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Andinda (München)

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The Elder Scrolls Online - [PC/Mac]
The Elder Scrolls Online - [PC/Mac]

14 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überzeugende Grundsteinlegung für ein großes Projekt, 9. April 2014
In der Hoffnung, dass TESO nicht bloß wieder ein weiterer WoW-Abklatsch sein würde, habe ich am ersten Verkaufstag zugegriffen und bin bislang auch recht begeistert vom vorläufigen Produkt. Auf alle Aspekte eines MMORPGs einzugehen, sprengt naturgemäß den Rahmen, daher nur einige Bemerkungen zu ausgewählten Features.

Umgebung und Atmosphäre:
Sehr stimmig. Zunächst fällt die schöne Grafik auf. Die macht natürlich ggü. Single-Player-Titeln einige Abstriche, ist im MMORPG-Sektor aber momentan das Maß der Dinge. Auf höchsten Details kann man richtig schön eintauchen. Städte, Häfen, Wildniss, Dungeons... alles mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt. Das gilt auch für viele NPCs. Die haben von *Freundlich Grüßen* bis *Von der Seite anmachen* die komplette Bandbreite im Gepäck und sind ebenfalls Bestandteil der hübschen Parallelwelt-Illussion.

Quests:
Nicht revolutionär, allerdings überaus schön verpackt. So hat man es fast immer mit ganzen Questlinien zu tun, die alle eine eigene Geschichte erzählen. Da verwandelt sich der Questgeber schon mal zum Kopf der Verschwörung und derjenige, der augenscheinlich das Dort retten will, ist in Wirklichkeit die Schreckgestalt.
*Sammle xy von dem* und *Gehe von A nach B* gibt's hier natürlich auch, allerdings so geschickt in die jeweiligen Stories eingebettet, dass es nicht weiter stört, stellenweise nicht mal auffällt. Die Vollvertonung und die Entscheidungen, die man hier und dort selber treffen muss, erzeugen Atmosphäre, genauso wie die Veränderungen der Umgebung nach erfolgreicher Questabgabe.

Kampfsystem:
Wer WoW, Swtor, Rift gewöhnt ist, wird sich umstellen müssen. Hier haben wir es mit einem aktiven Kampfsystem zu tun, das wirklich dynamische Kämpfe ermöglicht bzw. erfordert. Also nicht stillstehen und alles Material auf den Mob werfen (man trifft ja eh immer), sondern, Zielen, Ausweichen, Blocken, Agieren, Reagieren. Eine stupide Rotation hilft zwar hier und dort, allerdings lange nicht immer. Durch die Tatsache, dass jede Klasse quasi jede Waffe verwenden kann, ist man sehr flexibel unterwegs. Also: Mage mit Two-Hand oder Krieger mit Pfeil und Bogen...?! Geht alles.

Crafting:
Hilf- und umfangreich. Schon auf kleineren Lvl-Stufen sollte man hier Zeit investieren. Klar, Tinkturen und Bufffood sind sowieso immer zu gebrauchen, Rüstungsteile sogar essentiell. Und die bekommt man nicht unbedingt nachgeworfen. Das Crafting-System offenbart dabei schnell eine erstaunliche Tiefe: Gegenstände herstellen, auseinandernehmen, veredeln, analysieren um Eigenschaften zu lernen... da geht Einiges. Tatsächlich habe ich mit meiner mittlerweile Lvl 11 Nachtklinge mindestens rund ein Viertel der gesamten Spielzeit in's Crafting gesteckt, wobei ein Ende nicht abzusehen ist.

Langzeitmotivation:
Kann ich noch nicht wirklich beurteilen, zumal der Endcontent natürlich auch noch nicht ansatzweise vollständig ist. Die erste Adventure-Zone wurde gerade auf der offiziellen Seite vorgestellt, sieht ganz vielversprechend aus. Bis ich's allerdings bis dort geschafft habe, dürfte einiges an Zeit in's Land gehen. PVP, Achievements, Char Optimierung bieten aber gleich mal einiges an Möglichkeiten. Und letzten Endes ist ein MMORPG ja auch immer eine individuelle Sache: Alleine, wenn man die bislang bestehende Welt komplett entdecken möchte, dürfte das ein paar Tage dauern... Wobei man bei einem Multi-Millionen-Dollar-Projekt aber davon ausgehen, dass noch so Einiges nachkommt. Irgendwie soll sich das Ganze ja langfristig amortisieren.

