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Lilienthal

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Nouveau Monde - Baroque Arias And Songs [+digital booklet]
Nouveau Monde - Baroque Arias And Songs [+digital booklet]
Preis: EUR 10,99

5.0 von 5 Sternen "Amerika" in der Zeit des Barock, 27. Oktober 2012
Ein wirkliches Konzeptalbum ist diese CD, und kühn. Die Musik stammt durchgehend aus der Zeit des Barock (oder wurde damals gespielt) und befasst sich thematisch entweder mit der „neuen Welt“, „Amerika“, oder mit verwandten Themen. Hier finden wir Überraschendes wie eine wunderbare frühe Kantate Händels mit spanischem Text und Gitarre (!) sowie bewegende Ausschnitte aus Charpentiers „Medée“, natürlich auf französisch.
Dass Patricia Petibon alles enorm ausdrucksvoll und wahrhaftig singt, mit schimmernder Klarheit in der Höhe und einem mittlerweile erstaunlich samtweichen Ton in der Tiefe sowie makelloser Technik, braucht kaum beton zu werden. Und selbstverständlich ist Petibon neben vielem anderen auch eine große Schauspielerin und Komödiantin, die nicht „brav“ singt, sondern ausdrucksvoll, und auch einmal zu stärkeren vokalen Mitteln greift, um die Bedeutung eines Stücks ganz herüberzubringen - ein enormes Hörvergnügen und manchmal auch einfach sehr witzig.
Einige der Stücke sind Volksmusik ebenfalls aus der Zeit des Barock, teils aus Europa, wie „Greensleeves“ (in den a capella-Passagen von Petibon so kraftvoll wie ergreifend gesungen), teils Musik, die damals in Südamerika entstand (aus einer spanischsprachigen Originalquelle), letztere mit exotischen Instrumenten, südamerikanischer Harfe sowie Perkussionsinstrumenten passend ergänzt. Das alles ist vielfältig und bunt, ein wenig „cross-over“, aber passt fabelhaft zusammen und ist durchgehend hervorragend und inspiriert musiziert.

- Die ganze Welt der Musik legt Petibon uns Hörern mit dieser Einspielung offen, lädt ein, den Blick über den eigenen Erdteil zum Horizont und zum anderen zu heben - mehr kann man von einer CD nicht verlangen.

Das Booklet mit einem ausführlichen Text zum Programm sowie einem Interview mit Patricia Petibon über ihr Konzept, ihre Ideen usw. ist kurz, aber überdurchschnittlich gut. Solche wirklich dazugehörigen Texte ergänzen und Bereichern eine CD wirklich; ich würde mir so etwas viel öfter wünschen. Auch bezüglich des Designs ist die CD sehr schön und geschmackvoll gestaltet.
Uneingeschränkte Kaufempfehlung.


Nouveau Monde
Nouveau Monde
Preis: EUR 14,52

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Amerika" in der Zeit des Barock, 27. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Nouveau Monde (Audio CD)
Ein wirkliches Konzeptalbum ist diese CD, und kühn. Die Musik stammt durchgehend aus der Zeit des Barock (oder wurde damals gespielt) und befasst sich thematisch entweder mit der „neuen Welt“, „Amerika“, oder mit verwandten Themen. Hier finden wir Überraschendes wie eine wunderbare frühe Kantate Händels mit spanischem Text und Gitarre (!) sowie bewegende Ausschnitte aus Charpentiers „Medée“, natürlich auf französisch.
Dass Patricia Petibon alles enorm ausdrucksvoll und wahrhaftig singt, mit schimmernder Klarheit in der Höhe und einem mittlerweile erstaunlich samtweichen Ton in der Tiefe sowie makelloser Technik, braucht kaum beton zu werden. Und selbstverständlich ist Petibon neben vielem anderen auch eine große Schauspielerin und Komödiantin, die nicht „brav“ singt, sondern ausdrucksvoll, und auch einmal zu stärkeren vokalen Mitteln greift, um die Bedeutung eines Stücks ganz herüberzubringen - ein enormes Hörvergnügen und manchmal auch einfach sehr witzig.
Einige der Stücke sind Volksmusik ebenfalls aus der Zeit des Barock, teils aus Europa, wie „Greensleeves“ (in den a capella-Passagen von Petibon so kraftvoll wie ergreifend gesungen), teils Musik, die damals in Südamerika entstand (aus einer spanischsprachigen Originalquelle), letztere mit exotischen Instrumenten, südamerikanischer Harfe sowie Perkussionsinstrumenten passend ergänzt. Das alles ist vielfältig und bunt, ein wenig „cross-over“, aber passt fabelhaft zusammen und ist durchgehend hervorragend und inspiriert musiziert.

