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Rezensionen verfasst von
¤nigma
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Beautiful Joe
Beautiful Joe
Preis: EUR 1,74

4.0 von 5 Sternen Auch heute noch aktuell und lesenswert!, 27. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beautiful Joe (Kindle Edition)
Zum Inhalt
"Autor" dieser fiktiven Autobiographie ist der Hund "Beautiful Joe", der von seinem ersten Herrchen grausam misshandelt und dann von einem jungen Mann gerettet und der tierlieben Familie Morris übergeben worden ist. Diese Familie hat eine für das ausgehende 19.Jahrhundert eher ungewöhnliche Einstellung zu Tieren und betrachtet diese nicht als minderwertige Wesen, sondern als Geschöpfe Gottes, die ebenso Respekt und gute Behandlung verdienen wie Menschen. Der Ich-Erzähler und Protagonist Joe schließt sich besonders eng an die Tochter des Hauses, Miss Laura, an, der er ein loyaler Gefährte wird. Als alter Hund blickt er zurück auf sein zwölf Jahre währendes glückliches Leben bei "seiner" Familie.
Laut der Autorin Margaret Marshall Saunders beruht die Geschichte auf einem wahren Fall.

Beurteilung
Beautiful Joe schildert nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das der anderen Tiere auf den Farmen der Familien Morris und Wood (Cousins der Morrises). Beide Familien lieben Tiere und die Kinder sind bei der Tierschutzorganisation "Bands of Mercy" aktiv. Joe gibt die Erzählungen wieder, die in der Familie und innerhalb der Organisation die Runde machen: Dabei ist von vielen verschiedenen Tierarten die Rede, anhand derer sich deutlich erkennen lässt, dass auch Tiere Gefühle und eine gewisse Art von Intelligenz besitzen. Es wird auch darüber diskutiert, ob Tiere eine Seele besitzen und nach ihrem Tod in den Himmel kommen können. Des Weiteren beschäftigt sich das Buch mit dem Thema der kommerziellen Nutzung von Tieren. Die Tötung/ Schlachtung von Nutztieren wird nicht abgelehnt, es wird jedoch für "humane" Tötung plädiert, in jedem Fall sollen die Tiere möglichst keine Angst und Qualen leiden und ihre Würde respektiert sehen.
Stellenweise ist das Buch sehr traurig und für einen Tierfreund schwer verdaulich. Immer wieder wird der Ausdruck "dumb animals" benutzt, der zeigt, welchen Stellenwert Tiere im 19.Jahrhundert innehatten: Sie wurden als niedere Lebewesen gesehen, die man wie Gegenstände behandeln, bzw. nach Gutdünken misshandeln konnte. Heutzutage mag dieses Buch ein wenig pathetisch wirken, damals war es mit Sicherheit ein äußerst innovatives Werk, das bei den meisten Menschen erst das Bewusstsein für die bestehenden Missstände weckte und zu einem anderen Umgang mit den vermeintlich geringeren Kreaturen aufrief. Insofern kann die Bedeutung dieses Romans wohl kaum überschätzt werden.

Fazit
Ein Plädoyer für die humane Behandlung von Tieren, auch 122 Jahre nach der Erstveröffentlichung noch aktuell und lesenswert!
4,5 Sterne


Er sieht dich: Thriller
Er sieht dich: Thriller
von Sinéad Crowley
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Sehr gelungenes Debüt!, 22. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Er sieht dich: Thriller (Taschenbuch)
Zum Inhalt
Yvonne ist mit ihrem Mann Gerry aus London in dessen Heimat Irland gezogen. Während ihr Mann beim Fernsehsender Ireland 24 als Produktionsleiter einer erfolgreichen Show fast rund um die Uhr arbeitet, ist Yvonne mit der erst wenige Monate alten Tochter Róisín zuhause. Die ständige Verfügbarkeit und das nächtliche Stillen ermüden sie sehr, sie hat keine Energie zum Ausgehen und fühlt sich in der ihr noch fremden Stadt ziemlich vereinsamt. Umso glücklicher ist sie, als sie auf ein Internetforum namens "Netmammy" stößt, in dem sie sich mit Frauen in vergleichbarer Situation austauschen kann. Immer häufiger ist sie online und fühlt sich den anderen Forenmitgliedern zunehmend verbunden, die zum Teil recht naiv sind und gar nicht bemerken, wie viel sie im Laufe der Zeit von sich preisgeben.
Detective Sergeant Claire Boyle ist schwanger, sieht es jedoch nicht ein, aufgrund ihres wöchentlich beschwerlicher werdenden Zustandes beruflich kürzer zu treten. Als in Dublin die Leiche einer bereits seit zwei Wochen vermissten jungen Frau aufgefunden wird, stürzt sie sich voller Engagement und bis zur totalen Erschöpfung in die Ermittlungen, die zunächst im Sande zu verlaufen scheinen. Erst als Claire wegen eines Zusammenbruchs krankgeschrieben wird, sich zuhause zu Tode langweilt und im Internet auf das Forum "Netmammy" stößt, schlagen die Ermittlungen eine neue Richtung ein. Fassungslos beobachtet Claire, wie unklug viele Menschen im Internet agieren und sie erkennt, dass sie möglicherweise einen schweren Fehler begangen hat, als sie bei der Mordermittlung einen Hinweis auf genau dieses Forum als Spinnerei abgetan hat.

