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Rezensionen verfasst von
Lilienthal

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Ariodante
Ariodante
Preis: EUR 19,97

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schlecht trotz guter Sänger, 4. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Ariodante (Audio CD)
Diese Operneinspielung ist leider eine große Enttäuschung, was beinahe ausschließlich am Dirigenten Alan Curtis liegt. Die viel zu langsamen Tempi und die gleichförmig stampfend-schleppende Musizierweise sind höchst unschön und hindern die hervorragenden Sänger, die sich zu dieser Aufnahme eingefunden haben.
Joyce diDonato erbringt in der Titelrolle keine Glanzleistung. In „Con l'ali di costanza“ insbesondere stößt sie deutlich an ihre technischen Grenzen – kein Vergleich mit Lorraine Hunt (oder A.S. v. Otter). Verblüffenderweise kann man bei „Scherza infida“ und bei „Dopo notte“ auf dieser CD geradezu einschlafen – wenn man nicht über diese unmusikalische trampelnde Verdrehung dieser wunderbaren Musik durch den Dirigenten in Tränen oder wahlweise wütendes Gelächter ausbricht.
Karina Gauvin, die hier leider schon wieder ihre Zeit an ein Projekt von Curtis verschwendet hat, singt wie immer stimmlich glanzvoll und überzeugend, so dass man bei ihrer Ausdruckskraft beinahe vergessen könnte, dass es sich hier bei Curtis um „Stehmusik“ handelt – sie scheint gar nicht vorwärts zu gehen, sondern auf der Stelle zu stehen, was bei Musik eigentlich gar nicht möglich sein dürfte.
Topi Lehtipuu überzeugt wie immer mit seinem feinen, klangschönen lyrischen Tenor, und hat es für eine Arie sogar geschafft, ein schnelles Tempo zu erhalten, so dass er wirkliche Koloraturen singen kann. Hoffentlich wird er dies bald noch in vielen anderen Opern und mit anderen Dirigenten tun können.
Marie-Nicole Lemieux gleicht mit vollem Alt und ihrem sängerischen Temperament teilweise die schleppenden Tempi aus, aber auch dies zusammen mit den Anstrengungen ihrer Sängerkollegen reicht nicht, um die Oper zu retten.
Schmerzlich. Na ja, aber wir haben ja schon die Aufnahmen mit Minkowski und mit Lorraine Hunt.


A Tribute
A Tribute
Preis: EUR 24,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine der größten Sängerinnen, 4. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: A Tribute (Audio CD)
Eine der größten Sängerinnen unserer Zeit war Lorraine Hunt Lieberson zweifellos – deshalb ist es höchst erfreulich, dass mit diesem Doppelalbum nun eine Zusammenstellung besonders schöner und beliebter Arieneinspielungen mit ihr vorliegt. Warm und ausdrucksvoll wie keine andere Stimme ertönt ihr voller Mezzosopran, der in seinem zugleich klaren wie dunklen Timbre allein schon klanglich unerreicht ist. Der Ausdruck aber vor allem – bei Hunt Lieberson ist jeder Ton, jeder Moment mit Seele, mit Gefühl erfüllt und erreicht unfehlbar das Herz des Hörers.
Dies gilt insbesondere für viele der Arien auf dieser CD, u.a. „Angels, ever bright and fair“ aus „Theodora“, ein Oratoriumn, in dem diese große Sängerin ihrem Gesang eine spirituelle Dimension verlieh, die in der Musik ihresgleichen sucht. Auch die Arie „Vieni, o figlio“ ist schlicht herzergreifend. Hier wie in anderen Kompositionen zeigt Hunt Lieberson einen sehr großen Stimmumfang mit außerordentlich klarer Höhe und samtig weichem tiefem Register. Ihr Sopranbereich ist sehr flexibel und bei Bedarf auch sehr kräftig, zugleich aber stets unglaublich klar und weich im Klang.
Ebenso eindrucksvoll ist Hunt Liebersons Technik – ihre barocke Koloraturtechnik ist eine der besten überhaupt, ihre Ornamentierungen und ihre schlicht unglaublichen Triller sind einfach die pure Freude. Hunt Liebersons „Con l'ali di costanza“ erscheint mit mit ihren wie ausgestanzt präzisen Koloraturen, bei denen sie zugleich das Kunststück vollbringt, ihren reichen Stimmklang ganz zu entfalten, als die beste Aufnahme dieser Arie überhaupt.
Die meisten Stücke auf dieser CD sind von Händel, mit dem diese große Sängerin ihre Stärken wirklich ganz zeigen konnte. Erstaunlich ist hier übrigens auch der unterschiedliche Klang je nachdem, ob es sich um eine männliche oder eine weibliche Rolle handelte – diese große Künstlerin verkörperte wirklich jeweils die Person, die sie gerade sang. Zwei Stücke von Purcell und Bach, letzterer natürlich mit makelloser Aussprache, vervollständigen die Sammlung. Berührend, diese allzu früh verstorbene Künstlerin vom Tod singen zu hören, aber wie erhebend ist ihre Interpretation von „When I am laid in earth“!
Ein sehr schöner Einstieg in das Werk von Lorraine Hunt Lieberson, das jedem Freund klassischer Musik nur wärmstens empfohlen werden kann.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 5, 2013 4:52 PM MEST


