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Rezensionen verfasst von
Karin Braun "Karin Braun" (Kiel)

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Von Viktor zu Hartmann: Wege - Hanteln - Worte
Von Viktor zu Hartmann: Wege - Hanteln - Worte
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Andreas, und wie er die Welt sieht, 13. August 2014
Diesmal ist es kein Roman. Es sind Gedanken, kleine Geschichten, Begebenheiten, die dem Herrn Niedermann so durch den Kopf gehen auf seinem täglichen Wegen von Viktorgasse zum Geisteszentrum (Gym) in die Hartmanngasse und wieder zurück. Es ist interessant ihn dabei, literarisch, zu begleiten. Andreas Niedermann ist ein scharfer Beobachter, der nie die rosarote Brille trägt und auch keinerlei Filter einsetzt, wenn er seine Eindrücke auf Papier, respektive in den Rechner bringt. Bigotterie, Spießigkeit und der braune Sumpf in Wien und überhaupt gehen ihm gehörig auf den Senkel und er scheut sich nicht eloquent und klar darüber zu schreiben. Das Besondere an den Niedermannschen Texten ist aber, dass er dies mit Selbstironie und einem kritischen Blick auf die eigenen Macken tut. Ein scharfer Beobachter, Denker und sensibler Misanthrop, von dem man sich gerne mit der Nase auf das eine oder andere stoßen lässt.

Gut gefallen haben mir die Schwarz-Weiss Fotos der täglichen Stationen von Viktor zu Hartmann, welche Antonia Niedermann beigesteuert hat.


Gesicht eines Mörders: Roman (Lindemanns Bibliothek)
Gesicht eines Mörders: Roman (Lindemanns Bibliothek)
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Ein ungewöhnlicher Krimi, 13. Juni 2014
Gesicht eines Mörders von Volker Kaminski ist ein eher ungewöhnlicher Kriminalroman. Hier wird der Mörder nicht ermittelt, sondern die Leser_innen begleiten ihn auf dem Weg zur Tat.

Frank Steiner will Karriere machen, will es ganz nach oben schaffen als Schauspieler und Modell. Einer breiteren Öffentlichkeit ist er allerdings nur aus einer Joghurt-Werbung bekannt. Bevor er sich weiter voranmachen kann, auf dem Weg zum Ruhm, tötet er im Effekt einen nervigen Nachbarn und flieht. Dummerweise wurde er von einer Nachbarin dabei gesehen. Als er nach Frankfurt zurück kehrt stellt diese ihn vor die Wahl: Entweder tötet einen ihr unliebsamen Zeitgenossen oder sie verrät ihn an die Polizei! Nach einigem Zögern übernimmt er den Auftrag und macht sich ans Werk. Schnell stellt er fest, dass nicht alles so einfach ist, wie er es sich vorstellt und das es mit dem unerkannt bleiben schwer ist, wenn man so erfolgreich Joghurt beworben hat.

Frau Braun meint:

Volker Kaminski hat mit GESICHT EINES MÖRDERS nicht nur einen ungewöhnlichen Kriminalroman geschaffen, sondern auch eine interessante Gesellschaftsstudie, die sich wunderbar lesen lässt. Frank Steiner erinnert ein wenig an Oscar Wildes Dorian Grey. Eitel, sicher das sein gutes Aussehen ihn weiterbringt und ängstlich darauf bedacht, dass sich seine Taten nicht in seinem Gesicht, seinem Kapital wiederspiegeln. Ein unbedingt empfehlenswertes Buch.


Tausend Worte: Roman
Tausend Worte: Roman
von Ciarán Collins
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Charlie ist nicht dumm ..., 6. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Tausend Worte: Roman (Gebundene Ausgabe)
Tausend Worte soll Charlie jeden Tag schreiben, um ein Trauma zu verwinden, sagt sein Psychiater Dr. Quinn. Charlie gilt als der Gamal, der Dorftrottel von Ballyronan und war der Freund von James und Sinéad, seit sie gemeinsam in die Grundschule gingen. James und Sinéad sind nun tot und Charlie, der bei weitem nicht dumm ist, ist nun allein mit seinen Erinnerungen, seinen Gefühlen und dem Wissen um das was geschehen ist. Als Gamal , als jemand den alle für minderbemittelt halten, hat Charlie die Möglichkeit alles was um ihn herum passiert genau zu beobachten. Da er wenig sagt und nie wirklich teilnimmt, sondern eher dabei ist, fällt er nicht auf. Aber Charlie registriert alles. An einer Stelle sagt er von sich selbst:

