ARRAY(0xa35a90e4)
 
Profil für Lilienthal > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Lilienthal
Top-Rezensenten Rang: 782
Hilfreiche Bewertungen: 776

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Lilienthal
(TOP 1000 REZENSENT)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10
pixel
Poeme
Poeme
Preis: EUR 12,62

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Poetisch, impressionistisch, brilliant, 25. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Poeme (Audio CD)
Impressionistische Musik aus der gleichen Zeit von Vaughan Williams, Chausson, Suk und Respighi hat Julia Fischer für dieses Album eingespielt, einer eigenen Idee und einem Titel von Chausson, „Poème“, folgend. Tatsächlich äußerst poetische, aber auch kraftvolle Musik; bekannt ist natürlich besonders „The lark ascending“ von Vaughan Williams, die anderen Stücke werden leider eher selten gespielt. Umso schöner, dass sie hier in einem so klug konzipierten Album eingespielt werden.
Beglückend ist die musikalische Umsetzung durch die Violinistin Julia Fischer, die einen wunderbaren, weichen Ton hat und technische Schwierigkeiten nicht zu kennen scheint - alles, was sie spielt, setzt sie so schwerelos um, dass man vergisst, dass diese Musik von einem Menschen und einem Instrument produziert wird - hier scheint die Musik einfach einer Seele zu entströmen und den Zuhörer mitzureißen. Vor allem aber erhebt Fischers musikalische Gestaltungskraft diese impressionistischen tonmalerischen Kompositionen zu in der Tat poetischen akustischen Bildern in unendlichen Farben und Schattierungen, von denen man nur wünschen würde, sie möchten niemals aufhören.
Wunderbar auch das „Orchestre Philharmonique de Monte Carlo“ unter der souveränen und inspirierten Leitung des leider wenige Monate später verstorbenen Yakov Kreizberg.
Die tontechnische Umsetzung der Aufnahme ist der musikalischen angemessen perfekt.
Uneingeschränkte Kaufempfehlung.


Rosso - Italienische Barockarien
Rosso - Italienische Barockarien
Preis: EUR 17,15

5.0 von 5 Sternen Barocke Arien als Leidenschaft, 24. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Rosso - Italienische Barockarien (Audio CD)
„Rosso“, rot, ist die Farbe der Leidenschaft - Patricia Petibon hat für diese CD ihre Lieblingsarien aus italienischen Barockopern ausgewählt und präsentiert sie in der Tat mit Leidenschaft und Feuer. Petibons Sopranstimme ist warm und ausdrucksvoll, in der Höhe glasklar und energiegeladen, und sie verfügt auch bei den höchsten Tönen über eine erstaunliche Freiheit in der Klanggestaltung. So gelingt es ihr, oft außerordentlich schön und zugleich höchst ausdrucksvoll zu singen. Stets ist der Ausdruck Petibons vollkommen authentisch, drückt Menschliches aus und bewegt. Manchmal ist dieser Sängerin offenkundig das Gefühl wichtiger als das nur-Schöne, und sie berührt den Hörer mit einer enorm emotionalen, geradezu sprechenden Gestaltung, doch stets bleibt ihr Gesang ästhetisch.

„Tornami a vagheggiar“ oder „Volate, amori“ hat man schon oft gehört, aber wenn diese Arien mit so vollkommener Beherrschung dieser extrem schwierigen Koloraturen gesungen und so souverän ornamentiert werden wie von Petibon, kann man von ihnen kaum genug bekommen. Petibon zeigt sich in dieser CD als eine Sopranistin mit einer perfekten Technik, die zusätzlich durch hohe Musikalität, enormes Stilgefühl und (im Kontrast zu manchen anderen Sopranistinnen) emotionale Glaubwürdigkeit überzeugt.

Hinzu kommen unter den Arien Entdeckungen wie „Queste lagrime“ von Stradella, das Petibon mit berührend entfärbter Stimme beginnt, um sich im Ausdruck dann weiter zu steigern, oder eine Arie aus Benedetto Marcellos „Arianna“, sowie Kompositionen von Porpora und Sartorio. An diesem klug zusammengestellten Programm merkt, dass Frau Petibon zuerst Musikwissenschaft studiert hat und ihre Arien wirklich - wie sonst z.B. Philippe Jaroussky - selbst auswählt.