Prima Donna
Prima Donna
Preis: EUR 20,62

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbare Prima Donna, 3. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Prima Donna (Audio CD)
Zu den größten musikalischen Freuden überhaupt gehört eine neue Einspielung mit der wunderbaren Sopranistin Karina Gauvin. Der Sopranistin Anna Maria Strada del Po ist diese neue CD mit Arien von Händel, Vivaldi und Vinci gewidmet. Gauvins kristallklarer, Stimmklang bringt den entzückten Hörer bei dieser CD wiederholt dazu, zum Lautstärkeregler zu greifen – hiervon kann man in jeder Hinsicht kaum genug bekommen! Das enzückende „Verdi piante“ z.B. hat man schon von anderen herausragenden Sopranistinnen gehört, aber Karina Gauvin hebt selbst dies auf eine noch höhere Ebene. Niemals scharf, sondern stets fein sind ihre höchsten Töne. Mit ihrer Wärme und Ausdruckskraft ist ihre Stimme unverwechselbar und ihr Gesang stets ergreifend.
In den hochdramatischen Arien wie „Ah mio cor“ überzeugt Gauvin ebenso wie im Lyrischem – Schauer laufen einem über den Rücken, wenn diese überragende Sängerin mit intensivem Ausdruck singt. Dabei bleibt sie stets im Bereich des Schönen, wie es für Musik dieser Zeit angemessen ist. Mit außerordentlich gutem Geschmack gestaltet Gauvin alles, ihre Ornamentationen sind virtuos, aber stets gänzlich passend und eine große Bereicherung der Musik.
Die Arie von Vinci erfreut u.a. mit staccato-Koloraturen, in denen Gauvin noch einmal an ihre sowieso bekannte makellose Technik erinnern kann. Auch die Arie „Addio caro“ von (unverkennbar) Vivaldi fügt sich gut in das Programm ein. Einige kurze Instrumentalstücke ergänzen lebhaft und klug gespielt die Einspielung – bei großzügigen 75 Minuten kein Schaden!
Das Arion Orchestre Baroque unter dem bewährten Alexander Weimann musiziert fein und klar, mit Schwung und gutem Gefühl für die Sängerin. Erstaunlich sanft klingt das Cembalo (von Weimann), die Begleitung beschränkt sich z.B. in der letzten Arie auf Basso Continuo – umso schöner hört die herrliche Singstimme von Karina Gauvin. Die tontechnische Umsetzung ist zurückgenommen, klar und sehr schön.
Uneingeschränkte Kaufempfehlung.


Händel - Giulio Cesare / Mijanovic, Kozana, von Otter, Hellekant, B. Mehta, A. Ewing, Les Musiciens du Louvre, Minkowski
Händel - Giulio Cesare / Mijanovic, Kozana, von Otter, Hellekant, B. Mehta, A. Ewing, Les Musiciens du Louvre, Minkowski
Preis: EUR 33,97

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Großartige(r) Giulio Cesare von Minkowski, 22. Januar 2013
Eine Einspielung von „Giulio Cesare“ von Marc Minkowski ist natürlich mit Sängerinnen besetzt, deren Stimmen er schätzt - ich schreibe bewusst „innen“, denn bekanntlich besetzt Minkowski lieber mit Frauen als mit Countertenören. Und in diesem Falle mit Recht.

Die Titelrolle mit Marijana Mijanovic zu besetzen, war schlicht eine geniale Entscheidung. Mijanovics enorm fokussierte, dunkel-schöne Altstimme bietet uns einen Giulio Cesare, wie man ihn vielleicht nie zuvor gehört hat und nie wieder hören wird: Kernig maskulin, konzentriert, durchschlagend, dabei stets wunderschön timbriert und sanft im Klang. In der Tiefe hat diese Altistin anscheinend keine Grenze, über alle Tonhöhen hinweg hat sie beliebige Stimmkraft zu bieten, singt in technischer Perfektion, in ausgereifter Interpretation, mit höchst stilsicheren Ornamentierungen. Ihre Interpretation lässt keine Wünsche offen.

