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Rezensionen verfasst von
freaky Rene

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Seite: 1
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Das Gebot der Rache: Thriller
Das Gebot der Rache: Thriller
von John Niven
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen 70% Drama/Tragödie, 30% "klassischer" Thriller, 8. September 2013
An dieser Stelle keine Inhaltsangabe (daher kein Spoileralarm!), eher eine Kritik, wie mir das Buch gefallen hat:

Es ist das 2. Buch, das ich von John Niven gelesen habe (nach "Gott bewahre", das ich genial fand, 5 Sterne!), daher war ich gespannt auf seinen Ausflug ins Thrillerfach und das Verlassen der höllischen Satire bzw. blitzgescheiten zeit- und kulturgeschichtlichen Groteske im Mantel einer banalen Erzählung.

"Das Gebot der Rache" beginnt als Drama und wird deshalb wohl von Hardcore-Thriller-Fans auf den ersten ca. 100 Seiten als eher unspektakulär beschrieben. Denn auf diesen Seiten werden Figuren etabliert, Stimmung erzeugt, Hintergründe (ansatzweise) beleuchtet. Was danach aber passiert ist ein wirklich beachtliches Psychogramm von Tätern, Opfer, Verblendung und Wahnsinn! Nivens Buch ist einem Realismus verpflichtet, der weh tut - nicht wie in Hollywood-Filmen (oder schlechten Büchern wir "Der Menschenmacher" von Cody McFadyen) sind Dutzende Tote nötig, um Sterben und Gewalt als brutalen Akt zu zeigen - hier wird gestorben und gelitten wie in der Realität - was das Buch stellenweise zur echt harten Kost macht - nicht, weil das Geschilderte um so viel härter ist wie in anderen Büchern (auch hier der Vergleich zum "Menschenmacher"), sondern weil die Figuren dreidimensional sind und der Leser ihre Leidensfähigkeit hautnah spürt. Dazu kommen Perspektivenwechsel, Twists und Tragödie - alles in allem würde ich daher sagen: das Buch ist ein Thriller - auch! - aber noch mehr Drama und Tragödie über , Gewalt, Sterben, Tod, Brutalität, Verlust Verblendung und Wahnsinn!

Weil bestimmte Parallelen existieren möchte ich ein letztes Mal einen Vergleich zum "Menschenmacher"-Werk von McFadyen ziehen: in beiden Büchern sind die Protagonisten schriftstellerisch/journalistisch tätig, in beiden Romanen geht es um Nachbeben von traumatisierenden Erlebnissen aus der Jugend, beide müssen sich als Erwachsene erneut ihrer Vergangenheit stellen. Nur während der eine Autor dafür viele Tote und Superlative an Sadismen benötigt und trotzdem seltsam unberührt lässt (ich habe "Menschenmacher" einen Stern gegeben), schafft es Niven letztlich deutlich besser, Gewalt, Sterben, Brutalität, Verlust und Verblendung zu schildern als McFadyen. Das eine eher ein auf billige Schockeffekte und Brutalismen abzielender Thriller, das andere ein echtes packendes Drama, das unter die Haut geht wie ein Skalpell - ohne Narkose.

So würde ich 3,5 Sterne vergeben, weil das aber nicht geht, gebe ich 4 Sterne - auch deshalb, weil Niven seine Geschichte auf 300 Seiten erzählt und nichts krampfhaft und künstlich in die Länge ziehen muss, wie viele (mäßig gute) Autoren. Aber wie gesagt: für mich ist das Buch eher Drama als Thriller im Slaughter'schen oder Adler Olsen'schen Sinne… aber als erschütterndes, packendes Psychogramm funktioniert es "wunderbar".


Der Menschenmacher: Thriller
Der Menschenmacher: Thriller
von Cody McFadyen
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Unausgegoren, brutal, farblos... ein McGuffin von einem Buch!, 31. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Menschenmacher: Thriller (Taschenbuch)
Vorab: gute Thriller zu schreiben ist eine Kunst, die an sich nur wenige beherrschen - denn alleine sich Brutalitäten und Sadismen einfallen zu lassen, ist, meiner Meinung nach, zu wenig, um eine gute Geschichte zu erzählen. Glaubwürdige Figuren, nachvollziehbare Handlungen, überzeugenden Motivationen und dreidimensionale Charaktere machen es aus - all das, habe ich in diesem Buch vergeblich gesucht.