Beurteilung
"Er sieht dich" kommt ohne typische Thrillermerkmale wie brutale, reißerische Szenen und übertriebene Cliffhanger aus, dennoch ist das Buch unglaublich fesselnd. Die Spannung nährt sich gerade aus dem Alltäglichen, das hier sehr authentisch dargestellt wird. "Netmammy" ist ein typisches Internetforum für junge Mütter, in dem diese sich gegenseitig mit Rat und Trost zur Seite stehen. Wie in den meisten solcher virtuellen Gruppen gibt es Mitglieder, die alles für bare Münze nehmen und nicht auf den Gedanken kommen, dass solche Foren Kriminellen eine wahre Fundgrube an Informationen bieten. Jeder Leser, der selbst in einem Forum aktiv ist, wird sich weitgehend mit der Protagonistin Yvonne identifizieren können.
Der Fall ist sehr geschickt und am Ende auch nachvollziehbar konstruiert. Zu Beginn rätselt der Leser über die Motivation des Täters und kann die Todesfälle nicht in einen sinnvollen Zusammenhang bringen, erst nach und nach folgen Informationen, die den Verdacht sowohl des Lesers als auch der ehrgeizigen Ermittlerin in eine ganz andere Richtung lenken.
Die Gestaltung der Charaktere ist glaubwürdig, ebenso realistisch ist die Schilderung der Lebenssituation junger Mütter zwischen dem Anspruch, eine "perfekte Mutter" sein zu wollen und der daraus resultierenden Überforderung und Erschöpfung, die zu einem Nachlassen der Wachsamkeit führen können.
Auch in Bezug auf den Erzählstil ist der vorliegende Thriller sehr ansprechend. Die Sprache der Autorin ist anschaulich und besonders im Hinblick auf den Kommunikationsstil heutiger Internetforen sehr authentisch. Es wäre durchaus wünschenswert, wenn die Leser sich nach der Lektüre dieses beeindruckenden Debüts dazu veranlasst sähen, ihr Verhalten in sozialen Netzwerken zu überdenken.

Fazit
Ein äußerst lesenswerter, realistischer und weitgehend unblutiger Thriller, dessen Spannung vor allem darauf beruht, dass sehr viele Leser sich in die Situation der Protagonistin versetzen können.


Schlafende Hunde - Inspector Rebus 19: Kriminalroman (DIE INSPEKTOR REBUS-ROMANE, Band 19)
Schlafende Hunde - Inspector Rebus 19: Kriminalroman (DIE INSPEKTOR REBUS-ROMANE, Band 19)
von Ian Rankin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Intelligent konstruiert, am besten mit "Vorkenntnissen" zu genießen, 15. März 2015
Zum Inhalt
Vor 30 Jahren wurde Rebus als junger Detective Constable einer Gruppe von Kollegen an der Polizeiwache Summerhall zugeteilt. Die dort tätigen Polizisten waren nicht immer mit den Grenzen einverstanden, die das Gesetz ihnen bei der Bearbeitung ihrer Fälle auferlegte. Sie bildeten eine Art geheimen Bund ("Saints of the Shadow Bible"), um der Gerechtigkeit mit unkonventionellen Methoden zum Sieg zu verhelfen.
Im Jahr 2013 sollen die Ermittlungen im Fall des Mordverdächtigen Billy Saunders, dem damals der Mord an einem Kriminellen nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, wieder aufgenommen werden. Rebus' ehemalige Kollegen stehen im Verdacht, Beweise gegen diesen Mann unterschlagen zu haben.
John Rebus, der nach seiner Rückkehr in den Polizeidienst zum Detective Sergeant degradiert wurde und jetzt seiner Kollegin Detective Inspector Siobhan Clarke unterstellt ist, soll als ehemaliger Angehöriger der "Saints" bei den Ermittlungen helfen, auch wenn er dabei unweigerlich in Loyalitätskonflikte geraten wird.
Doch auch die Gegenwart hält genügend Ermittlungsarbeit bereit: Es gibt einen Autounfall, bei dem offenbar nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist, zu untersuchen. Des Weiteren wird ein prominenter Politiker bei einem Einbruch getötet und schließlich werden zwei weitere Tote aufgefunden.
Rebus arbeitet mit Malcolm Fox, einem ihm bisher eher unangenehmen Kollegen von der Internen Ermittlung zusammen, den er im Laufe der gemeinsamen Arbeit immer mehr zu respektieren lernt. Bald schon keimt in ihnen der Verdacht, dass die aktuellen Fälle mit den Ereignissen von vor 30 Jahren in Zusammenhang stehen könnten.