- Die ganze Welt der Musik legt Petibon uns Hörern mit dieser Einspielung offen, lädt ein, den Blick über den eigenen Erdteil zum Horizont und zum anderen zu heben - mehr kann man von einer CD nicht verlangen.

Das Booklet mit einem ausführlichen Text zum Programm sowie einem Interview mit Patricia Petibon über ihr Konzept, ihre Ideen usw. ist kurz, aber überdurchschnittlich gut. Solche wirklich dazugehörigen Texte ergänzen und Bereichern eine CD wirklich; ich würde mir so etwas viel öfter wünschen. Auch bezüglich des Designs ist die CD sehr schön und geschmackvoll gestaltet.
Uneingeschränkte Kaufempfehlung.


Drama Queens
Drama Queens
Preis: EUR 12,98

25 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Drama" unprätentiös und meisterhaft gesungen, 26. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Drama Queens (Audio CD)
Einige der hier eingespielten Arien sind echte Entdeckungen - und sie sind überzeugend musiziert. Joyce DiDonatos Stimmton auf dieser neuen Barock-CD ist warm und angenehm, in der Höhe sehr schön, in der Tiefe nicht besonders stark - einzelne sehr tiefe Töne sind gänzlich unhörbar, aber so etwas hat immer auch mit dem Orchester und dem Dirigenten zu tun. DiDonatos mittlere Lage ist in dieser Einspielung teilweise in den Koloraturen vielleicht ein wenig zu legato und zu oft mit vibrato versehen, um vollkommen klar durchhörbar zu sein, aber das Ergebnis überzeugt musikalisch. Beweglichkeit und Stimmklang in der Höhe sind wunderbar. DiDonato singt mit viel Ausdruck und Gefühl und gibt jeder Arie den treffenden Affekt, ohne dabei jemals zu „überspielen“. Cleopatras „Piangero“ beispielweise hat viele wunderschöne Momente und berührt durch hervorragende musikalische Gestaltung sehr. Allerdings erscheint mir das da capo als zu sehr und teilweise etwas seltsam verziert - die Zeiten, in denen der Dirigent sogar für hochintelligente Sängerinnen die Ornamentierungen schrieb, sollten doch eigentlich auch für Herrn Curtis vorbei sein? Insgesamt ist die musikalische Gestaltung sehr gelungen, geschmackvoll, ganz im barocken Stil, überlegt und stets von echten Gefühlen getragen.

Anerkennenswert ist bei dieser CD das Repertoire mit einigen bislang unveröffentlichten Arien gänzlich unbekannter Komponisten - wer hatte vorher jemals von Giovanni Porta (c1675-1755) gehört? Auch Antonio Cesti gehört nicht gerade zu den berühmtesten Barockkomponisten - aber die Musik beider erweist sich hier als äußerst hörenswert. Und dann ist da der wenig bekannte norddeutsche Komponist Reinhard Keiser, dessen hochlyrische Musik sich als bezaubernd erweist, und dessen bewegendes „Lasciama Piangere“ eine neue barocke Lieblingsarie werden könnte. Das Konzept, starke Emotionen von Königinnen wiederzugeben, ist damit, obwohl vielleicht sehr allgemein, doch durch die gute Auswahl der Musik gerechtfertigt.