Kritik...?!
Gibt's auch. Und gar nicht mal wenig. Ich kann die Leute, die das Spiel wegen des Abosystems kritisieren, durchaus verstehen. 30 Tage Spielzeit inkl. Und dann nur gg. Vorlage der Kreditkarte...?! Wenn man überhaupt eine besitzt? Das wäre auch eleganter (und eben kundenfreundlicher) machbar gewesen.
Einsteigerfreundlichkeit ist auch so eine Sache: Die vorbildliche Lernkurve, die WoW einem vermittelt, gibt es hier nicht. Stellenweise eher das Gegenteil: Wenn man die ersten ein, zwei Fertigkeitspunkte erhalten hat und dann mal das Skillmenü öffnet: Huch ! Klassenskills, Waffenskills, Crafting, passive Fähigkeiten usw... wo soll ich denn meinen einzigen Skillpunkt einsetzen?
Am Anfang kam ich von Schattenhafen nach Khenarthis Rast, ohne zu ahnen, dass sich da das Lvl1-5 Gebiet anschließt, nur um von einem übereifrigen NPC gleich nach Auridon geschickt zu werden. Ok, alles nur Kleinigkeiten... Neu- und Quereinsteiger sollten aber vorgewarnt sein. Ganz so geschmeidig ist der Auftakt nicht unbedingt.
Hier und dort hakt auch Interface und Spielbarkeit: So sieht man an einigen Stellen deutlich die Zugeständnisse zum Konsolenpublikum. Die Steuerung über Tastatur und Maus ist nicht immer optimal (ganz schlimm zB der Schnellzugriff) und lange nicht so flexibel anzulegen wie bei anderen Vertretern. Glücklicherweise gibt es eine Schnittstelle für Addons (und auch schon einige sehr hilfreiche), die das ganze hoffentlich noch ein wenig aufwerten.

Fazit:
Gegenüber bekannten Genrevertretern wie WoW, Swtor, GW macht TESO ein ernsthafteren, erwachseneren Eindruck. Grafik, Quests, Kampfsystem... alles offenbart schnell mehr Tiefgang als zB beim Marktführer. Revolutionär ist das alles natürlich nicht (mehr), dafür aber stimmig und sehr hübsch designt. Reinschauen lohnt sich definitiv, die Gefahr dranzubleiben ist groß. An einigen Stellen hakt es durchaus noch sichtbar, da ein MMORPG aber gewöhnlich ein dynamisch voranschreitendes Projekt ist, bin ich zuversichtlich, dass sich noch einiges tun wird - die Grundlagen für einlangfristig wachsendes MMORPG wurden sehr überzeugend gelegt. Ich selber bin garantiert desöfteren in nächster Zeit in Tamriel anzutreffen.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 17, 2014 5:45 PM MEST


Kill 'em All
Kill 'em All
Preis: EUR 9,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Innovativ und bahnbrechend... Musikgeschichte !, 1. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Kill 'em All (Audio CD)
Wir schreiben das Jahr 1983 und befinden uns mitten in der Evolution des Heavy Metal. Auf dem alten Kontinent hat die New Wave of British Heavy Metal mittlerweile ihren Höhepunkt erreicht. Priest's „Screaming for Vengeance“ und Maiden's „Number of the Beast“ gelten bereits als kommende Klassiker, die Gangart ist allgemeinhin härter geworden. Die ganz harte Mucke wird jenseits des Undergrounds aber bislang lediglich von Motorhead und Venom repräsentiert. In den USA ist es noch vergleichsweise ruhig. Manowar sind drauf und dran, sich zu etablieren, aber sonst... Im Untergrund brodelt es allerdings: Dort zischt man sich bereits seit einem Jahr den Namen „Metallica“ zu, deren Demo „No Life till Leather“ sich zwar nur in überschaubaren Kreisen, dort aber nachhaltig Gehör verschafft.

1983 ist es dann soweit: Das Debut „Kill 'em all“ erscheint auf Music for Nations und nichts war wie vorher. Nie zuvor hatte sich eine Band getraut, derartig rauhes Material, durchgängig in überaus hoher Geschwindigkeit gespielt, auf voller LP-Länge zu veröffentlichen. Alleine aus kommerzieller Hinsicht der reinste Selbstmord hätte man mutmaßen können, hätte dabei die immer zahlreicher werdenden Metalheads unterschätzt. Die leisteten der Aufforderung „Bang your head against the stage like you never did before“ (Kult!) aus "Whiplash“ nämlich nur allzu gerne Folge. Wenn's denn ging, auch mal 24 Stunden am Tag...

