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Mohemian "Mo"

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Ø (Disambiguation)
Ø (Disambiguation)
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 8,89

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geduld wird belohnt, 21. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Ø (Disambiguation) (Audio CD)
Um es kurz zu machen: Disambiguation ist der erwartete Hammer geworden. Und wiederum bedarf es so einiger Durchläufe, bis das Teil richtig zündet, denn es warten viele Überraschungen auf die geneigte Hörerschaft. Daher heißt es wieder einmal: Geduld wird belohnt.

Ich war nach dem ersten Hördurchlauf zunächst sehr enttäuscht, da ich unweigerlich den Eindruck hatte, Underoath hätten ihr Tempo stark gedrosselt. Dann mußte ich erkennen, daß die eher ruhigen Töne den Lärm bewußt und vor allem so gekonnt durchbrachen, daß letztlich nur sie fürs Erste Wiedererkennungswert erzeugten. Songs wie Illuminator, A Divine Eradication und My Deteriorating Incline sind für sich genommen dann aber zweifelsohne die härtesten Nummern, die die Band je auf den Silberdiskus gebrannt hat. Die ruhigen Passagen gewinnen also an Bedeutung, auch dadurch daß Ihnen ganze Lieder gewidmet wurden (Driftwood, Reversal). Was ist sonst noch anders?

Auffällig sind zunächst die im Vergleich zu den Vorgängern stark hervorgehobenen Basslinien. Catch Myself Catching Myself und Paper Lung sind nur zwei Beispiele, bei denen der Bass nicht nur mitschwingt, sondern ganz eigene Harmonien und Stimmungen erzeugt. Zweite Auffälligkeit sind die extrem in den Vordergrund gerückten Elektronika. Parallel zum neuen Basskonzept agieren die elektronischen Effekte nicht mehr nur unterschwellig, sondern sind gar richtungsweisend, was bereits im Opener unmißverständlich praktiziert wird. In punkto Gitarrenläufe nähert man sich m.E. immer mehr den guten alten Meshuggha an, die im 7/8-Bereich immer noch Benchmark sind.

Zu guter Letzt zeigt der Gesang die letzte Veränderung, diejenige, die für die meisten Schlagzeilen gesorgt hat. Ja, Spencer ist nun alleinig für alle Gesangsparts verantwortlich, Screams, Growls, cleaner Gesang, you name it... Und sorry, aber hier ist einmal Kritik angebracht. Vielerorts ist zu lesen, daß Aaron, der vor seinem Abgang für die cleanen Parts verantwortlich zeichnete, von den Fans so gar nicht vermißt wird. Ich persönlich widerspreche hier aufs Entschiedenste. Aaron hatte den unschlagbaren Vorteil neben einem unverwechselbaren Organ auch eine extrem gute Gesangsstimme zu besitzen, die selbst dann nicht kratzte, wenn er fast schon schrie (man nehme z.B. seine Gesangsleistung auf dem Livealbum Kaleidoscope). Bei Spencer klingen die harmonischen Gesangsparts immer ein wenig gepreßt, wenn er die Stimme etwas über normal anhebt. Dennoch macht er seine Sache gut und vor allem die Growls erzeugen echte Gänsehaut.

Ein insgesamt sehr gelungenes Album, das gerade durch seine Abwechslung zu bestechen weiß, sowohl zwischen als auch während einiger Songs. Mir persönlich gefallen daher Paper Lung und In Completion ausnehmend gut, da hier ruhige und aufwühlende Momente bestens vereint werden. Ein Album, das viel Zeit braucht, dafür aber auch reicht beschenkt.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 4, 2011 5:00 PM MEST


Super Troopers - Die Superbullen
Super Troopers - Die Superbullen
DVD ~ Jay Chandrasekhar
Preis: EUR 9,49

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Licence and Registration, please..., 20. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Super Troopers - Die Superbullen (DVD)
"Super Troopers" ist der zweite von derzeit drei Leinwandergüssen der US-Comedy Truppe "Broken Lizard" und ihr bislang erfolgreichster Film. Leider hat der Streifen in Deutschland nicht die Aufmerksamkeit geschenkt bekommen, die er verdient. Denn Super Troopers kann sich durchaus mühelos mit Filmen der Kategorie Police Academy oder Nackte Kanone messen.
Bei den Super Troopers handelt es sich um eine kleine, gelangweilte Einheit der Vermont Highway Police, die sich im Clinch mit der örtlichen Polizei von Spurburry befindet. Der Streit eskaliert, als die Gemeinde auf einmal von einem Mord aufgeschreckt wird und die Super Troopers darauf hin zu allem Überfluß auch noch einen LKW voller Hasch sicherstellen.
Super Troopers ist gespickt mit dummen Sprüchen und allerlei Absurditäten des Highway Alltags. Unter anderem haben es die Superbullen mit einem "deutschen" Pärchen, einem aufsässigen Kassierer in einer Burger Kette und ihrem überkorrekten Kollegen Officer Farva zu tun. Aber den Film zeichnet nicht nur die Geschwindigkeit aus, in der hier die Gags geliefert werden, sondern auch sein Ideenreichtum und die wirklich sehr gelungene deutsche Übersetzung. Letzterer Punkt ist daher gesondert hervorzuheben, da viele Independentfilme des Comedy Genres unter der oftmals wirklich dämlichen deutschen Syncro zu leiden haben. Dennoch sollte es sich der anglophile Leser/Zuschauer nicht nehmen lassen, das Werk auch im Original zu genießen, allein schon wegen des "deutschen" Pärchens.
Abschließend sei zu bemerken, daß Super Troopers der perfekte Film für einen Filmabend mit Freunden ist. Bild- und Tonqualität entsprechen dem gewohnten Standard, das Menü ist übersichtlich. Kleiner Minuspunkt ist das mit lediglich 10 Minuten sehr mager ausgefallene Bonusmaterial, obwohl auch hier an Gags nicht gespart wurde. Ich kann für die Lizards nur hoffen, daß Ihnen bei uns ein bißchen mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, denn in punkto Witz und Kreativität stehen sie der Truppe von S.N.L. wirklich in nichts nach.


