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Ein Leser

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Künstlerschamanen: Zur Aneignung des Schamanenkonzepts bei Jim Morrison und Joseph Beuys
Künstlerschamanen: Zur Aneignung des Schamanenkonzepts bei Jim Morrison und Joseph Beuys
von Karin Riedl
  Broschiert
Preis: EUR 29,99

3.0 von 5 Sternen In Teilen interessant, 6. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist in Teilen interessant, leider ist der Beuys-Teil sehr kurz geraten. Was die Autorin über Morrison zu sagen hat, ist intensiver und aussagekräftiger. Aber der ethnologische Blick auf Beuys ist ein Novum im deutschen Raum und entkrampft vieles.


Was ist Kunst? Werkstattgespräch mit Beuys
Was ist Kunst? Werkstattgespräch mit Beuys
von Volker Harlan
  Broschiert
Preis: EUR 19,90

5.0 von 5 Sternen Grossartig, 6. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dies ist immer noch eines der besten Bücher über Beuys. Lange Gespräche umkreisen das Wesen seines künstlerischen Blickes auf die Welt, der immer auch ein spiritueller ist. Warum? Weil jedes Ding letztlich ein unauslotbares Geheimnis in sich birgt, das unsere oft auf Pragmatismus eingeengte Perspektive schon banalisiert und reduziert hat. Egal, ob es sich um einen Tisch oder Materialien wie Kupfer, Fett oder Filz handelt. Beuys schaut hier tiefer, liest aus Formen der äusseren Welt innere Kräfte ab, die er in seinen Werken zum Sprechen bringt oder transformiert. Obwohl von einem Anthroposophen geschrieben, hat dieses Buch nichts unangenehm Esoterisches oder Abgehobenes. Es ist einfach eine liebevolle, geduldige und präzise Annäherung an ein immer noch rätselhaftes Werk, das nicht umsonst auch 30 Jahre nach Beuys' Tod noch starke Emotionen entfesselt.


Anthroposophie in Deutschland: Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884 - 1945
Anthroposophie in Deutschland: Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884 - 1945
von Helmut Zander
  Taschenbuch
Preis: EUR 130,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nützliche Studie, 22. April 2014
Natürlich ist dies ein ungemein nützliches und anregendes Buch, egal was hier an Verrissen (von gekränkten Anthroposophen) geschrieben wird. Ob Zander hier und da irrt oder Fehler macht: Man muss einfach Respekt vor den vielen Informationen haben, die Steiner erstmals in einen grossen Kontext in die Zeit um 1900 stellen. Gerade dieser rätselhafte Mann muss auch so angeschaut werden: nicht als Eingeweihter oder Betrüger, sondern als Suchender, der ja von Zander durchaus auch als kreativer Geist beschrieben wird. Nach der Lektüre kann man sich fragen: Wie ist mein Steinerbild jetzt, nach Kenntnis so vieler Einflüsse, denen er selbstverständlich - wie jeder Mensch - ausgesetzt war? Weil Anthroposophen diese Forschungsleistung in den letzten 50 Jahren nicht selbst vollbracht haben, haben sie sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs ausgegrenzt. Sie könnten mit ihrer abgehobenen und verschlossenen Innenansicht auf keiner philosophischen oder wissenschaftlichen Tagung heute bestehen. Spirituelle Weltbilder aber müssen sich heute der Diskussion mit Geistes- oder Naturwissenschaften stellen, sonst bleiben sie in der Nische des Glaubens, Raunens und Spekulierens stecken. Der Diskurs mit Zander kann ihnen nur nützen, schade dass er nicht angenommen wurde. Seit der Entstehung des Buches gab es nur eine Handvoll öffentlicher Diskussionsveranstaltungen mit dem Historiker, Dornach hat ihn nie eingeladen, um - ja auch einmal produktiv über anthroposophische Perspektiven zu streiten. Heute streiten Atheisten, Evolutionsbiologen etc. vehement mit Christen, Muslimen, Esoterikern, was nicht verkehrt ist, weil es den Geist schärfen kann. Die Jünger Steiners haben diese Chance bislang vertan und dämonisieren stattdessen Zander als katholischen Anthroposophie-Feind. Damit haben sie sich letztlich nur selbst geschadet.
Dieses Buch kann man nicht ignorieren, gut, dass es jetzt als (immer noch zu teures) Taschenbuch vorliegt.