Alan Curtis lässt sein Ensemble „Il Complesso Barocco“ in diesem hochemotionalen Programm lebhaft und schwungvoll musizieren. Offensichtlich findet auch er Frau DiDonatos immer noch frische Begeisterung für Barockmusik und ihre lebhafte Musikalität ansteckend.

Die visuelle Gestaltung der CD mit dem zum Thema passenden scharlachroten Kleid, aber sehr geschmackvollen Fotos ist gut gelungen - bei „Virgin“ keine Selbstverständlichkeit.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 31, 2012 9:41 PM CET


Sento Brillar
Sento Brillar
Preis: EUR 10,99

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen nichts verpasst, 26. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Sento Brillar (Audio CD)
Glücklicherweise enthält diese CD nur Arien von Händel - so verpasst der geschätzte Leser wirklich nichts, wenn er auf die Anschaffung verzichtet. Nachdem Philippe Jaroussky vor einigen Jahren mit dem brillianten Album „Carestini“ die Aufmerksamkeit auf diesen glänzenden Sänger (und seine eigene überwältigende Countertenorstimme und Gesangstechnik) gelenkt hatte, versuchen hier andere, auf den fahrenden Zug aufzuspringen - leider ein kompletter Fehlschlag. Die meisten der ausgewählten Arien sind langsam; das ist auch besser, denn Frau Kasarovas „Koloraturtechnik“ ist leider außerordentlich schlecht. In „Con l'ali di costanza“ trifft sie zumindest die Töne einigermaßen, dank zahlreicher Wiederholungen sicherlich - im Internet kann man hören, wie sie live mit dieser Arie eine Trefferquote von etwa einem Drittel erreicht. Leider geht bei ihrem mühseligen Anspringen der Töne jeglicher musikalische Zusammenhang verloren - kein Flug der Schwingen der Treue, nein. In „Sento brillar nel sen“ werden die Töne leider des öfteren nicht getroffen - alles andere als ein Hörvergnügen. In den langsamen Arien entfaltet Kasarova ihre sehr volle Stimme ganz, aber wo Jaroussky mit wenigen Tönen und vollkommener musikalischer Einfühlung zu Tränen gerührt hat, zerhackt Kasarova mit einem zeitlich völlig beliebig ungleichmäßigen, im Klang unebenen, jede Linie zerstörenden Springen von einem Ton zum anderen den Sinn der Musik gänzlich. Es klingt, als habe sie große Schwierigkeiten damit, ihren gewichtigen Stimmklang von einem Register in ein anderes zu bewegen. Von einer für das Barock geeigneten Gestaltung mit Leichtigkeit in der Höhe kann hier sowieso nicht die Rede sein. Offensichtlich wäre Frau Kasarova entschieden besser beraten, die Musik anderer Epochen zu wählen. Das hilft auch der bekannte Name von Alan Curtis und dem „Complesso Barocco“ nichts; eher fraglich, warum er sich für dieses Projekt gewinnen ließ, zudem das Ensemble hier ebenfalls oft seltsam ungleichmäßig hüpfend statt in Linien musikalischen spielt.
Wer sich einen Gefallen tun möchte, wird statt dieser CD das Carestini-Album von Jaroussky wählen, oder vielleicht etwas mit Lorraine Hunt...


