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Rezensionen verfasst von
Margarete Hachenberg "margy" (dierdorf)
(REAL NAME)   

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Der Hof
Der Hof
von Simon Beckett
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

21 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein ganz toller Krimi, 1. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Hof (Gebundene Ausgabe)
Eindringlich und interessant, rätselhaft, was meine Neugier weckte, so begann dieser Kriminalroman. Gefühle des Entsetzens und der Erschütterung tauchten in mir auf. Detailliert erzählt der Autor die Vorgänge, die interessant und spannend sind. Sehr ungewöhnlich finde ich, dass dieser Roman in der Gegenwartsform verfasst ist. Die Eindringlichkeit der Situationen, das Denken und Fühlen der Person, um die es geht, kommen durch das Präsenz und der Ich-Darstellung bestens zur Geltung.
Kurze französische Dialoge tauchen auf. Doch in kursiver Schrift taucht dann auch die deutsche Übersetzung dazu auf. Lebendig sind die Ereignisse, immer gegenwärtig und ich konnte mich auf die Hauptfigur einlassen, mich auf sie konzentrieren und ihr Denken und Fühlen miterleben, es nachvollziehen.
Lange Zeit stand ich im Nebel, denn der Name der erzählenden Figur bleibt lange Zeit geheim. Dafür werden Gegenden beschrieben, sie werden ausführlich erläutert und auch die Begebenheiten.
Mystisch, thrillermäßig angehaucht geht die Geschichte weiter, in der die Hauptfigur eine Form, ein Wesen und einen Charakter bekommt. Angst hat diese Person, sie verzweifelt und ist verzweifelt.
Entsetzen taucht auf, als Einzelheiten der Eisenfalle geschildert werden. Temporeich ist der Text, dem Fluss der Geschehnisse angepasst.
Die Gedanken und das Reden mit sich selbst treibt die Geschichte voran. Unterbrochen wird das mit kurzen Dialogen, in denen die Hauptfigur mit sich selbst spricht. Rasant geht es weiter, die Spannung ist unerträglich bis zum Ende.
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 2, 2014 9:53 PM CET


Der abenteuerliche Simplicissimus
Der abenteuerliche Simplicissimus
von Hans J Ch von Grimmelshausen
  Taschenbuch
Preis: EUR 5,80

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Dreißigjährige Krieg aus satirischer Sicht, 31. Januar 2014
Was ich über den Verfasser in Erfahrung bringen konnte:
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Grimmelshausen kämpfte gemeinsam mit Peter Hagendorf im Dreißigjährigen Krieg. Er stammte aus Hessen und kämpft mit den Habsburgern. Er ist so etwa 16 Jahre alt, rothaarig und der Sohn eines Bäckers. Er kämpfte als Kind in den Wirren des Krieges. Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller des 17. Jahrhunderts. 1621/22 in Gelnhausen geboren, besuchte er dort die evangelische Stadtschule bis ihn der Kroatenüberfall am 15.9.1634 in den Strudel des Dreißigjährigen Krieges zog und durch die verschiedensten Gegenden Deutschlands führte. 1667 wurde er Schultheiß in Renchen. Er starb am 17.8.1676.

Interessante Informationen zu dem Buch:
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Es geht bei dieser Darstellung um einen Schelmenroman, der sehr satirisch verfasst ist. Es ist die Epoche des Barock.
Zuerst, in seiner Urfassung, gab Grimmelshausen nicht seinen richtigen Namen an. Er nehm die Buchstaben seines Namens und verdrehte sie, machte einen anderen Namen daraus: German Schleifheim von Sulsfort.
Titel des Originals: Simplicissimus Teutsch
Die ursprüngliche Ausgabe wurde gedruckt von: Wolff Eberhard Felßecker in Nürnberg. Beides jedoch stimmt so nicht.

In der Erstausgabe heißt es auf dem Buchumschlag:

Das ißt // Die Beschreibung deß Lebens eines // seltzamen Vaganten / genannt Melchior // Sternfels von Fuchshaim / wo und welcher // gestalt Er nemlich in diese Welt kommen / was // er darinn gesehen / gelernet / erfahren und auß= // gestanden / auch warumb er solche wieder // freywillig quittiert. // Überauß lustig und maenniglich // nutzlich zu lesen. // An Tag geben // Von German Schleifheim // von Suslfort. // Monpelgart / //Gedruckt bey Johann Fillion / // Im Jahr MDCLXIX
Als Druckjahr ist 1638 angegeben, doch erschien es erst ein Jahr darauf.

Leseprobe:
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In diesem unseren siebzehnten Jahrhundert - und ganz besonders gerade jetzt - ist unter einfachen Leuten eine sonderbare Sucht verbreitet. Kaum haben sie sich so viel erschachert und errafft, dass sie sich außer ein wenig Geld im Beutel auch noch ein Kleid oder einen Frack nach der neuesten Mode leisten können, mag sie auch noch so närrisch sein - gleich wollen sie Ritter und Herren aus altem Adelsgeschlecht sein! Meist aber waren ihre Vorfahren Tagelöhner, Fuhrleute, Lastträger oder gar nur Eseltreiber. Auch Aufseher waren darunter, die sich zu Bütteln der Herren machten, und unter den Frauen gab es üble Weibsbilder, Kupplerinnen und Hexen. Kurz gesagt, die ganze Ahnentafel dieser neuen Adligen war alles andere als unbefleckt.

Wie ist der Inhalt:
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Simplicissimus ist ein ganz einfacher Junge ohne jegliche Bildung. Selbst seinen Namen weiß er nicht. Er stammt aus dem Spessart, wo er mit seinem Vater lebte und das Vieh hütete.Einmal spielt er bei Hüten des Viehs auf seiner Sackpfeife. Soldaten kommen, dringen in die armselige Hütte ein und nehmen sich alles, was sie gebrauchen können, sie foltern den Knecht und sie bringen die Leute des Hauses um, setzen die armselige Hütte in Brand. Simplicissimus rennt in den Wald und entkommt auf diese Weise diesen Soldaten. Er kann nicht mehr zu seinen Eltern zurück. Er kommt zu einem alten, einsamen Mann, der sich um ihn kümmert, ihm lesen und schreiben beibringt. Der Einsiedler stirbt und Simplicissimus ist alleine. Er findet einen Brief des alten Mannes. Der soll ihm Wegweiser sein. Gelnhausen wurde überfallen und überall geplündert. Simplicissimus zieht weiter. Er kommt an den Hof des Kaisers, wo er sich nicht nach den höfischen Sitten benimmt und zum Narren abgestempelt werden soll. Es gelingt ihm die Flucht und er erlebt weitere Abenteuer. Er kommt durch ganz Deutschland, immer wieder in andere Städte. Immer wieder steht Simplicissimus vor Herausforderungen und wenn es brenzlich wird, flieht er. Wie es der Name Simplicissimus schon sagt, geht es um einen ganz einfachen, primitiven Menschen, der nicht weiß, was mit ihm und um ihn herum geschieht. Seit dem Tod des Einsiedlers hat er keine feste Bleibe mehr, ständig ist er unterwegs. Er zieht mit den Heeren bis nach Magdeburg, wo er sich mit Ulrich anfreundet. Ulrich hilft Simplicissimus bei der Flucht. Die Stadt steht vor der großen Zerstörung und so zieht Simplicissimus weiter. Er kommt in ein Kloster und lernt das Fechten. Es geht um die Abenteuer und um das Herauswinden aus jeder schrecklichen Lage.