Beuys: Die Biographie
Beuys: Die Biographie
von Hans-Peter Riegel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 28,00

28 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unpräzise, unwissenschaftlich, ungerecht, 19. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Beuys: Die Biographie (Gebundene Ausgabe)
Zwar liest sich Riegels streckenweise akribisch recherchierte Biographie spannend und bietet auch manche neue Erkenntnisse, aber der Autor macht einen Generalfehler:
Er kennt neuere Literatur zum Thema nicht und hat kein Sensorium für das eigene Wesen ästhetischer Sprache, in dem sowohl viele von Beuys verbalen Äusserungen wie auch seine Werke verfasst sind.
Als Werpeprofi, der es mit der Mehrdeutigkeit von Bildsprachen zu tun hat, müsste Riegel davon etwas verstehen, seltsam, dass er es in diesem Buch nicht mitberücksichtigt. Beuys' Angaben über sein "Studium" der Naturwissenschaften werden daher zu penibel gedeutet: jemand, der sich ausserhalb der Uni mit Biologie beschäftigt, kann mehr davon "studiert" haben, als jemand, der sich für drei Semester einschreibt, aber dann wieder aufhört. Beuys spricht nicht von universitären Zusammenhängen, sondern vom eigenen Studium zoologischer und botanischer Zusammenhänge, was sein Werk eindeutig belegt. Die neuere Beuys-Literatur, die Riegel aussen vorlässt, hat das gut herausgearbeitet, etwa Magdalena Holzheys Dissertation "Im Labor des Zeichners - Joseph Beuys und die Naturwissenschaft." Auch die "Tartarenlegende" wird zu positivistisch abgehandelt: Seitenweise Recherchen über klimatische Bedingungen und Tartarenpopulationen auf der Krim im März 1944 versuchen Beuys ausschliesslich als kleveren Selbstinszenierer und Mythenerfinder hinzustellen. Würde man zwischen den Zeilen lesen, könnten seine Schilderungen daneben durchaus Phantasien über den Zusammenhang von Tartaren, Fett und Filz betreffen, die er im Rückblick zur Verarbeitung traumatischer Erfahrungen brauchte. Es kann durchaus sein, dass er sich an Phantasien, Halluzinationen und Wunschvorstellungen erinnerte und nicht an empirisch genau belegbare Umstände. In der angelsächsischen Beuysliteratur wird dies heute weniger streng als "schöpferischer Mythos", gedeutet, der ihm vielleicht zu erklären half, warum er sich so obsessiv für so seltsame Materialien begeisterte. Anselm Kiefer hat wahrscheinlich ähnliche "Stories" parat, um seine nicht rational zu fassende Faszination für Blei, Asche und Heu zu erklären. Und Günther Uecker für seine Passion mit den Nägeln.
Ebenfalls völlig vorbei am poetischen Sprachmodus geht Riegels Deutung von Beuys' Vortrag "Reden über Deutschland", aus dem er den Vorwurf des "Völkischen" ableitet. Riegel kennt neuere Forschungsliteratur zum "Völkischen" nicht, die in den Begriff neben nationalen auch rassistische und antisemitische Komponenten einbezieht. Davon kann bei Beuys keine Rede sein. In dem Vortrag findet sich eine deutliche Kritik am Rassenbegriff und Beuys konzediert, dass die "Auferstehungskräfte" der Deutschen selbstverständlich auch in jedem anderen Volk stecken. Was ist daran völkisch? Mit Auferstehungskräften meint Beuys etwas ganz Konkretes: die poetische Sprach- und Empfindungskraft etwa der deutschen Romantik oder von Kandinsky, Klee und Lehmbruck, die für ihn gegenüber den "schrecklichen Sünden" der Nazizeit "Signale" sind, "die auf die Zukunft weisen" und zur "Umgestaltung des Sozialleibes" führen könnten. Ein Plädoyer zur Erinnerung an dieses "andere Deutschland", auch für mehr Kreativitätsförderung an Schulen und Hochschulen. Gegenüber unseren heutigen auf Sparen, Evaluierung und Effektivität ausgerichteten Didaktik-Plänen ist dies übrigens von grosser Aktualität! Beuys Kunst wäre im Dritten Reich als "entartet" abgestempelt und er möglicherweise in die Psychiatrie verfrachtet worden. Auch angesichts dieser Tatsache sind undifferenzierte Schuldzuschreibungen wie "völkisch" und "nationalistisch" eine vollkommene Übertreibung.