Das „Venice Baroque Orchestra“ unter Marcon spielt solide und wird teilweise passend durch barocke Perkussionsinstrumente ergänzt - dies bringt ein wenig erfreulichen französischen tänzerischen Schwung in dieses so italienische Programm.
Die technische Umsetzung ist sehr gut, und auch das Büchlein ist besser als man es bei DG heute sonst oft erlebt.

Besser kann Barockmusik nicht sein, und besser kann eine Sopranistin Arien des Barock nicht singen. Uneingeschränkte Kaufempfehlung.


Händel - Lotario / Mingardo · Summers · Kermes · Prina · Davislim · Priante · Il Complesso Barocco · Curtis
Händel - Lotario / Mingardo · Summers · Kermes · Prina · Davislim · Priante · Il Complesso Barocco · Curtis
Wird angeboten von drphilwnieburgjr
Preis: EUR 56,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wunderbare Altistinnen - leider gekürzte Version, 23. Oktober 2012
Nur in dieser Aufnahme von 2004 liegt Händels bislang so vernachlässigte Oper „Lotario“ vor; in einer Einspielung mit Licht- und Schattenseiten. Zunächst ist zu beklagen, dass die „deutsche harmonia mundi“ es für unmöglich befand, mehr Musik aufzunehmen, als auf 2 CDs passt. So haben wir es hier mit einer kastrierten Oper zu tun, bei der von mehreren Arien nur der erste Teil geboten wird und auch die Rezitative gekürzt wurden.
Die Titelrolle wird erfreulicherweise von der großartigen Alistin Sara Mingardo gesungen, von leider immer noch relativ wenige Aufnahmen existieren. Mit ihrem klangschönen, dunklen Timbre und ihrem stets gefühlvollen, berührenden Gesang bietet Mingardo einen wunderbaren Lotario mit einer sehr großen Anzahl von Arien, die man von ihr sehr gerne alle in der Dacapo-Version gehört hätte.
Herausragend ist auch die Kontraltistin Hilary Summers - diese wunderbare Sängerin mit ihren einzigartigen samtigen und zugleich herben Timbre ist für Männerrollen ideal geeignet und singt als verliebter unglücklicher Idelberto herzzerreißend schön und emotional, technisch höchst überzeugend und wie stets mit unbestechlichem Stilgefühl. Bedauerlich nur, dass ihre Rolle vergleichsweise wenige Arien hat.
Wunderbar erklingt auch Sonia Prinas ebenfalls eindrucksvolle, wiederum ganz anders klingende Altstimme - weich und voll, mit großer Kraft in der bis zum abgründigen reichenden Tiefe, aber zugleich hell und enorm beweglich bis in erstaunliche Höhe ausgreifend erfreut sie in ihrer höchst anspruchsvollen Rolle als bösartige Matilde. Erfreulich ist auch ihr hier ganz natürlicher Ton (allerdings mit einigen etwas seltsamen Ornamentierungen), während Prina in späteren Einspielungen mitunter etwas manieriert klingt.
Leider ist es erforderlich, wegen Simone Kermes die CD immer wieder leiser zu drehen - viel zu laut eingestellt ist die Sopranistin, in mehr als einer Hinsicht. Ihre seltsam kehlige Gesangsweise ist bekanntlich Geschmackssache; warum man ausgerechnet ihre Arien mit den teilweise völlig überzogenen und unpassenden Verzierungen vollständig belassen wurden, während die der Titelrolle gekürzt wurden, fragt man sich vergeblich. Kermes' Stimme verfügt in den Koloraturen über perfekte Beweglichkeit; eine solche sollte jedoch stets mit proportionalem Urteilsvermögen und Geschmack verbunden sein, sonst sind die Ergebnisse höchst fragwürdig.

