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Rezensionen verfasst von
Meißter (Hamburg)

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BVB-Album: Unvergessliche Sprüche, Fotos, Anekdoten
BVB-Album: Unvergessliche Sprüche, Fotos, Anekdoten
von Ben Redelings
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Ein Poesie-Album für Borussen, 6. Juni 2014
„Fußball ist wie eine Frikadelle – man weiß nie, was drin ist.“ (Martin Driller)

Dieser schöne Satz aus dem BVB-Album gilt auch für eben jenes Büchlein von Ben Redelings. Dabei weiß man bei den meisten unzähligen Fußball-Sprüche-Büchern schon vorher, was drin steckt: lieblos zusammengeklatschte und schon x-mal gehörte Sprüche aus dem Fußballkosmos. Nicht so hier. Das liebevoll gestaltete Werk beinhaltet auf über 150 Seiten nicht nur kuriose, witzige und vielsagende Sprüche sowie Zitate von Aktiven und Ehemaligen des BVB, von Journalisten, Funktionären, Trainern, gegnerischen Spielern und wer sich noch so dazu berufen fühlte im Laufe der letzten Jahrzehnte etwas Geistreiches über den Ballspielverein zu äußern. Sondern neben diesen kurzen rhetorischen Kabinettstückchen sind es auch die von Redelings erzählten Anekdoten rund um die Westfalen, welche zum Schmökern einladen. Spätestens jedoch beim Betrachten der zahlreichen und passenden Bebilderung durch Fotos, Autogrammkarten, Spielplakate, Titelbilder von alten Stadionheften und Fußballmagazinen geht einem Borussen das Herz auf. Kurzum: Dieses Büchlein ist nicht nur ein Kuriositätenkabinett in schwarz und gelb, sondern auch ein Streifzug durch die Geschichte des BVB. Oftmals sagen diese kurzen Zitate, Anekdoten und Bilder mehr als manch quälend gefüllte Buchseite. Diese Ausschnitte stehen für sich, bieten nicht nur Erheiterndes sondern auch Erhellendes und rufen einige – manchmal längst vergessene – Erinnerungen aus der bisherigen Geschichte des BVB wach. Logisch, dass das Buch vor allem von den Zeiten ab den 1950er Jahren zehrt – allzu viel erhaltenes bzw. überliefertes Material bietet das frühe 20. Jahrhundert diesbezüglich schließlich nicht. Doch auch weniger schöne Kapitel wie die Ära Ende der 90er/Anfang der 2000er werden nicht ausgeblendet und zeigen mit entsprechenden Zitaten ihr unverstelltes Gesicht.

Das BVB-Album ist in lose Kapitel unterteilt, die sich jeweils verschiedenen Persönlichkeiten, Personengruppen oder anderen Schwerpunkten wie dem Derby oder Meisterschaften widmen. Mit den zahlreichen Bilderschnipseln und Covern, die sich mit sog. Starschnitt-Kapiteln paaren und den Anekdoten und Sprüchen wird augenzwinkernd stilistisch auch auf die letzten Jahrzehnte der oftmals unbeholfenen Hochglanz-Boulevardisierung des Fußballs zurückgeblickt.

Fazit: In diesem Poesie-Album für Borussen kann man immer wieder genüsslich blättern.


Dortmunder Jungs: Unser Leben für den BVB
Dortmunder Jungs: Unser Leben für den BVB
von Achim Multhaupt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

5.0 von 5 Sternen Wenn man für ein Vorbereitungsspiel sein halbes Mobiliar verscheuert..., 6. Juni 2014
Den beiden Dortmunder Borussen Felix Meininghaus (Journalist) und Achim Multhaupt (Fotograf) ist mit dem Buch „Dortmunder Jungs – Unser Leben für den BVB“ eine wunderbare Liebeserklärung an ihren Herzensverein gelungen. Und zwar nicht durch umständliche oder bemühte Beschreibungen, sondern indem sie 31 ausgewählte BVB-„Bekloppte“, also Dortmunder Jungs (Mädels inbegriffen), als eine kleine romantische Auswahl zu Wort und aufs Bild kommen lassen. Jeder erzählt seine ganz eigene Geschichte, die ihn mit dem BVB verbindet: wie man zum Ballspielverein kam, wie man mit ihm verwurzelt ist, wie aufopferungsvoll man ihn liebt, was für verrückte Geschichten man genau deshalb mit dem Verein erlebt hat. Die Auswahl der Protagonisten ist gelungen, denn jeder Borusse in diesem Buch hat wahrlich atemberaubendes, verrücktes, anrührendes, kurioses, einmaliges zu erzählen. Hierbei handelt es sich um ehrliche, authentische Geschichten, die mehr sind als einfach nur nette Anekdoten wie man sie in zig Fußballbüchern findet. Vielmehr zeigt diese Sammlung zwar ganz persönliche, individuelle Geschichten – doch in ihrer Quintessenz einen diese Geschichten wohl fast alle Borussinen und Borussen: die Liebe und Verbundenheit mit dem BVB, die in vielerlei Formen ihren Ausdruck findet. Wenn also jemand aus dem Bekanntenkreis eines Borussen tatsächlich noch nicht begriffen haben sollte, dass der BVB mehr ist, als einfach nur ein Sportverein, dem kann man getrost dieses Buch unter die Nase halten. Denn hier kann man sich Geschichte für Geschichte einem tieferen Blick auf den Verein von der Strobelallee und warum er zahlreichen Menschen so viel bedeutet, nähern.