Wie finde ich den Roman:
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Lebendig und völlig überspitzt ist dieser Roman geschrieben. Zynisch und satirisch, völlig übertrieben sind die Darstellungen und einzelnen Szenerien. Als der junge Simplicissimus die Sackpfeife spielt, kommt ein Gedicht zutage, es könnte ein Lied sein, das die Gesellschaftsschichten wunderschön beschreibt. Es stellt das Leben der Menschen in der Zeit des 17. Jahrhunderts dar. Grimmelshausen schreibt in der Ich-Form aus seiner Sicht und wie er den Krieg, die Menschen und die Zeit mit seinen Augen sieht. Es kommt mir so vor, als gehe es um Till Eulenspiegel mit all seinen Streichen oder auch so, als erzähle Till Eulenspiegel von seinen Streichen.
Die Zeit und die Schandtaten, die Scharmützel werden lebendig, erschütternd und entsetzlich ist diese Zeit während die Soldaten, die verschiedenen Heere in Dörfer und Städte eindringen und dort alles verwüsten, alles zerstören und sich zu eigen machen, was den anderen gehört.
Dann taucht wieder ein Gedicht auf, das eigentlich den Zuständen des Krieges widerspricht. Es geht um die Vögel, die am Himmel singen, es geht um die Nacht, wahrscheinlich die einzige Zeit, in der keine Kanonen erklingen, keine Machete kracht und Menschen tötet und es geht um Gott, der zu loben ist. Doch: Ist der Krieg wirklich Gottes Wille? Es war so gegensätzlich zu dem, was am Tage los war. Und ich fragte mich: War in der Nacht denn wirklich Ruhe und die Soldaten, die Bürger schliefen oder war nicht auch dann etwas los? So jedoch entsteht ein Gesamtbild dieser beeindruckenden Zeit.
Es geht um den Aberglauben und den Glauben der Menschen, um die Einstellung der Hexen mit dem Teufel. Es geht um die Wahrnehmungen der Menschen in Bezug auf diesen besagten Wahn.
Die Menschen lebten in der Vorstellung, dass zum Hexentanz aufgespielt wird - Frauen tanzen an einem bestimmten Platz mit dem Teufel - und da spielen sie dann auf dem Schwanz einer Katze oder der Pfote eines Hundes zum Tanz. Dadurch sollten dann Klänge und Musik entstehen.
Es ist sehr eindringlich, sehr präzise, trotz aller Übertreibung ein realistisches und glaubwürdiges Bild dieser Zeit entstanden mit allen Facetten, die einen Krieg ausmachen. Es ist ganz speziell - finde ich - wie der Autor in einer Art Satire oder Comedy - in diesem Mantel seine Epoche und die Erlebnisse wiedergibt mit allem, was dazugehört, selbst der Brand und die Zerstörung Magdeburgs.
Vielleicht musste Grimmelshausen auf diese Weise schreiben, denn viele Männer wurden seinerzeit als Ketzer und Zauberer verbrannt, die sich nicht an die Regeln der Kirche und des Kaisers hielten.


Peter Hagendorf - Tagebuch eines Söldners aus dem Dreißigjährigen Krieg (Herrschaft Und Soziale Systeme in Der Fruhen Neuzeit)
Peter Hagendorf - Tagebuch eines Söldners aus dem Dreißigjährigen Krieg (Herrschaft Und Soziale Systeme in Der Fruhen Neuzeit)
von Jan Peters
  Taschenbuch
Preis: EUR 29,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Soldat im 30jährigen Krieg, 31. Januar 2014
Was schreibt Peter Hagendorf über seine Zeit als Soldat:
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Der Soldat Peter Hagendorf erzählt von seinen Gegnern und dem Elend der Menschen, die eingeschlossen sind, das Notdürftigste nicht mehr zu essen haben. Sie greifen zurück auf Tiere, die sie schlachten, wie Hunde und Katzen, um nicht zu verhungern, sie essen Wurzeln, verendete Ratten und Pferde, sie greifen nach dem Gras, das sie essen und die Haut von Schafen.
Dürr und bis auf die Knochen abgemagert sind die Menschen, die Hunger leiden, weil ständig Heere einfallen und alle Nahrungsmittel wie Getreide und Vieh an sich reißen. Menschen kratzen den Kalk von den Wänden und essen den auch noch. Tote, die in ihren Gräbern lagen, werden wieder herausgeholt und aufgeschnitten, die inneren Organe herausgeholt und die gegessen. Not macht erfinderisch und in dem Elend, das in diesem Krieg herrscht, lassen sich die Menschen so einiges einfallen.
Lebende Menschen werden getötet und verspeist. Es geht um die gegnerischen Truppen wie die Habsburger, die Niederländer, die Schweden. Ganze Städte brennen, nur noch der aufsteigende Rauch ist zu sehen.
Er schreibt über die Kämpfe, über den Weg, den er während des Krieges zieht und darüber, wie er als ein Söldner mit den anderen Soldaten bei den Bürgern, bei denen sie eindringen, plündern und ihnen alles entreißen, was sie zum Leben brauchen, weil sie selbst Hunger haben und essen müssen. Peter Hagendorf zeigt uns das Bild aus den damaligen Soldatenlagern, den Feldlagern. Das Buch beginnt von seiner Reise nach Italien und durchläuft Europa und den gesamten Kriegsschauplätzen der damaligen Zeit. Hagendorf ließ sich in Italien anwerben und zog dort mit dem Regiment unter dem Hauptmann Wortenburgk. Graf Pappenheim war einer seiner Gegner. Während des Kriegzuges bettelt er und er heiratet. Er schreibt nichts von Hunger, nur von Festmahlen, an denen er besonders gut gespeist und getrunken hat. Seine Frau wurde zuerst krank, dann er, dann war sie schwanger und verlor ihr erstes Kind. Hagendorf hatte keine Zeit zu trauern, mit dem Heer musste er immer weiterziehen und seine Frau im Tross mit dazu. Manchmal gibt es lange Zeit nichts zu essen und nichts in den Magen. Das Heer leidet Hunger, so auch die Frauen und Kinder, die im Tross mitziehen. Dann stirbt sein zweites Kind auf dem Kriegszug.
Die Hexenverbrennungen erwähnt er anhand eines 18jährigen Mädchens und gleichzeitig redet er von gutem Bier.
Oft spricht er auch vom Geld, vom Sold, den ein Söldner bekommt, so dass der Eindruck entsteht, er ging zum Heer wegen des Geldes.

Wie finde ich den Bericht/ die Erzählung:
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Realistisch aus der Sicht eines Soldaten, der den Krieg erlebte und gegen seine Feinde kämpfen musste, glaubwürdig und in bildhafter Darstellung ist das alles geschrieben. Die Reise und die Wege, die Peter Hagendorf sieht, in denen er kämpft, sind wie Bilder, die entstehen und zeigen, wie es in Deutschland und Europa zu seiner Zeit des 17. Jahrhunderts aussah. Die Ausdrucksweise ist einfach. Obwohl Stellen sehr romantisch und poetisch beschrieben werden, Bilder entstehen lassen, ist das Grausen, die Greuel des Krieges erst einmal. unterschwellig zu spüren.
Verliebtheit und Träumerisches vermischt sich mit den Schrecken des Krieges, den Schlachten und dem Gemetzel.
Nüchtern, ganz ohne Schnörkel, ist es eine Erzählung von Erlebnissen mit Landschaftsbeschreibungen und Eindrücken seiner Reise. Er schreibt in der Ich-Form.
Gefühle sind keine zu spüren, doch ich merkte doch, er hing an seiner Frau und an den Kindern.
Manchmal sind es nur Brocken, die Hagendorf schreibt, skizziert und sie schildert, so als ginge es um ein Telegramm, das er irgendwohin schickt. Ebenso ist es hier und da nur ein einziges Schlagwort, das uns einen Eindruck vermittelt, was er von den Gegnern hält und wie froh er ist, ihnen entkommen zu sein. Das ist es, was von seiner Seite einen Eindruck vermittelt, wie er den Schrecken des Krieges sieht.
Sachlich, doch auch eindringlich sind die Worte des ehemaligen Söldners, die einen Anflug des Gefühls an mich weitergeben.
Erschütternd, entsetzlich und gruselig, brutal. ohne genaueres zu sagen, ist von seiner Verletzung die Rede. Das, was er sagt, ist zwar lückenhaft, doch genau diese Lücken lassen wieder ein Bild entstehen. Es wird vollständig.
Präzise und sehr genau, wunderbar detailliert sind die einzelnen Vorgänge in Szene gesetzt von 1625 bis hin ins Jahr 1649, so dass ein genauer Eindruck und damit ein Gesamtbild dieses Krieges aus der Sicht eines einzigen 'Soldaten entsteht.
32 Bilder in schwarz weiß untermauern den Text und geben einen zusätzlichen Eindruck der damaligen Zeit. In einer Lasche der Buchrückseite im Innenteil befindet sich eine Karte von der gesamt zurückgelegten Marschroute der Jahre 1625 - 1649.
Es ist das Zeitalter, die Epoche des Barock, aus der dieses Tagebuch stammt und so ist die neue Rechtschreibung an das Original angelehnt, dass es vom Wortlaut her poetisch und romantisch angehaucht ist, obwohl es sich um den Krieg dreht, der in seinem Grauen und Schrecken kaum zu überbieten ist.