Beurteilung
Der Roman ist in seiner Handlung, die aus verschiedenen, zunehmend aufeinander zulaufenden Strängen auf zwei zeitlichen Ebenen (80er Jahre, 2013) zusammengesetzt ist, sehr komplex. Auch das Beziehungsgeflecht zwischen Rebus und seinen damaligen Kollegen einerseits und zwischen ihm und seinen gegenwärtigen Kollegen und Konkurrenten andererseits ist ohne Kenntnis der vorherigen Bände der Reihe nicht so einfach zu durchschauen.
Es gelingt dem Autor, diese Fäden souverän zu einem nachvollziehbaren Ganzen zusammenzuführen. Man kann darüber diskutieren, ob alles, was über die Vorgänge in der Vergangenheit geschildert wird, ein realistisches Bild der schottischen Polizei dieser Zeit zeichnet, auf jeden Fall wird deutlich, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse auch in der Polizeiarbeit nicht so klar strukturiert sind, wie es wünschenswert wäre.
Der Erzählstil des Autors ist anschaulich, allerdings auch etwas sprunghaft, sodass es einige Konzentration erfordert, über die ganzen Romanfiguren und ihre Beziehungen untereinander den Überblick zu behalten. Die Handlung zeichnet sich nicht durch große Spannung aus, es gibt keine brutalen reißerischen Szenen, das Augenmerk liegt vielmehr auf solider Ermittlungsarbeit. Die Charaktere der Romanfiguren sind realitätsnah gestaltet.

Fazit
Ein intelligent konstruierter Kriminalroman, der eher Freunde ruhigerer Krimis ansprechen und sich Lesern mit Kenntnis der vorhergehenden Bände leichter erschließen dürfte.


Nacht über Reykjavík: Island Krimi
Nacht über Reykjavík: Island Krimi
von Arnaldur Indriðason
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

4.0 von 5 Sternen Realistisch und unspektakulär (3,5 Sterne), 15. März 2015
Zum Inhalt
Das in Deutschland zuletzt erschienene Buch aus der Reihe um Erlendur Sveinsson ist eine Prequel zur Serie und schildert die Zeit der Siebzigerjahre, als Erlendur gerade erst bei der Polizei als Streifenpolizist angefangen hat. Mit zwei Kollegen ist er nachts unterwegs und bekommt es mit unterschiedlichen Einsätzen zu tun: Das Team wird zu Unfallorten gerufen, gelegentlich müssen Betrunkene und Drogensüchtige gebändigt werden, auch Einsätze wegen Ruhestörung, häuslicher Gewalt und Einbruchs sind nicht selten. Im Rahmen seiner Tätigkeit lernt Erlendur auch Obdachlose kennen. Als Hannibal, einer von ihnen, tot in einem Tümpel aufgefunden wird und dem Todesfall seitens der Polizei keine große Aufmerksamkeit geschenkt wird, da man von einem Unfall im betrunkenen Zustand ausgeht, beschließt Erlendur, eigene Ermittlungen anzustellen. Er ist nicht davon überzeugt, dass beim Tod von Hannibal alles mit rechten Dingen zugegangen ist, zumal am selben Tag in derselben Gegend eine junge Frau verschwand, die nicht wieder aufgetaucht ist. Könnten der mysteriöse Todesfall und der Vermisstenfall zusammenhängen? Erlendur ermittelt sowohl im bürgerlichen Umfeld der verschwundenen Frau als auch im Obdachlosenmilieu.
Aus Erlendurs Privatleben wird eher am Rande seine Freundschaft mit Halldóra thematisiert. Während ihm eine lockere Beziehung reicht, möchte Halldóra allmählich eine Entscheidung darüber herbeiführen, ob und wie die Beziehung weitergehen soll.

Beurteilung
Das erste Wort, das bei diesem Roman in den Sinn kommt, ist "unspektakulär". Erlendurs Leben ist hauptsächlich vom Rhythmus seiner Nachtschichten geprägt, die sich im Rahmen der üblichen Bandbreite an Vorfällen (Kleinkriminalität und Unfälle) bewegen. Die Schilderung dieser Vorfälle ist realistisch und gewährt einen Einblick in das Alltagsleben im Reykjavik der Siebzigerjahre.
Die beiden speziellen Fälle, die Erlendur beschäftigen, verfolgt er in seiner ruhigen, gemächlichen aber auch beharrlichen Art. Seine Ermittlungen sind solide, ihre Realitätsnähe bringt es aber mit sich, dass nur langsam neue Erkenntnisse gewonnen werden, was einen gewissen Mangel an Spannung zur Folge hat.
Der Erzählstil ist angenehm und flüssig, Erlendur ist hier noch nicht so "melancholisch" wie in seinen späteren Dienstjahren. Allerdings ist er trotz seines Engagements auch nicht gerade ein Ausbund an Temperament.
Insgesamt ist "Nacht über Reykjavik" eher eine Erzählung als ein Krimi, zumal die Krimihandlung relativ vorhersehbar ist. Freunde von Spannungsliteratur werden hier zu kurz kommen.

Fazit
Realistisch und anschaulich, aber sehr "unspektakulär", eher für Freunde nordischer Erzählungen als für Krimifans geeignet!