“Ich bin wie ein Laptop mit kaputtem Bildschirm, bei dem der Rechner tadellos arbeitet”

Frau Braun meint:

Schon bevor das Buch auf Deutsch erschien, hatte ich davon gehört und war sogar schon soweit, es auf englisch zu lesen, so sehr hat mich der Klappentext angefixt. Nun ist es oft so, dass hohe Erwartungen nicht erfüllt werden. Ciarán Collins hat mit TAUSEND WORTE meine noch übertroffen. Der Autor lässt seinen Protagonisten die Geschichte aufschreiben. Der will die Geschichte aber gar nicht wirklich erzählen. Will sich nicht an das Schreckliche, was James und Sinéad widerfahren ist und an seine Rolle dabei, erinnern. Entsprechend schweift er ab. Fügt Bilder, Zeichnungen, Textepassagen aus Gerichtsakten und Erklärungen von Begriffen aus Wörter- und medizinischen Fachbüchern in den Text ein, um auf die anvisierten 1000 Worte täglich zu kommen. Doch mit der Zeit werden die Kapitel länger, die Erinnerungen kohärenter und bevor man sich versieht, wird man in eine Geschichte hinein gezogen, die das Gefühl vermittelt drei Shakespeare Dramen gleichzeitig zu erleben, allerdings nicht als Durcheinander, sondern als genial gewobenes Netz. Es ist eine Geschichte über das Anderssein, über Liebe, Eifersucht und das Leben in einer irischen Kleinstadt. Es ist eine Geschichte mit viel Musik.

TAUSEND WORTE (THE GAMAL) ist Ciarán Collins erster Roman und wurde mit mehreren Literaturpreisen in Irland und Großbritannien ausgezeichnet.

Der Autor:

Ciarán Collins, geboren 1977, wuchs in einem irischen Dorf auf und studierte englische und irische Literatur am University College in Cork, wo er heute unterrichtet. Er lebt in Kinsale/Irland

Die Übersetzerin:

Gabriele Haefs, geboren 1953 in Wachtendonk studierte Sprachen, Keltologie und Volkskunde in Bonn und Hamburg, wo sie auch lebt. Sie übersetzt aus dem Norwegischen, Schwedischen, Gälischen, Dänischen.


INRI - Die Schatulle von Thorsberg
INRI - Die Schatulle von Thorsberg
von Raju Sharma
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Spannende Geschichte mit Tiefgang, 28. Oktober 2013
Der Autor:

Raju Sharma ist 1964 geboren, ist Volljurist und wurde 2009 in den Bundestag gewählt. Vorher hat er in verschiedenen Funktionen im schleswig-holsteinischen La-desdienst gearbeitet; zuletzt als Referatsleiter für Denkmalschutz, Kirchen und Religionsgemeinschaften, nationale Minderheiten und Heimatpflege in der Kieler Staatskanzlei.

Die Handlung:

Im schleswig-holsteinischen Thorsberg Moor wird eine Schatulle mit Münzen aus der Römerzeit ausgegraben. Diese gibt den Findern einige Rätsel auf und erschüttert nicht nur das Kieler Machtsystem, sondern ruft so einige, aus den unterschiedlichsten Gründen Interessierte, auf den Plan. Einige davon schrecken auch nicht vor Mord zurück um der Schatulle und ihres Geheimnis habhaft zu werden. Als sie verloren geht, macht sich die Kieler Kulturreferantin mit dem Archäologen von Lawrenz auf nach Rom, wo sie auf ein Geflecht von Politik, Religion und Gewalt treffen und in Lebensgefahr geraten.

Frau Braun meint:

Beim Lesen des Klappentextes dachte ich: Ah, so Richtung Dan Brown. Beim Lesen revidierte ich dies in: Schon ein wenig Dan Brown, aber in tiefsinnig und intelligent. Da fing es an richtig Spaß zu machen, diese Geschichte zu lesen. Sie ist spannend, vielschichtig und trotzdem unterhaltsam. Die Charaktere wirken echt. Es sind normale Menschen, die einfach in eine sehr, sehr ungewöhnliche Situation geraten. Hier bin ich Raju Sharma sehr dankbar das er auf die gängigen Klischees in den Personenbeschreibungen verzichtet hat. Auch wilde Sexszenen und übermäßige Brutalität, Zutaten die gerne in diesem Genre eingesetzt werden, hat er weggelassen und gezeigt, dass eine spannende Geschichte sehr gut ohne diese auskommt.