Weniger glücklich bin ich mit der Cleopatra von Magdalena Kozena. Ihr ja eigentlich Mezzo-Stimme klingt insgesamt zu matt und zu wenig glanzvoll für diese hohe Sopranrolle. Sie kann zwar in der Höhe kräftig singen, aber dann mit Kraft. Die meisten (sehr guten) Sopranistinnen, die ich bisland in der Rolle gehört habe, gefielen mir besser.
Den Sesto singt Anne Sofie von Otter, sehr gut, allerdings nicht unbedingt wie ein Knabe klingend. Ihr Timbre ist für die Rolle trotzdem gut geeignet, und ihre Technik natürlich großartig.
Auch Charlotte Hellekant ist als Cornelia mit ihrer sehr dunklen, aber zugleich weichen und femininen Stimme sehr gut.

Minkowski hat mich in verschiedener Hinsicht überrascht. Er spielt mit sehr großer Besetzung - vielleicht macht diese seine Tempi oft etwas langsam, schränkt die Beweglichkeit ein wenig ein. Wunderbar ist es, wie er sich oft Zeit nimmt, nach einem dramatischen Moment Stille sich ausbreiten lässt, wartet, Geduld hat - bedeutungsvolle Stille. Seltsamerweise hat er jedoch manchmal diese Geduld nicht mit seinen Sängern, sondern spielt in ihre Kadenzen hinein - eine Manier, die mich hier etwas störte, die er aber offenbar sonst nicht hat. Vielleicht nur eine Folge der live-Einspielung und ein Mittel, störenden Zwischenapplaus zu unterbinden! - bei einem so hinhörenden Dirigenten ist anderes kaum denkbar. Ansonsten ist die Interpretation sehr schön gelungen. Auch der live-Charakter stört gar nicht; eher bemerkenswert, wie großartig die Aufnahme auch ohne viel Nachbearbeitung geworden ist.


Canzone e Cantate
Canzone e Cantate
Preis: EUR 22,33

3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vermischte Gesänge (und Instrumentalstücke), 22. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Canzone e Cantate (Audio CD)
Offensichtlich ist es heute immer noch schwierig, als recht unbekannter Countertenor eine CD auf den Markt zu bringen. So ist die vorliegende Einspielung von Franco Fagioli eine wenig originelle Zusammenstellung von Stücken beliebiger Gattungen von Monteverdi, Vivald, Händel und anderen Komponisten, mit Gesang und teilweise auch ohne. Ein Konzept lässt sich nicht erkennen, außer vielleicht, dass viele Stücke (von Vivaldi, Monteverdi, Ferrari) wiederholt werden, die Jaroussky bereits erfolgreich veröffentlicht hat. Kein besonderer Repertoirewert also; dafür ergibt sich zwingend ein Vergleich mit anderen Countertenören.

Was andere Hörer am Gesang Fagiolis finden, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Technisch sind heute die meisten bekannten Countertenöre auf einem Niveau, das wirklich erstaunlich ist, und singen kunstfertig sehr schwierige Koloraturen. Aber wie es klingt, ist sehr verschieden. Jaroussky, Dumaux singen in dieser Höhe, als sei es eine Selbstverständlichkeit, natürlich und ohne jede Anstrengung. Fagiolis Stimmproduktion hingegen klingt für mich ebenso künstlich und angespannt wie sein Gesichtsausdruck und seine Körperspannung in Videoaufnahmen ihn zeigen. Die Höhe ist wirklich sehr schön, aber dies sind nur einige wenige Töne; alles andere klingt für mich eher wie eine überanstrengte Altistin mit einem etwas leidenden Unterton. Im tieferen Register ist Fagiolis Stimme seltsam angespannt, der Ton üppig, aber zugleich seltsam unklar und gepresst – vermutlich eine Folge seiner speziellen Art, die Register zusammenzufügen. Opernhaft klingt alles, was Fagioli singt, mit viel vibrato wie bei einer Altistin bei Verdi, und einer Art von Ausdruck, die aus einer Dramatisierung besteht, die mir eher als affektiert als echt und für das Barock passend erscheint.

Bei einem Stück wie "Si dolce il tormento" wünsche ich mir "Süße", höre bei Fagioli aber einen leidenden Unterton, zerlaufende Töne und manchmal ein Ziehen der Klänge, die ich unschön finde. In den virtuosen Stücken wie "Pianti, sospiri" bringt Fagioli seine Virtuosität und das volle tiefe Register ein, aber Jaroussky singt all dies ebenso gut und wie mühelos schwebend, und berührt dabei; nichts davon höre ich bei Fagioli. Selbstverständlich ist dies eine Frage des Geschmacks. Ich persönlich ziehe andere Countertenöre, und die meisten Sängerinnen, vor.


