursprünglichen Sinn von 'Ökonomie und Ökologie' haben die 'Ökologisten' mit Hilfe einer willfährigen Journaille in der 'veröffentlichten und öffentlichen Meinung' total verdreht, so dass ganze Kohorten verantwortungsloser Politiker der 'ökologistischen Ersatzreligion' hinterherhecheln. Vielleicht reagieren jene Politiker aus Angst heraus in dieser Art und Weise, da sie befürchten, dass sie bei der nächsten Wahl den Platz am Futtertrog verlieren, falls sie nicht 'grün angemalt' sind?

Es stellt sich bei der Lektüre des Buches auch die Frage nach der Rolle der Gewerkschaften, der Rolle der angeblichen Arbeiterpartei SPD und der Rolle der großen Energieversorgungskonzerne. Wie agieren die Genannten? Wen vertreten sie? Wirklich ihre angebliche Klientel? Und vor allem, warum sind die genannten Kreise in den letzten Jahrzehnten kaum, bzw. so gut wie gar nicht meinungsbildend im Dienste ihrer eigentlichen Klientel aufgefallen?

SPD und Gewerkschaften verfügen über einen der großen Medienkonzerne in Deutschland - und in einem Medienunternehmen bestimmen die Eigentümer die Unternehmenspolitik; d. h. der Herausgeber bzw. der Eigentümer einer Zeitung hat die Regie über die Themen seiner Zeitung. Von daher hätten SPD und Gewerkschaften, die doch scheinbar die Interessen der Arbeitnehmer - ihrer vorgeblichen Klientel - vertreten, den 'ökologistischen Ideologen' seit Jahrzehnten meinungsbildend Paroli bieten können - warum unterblieb dies?

Der derzeitige SPD-Chef Sigmar Gabriel ist als Bundesminister für Wirtschaft und Umwelt einer der Verfechter der sog. Energiewende. Er dient nicht seiner eigentlichen Klientel, sondern dient sich der 'veröffentlichten Meinung' der Ökologisten an. Weshalb? Vielleicht, weil es für Gabriel, dem einstigen 'Popularbeauftragten der SPD', üblich ist, die vorgeblich populäre Meinung zur eigenen Meinung zu machen?

In der Gewerkschaft ver.di ist die Arbeitnehmerschaft der Kraftwerke, also der Stromversorger organisiert. Frank Bsirske ist der Vorsitzende dieser Gewerkschaft; gleichzeitig ist Frank Bsirske ein Mitglied der 'ökologistischen Partei'. Welche Interessen vertritt Frank Bsirske? Die seiner Klientel, also der Gewerkschaftsmitglieder, von deren Beiträgen er ganz gut leben kann? Oder vertritt Bsirske im Zweifelsfall doch eher die Politik seiner 'ökologistischen Partei'?

Michael Vassiliadis ist Vorsitzender der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Demzufolge gehören zur originären Klientel von Vassiliadis die Arbeitnehmer, welche die Kraftwerke mit dem benötigten Rohstoff versorgen und auch die Arbeitnehmer, die in energieintensiven Branchen beschäftigt sind. Die Lebensgefährtin von Michael Vassiliadis ist Yasmin Fahimi, diese war bis in den Dezember 2015 hinein die Generalsekretärin der SPD gewesen und ist seit Januar 2016 Staatssekretärin im Arbeitsministerium. Als Generalsekretärin verfocht Fahimi die Politik der sog. Energiewende. Logisch stellt sich hier doch die Frage, für welche Politik steht Michael Vassiliadis? Ist er Vertreter der Interessen seiner Klientel, also der Gewerkschaftsmitglieder? Oder spinnt er geschickt getarnt vielleicht doch die Politik seiner Lebensgefährtin?

