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perfectmosi

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Red Line - Mozart (Sinfonien)
Red Line - Mozart (Sinfonien)

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Echter Mozart, 18. Mai 2003
Rezension bezieht sich auf: Red Line - Mozart (Sinfonien) (Audio CD)
Echter Mozart!
Unter den Großen der Dirigenten war Neville Marriner mit seiner Academy eine feste Größe - und sein Schatten reicht noch bis heute in die Plattenläden. Eines unterschied ihn jedoch schon immer von so manchem seiner Kollegen: Keine überschäumenden Erfolge, die ihn nach kurzer Zeit schon vom Olymp des Erfolges in finsterste Tiefen der Unpopularität stürzen ließen, sondern kontinuierliche Präsenz auf höchstem Niveau zeichneten ihn aus.
Das Orchester spielt unter der Leitung seines Dirigenten geradezu begeisternd. Seine offensichtliche Freude am Spiel reißt mit und kommt überzeugend echt beim Hörer an.
Die "Goldene Mitte" zu finden, das war eine Eigenschaft Marriners, die wir bei so manchem Dirigenten heutzutage leider zu oft missen müssen. Keine Extreme, die nur für "gut" befunden werden, sondern "Normalität" die wirklich "gut tut". Die schnellen Passagen werden gespielt und nicht, einem Hochgeschwindigkeitsklischee verzweifelnd nacheifernd, gehetzt. Gleiches gilt umgekehrt für die langsamen Sätze. In sie wird nicht auf Biegen und Brechen, wie so oft, ein Trauermarsch hineininterpretiert, sondern "einfach gespielt", ohne die Musik oberflächlich lassen zu werden. Das ist unzweifelhaft einer der Gründe, der zur positiven Grundstimmung beträgt, die diese CD so attraktiv und empfehlenswert machen.
Insbesondere die Sinfonie Nummer 25, die so oft mit Haydns 26. Sinfonie "Lamentatione" in einem Atemzug gespielt wird, wirkt natürlich, leicht und befreiend - gar nicht so bedrückend, wie sie zum Beispiel Karl Böhm mit den Berliner Philharmonikern interpretiert.
Das ist eine dieser Musiken, die mit auf eine einsame Insel genommen gehören. Nicht anders, nur so, da bin ich überzeugt, hätte es Mozart auch gespielt!