Unter den 31 Protagonisten befinden sich Fans und Spieler (bspw. Nuri Sahin, Kevin Großkreutz, Neven Subotic), Verantwortliche (bspw. Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc), Ehemalige und Legenden (Dede!), aber auch Journalisten, Kneipenwirte u.a. Von jungen Tempelpilgern bis hin zu Augenzeugen der ersten Nachkriegserfolge, von Exil-Borussen bis zum Quartiersmanager Borsigplatz, vom Allesfahrer bis zum Fanfunktionär, vom Vorsänger bis zum Ultra, vom Schauspieler bis zum BVB-Archivar - wie gesagt: diese Auswahl ist gelungen. Nicht nur aufgrund ihrer Breite, sondern auch deshalb, weil tatsächlich alle von ihnen höchst interessante, z.T. verrückte, aber für Dortmunder meist nachvollziehbare Geschichten zu erzählen haben. Auch hier ist eben die Spannweite groß: vom Allesfahrer, der sein halbes Mobiliar verkaufte um zu irgendeinem Vorbereitungsspiel reisen zu können bis hin zur sehr berührenden Geschichte von Dede, die einem wahrlich Gänsehaut bereitet. Daneben gibt es viele Geschichten, die einen auch stolz machen auf den BVB und diese Borussen. All das zeigt wunderbar, was Schwarzgelbe im Inneren zusammenhält. Und ganz nebenbei erfährt man einiges aus der Geschichte der Westfalen, was nicht unbedingt in Vereinschroniken auftaucht. Wenn bspw. Mannschaftsbetreuer Fritz Lünschermann berichtet, wie sich der Verein rund um das Pokalfinale 1989 darum bemühte, den Menschen in der DDR die schwarzgelben Farben näher zu bringen und wenn Sven Pfauder, ein Borusse aus Sachen, von seinen ersten Touren zu Heim- und Auswärtsspielen nach dem Fall der Mauer erzählt, dann kann man die heutige Verwurzelung des BVBs im Osten der Republik erahnen. Wenn auf der anderen Seite der BVB-Archivar Gerd Kolbe schildert, wie er lauter Erinnerungsstücke aus der Geschichte des Vereins vor der achtlosen Entsorgung rettete oder welche Strukturen der frühere Pressesprecher Josef Schneck zu Beginn seiner Tätigkeit an der Strobelallee vorfand, dann sagt dies mehr über Strukturen und Charakteristika in der Geschichte des Vereins aus, als es so manches Geschichtsbuch aufzuzeigen vermag.

Das Buch hat jedoch nicht den Anspruch einen vollkommenen Querschnitt abzuliefern und bspw. auch kritische oder problematische Teile der Borussen-Familie anzusprechen. Es ist eben eine Ode an den Ballspielverein und an die enge Verbindung der Menschen zu ihm.

Es ist schön, so etwas nachzulesen im fortgeschrittenen Zeitalter der Kommerzialisierung des Fußballs. Schön, dass wahre Fußball-Romantik in diesem hochwertigen Einband Platz findet. „Dortmunder Jungs“ kann man wunderbar durchlesen, sich aber auch immer wieder in einzelne Geschichten vertiefen und schmunzeln oder staunen. Jedenfalls sind die Geschichten ein wohliger Gewinn für jeden Borussen, auch wenn sich der eine oder andere Rechtschreibfehler eingeschlichen hat. Die Sprachform des Buches erscheint ehrlich. In ihrer Vielfalt zeigen diese Dortmunder Jungs und Mädels wie viel Leben und tief verwurzeltes Herzblut im eiskalten Fußballgeschäft noch stecken kann – und vor allem: wie facettenreich und wie weit verstreut die Borussen-Familie ist. Abgerundet wird das schmucke Buch durch tolle, abwechslungsreiche Bilder, mit denen Achim Multhaupt die Protagonisten gekonnt in Szene setzte und porträtierte.


Fragen und Antworten: 365 Fragen, 5 Jahre, 1825 Antworten - Die deutsche Ausgabe von "Q and A"
Fragen und Antworten: 365 Fragen, 5 Jahre, 1825 Antworten - Die deutsche Ausgabe von "Q and A"
von k. A.
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kreatives Kurz-Tagebuch, 15. Mai 2014
„Fragen und Antworten: 365 Fragen, 5 Jahre, 1825 Antworten“ ist ein selbst ernanntes 5-Jahres-Journal. Sprich: es ist ein Tagebuch, welches für jeden Jahrestag eine konkrete Frage an den Schreiber/die Schreiberin bereithält, die diese/r in ein paar Zeilen beantworten kann. Jeder Jahrestag hat eine eigene Buchseite, welche für fünf Jahre eingeteilt ist, so dass man nach einem Jahr wieder von vorne beginnt. Gut ist, dass man nicht zwingend zu Jahresbeginn einsteigen muss, man kann auch mittendrin anfangen.

Die Fragen sind sehr abwechslungsreich und gut gewählt. Mal sind es Fragen nach alltäglichen Dingen (Wohin bist du zuletzt essen gegangen? Was hast du zuletzt geschenkt bekommen? Welches Problem hast du heute gelöst?), mal wird nach persönlichen Vorlieben gefragt (Bspw. Was findest du unwiderstehlich? Welches Buch möchtest du als nächstes lesen?) und mal geht es um grundsätzliche Fragen sowie persönliche Charakterisierungen (Bspw. Beschreibe dein Sozialleben mit drei Worten. Was ist deine größte Schwäche? Weißt du, wann du aufhören solltest?). Es gibt Fragen zur Zukunft und zur Vergangenheit (Bspw. Was war das letzte Risiko, das du eingegangen bist? Wo siehst du dich im nächsten Jahr?). Manche Fragen ähneln sich zwar, doch insgesamt sind sie sehr abwechslungsreich und interessant, da man sich viele Fragen so im Alltag gar nicht selber stellt. Auch die Form der Fragestellungen ist sehr unterschiedlich. So sind manche Fragen eher offen gehalten und bieten Raum für unterschiedliche Interpretationen (bspw. Möchtest du wissen, wie es endet?), dann gibt es wiederum ganz klare Entweder-oder- und Einordnungsfragen (bspw. Chaotisch oder ordentlich? Auf einer Skala von eins bis zehn, wie spontan warst du heute?). Kurzum: Die meisten Fragen kann man meist kurz und knapp aber genauso gut auch mit zwei, drei Sätzen beantworten.
Das Buch hat seinen Charme darin, dass es eben sehr konkrete, abwechslungsreiche Fragen stellt, aber in seinen Antwortmöglichkeiten flexibel ist. „Fragen und Antworten“ ist eine wunderbare Alternative für all jene, die nicht gleich ein ganzes allumfassendes Tagebuch füllen möchten, sondern sich durch die Fragen zum Nachdenken anregen lassen wollen. Durch die Fragen bekommt man oftmals einen ganz anderen Blickwinkel auf bestimmte Dinge, da sie ja nicht immer die tagesaktuellen vordergründigen Gedanken des Schreibers/der Schreiberin tangieren.