Händels Komposition „Lotario“ erweist sich trotz der koupierten Version als außerordentlich aufregend - dass der Oper damals kein großer Erfolg beschieden war, kann nur am höchst ungünstigen Zeitpunkt gelegen haben. So klingt die Musik auch von „Il Complesso Barocco“ unter Curtis gespielt interessant und packend, was von diesem Dirigenten nicht immer behauptet werden kann. - Vielleicht wird diese fabelhafte Oper ja bald erneut aufgenommen werden, vollständig und mit zwei Countertenören? - Dieses Mal aber: ein Triumph der Altistinnen!
Die tontechnische Umsetzung ist mittelmäßig. Deutliche Intonationsschwächen des Tenors fallen unangenehm auf, ebenso die zu laute Einstellung der Sopranistin im Vergleich zu den anderen Sängern und dem Orchester.
Das Booklet bietet uns leider nicht den Text zumindest der Oper Arien und Rezitative, sondern einige eher geschwätzige als erleuchtende Ausführungen - mehr kühle und klare Informationen wären besser.


Lotario
Lotario
Preis: EUR 8,97

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wunderbare Altistinnen - leider gekürzte Version, 23. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Lotario (Audio CD)
Nur in dieser Aufnahme von 2004 liegt Händels bislang so vernachlässigte Oper „Lotario“ vor; in einer Einspielung mit Licht- und Schattenseiten. Zunächst ist zu beklagen, dass die „deutsche harmonia mundi“ es für unmöglich befand, mehr Musik aufzunehmen, als auf 2 CDs passt. So haben wir es hier mit einer kastrierten Oper zu tun, bei der von mehreren Arien nur der erste Teil geboten wird und auch die Rezitative gekürzt wurden.
Die Titelrolle wird erfreulicherweise von der großartigen Alistin Sara Mingardo gesungen, von leider immer noch relativ wenige Aufnahmen existieren. Mit ihrem klangschönen, dunklen Timbre und ihrem stets gefühlvollen, berührenden Gesang bietet Mingardo einen wunderbaren Lotario mit einer sehr großen Anzahl von Arien, die man von ihr sehr gerne alle in der Dacapo-Version gehört hätte.
Herausragend ist auch die Kontraltistin Hilary Summers - diese wunderbare Sängerin mit ihren einzigartigen samtigen und zugleich herben Timbre ist für Männerrollen ideal geeignet und singt als verliebter unglücklicher Idelberto herzzerreißend schön und emotional, technisch höchst überzeugend und wie stets mit unbestechlichem Stilgefühl. Bedauerlich nur, dass ihre Rolle vergleichsweise wenige Arien hat.
Wunderbar erklingt auch Sonia Prinas ebenfalls eindrucksvolle, wiederum ganz anders klingende Altstimme - weich und voll, mit großer Kraft in der bis zum abgründigen reichenden Tiefe, aber zugleich hell und enorm beweglich bis in erstaunliche Höhe ausgreifend erfreut sie in ihrer höchst anspruchsvollen Rolle als bösartige Matilde. Erfreulich ist auch ihr hier ganz natürlicher Ton (allerdings mit einigen etwas seltsamen Ornamentierungen), während Prina in späteren Einspielungen mitunter etwas manieriert klingt.
Leider ist es erforderlich, wegen Simone Kermes die CD immer wieder leiser zu drehen - viel zu laut eingestellt ist die Sopranistin, in mehr als einer Hinsicht. Ihre seltsam kehlige Gesangsweise ist bekanntlich Geschmackssache; warum man ausgerechnet ihre Arien mit den teilweise völlig überzogenen und unpassenden Verzierungen vollständig belassen wurden, während die der Titelrolle gekürzt wurden, fragt man sich vergeblich. Kermes' Stimme verfügt in den Koloraturen über perfekte Beweglichkeit; eine solche sollte jedoch stets mit proportionalem Urteilsvermögen und Geschmack verbunden sein, sonst sind die Ergebnisse höchst fragwürdig.