Poeme
Poeme
Preis: EUR 19,41

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Poetisch, impressionistisch, brilliant, 25. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Poeme (Audio CD)
Impressionistische Musik aus der gleichen Zeit von Vaughan Williams, Chausson, Suk und Respighi hat Julia Fischer für dieses Album eingespielt, einer eigenen Idee und einem Titel von Chausson, „Poème“, folgend. Tatsächlich äußerst poetische, aber auch kraftvolle Musik; bekannt ist natürlich besonders „The lark ascending“ von Vaughan Williams, die anderen Stücke werden leider eher selten gespielt. Umso schöner, dass sie hier in einem so klug konzipierten Album eingespielt werden.
Beglückend ist die musikalische Umsetzung durch die Violinistin Julia Fischer, die einen wunderbaren, weichen Ton hat und technische Schwierigkeiten nicht zu kennen scheint - alles, was sie spielt, setzt sie so schwerelos um, dass man vergisst, dass diese Musik von einem Menschen und einem Instrument produziert wird - hier scheint die Musik einfach einer Seele zu entströmen und den Zuhörer mitzureißen. Vor allem aber erhebt Fischers musikalische Gestaltungskraft diese impressionistischen tonmalerischen Kompositionen zu in der Tat poetischen akustischen Bildern in unendlichen Farben und Schattierungen, von denen man nur wünschen würde, sie möchten niemals aufhören.
Wunderbar auch das „Orchestre Philharmonique de Monte Carlo“ unter der souveränen und inspirierten Leitung des leider wenige Monate später verstorbenen Yakov Kreizberg.
Die tontechnische Umsetzung der Aufnahme ist der musikalischen angemessen perfekt.
Uneingeschränkte Kaufempfehlung.


Rosso - Italienische Barockarien
Rosso - Italienische Barockarien
Preis: EUR 17,84

5.0 von 5 Sternen Barocke Arien als Leidenschaft, 24. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Rosso - Italienische Barockarien (Audio CD)
„Rosso“, rot, ist die Farbe der Leidenschaft - Patricia Petibon hat für diese CD ihre Lieblingsarien aus italienischen Barockopern ausgewählt und präsentiert sie in der Tat mit Leidenschaft und Feuer. Petibons Sopranstimme ist warm und ausdrucksvoll, in der Höhe glasklar und energiegeladen, und sie verfügt auch bei den höchsten Tönen über eine erstaunliche Freiheit in der Klanggestaltung. So gelingt es ihr, oft außerordentlich schön und zugleich höchst ausdrucksvoll zu singen. Stets ist der Ausdruck Petibons vollkommen authentisch, drückt Menschliches aus und bewegt. Manchmal ist dieser Sängerin offenkundig das Gefühl wichtiger als das nur-Schöne, und sie berührt den Hörer mit einer enorm emotionalen, geradezu sprechenden Gestaltung, doch stets bleibt ihr Gesang ästhetisch.

„Tornami a vagheggiar“ oder „Volate, amori“ hat man schon oft gehört, aber wenn diese Arien mit so vollkommener Beherrschung dieser extrem schwierigen Koloraturen gesungen und so souverän ornamentiert werden wie von Petibon, kann man von ihnen kaum genug bekommen. Petibon zeigt sich in dieser CD als eine Sopranistin mit einer perfekten Technik, die zusätzlich durch hohe Musikalität, enormes Stilgefühl und (im Kontrast zu manchen anderen Sopranistinnen) emotionale Glaubwürdigkeit überzeugt.

Hinzu kommen unter den Arien Entdeckungen wie „Queste lagrime“ von Stradella, das Petibon mit berührend entfärbter Stimme beginnt, um sich im Ausdruck dann weiter zu steigern, oder eine Arie aus Benedetto Marcellos „Arianna“, sowie Kompositionen von Porpora und Sartorio. An diesem klug zusammengestellten Programm merkt, dass Frau Petibon zuerst Musikwissenschaft studiert hat und ihre Arien wirklich - wie sonst z.B. Philippe Jaroussky - selbst auswählt.

Das „Venice Baroque Orchestra“ unter Marcon spielt solide und wird teilweise passend durch barocke Perkussionsinstrumente ergänzt - dies bringt ein wenig erfreulichen französischen tänzerischen Schwung in dieses so italienische Programm.
Die technische Umsetzung ist sehr gut, und auch das Büchlein ist besser als man es bei DG heute sonst oft erlebt.

Besser kann Barockmusik nicht sein, und besser kann eine Sopranistin Arien des Barock nicht singen. Uneingeschränkte Kaufempfehlung.