Das Buch bietet mit fünf Jahren Platz für einen langen Zeitraum. Manch einem mögen die Antwortzeilen vielleicht etwas knapp vorkommen. Andererseits ist dies jedoch auch eine gute Übung, sich kurz zu halten. Darauf ist das Buch ja eben auch ausgerichtet.
Dadurch, dass man in jedem Jahr am gleichen Tag dieselben Fragen gestellt bekommt, ist es sehr interessant vergleichend nachzulesen, was man denn nun vor genau ein, zwei oder noch mehr Jahren auf diese Frage geantwortet hat. Abgerundet wird das Ganze durch den schönen und robusten Einband samt integriertem Lesezeichen.


Macht: Geschichten von Erfolg und Scheitern
Macht: Geschichten von Erfolg und Scheitern
von Katja Kraus
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessanter Blick hinter die Fassade von Erfolg & Scheitern mit sprachlichen Hürden, 15. Mai 2014
In ihrem Buch „Macht – Geschichten von Erfolg und Scheitern“ erzählt Katja Kraus nicht nur von ihrem eigenen Leben sondern primär von prominenten Vertretern unserer Gesellschaft, die es ganz nach oben schafften und dann – manchmal von heute auf morgen, manchmal schleichend – ihre Position, ihre exponierte Stellung, ja – ihre Lebensaufgabe verloren haben und einen tiefen Fall erlebten. Insgesamt 17 illustre Persönlichkeiten traf die Autorin mehrfach und ließ sich aus ihren Leben jenseits der medialen Schlagzeilen berichten. Ob Sportler wie Sven Hannawald oder Thomas Hitzlsperger, Politiker wie Björn Engholm, Gesine Schwan oder Roland Koch, Wirtschaftsakteure wie Ron Sommer oder Hartmut Mehdorn, Journalisten oder die ehemalige Landesbischöfin Maria Jepsen. Das Buch ist in mehrere, nicht sehr übersichtliche Kapitel gegliedert, die sich zum Teil thematisch und personell überschneiden.

In einer manchmal etwas steifen und komplizierten Sprache schafft sie es dennoch, den Leserinnen und Lesern die Persönlichkeiten näher zu bringen, ihr Handeln und ihre Gedanken abzubilden. Kraus lässt die Protagonisten sich selbst erklären und rechtfertigen. Sie selbst nimmt keine direkten Wertungen vor in Bezug auf Glaubwürdigkeit, sie interpretiert auch nichts. Vielmehr legt sie den Rezipienten die Geschichten offen dar – die Leser können sich ihr eigenes Urteil bilden. Kraus lässt in Zwischentönen lediglich Typisierungen und Charakterisierungen ihrer Gesprächspartner durchklingen.

Die Auswahl an Persönlichkeiten und deren Geschichten bilden einen gelungen Querschnitt unserer Zeitgeschichte. Sie legen das Missverhältnis zwischen hysterischer medialer Öffentlichkeit und dem eigentlichen, subjektiven inneren Kern eines Sachverhaltes oder einer Person offen. In erster Linie bietet das Buch jedoch einen Einblick in das Phänomen der „Macht“ – sei es mediale Macht, Entscheidungsmacht, öffentliche Macht oder Verantwortungsmacht. Jede einzelne Geschichte (die eine mehr, die andere weniger) bildet ein Mosaikstein, was Macht und deren Verlust für einen Machtträger bedeuten kann: Macht als sportlicher Wettbewerb, als Verantwortung, als Gestaltungsmacht und Macht als Bürde. Wie empfinden die „Mächtigen“ die Macht selbst, wie gelangten sie zu ihr? Der Autorin gelingt es, ihren Gesprächspartnern tiefere Einblicke zu entlocken. Ebenso bezüglich des Machtzerfalls – plötzliche Karriereenden oder langwierige Prozesse der Abnabelung von Lebensaufgaben. Plötzliche Leere oder die Befreiung von einer Last. Hier werden viele Facetten von Enden diverser Karrieren aufgezeigt, die jedoch zugleich Raum schaffen für etwas Neues. Hier bietet das Buch interessante Einblicke: z.B. dass die Wenigsten Macht an sich anstrebten oder große Karrierepläne hegten, sondern einfach ihrer Leidenschaft folgten. Das Wort Leidenschaft ist hier wörtlich zu nehmen. Denn die enge Verbundenheit zu dieser Leidenschaft, die zur Lebensaufgabe wurde, erschwert umso mehr den Absprung von ihr, wenn es nicht mehr weitergeht, wenn der Körper oder der Geist nicht mehr mitmachen, wenn Fehlentscheidungen getroffen wurden oder die Zeit etwas Neues erforderte. In vielen Fällen zeigt sich auch der Druck von außen, der einen Sündenbock verlangt und einen Abschied von der Macht unausweichlich macht – unerheblich ob dies sachlich begründet ist oder nicht. Somit zeigt Kraus sehr gut auf, wie fragil Macht sein kann und wie sehr sie und ihr Erhalt wiederum von vielen anderen Faktoren und Personen abhängig sind.