Alien/Ltd. (CD + DVD)
Alien/Ltd. (CD + DVD)
Preis: EUR 22,10

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alien - Musik aus einer anderen Welt, 19. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Alien/Ltd. (CD + DVD) (Audio CD)
HevyDevy, Devin Townsend, beherrscht das Chaos, schafft das Chaos, ist das Chaos. Anders kann man diese Platte nicht beschreiben. Im Gegensatz zum Vorgänger Syl wurde wieder verstärkt Wert auf Synthies und damit mehr Melodie und weniger Death gelegt. Es finden sich sogar Anleihen an das Debüt.
Alien läßt sich im Grunde genommen in der Mitte durchteilen. Auf der ersten Hälfte der Platte regiert das heillose Durcheinander. Es scheint keine Strukturen zu geben und man bekommt unweigerlich den Eindruck, Mr. Townsend möchte Musik kreieren, die keine ist. Da werden unendlich viele Tonspuren übereinander gelegt, hier und da noch ein Soundeffekt eingefügt und noch ein Chor und noch ein Detail, bis die Laien in Sachen SYL resignieren müssen. Die Fans wissen es natürlich besser: HevyDevy möchte die Grenzen der härteren Musikgangart ausloten und er gibt das auf der hier beigefügten DVD auch ganz offen zu. Werke, wie das eher als Intro denn als eigenständiges Lied fungierende "Imperial", das Blastbeatgeklopfe "Shitstorm" (nomen est omen) und das überragende "Skeksis", bei dem nach 3,5 Minuten kein Stein mehr auf dem anderen stehen bleibt, belegen das verursachte Chaos eindrucksvoll. Ab "Shine" gewinnt die ganze Sache dann allmählich an Struktur (vielleicht gewöhnt man sich auch nur einfach daran) und wo einst der pure Krawall herrschte, sind jetzt wirkliche Songlinien auszumachen. So erinnert Devins äußerst variabler Gesang auf "We Ride" irgendwie an King Diamond, während auf "Possessions" gar Frauenchöre ihren Eingang finden. "Two Weeks" beschert uns dann eine wohlverdiente Akustikpause, die in der Form auch auf Terra oder Infinity hätte sein können. Einen würdigen, weil äußerst chaotisch merkwürdigen Abschluß findet das Werk dann mit einer Soundkollage, die an die Ankunft von Außerirdischen erinnert, was dem Titel der Platte ja zuträglich wäre.
Die diesem Paket beigefügte DVD hebt sich mit ihren fast 30 Minuten äußerst positiv von anderen CD/DVD-Releases ab. Da sonst vornehmlich absolut langweilige Tourtagebücher, Videoclips, die sowieso schon jeder kennt oder Kommentare, die keinen interessieren (z.B. „we had a really great time doing this"), dargeboten werden, sticht die Alien DVD angenehm aus dieser Masse an Mittelmäßigkeit heraus. Zum einen ist da die relativ professionell anmutende Kameraführung, zum anderen eine gute Mischung aus Musik und Interviews. Die Band gewährt uns einen wirklich schönen Einblick in die Studioarbeit und hat sogar kleine Tips und Tricks für eigene Musikideen parat. Am besten gefällt mit dabei persönlich „Papa" Gene Hoglan, der Drumgott vom Dienst, dem wir nicht nur auf die Hände und Füße schauen dürfen (wirklich unglaublich, was der da fabriziert), sondern der uns durch seine aufmunternden Worte auch zum Nacheifern anregt. Neben diesem Making of findet sich auch noch als Schmankerl die "Oh My Fucking God" Live Version von der kürzlich erschienenen For Those aboot to Rock DVD.
Insgesamt ist unserem Lieblingskanadier mit Alien mal wieder ein typischer Strapping Young Lad Knaller geglückt, der die Stärken der Vorgängerplatten miteinander vereint. So bleibt man mit den Blast Beats auf den Spuren des Vorgängers, spannt durch das Überladen der Tonspur mit verrückten Soundideen aber den Bogen zurück zum Erstlingswerk As Heavy... Auch wenn es dieses Mal vielleicht etwas dauert bis es knallt, Alien ist sein Geld alle mal wert und die DVD ist wirklich gelungen. Einzig den Drumsound konnte man im Vergleich zum Vorgänger und den dortigen Problemchen nicht merklich verbessern. Aber Devin muß man einfach liebhaben und so kann man ihm auch das verzeihen.


