Profil für Tabasco > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Tabasco
Top-Rezensenten Rang: 23.279
Hilfreiche Bewertungen: 441

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Tabasco (Muenchen)

Anzeigen:  
Seite: 1
pixel
Recht und Gerechtigkeit: Ein Märchen aus der Provinz
Recht und Gerechtigkeit: Ein Märchen aus der Provinz
von Jörg Kachelmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

46 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein sehr zwiespältiges Buch, 15. Oktober 2012
Der Fall Kachelmann und dieses daraus resultierende Buch ist extrem polarisierend. Nicht mal mit meiner Frau kann ich mich auf eine gemeinsame Sichtweise in diesem Fall einigen, sie hält Kachelmann für das Opfer einer rachsüchtigen Frau und willfährigen Justiz, ich sehe Kachelmann deutlich kritischer und halte den Fall auch für denkbar ungeeignet, als Musterbeispiel für eine falsche Beschuldigung und einen Justizskandal zu dienen. Doch eine Grundprämisse dieser Rezension vorneweg, ich halte es für unmöglich dieses Buch zu bewerten, ohne eine klare und sachlich fundierte Meinung zum eigentlichen Tatvorwurf zu haben. Juristisch wurde Kachelmann aus Mangel an Beweisen freigesprochen, was aber das Hintertürchen offen läßt, er könnte es auch gewesen sein, nur Nachweisen könne man ihm die Tat eben nicht. Bei diesem ganz zentralen Punkt der Bewertung muß ich klar Stellung beziehen, sämtliche Details sprechen gegen den Tatvorwurf von Frau D. Von der Lüge über die Flugtickets und anderen "widersprüchlichen" Aussagen, über die Unvereinbarkeit von den Verletzungen und dem behaupteten Ablauf, den Gutachteraussagen sowohl psychischer als auch physischer Natur, den unerklärlich fehlenden Spuren an Messer und Kleidung bis hin zu den ehedem gelöschten Bildern von 2009, wo Frau D. offensichtlich die Produktion von Hämatomen übte. Nach diesen vorliegenden "harten" Fakten, spricht für mich nichts dafür, den Anschuldigungen von Frau D. zu glauben und so sehe ich das Urteil auch mit voller Zustimmung.

Doch damit kommt man zu einer zentralen Frage, gesetzt die Prämisse, dass die Frau gelogen hat, warum hat die Frau sich dann diese Geschichte ausgedacht?

Aus reiner Rache? Kachelmann hat ihr Leben "zerstört", also zerstört sie seins? Was ist das Motiv dieser Frau? Kachelmann geht auf diese Frage mit praktisch keinem Wort ein. Ja, er habe Fehler gemacht, Frauen was vorgespielt etcpp. Die Details sind wohl bekannt. Doch ganz so einfach geht das nicht. Herr Kachelmann hatte mehrere Geliebte, gleichzeitig. Den Frauen hat er dabei vorspielt, dass er emotionaler dabei war, als es tatsächlich der Fall war. Und die Lügen, faustdick würde ich mal attestieren. Da wurde versucht sich abzuseilen mit der Begründung er habe Krebs, sei psychisch krank, also das volle Sortiment wirklich geschmacklosester Lügen, die einem so einfallen können. Und das waren keine One-Night-Stands oder Embryonalbeziehungen, sondern teilweise langjährige Beziehungen, im Falle von Frau D. >10 Jahre.

Nun kann man der Frau eine komplette Merkbefreiung ausstellen, ihr grenzenlose Naivität unterstellen oder gar Berechnung nach dem Motto, aber eines Tages bekomme ich ihn doch. Zu fast jedem dreckigen Spiel gehören zwei. Aber ich kann da nur von mir aus Urteilen und wenn ich eine Frau über 10 Jahre lang nach Strich und Faden belügen würde, ihr sonstwas für einen Käse erzähle um sie als Loverin "warm" zu halten, würde ich mich da wundern, wenn sie sich eines schönen Tages rächt und versucht mich in die Pfanne zu hauen? Nein, würde ich vermutlich nicht. Ich würde mir zuallererst an die eigene Nase fassen und mich fragen, was hast Du dieser Frau womöglich angetan, dass sie soweit geht? Und diese kritische Reflextion vermisse ich bei Kachelmann komplett. Sie wird als "die Falschbeschuldigerin" titutuliert, eben das rachsüchtige Etwas, was nicht geblickt hat, dass er doch nur ein Filou ist, der sich die Kohle für Prostituierte sparen wollte. Und entsprechend überrascht tut er dann auch, dass sich praktisch alle ehemaligen Geliebten gegen ihn gewendet haben um ihre Geschichte meistbietend an den Boulevard zu verkaufen. Mir haben auch schon Frauen im Leben übel mitgespielt, so wie ich auch Fehler gemacht habe, aber da wäre keine Einzige, die ich, wenn es um so einen Vorwurf ginge, derart in die Pfanne hauen würde, wie es zahlreiche seiner Geliebten getan haben. Reflextion bei Kachelmann, null, niete, nicht vorhanden. Nein, alle gekauft von den bösen Medien.

Und dieses Muster durchzieht das gesamte Buch. Die Beamten die ihn verhaftet haben, alles miese Schweine, die ihn wie Dreck behandelt haben - ja Herr Kachelmann, auch Polizisten sind nicht immer freundlich, wenn sie glauben einen Vergewaltiger zu verhaften. Im Gefängnis, alles ganz grauenhaft, alle böse, alle haben es auf ihn abgesehen. Und man meint teilweise, er berichte nach 10 Jahren unschuldig hinter Gittern aus Alcatraz, nicht von 4 Monaten U-Haft in Deutschland. Der in Ungnade gefallene Verteidiger Herr Birkenstock, dito. Wird ja nun ganz PR-mäßig verklagt. Das Gericht, die Staatsanwaltschaft, die Gefängnisleitung, die Ex-Frauen, praktisch alle hassen ihn. Nur die Zellenbuddies sind natürlich durch die Bank feine Kerle, da sind die Opfer unter sich. Folgt man der Prozessbegleiterin Frau Rückert von der Zeit, die wohl kaum im Verdacht steht gegen Kachelmann voreingenommen zu sein, haben sich sogar die Geschäftspartner von Herrn Kachelmann in sehr fragwürdiger Weise gegen ihren Partner gewandt, teilweise kommt in ihren Artikeln der Verdacht auf, bei der ganzen Geschichte handelt es sich bloß um eine Verschwörung um ihren ungeliebten Partner aus dem Geschäft zu drängen. Das sich 95 von 100 "Freunden" ebenfalls gegen ihn stellten, ja, es erinnert an den alten Autobahnwitz, alles Geisterfahrer hier. Warum hat sich Kachelmann also so viele Feinde gemacht?