Die Geschichte spannt sich über viele Zeiten, Orte und zieht sich durch ein Geflecht von Politik, Religion und Macht. Es geht ins alte Jerusalem zur Kreuzigung Jesus und es geht ins neue Jerusalem mit seinen bekannten Problemen. Dann sind wir im beschaulichen Kiel, in der Landespolitik und erhalten Einblick in die Arbeit der Kulturreferats. Neben den Weltstädten Jerusalem und Kiel darf natürlich Rom nicht fehlen, dort kommt es dann zum Showdown. Raju Sharma gelingt es alle diese Fäden in der Hand zu behalten und zu einer komplexen, unterhaltsamen, spannenden Geschichte zu verweben, der ich viele Leser_innen wünsche. Erstaunt hat mich sein umfangreiches und fundiertes Wissen in Sachen Religionen, Kirchengeschichte und Archäologie. Hier komme ich zu dem einzigen Minuspunkt: Raju Sharma hat eine Tendenz zum referieren. Etwas weniger ausführliche Erklärungen zu Waffen, Metallverarbeitung und so weiter hätten den Erzählfluss an einigen Stellen geschmeidiger gehalten.


Rebellen: Roman
Rebellen: Roman
von Wolfgang Schorlau
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeitgeschichte persönlich erzählt, 22. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Rebellen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Alexander und Paul lernen sich als Jugendliche kennen. Während Alexander aus einer bürgerlichen, Mittelstands-Familie kommt, wächst Paul im Waisenhaus auf, welches in der Nähe von Alexanders Elternhaus liegt. Es entsteht eine enge Freundschaft, die über Jahre hält. Beide engagieren sich in der linken Bewegung, aber aus sehr unterschiedlichen Motiven. Paul, der eine Ausbildung zum Feinmechaniker, geht es um soziale Gerechtigkeit und Alexander, der studiert, eher um Distanz zu seiner Familie. Ihre Freundschaft besteht sogar weiter, als sie sich in die gleiche Frau verlieben. Toni, die Psychologiestudentin, die später Therapeutin für magersüchtige Mädchen werden wird und schließlich Alexander heiratet. Paul und Alexander driften irgendwann auseinander ohne eine ziemliche Schweinerei seitens Alexander jemals thematisiert zu haben. Jahre später wird Alexander von der Vergangenheit in Form von Pauls Sohn eingeholt.

Frau Braun meint:

Wolfgang Schorlau ist mir durch die Georg Dengler Krimis bekannt, die ich alle mit Begeisterung gelesen habe. Dieses ist der erste Roman den ich von ihm gelesen habe und er lässt mich sehr nachdenklich, ein wenig nostalgisch und sehr angetan, zurück. Die Geschichte von Alexander und Paul ist in kurzen Kapitel aus unterschiedlichen Zeiten von Paul, Alexander (damals und heute), Toni (ebenfalls damals und heute) und Maximillian (Alexanders Bruder) erzählt und vermittelt so ein sehr komplexes Bild. sowohl im persönlichen, als auch von den politischen Ereignissen. Es ist ein Buch um Ideale und was von ihnen bleibt. In ihrer Jugend sind Paul und Alexander begeisterte Kommunisten studieren fortwährend Lenin, Marx und Mao und träumen von der Revolution und anschließenden Diktatur des Proletariats. Zu diesem Thema sagt Strunz, ein Genosse und Arbeitskollege von Paul etwas, dass ich in der Zeit oft gedacht habe:

Eine Diktatur seiner Kollegen bei Heppler wäre eine Diktatur der Spießer, in der der nicht leben wollte.

Rebellen ist ein Stück Zeitgeschichte persönlich aufgearbeitet. Wolfgang Schorlau schreibt sehr lebensnah, schnörkellos und klar. Das gefällt mir sehr. Er schreibt ihm Nachwort zu diesem Buch:

Ich erzähle etwas spezifisches, um etwas allgemeines auszudrücken

Dazu kann ich nur sagen: Das ist hier gelungen!