Beim Sterben ist jeder der Erste
Beim Sterben ist jeder der Erste
DVD ~ Jon Voight

63 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der wichtigste Streifen seines Genres, 24. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Beim Sterben ist jeder der Erste (DVD)
Zugegeben, vom deutschen Titel her (Beim Sterben ist jeder der Erste) kann man genauso wenig auf die eigentliche Handlung schließen wie beim Original (Deliverance). Davon aber mal abgesehen liefert Regisseur John Boorman DIE Vorlage für alle späteren Thriller des Flußfahrtabenteuergenres.
Zur Handlung: vier Großstädter planen eine Wochenend-Kanufahrt auf dem Cahulawassee River bevor dieser durch ein großes Umweltprojekt auf immer verändert werden soll. Obwohl die vier Charaktere unterschiedlicher nicht sein könnten, vereint sie doch der Nervenkitzel, sich einfach mal treiben zu lassen und den Kampf gegen die ungebändigte Natur aufzunehmen. Den Kampf sollen sie auch bekommen, nur ist die Natur dabei nicht ihr einziger Gegner...
Natürlich ist der Streifen mittlerweile über 30 Jahre alt und kann damit auch nicht unbedingt mit den heutigen Standards und Erwartungen - z.B. an das Filmende - gemessen werden. Dennoch kann es das Werk locker mit jedem Neuzeitthriller aufnehmen. Gegensätzlichkeiten spielen hierbei die größte Rolle: die Weite der Natur, die Enge des Flusses; das Leben der Großstadt, die eigenen Gesetze der Landbewohner; Entdecker spielen, Herr über Leben und Tod werden. Die Kameraführung ist grandios, die Besetzung einfach nur perfekt. Burt Reynolds liefert seine ewige Haudegennummer gekonnt ab, während der immer ein wenig zerbrechlich wirkende John Voight (die Jüngeren kennen ihn z.B. aus Mission Impossible) die Personifizierung innerer Zerrissenheit darstellt. Auch Ned Beatty überzeugt als dicklicher Außenseiter vollends, was man von ihm nicht immer unbedingt gewohnt ist.
Im Gegensatz zu James Dickeys Roman (der hier übrigens höchstpersönlich den Kleinstadtsheriff verkörpert) verkürzt der Film natürlich die subtile Zeichnung der Charaktere ein wenig. Dennoch wirkt die von der Schlüsselszene ausgehende Wandlung der Protagonisten clever und glaubhaft inszeniert. Die Bildqualität ist immer noch recht gut, die deutsche Tonspur allerdings im Gegensatz zur nagelneuen 5.1 Originaltonspur, in der man ständig an die Präsenz des mächtigen Flusses erinnert wird, mehr als mangelhaft. Auch die Ausstattung ist, verglichen mit der US-Fassung, der zusätzliche Hintergrundinformationen und ein immerhin 10-minütiges Making Of beigefügt wurden, schwach. Zu guter letzt ist dem deutschen Filmverleih auch noch der peinliche Fehler direkt auf dem DVD Cover unterlaufen, den Drehort (Chattooga River in Georgia) mit dem Ort der Handlung (Cahulawassee River in Tennessee) zu verwechseln.
Wer sich allerdings von solchen Kleinigkeiten nicht abschrecken läßt und einfach nur einen genialen Film genießen möchte, der zweifelsohne zu den Klassikern des Genres gehört, der muß hier einfach zuschlagen. Denn wenn ein Streifen nach über 30 Jahren seinen Reiz immer noch nicht verliert, dann will das in unserer heutigen Filmzeit schon was heißen.


Lain - Serial Experiments, Vol. 01
Lain - Serial Experiments, Vol. 01
DVD ~ Chiaki Konaka
Wird angeboten von nipponart2003
Preis: EUR 12,95