Die Autorin schafft es in ihren vertraulichen Gesprächen die Gedanken ihrer Gesprächspartner zur Entfaltung kommen zu lassen. Auch wenn es sprachlich manchmal zu verschachtelt und mühsam zu lesen ist: inhaltlich ist das Buch auf jeden Fall eine Bereicherung und erweitert den Blick hinter die Fassade von Macht und Machtverlust einzelner Personen. So steht bei der Autorin auch immer die Person im Vordergrund. Dankenswerter Weise betreibt sie hierbei keine Küchenpsychologie. So lässt sie die Gedanken und Äußerungen ihrer Interviewpartner für sich stehen und betont, dass sie deren Wahrheitsgehalt nicht überprüfen kann. Aber egal ob es nun die eigene Wahrnehmung, Verklärung, Fatalismus, Geschichtsklitterung oder das selbstgezeichnete öffentliche Bild ist, welches die Protagonisten durchklingen lassen: aufschlussreich ist es allemal, da sich Katja Kraus intensiv einem Thema widmet, das ansonsten viel zu selten derart unaufgeregt beleuchtet wird.


Der zweite Mann
Der zweite Mann
DVD ~ Max Riemelt
Wird angeboten von Topbilliger
Preis: EUR 14,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geheimtipp: Kluger Mystery-Thriller mit hervorragenden Schauspielern, 21. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Der zweite Mann (DVD)
„Der zweite Mann“ ist ein diabolischer Mystery-Thriller der in der heutigen Bankenwelt spielt. Der preisgekrönte Experimentalfilm ist mit durchweg hervorragenden Schauspielern besetzt. Allen voran Max Riemelt, der den jungen Wirtschaftsprüfer Adrian spielt, welcher unverhofft eine Beförderung erhält, um die jährliche Finanzprüfung bei einer privaten Investmentbank zu übernehmen. Hierbei gerät Adrian immer mehr in einen gefährlichen Sog von Vertuschung und Lüge der Bank gegen den er verzweifelt ankämpft. Hinzu kommen mysteriöse Begebenheiten, Adrian bemerkt, wie er seinem verstorbenen Vorgänger immer ähnlicher wird. Er gerät in einen unaufhörlichen Strudel einer sich wiederholenden zwangsläufigen Entwicklung, bei der Adrian – wie sein Vorgänger – scheinbar aussichtslos versucht, die Machenschaften der Bank aufzudecken und steuert wie sein Vorgänger einem fatalen Scheitern entgegen. Dann taucht auch noch eine mysteriöse attraktive Managerin auf, mit der Adrian anbandelt – auch sie, die femme fatale, kannte seinen Vorgänger. Macht, Blut, Kühle, eine Prise Menschlichkeit und Sex bilden die Zutaten für diesen spannungsgeladenen Thriller, der sich angenehm von genretypischen Versatzstücken abhebt. Nüchterne, klare Bilder, dunkel ausgeleuchtete Büros und eine kühle Atmosphäre in der Bank sowie die kluge Einflechtung mysteriöser Vorfälle sorgen für eine schmackhafte Dosierung der Zutaten um einen spannenden Film zu erhalten, der auch schockierende und brutale Szenen bereithält. Die Musik dient zudem angenehmerweise nur der Untermalung und wird nicht als spannungssteigerndes Mittel benötigt. Auch abseits der Haupthandlung entfaltet der Film in reduzierten Szenen eine wahre Größe. Wenn Adrian bspw. nach Feierabend im Business-Dress alleine an der Bar sitzt um noch weitere Arbeiten zu erledigen und wenige Plätze weiter der immer selbe einsame Business-Mensch sitzt, dann sprechen die Bilder für sich und erzeugen eine entsprechende Atmosphäre die der Zuschauer aufsaugt.

Das Thema ist klassisch und wurde gesellschaftlich aktuell umgesetzt: Gut gegen Böse. David gegen Goliath. Oben und unten. Kühle Machtmenschen und zweifelnde Jugend. Wirtschaft, Banken, und vor allem: Macht, Geld, Überwachungswahn und Angst. Das sind nicht nur Grundthemen des Films, sondern auch unseres heutigen Lebens. Somit gelang den beiden Jung-Regisseuren Christopher Lenke und Philipp Nauck ein Film, der nicht nur klassische Themen zeitgemäß umsetzt, sondern durch die erfrischende Regie und die Vermischung mit Mystery-Elementen für Abwechslung sorgt.

Neben dem hervorragenden Max Riemelt sind auch alle anderen Rollen klasse besetzt. So verleiht bspw. Richard Sammel dem Bankenchef Antoine de Crassy eine glaubwürdige, kühl-freundliche und distanzierte Diabolik um als angemessener Widerpart von Adrian zu erscheinen.

Der Film hat eine Gesamtlänge von ca. 64 Minuten, die DVD enthält leider keinerlei Bonusmaterial.

Fazit: Geheimtipp in Sachen Spannung. Klassische, aber hochaktuelle Themen wurden mit hervorragender schauspielerischer Besetzung innovativ und klug umgesetzt.