Sämtliche Kantaten Vol.18
Sämtliche Kantaten Vol.18
Preis: EUR 20,79

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein bisher unerreichtes Niveau!, 17. März 2003
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Kantaten Vol.18 (Audio CD)
Wieder eine dieser monumentalen Gesamtaufnahmen aller (geistlichen) Bachkantaten: „Es ist genug!", möchte man sich stöhnend abwenden. So groß ist die Vielfalt bereits erschienener Interpretationen, dass es fast schon verwunderlich wäre, könnte jemand dem Material eine überraschende, zumindest unverbrauchte S(a)eite abringen. Ohne dabei Partitur und Vermächtnis von Urvater Bach gänzlich zu vergewaltigen. Masaaki Suzuki ist mit seiner Einspielung genau dieser Kunstgriff eines wundervoll leichten, dabei dem geforderten Ernst gerecht werdenden Stückes Musik gelungen.
Die Aufnahme vereint drei Kirchenkantaten Bachs, die ursprünglich für weltliche Anlässe geschrieben wurden. Für den sonntäglichen Routinegebrauch änderte man damals einfach den Text und passte die Musik entsprechend an. Kaum zu glauben, wie sakral die Kantaten trotz ihrer so gar nicht klerikalen Wurzeln klingen. Diesen Kleinoden dieser Bach'schen Umarbeitungskunst verleihen Suzuki und sein Ensemble äußerst versiert das verdiente Gehör.
Obgleich die CD - wie die übrigen Veröffentlichungen dieser leider noch nicht vollständig erschienenen Edition - dem Hörer einen atemberaubend klaren, nahezu perfekten Klang bietet, erstickt die digitale Sterilität keineswegs die Seele des Dargebotenen.
Wie bei den meisten Aufnahmen barocker Musik heutzutage üblich, bedient sich Suzuki historischer Instrumente, um die tonale Qualität der Epoche ihrer Entstehung zu evozieren. Die Akribie, mit der man sich der Instrumentierung widmete, gibt das Beiheft nur ansatzweise wieder, allein, der Maestro fand am Schluss eine Lösung, die bisherigen Einspielungen gefehlt haben muss.
Die Wahl der Tempi ist ebenfalls gelungen, wird doch ein harmonisch abgestimmtes, in sich ruhendes Spiel erreicht. Als Beispiel sei hier die Bass-Arie „Lasset dem Höchsten ein Danklied erschallen" (BWV 66) erwähnt, die nicht - wie so oft - übertrieben schnell gespielt wird, sondern ihr gesamtes Klangspektrum entfalten kann.
Auch bei der Besetzung von Chor und Orchester möchte man „Glückwunsch, Herr Suzuki" rufen. Die Qualität der SängerInnen - lediglich drei pro Stimmlage - erzeugen einzigartige Transparenz statt gähnender Leere oder klanglicher Schmalbrüstigkeit. Großes Lob verdienen die Beteiligten auch in Bezug auf die Textverständlichkeit; manch anderes deutschsprachiges Ensemble nimmt es da längst nicht so genau. Der Countertenor Robin Blaze klingt in keiner seiner Partien gepresst und sein Ton fällt niemals auch nur im Ansatz ab, während Peter Kooijs Stimme in altbewährter Qualität stets die goldene Mitte zwischen Härte und Weichheit findet.
Das Orchester spielt technisch perfekt und hundertprozentig, begleitet die Solisten mit der nötigen Zurückhaltung, ohne - insbesondere bei den herrlichen Arien - seinen Schwung zu verlieren. Im Eingangschor der Kantate Nr. 66 führen die Stimmen die Streicher in ungewohnte Höhen des dreigestrichenen „a", ohne dass Sauberkeit oder Tempo beeinflussen würden. An dieser Stelle sei besonders auf die Solo- oder Naturtrompete hingewiesen, der man ihre „Ventillosigkeit" nur durch ihren durchdringenden, runden Klang „abhört".
Einziger Wehrmutstropfen der Edition ist, dass die Kantaten nicht nach Nummern sortiert sind. Der Hörgenuss wiegt dieses leicht irritierende Manko jedoch vollends auf.
Fazit: Keine Interpretation vereinte jemals ein so hohes künstlerisches Niveau von Klang, Notentreue und Tempi!
Eine Warnung zum Schluss: Bereits kurz nach dem Kauf dieser CD stellt sich ein sehr starkes Verlangen nach den übrigen CDs der Edition ein, das dem eigenen Geldbeutel und der Pflege sozialer Kontakte - Isolation durch permanente Beschallung - nicht zuträglich ist...


Bach:  the Well-Tempered Clavier Book I,Bwv 846-8
Bach: the Well-Tempered Clavier Book I,Bwv 846-8
Wird angeboten von ___THE_BEST_ON_DVD___
Preis: EUR 7,59