21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Come into the Wired, 9. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Lain - Serial Experiments, Vol. 01 (DVD)
Um es vorwegzunehmen: wer Anime mit Tiefgang und innovativer Zeichenkunst mag, ist bei Lain - Serial Experiments goldrichtig aufgehoben. Lain war im Moment seines Erscheinens bereits ein Klassiker und überzeugt mit einer durchwegs bis ins kleinste Detail durchdachten Komposition aus Story, audiovisuellen Effekten, Fiktion und Realität.
Zur Geschichte: Lain, eine verschüchterte Achtklässlerin, lebt im "heutigen" Tokio. Ihr eher ereignisloses Leben verändert sich schlagartig als sie eine Email einer Mitschülerin erhält; das Problem dabei: die Mitschülerin ist eigentlich tot. In der Mail macht ihr das Mädchen Chisa klar, daß der Tod nichts schlimmes sei, sondern lediglich ein Transportmittel in eine viel größere und schönere Welt, in der sie jetzt weiterlebe: the Wired. Nach anfänglichem Zögern kommt Lain der Bitte des Mädchens nach, Kontakt mit dieser Parallelwelt aufzunehmen. The Wired entpuppt sich als eine Art hoch technologisierte Form der Virtual Reality auf Internetbasis. Nach und nach scheinen für Lain die Grenzen zwischen der wirklichen Welt und dieser fremden Parallelwelt zu verschwimmen. Doch wer hat diese Welt erschaffen und was ist deren Funktion? Wer sind die schwarz gekleideten Männer mit den Sehgeräten? Warum bringen sich immer mehr Kinder nach dem Kontakt mit the Wired um? Wer sind die Knights? Ist Lain nur Teil eines mörderischen Planes und wem kann sie überhaupt trauen?
Das sind nur einige der vielen Fragen, die während der 13 jeweils 20-minütigen Episoden aufgeworfen werden. Wie so oft in diesem Genre lassen viele Antworten sehr viel Spielraum zu eigenen Interpretationen, werden manche Fragen überhaupt nicht beantwortet und kommen neue auf. Der Reiz des Storyboards an sich sind die vielen Handlungsstränge und die auch für das Publikum kaum merkliche Vermischung von Realität und Fiktion. Vor allem in Vol. 3 werden dem Zuschauer in kürzester Zeit sehr viele historische Fakten präsentiert, die entweder den menschlichen Körper oder die Entwicklung virtueller Kommunikation betreffen. Doch irgendwann wird die Schwelle zur Fiktion überschritten und leicht stilisierte "Fakten" werden zusätzlich untergemischt. Selbiges betrifft die von den Usern eingesetzte Technologie, deren Fähigkeit zwar über das hinausgeht, was wir heutzutage so kennen, aber dennoch nie wie überzogener Nimbus wirkt, sondern für den Zweck der Serie ganz behutsam angepaßt wurde.
Auch die sonstige Umsetzung geht weit über das hinaus, was man sonst so im Animebereich kennt. Die visuelle Umsetzung ist bezüglich der verwendeten Stilwechsel nicht zu überbieten. Viele Szenen, die in direktem Bezug zur Nutzung technologischer Geräte stehen, sind computeranimiert. Die wirkliche Welt wird wie in einem Videoclip durch abgeschnittene Screenshots und Techniken, die Überbelichtung, Grisseleffekte und Unschärfe simulieren sollen, sehr stark verzerrt. Die Welt der Protagonistin und ihrer Freunde ist größtenteils sehr simpel und daher nur rudimentär aufgezeigt. Ansonsten dominiert die Technik: Ampelanlagen, Autos, Telefonleitungen, die Lichter der Großstadt. Hier fügt sich die audiotechnische Komponente als letztes Puzzleteilchen dieses großartigen Kunstwerkes stimmig ein. Die Soundeffekte arbeiten unterschwellig, aber stetig. Hier wird nicht geballert, gesprengt oder geliebt. Hier werden die Nerven des Zuschauers bis zum Zerreißen bearbeitet. Herausheben möchte ich das Brummen der Telefonmasten als Audiometapher auf die Fähigkeiten von the Wired. Klasse ist auch die Musik in Vor- und Abspann, das lauteste Geräusch auf den DVDs. Was die Übersetzung anbelangt, kann ich die US-Version empfehlen, die sich durch eine wirklich grundsolide Dialogregie und erstklassig ausgewählte Sprecher auszeichnet, die dem Original in keiner Weise nachstehen.
Das Bonusmaterial, da kaum vorhanden, verdient nur am Rande Beachtung. Beigefügt sind konzeptionelle Zeichnungen der wichtigsten Charaktere, alternativer Vor- und Abspann, die übersetzte Version des Songs im Abspann sowie Merchandise rund um Lain und die im japanischen Fernsehen gelaufenen Teaser.
Lain ist ein unglaubliches Gesamtkunstwerk und auf allen Ebenen - Story, Sound, Grafiken - so wohl durchdacht wie kein anderes mir bekanntes Anime. Lain schafft den Spagat zwischen extrem futuristischen Werken, wie z.B. NGE, und einem Echtzeitkonzept wie Golden Boy ohne die sexuellen Anspielungen (ja, man kam mal fast völlig ohne aus). Hier stimmt einfach alles, wobei man sich stilistisch auf neue Territorien vorwagt. Lain ist durch seine Komplexität wunderbar dazu geeignet, wieder und wieder in seiner ganzen Schönheit angeschaut und gewürdigt zu werden. Das allerdings macht es sehr intensiv, schwer verdaulich und daher eher für Erwachsene geeignet. Lain - Serial Experiments sei somit abschließend allen Animefans wärmstens ans Herz gelegt, die dem konventionellen Stil ein wenig überdrüssig sind. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Genrewerken begehen die Schöpfer von Lain nicht den Fehler, einen Spannungsbogen zu kreieren, dem das Ende nicht standhalten kann.


