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Rezensionen verfasst von
William Kite

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Die Abwicklung: Eine innere Geschichte des neuen Amerika
Die Abwicklung: Eine innere Geschichte des neuen Amerika
von Packer, George
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

61 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Die Deutsche Übersetzung ist leider gänzlich unlesbar!, 4. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"the Unwinding" mag ein gutes Buch sein und sein Verfasser George Packer ein Autor, der packend und poetisch verdichtet schreiben kann - an der hier vorliegenden deutschen Übersetzung freilich kann man nur verzweifeln. Es ist schlicht unbegreiflich, wie ein so renommierter Verlag wie S. Fischer derartig nachlässig mit diesem Buch umgeht. Der Übersetzung fehlt es wirklich an allem: Sprachgefühl, Rhythmus, Eleganz und leider auch hinreichender Kenntnis der deutschen Zeitformen. Nein, das ist kein gutes Deutsch was hier dem arglosen Leser präsentiert wird, sondern allenfalls ein ganz blasses Abbild davon...

Wer diese Kritik nun für fürchterlich übertrieben hält, mache sich bitte selbst die Mühe und vergleiche einmal mithilfe der "Look inside" Funktion den Prolog des Buchs im Original mit seiner Übersetzung, um so ein Gefühl für das Ausmaß des Desasters zu bekommen.

Ich jedenfalls werde jetzt für 6,24 € das Original auf meinen Kindle laden und dem Buch eine zweite Chance geben...

Nachtrag vom 24.9.2014:

Wie ich gerade festgestellt habe, hat mein obiger Kommentar hier unter anderem den Wunsch nach Beispielen für meine Auffassung hervorgerufen. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass sich ein jeder unvoreingenommen selbst ein Urteil bilden sollte und anhand der „Look inside“ Funktion für Original und Übersetzung auch bilden kann. Angesichts jedoch einiger, ebenso persönlich unverschämter wie in der Sache ahnungsloser Anmerkungen zu meinem Kommentar möchte ich – pars pro toto – auf den allerersten Satz hinweisen. Dieser lautet im Orginal:

„No one can say when the unwinding began – when the coil that held Americans together in its secure and sometimes stiling grip first gave way.

In der Übersetzung wird daraus:

„Niemand kann mit Sicherheit sagen, wann die Abwicklung begann – wann die Bürger Amerikas zum ersten Mal spürten, dass die Bande sich lösten, die sie sicher, manchmal erdrückend fest wie eine eng gewickelte Spule, zusammengehalten hatten.

Lesen Sie einmal beide Sätze laut vor: Aus einem ebenso einfachen wie eleganten Satz ist ein unrhythmisches Ungetüm geworden, das 40% mehr Worte enthält als das Original und dabei dessen Inhalt verfälscht: Das Füllsel „Mit Sicherheit“ ist (aus gutem Grund) im Original nicht enthalten – was hat den Übersetzer geritten, es in seinen Text einzufügen? Warum werden aus „americans“ plötzlich „Bürger Amerikas“ (was nicht nur sprachlich inadäquat, sondern auch geopolitisch Murks ist)? Und warum verschiebt sich der Bezugspunkt: Es geht darum, wann die Spule begann, sich erstmals zu lockern und nicht darum, wann die Amerikaner dies „zum ersten Mal spürten“. Überhaupt ist das sprachliche Bild der sich lockernden Spule in der Übersetzung verhunzt: Aus einer Spule die sich lockert, sich abwickelt, werden „Bande, die sich lösten“, die Spule wird vom Subjekt zu einem bloßen Vergleichsbeispiel degradiert. Dabei geht dann auch der bildliche Bezug zum Titel verloren, Bande können sich im Deutschen eben nur lösen, nicht aber abwickeln.

Tja, und so geht das dann leider weiter. Hinzu kommen die zahlreichen wörtlichen Übersetzungen amerikanischen Sprachgebrauchs, die alles so fürchterlich holprig klingen lassen. Als hätte das Ganze ein Computer übersetzt...
Kommentar Kommentare (14) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 17, 2014 3:34 PM CET


Fanfare
Fanfare
Preis: EUR 15,99

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Meisterwerk., 14. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fanfare (Audio CD)
Wir alle kennen jenes märchenhafte Bild: In farbenprächtige Gewänder gehüllte Herolde heben im gleißenden Licht eines strahlend blauen Tages ihre goldenen, fahnenbehangenen Trompeten an die Lippen, um eine Fanfare zu blasen: es gilt, etwas Bedeutendes ankündigen.

Welche Botschaft will der kalifornische Musiker, Produzent und Gitarrenbauer Jonathan Wilson mit seinem dritten Album „Fanfare“ verkünden? Ganz einfach: Musik ist wichtig. Nicht mehr und nicht weniger. Zu wichtig, um sie all Jenen zu überlassen, die, nachdem sie ihre Seelen verkauft haben, dazu verdammt sind, in ihren Computern immer und immer wieder die gleichen öden Top-40-Hits zu fabrizieren – als Business Case am BWL-Reißbrett von Leuten entworfen, die zu Musik ungefähr dasselbe Verhältnis haben, wie der Wolf zum Lamm. Musik soll betören und umgarnen, verspielt sein und auf verschwenderische Weise einhüllen, glücklich machen, traurig machen, authentisch sein und sich selbst genügen. Oder wie es in Wilsons „Desert trip“ heißt: „Fill your heart with songs“.

Wie reflektiert das Ganze ist, zeigt bereits die Covergrafik: Dort, wo der flüchtige Betrachter nur eine verspieltes Zitat des berühmten Deckenfreskos „Die Erschaffung Adams“ aus der Sixtinischen Kapelle zu erkennen meint, entgeht ihm ein entscheidendes Detail: Beträgt noch bei Michelangelo der Abstand zwischen der Hand Adams und der Gottes nur wenige Zentimeter, sodass der Lebensfunke mühelos überspringen kann, so ist er auf dem Cover von „Fanfare“ um ein vielfaches größer – das Überspringen ist nicht länger selbstverständlich und wird zum ungewissen Ergebnis einer auf sich zu nehmenden Anstrengung. Feinsinniger lässt sich Zivilisationskritik grafisch kaum ausdrücken.

Natürlich kann man sämtliches intellektuelle Geschwurbel über die Musikrezeption (Frank Zappa, anybody?) auch schlicht überspringen und sich von der großartigen Musik verzaubern lassen. Jedes einzelne der dreizehn Stücke, mehr Rhapsodie als Song, ist handwerklich auf sehr hohem Niveau komponiert und eingespielt sowie opulent produziert. Und ja, „Fanfare“ rockt!

Die Stücke, die stilistisch von Folk über Westcoast-, Gitarren- und Prog Rock bis zu Jazz reichen, stecken voller Reminiszenzen an eine Zeit, die der 39-jährige Wilson einmal als die „goldene Ära der Musikproduktion“ bezeichnet hat, ohne dabei in ein bedeutungsloses Kopieren abzugleiten. Wilson gelingt es vielmehr, die vielfältigen Einflüsse zu etwas Neuem zu verschmelzen. Hier sollte sich niemand täuschen lassen: Diese Musik ist nicht „retro“, sondern im Gegenteil modern. So kann populäre Musik im 21. Jahrhundert klingen, die sich nicht mit Wiederholung begnügen will.

Nietzsche hat einmal notiert, dass ein Leben ohne Musik ein Irrtum sei. „Fanfare“ setzt hinter diesen Satz ein Ausrufezeichen. Album des Jahres. Mindestens.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 20, 2014 12:32 AM CET


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