Gefunden habe ich lediglich brutale Szenen (vor allem) gegenüber Kindern, die zwar erklärt wurden, aber nicht wirklich nachvollziehbar waren; dazu ein mäßig realistisches Selbstjustizsystem sowie eine Rekordjagd an Sadismen, die ihres gleichen sucht (in diesem Falle ist es wohl gut, dass der Autor sich nicht auf das Schildern von dreidimensionalen Menschen versteht, denn das wäre sonst ein wirklich verstörendes Buch geworden - so aber bleibt es (wenigstens) nur eine Aneinanderreihung von grausamen Szenen, die trotz detaillierter Schilderung seltsam unberührt lässt).

Ich würde sagen: gute Autoren brauchen nur ein oder zwei Morde, um das Grauen von Sterben, Gewalt und Perversion nachvollziehbar und erschütternd zu schildern - dieser Autor (zumindest in diesem Buch) schafft das nicht einmal mit einer Rekordjagd an sich überbietenden Brutalismen.
Dazu kommt noch eine Auflösung, die an Unglaubwürdigkeit kaum zu übertreffen ist - es reichen nicht nur perverse, verblendete Psychopathen, nein, man braucht auch noch eine mächtige Verschwörung im Hintergrund, die alles andere an Dunkelheit überstrahlen soll - George W. Bush und Darth Vader hätten mit dieser Schwarz-Schwarz-Malerei ihre Freude…

Somit bleibt für mich ein Fazit: einzelne Szenen sind durchaus spannend, wenn schon keine Nägelbeißer, der zusammenführende Handlungsbogen ist aber alles andere als plausibel und somit bestenfalls als McGuffin zu bezeichnen - solche Geschichten schreibt nicht das Leben, sondern schlechte Autoren - und das, obwohl die Realität uns immer wieder mit unfassbaren "Menschen" wie Josef Fritzl, Ted Bundy, Andrei Tschikatilo oder Anders Breivik konfrontiert.

Eben diese Überzogenheit führte bei mir dazu, dass ich das Buch öfters als einmal wegen des Verdachts auf Zeitverschwendung weglegen wollte - letztlich hab ich es fertig gelesen - wenngleich ich über viele Seiten eher drübergelesen habe nach der Skimming-Methode - denn wenn das Buch einen etwas lehrt, dann das: das Leben ist manchmal kurz und grausam und man muss sich nicht alles antun!

Denn Szenen wie (Taschenbuch) Seite 506, 507, über die Lust am (Über-)Leben sind in diesem Buch wirklich die Ausnahme - ganz davon abgesehen, dass gute Autoren solche Szenen nicht nur alle 500 Seiten einmal eingebaut hätten. Auch hätte das Buch statt 600 nur 350 Seiten, wäre das kein Fehler - aber 1. können sich nur gute Autoren kürzer fassen und 2. hätte Mr. McFadyen dann wohl viele (nicht nachvollziehbare) Sadismen nicht einbauen können - und das war wohl sein Hauptziel - denn nachdenklich machende Unterhaltung/Dramatik/Literatur war wohl ohnehin nie sein Ziel - und wenn doch: dann ist dieser Mann ein Opfer seiner unerreichten Ambitionen… und das ist dann wirklich brutal...


Angst
Angst
von Robert Harris
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Angst als Triebfeder der Wirtschaft, 25. November 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Angst (Gebundene Ausgabe)
Zunächst einmal: bei Harris' "Angst" handelt es sich um einen Thriller, aber entgegen dem, was ich nach Lektüre des Klappentextes erwartete, war es kein reiner Wirtschaftsthriller, in dem es (ausschließlich) um die tw. perverse Verkettung von Macht, Geld, Gier, Börse und Verbrechen geht - sondern es ist auch ein handfester Techno-Thriller über die Gefahren automatisierter computergestützter Handelssysteme an den Börsen, lichtschneller Kommunikationstechnologie und nicht zuletzt Künstlicher Intelligenz.