Tabu: Roman
Tabu: Roman
von Ferdinand von Schirach
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sein oder Schein - eine Parabel, 19. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Tabu: Roman (Gebundene Ausgabe)
Hohe Erwartungen hat man an einen Roman von Ferdinand von Schirach, dem Verfasser von Kurzgeschichten und Romanen über Verbrechen und Schuld in unserer Gesellschaft.
Auch sein Roman „Tabu“ handelt von diesen Grundthemen. Chronologisch wird die Geschichte eines Mannes erzählt – angefangen in seiner Kindheit mitsamt eines traumatisierenden Erlebnisses bis hin zu seinem Dasein als Erwachsener, der rastlos versucht, mit seiner Vergangenheit, mit seinem eigenen Ich leben zu können. Dieser Teil macht etwas mehr als die Hälfte des in gut lesbaren kurzen Sätzen gehaltenen Buches aus. Die zweite Hälfte beginnt mit einem Schnitt. Sie führt den Leser ein in die Welt der Staatsanwältin Monika Landau und in die des kauzigen Anwalts Konrad Biegler, der nicht nur dem Namen nach dem Schauspieler Josef Bierbichler ähnelt, der in der Verfilmung Verbrechen - Ferdinand von Schirach - Die Serie zum Bestseller [2 BDs] [Blu-ray] des gleichnamigen Buchs von Ferdinand von Schirach, den Strafverteidiger darstellt. Die Staatsanwältin und der Anwalt werden mit einem Verbrechen betraut, dass eben jenem Sebastian von Eschburg, dem Protagonisten des Romans, vorgeworfen wird. Interessant und nachvollziehbar sind die Betrachtungsweisen der jeweiligen Seite – die Staatsanwältin auf der einen und der Verteidiger des Beschuldigten auf der anderen. Von Schirach wäre jedoch nicht von Schirach, wenn er dem Leser nicht schelmisch und zugleich schonungslos den Spiegel vorhält und wieder einmal die Frage nach Wahrheit und Realität aufwirft. Das in gewohnt lakonischen Sätzen verfasste Werk ist nicht nur spannend, sondern wirft zugleich philosophische Fragen auf. Der Autor legt uns, zwar schön drapiert aber dennoch am Ende deutlich und klar vor, dass es neben der gern bemühten Schwarz-/Weiß-Malerei nicht nur viele andere Farben, sondern auch im verborgen liegende Grautöne gibt, die wir oftmals nicht sehen können oder sehen wollen. Somit ist „Tabu“ aktueller denn je in einer Zeit, in der öffentliche (Vor-)Verurteilungen und scheinbar eindeutige Antworten auf die Fragen von Schuld und Verantwortung an der Tagesordnung sind, letztlich aber vielen Sachverhalten nicht gerecht werden – bis hin zu unvorstellbar anders liegenden Dingen, als wir sie vermuten.
„Tabu“ gleicht mehr einer Parabel als es von Schirachs Kurzgeschichten tun. Dies ist verbunden mit der einen oder anderen Länge und vermag nicht ganz so pointiert herüberzukommen wie die Erzählungen in Verbrechen: Stories und Schuld: Stories. Dennoch zieht der Roman den Leser in seinen Bann, man legt ihn nicht so schnell aus der Hand.


Polizeiruf 110 - Box 6: 1977-1978 (DDR TV-Archiv) [4 DVDs]
Polizeiruf 110 - Box 6: 1977-1978 (DDR TV-Archiv) [4 DVDs]
DVD ~ Peter Borgelt
Wird angeboten von media4world
Preis: EUR 24,65

5.0 von 5 Sternen Der Polizeiruf wird abwechslungsreicher..., 17. Dezember 2013
Die Studios „Studio Hamburg“ und „Icestorm“ zeigen vorbildlich, wie man eine Fernsehreihe veröffentlicht: chronologisch, gut aufbereitet und in angemessenen DVD-Boxen (auch vom Umfang des Materials / der Filme her), deren Verpackungen zudem optisch miteinander harmonieren und somit im Regal eine schöne Einheit bilden können.
So verhält es sich auch mit der Polizeiruf-Box Nummer sechs. Diese enthält die acht Polizeiruf-Folgen Nr. 44-51 aus den Jahren 1977/78. Die durchgängig farbigen Filme sind – wie man es bei dieser Reihe gewohnt ist – hervorragend restauriert worden und bieten somit eine wirklich gute technische Qualität (Ton: Dolby Digital 2.0).

Inhaltlich sind die Episoden sehr vielfältig. Es sind einige sehenswerte Filme enthalten: Angefangen bei der spannenden Insel-Folge „Kollision“, die auf Hiddensee spielt, deren Bewohner zum Teil Plattdeutsch sprechen (in heutigen Filmen fast unvorstellbar); bis hin zur komödiantisch angelegten Episode „Des Alleinseins müde“ (mit einem hervorragend spielenden Rolf Ludwig) und zu sonst eher selten gezeigten Entwicklungen der Selbstreflexion in „Die Abrechnung“. Eine Besonderheit ist hier, dass die Selbstreflexion des Täters in der Rückbetrachtung auf die Tat, aus dem Gefängnis heraus, geschieht. „Ein unbequemer Zeuge“ ist wiederum ein vielschichtiger Diebstahl-Krimi, der ein interessantes Sittengemälde der damaligen Zeit in der DDR zeichnet und zugleich abwechslungsreich sowie dramaturgisch gekonnt inszeniert wurde. In „Alibi für eine Nacht“ liefert der damalige Jungschauspieler Erwin Berne eine gekonnte Leistung ab und trägt diese Episode. Natürlich gibt es auch schwächere Folgen wie „Vermißt wird Peter Schnok“ (trotz Winfried Glatzeder), die gegenüber den anderen Filmen etwas abfallen.
Man kann bei den hier enthaltenen Polizeirufen insgesamt jedoch eine klare Entwicklung hin zu einer größeren inszenatorischen Abwechslung im Vergleich zu vorherigen Episoden erkennen. Sie erweitern die inhaltliche und dramaturgische Bandbreite dieser Filmreihe.