Irisches Verhängnis: Kriminalroman
Irisches Verhängnis: Kriminalroman
von Hannah O'Brien
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vielversprechender Beginn einer neuen Krimireihe!, 15. März 2015
Zum Inhalt
Grace O'Malley, Tochter eines bereits verstorbenen irischen Vaters und einer dänischen Mutter, kehrt nach fünf Jahren in Dänemark nach Galway zurück. Ihr Onkel, der einflussreiche Politiker Jim O'Malley, sorgt dafür, dass sie in Galway eine führende Position bei Garda (irische Polizei) bekommt, was ihr gleich die Feindschaft eines ihretwegen übergangenen Mitarbeiters einbringt. Generell scheinen Frauen in Chefposition in Irland eher ungewöhnlich zu sein, sodass es für Grace nicht leicht ist, sich in ihrem ersten Fall den Respekt der Kollegen zu erarbeiten. Glücklicherweise findet sie in dem gutmütigen Kollegen Rory Coyne und dem Privatdetektiv Peter Burke loyale Mitarbeiter.
Graces erster Fall erweist sich als weitaus komplexer als es zunächst den Anschein hat. Eine junge Doktorandin der Meeresbiologie wird im Wagen einer Geisterbahn ermordet aufgefunden. Ermittlungen in ihrem Umfeld ergeben, dass die junge Frau neben ihrem Studium und der Promotion noch diverse Putzstellen bei einflussreichen Bürgern, darunter auch Jim O'Malley, inne hatte, um ihre Eltern und ihre behinderte Schwester finanziell zu unterstützen. Auf ihrem Konto befindet sich jedoch mehr Geld als man normalerweise durch eine Putztätigkeit verdient. Während Grace und ihre Mitarbeiter damit beschäftigt sind, die Eltern, die Freundin und die Arbeitgeber der Ermordeten zu verhören, werden zwei dieser ehemaligen Arbeitgeber ermordet.
Als hätte Grace mit den drei Morden nicht genug zu tun, ist sie auch noch einer belastenden familiären Situation ausgesetzt. Ihre uneheliche vierzehnjährige Tochter Roisin, die bei Graces Bruder und dessen Frau aufwächst, ist plötzlich verschwunden. Grace gerät in einen Gewissenskonflikt: Einerseits soll in Irland die Familie für jeden Menschen die oberste Priorität haben, andererseits will sie ihren Gegnern im Morddezernat keine Munition liefern, indem sie eine so wichtige Mordermittlung mit prominenten Opfern wegen privater Angelegenheiten vernachlässigt...

Beurteilung
Der Kriminalfall im ersten Band der geplanten Serie um Grace O'Malley ist sehr komplex. Der Mord an der jungen Meeresbiologin ist nur die Spitze eines unauslotbaren Eisbergs und führt immer weiter ins Geflecht eines sehr verzwickten Falles, denn es zeigt sich bald, dass die wichtigsten Personen im Umfeld der Toten ihre unterschiedlichen Geheimnisse haben und es einen Zusammenhang zwischen ihren Machenschaften geben muss, auch wenn oberflächlich betrachtet der einzige gemeinsame Nenner die Anstellung derselben Putzhilfe ist. Aufgrund der vielen Romanfiguren und der intelligent konstruierten, verschachtelten Handlung wäre ein vorangestelltes Personenverzeichnis hilfreich gewesen. Auch eine Landkarte Irlands als Anhang wäre wünschenswert gewesen, denn die Romanfiguren sind sehr mobil und es ist für einen Leser, der kein Kenner Irlands ist, nicht einfach den Wegen der Ermittler und Verdächtigen zu folgen. Die Lektüre erfordert dementsprechend eine Menge Konzentration.
Ein zentrales Thema des Romans bildet die irische Auffassung von der Familie als "höchstem Gut", in deren Angelegenheiten sich Außenstehende nicht einzumischen haben, was nicht ausschließlich positiv ist - schließlich führt diese Einstellung dazu, dass Konflikte unter den Teppich gekehrt werden und bei Krisensituationen bewusst weggesehen wird. Die unterschiedlichen Facetten dieser immer wieder aufgegriffenen Thematik zeichnen ein interessantes Bild der irischen Gesellschaft.
Die Protagonistin Grace O'Malley ist ein interessanter Charakter, ihre eigene konfliktbeladene familiäre Situation bietet Potential für weitere Bände der Reihe.
Gelungen sind auch die Beschreibungen der Landschaft mit den eindrucksvollen Schilderungen der Naturgewalten, durch die Wanderer durch plötzlich aufziehende Unwetter unvorhergesehen in Gefahr geraten können und an vielen Orten kein Handynetz haben, um Hilfe zu organisieren.
Die Spannungskurve steigt erst in der zweiten Hälfte des Romans merklich an, insgesamt verzichtet die Autorin auf explizite Darstellungen von Gewalt, der Krimi ist also durchaus für "sensiblere" Leser geeignet.

Fazit
Ein intelligent konstruierter und trotz zahlreicher Todesfälle eher ruhiger Kriminalroman, nicht nur für Freunde und Kenner Irlands empfehlenswert!