Vidocq (Single Edition)
Vidocq (Single Edition)
DVD ~ Gérard Depardieu
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 6,44

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Frankreich goes Hollywood....again, 8. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Vidocq (Single Edition) (DVD)
Da ist er also, ein weiterer Film aus einer Reihe, die ich mal als "Neuen Französischen Film" bezeichnen möchte. Eine Reihe, die sich auszeichnet durch Werke wie Pakt der Wölfe oder die Purpurnen Flüsse. Eine Reihe, die den französischen Film ins Hollywoodformat zwingt durch die Vermischung von Historie, Action, Mystery, Kung Fu und ein bißchen Grusel.
Vidocq spielt im Paris von 1830. In dieser Stadt voller Dekadenz, Armut, politischer Unruhen und Absurditäten treibt ein Geist sein Unwesen: der Alchemist. Der Alchemist hat viele Gesichter und doch keines und er tötet offenbar willkürlich. Er scheint das Wetter zu beherrschen und wird für das Verschwinden vieler Kinder verantwortlich gemacht. An seine Fersen heftet sich Vidocq (gespielt von Gerard Depardieu), ein Ermittler im Auftrag der Regierung und ehemaliger Strafgefangener. Doch er scheitert und fällt im Kampf mit dem Monster in einen bodenlosen Schacht. Der junge Journalist und Biograph Boisset rollt den Fall daraufhin noch einmal auf. So erfährt der Zuschauer in Rückblenden die ganze Wahrheit bis zum Showdown.
Vidocq ist ein Film voller Spezialeffekte und Lichtfilter und somit auch für den Neuen Französischen Film sehr aufwendig gestaltet. Die Stadt wirkt jederzeit düster und bedrohlich und erscheint dadurch noch grotesker. Leider auch ein bißchen zu grotesk, denn vor lauter Effekten verliert Pitof ein wenig die Handlung aus den Augen. Diese ist anfangs durchaus mitreißend und hat auch ihren Reiz, ist gegen Ende allerdings zu vorhersehbar. Der aufgebauschte Überraschungseffekt bleibt dadurch aus. Auch wird die Spannung zu sehr durch hektische Kamerafahrten und Großaufnahmen verzerrter Gesichter zu erzeugen versucht als durch eine wirklich solide Story. Wie schon bei Pakt der Wölfe oder den Purpurnen Flüssen verpufft alle anfänglich aufgebaute Begeisterung so durch einfach zu lächerlich wirkende Drehbuchkonstrukte (Stichworte: Jungfrauenblut, Seele rauben, ewiges Leben) und einem Overload an Computerbildern, der gegen Ende an die Schmerzgrenze des Erträglichen geht.
Fazit: Wer von den oben genannten Filmen begeistert war, kommt an Vidocq nicht vorbei, sollte sich dann allerdings die Doppel-DVD-Edition mit zusätzlichen zwei Stunden Bonusmaterial holen. Wer allerdings vor der allzu klischeebeladenen französischen Filmkunst dieses Genres kapituliert, dem sei von diesem Film abzuraten. Auch Großmeister Depardieu, den ich durchaus verehre, hat schon bessere Tage gehabt und geht in dem ganzen Special-Effects-Feuerwerk einfach unter. Nette Unterhaltung, aber ohne großen Tiefgang.