Händel - Lotario / Mingardo · Summers · Kermes · Prina · Davislim · Priante · Il Complesso Barocco · Curtis
Händel - Lotario / Mingardo · Summers · Kermes · Prina · Davislim · Priante · Il Complesso Barocco · Curtis
Wird angeboten von MEDIMOPS
Preis: EUR 18,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wunderbare Altistinnen - leider gekürzte Version, 23. Oktober 2012
Nur in dieser Aufnahme von 2004 liegt Händels bislang so vernachlässigte Oper „Lotario“ vor; in einer Einspielung mit Licht- und Schattenseiten. Zunächst ist zu beklagen, dass die „deutsche harmonia mundi“ es für unmöglich befand, mehr Musik aufzunehmen, als auf 2 CDs passt. So haben wir es hier mit einer kastrierten Oper zu tun, bei der von mehreren Arien nur der erste Teil geboten wird und auch die Rezitative gekürzt wurden.
Die Titelrolle wird erfreulicherweise von der großartigen Alistin Sara Mingardo gesungen, von leider immer noch relativ wenige Aufnahmen existieren. Mit ihrem klangschönen, dunklen Timbre und ihrem stets gefühlvollen, berührenden Gesang bietet Mingardo einen wunderbaren Lotario mit einer sehr großen Anzahl von Arien, die man von ihr sehr gerne alle in der Dacapo-Version gehört hätte.
Herausragend ist auch die Kontraltistin Hilary Summers - diese wunderbare Sängerin mit ihren einzigartigen samtigen und zugleich herben Timbre ist für Männerrollen ideal geeignet und singt als verliebter unglücklicher Idelberto herzzerreißend schön und emotional, technisch höchst überzeugend und wie stets mit unbestechlichem Stilgefühl. Bedauerlich nur, dass ihre Rolle vergleichsweise wenige Arien hat.
Wunderbar erklingt auch Sonia Prinas ebenfalls eindrucksvolle, wiederum ganz anders klingende Altstimme - weich und voll, mit großer Kraft in der bis zum abgründigen reichenden Tiefe, aber zugleich hell und enorm beweglich bis in erstaunliche Höhe ausgreifend erfreut sie in ihrer höchst anspruchsvollen Rolle als bösartige Matilde. Erfreulich ist auch ihr hier ganz natürlicher Ton (allerdings mit einigen etwas seltsamen Ornamentierungen), während Prina in späteren Einspielungen mitunter etwas manieriert klingt.
Leider ist es erforderlich, wegen Simone Kermes die CD immer wieder leiser zu drehen - viel zu laut eingestellt ist die Sopranistin, in mehr als einer Hinsicht. Ihre seltsam kehlige Gesangsweise ist bekanntlich Geschmackssache; warum man ausgerechnet ihre Arien mit den teilweise völlig überzogenen und unpassenden Verzierungen vollständig belassen wurden, während die der Titelrolle gekürzt wurden, fragt man sich vergeblich. Kermes' Stimme verfügt in den Koloraturen über perfekte Beweglichkeit; eine solche sollte jedoch stets mit proportionalem Urteilsvermögen und Geschmack verbunden sein, sonst sind die Ergebnisse höchst fragwürdig.

Händels Komposition „Lotario“ erweist sich trotz der koupierten Version als außerordentlich aufregend - dass der Oper damals kein großer Erfolg beschieden war, kann nur am höchst ungünstigen Zeitpunkt gelegen haben. So klingt die Musik auch von „Il Complesso Barocco“ unter Curtis gespielt interessant und packend, was von diesem Dirigenten nicht immer behauptet werden kann. - Vielleicht wird diese fabelhafte Oper ja bald erneut aufgenommen werden, vollständig und mit zwei Countertenören? - Dieses Mal aber: ein Triumph der Altistinnen!
Die tontechnische Umsetzung ist mittelmäßig. Deutliche Intonationsschwächen des Tenors fallen unangenehm auf, ebenso die zu laute Einstellung der Sopranistin im Vergleich zu den anderen Sängern und dem Orchester.
Das Booklet bietet uns leider nicht den Text zumindest der Oper Arien und Rezitative, sondern einige eher geschwätzige als erleuchtende Ausführungen - mehr kühle und klare Informationen wären besser.