Die großen Energieversorger fallen als meinungsbildende Akteure völlig aus. Vielmehr scheint es so, als ob diese Energieversorger sehr duldsam sind; duldsam z. B. als Prügelknaben der Politiker und der Mainstream-Journaille. Vertreter jener Energieversorger sitzen zwar in vielen Gremien, welche die Politikverantwortlichen technisch, natur- und ingenieurwissenschaftlich beraten, doch wissenschaftlich fundierte Beratung dient nicht der öffentlichen Meinungsbildung. Außerdem sind die Energieversorgungsbetriebe politisch durchsetzt - fast hätte ich geschrieben durchseucht -, und zwar von Kommunal-, Landes- und auch Bundespolitikern. Ja, sogar ausgediente, ehemalige Alt-Vordere der 'ökologistischen Partei' standen und stehen in Diensten der Energieversorger. Von daher braucht man sich wohl über das knechtische Dulden der großen Energieversorger nicht zu wundern - oder?

Solche Fragen, wie die gerade aufgeworfenen, kann ich natürlich nicht beantworten - nichtsdestotrotz, die Fragen stehen zwangsläufig bei der Lektüre dieses Buches im Raum.

Dem Buch selbst gebe ich eine klare Leseempfehlung; denn Limburg und Müller unternehmen damit den Versuch meinungsbildend zu wirken. Etwas, was mit Blick auf die Verherrlichung der 'ökologistischen Ideologie' in der 'veröffentlichten Meinung' der Mainstream-Journaille recht schwierig ist. Es bleibt zu hoffen, dass viele Leute das Buch lesen werden, um dadurch zum Selberdenken zu finden und als meinungsbildende Multiplikatoren ihre Wirkung entfalten werden.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 3, 2016 11:19 AM MEST


[(The Great Reformer : Francis and the Making of a Radical Pope)] [By (author) Austen Ivereigh] published on (September, 2015)
[(The Great Reformer : Francis and the Making of a Radical Pope)] [By (author) Austen Ivereigh] published on (September, 2015)
von Austen Ivereigh
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bestätigt dieses Buch eine "konspirative Theorie"?, 25. März 2016
Austen Ivereigh schildert in diesem Buch diverse Operationen, die eine Lobbyarbeit im Vorfeld der Papstwahl von 2013 durch ein "Team Bergoglio" offenlegen. Dieses "Team Bergoglio" soll massiv Werbung für die Wahl des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio SJ zum Papst Franziskus Werbung gemacht haben. So sollen z. B. Cormac Kardinal Murphy-O'Connor und Walter Kardinal Kasper ganz gezielt etliche Kardinäle besucht haben und auf diese Kardinäle eingewirkt haben, damit jene Kardinäle beim Konklave zu Gunsten von Jorge Mario Bergoglio SJ stimmen würden.

Austen Ivereigh macht in diesem Buch keinen Hehl daraus, dass er geradezu ein Fan von Papst Franziskus ist. Es unterliegt keinem Zweifel, dass Ivereigh darüber begeistert ist, dass Papst Franziskus dabei ist - nach Ivereighs Ansicht - eine völlig andere Kirche zu gestalten. Ob diese andere Kirche - von welcher Ivereigh schwärmt - dann noch eine katholische Kirche im eigentlichen Sinne sein wird?

Die Darlegungen Ivereighs hinterlassen bei mir den Eindruck, dass nichts von dem, was Papst Franziskus macht, zufällig ist. Vielmehr scheint es durch die Darstellung Ivereighs so zu sein, als ob alle Handlungen von Papst Franziskus aufgrund eines genau ausgearbeiteten Marketing-Konzeptes erfolgen.

Ein Konzept, welches in großen Teilen wie ein "Marketing-Konzept der Bescheidenheit" daherkommt und absolut den heutigen "Zeitgeist" bedient.