Bella Clara: Roman (Die Jahrhundertwind-Trilogie, Band 3)
Bella Clara: Roman (Die Jahrhundertwind-Trilogie, Band 3)
von Petra Durst-Benning
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungener Abschluss der Jahrhundertwind-Trilogie! 4,5 Sterne, 10. März 2015
Zum Inhalt
Der vorliegende Roman ist der Abschlussband der Jahrhundertwind-Trilogie um die Freundinnen Josefine ("Solang die Welt noch schläft"), Isabelle ("Die Champagnerkönigin") und Clara ("Bella Clara").
Während Josefine und Isabelle bereits ihren Weg gefunden haben, befreit sich die Apothekertochter Clara nach vielen unglücklichen Jahren aus der Ehe mit dem dominanten und gewalttätigen Arzt Dr.Gerhard Gropius. Aus ihren Plänen, eine Anstellung in einer Apotheke anzunehmen, wird nichts, denn in Berlin ist Clara als schuldig Geschiedene - sie musste sich als Ehebrecherin ausgeben, um überhaupt eine Scheidung zu erwirken - gesellschaftlich ruiniert. Ohne Unterhaltsanspruch und ohne ihre geliebten Kinder, die beim Vater bleiben, verlässt Clara Berlin und fährt nach Meersburg, wo Lilo,eine weitere Freundin der jungen Frau (aus Band 1), inzwischen ein Hotel führt. Dort baut sie im Laufe der nächsten sechs Jahre, im bescheidenen Rahmen beginnend mit der Herstellung einer Pflegecreme für wohlhabende Damen ein Kosmetik-Imperium auf. Ihr Weg ist nicht leicht und von gelegentlichen Rückschlägen geprägt, doch auch in Meersburg findet Clara treue Freunde, die sie bei ihrem Vorhaben unterstützen. Selbst ihre Freundinnen Josefine und Isabella in Berlin und Frankreich stehen ihr mit Rat (brieflich) und Tat (Besuche) zur Seite.

Beurteilung
Nach eigener Aussage im Nachwort möchte die Autorin mit diesem Roman "Schönheitsköniginnen" wie Elizabeth Arden und Estée Lauder, die Weltunternehmen geschaffen haben, ein Denkmal setzen. Dementsprechend ist die Herstellung von Pflegecremes und Gesichtswasser von der Zusammenstellung per Hand bis zur Manufaktur mit vielen Mitarbeitern das beherrschende Thema des Romans. Damit geht auch die wesentliche Thematik der Jahrhundertwind-Trilogie einher: der Anbruch neuer Zeiten mit mehr Freiheiten für die Frauen. Zu einer Zeit, als Frauen rund um die Uhr als Hausfrauen, Ehefrauen und Mütter für Andere im Einsatz sind und ihr eigenes Wohl nicht im Blick haben, ist der Gedanke an eine Auszeit nur für sich selbst geradezu revolutionär. In Claras Kosmetiksalon lassen die Frauen sich verwöhnen und finden Entspannung, außerdem bekommen sie Tipps zur Stärkung ihrer Gesundheit, die heutzutage zum Allgemeinwissen gehören (Bewegung an frischer Luft, Schwimmen etc.)
Auch die anderen weiblichen Romanfiguren in Claras Umwelt sind beispielhaft für eine Zeit, in der die Frauen sich aus der Abhängigkeit von und Bevormundung durch die Männer befreien. Sicherlich sind nicht alle Details immer glaubwürdig, manchmal läuft es für Clara und ihre Mitstreiterinnen etwas zu glatt, dennoch bekommt der Leser einen guten Einblick in die Zeit des frühen 20.Jahrhunderts mit ihrer "Aufbruchstimmung" der Frauen.
Die Charakterisierung der Figuren ist gut gelungen, Clara wird nicht plötzlich zur perfekten Frau, sondern macht trotz ihrer Klugheit und Entschlossenheit gerade im zwischenmenschlichen Umgang mit dem männlichen Geschlecht noch Fehler.
Der Erzählstil des Romans ist sehr anschaulich und erweckt im Leser den Wunsch, selbst einmal einen Erholungsurlaub am schönen Bodensee zu genießen.

Fazit
"Bella Clara" ist ein Roman, der vornehmlich weibliche Leser ansprechen dürfte, er bietet fesselnde Unterhaltung und interessante Einblicke in die Frühzeit der Kosmetikindustrie. Ein gelungener Abschluss einer insgesamt gelungenen Trilogie!