Mr. und Mrs. Derdon
Mr. und Mrs. Derdon
von Maeve Brennan
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein leises Schlachtfeld, 20. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Mr. und Mrs. Derdon (Broschiert)
Ein richtiges Traumpaar waren Rose und Hubert Derdon nie. Nach einigen Jahren Ehe hatte es sich mit der Liebe. Gleichgültigkeit, Abneigung und perfide Boshaftigkeiten bestimmen ihren Alltag. In abgeschlossenen Episoden lässt Maeve Brennan den Leser, in Huberts und Roses Gedankenwelt und ihn an der gegenseitigen Abneigung teilhaben.

Frau Braun meint:

Dieses Buch habe ich mir nicht bewusst ausgesucht. Es ist mir in der Bücherei quasi vor die Füße gefallen und ich bin froh drum. Mir gefiel die Idee eine Beziehungsgeschichte zu lesen, die nicht in eine kohärente Handlung eingebettet war. Mir hat sehr gefallen mit welcher Präzision Mrs. Brennan die Gedanken ihrer Protagonisten offen legt. Der kaum verbrämte Abscheu und die kleinen Spielchen, die dem anderen des Leben sauer machen. Alles wird schonungslos ans Licht gebracht, aber ohne das sie ihre Personen preis gibt. Rose und Hubert sind durch ihre Handlungen Täter und Opfer. Auch die Rechtfertigungen für alles, die Tünche, die die eigene Bosheit erträglich macht, fehlen nicht. Es gibt keine Taschenspieler Tricks oder Kniffe, es wird in geradezu herzzerreißender Lakonie und Offenheit die Geschichte zweier Menschen erzählt, die jede Hoffnung auf Glück oder auch nur auf gegenseitigen Respekt hinter sich gelassen haben.

In der letzten Geschichte “Ein Mann ertrinkt”, ist Rose gestorben und Hubert lebt als Witwer weiter. Doch selbst nach ihrem Tod ist er an Rose gebunden. Er spielt den trauenden Witwer, weil es seine Mitmenschen von ihm erwarten, und leidet darunter. So sucht er Roses Zimmer noch einmal auf, um zu erspüren, ob es da nicht irgend etwas gibt, was ihn echte Trauer empfinden lassen würde.

Trotzdem konnte er nicht glauben, dass selbst ein so lebensuntüchtiger Mensch wie sie aus dem Leben treten konnte, ohne auch nur irgendeine Spur zu hinterlassen. Eine Spur wäre ein Zeichen, dass ihn zu dem Kummer wiese, den er ihr zuliebe erleiden wollte. Aber es gab kein solches Zeichen.

Fazit: Großartige Charakterstudie. Unbedingt empfehlenswert.


Sancta Lucia: Weihnachtliche Geschichten
Sancta Lucia: Weihnachtliche Geschichten
von Christel Hildebrandt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 8,80

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Reise in die Kindheit, 8. Oktober 2013
Die Herausgeberinnen von “Santa Lucia – Weihnachtliche Geschichten” von Selma Lagerlöf sind die Übersetzerinnen Gabriele Haefs und Christel Hildebrandt. Erschienen ist es im Reclam Verlag. Der Reclam Verlag hat eben nicht nur diese praktischen gelben Heftchen mit Klassikern wie Goethe, Schiller und Konsorten, die wir alle noch aus der Schulzeit kennen, sondern auch diese so liebevoll gearbeiteten Büchlein. Drei Stück habe ich mittlerweile davon und ich liebe sie alle.

Dieses wunderschöne Büchlein erreichte mich vor einigen Tagen. Diese Geschichten haben sogar mir, eher eine Weihnachtsmuffeline, wieder Lust auf Weihnachten gemacht. So stimmungsvolle Bilder, so schön geschrieben. Das Büchlein ist ein echter Schatz und auch wenn es noch ein wenig bis Weihnachten ist, wundervoll zu lesen, denn die Texte haben, bei allem Bezug zum Christfest, auch etwas zeitloses und tief berührendes. Da es auch preislich im adäquaten Rahmen ist, eignet es sich nicht nur zum Selberlesen, sondern auch als Mitbringsel für Adventeinladungen. Selma Lagerlöf war mir bis dato nur aus den Nils Holgerson Geschichten bekannt, nach diesen Geschichten habe ich große Lust mich ihr intensiver zu widmen. Hier sich auf wunderbare Weise Lagerlöfs persönliche Weihnachtserlebnisse mit den üblichen skandinavischen Zutaten, zu einer Reise in die eigene Kindheit, in der ich gespannt bei Oma sass und die Bescherung nicht erwarten konnte, während sie mich mit Geschichten versuchte abzulenken.