Jedoch scheint dieses Konzept nur bescheiden; z. B. wird es allgemein als Bescheidenheit gefeiert, dass Papst Franziskus nicht im päpstlichen Palast lebt, sondern sein Domizil im Gästehaus des Vatikans aufgeschlagen hat. Dies ist keineswegs Bescheidenheit, sondern Verschwendung; denn der Palast wird weiter bewirtschaftet und Gäste des Vatikans müssen anderswo teuer in Hotels untergebracht werden. Diese "bescheidene Lebensweise" verursacht also hohe, unnötige Kosten, insbesondere doppelte Kosten im Sicherheits- und Verwaltungskonzept - für den päpstlichen Palast plus dem Gästehaus. Dies sind unbescheidene Zusatzkosten, die Papst Franziskus, wenn er wirklich bescheiden wäre, vermeiden könnte und deren Gegenwert er dann tatsächlich den Armen zu Gute kommen lassen könnte. Über die unnötigen und sehr teuren Geschenke an die reichste Frau der Welt (Königin Elisabeth von England) und ihren Enkeln ganz zu schweigen.

Da Austen Ivereigh der Pressesprecher von Cormac Kardinal Murphy-O'Connor, dem früheren römisch-katholischen Primas von England und Wales, gewesen ist, dürften seine Ausführungen doch einiges an Gewicht haben - sollten also schon mit dem nötigen Ernst betrachtet und zur Kenntnis genommen werden.

Anzumerken ist, dass Pater Federico Lombardi SJ als Leiter des vatikanischen Presseamtes und auch Cormac Kardinal Murphy-O'Connor die Ausführungen von Austen Ivereigh umgehend dementiert haben: Es habe keine Lobbyarbeit in der Art und Weise stattgefunden, durch die im Vorfeld es Konklaves etliche Kardinäle massiv bearbeitet und beeinflusst worden wären, um Jorge Mario Bergoglio SJ als Papst Franziskus auf den "Stuhl Petri" zu hieven.

Nun, es ist auch nicht zu erwarten, dass irgendwelche unerlaubten Absprachen im Vorfeld des Konklaves von 2013 zugegeben werden; denn immerhin stehen solche unerlaubten Absprachen nach kanonischem Recht unter Strafe.

Die Begeisterung Austen Ivereighs für das Schaffen einer völlig anderen katholischen Kirche kann und mag ich nicht teilen. Vielmehr sehe ich durch Ivereighs Buch viele Intrigen und Pläne bestätigt, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten oftmals nur vermutet worden sind. Leider wurde und wird mit Personen, die jene Vermutungen - sehr oft mit guten Argumenten und Indizien unterfüttert - geäußert haben, nicht vernünftig diskutiert, sondern eine Diskussion wurde und wird vermieden, indem man jene Leute regelmäßig als Verschwörungsneurotiker, die man einfach ignoriert, verunglimpft.

Deshalb, weil das Buch viele Informationen zu Problembereichen liefert und bestätigt, die man vorher nur vermuten durfte, gebe ich dem Buch drei Sterne. Mitnichten lasse ich mich jedoch von der Begeisterung Ivereighs anstecken.


Das Ende des Papiergeld-Zeitalters: Ein Brevier der Freiheit
Das Ende des Papiergeld-Zeitalters: Ein Brevier der Freiheit
von Rahim Taghizadegan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einem großen Freiheitsfreund zum ehrenden Gedenken, 15. März 2016
Dieses "Brevier der Freiheit" zu Ehren und zum Gedenken an Roland Baader, dessen Herausgeber Rahim Taghizadegan ist, kann ich nur loben. Das Brevier ist ein würdiges Denkmal, welches hier für Roland Baader enthüllt worden ist.
Dieses Brevier, welches in einer schönen Leinen-Ausgabe gestaltet worden ist, kann ich nur wärmstens empfehlen und allen "Freunden der Freiheit" ans Herz legen.

Rahim Taghizadegan hat das Brevier thematisch so gegliedert, wie Roland Baader vor sechzehn Jahren das von ihm selbst herausgegebene "Ludwig-von-Mises-Brevier" gegliedert hatte. Rahim Taghizadegan ist es gelungen, eine wunderbare Zusammenstellung wichtiger, sprechender Textstellen aus dem umfangreichen Werk Roland Baaders vorzulegen.