Als Bonusmaterial sind ein von Studio Hamburg geführtes, interessantes Interview mit dem Schauspieler Jürgen Zartmann („Kollision“, „Holzwege“) sowie ein sehr aufschlussreiches Booklet enthalten, welches neben ein paar schönen Bildern sowohl themenübergreifende Betrachtungen als auch hintergründige Analysen und Einordnungen der Filme dieser Box aus dem Werk Polizeiruf 110 - Filme, Fälle, Fakten von Peter Hoff enthält.
Die acht Polizeiruf-Folgen haben eine Spieldauer von jeweils 60 – 82 Minuten. Die Gesamtlaufzeit der DVD-Box, die sich optisch natürlich nahtlos in die Veröffentlichungsreihe einfügt, beträgt ca. 560 Minuten.

Wer sowohl zeithistorisch als auch dramaturgisch spannende Krimi-Unterhaltung sucht, dem sei diese Box empfohlen. Zugleich erhält man einen guten Einblick in die damalige filmisch-künstlerische Sicht auf den Alltag sowie Probleme der DDR und wie man diese „verpacken“ konnte, ohne zensiert zu werden.


Jetzt muss ein Wunder her!: Die 25 größten Spiele im Fußball-Tempel des BVB
Jetzt muss ein Wunder her!: Die 25 größten Spiele im Fußball-Tempel des BVB
von Frank Fligge
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 25 Spiele aus einem Epizentrum des Fußballs, 28. November 2013
Der renommierte Journalist, Autor und BVB-Kenner Frank Fligge stellt in dem Buch „Jetzt muss ein Wunder her“ die seiner Meinung nach 25 größten Spiele vor, die im Westfalenstadion bis dato stattgefunden haben. Nun gibt es bereits zahlreiche Werke, die sich mit dem Fußballtempel in Dortmund beschäftigen. Also noch so ein Buch? Doch bereits im Vorwort präzisiert der Autor sein Ansinnen und macht schnell klar, warum es nicht nur ein Buch unter vielen zum selben Thema ist.

In diesem Werk geht es weder um die Architektur des Stadions noch primär um die chronologische Geschichte des 1974 errichteten Hochofens des Fußballs oder die des dort beheimateten Vereins namens Borussia. Derlei Bücher, auf die auch Fligge hinweist, gibt es zur Genüge.

Nein, in dem großformatigen 176 Seiten starken Einband geht es in erster Linie um diese Auswahl von 25 Spielen, deren Geschichte(n), Verlauf, Atmosphäre, Besonderheiten und deren Einbettung in den jeweiligen Kontext. Garniert mit jeder Menge sehenswerten und passenden Fotos zu den jeweiligen Spielen – von 1974 bis 2013. Durch die mehrseitige und gründliche Vorstellung der Spiele gelingt dem Autor auf lebendige und unaufdringliche Art jedoch genau das, was bereits viele zuvor explizit versuchten: eine Geschichte des Westfalenstadions niederzuschreiben. Der Leser wird (im wahrsten Sinne des Wortes) spielerisch durch die fast vierzigjährige Historie geführt – packend, fundiert und authentisch nacherzählt – nicht nur von Frank Fligge, sondern auch in lesenswerten und passenden Gastbeiträgen zu bestimmten Themen von Michael Zorc, Lars Ricken, Jürgen Klopp, Sebastian Kehl und Kevin Großkreutz.

Wohlgemerkt – es geht hier nur um die Spiele, deren Bedeutung, Verlauf und deren Kontext. Wer eine kritische Auseinandersetzung bspw. mit der Fanszene oder dergleichen sucht, der wird hier enttäuscht werden. Hierauf weist Fligge einleitend ebenfalls hin, dass dies ein derartiges Buch nicht leisten kann.

Die Spiele sind in folgende Kapitel unterteilt: ‚Die Top 3‘, ‚Die vier Meisterschaften‘, ‚Sechs Festtage in Europa‘, ‚Als die Welt nach Dortmund schaute‘, ‚Zwei legendäre Revier-Duelle‘, ‚Von Wiederaufstieg, Rekordsiegen und der Trilogie des Niedergangs‘.

Dass es sich hierbei hauptsächlich um die Geschichte bzw. um Spiele von Borussia Dortmund handelt, liegt nahe. Dass es eben jedoch um das Westfalenstadion geht, wird daran deutlich, dass es auch einige Länderspiele und das UEFA-Cup-Finale 2001 in die Auswahl schafften. Der Autor betont, dass seine Auswahl schwer fiel und jeder Fußballinteressierte, jeder Borusse, seine ganz eigene Hitliste haben mag. Man sollte also nicht versuchen, penibel zu überprüfen, ob das denn nun auch tatsächlich die 25 größten (nicht die besten oder schönsten) Spiele sind, die hier in den übersichtlichen Kapiteln vorgestellt werden. Ja, sogar eine Top 3-Auswahl gibt es zu Beginn des Buches, die zu einer derartigen Kategorisierung durch die Leser verleitet. Doch so einfach lässt sich Fußball-Geschichte, schon gar nicht die eines Fußballtempels, statisch objektiv darstellen. Dies weiß der Autor und begeht diesen Fehler glücklicherweise nicht. Stattdessen kann man sich als Leser zurücklehnen und in die lebendige Historie dieser stadiongewordenen Leidenschaft eintauchen. Nicht nur die schönsten oder besten Spiele sind hier gefragt, sondern auch die denkwürdigsten und bedeutsamsten. Natürlich gibt es auch einleitende Worte zu der Geburtsstunde des „Tempels“, ebenso eine übersichtliche Chronik.