Tagebuch aus dem 30jährigen Krieg: Nach einer Handschrift im Kloster Andechs mit Vorwort, Anmerkungen und Register
Tagebuch aus dem 30jährigen Krieg: Nach einer Handschrift im Kloster Andechs mit Vorwort, Anmerkungen und Register
von Maurus Friesenegger
  Taschenbuch
Preis: EUR 15,90

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grauen und Schrecken des Dreißigjährigen Krieges, 31. Januar 2014
Im Vorwort schreibt Johannes Eckert von der Kirche, wie sie heute aussieht und wie der Bau der Gotteshäuser im 17. Jahrhundert war. Die Kuppeln ragten weit hoch in den Himmel empor, um zu sagen: Da oben thront Gott und wir vertreten seine Stelle hier auf dieser Erde. Heute ist innen alles sehr prachtvoll ausgestattet. Damals hausten dort die einstürmenden Soldaten mitsamt ihren Pferden. Sie stahlen alles Kostbare und zeigten ihre Herrschaft, ihre Macht. Sie stürmten die Häuser, damals noch Hütten aus Stroh oder Holz, in denen die Menschen mehr schlecht als recht lebten. Licht gab es damals noch nicht, es sei denn vielleicht Kerzenschein. Es geht um Jahre der Kälte, des extremen Regens, in denen weder Früchte an den Bäumen wuchsen noch auf dem Feld. Alles andere, was die Bürger besaßen wie zum Beispiel Getreide oder Mehl, die Tiere, Geld oder was auch immer, nahmen sich die Soldaten. Die Pest raffte die Menschen dahin, das Vieh erkrankte an der Seuche und so gabe es viele Tote durch Krankheiten. Doch die Häuser wurden abgebrannt, so dass die Stadte immer kleiner wurden, je mehr Heere eindrangen. Es herrschte große Not, keiner hatte zu essen. Die Soldaten litten Hunger durch die langen Märsche, sie stahlen sich alles, was sie bekommen konnten. Es ging um Heere aus Schwesen, es ging um die Spanier und auch andere eindringenden Heere. Wildschweine verwüsteten die Äcker, Wölfe kamen in die Stadt, Mäuse waren eine Plage der Menschen. Die Kuppel der Kirche litt unter der Einwirkung des Krieges und auch die Stadtschänke brannte ab. So kam es, dass manche Häuser kein Dach mehr hatten, die Außenwände fielen. Bei strömendem Regen lief das Wasser in den Wohnraum, die Kälte machte den Bürgern zu schaffen und mehr als zerrissene Lumpen trugen sie nicht mehr auf dem Leib. Diebe machten sich breit, es war ihre Not, die sie dazu trieb, Pferde oder anderes Vieh zu stehlen, um ihr Überleben zu gewährleisten.
Das Kloster war nicht sicher, alles nahmen die Soldaten ein und sie forderten Geld, entsetzlich hohe Abgaben vom Landesherrn, von den Bürgern. Sie hatten alle nichts mehr und so gingen die Soldaten dazu über, die Menschen zu quälen, sie zu verstümmeln usw. Die Bürger waren verpflichtet, den Soldaten essen und trinken zu geben, doch nach all diesen Plünderungen hatten sie nichts mehr. Wer nicht durch eine Krankheit starb und die Wege pflasterte, der starb durch die Hand der Soldaten und pflasterte ebenfalls Gassen und Wege.
Die Not der Menschen war so groß, dass sie dazu übergingen, Tote aus ihren Gräben zu heben und die Innereien zu essen, tote Pferde, Hunde, Katzen, Mäuse, sie kratzten sich gar den Kalk von den Wänden und aßen den.
Kugeln aus den Kanonen erhellten den Nachthimmel, von denen Maurus Friesenegger erzählt und noch anderes mehr. Alles will ich hier nicht wiedergeben, denn es lohnt sich, dieses Buch selbst zu lesen und sich ein Bild über die Zeit der Religionskriege zu machen. Ausgelöst wurde der durch die Thesen Luthers und der Spaltung der Kirche.
Wie finde ich dieses Buch:
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Maurus Friesenegger war ein Zeitzeuge, der aus seiner Zeit schreibt, von den Ereignissen, die er als Abt hautnah mitbekam. Von sich selbst erzählt er nichts, nur von den äußeren Umständen. Spannend ist es zu lesen, sehr interessant, sehr detailliert und sehr bildhaft für uns, die nicht viel aus dieser Zeit wissen. Die Ausmaße, die Auswirkungen des Krieges und der grassierenden Krankheiten sind realistisch geschildert, eben aus der Sicht eines Menschen, der alles mitbekam.
Das Entsetzen, das Grauen der damaligen Zeit spürte ich genau. Eindringlich wie auch lebendig sind die Worte, sie wecken das Grauen dieser Zeit, die mittlerweile 4 Jahrhunderte zurückliegen.
Es zeigt auch ein Bild der Menschen, die in größter Not stecken - auf der Seite der Bürger wie auch den Soldaten - und auch die Menschen der Kirche, die eigentlich in Prunk und Herrlichkeit leben konnten - auch sie litten Not, denn die Soldaten nahmen alles an sich, sei es Gold oder Silber, Getreide, Mehl, Brot, Fleisch, Vieh oder was auch immer, was sie dann für sich selber nutzten und denen die Not und das Elend der Gegenseite egal war. Sie dachten an ihr eigenes Überleben. Es scheint eine Selbstverständlichkeit zu sein, Menschen abzuschlachten wie Vieh, ihnen Haus und Hof zu nehmen, Frauen zu vergewaltigen und was auch immer, um wenigstens weiterleben zu können und nicht auf allzu viel verzichten zu müssen.
Viele der Soldaten liefen Tausende von Kilometer zu Fuß. Es ging ihnen um die Macht und dafür war ihnen jedes Mittel recht. Es geht um die Macht des Staates, um die Macht eines Königs, die auf der einen Seite der Protestanten angehörten und gegen Katholiken kämpften. Wer würde siegen? Das Leid war so oder so auf beiden Seiten. Es war der Hass, das Aufbegehren gegen das Alte zu spüren, eine neue Zeit war angebrochen und das neue Zeitalter begann mit wütenden Kriegen. Was die Soldaten nicht zerstörten, das machten die Krankheiten oder die Plagen der Tiere.
Ich empfand das Geschriebene dieses Abtes wie einen sehr lebendigen Bericht, in dem detailliert, sehr genau, immer geschildert in den einzelnen Jahren - begonnen 1627 und ausgeführt bis zum Kriegsende 1648 - was in den einzelnen Jahren geschah. Es geht dabei auch um die Hochzeit des Königs mit seiner Verlobten, um seinen Tod nur wenige Jahre später. Was nutzte da also die Macht eines Königs, der seine Soldaten ausschickt, einen verheerenden, alles vernichtenden Krieg zu führen. Frauen verloren ihre Männer, Kinder ihren Vater.
Ist es das wert und was haben wir über die Jahrhunderte daraus gelernt?
Das Denken ist dasselbe geblieben. Waren es damals noch die Juden oder die Hexen, um die es ging und Außenseiter der Gesellschaft waren, sind es heute die Türken oder andere Randgruppen, gegen die wir wettern.
Dieser Bericht zeigt ganz genau, wohin es führt, hören wir nicht auf, Menschen nach Religion oder nach ihrer Kultur, ihrem Geld zu beurteilen. Das Grauen können wir uns nicht ausmalen, nicht vorstellen, doch dieses Buch zeigt uns das ganz genau.
Es ist wie ein Mahnmal, eine Warnung, wieder einen Krieg zu beginnen, aus welchem Grund auch immer. Es ist so, als würde der Abtfür Frieden appellieren mit seinen Worten für die Nachwelt, ohne damals wissen zu können, dass wir heute, 400 Jahre danach, immer noch seine Worte lesen zu können.
Es zeigt auch Parallelen in die Kriege, in die Barbareien in Syrien oder die Länder, in denen Krieg geführt wird und Menschen sterben, weil Menschen an der Macht nicht in der Lage sind, auf die Bedürfnisse ihres Volkes einzugehen.
Das Buch ist formuliert in einer teilweise obsoleten Schreibweise, der Zeit des 17. Jahrhunderts angepasst. Trotzdem ist es leicht verständlich und gut zu lesen. Außer dem Cover ist in dem Buch kein weiteres Bild zu sehen.


