Profil für Fakultas > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Fakultas
Top-Rezensenten Rang: 436.277
Hilfreiche Bewertungen: 165

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Fakultas

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3
pixel
Star Trek: Into Darkness
Star Trek: Into Darkness
DVD ~ Chris Pine
Preis: EUR 5,55

29 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Star Trek (X)II - Der Zorn des Fan, 23. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Star Trek: Into Darkness (DVD)
Vier Jahre haben die Trekkies dem neuen Film entgegengefiebert, und obwohl ich kein Hardcore-Fan bin, konnte auch ich es kaum erwarten. Doch meine Enttäuschung war maßlos. Die vielen PR-Lügen, die bis zuletzt ausgestreut wurden, hatten in mir eine Weile die Hoffnung geweckt, man hätte sich etwas Besonderes einfallen lassen. Aber tatsächlich sollte der Geiz mit jedem Bröckchen Information und Bildmaterial wohl nur darüber hinwegtäuschen, dass bei Paramount offenbar niemand wusste, wie es weitergehen sollte.

Habe ich zu viel erwartet? Eigentlich nicht. Das neue ST ist nämlich im Grunde genau so, wie ich es mir immer gewünscht hatte: düster, kompromisslos, cool, tough und wuchtig. Dass solche Filme mal im Kino laufen, davon habe ich geträumt, seit ich damals das kitschige, oft recht biedere TOS verschlungen habe. Den ersten Film mit der frischen Besetzung hielt ich für einen guten, wenn auch etwas seelenlosen Anfang. Es gab so einige Makel, über die ich beide Augen zudrücken musste. Vor allem das Ende habe ich versucht zu schlucken wie eine stachelige Kastanie: Kirks sprunghafter Aufstieg zum neuen Captain der Enterprise sprengte sämtliche Grenzen jener Glaubwürdigkeit, die das ST-Universums trotz vieler bizarrer Storys und Wesen immer ausmachte und die ich immer so geliebt habe. Auch viele andere Zuschauer störten sich daran, und so hoffte ich, dass man es beim nächsten Film besser machen würde.

Doch, Schreck lass nach, genau dieses Konzept wurde weiter aufgegriffen und sogar noch auf die Spitze getrieben. Ich hatte es ja befürchtet, weil eben bekannt ist, dass gerade Filme mit dem niedrigsten Realitätsgehalt die Kassen klingeln lassen, aber nicht wirklich geglaubt, dass ein Regisseur, der als Hollywoods neues Wunderkind gefeiert wird, sich auf dermaßen billige Weise vorhersehbar verhalten würde.

Es ist schlimm, wenn man unterbewusst schon ahnt, was passieren wird, bevor ein neuer Film überhaupt ins Kino kommt. Das ist das letzte, was man erwarten sollte, wenn man Geld für einen spannenden Abend investiert. Hatte man nicht die ganze Zeit schon ein ungutes Gefühl gehabt, was den Charakter des Admiral Pike betraf? Weil diese starke Figur die einzige war, die noch zwischen Kirk und seiner Stellung als heimlicher Anführer von Starfleet und einziger großer Mann des gesamten Universums stand? Und tatsächlich, der Weg zur Anarchie im All wird geebnet. Wie der Trailer schon befürchten ließ, Pike wird einfach mal eben entsorgt, damit klein-Kirks Weg zu den Sternen keine Hindernisse mehr im Weg liegen. Damit wurde nicht nur der einzige reife Charakter herausgeschubst, der den Filmen noch einen Hauch menschliche Bodenständigkeit verlieh, sondern eigentlich könnte man auch praktisch gleich die Sternenflotte an sich abschaffen.

Was kommt nun? Gründet Spock stattdessen den Orden der Jedi-Ritter, nachdem ja auch Vulkan bereits nicht mehr existiert? Womit wir bei der Frage sind, wer zum Gründer des ST-Jedi-Ordens wird: Der junge oder der alte Spock. Denn ja, auch Leonard Nimoy ist wieder kurz mit von der Partie. Dass er die Ohren abgibt, bevor er sich aus Altersgründen nicht mehr aus dem Bett erheben kann, glaubt mittlerweile trotz zahlreicher gegenteiliger Beteuerungen wohl niemand mehr. Da sein Spock immer spiritueller herüberkam als Quintos Version, wäre es vielleicht naheliegend, dass er zum ersten Meister Joda des ST-Universums wird (die grüne Farbe können wir ja noch ein wenig auffrischen). Ich bin einfach nur sauer und traurig! So ein großartiger Charakter wie Pike bleibt uns gerade mal zwei Filme lang erhalten, aber der Spuk um den alten Spock nimmt und nimmt kein Ende!

JJ mochte Star Wars schon immer lieber als Star Trek, das ist kein Geheimnis, und wird auch den nächsten Film machen. Da könnte man eigentlich fast Arbeit und Geld sparen und beide Franchises zusammenrühren. Auffallen dürfte das wohl kaum noch, und stören dürfte es die Masse der Cineasten auch nicht, solange sie ein gewaltiges Spektakel garantiert bekommen. Aber ich finde, das hätte nicht sein dürfen. ST und SW sind zwei verschiedene Dinge, und es wäre nicht zu viel verlangt gewesen, beides getrennt für sich mit seinem jeweils typischen Flair existieren zu lassen. Aber das von ST vorerst zu zerstören ist Paramount gründlich gelungen.