Doch „entscheidend is aufm Platz“: die Relegation des BVB gegen Fortuna Köln 1986 (und nicht nur das Heimspiel) wird ebenso packend nacherzählt wie Länderspiele der WM 1974 und 2006 mit der Sternstunde des Dortmunder Jung‘ David Odonkor, welche das Westfalenstadion ein mal mehr als legendäre und verlässliche Siegesstätte für die deutsche Nationalmannschaft bestätigte - bis hin zur jähen Zerstörung dieses Mythos kurze Zeit später beim Halbfinal-Aus gegen Italien. Die entscheidenden Meisterschafts-Heimspiele des Ballspielvereins in den 90er und 2000er Jahren, unvergessliche Europapokal-Nächte, spielerische Glanzstücke bzw. torreiche Highlights wie das UEFA-Cup-Finale 2001 zwischen Liverpool und dem CD Alaves (5:4 n.V.) werden in Erinnerung gerufen. Ein Prunkstück ist die Abschrift von vier unterschiedlichen Live-Kommentaren aus TV, Radio und Netradio mit Nobby Dickel von den entscheidenden letzten Sekunden bzw. Minuten im Champions League-Viertelfinalrückspiel der Borussia gegen Malaga 2013, als das Westfalenstadion eine seiner jüngsten fußballerisch-märchenhaften Neuerfindungen erleben durfte. Gleich zwei Spiele des BVB gegen Stuttgart (6:3 im Jahr 1995, 4:4 im Jahr 2012) und der Rekordsieg gegen Arminia Bielefeld (11:1 im Jahr 1982) finden ebenso Widerhall wie auch negativ verlaufene Schlüsselspiele im Jahr 2003 als die Schwarzgelben u.a. im Elfmeterschießen die Champions League-Qualifikation verpassten und somit dem finanziellen Abgrund dramatisch näher rückten. Zwei Derbys der jüngeren Vergangenheit dürfen ebenfalls zur Versüßung nicht fehlen. Eines davon wurde zwar nicht gewonnen, ist aber aufgrund des Spielverlaufs völlig zu recht ein Höhepunkt neben 24 weiteren, da dieses 3:3 aus dem Jahr 2008 einmal mehr das Wechselbad der Gefühle und die Leidenschaft Marke Westfalenstadion widerspiegelt.

Fazit: Ein lebendiger Querschnitt durch die fast vierzigjährige Geschichte der Spiele im Westfalenstadion. Neben der journalistisch ansprechenden Aufarbeitung überzeugen die Auflockerungen durch zahlreiche und schöne Bilder, eingefügte Pressestimmen, wissenswerte Fakten und Zitate sowie die interessanten Gastbeiträge. Im Dickicht des hochgetakteten Fußballalltags verdeutlicht die Lektüre dieses Werks, welche Meilensteine der Emotionen in vier Fußballjahrzehnten in einem der Epizentren des Fußballs immer wieder gesetzt wurden.


Wir die Wand
Wir die Wand
DVD ~ Frederik Walker
Preis: EUR 14,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Süd fürs Wohnzimmer, 11. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Wir die Wand (DVD)
Der BVB ist für seine einzigartigen Fans bekannt. Es ist nicht nur die schiere Größe der ‚Gelben Wand‘ (auf der sich Heimspiel für Heimspiel eine Menschenmenge tummelt, die der Einwohnerzahl einer mittelgroßen Stadt oder dem Fassungsvermögens eines kompletten Stadions manch anderer renommierter Vereine entspricht) die diesen Hort schwarzgelber Emotionen so besonders werden lässt. Sondern die Mixtur aus Leidenschaft, Vereinsverbundenheit und Verschmelzung aller Borussen auf ‚der Süd‘ zu einer Einheit (zumindest größtenteils) – unabhängig von sozialer Herkunft o.ä. - ist wohl in dieser Form und Intensität einmalig. Mit nacherzählten Worten wird man diesem Phänomen jedoch kaum gerecht. Diese Barriere wird durch die (natürlich 90-minütige) Dokumentation „Wir die Wand“ erstmals durchbrochen. 16 Kameras begleiteten an einem Samstagnachmittag im Frühjahr 2013 elf Borussinnen und Borussen auf die größte Stehplatztribüne Europas zum Bundesligaspiel der Dortmunder gegen Mainz. Der Blick ist hierbei fast ausschließlich auf die „Süd“ gerichtet – von der Öffnung der Stadiontore über die beiden Halbzeiten bis hin zum Abpfiff des Spiels. Die elf Fans wurden sorgfältig ausgewählt – und repräsentieren eine breite Schnittmenge: vom ehemaligen Kohlekumpel über einen (nachdenklichen) ehemaligen Fußballer, einen Universitäts-Professor, Mutter und Tochter bis hin zu sog. „Allesfahrern“, Ordnern und dem Vorsänger der Südtribüne. Sie werden eingefangen bei ihren spielvorbereitenden Ritualen, Emotionen und ihrem familiären Umgang mit ihren Nachbarn auf der Südtribüne. Sie diskutieren, frotzeln, leiden, beschwichtigen, feuern ihren BVB an – und jubeln gemeinsam. Doch auch kritische Töne werden zumindest kurz angerissen – wie bspw. Probleme mit Extremisten auf der Tribüne. Die elf Fans stellen sich zudem kurz vor, erzählen immer mal wieder aus dem Off von ihrem Leben, ihrer Beziehung zum Ballspielverein 09 und beschreiben das Phänomen der Südtribüne.