Traumsammler: Roman
Traumsammler: Roman
von Khaled Hosseini
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolles Buch, 19. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Traumsammler: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Autor spricht hier mit seinen Kindern. Er will ihnen eine Geschichte erzählen, zeigt sofort seine Grenzen den Kindern gegenüber auf.
Ich kenne die Bücher Drachenläufer und Tausend strahlende Sonnen von diesem Autor und war mehr als begeistert von seinen Darstellungen aus Afghanistan und dem Leben dort.
Khaled Hosseini arbeitet und lebt heute in Amerika als Arzt. Er hat Afghanistan verlassen und hatte sicher seine Gründe, der Heimat den Rücken zu kehren. Im Gegensatz zu vielen seiner Landsleuten hat er eine andere Auffassung aller Frauen gegenüber und hasst die Unterdrückung der Frauen in seinem Land.
Auch dieses Buch handelt von Afghanistan. Hosseini schreibt aus seinen Erinnerungen heraus. Hin und wieder besucht er auch die Verwandten in diesem Erdteil der Welt. In einem Interview sagte er, er sei mit dem Flüchtlingshilfswerk nach Afghanistan gereist. Es geht um die Menschen, die einmal Afghanistan verließen und aus welchen Umständen auch immer, wieder in ihre Heimat zurückkehren. Dabei erzählten ihm die Ältesten des Dorfes von den Wintern in Afghanistan, die dazu führen, dass die Menschen in schreckliche Not geraten.
Der Winter ist so hart, dass viele Menschen daran sterben. Das hat Hosseine erschreckt, erschüttert, aber auch gleichzeitig fasziniert.
Die Handlung dieses Romanes spielt auf verschiedenen Kontinenten dieser Welt. Erst einmal beginnt alles in Afghanistan, geht weiter nach Paris, nach Griechenland usw.
Dabei entspinnt der Schriftsteller Schauplätze, die er selbst kennt und kann sie deshalb auch sehr gut beschreiben.
Die Einleitung zum Roman beginnt so:

Jenseits unserer Vorstellungen
Von guten und schlechten Taten
Erstreckt sich ein Feld.
Dort werde ich dich treffen.
Dschalaluddin Rumi, 13. Jahrhundert kommt vor dem Herbst 1952.
Eindringlich und beeindruckend sind die Worte, erschütternd und entsetzlich, was er über die heimgekehrten Flüchtlinge schreibt.
Seine Geschichte und die dazugehörende Handlung beginnt wie ein Märchen: Es war einmal...
So als erzähle der Autor die Geschichte seinen Kindern hört sich das alles an. Es geht um einen sehr strebsamen, einen sehr fleißigen Bauern mit dem Namen Baba Ayub. Er kümmerte sich damals im 14. Jahrhundert um sein Feld. Er hatte eine große Familie und für die musste er arbeiten, damit sie genug zu essen hatten. Eingebettet ist das Ganze in der Zeit, in der es Dämonen, Riesen und Dschinns gab.
Das Dorf, in dem der Bauer lebte, war von der Sonne verwöhnt, doch das hieß auch, seine Pflanzen zu wässern, sich um das Saatgut zu kümmern von früh bis in die Nacht.
Romantisch und zart angehaucht sind die Worte, die der Autor benutzt, um diesen Bauer in Bezug auf seine Frau zu bringen. Er war niemand, der seine Frau beherrschte, sondern einer, der sie liebte und alles gab für sie und seine Kinder.
Der Bauer selbst kannte nichts anderes als harte Arbeit und das brachte er als Werten seinen Söhnen bei. Er hatte insgesamt 5 Kinder, 3 Jungen, 2 Mädchen.
Tiefgreifend beschreibt er den Bauern in seinem Wesen, der Charakter, wie der Mann zu seiner Frau und seinen Kindern ist, wie er mit ihnen umgeht, welche Werte er als hoch ansieht, all das beschreibt Khaled Hosseini.
Er verzweifelt nicht an seiner Situation, sondern macht das Beste daraus. Er liebt seine Kinder und den kleinsten Sohn am meisten. Mit ihm hat der Bauer die meiste Arbeit, doch das scheint ihm nichts auszumachen. Mit sehr viel Liebe und Führung macht er das Beste aus jeder Situation.
Baba Ayub ist als Vater ein gutes Vorbild, denn er kümmert sich ums Waschen, hilft im Haus mit und die Kinder schauen ihm dabei zu. Sie gehen den richtigen Weg ins Leben, in die Zukunft, die vor ihnen liegt. Vom Vater können sie sehr viel lernen.
Als Mann ist er das Oberhaupt, der Führer der Familie, der Älteste und sehr weise. Würden seine Kinder einmal heiraten, hätte er noch mehr Mitglieder in der Familie, dessen Oberhaupt er dann wäre.
Neben seiner Arbeit hat er natürlich auch so seine Vorstellungen und macht sich seine Gedanken.
Dann spricht der Erzähler des Romans wieder die beiden Kinder an, denen er ja die Geschichte erzählt und meint, dass diese Zeit des Bauern, die schön und angenehm für ihn ist, nun zu Ende geht.
Ich war gespannt darauf, wie es weitergehen würde.
Angst und Panik machte sich in dem Gebiet breit, in dem Baba Ayub lebte und glücklich war mit seiner Familie, denn ein Dämon kam vom Gebirge. Alle strömten auseinander und sie versteckten sich in ihren Häusern.
Ich sah das, was erzählt wurde, in Bildern vor mir auftauchen - den Schatten des Dämons, der in das Dorf kam und Schrecken verbreitete, einen riesigen Schatten warf und die Menschen, die von der Angst getrieben waren.
Flüssig, gut zu lesen, melodisch, klang- und kraftvoll sind die Worte Khaled Hosseinis, der dieser Erzähler ist und diese Geschichte zwei Kindern erzählt.
Ich hörte das Krachen der Schritte auf dem Erdboden und das Stampfen, eine Gestalt, die nach dem Leben der Dorfbewohner trachtete.
Dieser Dämon ist eine Metapher für Unheil, das über das Land kommt. Nur welcher Art würde dieses Unheil sein? Zu keiner Zeit gab es auf dieser Erde den Teufel, den Menschen gesehen haben. Handelt es sich hier um den Aberglauben der Menschen aus jener Zeit oder geht es um die Politik, die allmächtige Hand, die nach dem Leben der Menschen trachtet? Wäs würde es sein?
Was vertrieb den Bauern und seine Familie und auch die Nachbarn des Bauern?
Hosseini schreibt weiter, dass dieser besagte Dämon den Eltern die Kinder wegnimmt und sie einfach mit sich fortschleppt. Wie sollten sie denn, wenn das wirklich stimmte, ihre Kinder schützen und was hatte es mit dem Dämonen wirklich auf sich?
Es ist ja klar, dass es kein Dämon sein kann. So etwas gibt es nicht. Doch es geht ja um einen Erzähler, der mit seinen Kindern redet und ihnen eine Geschichte erzählt. Also kann das Ganze ja nur eine Metapher sein und auf etwas hindeuten, was in Afghanistan schon vor Hunderten von Jahren geschah und sich bis heute durchzieht.
Spannung kam auf und mein Interesse an dem Roman war sowieso bereits geweckt.
Baba Ayub war gezwungen, seinen jüngsten Sohn, den Sohn, den er am meisten liebte, an diesen Dämon hergeben und er machte es letztendlich, bat seinen Sohn leise und verzweifelt um Vergebung. Er hatte keine andere Wahl.
Schlecht erging es dem Bauern dabei, dass er seinen Sohn opfern musste. Über die Jahre verzweifelte Baba Ayub so sehr an dieser Sache, dass er ein gebrochener Mann wurde und nicht mehr dazu in der Lage war, sich wie früher um seine Familie zu kümmern. Er sah einen Feigling in sich selbst.
Dann verlässt er seine Familie und wandert über eine lange Zeit den Weg zum Dämonen. Dann, nachdem er alle Hindernisse überwunden hatte, stand der arme Bauer dem Dämonen gegenüber, der ihm mit dem Tod drohte. Die Sache mit seinem Sohn hatte ihm so zu schaffen gemacht, dass er sich an dem Dämonen rächen wollte.
Nachdem die beiden miteinander redeten, sehr lebendig, nahm der Dämon den Bauern mit in den Innenteil seiner Burg. Hier war ein wahres Paradies, keine Dürre, sondern hier wuchsen Früchte an den Bäumen und die Kinder litten keinen Hunger. Qais, sein Sohn, lebte.
Mir gingen die Unterschiede der beiden Welten durch den Kopf. Hosseini, der Schriftsteller dieses Buches, weiß ja, er kennt die Unterschiede zwischen dem armen Afghanistan und der westlichen Welt. Er selbst ist ja in Afghanistan aufgewachsen, hat das Elend erlebt, die Unterdrückung der Frauen, die Knechtschaft der Menschen, die Dürre, den Hunger, die Not und das Elend.
In Kalifornien, wo er heute als Arzt und Autor tätig ist, lernte er die andere Seite des Lebens kennen. Es ist einmal das Leben in der Dürre mit Hunger und Durst, den Kampf ums Überleben wie bei dem Bauern und seinen Kindern und dann das Leben seines jüngsten Sohnes in der Burg des Dämonen oder auch sein Leben in Amerika. Khaled Hosseini beschreibt in dieser Geschichte und in Kapitel 1 sein eigenes Leben, denn auch er ist ein Flüchtling, der sein Land verließ und es hin und wieder einmal besucht. Damit ist er immer noch mit seinem Land, seiner Heimat verbunden.
Da der Bauer durch seinen Mut, seine Tapferkeit auch seine Liebe zu seinem Kind bewies, durfte er entscheiden, ob er seinen Sohn in diesem Paradies lassen würde oder ihn mit zu sich nach Hause holen wollte.
Auch Khaled Hosseini musste sich für ein Leben in Afghanistan entscheiden und damit für das Elend und die Not oder aber er ging nach Amerika und kehrte seiner Heimat und den Freunden den Rücken, um ein neues Leben zu beginnen. Eins, in dem er sich verwirklichen konnte in jeder Faser seines Lebens als Arzt und auch als Mensch.
Es sind autobiografische Züge in dieser Geschichte um den Bauern und seinen Sohn und damit ist die gesamte Erzählung nichts anderes als eine Metapher.
Der Bauer verließ ohne seinen Sohn den Dämonen wieder, der ihm ein Fläschen zum Trinken mit auf den Weg gab und so kehrte der Mann wieder zu seiner Familie zurück.
Dieses ist die erste Geschichte eines Flüchtlings, der nach Hause zurückkehrte, Verzaubert und gefesselt über das Buch und die Geschichte saß ich da und konnte nicht mehr aufhören, darin zu lesen.
Die einzelnen Kapitel sind überschrieben mit den Zahlen. Die eine Geschichte von einem liebenden, zärtlichen Vater einer Familie geht Hosseini weiter mit seinen Erzählungen und wir lernen in jedem Kapitel über die wieder heimkehrenden Flüchtlinge neue Namen und damit neue Personen kennen.
Ein hervorragendes Buch, das auch nachdenklich stimmt.


Tausend strahlende Sonne
Tausend strahlende Sonne
von Khaled: Hosseini
  Gebundene Ausgabe