Lotario
Lotario
Preis: EUR 15,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wunderbare Altistinnen - leider gekürzte Version, 23. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Lotario (Audio CD)
Nur in dieser Aufnahme von 2004 liegt Händels bislang so vernachlässigte Oper „Lotario“ vor; in einer Einspielung mit Licht- und Schattenseiten. Zunächst ist zu beklagen, dass die „deutsche harmonia mundi“ es für unmöglich befand, mehr Musik aufzunehmen, als auf 2 CDs passt. So haben wir es hier mit einer kastrierten Oper zu tun, bei der von mehreren Arien nur der erste Teil geboten wird und auch die Rezitative gekürzt wurden.
Die Titelrolle wird erfreulicherweise von der großartigen Alistin Sara Mingardo gesungen, von leider immer noch relativ wenige Aufnahmen existieren. Mit ihrem klangschönen, dunklen Timbre und ihrem stets gefühlvollen, berührenden Gesang bietet Mingardo einen wunderbaren Lotario mit einer sehr großen Anzahl von Arien, die man von ihr sehr gerne alle in der Dacapo-Version gehört hätte.
Herausragend ist auch die Kontraltistin Hilary Summers - diese wunderbare Sängerin mit ihren einzigartigen samtigen und zugleich herben Timbre ist für Männerrollen ideal geeignet und singt als verliebter unglücklicher Idelberto herzzerreißend schön und emotional, technisch höchst überzeugend und wie stets mit unbestechlichem Stilgefühl. Bedauerlich nur, dass ihre Rolle vergleichsweise wenige Arien hat.
Wunderbar erklingt auch Sonia Prinas ebenfalls eindrucksvolle, wiederum ganz anders klingende Altstimme - weich und voll, mit großer Kraft in der bis zum abgründigen reichenden Tiefe, aber zugleich hell und enorm beweglich bis in erstaunliche Höhe ausgreifend erfreut sie in ihrer höchst anspruchsvollen Rolle als bösartige Matilde. Erfreulich ist auch ihr hier ganz natürlicher Ton (allerdings mit einigen etwas seltsamen Ornamentierungen), während Prina in späteren Einspielungen mitunter etwas manieriert klingt.
Leider ist es erforderlich, wegen Simone Kermes die CD immer wieder leiser zu drehen - viel zu laut eingestellt ist die Sopranistin, in mehr als einer Hinsicht. Ihre seltsam kehlige Gesangsweise ist bekanntlich Geschmackssache; warum man ausgerechnet ihre Arien mit den teilweise völlig überzogenen und unpassenden Verzierungen vollständig belassen wurden, während die der Titelrolle gekürzt wurden, fragt man sich vergeblich. Kermes' Stimme verfügt in den Koloraturen über perfekte Beweglichkeit; eine solche sollte jedoch stets mit proportionalem Urteilsvermögen und Geschmack verbunden sein, sonst sind die Ergebnisse höchst fragwürdig.

Händels Komposition „Lotario“ erweist sich trotz der koupierten Version als außerordentlich aufregend - dass der Oper damals kein großer Erfolg beschieden war, kann nur am höchst ungünstigen Zeitpunkt gelegen haben. So klingt die Musik auch von „Il Complesso Barocco“ unter Curtis gespielt interessant und packend, was von diesem Dirigenten nicht immer behauptet werden kann. - Vielleicht wird diese fabelhafte Oper ja bald erneut aufgenommen werden, vollständig und mit zwei Countertenören? - Dieses Mal aber: ein Triumph der Altistinnen!
Die tontechnische Umsetzung ist mittelmäßig. Deutliche Intonationsschwächen des Tenors fallen unangenehm auf, ebenso die zu laute Einstellung der Sopranistin im Vergleich zu den anderen Sängern und dem Orchester.
Das Booklet bietet uns leider nicht den Text zumindest der Oper Arien und Rezitative, sondern einige eher geschwätzige als erleuchtende Ausführungen - mehr kühle und klare Informationen wären besser.