Ich sage ganz offen, ich weiß es nicht. Er hat eine Tendenz mit seiner Schnodderigkeit zu überspielen, dass er jemand ist, der alles besser weiß. Er ist souverän und eloquent, aber trotz dieser nach außen getragenen Fassade eines freundlich-tappsigen Bären erkennt man schon, nein der ist keine "schrullige" Type á la Peter Lustig, sondern er ist durchaus ein straighter Typ, dessen Nonkonformität eher daher rührt, dass er sich tatsächlich für etwas schlauer als alle anderen hält. Was er vermutlich auch ist. Also durchaus ein Machtmensch, der diese fast übertriebene Liebenswürdigkeit nur als Maske trägt. Und da kommt man schnell zum Hinweis von Frau D., "der Psychopath von Nebenan". Und nein, ich glaube nicht, dass Herr Kachelmann der Psychopath von Nebenan ist, aber er ist eben auch nicht das Opfer, als was er sich nur zu gerne darstellt. Und ich kann vollkommen nachvollziehen, dass sehr viele Menschen ihm schlichtweg nicht mehr glauben können, nachdem er dutzenden Frauen eben jahrlang sonstwas erzählt hat, um seine Beziehungen am köcheln zu halten. Und jetzt muß man sich mal in die Polizei, bzw. Staatsanwaltschaft hineinversetzen, die gutbürgerliche Frau, mit zahlreichen Verletzungen und vielen mutmaßlichen Spuren, der Prominente der ganz offensichtlich ein "Doppelleben" mit zahlreichen Lügen geführt hat, wovon die Öffentlichkeit naturgemäß nichts wußte, die Mitzwangzigerin, ja halt eine weitere Frau die er offensichtlich um den Finger gewickelt hat. Ich glaube Kachelmann aufs Wort, dass all diese Beamten durchaus ihre eigene Profilierung im Hinterkopf hatten, als die Anklage erhoben wurde, aber kann man es ihnen verdenken? Auf den ersten Blick sprach alles gegen Kachelmann und es gab wenig Grund an der Zeugin zu zweifeln. Unter der Annahme, er sei der Täter, war die Fluchtgefahr (Schweizer, vermögend) real und selbstverständlich erscheint mir, dass die Behörden jeden Eindruck verhindern wollten, dass ein Prominenter mit Bonus im Sinne von "dann nehmen wir die Frau mal besonders kritisch ins Kreuzverhör" bedacht wird.

Das ist alles nicht schön, liegt aber durchaus in seinem ureigensten Lebenswandel begründet. Wo ich vollkommen auf Kachelmanns Seite stehe und was ich tatsächlich als Skandal sehe, ist das sogenannte "Durchstechen" von Informationen der Ermittler oder der Staatsanwaltschaft an die Medien. Scheinbar siegestrunken, wollte man sich wohl am Prominenten profilieren und Kachelmanns Verbitterung, dass diese Leute anstatt eine strenge Rüge oder Verfahren zu kassieren auch noch befördert wurden kann ich vollkommen nachvollziehen. Dazu noch mit teilweise frechen Lügen. Ebenso bleibt der ganz bittere Beigeschmack, dass jeder Mann, der sich die sicherlich ruinös teuren Gutachter nicht hätte leisten können, womöglich zu mehrjähriger Haft verurteilt worden wäre. Nichtsdestotrotz taugt sein Fall eben nicht zur Verallgemeinerung, nicht nur weil er sich "freikaufen" konnte, sondern weil der Verdacht eben überhaupt erst durch sein Doppelleben so manifestiert wurde. Und ja, der "Promi-Bonus" hat sich in seinem Fall ins Gegenteil verkehrt, anstatt besonders sorgfältig hinzuschauen, wurde gnadenlos vorverurteilt, wurde mit hohen Summen in seinem Vorleben unappetitlich herumgeschnüffelt, die Geschäfts"partner" haben anscheinend die Gunst der Stunde benutzt um ihn aus der Firma zu drängen, alles sehr unschöne Dinge, aber der Kardinalfehler den Kachelmann imho begeht, liegt darin, diesen doch praktisch einmaligen Fall instrumentalisieren zu wollen, um daraus ein gesamtgesellschaftliches Problem zu zimmern. Gerade in seinem Fall, gehörte eine unwöhnliche Gemengelage an Voraussetzungen zur Anklage, die eben nicht den Alltag widerspiegeln. Dieser Fall taugt eben nur sehr bedingt als Musterbeispiel für inkompetente Justiz, auch wenn ihm Unrecht getan wurde, ohne seinen privaten und persönlichen Hintergrund, wäre der Prozess mutmaßlich eben auch nicht so eskaliert.

Zu Beglückwünschen ist er imho aber für seine Frau. Nicht nur, dass sie trotz der ja schwerwiegenden Vorwürfe und "Offenbarungen" hinter ihm stand und ihn nun auch öffentlich verteidigt, ich muß gestehen, dass ich dachte, naja "eine weitere blutjunge Beischlafmaus", die er um den Finger wickelte. Das denke ich nicht mehr, ich finde Miriam Kachelmann durchaus beachtenswert sowohl als Autorin, als auch bei öffentlichen Auftritten. Es betrübt mich, dass es erst dieses öffentliche Fiasko bedurfte, dass Herr Kachelmann sein wie auch immer geartetes Frauen-Bindungstrauma überwinden konnte. Doch mein Abschlusswort möchte ich Frau D. widmen, auch wenn ich sie für eine Lügnerin halte, mir tut sie dennoch Leid. Wie verzeifelt muß eine Frau sein, um so etwas zu tun? Und selbst wenn Herr Kachelmann der Vergewaltigung unschuldig sein sollte, was ja bei diesem Beitrag meine Prämisse war, einem ehemals geliebten Partner nach 10 Jahren soetwas anzuhängen kann nur aus einer abgrundtiefen Verletztheit heraus geschehen, an der Herr Kachelmann eben auch Mitschuld trägt. Und da gibt es kein "in dubio pro reo".
Kommentar Kommentare (29) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 11, 2012 5:32 PM CET


Jenseits des Protokolls
Jenseits des Protokolls
von Bettina Wulff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

131 von 142 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessanter als erwartet, 11. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Jenseits des Protokolls (Gebundene Ausgabe)
Um der vernichtenden Kritik mal einen Kontrapunkt entgegen zu setzen, ich fand das Buch interessanter als erwartet. Ernsthaft. Ja, es gibt wahrlich gute Gründe dieses Buch vernichtend zu rezensieren, ausreichend Stellen, wo man ob der Realitätsferne der Protagonistin sprachlos zurück bleibt. Auch muß man über die literarische Qualität wohl kein weiteres Wort verlieren. Trotz des "Arztromanniveaus" war es für mich mitnichten verschwendete Zeit es gelesen zu haben, es geht ja auch recht flott, sondern ich konnte das Eine oder Andere daraus ziehen. Zunächst einmal hat mich die Offenheit fast schockiert. Was sie hier über sich, ihren Mann, ihre Familie und sehr peripher die Politik preisgibt, man möchte sich in einer Tour Fremdschämen, ein Bekenntnisbuch der peinlichsten Sorte. Die Naivität der "behüteten Vorstadtschnecke" ist dermaßen entlarvend, dass es zuweilen über jede Schmerzgrenze hinaus geht. Besonders erschreckend, dass es niemanden in ihrem Umfeld gab, der dieses Buch verhindert hat.