Dilettantisch verfährt Riegel auch mit seiner Behandlung des Verhältnisses von Beuys zu Rudolf Steiner. In seinem Buch fehlen nicht nur die differenzierten Studien von Helmut Zander zur Anthroposophie, sondern Riegel lässt auch die ironischen Kommentare von Beuys zu Steiner sowie seine Spannungen mit Anthroposophen einfach weg. So kann er das Bild eines blindgläubigen Adepten konstruieren, der seinem Guru in allen Belangen folgt und dessen bedenklichen Okkultismus eins zu eins in seine Werke einarbeitet. Welche Naivität und welch einfaches Kunstverständnis! Gerade die Mehrdeutigkeit der ästhetischen Sprache in Beuys' Zeichnungen und Skulpturen führt zu einer Transformation von anthroposophischen Ideen in ganz neue, individuelle Zusammenhänge. Beuys bricht eigentlich die in Steiner schlummernde Gefahr von Dogmatismus und abgehobenem Eingeweihtentum durch seine gebrochenen, gelegentlich auch humorvollen Schöpfungen. Was ist dagegen zu sagen, wenn Beuys durch Steinersche Ideen ein sensibleres Verständnis des Zusammenhanges von Mensch-Tier-Pflanze-Erde bekam und dies in zarten und mitfühlenden Werken zum Ausdruck brachte? Was, wenn er aus Steiners Pädagogik Anregungen zu einem freieren und kreativeren Umgang mit seinen Düsseldorfer Studenten empfing? Undifferenziert auch die Bezeichnung der Anthroposophie als "völkisch-nationalistischem Wertekanon" oder "nordisch-germanischer" Weltanschauung. Beuys übernahm von Steiner eher das keltische Element und setzte es in Aktionen in Irland und Schottland um. Das Germanische, das die Nazis favorisierten, findet sich in seinem Werk kaum. Das Interesse an Okkultismus und Spiritualität allein aber ist für Riegel schon ein Skandalon. Dass sich viele Künstler im 20. Jahrhundert dafür interessierten, verschweigt er oder weiss es einfach nicht: Klee, Kandinsky, Marc, Beckmann, Itten, Gropius, Pollock, Kiefer wären prominente Beispiele dafür sowie Ausstellungskataloge wie "Okkultismus und Avantgarde", "Das Bauhaus und die Esoterik" oder die aktuelle Hilma af Klint-Ausstellung in Berlin.
Bleiben die Vorwürfe über Bekanntschaften von Beuys mit ehemaligen Sympathisanten des Dritten Reiches wie Karl Ströher, Karl Fastabend, August Haußleiter, Georg Haverbeck, Wilhelm Schmundt u.a. Hier kann man zunächst einmal auf die Stimme des besonneneren Klaus Staeck hören, der Beuys sehr gut kannte: "Obwohl ich oft das Gefühl hatte, er mache sich auch darüber lustig, schien er doch oft gefährdet, auf recht obskure Leute hereinzufallen." Dieser Punkt bleibt weiterhin ein dunkler, zu wenig untersuchter Fleck in Beuys' Biographie, gerade auch, weil Riegel es oft bei raunenden Andeutungen belässt oder einräumt, dass man nicht genau wisse, wieviel Beuys vom Vorleben seiner Mitstreiter gewusst habe. Aus den blossen Bekanntschaften aber den Generalverdacht des "Völkischen", "Nationalen", "Rechtslastigen" für Beuys' gesamtes Denken und Schaffen abzuleiten, ist überzogen und absurd.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 28, 2013 12:01 AM MEST