Ah! Mio Cor
Ah! Mio Cor
Preis: EUR 14,10

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ansprechende Einspielung von Arien Händels, 18. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Ah! Mio Cor (Audio CD)
Wunderbar schlank geführt und elastisch erklingt Magdalena Kozenas Mezzosopran in der titelgebenden Arie, ausdrucksvoll und gelegentlich mit einem schönen Vibrato betont. Sehr gut gesungen ist auch die sehr anspruchsvolle virtuose Arie „Dopo notte“, wobei die Stimme in der Tiefe etwas schwach bleibt und ihre Grenze erreicht, die Interpretation aber trotzdem auch verglichen mit anderen Mezzosopranistinnen sehr gut abschneidet. Hervorzuheben ist außerdem, dass Kozena im Da capo Händels Komposition mutig und stilsicher variiert und passende Kadenzen anfügt (hier einige Intonationsschwächen).
Durchgehend erfreulich zeigt sich vor allem Kozenas silbriges hohes Register - sogar mit den manchmal überraschend einsetzenden Spitzentönen, auch einmal zu Beginn einer Phrase, berückt Kozena und erschreckt nicht (im Gegensatz zu einer deutschen Sopranistin, bei der solche Höhenausrutscher oft sehr sinnwidrig eintreten).
Überwiegend bleibt Kozena mit eher zurückhaltendem Ausdruck innerhalb der Möglichkeiten ihrer Stimme - wie man in einige Stücken, vor allem „Ah! stigie larve!“ hört, kann sie allerdings auch anders und scheut nicht davor zurück, den Bereich des Schönen zugunsten eines intensiven Ausdrucks zu verlassen. Offensichtlich hat Frau Kozena sich mit dem Text intensiv befasst und ihn sich ganz zu eigen gemacht; ihre vokale und emotionale Umsetzung und Ausdeutung der Worte sind meisterhaft.
Schön, diszipliniert und einfühlsam musiziert das Venice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon insgesamt - man versteht sich offensichtlich und teilt den Ansatz, die Musik weniger äußerlich und oberflächlich glanzvoll, als durchfühlt und verinnerlicht zu musizieren (wobei es Glanz dennoch gibt). Bläser, vor allem Oboe sowie Fagott sowie klug eingesetzte Lauten und Solo-Cello bereichern das Klangbild. Eine wirklich erfreuliche Zusammenarbeit. In manchen Stücken hätte man sich allerdings vom Orchester ein etwas lebhafteres und schnelleres Musizieren gewünscht.
Zu kritisieren gibt es einige Intonationsschwächen sowohl bei der Sängerin als auch dem Ensemble einen vielleicht etwas zu großzügigen Einsatz von vibrato. Und irgendwie klingt alles ein wenig zu geruhsam; es mangelt etwas an durchlaufender innerer Spannung und innermusikalischer Dynamik, an Veränderungen - dies ist aber eher eine Frage von Stil und Geschmack - ebenso wie einige Ornamente, z.B. die Schlusskadenz von „Cara speme“, die mir persönlich nicht gefällt, aber sicherlich vielen Hörern schon.
Bezüglich der Arienauswahl gibt es kein großes „Aha!“, aber das kann bei Händel auch kaum erwartet werden. Die Klangqualität der CD ist sehr gut. Das Booklet ist auf Frau Kozena und ihre Interpretation dieser Musik abgestimmt und somit trotz der Kürze sehr gut.