Da meinte man wohl, man könnte diesen Umstand vertuschen, indem man die Figur des Khan neu aufbrüht. Obwohl das Gerücht schon lange umging, war ich geschockt, als es letztlich trotz vieler Dementi doch bestätigt wurde. Ich hatte mich darüber gefreut, dass man die junge Carol Marcus kennenlernt, weil man sie nur als ältere Kirk-Flamme aus den ursprünglichen Filmen kennt. Es lag nahe, sie als junge Frau zu zeigen und Kirks erste große Liebe auf die Leinwand zu bannen. Ich war gespannt darauf, welcher Wiedersacher aus TOS nun seine Frischzellenkur verpasst bekommt würde oder ob es eine ganz neue Figur geben würde. Weder noch: Khan ist wieder da, womit das Studio fröhlich aus dem eigenen vorhandenen Speicher an guten Ideen klaut. Für mich hatte der Film dadurch schon fast seinen ganzen Reiz verloren, und ich ging nur noch ins Kino, weil ich nicht einsehen wollte, dass ich mich so lange umsonst darauf gefreut hatte. Doch das "es kann doch nicht sein"-Feeling bekam noch kräftig einen draufgesetzt: Das neue Movie ist stellenweise ein Remake von "The Wrath of Khan". Ich fühle mich betrogen und vera*t. Endlose Monate Geheimnistuerei wie um eine wichtige Staatsakte, und nun das? Dass Paramount sich nicht schämt, so ein Armutszeugnis abzuliefern! Da nützte es auch nichts mehr, dass Cumberbatch das Zeug zur Idealbesetzung eines neuen Schurken gehabt hätte. Wer den alten Film mit Ricardo Montalban kennt und mag, für den dürfte "Into Darkness" nur noch mäßige Anregung bieten. Es verbleibt höchstens das Gefühl, dass Cumberbatch vor allem ein Zugpferd ist, um mit seinen weiblichen Fans das Box-Office-Ergebnis aufzubessern.

Damit kommen wir zum nächsten großen Kritikpunkt: Es scheint zum neuen Markenzeichen von Star Trek geworden zu sein, den Schurken zum Star der Handlung zu machen. Allerdings wurde auch Cumberbatch nicht gerade mit originellen Ideen verwöhnt: Genau wie Nero darf Khan ein riesiges Schiff als Ego-Untersatz und ein dunkles Kostüm mit martialischem Mantel vorführen und erhält eine Gruppe ergebener Follower, die seinem geistig verwirrten Rachedurst dabei helfen, die Galaxie aus den Angeln zu wuchten und dabei möglichst viele Unschuldige abzuschlachten. Darth Vader lässt erneut grüßen. Das nenne ich ganz große Individualität! Vielleicht ist es für einen ST-Schauspieler neuerdings doch eher eine Gnade, wenn seine Rolle stirbt, bevor weitere kreative Tiefflüge folgen ...

Kann ein Film trotz solcher Mega-Klopper noch sehenswert sein? Das kommt darauf an, was man erwartet. Wen die Punkte nicht stören, die ich kritisiert habe, der dürfte wohl zufrieden sein. Man spürt die ambinionierte Regiearbeit, und alle Schauspieler sind mit ansteckender Leidenschaft und umwerfendem Spaß voll bei der Sache. Die Uniformen sind noch fescher geworden, und es wird kräftig auf die Tränendrüse gedrückt. Humor und Menschlichkeit kommen nicht zu kurz, konnten mich aber aufgrund schwacher Darstellung nicht wirklich überzeugen. Die Handlung kopiert dabei aktuelle Trends anstatt neue zu schaffen und lebt fast alleine von Action. Gängige Standardeffekte und altbekannte Aliens runden die Sache ab. Klar, der Film ist mitreißend, dramatisch, aufregend und schick und stellenweise auch komisch, aber das war "Pirates of the Caribbean" auch - und die hatten wenigstens noch neue Konzepte. Dafür braucht man kein Star Trek. Wo ist der emotionelle Wiedererkennungswert? Stattdessen kann man den Streifen wie die meisten anderen modernen Movies futtern wie eine Tüte Popcorn: Frisch schmeckt es, als könnte man nicht genug davon bekommen, aber wenn die Tüte leer ist, schmeißt man sie ohne Reue weg und ärgert sich höchstens noch darüber, Spelzen und Zucker zwischen den Zähnen zu haben. Nun, der Großteil des Publikums scheint ja genau das zu suchen.

Man kann gewiss darüber streiten, ob Star Trek überhaupt noch einen Vorbildcharakter erfüllen sollte oder nicht. In der Vergangenheit war das meist das Ziel, aber oft genug ging es mit einem erhobenem Zeigefinger, angestaubter Moral oder gar unfreiwilliger Peinlichkeit einher und immer wieder auch mit einem Verlust des Unterhaltungswertes. Mit der aktuellen Neuauflage konzentriert man sich auf optische Werte und fährt damit todsicher in der richtigen Schiene. Auch die alte TOS punktete bereits mit leichten Mädchen und einem schicken Schiff, und da die 60er gerade wieder groß "in" sind, könnte man dies als Effekt der rollenden Retro-Welle ansehen. Die Serie damals lebte allerdings jedoch in erster Linie von der charmanten, hinreißend komischen Männerfreundschaft des ungleichen Triumvirats Kirk, Spock und McCoy, die man in den neuen Filmen vergeblich sucht. Bones ist zu einer Sprüche klopfenden Randfigur ohne viel Herz degradiert worden, und bei den beiden neuen Hauptdarstellern ist maskuliner Zickenterror angesagt.

Das könnte einen ja tatsächlich vor Amusement vom Hocker hauen und später, wenn die Freundschaft wächst, zu Herzen rühren, wenn Pine und Quinto in diesen Rollen auch nur annähernd überzeugen könnten und der heimliche Grund für das stutenbissig anmutende Geplänkel nicht die holde Weiblichkeit wäre. Unverändert lächerlich: die Romanze zwischen Uhura und unserem neuen Spock, der kein Pon Farr mehr braucht, sondern den Großteil seiner Logik irdischen Trieben geopfert hat. Wie gut, dass es auf der Enterprise ganz wie in alten Zeiten genug Röcke gibt, die nur nebenbei aufgrund ihrer wissenschaftlichen Fähigkeiten Karriere gemacht zu haben scheinen. Sexiness ist natürlich immer ein Hauptbestandteil von Star Trek gewesen, und dagegen ist ja auch nichts einzuwenden. Aber musste das nun endgültig auf Kosten der Emanzipation gehen? Gerade Science Fiction sollte doch den Mädchen Idole zeigen, die sie nacheifern können, starke, gleichwertige Frauen. Was bei Star Trek bewährt war, hat man abgeschafft, aber was oberflächliche Girlies betrifft, so ist man gerne zu den Wurzeln zurückgekehrt - mit dem einzigen Unterschied, dass die neuen ST-Damen mit ihren manikürten Fingerchen genau so gerne ballern wie die Jungs.