Händels Komposition „Lotario“ erweist sich trotz der koupierten Version als außerordentlich aufregend - dass der Oper damals kein großer Erfolg beschieden war, kann nur am höchst ungünstigen Zeitpunkt gelegen haben. So klingt die Musik auch von „Il Complesso Barocco“ unter Curtis gespielt interessant und packend, was von diesem Dirigenten nicht immer behauptet werden kann. - Vielleicht wird diese fabelhafte Oper ja bald erneut aufgenommen werden, vollständig und mit zwei Countertenören? - Dieses Mal aber: ein Triumph der Altistinnen!
Die tontechnische Umsetzung ist mittelmäßig. Deutliche Intonationsschwächen des Tenors fallen unangenehm auf, ebenso die zu laute Einstellung der Sopranistin im Vergleich zu den anderen Sängern und dem Orchester.
Das Booklet bietet uns leider nicht den Text zumindest der Oper Arien und Rezitative, sondern einige eher geschwätzige als erleuchtende Ausführungen - mehr kühle und klare Informationen wären besser.


Ah! Mio Cor
Ah! Mio Cor
Preis: EUR 9,97

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ansprechende Einspielung von Arien Händels, 18. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Ah! Mio Cor (Audio CD)
Wunderbar schlank geführt und elastisch erklingt Magdalena Kozenas Mezzosopran in der titelgebenden Arie, ausdrucksvoll und gelegentlich mit einem schönen Vibrato betont. Sehr gut gesungen ist auch die sehr anspruchsvolle virtuose Arie „Dopo notte“, wobei die Stimme in der Tiefe etwas schwach bleibt und ihre Grenze erreicht, die Interpretation aber trotzdem auch verglichen mit anderen Mezzosopranistinnen sehr gut abschneidet. Hervorzuheben ist außerdem, dass Kozena im Da capo Händels Komposition mutig und stilsicher variiert und passende Kadenzen anfügt (hier einige Intonationsschwächen).
Durchgehend erfreulich zeigt sich vor allem Kozenas silbriges hohes Register - sogar mit den manchmal überraschend einsetzenden Spitzentönen, auch einmal zu Beginn einer Phrase, berückt Kozena und erschreckt nicht (im Gegensatz zu einer deutschen Sopranistin, bei der solche Höhenausrutscher oft sehr sinnwidrig eintreten).
Überwiegend bleibt Kozena mit eher zurückhaltendem Ausdruck innerhalb der Möglichkeiten ihrer Stimme - wie man in einige Stücken, vor allem „Ah! stigie larve!“ hört, kann sie allerdings auch anders und scheut nicht davor zurück, den Bereich des Schönen zugunsten eines intensiven Ausdrucks zu verlassen. Offensichtlich hat Frau Kozena sich mit dem Text intensiv befasst und ihn sich ganz zu eigen gemacht; ihre vokale und emotionale Umsetzung und Ausdeutung der Worte sind meisterhaft.
Schön, diszipliniert und einfühlsam musiziert das Venice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon insgesamt - man versteht sich offensichtlich und teilt den Ansatz, die Musik weniger äußerlich und oberflächlich glanzvoll, als durchfühlt und verinnerlicht zu musizieren (wobei es Glanz dennoch gibt). Bläser, vor allem Oboe sowie Fagott sowie klug eingesetzte Lauten und Solo-Cello bereichern das Klangbild. Eine wirklich erfreuliche Zusammenarbeit. In manchen Stücken hätte man sich allerdings vom Orchester ein etwas lebhafteres und schnelleres Musizieren gewünscht.
Zu kritisieren gibt es einige Intonationsschwächen sowohl bei der Sängerin als auch dem Ensemble einen vielleicht etwas zu großzügigen Einsatz von vibrato. Und irgendwie klingt alles ein wenig zu geruhsam; es mangelt etwas an durchlaufender innerer Spannung und innermusikalischer Dynamik, an Veränderungen - dies ist aber eher eine Frage von Stil und Geschmack - ebenso wie einige Ornamente, z.B. die Schlusskadenz von „Cara speme“, die mir persönlich nicht gefällt, aber sicherlich vielen Hörern schon.
Bezüglich der Arienauswahl gibt es kein großes „Aha!“, aber das kann bei Händel auch kaum erwartet werden. Die Klangqualität der CD ist sehr gut. Das Booklet ist auf Frau Kozena und ihre Interpretation dieser Musik abgestimmt und somit trotz der Kürze sehr gut.