Besonders fasziniert hat mich das Zusammenkommen der Beiden. Ihre vorherigen Beziehungen handelt sie kurz und knapp ab, der acht Jahre ältere Medizinstudent der nachdem er nach Hannover zog schnell bemerkt, dass der knackige Sex aus der Fernbeziehung für den Alltag nicht reicht, der Fitnessstudiobesitzer, der nach drei Jahren wohl auch bemerkt hat, dass äußere Werte nicht alles sind und zuletzt der Vater ihres ersten Sohnes, ein Blender, bei dem sie wohl ausnahmsweise mal bemerkte, dass er nicht als Ernährer ihres Sohnes taugt. Doch sie ist schlau genug, ihn soweit warm zu halten, dass er ihr wie ein Hündchen bis nach Berlin und zurück folgt und sie hält ihn als Betreuer für den gemeinsamen Sohn anscheinend bis heute in ihrer Nähe. 2006 war sie inzwischen 33 Jahre alt, alleinerziehende Mutter, vom Studium anscheinend intellektuell überfordert und arbeitete als bessere Tippse für ihren Chef bei einem Reifenhersteller aus Hannover. Durch einen Zufall vertrat sie ihren Chef auf eine Lobbistenreise nach Südafrika und stolperte dabei über den MP von Niedersachsen, den damals "glücklich" verheirateten Christian Wulff. Mit Adlerauge erblickte er diese Schnecke und sein Verstand muß schlagartig ausgesetzt haben und das Blut floss in ein fast vergessenes Körperteil.

Es dauerte ganze zwei Monate im Terminkalender eines Ministerpräsidenten, bis er sich entschloss seine Frau und seine pubertierende Tochter abzuschiessen, um mit der schönen Bettina anzubandeln. Sie muß fraglos unbeschriebene Qualitäten haben, dass ein mutmaßlich so rationaler Mann förmlich seinen Verstand verliert, denn ihre intellektuelle Aura wird ihn nicht angezogen haben. Dieses Detail wird auch der Ursprung der niveaulosen Gerüchte um ihre Vergangenheit sein. Sie mag zwar auch die dafür nötige Naivität haben, aber sie hätte diese sicher nicht behalten. Was sie in ihm sah wird leider nicht deutlich, sie bringt zwar zum Ausdruck, dass er nicht ihrem "Beuteschema" entsprach, aber alleinerziehende Mütter mit kleinem Kind scheinen im Angesicht des scheinbar potenten Versorgers über vieles Hinwegblicken zu können.

Und damit beginnt der Leidensweg der Bettina W.
Und ja, ich glaube ihr aufs Wort, dass sie gelitten hat und auch immer noch leidet. Die Märchen um Aschenputtel enden ja immer damit, dass sie den Prinzen gewinnen, aber dass das Leben als Prinzgemahlin kein Zuckerschlecken ist, dass war ihr nicht bekannt. Die erste Enttäuschung dürfte gewesen sein, dass Prinz Christian pleite ist, wie man heute weiß. Was immer er mit seinen fürstlichen Diäten angestellt hat, sein Konto ist trotz jahrzehntelanger Parteisoldatenkarriere im fünfstelligen Minus. Weshalb es zur Verlobungsreise auch nur zu einem Ausflug in den Club Robinson von Mallorca reicht. Und ganz Allan Harper gleich, bliebt von seinem fürstlichen Salär nach Abzug von Unterhalt für Exfrau und Kind kaum etwas für die neue Prinzessin übrig, kaum 3.500€ bleiben für das doch so sehnlich erhoffte Leben in Saus und Braus. Bettina legt natürlich keinen Wert aufs Geld, was sie nicht daran hindert, im auf Pump gekauften Haus, erstmal für 90.000€ Umbauten in die Wege zu leiten. Besonders herzig die Stelle, wo sie betont wie schön der Verschlag im Keller doch für die Stieftochter geeignet wäre, mit eigenem Bad - klar, wer will schon einen Teeny im Haus, der stundenlang das Badezimmer blockiert.

Das junge Glück hätte so schön sein können. Zwar ist die schöne Bettina furchtbar davon geplagt was andere von ihr denken - dies zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch - und die neugewonnene Öffentlichkeit ist ihr zuwider, doch der Nestbau entschädigt für vieles und so dauert es nur ein Jahr, bis auch sie Allan ein Kind schenkt und damit ihren Status zementiert. Doch oh weh, ein Anruf aus Berlin, Mutti am Telefon, Christian wird nach Berlin zitiert. Dieser hofft anscheinend auf einen Ministerposten in Berlin. Weit gefehlt, gar Bundesgrüßaugust soll er werden. Warum es die Erfüllung seiner Träume ist, auf das politische Abstellgleis geschoben zu werden, darüber schweigt Bettina. Ob es die Apanage ist, die den seltsam klammen Christian lockt? Man weiß es nicht. Bettina ist wenig begeistert, aber der Prinz weiß was seine Pflicht ist und nachdem er in drei Wahlgängen dem murrenden Volk aufgedrückt wurde, ist der Weg ins Schloss Bellevue frei.

Für Bettina beginnt nun eine Horrorzeit, eine Gouvernante selektiert die Post und bestimmt die Termine, Prinz Christian hat kein Ohr mehr für seine Prinzessin und erstickt in Arbeit, eine Referentin schreibt die Reden, im Gespräch mit so illustren Gästen wie Michelle Obama wird ihr sogar vorgeschrieben über was sie reden darf - so gerne hätte sie doch andere Dinge gefragt. Ja, gelegentlich entsteht der Eindruck Bettina sei nur eine Puppe, eine Marionette die einzig erwählt wurde, weil sie so ein nettes Gesicht hat. Kein Wunder das sie darunter leidet. Und dazu die ständige Geldknappheit, gar selbst Staubsaugen muß sie im Obergeschoss der Dahlemer Villa. Als Präsidentengattin! Was sie mit ihrem Mann verbindet oder ob sie überhaupt irgendetwas verbindet, es bleibt genauso unklar wie irgendeine Reflektion über das was um sie geschieht. Man möchte Nina Hagen zitieren, "das ist alles so schön bunt hier". Ihre Tagessorgen scheinen daraus zu bestehen was sie anzieht und wie der Boulevard darüber rezensiert. Den halben Tag muß sie damit verbringen diese Kritiken zu verschlingen.