Auch wenn die Stimme Roland Baaders vor vier Jahren verstummt ist, sein Werk ist und bleibt für alle "Freunde der Freiheit" eine Art "Waffenkammer"; so formulierte dies vor vier Jahren - als die Nachricht vom Tod Roland Baaders gemeldet worden war - mein Freund Thomas Dorenburg ergriffen und sichtlich bewegt. Das Brevier ist nun der Führer durch diese "Waffenkammer"! Und nicht nur das, das Brevier eignet sich außerdem hervorragend als Geschenk. Ein Geschenk für den Nachwuchs und als Geschenk an 'Suchende'.

Kurz: Einfach ein großartiges Brevier!


Geldsozialismus: Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression
Geldsozialismus: Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression
von Roland Baader
  Broschiert
Preis: EUR 13,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Politische Zerstörung des Gemeinwesens durch die Verunstaltung des Geldes, 13. März 2016
In diesem Buch, leider seinem letzten, geht Roland Baader der Frage nach, ob wir überhaupt im Kapitalismus gelebt haben, ob wir überhaupt in einer Marktwirtschaft leben?

Die Antwort ist, gemäß den Argumenten Roland Baaders, eindeutig und klar:
Nein ist die Antwort! Wir lebten und leben nur in einer durch die Politiker zum Krüppel gemachten Marktwirtschaft, und diese krüppelhafte Marktwirtschaft wird durch die Politiker immer weiter verunstaltet und immer mehr verkrüppelt.

Roland Baader schildert uns plastisch ein interventionistisches System, in welchem wir seit vielen Jahrzehnten leben. Ein System, welches die "Sozial-Sozialisten" irrerweise als "Kapitalismus" bezeichnen; einem System, in welchem gerade der Sozialismus der Prägung "Sozial-Sozialisten" als "Samtpfoten-Sozialismus" schlimme und aberwitzige Auswüchse gebiert und eine verheerende Party nach der anderen feiert.
Und durch eine jahrzehntelange Gehirnwäsche, welche die Schreiberlinge der sog. "linken Intelligenzija" mittels der Lanze der "veröffentlichten Meinung" praktizierten und praktizieren, ist es gelungen dem breiten Publikum einzuimpfen, dass dieses System des "Samtpfoten-Sozialismus" der "Sozial-Sozialisten" die Marktwirtschaft, der Kapitalismus ist. Folglich werden jene aberwitzigen Auswüchse und Partys, die Krisen und jedwede Kalamität dem Kapitalismus angelastet und leider nicht dem originären Verursacher - sprich dem "Samtpfoten-Sozialismus".

Dies alles ist - wie Roland Baader zeigt - nur möglich, weil die politisch Mächtigen - also die Regierungen - es geschafft haben, das Monopol über die wichtigsten Kristalle einer Marktwirtschaft an sich zu reißen, nämlich die Hoheit über die Währung, das Geld und den Zins.

Vor Tausenden von Jahren, als die Menschen begannen Handel zu treiben, erfolgte der Warenhandel nicht durch den indirekten Tausch, sondern es wurde Ware gegen Ware getauscht. Ein solcher Handel war mühselig und zeitaufwendig; erst als der Mensch die Entdeckung des Mediums "Geld" machte, wurde der Warenhandel als Folge des indirekten Tauschs via "Geld" vereinfacht.
Dabei war "Geld" ursprünglich auch nur eine ganz gewöhnliche Handelsware. Aber diese Ware war allgemein begehrt, hatte einen inneren Wert als begehrtes Gut, konnte dauerhaft gelagert werden, war leicht zu transportieren und zu teilen. Modern gesprochen: Solches "Geld" ist Wertmesser, Wertspeicher und Tauschmittel mit einem inneren Wert.
Diese aufgezählten Attribute erfüllten und erfüllen grundsätzlich die Edelmetalle. Somit ist es nicht verwunderlich, dass in den meisten Zivilisationen und Hochkulturen der Menschheitsgeschichte die Edelmetalle zum natürlichen "Geld" geworden sind und, z. B. in geprägter Form - als Münze, die ein bestimmtes Metallgewicht garantierte - zum Tauschmittel, zum Zahlungsmittel avancierten.