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Leben in Afghanistan, 19. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Tausend strahlende Sonne (Gebundene Ausgabe)
Sehr eidringlich sind die Worte des Schriftstellers, der sich klar für die Rechte der Frauen einsetzt, wenn auch nur unterschwellig. Es geht um die Stellung der Frau in der Ehe und die Herrschaft des Mannes, der dagegen steht.
Miriam hat keine Eltern mehr und sie ist noch sehr jung und unerfahren, als sie Raschid heiratet. Nun ist sie wieder versorgt, doch sie weiß nicht, was auf sie zukommt mit dieser Ehe. Raschid nimmt sich seine Frau, wann immer er das will. Trotz aller Bemühungen bekommt Miriam kein Kind, sie wird nicht schwanger. Ihr Mann schlägt auf sie ein, lässt seine Wut und die angestaute Aggression an ihr aus. Das ist in Afghanistan der Alltag, Frauen werden geschlagen, wenn sie sich den Wünschen des Mannes nicht unterordnen und nicht funktionieren, wie er das gerne hätte. Es geht um Elend und die Unterdrückung des Mannes an der Frau.
Ich bekam Gänsehaut, soviel Dramatik und Tragik lag in den Worten Hosseinis. Es war einfach entsetzlich und grauenvoll, was ich da gelesen habe.
Raschid verliert sein Interesse an Miriam und er sucht sich eine andere, eine neue Frau. Dieses Mal ist es ein 14jähriges Mädchen mit dem Namen Laila. Sie bekommt 2 Kinder, zuerst ein Mädchen, die in Afghanistan sowieso nicht zählen und dann einen Jungen. Wenn das Mädchen schreit und manchmal schreit sie unaufhörlich, schlägt Raschid beide Frauen. Miriam, die Mitleid mit der Zweitfrau Raschids hat, begehrt auf und tötet ihren Mann, bevor etwas Schlimmeres geschieht. Vor Gericht wird sie dafür zum Tode bestraft.
Meine Haare sträubten sich bei diesen Szenarien, ich konnte das nicht begreifen.
Die ersten 120 Seiten beginnen erst einmal langsam und ziemlich zäh. Doch das Weiterlesen hat sich gelohnt. Was zuerst wie ein fast normales Leben beschrieben wird, endet in Chaos und der Macht eines Mannes an einer Frau. Es ist den Frauen nicht erlaubt, die Hand gegen den Mann zu erheben, ihm zu widersprechen oder sich ihm zu widersetzen. Das Entsetzen und das Grauen, von dem Mann geschlagen zu werden, machtlos und hilflos zu sein, ihm ausgeliefert, war ein Aufschrei zwischen den Zeilen und ein Aufbegehren des Schriftstellers gegen diese Ungerechtigkeit. Khaled Hosseini ist in der Lage, diese Lebensweise in Afghanistan mit einem anderen Blick zu sehen. Er ist nach Amerika gezogen und lernt es kennen, dass Männer wie Frauen auch gleichberechtigt leben können und dürfen, verlässt man die Heimat. Seine eindringlichen Worte sind wie ein Appell, etwas gegen die Situation in seiner ehemaligen Heimat zu tun. Miriam und auch Laila mussten, das spürte ich, scheckliche Qualen leiden, sie hatten keinerlei Rechte, sie hatten zu funktionieren. Raschid hatte keine Worte. Alles, was er zu sagen hatte, erledigte er mit der Faust und ließ seine Faust regieren. Der Mächtige und sein Untertan und Knecht. Die Frauen dort besitzen wie die Männer ihren eigenen Verstand, den sie jedoch zu keiner Zeit einsetzen dürfen, sonst verlieren sie ihr Leben. Deutlicher konnte Hosseini das nicht in Worte umsetzen. Es ist eine Diktatur, ein Absolutismus im Kleinen, innerhalb einer Familie.
Der Mann ist ausgestattet mit allen Rechten, er sagt, in welche Schule die Kinder zu gehen haben, bei einer Scheidung darf er die Kinder behalten, die Frauen müssen sich verschleiern und dürfen ohne Begleitung eines Familienmitgliedes die Straße nicht betreten. Der Mann kann ihnen die Erlaubnis geben, muss es aber nicht. In ihrem eigenen Haus leben die Frauen dort wie in einem Gefängnis. Durch die Brutalität Raschids waren Laila wie auch Miriam nicht sicher, sie hatten keinen Schutz, noch nicht einmal vor ihrem Mann. Freunde und Bekannte oder Verwandte konnten sie sich nicht an die Seite holen, sie hätten ihnen nicht beigestanden, denn das durften sie nicht. Das Wort des Ehemannes ist Gesetz, auch wenn es falsch ist und Folgen nach sich zieht. Es geht um die Macht des Mannes und die Rechtlosigkeit der Frau. Sehr brutal sind die Darbietungen der Gewalt, die Hossini absichtlich so darstellt, kursiv die Briefe, die in dem Buch veröffentlicht sind und die Worte der afghanischen Landessprache. 3 Teile hat dieser Roman.
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Sonntag in meinem Herzen: Das Leben des Malers Carl Spitzweg (hist. Romane)
Sonntag in meinem Herzen: Das Leben des Malers Carl Spitzweg (hist. Romane)
von Asta Scheib
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Carl Spitzweg, 19. Januar 2014
Was ich zu dem Buch und seinem Inhalt sagen kann:
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Die Eltern stehen vor ihrem neugeborenen Baby. Die Geschichte spielt in München, sie beginnt 1808 und zieht sich bis 1885. Es ist die Zeit der napoleonischen Kriege, als Carl Spitzweg das Licht der Welt erblickt. Es ist Winter. Seine Mutter spielt Cembalo und es mutet an, als würde sie ihrem Sohn die Liebe zur Musik und zur Poesie mit auf den Weg ins Leben geben. Carl Spitzweg schrieb Gedichte, er war Soldat und er strickte und er machte ein Studium und wurde Apotheker. Dann lernt Carl Spitzweg Clara kennen. Sie macht ihm Mut, sie gibt ihm Kraft, führt ihn auf den Weg zur Malerei. Davon hatte er schon immer geschwärmt, doch einen Pinsel oder einen Stift nie in die Hand genommen. Spitzwegs Motto ist, zu lieben, aber nie zu heiraten. So soll es auch kommen, denn Clara stirbt. Sein Weg durchs Leben geht weiter. Er verliert nicht den Mut, sondern er geht auf Reisen und malt weiter. Alle Eindrücke, die er sammeln kann auf all seinen Reisen, bannt der Mann aufs Papier.

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Wie fand ich den Roman:
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Eher behäbig und langsam zu lesen - so ist der Anfang, der erste Abschnitt. Es wirkt, als sei ein Zuschauer zugegen, ein stiller Beobachter, der das alles erzählt, was geschieht.
Lebendig geht es von da an weiter. Sehr detailliert beschreibt Scheib die einzelnen Situationen, stellt uns den Vater vor und die Mutter in ihrem Wesen und im Denken. Wunderbar, in flüssigen Worten zu lesen schildert Asta Scheib die Begebenheiten, schildert detailliert die winterliche Landschaft, die Figuren und alles, was zu der Zeit zu sagen ist.
Das 19. Jahrhundert wird lebendig, es wird greifbar und ich stand mitten in den Ereignissen nach den ersten Seiten bereits bis zum Schluss. Ausführlich und einprägsam, voller Gefühl sind die Ausführungen, so als sei die Schriftstellerin selbst Carl Spitzweg und erlebe sein Schicksal, als lebe sie sein Leben. Dabei hat Asta Scheib gründliche Recherchen angestellt und sich eingehend mit den Menschen - die Eltern, seine Partnerin usw. - beschäftigt. Träumerisch und verzaubernd entführte Asta Scheib mich in die bewegte Zeit dieses Mannes.

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Meine Eindrücke:
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Carl Spitzwegs Vater ist ein sehr eigensinniger Mann, der dem Kind schon in die Wege legt, was es einmal werden soll und verfolgt das auch. Carl wird dadurch sehr gehemmt und findet dadurch seinen eigenen Weg nicht. Er orientiert sich an seinem Vater, doch von seiner Mutter bekommt er mit, dass es auch andere schöne Dinge auf dieser Welt gibt, die ihn mehr interessieren, ihn mehr locken als das Studium und die Arbeit als Apotheker. So schwärmt er schon seit Kindertagen von der Malerei. Sein strenger Vater lässt nicht zu, dass er sich daran gibt und hält das für Träumerei und Fantasterei. Damit kann man doch kein Geld verdienen und kein Leben und eine Zukunft aufbauen.
Carl Spitzweg hätte doch außerhalb seiner Arbeit den Hobbys nachgehen können, doch Jahre vergehen, bis er eine Frau trifft, die ihn auf den richtigen Weg bringt und ihm keiner mehr einen Stein in den Weg legt.
Von dem Zeitpunkt an widmet sich Carl Spitzweg nur noch dem Malen, das, was ihn schon immer ergriffen und begeistert hatte und kann so - durch die Hilfe dieser Frau - sein Leben selbst bestimmen und liebt das Leben.
Manchmal sind es nicht die nächsten Menschen, Eltern, Geschwister, Freunde, die helfen, sich selbst zu verwirklichen, sondern es sind Außenstehende, Fremde, die das machen, was einem anderen gut tut.
Damit geht es in dem Roman auch um Liebe und den Egoismus. Der Vater war sehr egoistisch, dachte nicht an das Wohl seines Sohnes, sondern an das eigene. Der Sohn hatte Geld zu verdienen und damit die Familie zu versorgen. Interessen und Bedürfnisse, seine eigenen Wünsche musste er dafür zurückstellen, bis Clara in sein Leben trat und ihm die Steine aus dem Weg räumte.
Will sagen: Lebe deinen Traum ohne Wenn und Aber. So habe ich das verstanden.
Auf diese Weise ist das nicht nur im 19. Jahrhundert anwendbar, sondern auch in die Gegenwart übertragbar.