Toxicity
Toxicity
Preis: EUR 5,99

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kreativ und unvorhersehbar, 5. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Toxicity (Audio CD)
Wie beschreibt man ein Album, das sich eigentlich gar nicht beschreiben läßt? System of a Down wollen nicht so recht in irgendeine Schublade passen. Ihre Musik ist roh, aber doch kanalisiert, wild und sanft zugleich und noch dazu Punk, Death Metal, Hardcore, Thrash und NüMetal in einem, gespickt mit Fetzen armenisch-orientalischer Folklore. Derartige Beschreibungsversuche könnten passen und treffen es trotzdem nicht. Wer blickt da noch durch? Damit ließe sich auch erklären, warum ich mit Toxicity zuerst überhaupt nichts anfangen konnte, sie mittlerweile aber zu meinen meistgehörten Platten gehört.
Also, zurück zum Ausgangsproblem: wie beschreibt man ein solches Werk? Vielleicht, indem man es mit dem Vorgänger vergleicht. Das selbstbetitelte Debüt von System of a Down liegt bei Veröffentlichung dieser Scheibe bereits drei Jahre zurück und zeigt die ersten Gehversuche der Band. Damals hat man sich noch sehr stark an Punk und Hardcore orientiert und das ganze in dreifacher Geschwindigkeit heruntergeklopft. Serjs Stimme hatte dabei auch noch nicht ganz den Weg gefunden und wurde so auf vielfältige Art und Weise malträtiert, wirkte wenig kontrolliert und manchmal sogar unpassend. Im Jahr 2001 ist das anders. Toxicity merkt man die starke Weiterentwicklung des Gesamtkunstwerks System of a Down an. Die Stimme des Frontmannes ist immer noch sehr variabel, beschreitet aber doch eingefahrene Wege: Wortfetzen (Prison Song), getragener Gesang (Chop Suey!), gehetzt wirkender Gesang (Psycho), Thrash-Geschrei in bester Slayer-Manier (Jet Pilot) und Death Metal Growls (Prison Song) stehen im wilden Wechsel zueinander, passen aber wie Faust aufs Gretchen.
Auch musikalisch hat man sich weiterentwickelt, wobei hier von Kontrolle an dieser Stelle überhaupt keine Rede mehr sein kann. Das Songwriting bewegt sich irgendwo zwischen den eingangs erwähnten Welten und ist zu keiner Zeit vorhersehbar. Bestes Beispiel ist und bleibt hier der Titelsong, der dem Hörer anfänglich überhaupt keine Möglichkeiten gibt, sich auf einen einzigen Rhythmus einzuschießen. Aber egal auf welchem Terrain sich die vier Jungs bewegen, sie tun es mit ausgesprochener Sicherheit, Professionalität und einem untrüglichen Gespür für intensive musikalische Reisen. Überaus variables Drumming, knallharte Riffs, ein betörender Bass und natürlich der markante Gesang wurden hier in bester Manier produziert , abgemischt und so gut es geht geordnet von Mr. Rick Rubin himself, der sich durch seine Produzentenarbeit ja auch nicht unbedingt in eine bestimmte Schublade stecken läßt (u.a. gehören Slayer und Jonny Cash zu seinen Klienten).
Alles in allem läßt sich sagen, daß die Band ihren Wahlspruch der "stereophonic experience" mehr als verdient hat. Musikalisch überaus kreativ und einfach nicht mit irgendeinem Label abzustempeln, darüber hinaus lyrisch einfach alles plattwalzend bewegen sich System of a Down irgendwo zwischen allen Welten in ein Jahrtausend hinein, das sich ebenso chaotisch entwickelt wie sie selbst. Ich bin schon gespannt auf den nächsten Geniestreich der Jungs. In meiner ewigen Bestenliste hat die Platte schon jetzt einen sicheren Platz in den Top Ten.


Emotive
Emotive
Preis: EUR 30,41

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein netter Versuch, mehr aber auch nicht, 25. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Emotive (Audio CD)
So, was ich persönlich nie erwartet hätte, ist also eingetreten. Die Kreativköpfe von A Perfect Circle wagen sich an ein Coveralbum. Das allein läßt so einiges erwarten von J.M.K & Co. Das GrundMOTIV ist ja mittlerweile hinlänglich bekannt, insofern möchte ich mir die Ergüsse über den politischen Hintergrund und die Brisanz einer solchen Scheibe an dieser Stelle ersparen. Konzentrieren wir uns also auf das Wesentliche, die musikalische Seite. Um es vorwegzunehmen: eMOTIVe kann und sollte mit dem Vorgängerhammer Thirteenth Step aufgrund der musikalisch und stimmungstechnisch anderen Ausrichtung nicht verglichen werden.
Ideenlosigkeit oder ein schnelles Herunterschrubben der Studioaufnahmen, wie in einigen hier erschienen Rezensionen angeprangert, kann man der Band sicherlich nicht entgegenhalten. Die Auswahl der Songs beschränkt sich zwar auf die eigentliche Zielsetzung der Platte, ist aber allein aufgrund der verschiedenartigen Musikstile der gecoverten Bands als sehr gelungen zu bezeichnen. Um nun das alles unter den Deckmantel von A Perfect Circle zu bringen, bedarf es schon einiger Anstrengung. Man merkt auch von der ersten Note an, daß man sich enorm Mühe gegeben hat, den Originalversionen einen anderen Anstrich zu verpassen. Nun haben Musikliebhaber an Covernummern ja immer irgend etwas auszusetzen. Der einen Gruppe ist es zu nah am Original, der anderen Gruppe gefallen zu starke Verfremdungen nicht; so sagen letztlich alle, daß das Original ja sowieso viel besser sei. A Perfect Circle konnte es also überhaupt nicht richtig machen, so oder so.
Ich schlage mich weder auf die eine noch die andere Seite. Nur eines kann man den Mannen nicht vorwerfen, sie seien zu nahe am Original. Am deutlichsten wird das meiner Meinung nach bei Stücken wie "Annihilation" oder "People Are People", die in der hier dargebotenen Form absolut nicht wiederzuerkennen sind. Einzig der Text bietet den einen oder anderen Anhaltspunkt. Ersteres Stück, eigentlich eine wilde US-Punknummer aus den 80ern, wird hier auf einem Xylophon dargeboten, lediglich von einem Flüstern begleitet. Letzteres Stück, der Depeche Mode Klassiker schlechthin, wird zwar nicht ganz so ausgefallen, aber dennoch rhythmisch total verfremdet und ohne Synthies abgespielt. Der Wiedererkennungswert der anderen Stücke ist ebenfalls nicht wesentlich höher (abgesehen vielleicht von "Imagine").
Wie gesagt, meine Aussagen sind bis hierher absolut wertfrei, denn entweder man mag derartig experimentelle Reisen, oder man mag sie nicht. Ein Problem habe ich aber dann doch mit den teilweise total verzerrten Drums bzw. dem Drumcomputer, wodurch einiges an Atmosphäre auf der Strecke bleibt. Auch muß man sagen, daß A Perfect Circle einfach am besten sind, wenn sie sich selbst treu bleiben. Zu spüren ist das auf der Eigenkomposition "Passive", die in gewohnter Manier toll ins Ohr geht. Auch das irgendwie an eine Kate Bush Nummer erinnernde "Counting Bodies Like Sheep..." versprüht das bandeigene Flair gekonnt.
Bleibt festzuhalten, daß A Perfect Circle die perfekte Idee zur perfekten Zeit mit einem perfekten Konzept im Hinterkopf irgendwie versemmeln. Wer die Originale mag und lediglich eine Reproduktion dieser Hits erwartet, dem sei von eMOTIVe abgeraten. Das Album erfordert durch seine sehr ruhige Ausrichtung die volle Konzentration des Hörers, wirkt aber trotz der gebotenen Abwechslung insgesamt ein bißchen einschläfernd. Tolle Ausnahmen bleiben das überragende "Annihilation" sowie "Peace, Love and Understandig", "Passive" und "Counting..." auf der musikalischen Seite und das Artwork auf der gestalterischen Seite. Die Platte ist also mit Thirteenth Step absolut nicht zu vergleichen und sollte auf alle Fälle vor einer anstehenden Kaufentscheidung zunächst probegehört werden.