Schon für dieses Münzgeld beanspruchten die politisch Mächtigen - damals die Fürsten - die Hoheit über die Münze. Die Münze als hoheitliches Symbol des herrschenden Fürsten! Dieser Anspruch wurde leider auch von großen Philosophen des Mittelalters - z. B. Thomas von Aquin ' anerkannt, und dies, obwohl gerade Thomas von Aquin die Wahrheit lange vor der großen Masse der Menschen erkannt hatte. Nämlich, dass die Fürsten aus der Münzverschlechterung - sprich Fälschung der Münze mittels Herabsetzung des Edelmetallgehalts - enorme Vorteile kreieren wollten. Die Fürsten sich also auf Kosten ihrer Untertanen bereicherten.

Hoheitlichen Münzbetrug findet man in allen Zeiten der Geldgeschichte, auch die Inflationierung der heutigen Papiergeldwährungen ist nur eine Form, eine Variante von Münzbetrug.

Schon in den Zeiten des reinen Münzgeldes kam es immer wieder zu Experimenten mit Papiergeld, die allesamt zum Schaden breiter Bevölkerungsschichten scheiterten, z. B. John Laws großartig gescheitertes Papiergeld-Experiment in Frankreich (1716 - 1720).
Voltaire urteilte mit Blick auf jene Papiergeld-Experimente: "Die Geschichte hat schon häufig gezeigt, dass Edelmetalle zwar im Preis fallen können, nie aber im Wert. Papiergeld dagegen ist bereits hunderte Male zu Tode gekommen. Papiergeld sinkt irgendwann immer auf seinen inneren Wert - NULL".
Und Friedrich August von Hayek, den Roland Baader oftmals zitiert und auf dessen Argumente er sich mehrfach bezieht und beruft, kam zu folgendem Urteil: "Die Geschichte des staatlichen Umgangs mit Geld ist, mit Ausnahme einiger kurzer glücklicher Perioden, eine Geschichte von unablässigem Lug und Trug. In dieser Hinsicht haben sich Regierungen als weit unmoralischer erwiesen, als es je eine privatrechtliche Körperschaft hätte sein können, die im Wettbewerb mit anderen eigene Arten von Geld auf den Markt bringt."

Trotz aller Fehlschläge bei den Experimenten mit dem Papiergeld, vor etwas mehr als hundert Jahren gelang es den Regierungen das Papiergeld als allgemeines Zahlungsmittel zu etablieren: Nur noch die staatlichen Notenbanken (Zentralbanken) hatten das Recht Banknoten auszugeben.
Anfangs war dieses Papiergeld noch teilweise durch Gold gedeckt; die Menschen hatten das Recht die papierene Banknote gegen Gold tauschen zu können. Die Auswirkungen der beiden Weltkriege änderte dies. Die Menschen wurden durch die Regierungen per Gesetz und unter Strafandrohung gezwungen nur noch das Papiergeld zu nutzen und als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Gold fand ' in der Regel buchtechnisch - nur noch zwischen den Zentralbanken (Notenbanken) Verwendung.
Schließlich, im Währungssystem von Bretton-Woods war nach Ende des II. Weltkriegs nur noch der US-Dollar ans Gold gebunden und alle anderen Währungen des Westens waren fest an den US-Dollar gekoppelt. Bis Präsident Nixon 1971 die Chimäre der Bindung des US-Dollars ans Gold auch aufhob.