„Kill 'em all“ hat im musikhistorischen Kontext eine erhebliche Bedeutung: Hunderte, tausende von Bands waren wie elektrisiert von diesem Sound, wollten genauso (zumindest so ähnlich) klingen, benötigten im Regelfall aber noch ein, zwei Jahre, um die vorgegebene Geschwindigkeit erstmal selber ansatzweise unfallfrei hinzubekommen. Die große Speed-/Thrash- (und später) Death-Metal-Welle setze 85/86 ein und erreichte 90/91 ihre Hochzeit. Die Pioniere waren einst Metallica mit dem hier vorliegenden Album. Der starken Produktion, die recht roh, dabei aber differenziert und dynamisch klingt, verdanken wir das diese (Musik-) Geschichte auch heute noch alles andere als verstaubt klingt und daher sollte man doch mal ein Öhrchen riskieren: Der zackige Opener "Hit the Lights", das etwas technischere "The four Horsemen", die Hymne "Jump in the Fire", das volle Brett "Metal Militia" und und und... Im Text der Abrissbirne "Whiplash" lesen wir übrigens die Zeile "Adrenaline starts to flow, you're thrashing all around...", die im Nachhinein für die Namensgebung des Thrash-Metal herhielt. Macht also nix, wenn man dem Album in regelmäßigen Abständen ganz pathetisch huldigt.


Armies of the Night
Armies of the Night
Preis: EUR 21,30

5.0 von 5 Sternen Power-Metal-Underground-Classic ! Kult !, 9. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Armies of the Night (Audio CD)
Von allen Re-Releases mehr oder minder bekannter Scheiben der 80er / frühen 90er hätte ich mit diesem hier am allerwenigsten gerechnet. Stormtrooper's "Armies of the Night" war schon nach Erscheinen 1985 wenn überhaupt, dann nur als Import in unseren Breitengraden zu bekommen. Erschienen ist das Teil übrigens ursprünglich bei Azra - das Label, welches auch Jag Panzer's "Ample Destruction" ein Jahr früher veröffentlichte. Die Firma verfügte offensichtlich über eine Art Talent-Scout-Department, spezialisiert of Power-Metal-Acts, die sonst kein Mensch haben wollte, und dem man auch 30 Jahre später noch dankbar sein sollte, ansonsten wäre die eine oder andere Truppe möglicherweise nie in der Lage gewesen, ihr Material überhaupt mal zu veröffentlichen.

Wie gesagt: Ursprünglich nur als Import erhältlich, wurde die Scheibe natürlich kaum zur Kenntnis genommen, um nicht zu sagen komplett übersehen. Was dem musikalischen Inhalt natürlich ganz und gar nicht angemessen erschien. Denn alle, alle, die ein wenig was mit US-Power Metal anfangen können, MÜSSEN die Veröffentlichung kennen, wurde hier doch der Grundstein für das Genre ansich (mit-)gelegt. Alleine aus metalhistorischer Hinsicht daher schon unverzichtbar. Sicherlich wegen des Labels gibt es einige Parallelen zu Jag Panzer: Angefangen bei der Produktion, die ganz sicher nicht optimal ausgefallen ist (wegen nicht vorhandenem Budget), auf der vorliegenden CD aber einiges an Aufwertung erfahren hat. Klingt wirklich akzeptabel und mittlerweile einen Zacken besser. Weiter geht's mit rauher Instrumentierung und hervorragendem Gesang und endet beim ausgezeichneten Songwriting. Wobei Stromtrooper eine Ecke eingängiger daherkommen als der Power-Metal-Durchschnitt - hier gibt's keine großen Spielereien, alles geradeaus und schnell auf den Punkt. Die Songs haben dabei (bei mir zumindest) einen hohen Gute-Laune-Faktor, was ebenfalls auf die Straight-Attitüde zurückzuführen ist. Auch wegen der kurzen Spielzeit (jedenfalls was die Original-EP mit nur vier Songs plus Intro angeht) eine regelrechte Party-Granate !