Achtundvierzig Variationen über Bach
Achtundvierzig Variationen über Bach
von Franz Rueb
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Sehr gut, 18. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dies ist eines der besten Bücher über Bach, das ich gelesen habe. Warum? Es häuft nicht nur (wissenschaftliche) Erkenntnisse an oder schwärmt blind vor sich hin,
sondern arbeitet sich auch sehr persönlich am Mysterium Bach ab, verliert sich nie in Nebensächlichkeiten, sondern konzentriert sich auf die Hauptfrage:
wer war dieser rätselhafte Mann, unscheinbar, uneitel, um 1800 wieder nahezu vergessen, der ein so reiches und überwältigendes Werk schuf, von dem
alle grossen folgenden Komponisten nur in den höchsten Tönen sprachen? Rueb wählt viele Wege, um sich dem zu nähern, verliert sich nie in metaphysischen
Spekulationen (etwa über Bach als Komponist der Sphärenharmonien etc.), hebt eher die Vielzahl von Todeserlebnissen, Rückschlägen und Kränkungen hervor,
die sein Leben bestimmten und - möglicherweise- seinen Gottesglauben stärkten. So hat Rueb geradezu rührend Details über die vielen verstorbenen Kinder
von Bach recherchiert (Namen, Lebensdauer) und man spürt physisch, wie es wohl war, fast jedes Jahr ein geliebtes Kind zu begraben. Eine Reise in eine ganz
andere Zeit mit ganz anderen Entbehrungen, Härten und Wertvorstellungen als heute. Und mit ganz anderen spirituellen Vorstellungen ebenso.
Ein wunderbares Buch.


Die Grenzgänge des Johann Sebastian Bach: Psychologische Einblicke
Die Grenzgänge des Johann Sebastian Bach: Psychologische Einblicke
von Andreas Kruse
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gut, 11. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein gut recherchiertes, aufschlussreiches und mitunter sehr bewegendes Buch eines Mediziners über mögliche Wurzeln von Bachs Spiritualität, die vor allem in frühen Erfahrungen von Tod und Leid gesehen werden.
Hier ist das Buch am besten: in der sorgfältigen Rückbindung von Musik an biographische Verläufe, in Skizzierungen von Bewältigungsmechanismen, in der Erforschung von Kreativitätsschüben bei Bach gerade infolge von schmerzhaften existenziellen Erlebnissen (Tod seiner ersten Frau, Krankheiten und Demütigungen im Alter etc.) Problematischer sind Auffüllungen von Bachs Gottesbegriff mittels Pythagoras oder Plotin, die Bach durch die "Correspondierende Societät" in Leipzig kennengelernt haben soll. Ob Bachs späte Fugen die Sphärenharmonien von Pythagoras spiegeln, eine göttliche Ordnung harmonischer Abläufe, in die seine Seele dann nach dem Tod auch wieder "gnostisch" aufsteigen wollte, bleibt eher Vermutung. Bach glaubte an Gott und sicher auch an ein Eintreten der Seele in eine höhere, geistige Schöpfungsordnung. Wie diese aber aussah, muss offen bleiben und macht auch das unauslotbare Mysterium des Komponisten aus. Die Frische, Dynamik und Unvorhersehbarkeit seiner Musik verträgt sich nicht gut mit regelmässigen Planetenbewegungen oder mathematischen Zahlenkombinationen. Dazu ist sie zu sinnlich, wild, innovativ und spielerisch. Das Hören von Bachscher Musik lässt einen eher an einen dynamischen, aus der schieren Überfülle schaffenden Gott denken, als an eine feste, determinierende Ordnung. Das macht auch seine Modernität aus. Insgesamt aber bietet Kruse eine Fülle von Anregungen und interessanten, auch aus aktueller Wissenschaft gespeisten Erkenntnissen und Denkerweiterungen. Die grosse Liebe des Autors zu Bach verleiht dem Buch ausserdem einen lebendigen und warmen Ton, was es sehr gut lesbar macht.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 4, 2013 1:39 PM MEST