Das einzige Kapitel, wo so etwas wie Sympathie mit der armen Prinzessin wach wird, ist ihr karitatives Engagement. Hier bemerkt sie scheinbar zum ersten Mal, dass sie mit kleiner Geste, großes bewirken kann. Doch auch hier bleibt eine tiefergehende Relektion, beispielsweise warum es denn sozialschwache und mißhandelte Kinder gibt, ebenfalls aus. Der Rest ist dann eine Jammerorgie über die Medien und das Kesseltreiben gegen die Wulffs. Für eine Person, die derart von den Meinungen anderer abhängig ist, muß das die Hölle sein, fraglos. Und jetzt mal ernsthaft, die ständig klammen Wulffs sollen korrupt sein? Da lachen ja die Hühner. Olle Strauß hat seinen Blagen 300 Mio hinterlassen - das ist Korruption. Nicht das erschleichen von Plätzen in der Businessclass oder irgendwelchen Zinsvorteilen beim Hauskauf auf Kredit. Nein, der durchgehende Eindruck ist, dass Prinz Christian ein Hanswurst ist, ein Hanswurst der besonders einfältigen Sorte und man fragt sich unwillkürlich welche Personalnot in der Politik herrschen muß, dass so ein Mann bis in höchste Ämter aufsteigen kann. Kein Wunder das Mutti ihre Rivalen so lässig vernichtet, echte Gegner sind das jedenfalls nicht.

Nichtsdestotrotz erweckt Bettina Mitleid. Ja, man muß ihr zugute halten, dass sie diese große Bühne nie gesucht hat und mit Sicherheit auch nie gewollt hat. Die "behütete Vorstadtschnecke" ist in eine Welt gezogen worden die sie nicht versteht, nie verstehen wird und ob Ehrensold oder die Erlöse dieses Buches, Geld wird auch keines ihrer Probleme lösen. Es liegt auch der Verdacht nahe, dass sie dieses Buch nur geschrieben hat, um sich finanziell vom Prinzen zu emanzipieren, denn es würde mich doch sehr überraschen, wenn diese Ehe bestand hat. Der wirkliche Verlierer dieser Geschichte ist auf jeden Fall Prinz Christian. Ausgebootet von Mutti, von der Bild filettiert, von der Frau durch den Kakao gezogen und öffentlich bloß gestellt, in der öffentlichen Meinung ein Sinnbild der Korruption und des schmarotzenden Politadels und kommt es zur Scheidung, zieht ihn seine zweite Frau noch die letzten Kröten seines "Ehrensoldes" aus der Tasche. Schlechtes Karma würde ich mal attestieren.
Kommentar Kommentare (17) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 31, 2013 5:41 PM CET


Das Lied von Eis und Feuer 09: Der Sohn des Greifen
Das Lied von Eis und Feuer 09: Der Sohn des Greifen
von George R.R. Martin
  Broschiert
Preis: EUR 16,00

208 von 242 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk mit durchaus vielen Makeln, 31. Mai 2012
Anfangen möchte ich mit formaler Kritik.

Zur Neuübersetzung wurde schon fast alles gesagt. Ich hielt mich immer für sehr tolerant was so etwas angeht und ich kann durchaus verstehen, dass der Verlag die sicherlich vielen neuen Fans durch die TV-Serie nicht verwirren will. Aber nach gut 4.000 Seiten sämtliche Eigennamen zu ändern, ist bei einem Epos dieser Komplexität und der ungeheuren Vielzahl an Charakteren und Schauplätzen schon ein echtes Ärgernis. Man kommt ständig ins Stocken, wer oder welcher Ort nun mit der Neubezeichnung gemeint sein könnte und das hemmt den Lesefluß doch sehr. Es wäre wohl ein leichtes gewesen, bei so einem "Blockbuster" und der Masse an Altfans einfach zwei Varianten auf den Markt zu bringen, eine derartige Überarbeitung dürfte in 1-2 Tagen problemlos machbar sein. Ebenso ärgerlich sind die sonstigen Fehler in Grammatik, Rechtschreibung & Co. Ich bin da weiß Gott nicht penibel, aber es wirkt doch extrem dahingeschludert. Sowas hat dieses Meisterwerk schlichtweg nicht verdient.

Das zweite große Ärgernis ist der Preis. Es ist überhaupt keine Frage, dass dieses Buch seinen Preis Wert ist - ist bin kein Vertreter der "Geiz ist geil" Mentalität. Aber wenn die englische Ausgabe 5,60€ kostet, stößt es schon einmal auf, dass die englische Kindle-Edition mit 10,99€ zu Buche schlägt, man möchte meinen, vom der Werthaltigkeit sollte es exakt umgekehrt sein. Bei der deutschen Ausgabe wird dann gleich doppelt kassiert, aus einem Buch mach zwei. Bei der Kindle-Edion landet man dann bei 25,98€, bei der gedruckten Variante bei 32€. Ein Aufpreis von knapp 570%. Das grenzt schon an Raubrittertum.

Doch diese Formalien mal beiseite, ich verstehe alle Kunden, die aus diesen Gründen zu recht gnadenlos abwerten, aber bei einem Buch zählt für mich immer noch der Inhalt mehr als jegliche Form oder Frechheiten des Vertriebs, bzw. des Verlages. Letztlich geht es hier immer noch um eines der größten Geschichten der letzten Jahrzehnte und die inhaltliche Auseinandersetzung ist mir da in jedem Fall wichtiger, als "die Gier der Käsehändler", wie Tyrion das wohl ausdrücken würde. Insofern fließt das auch nicht in meine Bewertung mit hinein.

Also zum Kern der Sache.
Ich versuche es so spoilerfrei wie möglich zu halten.

Denn auch hier kann man durchaus berechtigte Kritik üben, ohne sich des Defätismus am Meister schuldig zu machen. Band 1-3 (jetzt englische Notation) sind für mich fraglos ein Meisterwerk der Literaturgeschichte, Punkt. Erwachsenenunterhaltung auf höchstem Niveau, so flüssig und fesselnd geschrieben, dass man einen 1000 Seiten Roman als "zu kurz" empfindet. Auch verwundert es nicht, dass Martin einige Jahre brauchte, um das ursprünglich ja nur auf drei Bände ausgelegte Epos fortzuführen. Meine Vermutung wäre, dass er selbst in diese Geschichte hingesogen wurde, es gab mehr zu erzählen, als man dies vielleicht "am Schachbrett" planen konnte, manche Dinge bekommen einen Eigendynamik, die man vorher schwer abschätzen kann.