Vor dem Abgrund: Historischer Roman
Vor dem Abgrund: Historischer Roman
von Tom Finnek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Fesselnde Unterhaltung vor gut recherchiertem Hintergrund, 6. März 2015
Zum Inhalt
Nachdem die sechzehnjährige Celia Brooks ihre Mutter Mary an den Typhus verloren hat, begibt sie sich auf die Suche nach ihrem vor Jahren "verschollenen" Vater Ned, einem Seemann, der die Familie im Stich gelassen hat und sich Gerüchten zufolge in London aufhalten soll. Dem naiven Mädchen, das nur einen Koffer und wenig Geld sein Eigen nennt, drohen in London viele Gefahren, zu ihrem großen Glück wird sie von einem jungen Soldaten der Heilsarmee aus einer brenzligen Situation gerettet und findet im Frauenheim der Heilsarmee zunächst Unterschlupf.
In einer gänzlich anderen, aber auf ihre Art ebenso bedrückenden Situation befindet sich Rupert Ingram, der jüngste Sohn des wohlhabenden Hoteliers Harvey Ingram. Er soll mit der Nichte eines reichen Brauereibesitzers verheiratet werden und in dessen Brauerei eine leitende Position übernehmen. Rupert ist in keiner Weise an dem ihm vorgegebenen Weg interessiert und verkehrt lieber inkognito in den Spelunken Whitechapels.
Während sich Celia im Londoner East End beharrlich auf die Suche nach ihrem Vater macht, kreuzen sich ihre Wege mit denen von Rupert Ingram...

Beurteilung
Schon das äußerst schöne Cover mit einer Aufnahme einer Londoner Straße im 19.Jahrhundert und der Stadtplan des East Ends im vorderen und hinteren Einband wecken große Erwartungen hinsichtlich des Romans, die nicht enttäuscht werden. Die Geschichte der jungen, naiven Celia, ihres verantwortungslosen Vaters Ned und des zunächst ebenso oberflächlichen wie vergnügungssüchtigen Rupert ist in einen ausgezeichnet recherchierten Hintergrund eingebettet. Der Leser fühlt sich durch die abwechselnden Erzählstränge über die drei Hauptfiguren nicht nur sehr fesselnd unterhalten, sondern taucht geradezu in die Atmosphäre Londons im ausgehenden 19.Jahrhundert ein. Alkoholismus, Perspektivlosigkeit und Verkommenheit im Armenviertel stehen den Aktivitäten der Salutisten der Heilsarmee gegenüber. Die Mitglieder der Heilsarmee versuchen nicht nur penetrant zu missionieren, was die erbitterte Gegenwehr der sogenannten Skeleton Army (von Brauern und Schankwirten angeheuerte Pöbler) provoziert, sondern bieten auch tätige Hilfe für die Unterprivilegierten, die sie von der Straße holen und zu sinnvollen Beschäftigungen verleiten wollen. Besonders werden hier die Tätigkeiten von Florence Soper Booth (1861 - 1957, Zweiter General der Heilsarmee) und ihrer Schwägerin Captain Eva(ngeline) Booth (1865 - 1950) geschildert.
Auch andere historisch verbürgte Romanfiguren treten auf: der Dichter Algernon Swinburne und der skandalträchtige Maler Simeon Solomon, dem eine wichtige Rolle im Roman zukommt. Auch die Untaten des Frauenmörders Jack the Ripper werden thematisiert, stehen jedoch nicht im Zentrum des Geschehens. Aufgrund der Komplexität des Romans wäre es hilfreich gewesen, im Personenverzeichnis historische und fiktive Figuren eindeutig zu kennzeichnen. Auch der Epilog ist in seiner Mischung aus "historischem Nachwort" (Fakten) und dem weiteren Schicksal der Protagonisten (Fiktion) ein wenig verwirrend, allerdings auch sehr originell.
Der Erzählstil ist anschaulich und verrät in den Beschreibungen der Wege seiner Protagonisten die gute Ortskenntnis des Autors.
Bei "Vor dem Abgrund" handelt es sich bereits Tom Finneks dritten Roman zur Londoner Geschichte, alle drei Romane drehen sich um Mitglieder der Familie Ingram, sind aber nur so lose verknüpft, dass sie einzeln gelesen werden können.

Fazit
Ein ausgesprochen empfehlenswerter Roman für Leser, die etwas mehr als nur gute Unterhaltung erwarten! 4,5 Sterne


Stimmen
Stimmen
von Ursula Poznanski
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Uneingeschränkte Leseempfehlung!, 6. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Stimmen (Broschiert)
Zum Inhalt
In der Psychiatrie des (fiktiven) Klinikums Salzburg-Nord hat es einen merkwürdigen Todesfall gegeben: Ein allseits beliebter junger Arzt wird ermordet aufgefunden. Auf der Brust des Toten sind einige Gegenstände in einem seltsamen "Arrangement" abgelegt worden. Beatrice Kaspary und Florin Wenninger haben es diesmal bei ihren Ermittlungen unter anderem mit psychisch Kranken Menschen zu tun, die je nach ihren speziellen Erkrankungen nur schwer zu vernehmen sind. Auf den ersten Blick scheint der Mord das Werk eines psychisch Gestörten zu sein, doch dann ergeben die Ermittlungen Hinweise, die in eine ganz andere Richtung weisen und es kommt auf der Station zu weiteren Todesfällen. Während in Bezug auf den Täter und ein mögliches Tatmotiv in unterschiedliche Richtungen ermittelt wird, engagiert sich Beatrice besonders für eine extrem schwer traumatisierte Patientin. Das Schicksal der nach jahrelanger Gefangenschaft befreiten Jasmin Matheis geht ihr besonders nahe, sie versucht mit größtem Einsatz, die Frau, die nicht spricht und auch sonst in keiner Weise mit ihrer Umwelt kommuniziert, aus ihrer Isolation zu befreien.
Beatrices übermäßiger Arbeitseinsatz führt zu einer erneuten Verschlechterung ihrer Beziehung zu ihrem geschiedenen Mann Achim, nach dessen Ansicht sie ihren Mutterpflichten den beiden Kindern gegenüber nicht ausreichend nachkommt. Auch im Büro gibt es Probleme, nach wie vor hat Beatrice Differenzen mit dem selbstgefälligen Polizeipsychologen Dr.Kossar und dem wenig kompetenten Kollegen Bechner. Nur ihr Kollege Florin, der sich ihr nicht nur dienstlich verbunden fühlt, ist ihr eine Stütze in ihrem fordernden Alltag.