Zoe Zaldana und Alice Eve liefern dabei recht blasse Performances ab. Passend zu den seichten Rollen, die sie verkörpern, stellen sie fast reine Schauwerte dar. Dabei wird deutlich, dass der Film in erster Linie für Teenager gemacht ist. Während wir im ersten Film ein schwarzes Mädel in weißer Wäsche sehen durften, bekommen wir hier ein weißes Mädel in schwarzer Wäsche präsentiert. Von spaciger Erotik kann also keine Rede sein. Wenn man schon dabei ist, Star Trek auf Hormone zu reduzieren, sollte man vielleicht auf FSK16 aufstufen und das Publikum mit ein paar saftigeren Szenen verwöhnen...

Star Trek sollte gerade in der heutigen Zeit, in der immer mehr Filme und Serien beweisen, dass man Gehalt und Unterhaltung gekonnt und erfolgreich miteinander verbinden kann, nicht zu einem Sternchen der Popkultur verkommen. Das war nicht der ursprüngliche Sinn der Idee. Star Trek sollte immer mehr sein als Trash, und was damals nicht gelungen ist, dazu hätte man heute endlich die Möglichkeiten und den offeneren Zeitgeist gehabt. Aber solange die Kassen klingeln und das Franchise mehr einspielt denn je, wird Paramount zufrieden sein und den eingeschlagenen Pfad zu Ende auslatschen, bis das alte Marschgepäck in absehbarer Zeit aufgezehrt sein wird. Das dürfte jedoch dadurch, dass die Augen mit immer neuen Effektgewittern zugedröht werden, nicht weiter auffallen.

Dass der erste reguläre Spieltag von "ST:Into Darkness" bei uns auf den Vatertag fiel, ist wahre Ironie. Nur gut, dass wir noch keine Karten hatten; es wäre kein Spaß gewesen, sich durch Massen von volltrunkenen Minderjährigen hindurch einen Weg in die Stadt zu bahnen. Dabei kam mir jedoch der Gedanke: Das ist genau die Generation, für die dieser Film gemacht wurde. Wenn sie noch ihren Kopf und ihre Füße gefunden hätten und man sie an der Kasse vorbeigelassen hätte, wären genau diese Jungs an diesem Abend in den neuen Film eingefallen und hätten dort weitergegrölt. Das Movie hätte zu ihrer Stimmung gepasst. Süße Dinger in knappen Fummeln, viel Lärm, Speed und Typen mit großer Klappe und Selbstüberschätzung. Und die Szenen, die erschütternd genug sind, um ihnen heimlich an die Nieren zu gehen, hätten sie mit einer weiteren Flasche Bier wegspülen können. Traurig.

Die zukünftigen Filme werden für mich in die Kategorie fallen: "Sehe ich mir vielleicht mal an, wenn mir gerade nichts besseres einfällt." Aber ins Kino werde ich wohl nicht mehr gehen. Eine gebraucht erstandene DVD dürfte dann reichen.

Prädikat: besonders wertarm!
Fazit: Der Film hat nicht genüg zu bieten, um einen darüber hinwegzutrösten, dass es sich um einen Aufguss handelt.

Daher kann es leider nicht mehr als zwei Sterne von mir geben. Hoffe, ich bin nicht zu vielen Leuten auf die spitzen Ohren getreten! Live long and prosper, dear fans, and don't forget the IDIC-philosophy! Soll in diesem Fall heißen: Jedes Individuum hat seine ureigene Meinung! Und dies war meine!
Kommentar Kommentare (10) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 9, 2013 10:43 AM MEST


Machtlos
Machtlos
DVD ~ Jake Gyllenhaal
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 6,93

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wichtiges Thema, aber leider daran vorbei gegangen, 7. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Machtlos (DVD)
"Machtlos" ist zweifellos ein guter Film, alleine schon wegen des ambitionierten Ansatzes. Leider jedoch wird die Kernaussage in den Hintergrund gedrängt. Zu stark wird die Thematik zweier gegen Widerstände verliebter junger Muslime ausgeweitet, die nicht das Geringste zu der Haupthandlung beiträgt. Die Szenen wechseln zu schnell, und obwohl ausgezeichnet gelungen, stören die immer wieder eingeflochteten Nebenstränge eher, als dass sie berühren. Die Leiden des Folteropfers und die Verzweiflung seiner Frau kommen viel zu kurz, als dass sie den Zuschauer nachhaltig erreichen könnten. Obwohl sich die größte Mühe gegeben wurde, mit erschreckend wirklichkeitsnahen Verhörszenarien zu schockieren, wirken selbige durch Omar Metwallys eher zaghafte Darstellung seltsam künstlich, und Reese Witherspoons Rolle, deren Aufgabe es wäre, einen Blick in des Innenleben einer seelisch gequälten, in schrecklicher Unwissenheit schwebenden Frau zu offenbaren, ist kaum wiederzufinden. Jake Gyllenhaal legt eine großartige Leistung vor, doch auch seine Rolle ist nur eben gerade genügend ausgebaut, um sie zu verstehen, und Meryl Streep hatte nicht einmal genügend Szenen, um preisverdächtiges Material zu liefern. Auch die unbekannten Schauspieler in den Nebenhandlungen haben Großartiges geleistet. Warum wurde so viel Gelegenheit verschwendet? An den Akteuren liegt es gewiss nicht, dass der Film nicht erreicht, was er wollte, eher an dem zu unentschlossenen Drehbuch und der ziemlich hölzernen Regie. Offenbar war man der Meinung, ein dermaßen an die Nieren gehendes Thema müsste praktisch von alleine den Funken überspringen lassen. Leider hat sich erwiesen, dass das nicht stimmt. Die Atmosphären sind blässlich, und das Thema Folter wird wenig genug ausgeweitet, um dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, es an sich abprallen zu lassen. Problematisch ist auch, dass sich niemand so recht entscheiden konnte, was der Film eigentlich sein sollte. Ihn spannenden zu gestalten, erschien den Machern angesichts der ernsten Thematik wohl geschmacklos, so richtig in die Tiefe zu gehen haben sie sich aber auch nicht getraut. Herausgekommen ist letztendlich kaum mehr als ein Anriss, ein episodenartiges Drama, das es sich trotz aller Kritikpunkte auf jeden Fall lohnt anzuschauen, gewiss jedoch kein brisanter Thriller, wie die Vermarktung glauben machen will. Am meisten berührt das Ende, das mit einer großen Überraschung aufwartet und zu dem hin Omar Metwally endlich immer mehr die echten Emotionen zeigt, zu denen man ihm schon den ganzen Film über Gelegenheit hätte geben müssen.


Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeit
Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeit
DVD ~ Reese Witherspoon
Wird angeboten von docu-films
Preis: EUR 11,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Boredom's Fair - Jahrmarkt der Langeweile, 18. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeit (DVD)
Ich hatte auf einer anderen DVD den Trailer zu "Vanity Fair" gesehen, einen Trailer, der Spannung, Dramatik, prickelnde Erotik und eine bombastische Filmmusik versprach. Nichts davon war in dem Film zu finden, und so war er eine große Enttäuschung für mich. Ich habe das Buch nicht gelesen und kann daher nicht beurteilen, ob es ähnlich schlaff ist wie der Film. Schwer zu sagen, woran es liegt, vermutlich an der zaghaften weiblichen Regie. Mira Nair flüchtet sich in die unwichtigsten Szenen und walzt sie sinnlos aus, anstatt sich auf die Hauptperson zu konzentrieren. Reese Witherspoon wirkt führungslos und bringt das Konzept nicht rüber; anstatt selbstverliebt, unterkühlt und tough, wie es sein sollte, wirkt sie niedlich und zickig. Sie macht ihre Sache nicht schlecht, sieht gut aus und singt sehr schön, aber dem Titel des Films wird sie nicht gerecht. Außerdem ist ihre Person so wenig ausgebaut, dass sie fast wie eine bessere Nebenrolle wirkt. Offenbar haben die Damen Angst vor einer expliziten Darstellung von Eitelkeit gehabt, wollten ihr Geschlecht lieber so untadelig und fleckenlos tugendhaft präsentieren, wie es in Hollywood üblich ist, und so fehlen dem Film Esprit, Biss und Humor. Man könnte fast meinen, es handele sich um eine Austen-Verfilmung. Zudem ist die Kameraführung theaterhaft steif, der Schnitt wie per Maschine vorgenommen, die Filmmusik unaussprechlich schwerfällig, so dass einfach keine Stimmung aufkommt. Da können auch die Kostüme und die orginalgetreuen Kulissen nichts mehr retten, im Gegenteil lassen sie das Ganze noch depressiver erscheinen. Der Film wird in jeder Hinsicht der leidenschaftslosen, prüden, verklemmten Zeit gerecht, in der er spielt, aber nicht in gutem Sinne. Mira Nair hat sich und ihre Darsteller zu sehr zurückgehalten. Das einzig Gewagte, das sie tut, ist über Klistiere zu reden und alte Tanten mit nacktem Hintern aus der Badewanne hüpfen zu lassen. Wobei noch zu sagen bleibt, dass Eileen Atkins, für die die Regisseurin offenbar eine größere Vorliebe hatte als für Witherspoon, ihre viel zu groß angelegte Rolle wahrhaft abstoßend spielt.