Er ließ sich 5 Jahre Zeit und das war gut so, niemand möchte dahingeschriebene Fortsetzungen aus der Motivation die Leserschaft in ihrer Gier zu befriedigen. Doch dann kam dummerweise HBO dazwischen. Aus dem "Übergangsband" nach dem finale furioso in Band 3, wurde eine fast unendliche Geschichte. Band 4 & 5 sind eine Einheit und hätten innerhalb eines Jahres veröffentlicht gehört. Es wurden elf Jahre. Beide Bände dienen nach den "großen Ereignissen" eher der Introspektion, der Entwicklung und teilweise auch der charakterlichen Veränderung der Protagonisten. Doch Martin verliert sich teilweise etwas darin, mehr als einmal bekam ich das Gefühl, er könnte zwar selbst über die kleinste Nebenfigur noch einen 1000 Seiten Roman schreiben und es wäre immer noch interessant, aber es keimt der Verdacht, dass er die Hauptstory wenn nicht aus den Augen, aber so doch die Straffheit verliert, die die ersten drei Bände so ausgezeichnet hat.

Das zwischen dieser "Nabelschau" der einen Hälfte der Hauptfiguren und der anderen Hälfte gut 2.000 Seiten und elf Jahre lagen, macht es nicht einfacher. Und ein Frevel würde ich ihm bedenkenlos ankreiden, die Story, die Hauptcharaktere, der Babutschka-Effekt, dass hinter jeder Geschichte eine tiefere Ebene liegt, großes Kino - in seiner Komplexität schon gigantisch. Nun aber ständig neue Charaktere und "Machtfaktoren" aus dem Hut zu zaubern, die auch durchaus wesentlichen Einfluß auf die Gesamtstory nehmen oder nehmen könnten, dass gehört in die Rubrik "Griff in die Mottenkiste". Und komme mir keiner damit, dass das bereits vorher so angelegt war, von Spatzen oder Quentyn war zigtausend Seiten lang kein Wort zu lesen. Hier bekomme ich das Gefühl, dann doch eher das Skript einer Serie wie Lost zu lesen.

Band 4 & 5 hätten für mich auf einen Band zusammengefasst gehört, bevor es sich dann auf das große Finale in zwei Bänden hinausläuft. Das im deutschen daraus nun gar 4 Bücher werden, also ohne den Gesamtzusammenhang würde ich meinen da eine Soap zu lesen. Hauptsache noch ein paar Bücher verkaufen ohne zum Punkt zu kommen. Dem ist meiner Meinung nach mitnichten so, aber der Verdacht, dass diese Lied von Eis und Feuer niemals zu ende erzählt wird, steht nicht umsonst im Raum. Grade die Straffheit, die Knackigkeit der ersten 3 Bände ist Martin ein Stück weit verloren gegangen.

Nun zur Bewertung, die ich überaus schwierig finde. Denn ich liebe beide Stile von Martin, sowohl den straffen, als auch den ausladenden Stil. Für mich wäre auch jeder Roman über irgendeine Nebenfigur zigtausend Seiten "wert". Aber man kann Martin natürlich auch nur an Martin messen und mit dem Maßstab der ersten 3 Bände, fallen Band 4-5 durchaus ab. Nun bietet Amazon ja nur 1-5 Sterne. Die Kritik an Formalismen berechtigt zu Abzügen, aber mal Hand aufs Herz, wer würde z.B. einen Shakespeare wegen Rechtsschreibfehlern oder madiger Übersetzung abwerten? Als da muß man imho die Kirche im Dorf lassen. Und die Gier des Verlages, ich würde sie Lord Bolton von Dreadfort übergeben, die tragen ihr Wappen nicht umsonst, um mal in Martins Univerum zu antworten.

Bleibt also die Differenz zwischen den Bänden 1-3 und 4-5. Die ersten drei Bände sind und bleiben für mich Weltlitatur, eine der ganz großen Geschichten, die auch keinen Vergleich zu scheuen braucht, Band 4-5 kann imho nicht mithalten, aber man sollte doch nicht vergessen, dass dies nur für den Maßstab Martin vs Martin gilt. Verglichen mit anderen Autoren bleibt das schlichtweg ein Meisterwerk. Er hat ein Universum erschaffen, wo mir bestensfalls ein halbes Dutzend Autoren mit ähnlicher Leistung einfallen. Er ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, dessen schwächsten Passagen immer noch besser sind, als die meisten anderen Bücher.

Also wenn die ersten 3 Bände 100% verdient haben, reden wir hier schlechtestenfalls über +90%, also klare 5* im Amazon-Maßstab.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 10, 2012 6:27 PM MEST


Clatronic BBA 3364 Brotbackautomat
Clatronic BBA 3364 Brotbackautomat

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Günstiger, aber solider Brotbackautomat, 23. Januar 2012
Vielleicht der nützlichste kleine Helfer, in meiner Sammlung an elektrischen Küchenknechten. Ist praktisch täglich im Einsatz und macht exakt das, was er soll. Teige kneten und Brot backen :-). Täglich frisches Brot, fast unbezahlbar. Der größte Pluspunkt ist ganz klar die simple Anwendung, Teigmischung rein, Programm wählen, ~3h später das fertige Brot entnehmen. Die fertigen Mischungen kommen qualitativ durchaus an normale Bäckereien, bzw. das 0815-Supermarktangebot heran, gewinnen aber klar durch ihre Frische und die individuellen Möglichkeiten. Brot von einem "richtigen" Bäcker, wie z.B. der Hofpfisterei ist jetzt nochmal eine andere Qualitätsstufe, aber es wäre ja auch ein Witz, wenn man sowas mit einem 50€ Automaten und einer Fertigmischung toppen könnte.

Ein Unterschied zum normalen Backofen ist die Feuchtigkeit, durch den größeren Backraum werden im Ofen gebackene Brote trockener und eine wirklich gute Kruste, fällt dem Automaten auch eher schwer, obwohl ich beides vollkommen akzeptabel finde. Hier könnte man natürlich zwischendurch Wasser drauf sprühen, aber das schöne am BBA ist ja gerade das "Fire&Forget". Die Brotqualität läßt sich natürlich nach belieben steigern, indem man eigene Rezepte verwendet, der Phantasie sind ja keine Grenzen gesetzt. Auch ist natürlich zu beachten, dass die Brotform immer identisch ist. Für den Alltag schnuppe, aber wenn ich wirklich gutes Brot backen will, nutze ich den BBA nur als Knetmaschine und zum Aufgehen des Teiges, backe das Brot dann aber im Backofen aus. Bei Pizzateig natürlich genauso.