Vivaldi, Antonio - Orlando furioso (+ Booklet)
Vivaldi, Antonio - Orlando furioso (+ Booklet)
DVD ~ Marie-Nicole Lemieux
Preis: EUR 22,88

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vokal und visuell erstklassig, 17. Oktober 2012
Bereits im Jahr 2005 erschien „Orlando furioso“ unter Jean-Christophe Spinosi auf dvd - jetzt endlich wurde die Oper mit beinahe identischer Besetzung szenisch aufgeführt und zum Glück auch für eine dvd gefilmt.
Etwas bang fragt man sich, ob alle SängerInnen stimmlich noch auf der gleichen Höhe sind wie damals - und wird sehr positiv überrascht.
Marie-Nicole Lemieux ist ein den Verstand verlierender Orlando, der alle anderen Orlandos und überhaupt alle verrückt werdenden Opernhelden schlicht vergessen lässt. So glaubwürdig und erschütternd hat vermutlich noch niemand diese gesanglich und psychisch extrem schwierige Rolle verkörpert - eine Rolle wie maßgeschneidert auf die frappierenden Fähigkeiten dieser bemerkenswerten Frau. Der Stimmumfang ist gewaltig, die Stimmkraft Lemieux' groß, überwältigend ist aber vor allem der Ausdruck, den sie vom Anfang bis zum herzzerreißenden Ende der Oper in jeden Ton, jede Aktion legt - hier singt ein Mensch Existenzielles; besser kann Oper nicht sein.
Ergreifend ist auch Jennifer Larmore als Alcina. Ihre schwerklingende, volle und dramatische Stimme sowie ihre großes Ausdrucksvermögen machen sie zu einer idealen Alcina, als einer tragischen Liebenden fortschreitenden Alters, die im Verlauf der drei Akte durch ein Wechselbad der Gefühle geht, und deren Ton so bewegend ist, dass man z.B. in der Arie „Che dolce piu“ tiefstes Mitgefühl mit dieser so ambigen Figur empfindet. Große Gesangskunst.
Die Stimme von Veronica Cangemi klingt erfreulicherweise immer noch glockenhell; selbstverständlich ist ihre Technik in den anspruchsvollen Koloraturarien der Angelica wie immer eindrucksvoll. Diese durchaus unsympatische Figur wird von dieser großartigen Sängerin vokal bezaubernd und emotional ambivalent verkörpert, genau wie es sein sollte.
Ein weiterer Glücksfall für diese Aufnahme ist der Countertenor Philippe Jaroussky, der als allgemein umschwärmter junger Ruggiero darstellerisch wie stimmlich vollkommen überzeugt. Immer noch mit einem glockenklaren Stimmklang, aber mit einer noch ausgereifteren Technik als im Jahr 2005 singt er einige wunderschöne Arien, vor allem das bezaubernde „Sol da te“ im 1. Akt. Als Darsteller gibt er der Inszenierung enorme Authentizität und weitere emotionale Tiefe, manchmal allein durch seine Mimik, während er zusieht, wie andere handeln und singen.
Überhaupt ist die Inszenierung von Pierre Audi ausgesprochen gelungen, ausdrucksstark und bedeutungsvoll, zugleich aber elegant und im besten Sinne schön (nicht hübsch). Wie durch ein Ballett werden die Szene und sängerische Handlung oft durch die anderen Sänger ergänzt, die sich im Raum bewegen, die viel verwendeten Stühle nutzen und Nebenhandlungen ausführen - stets passend, durchdacht und stimmig. Farblich ist alles in schwarz und grau gehalten, dunkel, sehr elegant, und die einander sehr ähnlichen Kostüme und Haare im Stil des 18. Jahrhunderts sind erfreulich anzusehen; bedauerlich ist nur, dass es so manchmal etwas schwer fällt, die Personen auseinanderzuhalten, aber mit mehrfachen Anschauen und Anhören gibt sich diese Schwierigkeit.
Allein das Booklet ist insofern etwas enttäuschend, als es wunderschönes Design, aber nicht den Text oder auch nur die einzelnen „Nummern“ bietet. Vielleicht geht man davon aus, dass jeder auch die CD besitzt... .
Eine äußerst lohnende dvd zum wiederholten Ansehen und Anhören - emotionale Erschütterung und vokale Ekstase sind nahezu garantiert.