Mystik und Widerstand. "Du stilles Geschrei"
Mystik und Widerstand. "Du stilles Geschrei"
von Dorothee Sölle
  Taschenbuch

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grandios und wichtig, 18. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dies ist eines der wichtigsten Bücher zum Problem einer zeitgenössischen Spiritualität - und es sollte bald wieder als Neuauflage erscheinen.
Gerade in einer Zeit, wo der Kirche ihre Schäfchen scharenweise weglaufen, entweder zur Esoterik oder in den Atheismus, wird so ein Entwurf wieder nötig,
da er die Frische und den individuellen Zugang mystischer Gotteserfahrungen lebendig vermittelt. Mystiker haben nie irgendwelche Dogmen nachgebetet,
sondern erlebten Gott als spontane Erfahrung des Einswerdens, als ekstatisches Erlebnis, das auch von Natur-, Musik- und Liebeserfahrungen ausgelöst werden kann.
Überdies waren sie oft Häretiker und standen in Konflikt mit den Kirchenoberen. Gerade wegen ihres unorthodoxen, individuellen und erlebnisbezogenen Zugangs
konnten sie nicht zu allem Ja und Amen sagen, was die Amtskirche vorschrieb. Manche, wie die französische Mystikerin Margareta Porete wurden sogar wegen
ihrer als ketzerisch empfundenen Äusserungen verbrannt. Dorothee Sölle erinnert uns an eine lange Reihe von Menschen, die durch ihre mystischen Erfahrungen
auch zu politischem und sozialem Widerstand inspiriert wurden - und die auch für sie selbst zum Vorbild wurden. Sölle selbst war wohl keine Mystikerin, aber
vermittelte in ihrer wunderbaren, oft poetischen Sprache viel vom tief bewegenden und aufrührerischen Potential mystischer Erfahrung.


Faust
Faust
DVD ~ Johannes Zeiler
Preis: EUR 17,95

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk, 23. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Faust (DVD)
Dieser Film ist ein Meisterwerk, weil er 1) etwas wagt und dies 2) in einer so nie gesehenen Filmsprache umsetzt. Scheinbar respektlos nimmt sich der Regisseur ein Heiligtum der deutschen Kultur vor, lässt dabei auch noch Goethes Sprache ausser Acht und bürstet es dermassen gegen den Strich, dass am Ende doch wieder eine Grundabsicht des FAUST zum Vorschein kommt: die zur Hybris gesteigerte Rastlosigkeit eines Suchers und Grüblers, der von einem Fettnäpfchen ins andere tappt, ohne Erlösung und ohne das gefunden zu haben, "was die Welt im Innersten zusammenhält". Das krasse Gegenteil von abgefilmtem Theater oder auf modern getrimmtem Zeitgeist-Klassiker, eine ganz eigene "russische" Version, mit Mut zum Düsteren, Verwinkelten, Schmutzigen altdeutscher Kleinstadtgassen und ihrer schrägen Bewohner. Ein Film wie ein Traum, besser noch Albtraum der deutschen Seele, mit einer ganz eigenen visionären Qualität.


Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs]
Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs]
DVD ~ Volker Bruch
Preis: EUR 9,99