Hatte die EP 1987 auf einer Plattenbörse erstanden, seitdem vergleichsweise oft gespielt, so dass, mittlerweile vollständig abgenutzt, die CD-Edition gerade recht kam und ich alleine schon wegen der reichlich vorhandenen Bonus-Tracks nochmal herzlicher zugriff. Die Bonus-Tracks entpuppen sich aber leider als nicht gerade essentiell ("Alternate Version" gleich "Üble Produktion"). Sehr schade - hatte gehofft, noch etwas mehr von der Truppe zu hören, nachdem man im Netz oder sonstwo so gar nichts findet. Nichtsdestotrotz sind die fünf Original-Tracks so oder so den Kaufpreis wert.


Scream Aim Fire
Scream Aim Fire
Preis: EUR 4,99

5.0 von 5 Sternen Starker Nachfolger, 4. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Scream Aim Fire (Audio CD)
Das Debut "The Poison" war für BfmV Fluch und Segen zugleich. Segen insofern, als dass man sich von 0 auf 100 zu der populärsten Hoffnung in Sachen Moderner Metal etabliert hatte. Fluch, da man sich speziell wegen des Erfolgs der Singles "Tears don't fall" und "All the things I hate..." offenbar plötzlich im falschen Fanlager angekommen wähnte. Das gab die Band oder vor allem Ihr Mastermind Matthew Tuck jedenfalls (durchaus glaubwürdig) in einigen Interviews zu Protokoll. Scream, Aim, Fire sollte insofern zu einer Neuausrichtung werden und für mehr Credibility in der seriösen Metal Community sorgen. Soweit der Plan...

SAF klingt in der Tat anders als The Poison: Metalcore-Elemente (hier natürlich die derben Shouts von Basser Jay) wurden stark zurückgefahren, einige Tracks kamen komplett ohne aus. Musikalisch legte man aber einen Zacken zu. Zahlreiche Hochgeschwindigkeitsstücke mit ordentlicher Gitarrenbreitseite legen Zeugnis darüber ab, dass es die Band mit ihren Ankündigungen durchaus ernstgemeint hat. So geht SAF dem Oldschool-Metaller wesentlich geschmeidiger ins Ohr als noch das Debut.

Den Aufschrei der Community gab es natürlich trotzdem. DIE Metalcore-Hoffnung schlechthin macht jetzt Einen auf halb-ärschigen Trasher? Man hatte allerdings den dummen Eindruck, dass egal was BfmV abgeliefert hätten, das Ganze bei Vielen eh durchgefallen wäre. Als ernsthafte harte Band sollte man mit Album Eins nicht geich zum Platinact werden, ohne dass in der Community an allen Ecken und Enden Ausverkauf gewittert wird. Und Stücke wie "Hearts burst into Fire", das sich stark nach US Classic Rock anhört, waren natürlich Wasser auf die Mühlen eben jener "Kritiker". Ausverkauf war natürlich so oder so Quatsch. Mit Tracks wie "Waking the Demon", "Take it out on me" oder "The last to know" sprengt man noch jede Durchschnittsfete nachhaltig. Und die restlichen Tracks stehen vielleicht in Härte, nicht aber in Klasse zurück. Der Titeltrack und "Eye of the Storm" sind hübsche Granaten, die da gleich zu Anfang abgefeuert werden, die einzige Ballade "Forever and Always" wird im Mittelteil zum amtlichen Brett und "Deliver us from Evil" ist schlicht eine hervorragende Komposition.

Tatsächlich haben BfmV mit ihrem Zweier für mich so ziemlich alles richtig gemacht. Der Stil wurde leicht verändert (nicht so sehr wie manche gerne glauben), durch die traditionellere Ausrichtung hätte man durchaus mehr Oldschool-Metaller erreichen können. Wenn die sich nach dem Erfolg des Debuts und der stellenweise erfolgten Einordnung von BfmV in den unsäglichen Emo-Bereich die Band überhaupt noch angehört haben. Ich höre die Scheibe mit ungebrochener Begeisterung und sehe sie auf dem gleichen Level wie das Debut.


Fever
Fever
Preis: EUR 5,99

2.0 von 5 Sternen Auf dem Weg in die Gewöhnlichkeit, 4. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Fever (Audio CD)
Als 2008 Scream Aim Fire erschien, befürchtete ein Großteil der Community schon übelstes: Weg von den ursprünglichen Trademarks und hin zu einer ganz normalen (und dabei nicht zwingend guten) Metalband. Konnte ich so gar nicht nachvollziehen. Für mich war SAF ein logischer und hochklassiger nächster Schritt. Mit Erscheinen von Fever 2010 muss ich den Skeptikern aber im Nachhinein Respekt zollen. Die hatten Recht, leider...