Telemann
Telemann
Preis: EUR 14,06

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Traumschöner Telemann, 17. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Telemann (Audio CD)
Als ein wenig langweilig galt Telemann noch vor einiger Zeit - ganz falsch, wie man sieht, wenn MeisterInnen seine Opernarien und Violinkonzerte darbieten. Melodiöse Arien mit verschiedensten Emotionen gibt es hier zu hören, und wie! Nuria Rials Sopran erklingt in diesen Arien aus verschiedenen Opern Telemanns stets leicht und glasklar, aber zugleich warm und gefühlvoll, dem barocken Ideal entsprechend mit einer zarten, nahezu transparenten Höhe und einem warmen, runden tieferen Register. Rials Stimme ist in der Höhe kristallklar und bezaubernd silbrig, und in jeder Lage so klangschön, dass man alles um sich vergessen kann. Dass die junge Katalanin über eine perfekte Technik mit makellosen Koloraturen verfügt, Effekte wie das Vibrato höchst überlegt einsetzt und die deutschen Texte mit perfekter Aussprache darbietet, braucht kaum gesagt zu werden. Ihr Ton ist stets lyrisch, ihr Ausdruck innig, doch zugleich so direkt und mit einer so eindrucksvollen Fähigkeit, sich zu größter Intensität zu steigern, dass in den traurigen Stücken kaum ein Auge trocken bleibt. Sie beherrscht außerdem die auch bei Sopranistinnen seltene Kunst, hohe Töne forte zu singen, ohne dabei jemals das feine silbrige Timbre zu verlieren.
Sehr passend ergänzt wird die Einspielung durch zwei Violinkonzerte Telemanns mit der großartigen Julia Schröder als Solistin, die das Kammerorchester Basel auch leitet. Das Ensemble musiziert lebhaft, frisch und stilvoll. Dank des umsichtigen Dirigat von Julia Schröder ist das Zusammenspiel mit der Sängerin hervorragend.
Telemann wäre von dieser Aufnahme sicherlich begeistert gewesen. Unbedingte Kaufempfehlung.


Vivaldi
Vivaldi
Preis: EUR 18,67

3.0 von 5 Sternen Melancholischer Vivaldi, 16. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Vivaldi (Audio CD)
Dies ist nun wirklich nicht die einzige CD mit Arien von Vivaldi; somit findet man wie stets eine Mischung aus sehr bekannten und weniger gesungenen Arien vor uns kann vieles vergleichen - leider zum Nachteil der vorliegenden Aufnahme.
In „Armatae face et angibus“ ist Frau Kozena im Klang recht blass, immer wieder außer Atem, in der tiefen Lage teilweise sehr schwacher Ton. Eine solche Bravourarie sollte, wenn man sie schon einspielt, technisch besser beherrscht werden. „Nel profondo“ klingt im Vergleich zu anderen Interpretationen sehr glatt und uninteressant, kraftlos - was lieblich improvisierende Lauten in dieser Arie intensiver Gefühle einer überdimensional emotionalen Figur zu tun haben, erscheint ebenfalls fraglich. Hier hat auch das Orchester bzw. der Dirigent einige nicht optimale Entscheidungen getroffen, und nicht nur hier. Das einen Schlummer begleitende „Mentre dormi“ z.B. wird von Marcon so langsam angegangen, dass schon einschlafen kann, bevor die Sängerin einsetzt, hinzu kommen eine etwas eigenartige agogische Gestaltung, deren genaue Funktion mir nicht klar ist, eine Tendenz der Kozena, das Tempo noch weiter zu verlangsamen, und ein melancholischer Ton, der zum Inhalt schwerlich passt - diese Arie hat man schon erheblich besser gehört. Nahezu das gleiche gilt für die herrliche Arie „Sol da te“, deren Ton trüber Melancholie zum Zustand euphorischer Verliebtheit, der hier eigentlich vorliegt, in krassem Widerspruch steht.
Natürlich gibt es auch schöne Momente, und Frau Kozenas Stimme glänzt in der Höhe durchaus, aber dies gleicht nicht aus, dass hier Arien gewählt wurden, in denen sie in der Tiefe kraftlos klingt; vor allem aber klingt Frau Kozena für den heutigen Geschmack zu emotionslos oder präziser gesagt zu durchgehend melancholisch - wo der Wechsel der Gefühle fehlt, kann Gesang kaum berühren. Fans mögen die Einspielung dennoch schätzen; ansonsten kann man getrost zu Aufnahmen anderer Sängerinnen oder Countertenöre greifen.