Vivaldi, Antonio - Orlando furioso (+ Booklet)
Vivaldi, Antonio - Orlando furioso (+ Booklet)
DVD ~ Marie-Nicole Lemieux
Preis: EUR 25,02

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vokal und visuell erstklassig, 17. Oktober 2012
Bereits im Jahr 2005 erschien „Orlando furioso“ unter Jean-Christophe Spinosi auf dvd - jetzt endlich wurde die Oper mit beinahe identischer Besetzung szenisch aufgeführt und zum Glück auch für eine dvd gefilmt.
Etwas bang fragt man sich, ob alle SängerInnen stimmlich noch auf der gleichen Höhe sind wie damals - und wird sehr positiv überrascht.
Marie-Nicole Lemieux ist ein den Verstand verlierender Orlando, der alle anderen Orlandos und überhaupt alle verrückt werdenden Opernhelden schlicht vergessen lässt. So glaubwürdig und erschütternd hat vermutlich noch niemand diese gesanglich und psychisch extrem schwierige Rolle verkörpert - eine Rolle wie maßgeschneidert auf die frappierenden Fähigkeiten dieser bemerkenswerten Frau. Der Stimmumfang ist gewaltig, die Stimmkraft Lemieux' groß, überwältigend ist aber vor allem der Ausdruck, den sie vom Anfang bis zum herzzerreißenden Ende der Oper in jeden Ton, jede Aktion legt - hier singt ein Mensch Existenzielles; besser kann Oper nicht sein.
Ergreifend ist auch Jennifer Larmore als Alcina. Ihre schwerklingende, volle und dramatische Stimme sowie ihre großes Ausdrucksvermögen machen sie zu einer idealen Alcina, als einer tragischen Liebenden fortschreitenden Alters, die im Verlauf der drei Akte durch ein Wechselbad der Gefühle geht, und deren Ton so bewegend ist, dass man z.B. in der Arie „Che dolce piu“ tiefstes Mitgefühl mit dieser so ambigen Figur empfindet. Große Gesangskunst.
Die Stimme von Veronica Cangemi klingt erfreulicherweise immer noch glockenhell; selbstverständlich ist ihre Technik in den anspruchsvollen Koloraturarien der Angelica wie immer eindrucksvoll. Diese durchaus unsympatische Figur wird von dieser großartigen Sängerin vokal bezaubernd und emotional ambivalent verkörpert, genau wie es sein sollte.
Ein weiterer Glücksfall für diese Aufnahme ist der Countertenor Philippe Jaroussky, der als allgemein umschwärmter junger Ruggiero darstellerisch wie stimmlich vollkommen überzeugt. Immer noch mit einem glockenklaren Stimmklang, aber mit einer noch ausgereifteren Technik als im Jahr 2005 singt er einige wunderschöne Arien, vor allem das bezaubernde „Sol da te“ im 1. Akt. Als Darsteller gibt er der Inszenierung enorme Authentizität und weitere emotionale Tiefe, manchmal allein durch seine Mimik, während er zusieht, wie andere handeln und singen.
Überhaupt ist die Inszenierung von Pierre Audi ausgesprochen gelungen, ausdrucksstark und bedeutungsvoll, zugleich aber elegant und im besten Sinne schön (nicht hübsch). Wie durch ein Ballett werden die Szene und sängerische Handlung oft durch die anderen Sänger ergänzt, die sich im Raum bewegen, die viel verwendeten Stühle nutzen und Nebenhandlungen ausführen - stets passend, durchdacht und stimmig. Farblich ist alles in schwarz und grau gehalten, dunkel, sehr elegant, und die einander sehr ähnlichen Kostüme und Haare im Stil des 18. Jahrhunderts sind erfreulich anzusehen; bedauerlich ist nur, dass es so manchmal etwas schwer fällt, die Personen auseinanderzuhalten, aber mit mehrfachen Anschauen und Anhören gibt sich diese Schwierigkeit.
Allein das Booklet ist insofern etwas enttäuschend, als es wunderschönes Design, aber nicht den Text oder auch nur die einzelnen „Nummern“ bietet. Vielleicht geht man davon aus, dass jeder auch die CD besitzt... .
Eine äußerst lohnende dvd zum wiederholten Ansehen und Anhören - emotionale Erschütterung und vokale Ekstase sind nahezu garantiert.


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