Schachnovelle
Schachnovelle
von Stefan Zweig
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 3,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lektüre am Technischen Gymnasium, 19. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Schachnovelle (Gebundene Ausgabe)
Stefan Zweig zeigt aus seiner Sicht und aus seinen Erlebnissen heraus - er war ein Jude - die Auswirkung des Naziregimes auf die Menschen. Was wird aus ihnen, den ehemaligen Kindern, wenn sie die Eltern verlieren oder mit Gewalt, Brutalität und Terror in Kontakt kommen. In ihren Wünschen und Bedürfnissen nicht wahrgenommen, können sie sich nicht zu einer eigenen, sich selbst verwirklichenden Person entwickeln. Die Rückblenden zeigen das Wesen und das Verhalten des Dr. B. und machen es nachvollziehbar. Es zeigt, wozu die Mächtigen an der Spitze eines Volkes in der Lage sind. Es geht in dieser Zeit des 2. Weltkrieges um den Mord an den Juden, aber auch an den Menschen in den eigenen Reihen, an den Menschen des deutschen Volkes. Was die Menschen in dieser Zeit erlebten und die Überlebenden danach - die, die wie Stefan Zweig ihre Heimat durch Hitler nie mehr wiedersahen.
Dr. B. steht für alle die Menschen mit negativen Erfahrungen, für alle die, die Gewalt erlebten und den Terror, Brutalität und Todesangst ausstanden. Das Schachspiel half ihm zu überleben. Das schaffte er dann, spielte jedoch danach nie wieder, weil es für ihn mit den schlechten Erfahrungen und Erinnerungen verbunden war.
Auf dem Schiff redet der Ich-Erzähler mit ihm, drängt ihn, Schach zu spielen, was er dann auch macht. Als Dr. B. dann mit den um ihn stehenden Passagieren und Zuschauern sprach, spürte ich den Wahn seines Denkens und Fühlens, seine Besessenheit. Es begann da, wo es bei den Nazis aufgehört hatte.
Dr. B. und Czentovic sind völlig gegensätzlicher Natur. Czentovic steht für die Nazis, er ist ein Freund dieses Regimes, was Dr. B verabscheut. Während Dr. B. sehr geschickt, locker und gelassen, sehr klug vorgeht, ist Czentovic plump und derb, giert nach Geld und Macht und er ist arrogant. Dr. B. weiß genau, dass er das Schachspiel im Schlaf beherrscht. Czentovic verhält sich wie eine Marionette, eine Puppe, die an Fäden gezogen wird, wie eine Maschine per Knopfdruck oder ein Roboter, während Dr. B. ein rücksichtsvoller und menschenfreundlicher Mann ist. Er jedoch stottert und zappelt. Czentovic befiehlt sehr gerne, demonstriert seine Macht und ist unnahbar.
Dr. B. und auch der Erzähler sehen die Dinge positiv, Czentovic alles negativ.

Autobiografische Züge Stefan Zweigs zu dieser Novelle:
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Stefan Zweig war ein Jude. Kurz vor der Machtergreifung Hitlers, er ahnte sicher seinen Hass gegen die Juden, ging er nach England und flüchtete von dort nach Brasilien. Er ist nie mehr wieder nach Österreich zurückgekommen, sondern nahm sich aus Verzweiflung das Leben. Er erlebte den Ersten wie den Zweiten Weltkrieg mit. Er zeigt die Unbarmherzigkeit und die Unmenschlichkeit des Krieges, die Gewalt und den Hass und damit die Auswirkungen auf den Menschen. Das ist es, was er selbst erlebte. Stefan Zweig zeigt den Zweiten Weltkrieg und übt Kritik daran auf seine Art und Weise. Er zeigt, wozu die Mächtigen in der Lage sind. Er unternahm Reisen und er war auch ein Chronist, der Chronist aus Österreich, der sich von den Nazis bedroht fühlte.

Meine Einschätzung:
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Das Buch ist geschrieben wie ein Bericht. Es ist so, als stehe der Ich-Erzähler bei den Geschehen, schildere uns aus seinem Blickwinkel all das, was er sieht und erlebt. Der Titel ist natürlich eine Metapher, die ich oben genauer ausgeführt habe. Der Beginn des Buches ist gut zu lesen. Vorstellen und nachvollziehen konnte ich den Text, das Gelesene, doch Bilder entstanden nicht. Es ist lebendig, ein stetiges Treiben. Stefan Zweig schreibt in einer gehobenen Sprache mit sehr vielen Beifügungen und verschachtelten Sätzen, die sehr konzentriert gelesen werden müssen und den Lesefluss einschränken. Psychische Elemente fügt er ein, feilt seine Personen aus, gibt ihnen Charakter und Tiefe. Stefan Zweig schreibt in der erlebten Rede, was ich außergewöhnlich finde. Der Ich-Erzähler erzählt von den Erlebnissen, es gibt die direkte wie auch die indirekte Rede in dieser Novelle. Es ist interessant und spannend, in die Psyche der Figuren einzusteigen.


Romeo und Julia auf dem Dorfe: Erzählung Braunschweig 1856
Romeo und Julia auf dem Dorfe: Erzählung Braunschweig 1856
von Joseph Kiermeier-Debre
  Taschenbuch
Preis: EUR 4,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Romeo und Julia auf dem Dorfe, 18. Januar 2014
Gottfried Keller übt Kritik an der Gesellschaft seiner Zeit. Die Regeln der Gesellschaft stellen sich der Liebe des Paares entgegen und so können Veronika und Salomon nicht glücklich werden. Ohne einen Ausweg sieht das Paar selbst die eigene Situation. Die Liebe der beiden und die ständigen Streitigkeiten und der Hass ihrer Väter stellt sich der Liebe in den Weg. Viele einzelne Zitate ermöglichen es Gottfried Keller, die Situationen klar und deutlich herauszustellen und die Gefühle wiederzugeben. Symbole und Metapher finden sich hier in der Geschichte in der Form des schwarzen Geigers, der die Stelle des Todes einnehmen könnte und auch für den Twist der Bauern stehen könnte. Die Steine sind die Grenzmeiler, die Anlass für den späteren Streit und die Auseinandersetzungen sind. Auch stehen sie in direktem Bezug zu der Ohnmacht des Bauern, der von Salomon niedergeschlagen wird.

1856 wurde diese Version Romeo und Julias veröffentlicht. Schon damals war den Menschen die Erstversion der Geschichte dieses Liebespaares bekannt. Diese Geschichte gehört zu dem Novellenzyklus "Die Leute von Seldwyla" von Gottfried Keller. Es handelt sich bei der Geschichte um eine Abwandlung der Geschichte Shakespeares. Die Bauern und deren Kinder leben in der Zeit Kellers und in der Nähe von ihm. Der Hass der Väter zerstört das Liebesverhältnis der beiden und sie sehen einzig im Tod den Ausweg. Poetisch angehaucht ist das, was Keller hier schreibt, sehr realistisch.

Hier ist der Zeitungsartikel, den Keller damals las und daraus diese Geschichte entstehen ließ:

Sachsen. − Im Dorfe Altsellerhausen, bei Leipzig, liebten sich ein Jüngling von 19 Jahren und ein Mädchen von 17 Jahren, beide Kinder armer Leute, die aber in einer tödtlichen Feindschaft lebten, und nicht in eine Vereinigung des Paares willigen wollten. Am 15. August begaben sich die Verliebten in eine Wirthschaft, wo sich arme Leute vergnügten, tanzten daselbst bis Nachts 1 Uhr, und entfernten sich hierauf. Am Morgen fand man die Leichen beider Liebenden auf dem Felde liegen; sie hatten sich durch den Kopf geschossen.