William Shatner: Durch das Universum bis hierher: Die Autobiographie
William Shatner: Durch das Universum bis hierher: Die Autobiographie
von William Shatner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Muss für jeden, der ihn zu kennen glaubt, 13. August 2009
Shatners Ruf ist durch seine Rolle des Kirk reichlich angekratzt, nicht zuletzt durch die massiven Angriffe seiner Kollegen. Über ihn kursieren so viele Gerüchte wie über kaum einen anderen Star der Unterhaltungsbranche, viele davon abscheulich, und so manch einer lässt kein gutes Haar an ihm. Andere vergöttern ihn bis hin zur Absurdität, und der Mensch, der hinter alle dem steht, ist längst in Vergessenheit geraten. Ein von Vorurteilen jeder Art bestimmter Ruf eilt seiner Person voraus; die Chance, als er selbst gesehen zu werden, hat er schon lange nicht mehr.
Dieses Buch zeigt den wahren Menschen hinter dem scheinbar egozentrischen Entertainer, dessen Leben auf der Bühne stattfindet und den doch kaum jemand kennt. Es ist das einfühlsame Porträt eines unbedarften jungen Mannes, der auf dem Weg durch den Haifischteich Hollywood sich selbst verloren hat und dessen manchmal abgefahrenes Gebaren nichts weiter ist als der Hilferuf einer verwundeten Seele.
Dennoch, wer jetzt ein sentimentales Rührstück befürchtet, kann beruhigt werden. Shatners Biographie ist keine Arie des Selbstmitleids, keine Anklage an sein durch Schicksalsschläge bestimmtes Dasein, sondern eine kritische, ironische, ehrliche und humorvolle Selbstreflexion, die dem Leser manch überraschenden Einblick beschert. Es liest sich so spannend wie ein guter Roman, und jedes Kapilel bietet neue "Das hätte ich aber nicht gedacht!"-Momente.
Wer Shatner nicht mag, wird sicher auch hier wieder Grund zum Meckern und Lästern finden, aber daran dürfte man schon gewöhnt sein. Wer dieses Buch liest, wird ihn so zu Gesicht bekommen, wie er ist, nicht als den, der gerne aus ihm gemacht wird. Weder Held und Heiliger noch Ungeheuer, sondern einfach ein Mensch, der seinen Weg gehen muss und ihn mutig beschreitet, wohin er auch führt.
Shatner greift bisher völlig unbekannte Phasen seines Lebens auf, schreibt diesmal über sich und sein Leben, privat wie beruflich, und vermeidet dabei den Fehler, es allen Recht machen zu wollen, wie es bisher der Fall war, wenn er über Star Trek geschrieben hat. Das hat er nicht mehr nötig. Seine Autobiographie ist ein behutsamer Befreiungsschlag, der zeigt, wie sehr er die Nase voll davon hat, in eine Schablone gepresst zu werden. Und sie erklärt vieles, was bisher an seiner Person seltsam erschien, gibt aufschlussreiche Hintergründe, die sein ganzes bisweilen skurriles und aneckendes Verhalten in einem neuen Licht zeigen.
Selbst denken muss der Leser dabei schon ein wenig, denn Shatner liefert weder Rechtfertigungen noch verkriecht er sich in Ausreden. Daneben ist sein Werk liebenswert, ungekünstelt, direkt und erfrischend bodenständig. Wer Shatner kennenlernen und ihn besser verstehen möchte, sollte sich dieses Buch unbedingt kaufen.
(Einen Stern Abzug gibt es hier nur für den leicht unausgereiften, manchmal etwas lückenhaften und sprunghaften Schreibstil und die Tatsache, dass man sich bei der deutschen Übersetzung mehr Mühe hätte geben müssen. Ich habe beide Fassungen gelesen, und obwohl nichts verfälscht wird, kommt einiges nicht so rüber, wie es sollte.)
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 30, 2010 10:54 AM MEST


Jenseits von Mombasa
Jenseits von Mombasa
von Frank Coates
  Taschenbuch

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Noch ein bisschen üben!, 13. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Jenseits von Mombasa (Taschenbuch)
Der Ansatz ist im Grunde großartig, doch es scheitert an der Umsetzung. Coates fehlt das Talent, historische Personen zum Leben zu erwecken. Überhaupt scheint es nicht seine Stärke sein, sich in die Atmosphäre einer vergangenen Zeit hineinzuversetzen. Seine Charaktere und die Story wirken stereotyp und oberflächlich und wie die lose schriftliche Skizzierung einer zufällig gefunden Sammlung verblichener Schwarzweißfotografien. Coates selbst behauptet, sein Roman solle auf keinen Fall den Anschein erwecken, eine Biographie zu sein, aber im Grunde wäre er besser damit gefahren. Er besitzt nicht die Kreativität oder vielleicht auch nicht den Mut, aus belegten Fakten eine atmende Erzählung zu schaffen, sondern scheint verkrampft und lustlos. Ich habe mehrere Ansätze unternommen, das Buch zu lesen, doch der Funke wollte nicht überspringen. Die Akteure sind zu platt und langweilig, um sich mit ihnen zu identifizieren, oder schlichtweg unsympathisch und klischeehaft, und die Story selbst schleppt sich flach und unambitioniert dahin. Der telegrammartige, hüpfende, lieblose Schreibstil trägt nicht gerade dazu bei, das Ganzen etwas in Schwung kommen zu lassen. Wie gesagt, die Idee ist nicht schlecht und verspricht viel, aber von einem Afrikaroman erwartet man mehr Leidenschaft und Dichte. Als jemand, der selbst in Afrika lebt, hätte es Coates möglich sein müssen, die Gesichter des Landes einzufangen. Offenbar hat er es versucht, aber es kommt nichts als unbeteiligt wirkende Belanglosigkeit dabei heraus. Alles in allem ist "Jenseits von Mombasa" leider kaum mehr als ein zusammengeschnittener Heftroman, der nicht einmal beim Nebenbeilesen zu fesseln vermag, obwohl er immer wieder gute Ansätze zeigt, aus denen Coates etwas hätte machen können, wenn er nur bei der Sache geblieben wäre und sich getraut hätte, in die Tiefe zu gehen und einen Zahn zuzulegen.