BfmV präsentiert sich 2010 weiter gereift. Energien wurden in kompakten Metalsongs umkanalisiert, Jugendliche Unbekümmertheit ist einer gewissen Routine gewichen. Und das ist das Problem. Mit den Trademarks der beiden ersten CDs gingen leider auch sämtliche Wiedererkennungseffekte dahin. Fever präsentiert uns 12 gutklassige Metaltracks. Die könnten allerdings auch von irgendwem sein....

Dabei geht's ganz gut los: Die Anfangs-Dreier-Line fällt mit "Your Betrayal", dem Titeltrack und vor allem "The last Fight" ganz ordentlich aus. Alles recht catchy, gute Gitarrenarbeit, die Power der beiden Erstlinge bleibt allerdings weitestgehend auf der Strecke. Das Unheil beginnt dann bei der ersten Ballade "A Place where you belong". Fängt gut an, erinnert vom Songwriting und zu großen Teilen der Instrumentalisierung dann aber eher an Nickelback. Wo bleiben die Ausbrüche, die sonstige BfmV Balladen hintenraus immer zu richtigen Brettern machten? Und ab hier erfährt die ganze CD einen Bruch, von dem sie sich kaum noch erholt. "Pleasure and Pain" und "Alone" beginnen mit starker Gitarrenarbeit, um den erwartungsvollen Hörer in höchst mittelmäßige Refrains zu entlassen. „Breaking out, breaking down“ und "Dignity" kommen noch eine Ecke flacher daher und schaffen es kaum in mein Kurzzeitgedächtnis. Bei "Bittersweet Memories" schaute ich beim ersten Hören ungläubig auf meinen mp3 Player in der Hoffnung, der habe sich ausgeklinkt und sei bei Shinedown wieder eingerastet. Gutes Stück eigentlich, aber sowas will ich doch nicht von BfmV hören... genausowenig wie ich je "Nothing else matters" von Metallica hören wollte. Wenn wir dann bei "Begging for Mercy" angelangt sind, hat mich die Band auch soweit, genau das zu tun. "Gnade! Bitte kein nullachtfuffzehn mehr." Ein wenig verschämt versteckt am Ende der CD lassen es die Jungs dann doch noch mal krachen. Ebenjenes "Begging for Mercy" und der Schlussstrich "Pretty on the Outside" beschwören noch mal den alten Spirit. Wenn auch nicht mehr mit ehemaliger songwritericher Klasse.

Fever klingt über weite Strecken gewöhnlich. Kaum noch Ecken und Kanten, dafür Rationalität. Wenn es der Erstling einer unbekannten Band wäre, würde ich drei Punkte vergeben. Im Hinblick auf die Großtaten der Bandgeschichte reicht's zu zwei Punkten. Sehr schade...


Graceful Inheritance
Graceful Inheritance

5.0 von 5 Sternen Vergessener Klassiker des Epic Metals, 2. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Graceful Inheritance (Audio CD)
Heir Apparent's Debut "Graceful Inheritance" erschien 1986 unter gewissen Widrigkeiten. Die Band war in den heimischen USA nicht in der Lage, ein Label für sein Material zu begeistern, so dass man den ungewöhnlichen Weg eines EU-Releases gehen musste. Das mit den unangenehmen Nebeneffekten, dass man a) einiges an Zeit verlor und b) einen der größten potentiellen Märkte (nämlich den heimischen) gleich mehr oder minder abhaken konnte. Dort erschien die Scheibe nur als Import.
So kam also das kleine französische Label Black Dragon zum Zuge und spendierte "Graceful Inheritance" zunächst einmal eines der schönsten Coverartworks der gesamten Metal-Geschichte, die die hier vorliegende CD-Edition leider nicht mehr aufweist, was anhand des gebotenen musikalischen Inhalts allerdings zu verschmerzen ist. Ich musste damals nachschlagen: "Heir Apparent" übersetzt sich zu "Thronanwärter" und selten stimmten namentlich benannte Ambitionen so mit künstlerischem Output überein wie hier. "Thronbesteiger" wäre vielleicht noch passender gewesen. Denn genau das tat Heir Apparent: Man bestieg mit "Graceful Inheritance" als Insignie quasi souverän den Thron des epischen US-Powermetals. Und würde dort eventuell auch heute noch sitzen, wäre die Karriere der Band nur ein wenig geschmeidiger verlaufen.