Um mal auf die Nachteile zu sprechen zu kommen:
- Der Knethaken, logisch. Zwar kann man ihn theoretisch nach dem Kneten entfernen um ein Loch zu vermeiden, aber geht natürlich auf Kosten der Bequemlichkeit.
- Das Volumen, also mehr als 500g Mehl würde ich dem Kleinen (bzw. dem Knethaken) nicht zumuten. Für einen 4-Personen Haushalt wäre er imho zu klein.
- Ein Aus-Schalter hätte nur ein paar Cent gekostet. Sicher kann man ihn an eine Verteilerdose mit Schalter hängen, aber solche Kleinigkeiten müssen ja nicht sein.
- Die Optik. Also eine Schönheit ist er nicht gerade, zwar solide Verarbeitet, aber nix für eine Designerküche.
- Kein Timer. Also er läßt sich nicht zeitgesteuert starten, um mit warmen Brot aufzuwachen. Kann man allerdings durch ein Aufback-Programm kompensieren.
- Ewig gleiche Brotform - ist natürlich bauartbedingt. Brotschneidemaschine angeraten.

Zu den Vorteilen:
- Ein dutzend variabler Programme
- Läßt sich auch "nur" zum Kneten und Aufgehen verwenden oder bspw zum nochmaligen Aufbacken
- Zustand immer durch offene Tür begutachtbar
- Kinderleichte Bedienung
- Sehr günstiger Anschaffungspreis und locker 100% Einsparung gegenüber 0815-Supermarktbrot.
- Lautstärke ist ok. Bauform kompakt.

Also als Fazit, für einen 1-2 Personenhaushalt der gerne Brot isst, fast unverzichtbar. Für Brote >750g würde ich ein größeres Modell nehmen. Für höhere Brotqualität kommt man auch nicht um eigene Rezepte oder Ausbacken im Ofen herum. Verarbeitung solide, Preis-Leistung ganz klar 5*, von mir ein Sternchen Abzug, weil das Gerät sicher nicht "state of the art" ist und noch genug Platz für Verbesserungen übrig läßt. Nichtsdestotrotz, klare Kaufempfehlung.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 20, 2012 6:21 PM MEST


Sennheiser PC 360 G4ME Headset
Sennheiser PC 360 G4ME Headset

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für ein Headset, exzellent, 12. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Sennheiser PC 360 G4ME Headset (Elektronik)
Zunächst mal, ich habe das Headset nicht gekauft, sondern bei einem Schreibwettbewerb zufällig gewonnen und kann im Grunde nix damit anfangen. Nicht weil es nichts taugt, im Gegenteil, sondern weil ich bereits einen Sennheiser HD595 und ein ziemlich ordentliches Mikro habe, der einzige Vorteil für mich - eben nicht in dieser Bauweise. Also die Frage behalten oder nicht?

Ich konnte mich bisher noch nicht entscheiden, es ist ein seltsamer Zwitter zwischen "echtem" HiFi-Hörer und eben einem PC-Headset. Den Vergleich mit dem HD595 aus eigenem Haus verliert der HD360 klar, aber natürlich muß man dazu sagen, dass der HD595 selbst für Sennheiser-Verhältnisse ein Ausrutscher nach oben war und wir hier von Oberklasse-HiFi-Hörern reden, wo deutlich bessere Qualität erst um 300€ losgeht. Meine Kritikpunkte wären hier die übertriebene Bass/- und Höhenwiedergabe, aber was für mich ein Kritikpunkt ist verliert natürlich die Substanz, wenn man bedenkt, für was der PC360 gebaut wurde.

Am Rechner und als Headset gibts natürlich andere Ansprüche, als für High-End HiFi. Und für Sprachübertragung ohnehin, eine HD595-Mikro-Kombi klingt da eher blechern. Neben der Sprache zählt bei Games sicher auch eher der Wumms, als die Nuanciertheit irgendwelcher Hornisten. Nichtsdestotrotz spielt der PC360 da in einer anderen Liga als die meisten Hörer, also man kann damit durchaus auch Musik hören, Boxen mit entsprechender Qualität sind sicher nicht unter 1K€ zu bekommen. Mit einem Equilizereinsatz wird es dann sogar interessant, hier geht es dabei nicht um das "aufpeppen" von schlechter Qualität durch 'Pushen' von Höhen und Tiefen, sondern um das umjustieren eines Bias und dann zeigt der Hörer auch, warum er ein bisserl teurer ist als die teilweise ja durchaus auch guten 30-50€ Teile ist. Die distanziert dann doch mit links.

Das Mikro ist auch überraschend gut, von Studioqualität habe ich keine Ahnung, ich benutze ein 30€-Teil für Sprachlesungen von Texten und das ist durchaus ziemlich gut - das Sennheiser ist besser. Also für non-professionellen Einsatz wird man kaum mehr brauchen, da gibt es für mich nix zu meckern.

Als Fazit, wie man schnell erkennt - ich bin kein Headset-User - aber vielleicht ist meine Review genau deshalb interessant. Der Hörer liegt knapp unterhalb der Oberklasse der HiFi-Hörer und filtert man den eigentlichen Einsatzzweck via Equilizer heraus, ist das schon sehr ordentliche Qualität. Das Mikro fügt sich da geschmeidig ein, die Verarbeitung, Komfort und Co verbuche ich einfach unter klassenüblich. Das letzte Headset was ich ernsthaft prüfte war irgendein Medusa-5.1 Teil, da spielt dieses Sennheiser imho in einer anderen Liga, der Preis ist sicherlich für PC-User heftig, vom HiFi/- und Mikrophonstandpunkt aus aber eher günstig.

Wenn ich einen Vergleich ziehen müßte, wäre das der zu einem Lian-Li Gehäuse, man brauchts nicht, etwas teuer, aber die Referenz und man hat für die Lebensdauer Freude dran. Insofern auch 5* von mir, trotz des saftigen Preises.


Sony DSC-HX5V Digitalkamera (10 Megapixel Exmor R, 10fach optischer Zoom, 7,6 cm, LC-Display, Full HD Video, Bildstabilisator, Sweep-Panorama, GPS) schwarz
Sony DSC-HX5V Digitalkamera (10 Megapixel Exmor R, 10fach optischer Zoom, 7,6 cm, LC-Display, Full HD Video, Bildstabilisator, Sweep-Panorama, GPS) schwarz

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterschätzte "Hybrid"-Cam, 14. Januar 2011
Da ich von der HX5 außerordentlich begeistert bin, aber auch ihre Schwächen klar sehe, ein paar Hinweise für potenzielle Käufer, um sich einen Fehlkauf zu ersparen.