Star Trek
Star Trek
DVD ~ Chris Pine
Preis: EUR 5,55

4 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Volltreffer der unvorhergesehenen Art, 11. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Star Trek (DVD)
Die Handlung ist nicht sonderlich wichtig. Seien wir einmal ehrlich, wann hätte Star Trek, genau wie Star Wars oder andere Science Fiction, jemals Handlung gehabt? Entweder, man liebt die Filme wegen der Effekte, oder wegen der Darsteller. Ich tue letzteres. Als Teenager war ich Fan der Originalserie, weil mir William Shatner und DeForest Kelley in ihren Charakteren ans Herz gewachsen waren, jetzt sind es Bruce Greenwood und Karl Urban. Die beiden tragen mit ihren erstklassigen, charakterstarken Darstellungen ganz klar den Film; ohne sie würde er nicht über zwei Sterne herauskommen. Auch wenn sie nicht viel zu tun haben, ihre Auftritte sind es, die haften und die Atmosphäre tragen, auch wenn das manch einem nicht einmal bewusst sein dürfte.
Die anderen Schauspieler - nun, mann sollte fähig sein, die Sache mit ein klein wenig Ironie zu betrachten. Abgesehen von Chris Pine, der einen völlig neuen Kirk porträtiert, und John Cho, der solide Leistung abliefert, drängt sich der Eindruck auf, dass die Darsteller eher die Eigenarten ihrer Vorgänger denn ihres neuen Alter Egos verkörpern.
Der neue Spock ist weniger ein pazifistischer Logiker als genau der geltungssüchtige, dünnhäutige Egozentriker, den Leonard Nimoy im wahren Leben verkörpert, Uhura kann nur schwer Job und Bett trennen, genau wie einst Nichelle Nichols, Scotty drängelt sich genauso unpassend in den Vordergrund wie einst James Doohan, und Chekov ist komplett abgefahren. (Die Fans mögen mir verzeihen!) Zufall oder Absicht? Vielleicht ein unterbewusster Vorgang, denn in der alten Serie konnte kaum einer der Schauspieler seine wahre Gesinnung verbergen.
So macht der Film viel Spaß, wenn auch auf eine Weise, die vielleicht nicht beabsichtigt war. Auch sonst bietet er ordentliche Unterhaltung. Das Drehbuch ist nicht umwerfend, aber regietechnisch sehr gut umgesetzt, und die Darsteller sind mit sichtlichem Enthusiasmus bei der Sache. Ihre Freude am Spielen springt unwillkürlich auf einen über. Das verjüngte Dreiergespann macht seine Arbeit prima, allen voran Karl Urban, der auf geniale Weise Kelly wiederbelebt, und Bruce Greenwood gelingt es, einer im Grunde völlig überflüssigen Figur so viel Leben und Präsenz zu verleihen, dass man sich den Film ohne überhaupt nicht mehr vorstellen könnte. Die leider viel zu dünne Zoe verleiht der braven Uhura frische empanzipierte Power, und Eric Bana füllt die Rolle des naiven, geistig verwirrten Schurken auf wohl auch eher unfreiwillige Weise perfekt aus. Kein übermächtiger Gegenspieler diesmal, sondern ein gebeutelter armer Schlucker ohne Intellekt, der zufällig eine mächtige Waffe in der Hand hält. Gut so! So sieht's in der Realität aus; Verbrecher sind immer schwach.
Die Frischzellenkur ist Star Trek in jeder Hinsicht gut bekommen. Kein sentimentales Gelaber mehr um den heißen Brei herum, keine verlogene Pseudomoral, keine gelackten Helden. Der alte Staub ist weg. Freche Sprüche, kompromisslose Worte, Schweiß und Dreck, eine schnelle, harte, spritzige Handlung, all das war schon lange fällig. Der Film ist heute so frisch wie die Serie es damals war, und obwohl es sich um ein Remake handelt, kommt dadurch ein Hauch von Nostalgie auf. Dafür sorgen auch die schlecht wie eh und je sitzenden Rot-Blau-Gelb-Uniformen, die einen dankbar dafür sein lassen, dass fast alle männlichen Darsteller des Films eine gute Figur haben.
Leonard Nimoys Auftritt hingegen besitzt leider den Charme eines zerfallenen Dinosaurierknochens; er hätte besser daran getan, nicht mitzuwirken. Seine Rolle ist überflüssig und nichts weiter als ein trauriger Abgesang auf alte Zeiten. Es ist entwürdigend, ihn in dieser Verfassung zu sehen; er ist nur noch ein bedauernswerter alter Mann, der von seinem Kostüm gestützt wird und sich an seinem Ego festklammert. Nun, immerhin spielt er einen Vulkanier; die dürfen in so einem Zustand über die Mattscheibe flimmern. Spott ist nicht nett, aber auch eine Form, sich zu amüsieren.
Zu Schmunzeln gibt es auch sonst genug. An Humor wird nicht gespart, auch wenn die eine oder andere Slapstickeinlage mehr als überflüssig ist. Dafür gibt es denn auch genügend dramatische Momente, hollywoodmäßig oft zwar, aber dennoch gelungen. Besonders die Szene zwischen Nero und Pike entwickelt eine aufwühlende Dynamik und gehört dank Greenwoods realistischer Darstellung in die gehobene Klasse. Sie ist die beste des ganzen Films; man sollte jedoch die Alterfreigabe ab 12 unbedingt beherzigen. Folter ist nichts für Kinder, und auch empfindsam veranlagte Erwachsene sollten sich wappten.
Die Spezialeffekte indessen bestechen das Auge, wie in der heutigen Zeit zu erwarten, sind sie bombastisch. Schade nur, dass die Filmmusik nicht mithalten kann; sie ist einer der größten Schwachpunkte des Films und bisweilen gar störend. Dennoch lohnt es sich, gespannt auf die Fortsetzung zu sein, und zu hoffen, dass noch manches besser gemacht wird.
Ob die neuen Helden zu Ikonen werden? Schwer zu sagen. Chris Pine als großmäuliger Draufgänger ist höchst erfrischend und liebenswert in seiner Unverbrauchtheit, aber seine Art Sexappeal dürfte seine Wirkung auf jene über zwanzig verfehlen. Es scheint auch nicht so, als wenn er in dieser Hinsicht noch zulegen und jemals an William Shatner heranreichen würde.
Kein Problem, immerhin ist für jeden Geschmack etwas dabei, reifere Frauen haben noch Dr. McCoy und Captain Pike zur Auswahl, und für solche, die spitzohrige Juppies mit großstädtischer Arroganz mögen, gibt es den neuen Spock. Wollen wir hoffen, dass es im nächsten Film auch für die heterosexuellen männlichen Zuschauer etwas mehr Auswahl geben wird. Bisher sind die Damen recht schwach vertreten; Nurse Chapel bekommt man nicht zu Gesicht, und die schlecht geschminkte Winona Ryder als ältliche Braut des alles andere als berauschenden Sarek ist gewiss keine Augenweide.
Wenn man jedoch bedenkt, unter welch hohem Druck alle Beteiligten standen, darf man wahrlich zufrieden sein. So gut war Star Trek lange nicht mehr, und alle haben mit viel Liebe zum Detail ihr Bestes gegeben. Gewiss, nicht alle Entscheidungen waren gut. Es wäre ein kluger Zug, Simon Pegg durch einen anderen Darsteller zu ersetzen. Er ist eine komplette Fehlbesetzung, und die peinlichen Szenen mit ihm sind ausnahmslos schlecht. Auch war das Händchen beim Schneiden nicht durchweg gut. So manche Szene ist überflüssig und lästig und erfüllt keinen Zweck, dafür fehlt anderes, viel wichtigeres. Die meisten sind enttäuscht, dass man nie erfahren hat, was genau Captain Pike fehlt; eine erklärende Szene zwischen ihm und McCoy hätte sich perfekt in Anschluss an die Vernichtung Neros eingefügt und dem Film Wärme und Tiefe gegeben.
Ich wage nicht zu hoffen, dass in einer Bonus-DVD eine herausgeschnittene Szene auftaucht. Wie auch immer, ich kann den Release kaum erwarten, und Star Trek XII ist einer der wenigen Filme, auf die ich mich freue.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 30, 2010 11:27 AM MEST