Wie auch immer: Mit GI wurden Maßstäbe gesetzt. Intelligentes Songwriting, dass die gesamte Bandbreite von langsam/getragen ("Keeper of the Reign") bis rasant ("Nightmare") abdeckt. Das Ganze einzigartig instrumentiert durch Terry Gorle's Gitarrenspiel (erkennt man unter 1000en sofort), Derek Peace's prägnantem Bass und veredelt durch Paul Davidson's berückend-melancholischen Gesang, über die gesamte Spielzeit von guten 45 Minuten eine einzigartige Atmosphäre erzeugend. "Another Candle", "Hands of Destiny", "Master of Invasion", "Dragon's Lair"... Höhepunkte unter Höhepunkten, die die anfangs beschriebenen Schwierigkeiten der Band, überhaupt einen Plattenvertrag zu finden, zu einem Mysterium werden lässt, über das sich mittlerweile der Nebel der neuzeitlichen Geschichte gelegt hat - ich kann's jedenfalls nicht nachvollziehen.

Presseseits stieß GI bei Erscheinen allerseits auf Wohlwollen und Begeisterung, was aber auch nicht dazu angetan war, sämtliche Metalheads landesweit zu ermutigen, hier umgehend zuzugreifen, so dass die Band nach nur einem einzigen Nachfolger ("One small voice", 1989, besetzungstechnisch umgekrempelt und musikalisch stark modifiziert) zunächst den Weg alles Irdischen ging, sich hier und dort wieder reformierte, den vorliegenden Geniestreich aber nicht wiederholen konnte.

Wer "Graceful Inheritance" nicht kennt, sollte dieser großartigen Truppe auch heute noch die Ehre erweisen. Das Teil klingt auch mehr als 25 Jahre nach seiner Veröffentlichung immer noch einzigartig.


Act of God
Act of God
Preis: EUR 15,09

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterbewertet und fast vergessen, 24. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Act of God (Audio CD)
Von ZnöWhite hörte ich zum ersten Mal in der Sendung "Scream" im WDR2-Radio 1988, in der der Track "To the last Breath" gespielt wurde. Thrash-Metal mit hohem Wiedererkennungswert, da im Refrain äußerst melodisch. Mit Thrash-Metal war das 1988 noch so eine Sache: Wenn man nicht gerade neben dem Saturn, Köln wohnte, war da durchaus schonmal schwer dranzukommen. Ich wohnte in der Gegend, aber nicht nebenan, also per Mailorder bestellt.
Nach Eintreffen und Betrachten der LP stellte ich erstmal einige formale Besonderheiten fest: Gitarrist und Hauptsongwriter Ian Taffoya stellte sich als Schwarzer heraus, dazu wurde mit Nicole Lee eine Sängerin präsentiert (alles recht ungewöhnlich für Thrash, zumal 1988). Das Frontcover zeigt eine ältere Dame mit Strickmütze(?) und Billardkugel am Strand auf schlecht belichteter Fotografie und ich hätte (wider besseren Wissens) eigentlich auf eine Indie-Schrammel-Produktion mit reichlich Rückkopplungen und psyhodelic-Einschlag getippt, aber sicher nicht auf Thrash.

Der wurde hier aber intoniert. Und wie. Hübsch runtergestimmte Gitarren, a-u-s-g-e-z-e-i-c-h-n-e-t-e-r Gesang und Schlagzeuginferno bestimmen über weite Strecken das Bild. Das Ganze bei überwiegend hoher Geschwindigkeit (nicht supersonic, aber hoch), stellenweise auch mal Midtempo ("War Machine") und hintenraus fast doomig ("Something wicked…"), und bei gleichbleibender (hoher!) Qualität. Wobei der schon starke Opener "To the last Breath" nicht mal der Höhepunkt war. Die heißen "Pure Blood", "Rest in Peace", "A Soldier's Creed" und das abschließende, fast schon monumetale "Something wicked (this way comes)", mit über 9 Minuten ein kleines Epos. Und ich stelle fest, da die CD gerade wieder mal läuft, dass die Nummern auch Jahre später nichts von ihrem (rauhen) Charme verloren haben. Textlich ist das, was angeboten wird, nicht weltbewegend - es geht oft um Krieg, auch schonmal um Nationalsozialismus ("Pure Blood"), für "Thunderdome" (mit Intro "Ladies and Gentlemen, boys and girls, dying time is here", haha) wurde offensichtlich "Mad Max III" als Inspiration gewählt - sprachlich fügt sich das aber virtuos und passend zur Musik in die Tracks ein.