Beurteilung
Wie auch in ihren beiden vorhergehenden Kriminalromanen aus der Reihe um das Ermittlerteam Kaspary & Wenninger spricht die Autorin hier ein aktuelles Thema an: Ging es in den vorherigen Büchern um das neuerdings recht verbreitete Hobby des Geocaching ("Fünf") und die Gefahren des zu offenherzigen Umgangs mit sozialen Netzwerken im Internet ("Blinde Vögel"), so beschäftigt sich dieser Roman mit der Situation traumatisierter Patienten psychiatrischer Stationen, die nicht nur unter ihren eigenen Dämonen, sondern auch unter überarbeiteten und teilweise über-ehrgeizigen Ärzten zu leiden haben. Der gründlich ausgestalteten Schilderung dreier für die Handlung wichtiger Patienten merkt man an, dass die Autorin als ehemalige Medizinjournalistin eigene Erfahrungen aus dem medizinischen Bereich einbringt.
Auch die Geschichte um die Hauptfiguren der Reihe wird gründlich ausgestaltet und in ihrer Entwicklung fortgeführt, sodass es sich empfiehlt, die Bände der Serie in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Sehr glaubwürdig wird das Leben der weiblichen Hauptfigur Beatrice dargestellt, die zwischen Beruf und Mutterrolle ein Gleichgewicht zu finden versucht, sich zu mehr als fünfzig Prozent für die Erziehung ihrer Kinder zuständig fühlt und sich von ihrem Ex-Ehemann Achim ein schlechtes Gewissen machen lässt. Für ihr eigenes Privatleben und die weitere Annäherung zwischen ihr und ihrem Kollegen Florin bleibt wenig Zeit. Nicht nur die Hauptfiguren, sondern auch die anderen schon bekannten Ermittler der Salzburger Polizei werden mit ihren Eigenheiten und persönlichen Schicksalen in die Handlung eingebunden. Im Mittelpunkt steht jedoch der Kriminalfall, der vielleicht nicht in allen Details ganz glaubwürdig ist - zumindest möchte man das hoffen! -, der aber gut durchdacht konstruiert und spannend präsentiert wird, ohne dabei auf plumpe Gewaltszenarios zurückzugreifen. Auch ohne die Schilderung von Brutalität ist der Roman erschütternd genug.
Der Erzählstil ist sehr anschaulich und flüssig, es fällt schwer, dieses Buch aus der Hand zu legen, bevor man es ausgelesen hat. Die gelungene Mischung aus Kriminalfall und der Darstellung des "Zwischenmenschlichen" sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich ergibt eine fesselnde Lektüre.

Fazit
Ebenso erschütternd wie spannend und unterhaltend, eine lesenswerte Fortsetzung der Reihe um das Salzburger Ermittlergespann Kaspary / Wenninger! 4,5 Sterne


Sündenbock: Ein Fall für Schöffin Ruth Holländer
Sündenbock: Ein Fall für Schöffin Ruth Holländer
von Judith Arendt
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Gelungener zweiter Fall für die Schöffin Ruth Holländer, 5. März 2015
Zum Inhalt
Ein Jahr ist seit dem ersten Fall ("Unschuldslamm") vergangen, als die Schöffin Ruth Holländer einem eher unspektakulär wirkenden Prozess zugelost wird. Der Rentner Jürgen Dombroschke soll seine schwer kranke und rundum pflegebedürftige Ehefrau Margit vergiftet haben. Er macht keine Aussage zum Tod seiner Frau, mit deren Leichnam er noch 14 Tage in der Wohnung gehaust hat, aber er scheint seine Frau sehr geliebt zu haben. Ruth Holländer hegt Zweifel an seiner Schuld. Zu ihrem Unglück ist sie mit einem völlig ungeeigneten Mit-Schöffen gestraft, der durch unprofessionelles Verhalten dafür sorgt, dass der Prozess abgebrochen und mit anderen Schöffen von vorn aufgerollt werden muss. Trotz ihrer Entbindung vom Fall geht die Angelegenheit Ruth nicht aus dem Kopf und sie beschließt, wieder einmal eigene Ermittlungen anzustellen, ohne zu wissen, worauf sie sich einlässt...
Auch in Ruths Privatleben geht nicht alles glatt. Ihre Beziehung zum noch verheirateten Staatsanwalt Hannes Eisenrauch wird einer Belastungsprobe ausgesetzt und im Leben ihrer beiden Kinder Lukas und Annika ergeben sich Veränderungen, die für Ruth gewöhnungsbedürftig sind.