Vinci: Artaserse
Vinci: Artaserse
Preis: EUR 23,99

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alle Farben der Countertenorstimmen, 13. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Vinci: Artaserse (Audio CD)
Undenkbar war es in Rom, der katholischsten aller Städte, im Jahr 1730, dass eine Frau auf der Bühne in einer Oper gesungen hätte, und so war die Premierenbesetzung von Leonardo Vincis „Artaserse“ in diesem Jahr rein männlich, besetzt also mit Kastraten, mit dem großartigen Carestini in der Rolle des Arbace. Mittlerweile stehen uns viele hervorragende Countertenöre zur Verfügung, die den schwierigen Partien in Barockopern gewachsen sind, und so ist es nur konsequent, einmal eine Oper nur mit Countertenören zu besetzen (wie ja auch schon von W. Christie erfolgreich umgesetzt). So haben wir also das Glück, in diesem „Artaserse“ (übrigens der Erstvertonung dieses berühmten Librettos von Metastasio - Hasse kam erst nach Vinci - und einer Ersteinspielung) fünf der besten Countertenöre unserer Zeit zu hören, deren Stimmen zudem so verschieden sind, dass keinerlei Eintönigkeit aufkommen wird.
Hervorzuheben ist bei dieser Einspielung zuerst das stringente und rhythmusstarke Dirigat des großartigen Diego Fasolis, unter dessen souveräner Leitung jedes Ensemble präzise spielt und jede Arie, jedes Rezitativ seinen eigenen, interessanten Charakter erhält. Solche technische Perfektion und solchen musikalischen Schwung würde man sich von jedem Dirigenten wünschen. „Concerto Köln“ spielen die abwechslungsreiche und klug gestaltete neapolitanische Komposition Vincis lebhaft und schwungvoll.
Philippe Jaroussky in der Titelrolle des Prinzen Artaserse überzeugt stimmlich mit seinem glanzvollen, über die gesamte Tessitura hinweg makellosen Stimmton sowie mit perfekter Technik. Zudem berührt Jaroussky mit seiner vollkommenen Beherrschung von Timbre und Ausdruck sowie mit lyrischem Ton und herausragender Musikalität den Hörer von der ersten Note an. Dieser herausragende Sänger verfügt deutlich mehr als seine Countertenor-Kollegen über die Kunst, den Zuhörer nicht nur zu beeindrucken, sondern ihn mit seinem Gesang emotional zu berühren und zu bewegen. Der vorliegende „Artaserse“ verdankt somit Philippe Jaroussky einen großen Teil seiner Wirkung.
Der bislang noch recht unbekannte Franco Fagioli zeigt in der schweren Rolle des Arbace einen eindrucksvoll großen Stimmumfang mit klarer, perfekt gestützter Höhe, einem weichen, oft erstaunlich vollen tiefen Register sowie hervorragende Technik auch in den schwierigsten Koloraturarien. Für mich klingt sein Ton im tieferen Bereich manchmal etwas beengt und sein Gesang vielleicht etwas übermäßig kontrolliert, nicht vollkommen frei, aber dies ist bereits Geschmackssache.
Der junge Valer Barna-Sadabus verfügt über eine im Bereich des Sopran gelagerte, klangschöne und leichte, gut gestützte Stimme sowie offenkundig über eine hervorragende Ausbildung. Es ist sehr zu hoffen, dass dieser begabte und gutaussehende junge Sänger seine Karriere klug angehen, weiterhin intensiv an seiner Technik und Intonation (die selten ganz wenig „verrutscht“) arbeiten, und nicht kurzfristig von profitbegierigen Plattenfirmen „verheizt“ werden wird.
Die Rolle der Mandane wird von Max Cencic wie immer mit einem reichen „mezzosopranigen“ Timbre, doch leider stellenweise auch einer gewissen schneidenden Härte in der höheren Lage gesungen. Hier wäre, zudem in einer Frauenrolle, wieder einmal etwas weniger besser gewesen.
Klangschön präsentieren sich auch die Stimmen von Minenko, der sehr ähnlich wie Cencic klingt, und Daniel Behle, dem einzigen Tenor in dieser Oper, der eigentlich für einen Bösewicht geradezu zu angenehm klingt.