Die überschaubare Anzahl der Rezensionen hier lässt auch gleich erahnen: "Act of God" und ZnöWhite generell war ein eher exklusives Erlebnis. Folgerichtig löste sich die Truppe dann auch gleich wieder auf. Ian Taffoya gründete "Cyclone Temple" (ebenfalls stark, ebenfalls unterbewertet). Soll aber niemanden daran hindern, bei "Act of God" zuzuschlagen. Die komplette Scheibe ist absolut empfehlenswert, entstand quasi in der Evolution des Thrash-Metals und sei daher vor allem Traditionalisten und Old-School-Freaks ans Herz gelegt.


Vicious Rumors
Vicious Rumors

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen VR mit leichter Neuausrichtung, immer noch ganz stark..., 14. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Vicious Rumors (Audio CD)
Ich kann mich noch an Interviews mit Geoff Thorpe unmittelbar vor der Veröffentlichung des bandbetitelten Albums 1990 erinnern: Da war Aufbruchstimmung zu spüren. Vom endgültigen Durchbruch war die Rede. Und die Zeichen standen gut, war die Band doch gerade bei Atlantic untergekommen und hatte durch eben dieses Signing natürlich reichlich Rückenwind, konnte man sich doch nun, vom Independent Label Shrapnel kommend, endlich auch einer ordentlichen Marketingunterstützung sicher sein.

Aber ebenfalls klar: Den großen (kommerziellen) Durchbruch schafft man nicht ohne adäquates Songmaterial. Und mit "adäquat" ist hier nicht 50minütiges Durchpowern wie noch auf den beiden Erstlingen zu hören, gemeint. Es mussten einige Zugeständnisse gemacht werden…

"Ship of Fools" und "Can you hear it" waren für Vicious Rumors-Veteranen damals ungewöhnliche Klänge. Beides sehr gute Stücke, im Kontext allerdings ein wenig beliebig. Ähnliches gilt für "Axe and Smash" das mir ein wenig zu aufdringlich hymenhaft daherkommt. Ich konnte die Entwicklung allzu gut verstehen. Ist sicherlch nicht hochgradig befriedigend, einen Knaller nach dem anderen abzuliefern, von der Presse regelmäßig über den grünen Klee gelobt zu werden, im Gegenzug aber gerade mal eine mittelmäßige Publikumsakzeptanz für sich verbuchen zu können. Und Atlantic Records hatten anderes im Sinn als zum sozialen Fangnetz ewiger Supertalente zu werden. Verwunderlich allerdings, dass die Neuausrichtung nicht sonderlich konsequent vollzogen wurde. So gehen die genannten Stücke weitaus geschmeidiger ins Ohr als noch das Material von "Soldiers…" und "Digital…", haben dabei aber lange nicht den Airplay-Charakter, um die Verkaufszahlen mal eben zu potenzieren.

Am stärksten ist "Vicious Rumors" immer dann, wenn die Fetzen fliegen: "On the Edge" (mit genialem Riffing), "Hellraiser", der Opener "Don't wait for me" oder "World Church" hätten genauso auch auf den beiden Erstlingen stehen können. "Down to the Temple" und "Thrill of the Hunt" runden das Material wunderbar ab. Das obligatorische Instrumental "Electric Twilight" findet mal ungewohnterweise ziemlich spät auf dem Album und dort hat es für mich leider starken Füller-Charakter.

Unter'm Strich (natürlich) wieder mal eine starke Scheibe aus Kalifornien, die aber nicht mehr so elektrisiert wie die beiden genialen Vorgänger.


Digital Dictator
Digital Dictator
Preis: EUR 25,40

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum Niederknien, 13. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Digital Dictator (Audio CD)
Ich hatte Vicious Rumors kurz vor dem Erscheinen von "Digital Dictator" kennengelernt und war (und bin) vom Debut "Soldiers of the Night" vollständig begeistert. So war ich aufgrund der verlauteten personellen Änderungen etwas verunsichert. Vinnie Moore war mittlerweile schon auf Solopfaden unterwegs und wurde durch Mark McGee ersetzt und ausgerechnet der geniale Gary St. Pierre machte seine Stelle für Carl Albert (ursprünglich Ruffians, starke Debut-EP übrigens) frei.