Zunächst sollte man sich klar machen, dass die Kamera einen sehr kleinen 1/2.4" CMOS-Sensor besitzt. Dazu ist ein verhältnismäßig lichtschwaches F/3.5-5.5 10x Zoomobjektiv verbaut. Das bringt prinzipbedingt einige Schwächen mit sich, derer man sich bewußt sein sollte. Sony selbst bewirbt die Kamera mit "outstanding low-light performance" und schießt sich damit selbst ins Knie. Denn die Kamera kann wirklich vieles außergewöhnlich gut - aber ihre "low-light performance" liegt selbst nach den Maßstäben ihrer Klasse bestenfalls auf mittelmäßigem Niveau. Wer überwiegend "indoor" ohne Blitz, womöglich noch unter schwachem Kunstlicht knipsen will, ist bei der Sony schlechtweg falsch. Dafür ist der Sensor zu klein, das Objektiv zu lichtschwach und auch raffinierte Tricks wie der Anti-Motion-Blur oder Handheld-Twilight-Modus sind da kein adäquater Ersatz. Wer sowas sucht, ist mit einer Canon S95 oder einer Panasonic LX5 eindeutig besser beraten. Gleiches gilt für die manuellen Eingriffsmöglichkeiten, auch hier zeigt sich die Sony relativ beschränkt. Am treffensten drücken das die Amerikaner aus, die diese Kameraklasse "Point&Shoot" nennen. Wenn man die Sony bewerten möchte, muß man dies natürlich in ihrer Klasse der Schönwetter-"Reise-Superzooms" machen.

Und damit komme ich mal zu den Stärken der Sony. Zuerst ist da natürlich die Größe zu nennen. Die Kamera ist etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel, nur dünner. Also nichts wo man ernsthaft überlegen würde, ob man das jetzt "mitschleppen" will. Dann ist der Zoombereich zu nennen, 25-250mm ist praktisch ideal. Vom ordentlichen Weitwinkel bis zum brauchbaren Tele quasi uneingeschränkt nutzbar. Verzeichnungen im WW lassen sich gut verschmerzen, CA's (lila Farbsäume) spielen praktisch keine Rolle, exzellenter optischer und elektronischer Bildstabilisator, die Leistung fällt selbst bei 250mm kaum ab. Die Bildqualität kommt vielleicht nicht an vergleichbare CCD-Sensoren heran, ist aber alles andere als schlecht. Und ich benutze normalerweise eine Nikon D90 und ein paar Gläser die einzeln gern ein vielfaches der Sony kosten. Bis A4 habe ich bei Ausdrucken jedenfalls kein Qualitätsproblem. Sehr stark sind Makros, die Naheinstellgrenze beträgt 5cm und produziert sehr feine Ergebnisse.

Wirklich herausragend wird es dann bei den Videos. Die Cam kann 1920x1080@50i. Und die Ergebisse sind schlicht beeindruckend. Ich habe einen Panasonic AG DVX100B Camcorder als Vergleichsgerät und auch wenn der natürlich 1000 Pro-Features mitbringt, von der reinen Bildqualität muß sich die Sony da nicht verstecken, im Gegenteil. Auf einem entsprechenden Display, ist das eine exorbitant gute Bildqualität für so eine Winzcam. Und nicht von Youtube-Videos täuschen lassen, die Qualität liegt deutlich(!) über dem, was Youtube noch darstellen kann. Der Ton ist ebenfalls gut, wenngleich ich für laute Konzerte wohl eher eine Samsung WB2000 oder Panasonic TZ10 bevorzugen würde. Die einzige Cam, die von der Bildqualität mit der Sony konkurrieren kann, dürfte die Samsung WB2000 sein. Aus diesem Grund auch meine Überschrift, man könnte die Cam ebensogut als Camcorder vermarkten, wer auf Video keinen Wert legt, dürfte mit der TZ10 besser beraten sein.

Ebenfalls herausragend sind auch die Spezial-Modi. Der Twilight, bzw. Anti-Motion-Blur Modus schießen sechs Bilder in Folge und rechnen dann das Rauschen raus. Das Ergebnis ist durchaus phänomenal und mit DSLR und lichtstarker Festbrennweite zu vergleichen, aber eben leider nur für sich nicht zu stark bewegende Objekte. Ebenso genial der 10 Bilder/s burst-mode oder die Panorama-Funktion. Eine HDR-Funktion kommt auch von Haus aus mit. Im Scene-Mode gibt es 11 Modi für unterschiedliche Anforderungen. Und das ist es, was die Cam letztlich außergewöhnlich macht. Die Bedienung ist leicht, die Automatiken funktionen in der Regel und die Videoqualität ist herausragend.

Wenn ich noch etwas kritisieren würde - der Blitz ist zu hell - läßt sich mit milchigem Tesa-Film beheben. Die Mikros sind mistig platziert, da hilft ein Winkelblech und statt 10mp auf 2.4" und F/3.5-5.5, wären 6mp auf 1.7" und F/1.8-2.5 wünschenswert - aber das hat Sony ja schon mit den auf der CES vorgestellten Modelle versaut. Aber da man ja praktisch der Sensor-Lieferant für die gesamte Konkurrenz ist, darf man denen ja vielleicht auch nicht in die Suppe spucken.

Als Fazit würde ich mal sagen, eine hervorragende Videocam mit guter Foto-Qualität. Als Reisecam quasi ideal, im Preis/Leistungsverhältnis schwer zu toppen. Normalerweise würde ich nur 4* vergeben, aber 5* wegen der Video/- und den innovativen Spezial-Modi.


Tintenroller BionicWorker schw
Tintenroller BionicWorker schw
Wird angeboten von Bürodiscount - Online - Der Conipa® Markenshop - Ihr Fachhandel im Internet
Preis: EUR 3,06

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Exzellenter Stift, 6. August 2010
Ich komme nicht umhin, diesem Stift eine sehr positive Bewertung zu geben. Normalerweise bin ich eher ein Kugelschreiber; Lamy oder Parker Typ und rein zufällig auf der Arbeit über diesen Tintenschreiber gestolpert. Er gehört zum Besten, womit ich jemals geschrieben habe, ein echter Aha-Effekt beim ersten Mal. Man gleitet förmlich über das Papier, völlig gleichmäßige Tintenabgabe, ob handschriftlicher Text, Skizze oder kurze Notizen, es macht schlicht Spaß mit dem Teil zu schreiben oder zu zeichnen. Persönlich würde ich auch locker das 10-fache für den Stift bezahlen und nein, ich arbeite nicht für Stabilo, bin nur vom Schreibgefühl vollkommen überzeugt. Liegt auch gut in der Hand und ist nachfüllbar - wenn ich noch ein Wunsch frei hätte, ein richtig edles Gehäuse für die Mine. Absolute Empfehlung.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 6, 2011 9:05 PM CET


Palm Z22 inklusive Tasche Case Pack Handheld PDA
Palm Z22 inklusive Tasche Case Pack Handheld PDA

29 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Multitalent, 3. Juli 2006
Ich muß gestehen, dass ich den Palm etwas zweckentfremde, mir dient er nicht als PDA, sondern als e-book reader. Ich habe eine größere Sammlung an e-books im pdf-Format und habe ein handliches Gerät zum mobilen Lesen gesucht. Die "normalen" Reader haben zwei große Nachteile, sie sind in der Regel recht groß und recht teuer. Der Palm ist dagegen winzig und überaus günstig. Mit Hilfe des Adobe Acrobat-Readers für PalmOS (freeware) lassen sich (fast) alle pdf-Datein zum Palm übertragen, die Formatierung wird automatisch angepaßt. In den Speicher passen etwa 10-12 handelsübliche Bücher, insgesamt ca.5.000 Seiten. Auch Texte im doc-Format lassen sich z.B. über die pdf-Exportfunktion von OpenOffice prima übertragen, selbst Grafiken oder Bilder sind kein Problem, sie werden verkleinert (und zoombar) in den Text integriert.