Die Blunk Konstante: 1 Krimi und 10 Theorien
Die Blunk Konstante: 1 Krimi und 10 Theorien
von Maike Braun
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wirtschaftskriminalität und persönliche Tragödien, 3. Oktober 2013
Handlung:

Felix Blunk ist darauf spezialisiert Menschen verschwinden zu lassen. Also das Verschwinden ist nicht letal zu sehen, er hilft ihnen unterzutauchen. Ihren persönlichen und digitalen Fingerabdruck verschwinden zu lassen und neu zu beginnen. Das war nun nicht immer sein Gebiet, aber nachdem seine Ehefrau Farida mit seinem Partner Lutz verschwunden und die gemeinsame Firma der drei in den Fokus der Steuerbehörden gelandet ist, steht Blink vor dem Aus. Er will die beiden finden und zur Verantwortung ziehen. Hier beginnt es. Blunk weiß das Menschen nur selten ihre Gewohnheiten ändern und Lutz hat ein Faible für Sportwagen der Marke Aston Martin …

Frau Braun meint:

Die Autorin Maike Braun (nicht verwandt oder verschwägert mit Karin Braun) hat mit ihrem Erstling einen spannenden und anregenden Krimi geschaffen, wie ich ihn mag. Keine Blutbäder, keine sonst wie abgefahrenen Sexualpraktiken, nur der ganz normale Wahnsinn, aber ihn eine packende Handlung eingebettet, die immer wieder einmal eine nicht geahnte Wendung nimmt. Besonders hat mir gefallen, wie Frau M. Braun ihre Charaktere aufbaut. Alle haben Ecken und Kanten. Sehr erfrischend fand ich auch die Blickwinkel-Wechsel der Erzählperspektive.

Es ist kein typischer Krimi, auch wenn es reichlich kriminelle Handlungen gibt, zwischen den Kapiteln wird die eine oder andere wirtschaftliche Theorie beleuchtet. Auch das ist recht spannend und passt zur Handlung und zum Erzählstil der Autorin, die eben auch aus eigener Erfahrung weiß, wovon sie spricht. Immerhin war sie 8 Jahre bei der Unternehmensbratung McKinsey tätig.

Fazit: Ein sehr gelungenes Werk.
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Königsallee: Roman
Königsallee: Roman
von Hans Pleschinski
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein gutes Thema schlecht behandelt, 17. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Königsallee: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nachdem ich Pleschinskis Ludwigshöhe mit Freude gelesen und mich zeitweise mit der Familie Mann beschäftigt habe, sprach mich dieses Buch an. Die Zutaten lesen sich ja auch verlockend. Leider ist es Plieschinski nicht gelungen die Geschichte zum Leuchten zu bringen. Fiktives und biografisches ist sehr grob zusammen geflickt. Auch wenn mensch um eine gewisse Exzentrik der Mitglieder der Familie Mann weiß, so kommt es einem nach Plischienskis Darstellung vor, dass sie aus völlig durchgeknallten Neurotikern, ohne jede Manieren besteht. Die Auftritte von Golo und Erika Mann sind durch unreflektiertes Geschwafel und Rezitieren aus dem eigenen, dem väterlichen und dem Werk Klaus Manns gekennzeichnet. Scheint ein bisschen so, als wenn der Autor den Lesern vermitteln will: Ich habe meine Recherchen gemacht! Das glaube ich ihm ja auch gerne. Aber warum hat er sie nicht in einer angemessenen literarischen Form genutzt, sondern der Art plump? Auch wäre ein wenig Korrektheit in Sachen Geschichte nicht verkehrt gewesen. Die Stadt Meerbusch, in der der Autor Heusers Eltern leben lässt, gab es 1954 noch nicht. Die wurde erst 1970 gegründet. Über solche Kleinigkeiten lässt sich nun noch hinwegsehen.