Sinnbildlich gesprochen wurde die Südtribüne unter die Lupe genommen: ohne eine Bewertung vorzunehmen wurden unter einem Brennglas einzelne Poren der ‚Süd‘ sichtbar, die ansonsten im großen Ganzen verschmelzen. Stadionsprecher Norbert „Nobby“ Dickel beschreibt im Film anschaulich, was passiert, wenn er vor der Süd steht: „Ich schaue einfach auf die Südtribüne und sehe keinen einzigen Menschen. Dann müsste ich fokussiert auf einen schauen und das mache ich nicht, weil mich das wieder nervös machen würde.“ Was Nobby Dickel aus verständlichen Gründen vermeidet, gelingt dem Film: Menschen der Südtribüne sichtbar machen. Sie einerseits in der Einheit der ‚gelben Wand‘ belassen und sie andererseits dokumentarisch zu fokussieren und zu individualisieren.

Ton und Kameraführung überzeugen – allein die Großaufnahmen und die Fangesänge sorgen für ein ziemlich gelungenes Südtribünengefühl auf der Flimmerkiste. Auch wenn den Protagonisten die ungewohnte Situation mit der Kamera bei den Fangesängen anzumerken ist und sie hier gehemmt wirken. Nicht nur Außenstehende bekommen somit Einblicke in diese ansonsten zwar viel beschriebene aber in dieser Form noch nicht dokumentierte schwarzgelbe Welt. Auch Borussinnen und Borussen die zwischen den Spielen Heimweh nach „ihrem Wohnzimmer“ haben, können selbiges mithilfe dieser 90 Minuten deutlich lindern. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.

Sicher, man hätte noch mehr Aspekte aufgreifen oder die Probleme der Fanszene näher beleuchten können, doch ich verstehe diesen Film eher als einen Einblick in und auf „die Süd“, als eine Ode an sie und nicht als allumfassendes Werk. Das kann und soll dieser Film auch gar nicht sein.

Als Bonusmaterial sind zwei zusätzliche Szenen mit einer Gesamtlänge von elf Minuten enthalten.


Ronaldo: Die Geschichte eines Besessenen
Ronaldo: Die Geschichte eines Besessenen
von Luca Caioli
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Weltfußballer und Reizfigur - ein Blick hinter die Fassade?, 11. Oktober 2013
Cristiano Ronaldo: genial am Ball, eitel auf dem Platz, begehrter Werbestar und eine schillernde Figur neben dem Platz. Jedenfalls ein Fußballer den viele lieben und viele hassen – auch dank der Öffentlichkeit die er – und sie ihn - nicht nur auf dem Platz sucht. Höchste Zeit, mal hinter diese Fassade zu blicken und sich eingehender mit dem Fußballer, Menschen und Phänomen Cristiano Ronaldo zu befassen. Dies dachte sich auch der italienische Autor und Sportjournalist Luca Caioli, der bereits mehrere Fußballerbiografien verfasste. Im Jahr 2012 veröffentlichte er nun die Biografie: „Ronaldo - Die Geschichte eines Besessenen“. 2013 erschien dann die rund 240 Seiten starke bebilderte Übersetzung im renommierten deutschen Sportverlag Die Werkstatt.

In weitestgehend chronologischen Kapiteln widmet sich der Autor den bisherigen Lebens- und Karriereabschnitten des Portugiesen. Thematische Schwerpunkte sind seine Kindheit/Jugend sowie seine Vereinsstationen, die Nationalmannschaft, sein Leben und Wirken außerhalb des Platzes, aber auch seine Beziehungen zu ihn prägenden Trainern (Ferguson, Mourinho) oder zu seinem als „ewigen Rivalen“ hochstilisierten (z.T. vermeintlichen) Konkurrenten Lionel Messi.

Die einzelnen Lebensabschnitte werden gut nachvollziehbar in nüchterner und einfacher Sprache dargelegt – untermalt mit vielen Zitaten von Ronaldo, Wegbegleitern, Fußballern, Trainern und Journalisten. Alle wichtigen Themen werden eingefangen – es fehlt jedoch der große Bogen. Wirkliche Einblicke in sein fußballerisches Können, seine Pläne und Ziele sowie seine Gedanken, Lebensphilosophie und zu seiner Herkunft gibt es nur oberflächlich. Die Biografie deckt nicht auf – sondern ist selbst Spielball der öffentlichen Fußball- und Ronaldo-Maschinerie, ohne dass der Autor dies bemerkt. Auch durchaus berechtigte Kritik an einzelnen Handlungsweisen des Weltfußballers kratzt nur an der Oberfläche. Nur an wenigen Stellen äußert der Autor eine klare Meinung, dann aber durchaus auch mal pointiert. So schreibt er bspw. zu einem Auftritt Ronaldos bei der EM 2012: „…er bolzt wie ein Amateur im Ruhestand“ (S. 224).

Zudem wird immer wieder die Rivalität zu Messi betont und wie wichtig für Ronaldo die Wahlen zum Welt- und Europafußballer des Jahres sind. Auch hier scheint der Autor vor allem einem medialen Hype aufzusitzen und diesen auf die eigentlichen Protagonisten zu übertragen, ohne hinter die Kulissen zu blicken oder blicken zu können.
Kleine Randnotiz: Leider wurde das Werk vor dem phänomenalen Halbfinaltriumph der Dortmunder gegen die Madrillenen um Cristiano Ronaldo in der Champions League-Saison 2012/13 fertiggestellt. Gerne hätte man hierzu gelesen, wie die Nummer sieben der selbsternannten ‚Königlichen‘ mit dieser Niederlage umgegangen ist.

Fazit: Als Einstiegslektüre durchaus geeignet, man erfährt einiges zum Werdegang des ‚enfant terrible‘ des modernen Fußballs. Die Übersetzung ist jedoch in einem recht monoton-einfachen Sprachstil gehalten, der einen Leser ebenso wenig begeistern dürfte, wie die Tatsache, dass man sich etwas tiefergehende Betrachtungsweisen gewünscht hätte als nur protokollartig vorgetragene Abläufe von zum Teil uninteressanten Details, wie sie in diesem Buch immer wieder vorkommen.


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