Seit jener Zeit sind alle Währungen der Welt reine "Zettel-Währungen" unter der Regie der Politik. Papiergeld ohne irgendeinen inneren Wert flutet seit jenen Tagen in ungeheuren Mengen den Globus - Scheingeld im wahrsten Sinne des Wortes.
Einwände in der Art, dass die Zentralbanken doch unabhängig von Regierungen sind, stechen nicht. Zentralbanken oder Notenbanken sind nur scheinbar "unabhängig", denn die Regierungen bestimmen wer jene Banken leitet. Auch die alte deutsche Bundesbank war nicht frei, sondern hatte (§ 13 BbankG) die allgemeine Wirtschaftspolitik der Bundesregierung zu unterstützen.

Folglich gilt, dass Regierungen via ihrer Zentralbank - nebst angeschlossenen Teilreserve-Banken-Kartell - originär die Währungen beherrschen. Die Notenbanken planen Geldmenge und Zinsen zentral - und kontrollieren und manipulieren beides.

Daraus folgt, dass die Pfeiler, auf die man die Marktwirtschaft gebaut hat, heißen "Staatsmonopolistisches Zwangs-Papiergeld" und "Zentralplanwirtschaftliches Zinsdiktat" (Geldpolitik der Zentralbanken) - und das Wesen dieser beiden Elemente ist zutiefst sozialistisch.

Mittels dieser sozialistischen Eckpfeiler der Geldpolitik verfügen Regierungen über ein Finanzierungsinstrument zum Schuldenmachen sondergleichen. Über das Instrument der Teilreservebanken lässt sich die Geldschöpfung durch die Politik verschleiern;
- wird z. B. eine Staatsanleihe für 10 Milliarden Euro bei einem Bankenkonsortium untergebracht;
- dann schreibt dieses Konsortium der Regierung 10 Milliarden Euro Giralgeld gut;
- die Anleihe ist zentralbankfähig und kann bei der Notenbank als Pfand hinterlegt werden,
- so dass das Bankenkonsortium wiederum von der Notenbank 10 Milliarden Euro frisches Zentralbankgeld erhält.
- Bei den heutigen Reservesätzen im Teilreserve-Bankensystem ist es dem Bankenkonsortium möglich, aus der Anleihe von 10 Milliarden Euro in Form von Buchgeld rund 100 Milliarden Euro zu machen;
- diesen zusätzlichen 100 Milliarden Euro steht nichts an realen Werten gegenüber;
- vielmehr streitet sich eine um 100 Milliarden Euro aufgeblähte Geldmenge um eine mehr oder weniger unverminderte Gütermenge;
- Folge, die Preise, z. B. bei Immobilien steigen, die sog. Blasen bilden sich und bei deren platzen kommt es zu Verwerfungen und Krisen, die real viele Menschen schädigen werden.

Alle Krisen und alle Verwerfungen der letzten Jahrzehnte haben ihre originären Wurzeln in den beiden geschilderten sozialistischen Eckpfeilern des staatlichen Währungsmonopols. Das, was seit Jahrzehnten Kapitalismus genannt wird, ist weit davon entfernt, ein solcher zu sein.

Ergo, nicht die Märkte haben versagt, sondern der staatliche Geldsozialismus. Auch die sog. Weltfinanzkrise oder die sog. Euro-Schuldenkrise sind Früchte des staatlichen Geldsozialismus'. Nicht die Marktwirtschaft hat versagt - nein, der "Samtpfoten-Sozialismus" aller Regierungen hat versagt. Die Marktwirtschaft hingegen "versagt" nicht, wie das unisono verkündet wird, sondern die restlichen kapitalistischen Wirkkräfte machen ihre Arbeit perfekt, indem sie versuchen, die strukturellen Verwerfungen und gigantischen Verschuldungen zu beseitigen, die sich mit den genannten sozialistischen Kräften aufgebaut und aufgestaut haben. Die sog. Krisen sind die Heilkuren - und nicht etwa ein "Versagen" der Märkte.