Miami Vice
Miami Vice
DVD ~ Jamie Foxx
Preis: EUR 4,97

7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vergessen Sie die Vorurteile!, 11. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Miami Vice (DVD)
"Míami Vice" ist ein kleiner Meilenstein des Genres Thriller, dem man hervorrangende Regiearbeit anmerkt. Colin Farrell und Jamie Fox geben sich etwas gekünstelt, überzeugen aber dennoch vollauf, mit Gong Li wurde ein wahres Goldstück an Bord geholt, und die Neberdarsteller sind bis in die kleinste Rolle hinein exzellent. So stört es auch nicht sonderlich, dass sie bisweilen die Hauptdarsteller ein wenig an den Rand drängen. Die Gegenspieler haben hervorragende Charakterprofile und sind perfekt besetzt, die Schauplätze bestechen durch ihren atmosphärischen Echtheitsgehalt, und die Filmmusik gibt dem ganzen den letzten Schliff. Wie bei selten einem anderen Film gibt es im Drehbuch nicht einen einzigen Bruch, keine einzige langweilige oder überflüssige Szene, sieht man einmal von der blassen Sexszene von Jamie Fox ab (auch von der zwischen Farrell und Gong Li sollte man nicht zu viel erwarten, obwohl beide gut spielen). Der Film behält von Anfang bis Ende die Fasson und bewegt sich dabei abseits von pathetischer Action, überladenen Effekten und Heldenkitsch. Warum er eine fast durchweg negative Reaktion beim Publikum hervorgerufen hat, ist mir unverständlich. Es mag wohl daran liegen, dass er genau auf der Grenze liegt, an der sich die Lager spalten. Dem eingefleischten Liebhaber von Actionkrachern ist er zu charakterlastig, den Schätzern von gnadenlosen Sozialstudien nicht intellektuell genug. Die meisten Kritikpunkte, die die Rezensenten anführen, entbehren der Grundlage und drücken eigentlich nur aus, dass etwas anderes erwartet wurde. Viele waren Fans der bunt polierten Serie, andere standen auf modernes Effektkino; niemand von ihnen kam mit der realistischen Atmosphäre klar. Schmuddelig, düster, rabiat, das sind die Hauptkritikpunkte. Keiner wollte sich dem öffnen, wie die Arbeit eines Undercoveragenten wirklich aussieht, nicht spannend und heroisch, wie das Klischee es vorgaukelt, sondern zermürbend und dreckig. Dabei ist "Miami Vice" jedoch natürlich immer noch zur leichten Unterhaltung gedacht, und diese Mischung kam wohl nicht sonderlich gut an. Das, was den meisten an dem Film missfällt, ist meiner Meinung nach jedoch genau das, was ihn zu einem rundum gelungenen Streich macht. Er ist einerseits im besten Sinne etwas altmodisch und gleichzeitig innovativ, denn er mischt solide filmische Handwerkskunst mit dem kaum gesehenen. Störend ist höchstens, dass die beiden Hauptdarsteller zumeist wahrlich grässliche Klamotten tragen; ohnehin war es ein großer Fehler von Mann, den Film an die alte Serie anzulehnen. Neue Namen für seine beiden Jungs, ein rennovierter Titel, und er hätte sich gewiss einiges von Seiten der Zuschauer erspart. Der neue "Miami Vice" wurde völlig zu Unrecht verrissen, und ich kann nur jedem raten, sich seine eigene Meinung zu bilden. Er ist empfehlenswert für all jene, deren Geschmacksknospen noch nicht von endlosen Stuntgewittern abgestorben sind und die neugierig darauf sind, in die Unterwelt unserer Zeit vorzudringen und dabei ein bisschen gefährliche Romantik zu schnuppern. Spannung darf in jedem Fall erwartet werden; wer "Miami Vice" nicht spannend findet, muss bereits hirntot von zu viel Geballer sein oder eine starke Abneigung gegen die Darsteller hegen.


Der scharlachrote Löwe: Historischer Roman
Der scharlachrote Löwe: Historischer Roman
von Elizabeth Chadwick
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einfach gut, 9. August 2009
Es ist kaum zu verstehen, warum Elizabeth Chadwicks Werke in Deutschland so wenig Beachtung finden. Sie schreibt schlicht, dafür aber mit viel Authenzität und Menschenverstand, ohne dass Spannung und Romantik dabei verloren gehen. So, wie sie es beschreibt, könnte es gewesen sein. Sie hat keinen herausragenden Stil und geht wenig ins Detail, aber das, was sie zu sagen hat, sitzt. Erstaunlich ist, dass "Der scharlachrote Löwe" ebenso gut ist wie sein Vorgänger "Der Ritter der Königin". Fortsetzungen sind meist schwächer, aber sie behält mit qualitativem Standvermögen unermüdlich vom Anfang bis zum Ende den Faden. Zugegeben, intellektuell sind ihre Romane nicht, und bisweilen gerät es in Kitsch, wenn sie wie ein Schulmädchen zu schwärmen beginnt, aber was soll's, schließlich sind ihre Romane immer noch Rittergeschichten. An einem Abend bei Kerzenschein entspannen sie wundervoll und fesseln so sehr, dass man sie kaum aus der Hand legen kann. So kommt es ihnen nur zugute, dass sie nicht langatmig sind.