Digital Dictator beginnt wie das Debut mit einem vergleichsweise ruhigen Instrumental ("Replicant"), um dann in den Titeltrack zu münden. Und dort angelangt war auch schon klar: Personelle Veränderungen… Probleme möglicherweise…?! Eher im Gegenteil: Klar, Carl Albert klingt anders als sein Vorgänger (deutlich kontrollierter), tatsächlich passt sein Stil noch besser zu Vicious Rumors. Und weiter mit den guten Nachrichten: Die Produktion klingt einen ganzen Zacken dynamischer als noch beim Debut (Schlagzeugoverkill damals) und transportiert die Energie der Band wesentlich differenzierter.

Also, wo ist der Haken? Beim Songmaterial sicherlich! Aber nö… ich konnte es kaum gauben, denn selbst hier wurde das Debut (wenn auch minimal) übertroffen. "Digital Dictator" kommt über die gesamte Spielzeit eine Kleinigkeit geschlossener daher, wobei sich stilistisch nicht viel geändert hatte: Power(!)-Metal, wohin das Ohr auch hört, allerdings mit mehr Hooks als auf "Soldiers…". Höhepunkte, wenn ich welche nennen muss: Der Titeltrack, "Worlds and Machines", "Out of the Shadows". Und darüberhinaus der ganze Rest.

Dass Vicious Rumors mit "Digital Dictator" nicht einer DER Metalacts schlechthin geworden sind, werde ich wohl in diesem Leben nicht mehr verstehen. Da ich beim Debut schon 5 Sterne rausgerückt habe, müssten's hier eigentlich 6 sein. Buy or die!


Soldiers of the Night
Soldiers of the Night
Preis: EUR 28,75

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einers der besten Debuts aller Zeiten, 13. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Soldiers of the Night (Audio CD)
Das Debut "Soldiers of the Night" stellt für mich zusammen mit dem unmittelbaren Nachfolger "Digital Dictator" den Höhepunkt der Band dar. Vicious Rumors schafften das Kunststück, Ihren Stil auf dem Debut fast schon perfektioniert zu haben. Power Metal gibt's zu hören, wobei "POWER" großgeschrieben es noch besser trifft. Die Nachfolger klingen allesamt etwas sauberer, was vor allem an den Produktionen liegt. Der Schlagzeug-Sound des Debuts erinnert stark an Kiss' "Creatures of the Night" - kommt hier ähnlich brachial. Hört Euch mal den Chorus von "Murder" an: Da wird drumtechnisch alles zusammengekloppt, unglaublich. Stellenweise geht das ein wenig zu Lasten der Rythmusgitarren, vor allem immer dann, wenn sich Gesang und Drums drüberlegen. Die Leads kommen allerdings laut und deutlich. Andererseits reden wir hier von dem 86er Debut einer US-Power-Metallcombo, da sind kleinere produktionstechnische Abstriche gerne verziehen.

Das fällt vor allem wegen dem Dargebotenem leicht. Direkt beim ersten Stück "Ride (Into the Sun)" wird reinhauen, dass mir regelmäßig die Tränen in den Augen stehen. Gary St. Pierre, der Sänger… komisch, ich hatte weder vor- noch hinterher je von dem gehört. Wieso eigentlich nicht? Der war ja sensationell gut (wobei Carl Albert ab dem zweiten Album natürlich nicht schlechter war.) Die Band zieht über die gesamte Spielzeit mal eben alle Register: Irre schnell (Ride, Blitz the World (JA!), In Fire (JAAAAA!) Stampfer (Medusa, March or die) oder Hymnen (Soldiers of the night) wechseln sich bei gleichbleibender (hoher!) Qualität ab. "Murder" baut durch das starke Akkustikintro reichlich Atmosphäre auf, um im Chorus mal richtig abzuledern. Dazu noch das starke "Domestic Bliss" mit teils jazzigen Strophen und großartigen Gitarren zum Schluss und der Rausschmeisser "Blistering Winds".

Ich habe mir das Teil mittlerweile bestimmt 30-40mal angehört und kann inhaltlich schlicht keine Schwachstellen finden. Sensationeller Auftakt einer ganz starken Band, die auch anstehende Personalprobleme im unmittelbaren Anschluss locker bewältigte. Nachzuhören dann bei "Digital Dictator"...


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