Die Technik der Einspielung, das Booklet und dessen visuelle Gestaltung überzeugen ebenfalls - jeder Freund von Barockopern wird hier gerne zugreifen und mit Sicherheit langanhaltende Freude an dieser Einspielung haben.
Die Oper wird übrigens in wenigen Wochen (Herbst 2012) in Nancy inszeniert mit quasi der Besetzung dieser CD, und anschließend in anderen Städten, unter anderem Köln, in konzertanter Version zu genießen sein. (Ob man einige der Männer dann lieber "in Röcken" oder ohne erleben möchte, kann man sich somit aussuchen...)
Uneingeschränkte Empfehlung.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 6, 2013 12:00 PM CET


Streams of Pleasure-Opernarien und Duette
Streams of Pleasure-Opernarien und Duette
Wird angeboten von Edealcity
Preis: EUR 13,57

5.0 von 5 Sternen Freudevoller Fluss des Klangs, 12. Oktober 2012
Duetteinspielungen gab es in den letzten Jahren viele, aber diese ist dennoch besonders lohnend, insbesondere wegen der beiden Sängerinnen. Karina Gauvin verfügt über eine kristallklare Sopranstimme von wahrhaft betörendem Klang, ein ungewöhnlich weiches, kraftvolles tieferes Register und im Koloraturgesang eine makellose Technik. Marie- Nicole Lemieux ist eine Altistin mit einer erstaunlich starken und ausdrucksstarken Stimme, die sich auf Wunsch jedoch auch in einen erstaunlich süßen und schönen Sopran aufschwingen kann. - Optimale Voraussetzungen, und die Erwartungen, die man deshalb an diese Einspielung haben konnte, werden tatsächlich aufs Schönste erfüllt. In der vokalen Klangschönheit dieser beiden Stimmen kann man buchstäblich sich und die Welt vergessen, zugleich überzeugen die beiden Solistinnen mit stets mitreißendem emotionalem Ausdruck und souveräner musikalischer Gestaltung. Hier singen zwei Vollblutmusikerinnen miteinander, ergänzen und steigern sich gegenseitig, und dass die Begleitung durch Alan Curtis mit seinem "Complesso Barocco" in Tempo und Ausführung eher ruhig bleibt, ist hier sogar eher ein Gewinn. Sehr passend ist auch die Auswahl rein englischsprachiger Arien und Duette aus den wundervollen Oratorien Händels, in deren ruhigem Fluss, aber unglaublich kraftvollem Ausdruck die beiden Sängerinnen ihre Fähigkeiten und ihre musikalische Gestaltungskraft voll ausschöpfen können. Eine Aufnahme, die sinnliche Lebensfreude ausstrahlt, doch auch tiefe Gefühle vermittelt, gestaltet von zwei klugen und wunderbaren Musikerinnen - unbedingt empfehlenswert.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10