- Da die politisch Mächtigen sicherlich freiwillig keinesfalls auf das Geldmonopol verzichten werden, werden sie weiter so wursteln bis zum totalen Zusammenbruch.
- Die Zeche dafür zahlen die Bürger mit ihrem kompletten Eigentum - die Menschen verarmen dann wieder einmal durch die Schuld der Politiker.
- Die Schuld am Zusammenbruch wird jedoch selbstverständlich dem "bösen" Kapitalismus zugewiesen werden.
- Und nach einer Währungsreform, die im eigentlichen Sinne keine sein wird, werden die Politiker das böse Spiel von neuem spielen.

In seinem Buch "Denationalisation of Money" plädierte daher Friedrich August von Hayek vor gut vierzig Jahren dafür, dass dem Staat das "Geldmonopol" zum Nutzen aller Menschen entzogen werden und das "Geld" dem Markt, wo es entstanden und entdeckt worden ist, zurückgegeben werden sollte. Hayek schrieb damals: "Ich wünschte, ich könnte den Rat geben, langsam vorzugehen. Aber die Zeit mag kurz sein." Auf diesen Satz bezieht sich Roland Baader, wenn er betrübt notiert, dass die Zeit kurz war und dass es jetzt zu spät sei, um das finale Desaster, welches logisch unabänderlich kommen wird, noch abzuwehren.

Dies ist ein sehr pessimistischer Schlussakt, den Friedrich August von Hayek befürchtete und den Roland Baader unweigerlich heraufziehen sah - und leider wird es so eintreten!


Böse Gutmenschen: Wer uns heute mit schönen Worten in den Abgrund führt
Böse Gutmenschen: Wer uns heute mit schönen Worten in den Abgrund führt
von Bernd Höcker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 7,95

6 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ist das Motiv vielleicht die Schwäche?, 26. Februar 2016
»»Frage an Radio Eriwan:
Können "Gutmenschen" schwimmen?
Antwort:
Theoretisch im Prinzip schon, weil sie innen hohl sind!
In der Praxis in der Regel nicht, weil sie nicht ganz dicht sind!««

Aus diesem, kürzlich vor Karneval gehörten, Witz kann man ableiten, dass "Gutmenschen" entweder lebensfremd sind oder aber Schwierigkeiten damit haben, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten - also im eigentlichen Wortsinn "schwach" sind. Und aus dieser Schwäche heraus den Drang nach Macht verspüren. Etwas, was Erich Kästner einst wie folgt formuliert hat: "Die Lust an der Macht hat ihren Ursprung nicht in der Stärke, sondern in der Schwäche." Vielleicht hat der Autor dieses Buches, Bernd Höcker, vor diesem Hintergrund den - nur auf den ersten Blick widersprüchlichen - Wortfeiler von den "bösen Gutmenschen" geprägt?

"Böse Gutmenschen", das sind für Bernd Höcker all diejenigen selbsternannten Mitglieder des Managements der "political correctness", welche aus dem Umfeld des linken Gesellschaftsspektrums (grün-rot / rot-grün) ersprossen sind und in der Folge des erfolgreichen Marsches durch die Institutionen der 1968er inzwischen wichtige Posten an den Schaltstellen der Macht besetzt haben. Für den Autor Bernd Höcker zählen diese "bösen Gutmenschen" zu den fürchterlichsten und gefährlichsten Menschen in Staat und Gesellschaft.

Dieses Management der "political correctness" maßt sich die Deutungshoheit über die Sprache und das Denken bezüglich immer mehr und mehr Themen an. Die vielen freiwilligen Blockwarte der "political correctness" haben alle wichtigen Bereiche des Lebens (Behörden, Ämter, politische Parteien, Schulen, Medien usw.) durchsetzt und verfolgen diejenigen, die es wagen öffentlich den Vorgaben des Managements der "political correctness" den Gehorsam zu verweigern. Alle, die sich nicht der "political correctness" unterwerfen sind rechtsradikal und faschistisch; solche outet das Management der "political correctness" als Abschaum der Menschheit und als Aussätzige.