Ich glaube das Buch hätte sehr gewonnen, wenn gut auf die Hälfte des Textes verzichtet worden wäre und wenn die Figuren nicht mit diesen Wortschwällen überkleistert worden wären. Schade drum!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 19, 2013 10:13 PM MEST


Eine Liebe in den Tagen des Lichts. Roman um Edvard Munch
Eine Liebe in den Tagen des Lichts. Roman um Edvard Munch
von Espen Haavardsholm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Traumhafter Seiltanz zwischen Realität und Fiktion, 9. September 2013
In dieser Roman-Biografie geht es um das Leben von Edvard Munch, genauer gesagt um die letzten zwei Jahre seines Lebens. Munch hat sich, krank, misstrauisch und vereinsamt in Ekely bei Oslo verschanzt. Die Handlung beginnt 1942. Norwegen ist von den Nazis besetzt und die Bewohner Oslos leben in der Angst, dass sie endgültig unter deutscher Besatzung bleiben. In dieser Zeit spricht die Jurastudentin Dorothy, genannt Doffy, die für die Werke des Malers schwärmt, auf Ekely vor, um sich als Modell zu verdingen. Nachdem Munch sein Misstrauen überwunden hat, stellt er sie ein und es bahnt sich eine Freundschaft, zwischen den Beiden an, die von Seiten des Malers schnell in Verliebtheit umschlägt.
Während Haavardsholm Dorothy Alltag vorwärts gerichtet erzählt, lässt er Munch, der im Buch nur M. genannt wird, seine Vergangenheit reflektieren. Seine Kindheit in relativer Armut, der frühe Verlust von Mutter und Schwester und seine Schwindsucht mit dreizehn. Aber auch das Freimachen von den strengen religiösen Vorstellungen des Vaters und sein Leben als Künstler. Seinen Aufenthalt in der Nervenheilanstalt in Kopenhagen, die Absinth getränkte Phase. Welche Bilder wann und wo entstanden. Der ganze Reigen eines Lebens mit vielen Abgründen entfaltet sich dem Leser. Dorothys Leben dagegen ist auf die Zukunft gerichtet. Auf ihr Studium, auf die Zeit, wenn die deutsche Besatzung endet. Die Nahrungsmittelknappheit und auf ihre Freundin Kari, mit der sie zusammenlebt. Beide leben, wie junge Frauen eben leben. Sie studieren, gehen auf Partys, treffen sich mit Männern, malen und versuchen klar zu kommen so gut es eben in den Kriegsjahren geht.

Frau Braun meint:

Das ganze Buch hat etwas traumhaftes, das immer wieder durch Realität der national-sozialistischen Besatzung Norwegens durchbrochen wird. Ekely ist wie ein verzauberter Ort in dem norwegischen Kriegsalltag von 1942 und Munch lebt dort, inmitten seiner Bilder und Erinnerungen, mal mehr, mal weniger von seiner chronischen Bronchitis gebeutelt. Haavardsholm erzählt mit einer Leichtigkeit und Anmut von dem Lebensstationen des Malers und von seiner Beziehung zu Dorothy. Es ist ein sehr vielschichtiges Buch. Zum einen ist da der Maler, dessen Leben dem Ende zu geht und der ganz in die Welt seiner Bilder und Erinnerungen abgetaucht ist. Dann ist da Dorothy, die sehr den Typ einer modernen jungen Frau verkörpert, die die Welt verändern möchte. Beim Lesen war es wie im Traum eines anderen zu wandern, ohne sich als Eindringling zu fühlen. Ehrlich gesagt, mir fehlen die Worte, die Vielschichtigkeit der Empfindungen während des Lesens zu schildern und das passiert mir selten. Sicher besteht ein großer Reiz des Buches darin, dass es ein biografischer Roman ist. Ein Seiltanz zwischen Erfundenen und Realem ist. Denn Doffy hat es wirklich gegeben, sie war die beste Freundin von Haavardsholms Mutter, in diesen Jahren. Aber es ist nicht nur das, es ist auch die Art in der Haavardsholm die Leser mit in die Lebensbilder und in die Gemälde Munchs nimmt, ihn auf eine sehr natürliche Art Teil des Geschehens werden lässt, als eine Art aktiver Beobachter.
Für die deutsche Übersetzung zeichnen Gabriel Haefs und Andreas Brustermann.

Fazit: Für mich das Buch des Jahres! Also unbedingt lesen!


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