Doch gerade hier ist meiner Meinung nach der größte Schwachpunkt des Buches zu finde
** ACHTUNG: SPOILER **
Ein Computersystem, dass selbstständig eine Intrige gegen seine Erbauer entwickelt, diese bespitzelt, manipuliert und letztlich sogar töten will, das passt für mich eher zu Cyberdyne und Terminator als in einen Wirtschaftsthriller, der nah an der Gegenwart angesiedelt ist.
****

So glaube ich, dass ein Michael Crichton aus dem Roman entweder einen knallharten Wirtschafts-TECHNO-Thriller ohne zu viel KI-Cyber-Intrige gemacht hätte oder eben einen solideren reineren Wirtschaftsthriller ohne die ganze Mensch gegen Computer-Attitüde!
Womit wir auch beim 2. Schwachpunkt wären - dem Börsenslang. Ich interessiere mich für dieses Metier seit langem und hätte mich dennoch darüber gefreut, wenn der eine oder andere Zusammenhang (meinetwegen auch im OFF oder als Glossar) erklärt worden wäre oder, wie es immer wieder auch von Autoren gemacht wird - einer unbedarften Person im Buch (hier böte sich der Polizist Leclerc an).
In diesem Sinne muss man sagen, dass Crichton, der Doyen der Technothriller, fast immer einen didaktisch besseren Ansatz gewählt hat - stilistisch und dramaturgisch sind Harris und er in etwa auf gleicher Augenhöhe - mancher mag Augentiefe dazu sagen, denn brillante Literaten sind beide natürlich keine.
Und dazu kommen dem Genre typische Handlungs-"Zufälle", die eben immer genau dazu führen, dass es spannend bleibt und der Paranoia-Grad hoch - ob das realistisch ist, steht auf einem anderen Blatt!

Zur Habenseite des Romans zählt die flüssige Lesbarkeit, die ähnlich leicht fällt wie das Essen eines Burgers.
Besonders schön ist, dass man aus den Danksagungen erfährt, dass es die im Buch erwähnten Kunstwerke wirklich gibt. Auch, dass ganz einem guten Science-Fact-Autor entsprechend Realität und Fiktion besonders schön/real verschränkt wurden, nicht nur mit dem Szenario als Ganzes, sondern im Speziellen mit dem Flash-Crash am 6. Mai 2010 - die in "Angst" geschilderten börslichen Ereignisse haben also auf die eine oder andere Art tatsächlich stattgefunden - wenngleich wohl nicht vor diesem Hintergrund.
Das Buch verleitet also durchaus (auch wegen seiner fehlenden Erklärungen zu wirtschaftlichen Prozessen) zu Recherchieren im Internet - diese Art, von einem Buch inspiriert zu werden gefällt mir persönlich sehr - auch wenn das zB ein Christian Kracht in "Imperium" viel eindrucksvoller geschafft hat: eine alternative Realität mit massiven Bezügen zur tatsächlichen und das ganze noch dazu in sehr literatischem Stil in eine spannende Geschichte verpackt.
Aber das ist wohl der Unterschied zwischen Literatur und Trivialliteratur, Schriftsteller und (Thriller-)Autor.

Daher mein Fazit: wie Stephen King seine eigenen Bücher beschreibt, ist auch "Angst" literarisches Fast Food, aber allemal gute Wirtschaftsthriller-Unterhaltung mit einer gehörigen Portion Paranoia, gut eingestreuten Zitaten (v.a. von Darwin), aber einem für mich nicht ganz plausiblen Element des Tech-Noir, einer menschinduzierten Frankenstein'schen Schöpfung, die sich gegen ihre Erschaffer auflehnt und dabei durchaus thrillertypisches, aber nicht unbedingt realstisches Verhalten an den Tag legt.
Mensch, sei gewarnt vor deinen eigenen Schöpfungen, deiner Hybris - und Gott Mammon!


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