68 von 153 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Seifenoper, 22. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs] (DVD)
Man kann nicht sagen, dass dieser Film schlechte Unterhaltung war. Die Schauspieler haben passable Leistungen vollbracht, ein guter Kameramann war nahe an ihnen dran. Aber je länger ich zuschaute, desto mehr tauchte ein Gefühl von Argwohn in mir auf: Kann es nicht sein, dass es inzwischen zu einer grassierenden Mode geworden ist, das dramatische Potential der Nazizeit auszubeuten, um einfach nur Quote und grosses Geld zu machen? Vor allem der Produzent Nico Hofmann versucht dies mit Filmen wie "Stauffenberg", "Dresden", "Hindenburg", "Rommel", bald auch "Leni Riefenstahl" und jetzt "Unsere Mütter, unsere Väter" immer wieder. Und zwar mit dem edel klingenden Vorwand, Aufklärung, Geschichtsaufarbeitung zu betreiben. Mein Vater gehörte auch zu den jungen Leuten, wie sie im Film zu sehen sind, aber er und seine Genossen waren ganz anders, sahen anders aus, sprachen anders - verklemmter, nicht so locker wie die Jungs im Film, die Kinder von Popmusik, Filmen und IPhone-Kultur sind, die von den Befreiungsschlägen der Studentenrevolte und der Emanzipation geprägt sind und einfach den autoritären Geist der Hitlerzeit nicht in den Knochen haben. Ich hege grosse Skepsis gegenüber historischen Spielfilmen, weil sie immer verfälschen müssen.
Die Fotos, Feldpostbriefe und Erzählungen meines Vaters haben mir wesentlich mehr vom zweiten Weltkrieg und seinen enthumanisierenden Tendenzen gezeigt als dieser "teuerste ZDF-Film aller Zeiten". Überall ist zuviel Klischee, um eben bloss die Quote des in diesem Fall parallel laufenden Tatort zu toppen. Dauernd passiert etwas Spektakuläres, um den Zuschauer bei der Stange zu halten, Sex, Swingmusik, Gewaltorgien, viel rote Farbe, Geschrei, Knallerei, sentimentale Rührstücke, um eben den Über-Tatort zu haben. Und alle Medien ziehen mit, Professoren äussern sich zur Wichtigkeit des Themas, obwohl es schon die Hauptfrage der Studentenbewegung vor 40 Jahren an unsere Eltern war: Was habt ihr da gemacht? Warum erzählt ihr so wenig? Wieso soll das auf einmal heute - 2013 - so brandaktuell sein? Viel interessanter sind doch Fragen nach der Struktur heutiger Kriege, z.B. im Irak oder Afghanistan, was dort junge Menschen durchleben, wie sie traumatisiert werden. Der Zweite Weltkrieg ist bereits in Tausenden von Filmen und Büchern aufgearbeitet worden, warum muss er immer wieder herhalten für aufwändig produzierte Fernsehthriller? Weil der Produzent seine Familiengeschichte aufarbeiten muss? Das ist sehr unglaubwürdig und klingt wie eine Rationalisierung viel niedrigerer Motive: Er will im Gespräch bleiben, die Macht verspüren, für eine Woche eine ganze Medienlandschaft im Griff zu haben, viel Geld verdienen (verkauft seine Filme in 80-100 Länder!) und ein bisschen deutsches Hollywood produzieren etc. Wer etwas wirklich Authentisches über den Zweiten Weltkrieg erfahren will, ist bei Büchern und Dokumentarfilmen besser aufgehoben, als bei diesen modernen Seifenopern, die wahrscheinlich in einem halben Jahr wieder vergessen sein werden ...
Kommentar Kommentare (14) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 26, 2013 9:37 PM MEST


Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen
Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen
DVD ~ Barbara Sukowa
Preis: EUR 11,33

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Misslungen, 12. Dezember 2012
War nicht Hildegard von Bingen eine Mystikerin, die in wunderbaren Gesängen und Gedichten das Mysterium Gottes umkreiste?
Davon ist im Film nichts zu spüren. Er konzentriert sich ganz auf das Irdische, wohl aus Angst, in die Esoterikecke abzudriften.
Aber Hildegard war nun mal keine Vorläuferin von Alice Schwarzer oder Rosa Luxemburg, sondern eine Sängerin, Poetin, die in ekstatischen
Formen Transzendenzerfahrungen zu umschreiben versuchte. Das kann man nicht einfach so heruntersäkularisieren, bis nichts mehr übrigbleibt.
Aufregend wäre die Suche nach filmischen Ausdrucksformen gewesen, die das mystische Element - ohne Kitsch- und Esoteriknähe - visualisieren.
Das ist möglich. Wenn man es nicht schafft, sollte man auch keinen Film über diese bemerkenswerte Frau drehen.


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