Beurteilung
Der zweite Band der Reihe um Ruth Holländer widmet sich wie sein Vorgänger nicht nur dem Kriminalfall, der vor Gericht verhandelt wird, sondern schildert außerdem den Alltag einer berufstätigen und alleinerziehenden Mutter. Dabei werden die Gegebenheiten des Lebens in der gegenwärtigen Gesellschaft sehr authentisch geschildert, die meisten Leser/innen dürften sich in Ruths Situation versetzen können.
Der Fall um die unter bisher nicht geklärten Umständen verstorbene Rentnerin wird ruhig und ohne reißerische Effekte behandelt, bleibt aber dennoch nicht ohne Spannung für den Leser. In Rückblenden entwirft die Autorin das Bild einer nach außen hin ziemlich gewöhnlichen Ehe von den Sechziger Jahren bis in die Gegenwart. Diese zwischen die Kapitel um den Prozess und Ruths eigenmächtige Ermittlungen eingestreuten Rückblicke erlauben einen Einblick in eine durch ein Ungleichgewicht geprägte Beziehung und verleiten den Leser zur Entwicklung von Theorien.
Ein weiterer Handlungsstrang um andere kriminelle Machenschaften, die leider heutzutage nicht außergewöhnlich sind, verzahnt sich zunehmend mit der Haupthandlung und kann erst gegen Ende des Romans dem Gesamtzusammenhang zugeordnet werden, wodurch das Interesse des Lesers wachgehalten wird.
Die charakterliche Ausgestaltung der Figuren ist gelungen, jede Figur ist glaubwürdig. Auch der Erzählstil ist ansprechend: Eher ruhig ohne die Schilderung brutaler Szenen, anschaulich und sehr "zeitgenössisch" macht er den Roman zu guter Unterhaltung für Liebhaber realistischer und unblutiger Kriminalliteratur.
"Sündenbock" kann einzeln gelesen werden, da aber auch der erste Band sehr lesenswert ist und auch Ruths Privatleben eine große Rolle spielt, ist es in jedem Fall empfehlenswert, mit dem ersten Band zu beginnen.

Fazit
Ein gut konstruierter Roman für Freunde ruhiger, aber dennoch fesselnder Kriminalliteratur!
Ich vergebe 4,5 Sterne


The Shadow Princess
The Shadow Princess
von Mary Hart Perry
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,60

3.0 von 5 Sternen Leichte Unterhaltung mit mehr Fiktion als Fakten, 25. Februar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Shadow Princess (Taschenbuch)
Inhalt
Als im Herbst des Jahres 1888 ein Serienkiller, den die Presse bald mit dem Namen Jack the Ripper belegt, in London sein Unwesen treibt, gerät unter anderem Albert Victor, ein Enkel von Königin Victoria, unter Tatverdacht. Dessen Schwester Maud bittet ihre Tante Vicky, älteste Tochter der Königin und Witwe des deutschen Kaisers Friedrich III, nach England zu kommen und dabei zu helfen, die Unschuld ihres Neffen zu beweisen. Vicky reist mit ihrer Tochter Sophie nach England.
Während die beiden Cousinen Maud und Sophie allerlei naive Pläne aushecken, wie sie selbst ermittlerisch tätig werden könnten, wendet sich Vicky an die Polizei. Zwischen ihr und dem Polizeiinspektor Thomas Edmondson entspinnt sich eine Liebesbeziehung, die vermutlich keine Zukunft haben kann...

Beurteilung
Ich habe dieses Buch als kostenloses E-Book heruntergeladen, da ich Romane über Jack the Ripper immer interessant finde. In der Tat sind die Fakten um die Taten des Mörders von Whitechapel und um den Kreis der Verdächtigen gut recherchiert. Die Autorin folgt ihrer eigenen Theorie über die Identität des Killers und hat auch eine Erklärung dafür parat, warum der Öffentlichkeit nichts darüber bekannt geworden ist.
Die Romanfiguren (bis auf Inspector Edmondson) und die Verdächtigung des Prinzen sind historisch faktengetreu, die Liebesgeschichte ist es selbstverständlich nicht. Empress Vicky hätte sich mit Sicherheit nicht mit einem Polizeiinspector eingelassen.
Insofern kann man diesen Roman nicht als seriösen historischen Roman betrachten, selbst wenn Teile davon auf einem wahren Hintergrund beruhen. Der Erzählstil ist jedoch flüssig, anschaulich und lässt auch einen Spannungshöhepunkt nicht vermissen.
Wer sich für Jack the Ripper interessiert und keine allzu hohen Ansprüche an Authentizität in allen Facetten stellt, hat hier leichte Unterhaltung zur Entspannung vor sich.

Fazit
Eine Mischung aus Krimi, historischem Roman und Liebesroman. Leichte Unterhaltung ohne großen Anspruch, jedoch ansprechend geschrieben.


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