Keller machte sich zu diesem Bericht aus der Zeitung seine eigenen Notizen. Seine ersten Aufzeichnungen hatten erst einmal nicht den Bezug zum Zeitungsbericht. Er ließ seine Fantasie spielen und die Bauern mit Ochsen die Äcker pflügen, in dessen Mitte ein unbearbeiteter Acker lag. In dem Text Shakespeares ist kein Grund für die Streitigkeiten angegeben und hier setzt Keller an und sucht erst einen Grund für die Auseinandersetzungen. Bei ihm geht es um die Väter der beiden Bauernfamilien, die sich heftig bekriegen. Dieser Streit hört nicht auf, immer wieder finden die Männer einen neuen Anlass, sich die Köpfe einzuschlagen und aufeinander loszugehen. Während die Felder in einer idyllischen Landschaft liegen, die Bauern bewirtschaften zuerst ruhig das Feld, bis die Grenzsteine und der leere Acker, der niemandem gehört, den Stein ins Rollen bringen.

Die Geschichte Kellers beruht auf einer tatsächlichen Begebenheit und ist wahr, doch auch Fiktion ist hier in der Geschichte im Spiel. Während die Zeitungsmeldung ja nur notdürftig Fakten hergibt, muss Keller seinen Roman vollenden mit der eigenen Fantasie und Vorstellungskraft. Die Kinder und die späteren jungen Erwachsenen leben in ärmlichen Verhältnissen, während Romeo und Julia bei Shakespeare aus reichen Familien stammten.

Keller nimmt sich des Lebens des einfachen Volkes seiner Zeit an und schreibt darüber, wie eine Geschichte enden kann, wenn Eltern oder Teile der Eltern sich nicht nach den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder richten. Bei der Geschichte geht es um zwei Handlungen. Zum einen sind es die beiden Bauern auf dem Feld, die sich bekriegen und immer wieder fetzen und dann geht es um die beiden Kinder, die sich lieben und an dem Streit der Väter zerbrechen und sich das Leben nehmen. Hart ist der Erzählstrang und der Twist der Männer auf der einen Seite, zart und weich die Liebesbeziehung der beiden jungen Menschen auf der anderen Seite. Das steht im Gegensatz zueinander und hat damit einen eigenen Touch. Die Geschichte geht tief in die Seele der Figuren, von der sie erzählt. Alles das, was zum Leben gehört wie die Liebe, die Zweisamkeit der Menschen, die intime Atmosphäre spielen eine Rolle und wie die Gesellschaft oder hier die Väter damit umgehen. Das Wohl der eigenen Kinder ist ihnen nicht wichtig, ist nicht vorrangig, sie danken egozentrisch und vergessen ihre Kinder über den Hass und den Streit, der sie zerfrisst. Was hier zwischen den Zeilen zum Tragen kommt, ist das Recht. Hatten die Männer das Recht, sich ein Stück Land anzueignen, das ihnen nicht zustand und nicht zugesprochen war? Hatten sie das Recht, ihre Kinder aus den Augen zu verlieren? Hatten sie das Recht, mit ihren Streitigkeiten den Tod der Kinder herbeizuführen? Mit welchem Recht taten sie es? Hatten sie überhaupt ein Recht dazu?

Zur Zeit Kellers im 19. Jahrhundert musste es doch anrüchig gewirkt haben, dass Keller die beiden sich liebenden Menschen ins Heu geschickt hatte, um sich dort der Liebe hinzugeben ohne verheiratet zu sein. Daran hat sicher die Geistlichkeit Anstoß genommen.


Franz Kafka: Der ewige Sohn
Franz Kafka: Der ewige Sohn
von Peter-André Alt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der ewige Sohn, 18. Januar 2014
Der Titel des Buches "Der ewige Sohn" sagt schon aus, um was es in dem Buch geht. Kafka wurde von seinem Vater bevormundet und beherrscht, durfte sich in seiner Persönlichkeit nicht zu einem Selbst entwickeln und blieb damit zeit seines Lebens immer der Sohn. Das heißt im Klartext, dass er nicht erwachsen werden konnte und durfte, in seiner Entwicklung immer hintenan blieb. Das durchzog sein gesamtes Leben.
Fesselnd und packend erzählt der Autor über Prag aus der Zeit, in der Franz Kafka lebte und ebenso mitreißend über Kafka selbst.
Als sei ich auf einer Wanderung oder bei einem Ausflug, stellt mir der Autor Alt die Prager Juden vor. Er macht sich die Arbeit, führte mich zu jenen Theateraufführungen aus der Zeit Kafkas im 20. Jahrhundert, zeigte mir die damalige Technik, das Leben und das Wirken der jüdischen Bürger als auserwähltes Volk und was die Tschechen über die Deutschen dachten.
Alles das, was Kafka wichtig, was ihm ein inniges Anliegen gewesen sein mochte, bringt uns der Autor näher. Außerdem setzt sich Alt mit den Texten Kafkas auseinander und erklärt, was Kafka mit seinem Stil des Schreibens an den Leser bringen wollte. Er vergleicht Kafkas Werke mit denen anderer Schriftsteller und zeigt damit, dass Kafka nicht einmalig ist oder als alleiniger Literat mit seinem Schreibstil da steht.
Alt legt die Texte aus der Sicht eines Wissenschaftlers auseinander und das finde ich sehr speziell und äußerst spannend, aufschlussreich.
Vor einigen Jahren besuchte ich die Berufsoberschule, um mein Abitur nachzuholen. In dieser Zeit musste ich mir Texte Kafkas vorknöpfen und mich damit auseinandersetzen.
Es ist wichtig, wenigstens etwas von Kafka zu kennen, um zu wissen, wovon der Autor Alt hier schreibt.
Sehr umfassend geht Alt auf Kafka und sein Leben ein. Leben und Werk stehen immer direkt in Bezug zueinander.
Was strömte alles auf Kafka ein, dass er solche Texte schrieb - auch darauf lässt sich der Autor ein.
Die Beziehung zum Vater und damit auch die Probleme, die in Kafka entstanden, ist Thema des Buches und der Analyse.
Unter den Schriftstücken Kafkas nimmt sich Alt folgenden an:

Betrachtungen
Ein Landarzt
Ein Hungerkünstler
Die Verwandlung
Das Urteil
In der Strafkolonie

Alt geht analytisch vor, zerpflückt die Texte, erläutert genau, aufschlussreich, sehr detailliert.
Eine umfassende Biografie, leicht verständlich, sehr gut zu lesen. Alt benutzt klare Formulierungen.
Eingebaute Fragmente:

Unter meinen Mitschülern
Erinnerungen an die Kalderbahn

Diese Fragmente wurden nie veröffentlicht, doch die Manuskripte waren noch vorhanden.
In welcher Zeit lebte Kafka und was hatte diese Zeit und die Einflüsse der Zeit mit Kafkas Persönlichkeit zu tun? Alt baut neben Prag auch andere Handlungsorte ein und entwirft damit ein komplettes, ein Gesamtbild Kafkas und seinem Leben und Wirken. Alt beschäftigt sich mit den Juden in Ost und West, zeigt damit diese Religion und einen Einblick ins Leben und die Religion Kafkas.
Alt spricht die Psychoanalyse an, geht auf Traumdeutungen ein und widmet sich der Literaturgeschichte.Aus den kompletten Büchern Kafkas pickt sich Alt ein ganzes Kapitel und zerlegt es, erklärt und erläutert es.
Das Leben und das Wirken Kafkas sind sehr detailreich, tiefgründig und vielschichtig. Mit einem anderen Blick und einer Ahnung davon, wie es zu dem Schreibstil Kafkas kam, kann ich mich seiner Werke jetzt anders annehmen.
Zuerst, als ich Kafka für die Schule lesen musste, merkte ich den Surrealismus, die Fantasien und Träumereien, seine Wunschvorstellungen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben und konnte das Gelesene nicht fassen. Jetzt kann ich das mit anderen Augen sehen.
Kafka war ein Mann, der, so lange er lebte, bei seinen Eltern wohnte und damit der ewige Sohn war und blieb.


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