Brave Yester Days
Brave Yester Days
Preis: EUR 26,45

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Quasi die Anthology Pt. I, 21. Januar 2005
Rezension bezieht sich auf: Brave Yester Days (Audio CD)
Auf dieses Teil haben die Katatonia Junkies der ersten Stunde gewartet: eine Ansammlung der teilweise längst ausverkauften Mini-Alben, Compilation Beiträge, raren und unveröffentlichten Aufnahmen sowie einem kleinen Querschnitt der von der Band selbst so genannten "Alten Ära". Das Ganze wird (fast) in der chronologisch richtigen Reihenfolge auf zwei CDs präsentiert und zeigt so aufs Beste die Entwicklung vom Black Metal beeinflußten Düsterdoom der ersten Stunden bis zur Schnittstelle zur "Neuen Ära" in Form der Saw You Drown MCD.
Angefangen mit dem Kult-Demo Jhva Elohim Meth, das vor kurzem als Original Kassette auf Ebay sage und schreibe über $ 90 einbrachte, präsentieren uns die Herren Renkse und Nyström die fünf Songs ihrer frühesten Schaffensphase um die Jahre 1991-92 herum, als sie noch nicht einmal volljährig waren. Textlich ging es so ein bißchen in die Black Metal Richtung, wobei diese Bezeichnung dem Stil von damals überhaupt nicht gerecht wird. Nachdem mit Without God dort bereits eine Nummer vertreten ist, die auch auf dem offiziellen 1993er Debüt Dance of December Souls zu finden ist, kann man die musikalische Stilrichtung beider Alben durchaus als identisch bezeichnen. Von letzterem Output sind die beiden Knaller Gateways of Bereavement und Velvet Thorns genommen worden, die den Jhva-Stil konsequent fortsetzen und unter der damaligen Anleitung von Dan Swanö auch heute noch - 12 Jahre danach - unglaublich druckvoll aus den Boxen wummern. Black Erotica sowie Love of the Swan stammen von der 1995 erschienenen WAR Compilation Vol. 1 und markieren den Höhepunkt des damaligen Stils um Dance of December Souls. Aus der selben Session stammt auch Scarlet Heavens, das den Rausschmeißer der zweiten CD des hier vorliegenden Werkes markiert. Das komplette Mini-Album For Funerals to Come von 1994 schließt die erste CD dann würdig ab und zeigt die bis dato wohl härteste Seite der Band. Hier macht sich zum ersten Mal auch die Experimentierfreudigkeit des damaligen Trios bemerkbar. Die Hooks der frühen Paradise Lost werden dabei zugunsten eines höheren Tempos weitgehend zurückgeschraubt. Renkse zeigt hier noch einmal sein ganzes Können an den Drums.
Scheibe Nummer 2 eröffnet den Reigen mit zwei Tracks des genialen 1996er Brave Murder Day Albums, das damals meiner Meinung nach seiner Zeit um Jahre voraus war. Musikalisch geht es jetzt sehr flüssig und somit weniger vertrackt zu als auf den Vorgängern, wobei auf Härte keineswegs verzichtet wurde. Mit Rainroom ist hier einer der besten Katatonia Songs überhaupt vertreten, der in seinen letzten zwei Minuten den Bands von heute immer noch locker zeigt, wo der Hammer hängt. Darauf folgt der komplette 97er Sounds of Decay Release, der wiederum sehr experimentell ausgefallen ist und an dem Mike Akerfeldt von Opeth abermals maßgeblich beteiligt ist. Die drei Stücke schwanken zwischen dem von Brave Murder Day wieder rückgängig gemachten flüssigen Stil und einer etwas progressiveren Seite hin zur Neuen Ära. So weiß Renkse gerade hier durch herrlich melodische Background Vocals zu überzeugen, die Akerfeldts Grunzen weniger dominant erscheinen lassen. Daraufhin ist mit Untrue ein bis zu diesem Zeitpunkt unveröffentlichter Track enthalten, der durchaus seine Reize hat. Das nächste Mini-Album von 1998 bildet dann den krönenden Abschluß in zweifacher Hinsicht. So schließt Saw You Drown nicht nur die zweite CD, sondern mit neuem Logo auch die Alte Ära ab, indem hier zum ersten Mal in einer Rohversion der Sound produziert wurde, den die Katatonia Anhänger heute noch kennen.
Mit einer Gesamtspielzeit von ca. 130 Minuten bleiben bei Brave Yester Days wirklich keine Wünsche mehr offen. Das Booklet ist mit vielen alten Bandphotos bestückt und aufwendig gestaltet (die Jungs mit Corpse Paint, der Hammer!). Für mich persönlich hätten allerdings bandeigene Kommentare zu den einzelnen Veröffentlichungen, wie es etwa seiner Zeit Pantera oder Emperor gemacht haben, das Werk endgültig zum anbetungswürdigen Objekt gemacht. Wer jetzt allerdings dachte, das wars erst einmal, der täuscht sich. Denn auch die Fans der Neuen Ära haben die Jungs natürlich nicht vergessen. So wird demnächst mit den Black Sessions quasi der zweite Teil der Anthologie erscheinen, auf dem sich nicht nur auf wiederum zwei CDs die besten und raren Tracks der Neuen Ära befinden, sondern dem auch eine DVD mit einem Konzertmitschnitt von 2003 beigefügt wurde. Und nachdem sich die Jungs momentan wieder im Studio befinden, darf man sich wohl in naher Zukunft auch auf ganz neue Kompositionen freuen.