Im Vollbildmodus des Readers lassen sich so 13 Zeilen á 36 Zeichen anzeigen. Anfangs dachte ich, dies wäre zuwenig um längere Texte flüssig zu lesen, doch inzwischen habe ich etwa ein dutzend Bücher auf dem Palm gelesen und dabei keinerlei Probleme gehabt. Bildschirmweise blättern geht über die Tasten ebensoeinfach wie Seitenweises blättern. Besonders praktisch: durch den Flash-Memory bleibt der Inhalt exakt dort stehen, wo man war, beim Ein/- und Ausschalten gibt es also keinerlei Probleme die aktuelle Textstelle wiederzufinden. Dies gilt auch beim Wechsel der Bücher oder beim Wechsel zu anderen Programmen. Optimal um mehrere Bücher paralell zu lesen und zwischendurch eine Partie Schach zu spielen.

Apropro Schach, neben dem mitgelieferten Programm habe ich mir noch ChessGenius (2.3, 25€, shareware) geleistet und bin ziemlich baff über die Spielstärke (ca.2.200 Elo), selbst für bessere Vereinsspieler uneingeschränkt empfehlenswert. Gespielte Partien lassen auch ohne Probleme wieder exportieren. Allein als mobiler Schachcomputer ist der Palm sein Geld wert.

Die eigentliche Hauptfunktion als PDA ist natürlich auch nutzbar, speziell wenn man MS-Outlook verwendet. Termine, Kontakte, Notizen, etc. lassen sich per click synchronisieren, zum Alltag kann ich da allerdings wenig sagen, weil ich diese Funktionen seltenst brauche und kaum benutze. Abgerundet werden diese Grundfunktionen durch einen Taschenrechner (auch wissenschaftlich samt Formelberechnungen erhältlich) und Weltzeituhr samt Wecker. Praktisch auch eine Foto-Software mit der man jpg's vom Rechner auf den Palm übertragen kann, die Bilder werden auf Display-Größe geschrumpft, so das auch mehrere hundert Bilder kein Problem darstellen. Insgesamt ist die Software ausgereift und kinderleicht zu bedienen, da ist PalmOS 5 einfach erwachsen geworden. Die Reset-Taste auf der Rückseite habe ich noch nie gebraucht.

Zum Display, nicht überragend groß, aber ausreichend und farbig. Selbst zum Lesen von Büchern oder einer Partie Schach. Die Helligkeit läßt sich stufenlos anpassen und ist auch in der prallen Sonne gut lesbar. Heruntergedimmt auch im stockdunklen Raum angenehm. Nimmt sich nix zum normalen TFT-Bildschirm. Die Bedienung über touch-pen oder die 6 Tasten geht einwandfrei. Sämtliche Anwendung lassen sich intuitiv bedienen, meiner Meinung nach ziemlich idiotensicher.

Aufgeladen und syncronisiert wird das Gerät über einen USB-Stecker, entweder via Rechner oder Steckdose (wobei sinnigerweise 3 Adapter für unterschiedliche Netze mitgeliefert werden, also auch im Urlaub nutzbar). Das Aufladen dauert vielleicht 30 Min. und eine Ladung reicht bei non-stop-Betrieb (Lesen/Schach) etwa 12h. Bei meiner Nutzung auf dem Arbeitsweg und Abends im Bett lesen reicht der Akku ca. 1 Woche.

Hier kommen wir auch zu meinem einzigen Kritikpunkt, der Akku ist fest eingebaut. Er läßt sich nicht auswechseln. Dadurch ist man alle 12h (wie gesagt, Dauerbetrieb) an eine Steckdose oder Rechner gefesselt und was noch schlimmer wiegt, sollte der Akku den Geist aufgeben, kann man das Gerät wegwerfen, bzw. nur noch am Netz betreiben. Andererseits dürften geschätze 5 Jahre Nutzungsdauer bei täglichem Gebrauch für ein high-tech Gadget letztlich ok sein, da das Gerät dann eh technisch überholt sein dürfte.

Zusammenfassend würde ich die Bestnote vergeben. Ein absolutes Multitalent, ein respektabler Taschencomputer zu einem fast lächerlichen Preis. Interessante Alternativen wären sicherlich ein Smartphone um das Handy einzusparen oder das ganze mit GPS um das Gerät gleich als Navi benutzen zu können, jedoch bewegt man sich da schnell in zigfachen Preisdimensionen und mir persönlich sind fehlerfreie gut funktionierende Einzelgeräte lieber als eierlegende Wolfmilchssäue die vieles können, aber nichts richtig.


Mein deutsches Dschungelbuch
Mein deutsches Dschungelbuch
von Wladimir Kaminer
  Gebundene Ausgabe

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Russischer Punk-Reggae, 27. September 2003
Man kann bei Kaminer nur die Empfehlung geben sich ihn mal anzusehen. Und dazu gibt es reichlich Gelegenheit, er liest selbst in Orten wie Waldbröl. Würde ich seine Texte lesen ohne ihn vor Augen zu haben, ich weiß nicht ob sie mich derart begeistern würden.
Große Literatur?
Sicher nicht, kleine Anekdoten, eine Reisetagebuch zur Lesetour quer durch Deutschland. Wie seltsam dieses Land wirklich ist, führt Kaminer unnachahmlich vor. Der Wert dieses Buches, ist für mich ungefähr dort, wo Axel Hacke im Magazin der Süddeutschen angesiedelt ist. Geschichten ohne weltbewegende Dramen oder persönliche Psychosen, dafür suchterzeugend und herzlich komisch. Einer der wenigen Autoren die ich unbesehen im Hardcover kaufe, macht einfach gute Laune.
Würde eines Tages herauskommen, er sei eine Art Douglas Adam'scher Ford Prefect, der seinen Sub-Etha-Sens-O-Matic verloren hat und nur durch Zufall in Deutschland gestrandet, ich würde es unbesehen glauben.


Seite: 1