My Winter Storm
My Winter Storm
Preis: EUR 3,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The better Nightwish, 30. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: My Winter Storm (MP3-Download)
Wenn es irgendetwas Gutes daran gibt, dass Tarja von Nightwish den Laufpass erhalten hat, dann, dass es neben "Dark Passion Play" obendrein "My Winter Storm" gibt. Ich habe die beiden Alben gleichzeitig gehört und kann nicht sagen, welches besser ist, denn sie bilden zueinander ein wunderschönes Gegengewicht. Ich neige jedoch dazu, Tarja den Vorzug zu geben. Wer sagt, sie würde kein Gothic und kein Dark Metal mehr singen, vergisst vieles. Zum einen hat auch Nightwish nicht nur Gothic gemacht, es waren viele Stücke darunter, die hellere Schattierungen besaßen. Zum anderen hat Tarja es nicht nötig, einen Abklatsch ihrer alten Heimatband vorzulegen. Und, viel wichtiger noch, ihre neuen Stücke liefern genug Wucht, Gefälle und Tiefe, um sie zur gewohnten Stärke auftrumpfen zu lassen. Die Songs, die für sie geschrieben wurden, stehen der alten "Once" - Qualität nicht nach, und ihre Stimme spottet ohnehin jeglicher Beschreibung, was man von der Anettes leider nicht behaupten kann. Tarja ist Tarja, eine Göttin am Musikhimmel, und das auch ohne Nightwish. Auch ihre Texter haben Herausragendes geleistet und wetteifern fast mühelos mit denen des Genies Tuomas. Wer englisch versteht, wird außerdem so manch aufschlussreichen Seitenhieb auf ihn finden, was man Tarja angesichts der schlechten Behandlung, die sie erfahren hat, nicht verdenken kann. Ihr Album schlägt gegen "Dark Passion Play" zurück, und das mit Würde und Triumph. "My Winter Storm" ist ein Meisterstück, das einen in Welten jenseits der Vorstellungskraft entführt und an dem man sich einfach nicht satt hören kann, so oft man es auch laufen lässt. Die Songs bilden ein harmonisches Ganzes und sind doch jeder für sich einzigartig und grundverschieden, was ihr erlaubt, die gesamte Palette ihres fast überirdischen Talentes zu beweisen. "My Winter Storm" lässt keinen Zweifel daran zu, dass sie ihren Weg alleine gefunden und ihn auch erfolgreich zu Ende gehen wird.


Made In Hong Kong [And In Various Other Places]
Made In Hong Kong [And In Various Other Places]
Preis: EUR 8,99

11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Erschreckender Einblick, 30. Juli 2009
Ich habe nur den Trailer zu der DVD gesehen, und schon hat mich das blanke Grausen gepackt. Man konnte kaum erwarten, dass Anette an Tarja heranreicht, aber auf der CD "Dark Passion Play" war ihr Gesang wenigstens passabel genug, um die Fahne von Nightwish hochzuhalten. Ihre Auftritte dagegen sind entsetzlich, viel schlimmer noch als jemals befürchtet. Krasser noch - Anettes Stimme versagt bereits. Kippen ist kein Ausdruck mehr für das, was ihr bei den Lifeauftritten passiert. Ein Wunder, dass sie wenigstens noch den Text konnte. Das arme Ding gehört erlöst, bevor es den eigenen Grabgesang anstimmt, wenn das nicht schon längst geschehen ist. Tarja war ein charakterstarkes Vollblutweib, düster bezaubernd und sinnlich, Anette dagegen ist schwach, schmuddelig und schlampig. Von der alten finsteren Magie lassen ihre Auftritte nichts mehr spüren. Als Frau muss ich obendrein bemerken, dass Anette dringend eine Stilberatung nötig hätte; ihre Aufmachung ist bestenfalls einer Collegeparty angemessen. Ihre Stimme passt zu der neuen Musikrichtung, ihr Typus hingegen nicht im geringsten. Tuomas, ganz auf altem Niveau, scheint das auf seinem inspirierenden Selbsthinrichtungstrip nicht zu bemerken, während Marco und Emppu es sichtlich genießen, dass es keine Tarja mehr gibt, die ihr männliches Selbstwertgefühl auf die Probe stellen könnte. Mit dem hilflos überforderten Würmchen Anette fahren sie besser. Saftlos lungern sie auf der Bühne herum und meinen, es nicht mehr nötig zu haben, während die neue Frontfrau kränkelnd um das Mikro herumzappelt. Zugegeben, irgendwie passt auf makabere Weise alles zusammen. Tuomas schreibt über Zerstörung, und Anette ist bereits nach der ersten Tour zerstört, vernichtet vom Erfolgsdruck. Gut zum Thema passt auch, dass Nightwishs Image bald zerstört sein wird, wenn sie sich nicht wieder fängt. Um nicht missverstanden zu werden, obwohl ich Tarja vermisse, halte ich "Dark Passion Play" für ein Meisterwerk, das den anderen Werken von Nightwish kaum nachsteht. Aber meine Lieblingsband ist nichts mehr, was man sich ansehen kann. Tuomas war und ist der Kopf der Band, Tarja war das Herz, das nicht mehr schlägt. Der Rest bringt es einfach nicht. Man muss die Augen schließen, um genießen zu können.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 4, 2012 12:55 PM CET


Seite: 1 | 2 | 3