Ein Blick auf die Themen, bei welchen die "bösen Gutmenschen" des Managements der "political correctness" inzwischen die Deutungshoheit reklamieren und vorzuschreiben gedenken wie sich die Menschen zu verhalten haben, lässt doch eine gewisse Art an Hohlheit im Denken bei den "bösen Gutmenschen" durchschimmern - z. B."
- "gehört der Islam zu Deutschland" und hat der totalitäre islamistische Terror absolut nichts mit dem Islam zu tun;
- hat die deutsche Gesellschaft prall bunt zu werden, "Genderismus" und "Kult der Homosexualität" stehen über allem, Frühsexualisierung der Kindergartenkinder hat oberste Priorität.
Wer es wagt hier zu widersprechen, wird durch die "bösen Gutmenschen" gnadenlos verfolgt werden; denn dieser »Wer« wird zum »Outlaw«, weil sich dieser »Wer« außerhalb der "political correctness" stellt.
Da nutzt es jenem »Wer« nichts, darauf zu verweisen, dass wichtige Koranstellen die Gewalt und den Krieg gegen die Ungläubigen anordnen.
Ebenso nutzt es dann jenem »Wer« nichts, den türkischen Präsidenten Erdogan zu zitieren, der die Unterscheidung in moderaten Islam versus nicht-moderaten Islam oder auch Islamismus als Beleidung ansieht; Erdogan wörtlich "Islam ist Islam und damit hat es sich."
Homosexualität steht im Islam gem. Scharia unter schwerster Strafe. Weist jener »Wer« auf diesen Widerspruch in solchen Vorgaben der "political correctness" hin, dann steht dieser »Wer« erst recht in der "Reichsacht".

Es lassen sich leicht und locker noch etliche solcher lächerlichen Widersprüche bei den "bösen Gutmenschen" auflisten - z. B. deren unvergleichlich mutiger Einsatz gegen das Laster des Nikotins und anderer legaler Drogen, bei gleichzeitigem tapferen Kampf für die Freigabe von sog. weichen Drogen (z. B. Cannabis).

Leider haben die "bösen Gutmenschen", wie dies der Autor zeigt, doch sehr viele wichtige Positionen in den oben angeführten Institutionen besetzt. Folglich beherrschen die "bösen Gutmenschen" einen sehr großen Part der "veröffentlichten Meinung" und prägen staatstragende Institutionen mit Erfolg. Demzufolge wagen die Menschen, die vom Staat leben oder von der "veröffentlichten Meinung" abhängig sind, kaum den "bösen Gutmenschen" Widerstand zu leisten, sondern spielen sich vielmehr als deren Gefolgsleute auf.

"Böse Gutmenschen" haben also alle Chancen die Gesellschaft weiter zu zersetzen. Welches Ziel die "bösen Gutmenschen" damit verfolgen beantwortet der Autor nicht, eigentlich ist der Autor bezüglich dieser Frage ziemlich ratlos.

Abschließend noch der kleine Unterschied:
Gute Menschen tun Gutes, und zwar mit ihrem Eigentum und ihrer eigenen Arbeitskraft - also mit eigenen Mitteln.
Und "Gutmenschen" sind das genaue Gegenteil von einem guten Menschen!
"Gutmenschen" - wie z. B. die gewesene FDJ-Sekretärin im Kanzleramt oder der ehemalige Popularbeauftragte der SPD, der heutige Vizekanzler - wollen mittels staatlicher Gewaltandrohung und/oder staatlicher Gewaltanwendung mit der Arbeitskraft und dem Eigentum anderer Leute scheinbar Gutes tun.

Es ist das Verdienst des Autors, diesen Zustand der "Gutmenschen" an vielen Beispielen offengelegt zu haben.


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