Nightmares Made Flesh
Nightmares Made Flesh

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Schritt nach vorne, 23. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Nightmares Made Flesh (Audio CD)
Ach Du Sch...! Da dachte man schon, genialer als auf dem sensationellen Debüt "Resurrection through Carnage" können Bloodbath nicht mehr klingen, da kommt schon der nächste Hammer. "Nightmares Made Flesh" ist nicht nur die konsequente Weiterentwicklung des Vorgängers, sondern ein riesiger Schritt nach vorne.
Das mag zwei Gründe haben: zum einen ist da natürlich der Besetzungswechsel. 'Aus Vier mach Fünf' dachten sich unsere Blutduscher und haben einfach mal eine Gitarre mehr mit eingepackt. Akerfeldt hat den Platz am Mikro an unseren Freund von Hypocrisy, Peter Tägtgren, abgegeben und Swanö bedient nun neben Nyström und Renkse das elektrische Saitenzubehör. An den Fellen sitzt jetzt Martin Axenrot, u.a. bei den bösen, bösen Nifelheim zugange. Der bringt auch die offensichtlichste musikalische Veränderung mit sich, denn Swanös dumpfes 4/4 Geklopfe, das auf dem Debüt noch so herrlich altmodisch daherkam, wird nun durch technisch anspruchsvolles Drumming ersetzt. So geht es ohne große Umschweife bei Songs, wie "Cancer of the Soul" oder "Soul Evisceration" dann auch mächtig zur Sache. Nächste Veränderung, die Gitarren: die früheren Anleihen bei Bands wie Carnage oder Dismember werden stark zurückgefahren, es herrschen nun über weite Strecken modernere Klänge vor. Doch gerade Nyström kann es einfach nicht lassen und streut bei einigen Stücken (z.B. "Draped in Disease" oder dem überaus starken Abgang "Blood Vortex") immer wieder Riffs ein, die auch auf "Dance of December Souls" oder "Brave Murder Day" gepaßt hätten. Da Swanö, Renkse und Nyström wechselseitig sowohl an den Gitarren stehen als auch am Bass zupfen, ist von dem stellenweise etwas drucklos wirkenden Sound des Resurrection-Erfolgs nichts mehr übrig. Das liegt allerdings sicherlich auch an Tägtgren, der zwar musikalisch nur für die Vocals zuständig ist (schade eigentlich), aber sein übliches Gekreische bei Hypocrisy gelassen hat und Akerfeldt so stimmlich auch in nichts nachsteht.
Nightmares Made Flesh ist allgemein sowohl wesentlich druckvoller als auch verspielter ausgefallen als das Debüt. Der Old-School-Death der letzten Tage weicht zusehends moderneren Arrangements. Einzig und allein die wirklich lächerlichen Texte und die trotz Besetzungswechsel unverändert rauchigen Growls zeugen noch von den Bloodbath der alten Tage. Nightmares Made Flesh bietet uns auf 12 Tracks eine Dreiviertelstunde ausgereiften Death Metal vom Feinsten. Wenn das so weiter geht, dann können zumindest die Jungs von Katatonia ihre anderen Bands einstampfen gehen...


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