34 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Mein Klassiker", 2. Dezember 2002
Zwischen Spleen und Genialität - Glenn Goulds Wohltemperiertes Klavier Teil I von J.S.Bach
Von den einen hochgelobt, von anderen verschmäht - an kanadischen Klaviervirtuosen Glenn Gould scheiden sich die Geister. Unabhängig von dieser ewigen Kontroverse ist seine als „romantisch" verunglimpfte Einspielung des Wohltemperierten Klaviers Teil I von Johann Sebastian Bach meiner Ansicht nach ein wirklicher Gewinn gegenüber den unzähligen historisch-trocken Aufnahmen.
Dem oft geäußerten Vorwurf, Gould hätte wichtige Phrasen einfach "weggespielt", kann ich nicht zustimmen. Die Genauigkeit mit der er die Fugenthemen herausarbeitet, seine Bravour im raschen Spiel der rasanten Passagen und die verharrende Innigkeit, die er den ruhigen Stücken zukommen lässt, all dies komprimiert sich zu einem wahrhaft runden Hörerlebnis. Diesem Eindruck konnte ich mich auch nach vielfachem Hören nicht entziehen.
Die rücksichtslose und heutzutage immer noch ungewöhnliche Phrasierung, z.B. im ersten Präludium, lässt aufhorchen. Die anfängliche Irritation weicht kurze Zeit später gespannter Aufmerksamkeit und die spleenige Genialität, die Leichtigkeit, mit der Gould den Zuhörer fast motiviert, einfach durchs Zimmer zu tanzen. Entfernte Ähnlichkeiten gibt es mit der legendären Gulda-Aufnahme, die jedoch, wie ich finde, an Goulds nicht heranreicht. Während Guldas Grundstimmung mir arg gedrückt ist, sich meiner Ansicht nach noch zu ängstlich an heutige Erwartungshaltungen anpasst, ist Goulds Ansatz nicht die Begeisterung der Masse. Er sieht sich vielmehr als experimentierfreudiger Interpretationsjongleur, der über mehrere Jahre (1962, 1963 und 1965) in mehreren Takes, das gesamte Werk Stück für Stück vollständig einspielte und sich dabei nicht scheute, alte Interpretationen gegen neue auszutauschen.
Komisch mutet es bisweilen an, wenn man - vor allem bei leiseren Stücken - im Hintergrund Gould die Melodie mitsummen hört. Da ist man im Nachhinein erleichtert, das er sich dem Flügel und nicht der Oper verschrieben hat. Den Hörgenuss verleidet diese Ausgelassenheit keineswegs, macht dagegen deutlich, wie sehr man an die moderne Digitaltechnik gewöhnt ist, die jegliche Nebengeräusche rücksichtslos aus dem Klangteppich tilgt. Gehören diese unerwünschten Laute in gewissen Grenzen nicht ebenso zur Musik?
Zur eigenen Horizonterweiterung sollte Goulds Version des WTK, trotz aller berechtigter Bewunderung, nicht die einzige Aufnahme dieses Bach-Werks im heimischen CD-Schrank bleiben. Um die Höhe dieses „Olymps" schätzen zu lernen, sollte man gelegentlich manchmal ins „Tal" hinabsteigen und anderen Aufnahmen dieses "opus summum" lauschen, die den traditionellen Hörgewohnheiten eher entsprechen. Als Empfehlung sei hier die Aufnahme mit Angela Hewitt genannt.
In seiner üppigen 2-CD-Box nimmt Goulds WTK I im Regal zudem den ihm gebührenden Platz ein. Dank Sony Classical™ ist Gould in voller Bandbreite inklusive noch niemals veröffentlichter Aufnahmen wieder im Handel erhältlich. Für die Qualität der Aufnahmen sorgte das Super Bit Mapping Verfahren™, wodurch die angestaubten Klänge im neuen Glanz erklingen können. Wer im Besitz mehrerer CDs dieser Gould-Komplett-Edition ist, darf sich über eine hübsche Sammlung kleiner Porträts des Pianisten freuen, die den Tastenkönig „at work" zeigen. Für mich immer ein Gewinn, denn wenn Künstler ein Gesicht bekommen, fällt es leichter, sich mit der Musik zu identifizieren - ein wichtiges Ziel einer Aufnahme. Als zusätzliches Plus bietet die Ausstattung ein informatives Beiheft, das interessante Hintergründe liefert, beim vollständigen „Eintauchen" hilft. Fazit: Absolut empfehlenswert!


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