Orlando Furioso
Orlando Furioso
Preis: EUR 29,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herausragende, mitreißende Opernaufnahme, 12. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Orlando Furioso (Audio CD)
Traumhaft ist die Besetzung bei dieser Aufnahme (von 2003) einer der mitreißendsten Opern Vivaldis, schwungvoll musiziert, herausragend gesungen, kein Wunsch bleibt offen.
Die Titelrolle singt Marie-Nicole Lemieux; und obwohl man zunächst bedauern mag, dass kein Countertenor eingesetzt wurde, muss man ehrlich sagen, dass kein Countertenor diese Rolle so gut hätte singen können. Lemieux verfügt über einen äußerst modulationsfähigen und ausdrucksstarken Alt, den sie in dieser Rolle in einer Tour de Force einsetzt, um das gesamte Spektrum menschlicher Gefühle bis hin zum Wahnsinn auszudrücken, so bewegend, dass man sich fragt, wie man jemals Barockoper für kühl oder schwer zugänglich halten konnte.
Alle anderen Sänger bewegen sich auf dem gleichen hohen Niveau. Jennifer Larmores hochkonzentrierte, zugleich zu großer Schwere fähige Mezzostimme ist für die Verkörperung der machtgierigen, verführerischen, nicht mehr ganz jungen Zauberin perfekt. Besonders in ihren Arien fasziniert die Künstlerin mit ihrer exzellenten Technik und ihrem kraftvoll-charismatischen Musizieren.
Veronica Cangemi verfügt über einen kristallklaren Sopran, mit dem sie so selbstverständlich bezaubert, wie es ihrer Rolle angemessen ist, über perlende Koloraturen, aber auch über die Fähigkeit, durch emotionalen Ausdruck den Zuhörer in ihren tragischen Szenen zu rühren.
Philippe Jaroussky ist mit seiner reinen, jugendlich timbrierten Stimme und makellosen Technik der perfekte Ruggiero (für diese Oper und andere). Leider hat er hier nur eine längere Arie (und einige kürzere), aber diese ist wirklich außergewöhnlich und wirkt, als sei sie für ihn komponiert worden. Auch Jarousskys darstellerische Kraft als Sänger überzeugt hier wie anderswo.
Ann Hallenberg singt die Bradamante, auch dies eine perfekte Besetzung. Ihr so femininer wie kraftvoller, schön fokussierter Mezzo ermöglicht es ihr, diese kämpferische junge Frau gesanglich wunderbar lebhaft und wohlklingend zu gestalten. Schön, dass diese fabelhafte Sängerin inzwischen auf vielen Aufnahmen zu hören ist.
Blandine Staszkiewicz hört man leider recht selten in barockem Repertoire. Sie ist ein fabelhafter Medoro. Mit einem unglaublich großen Stimmumfang, für den das Wort „Mezzosopran“ eigentlich zu klein ist, glasklar in der Höhe, androgyn-kraftvoll in der Tiefe, fasziniert sie in der Rolle des verliebten Jünglings und setzt sich auch gegen auch gegen stürmischen Orchestereinsatz gut durch.
Lebhaft, schwungvoll und stets bis ins Detail durchdacht musiziert Jean-Christophe Spinosis „Ensemble Matheus“ unter seiner inspirierten Leitung. Hier sitzt jedes Detail, und auch bei den Sängern fällt auf, wie stilvoll alle Phrasierungen und selbst die Ornamentierungen sind - hier haben sich zusammen mit Spinosi alle Musiker mit Herz und Verstand ganz in den Dienst der Musik gestellt.
Eine Meisterleistung. Uneingeschränkte Kaufempfehlung.


Monteverdi, Claudio - L'incoronazione di Poppea [2 DVDs]
Monteverdi, Claudio - L'incoronazione di Poppea [2 DVDs]
DVD ~ Danielle de Niese
Preis: EUR 23,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungene Umsetzung mit Countertenor als Nerone, 12. Januar 2013
Achtung - diese Rezension bezieht sich auf die Einspielung mit Philippe Jaroussky - nicht die mit Alice Coote !! (Amazon ist seltsamerweise nicht in der Lage, die beiden dvds voneinander zu unterscheiden!)

Von Monteverdis letzter Oper gibt es bereits einige sehr gute Einspielungen, aber bislang keine durchgehend überzeugende mit einem Countertenor in der Hauptrolle des Nerone. So könnte die vorliegende Einspielung neue Maßstäbe für "Poppea" setzen, zudem sie gleich auch ein Video der Inszenierung bietet. Und tatsächlich bietet dieser Film sowohl dem Ohr als auch dem Auge vieles, wenn auch nicht immer durch die gleichen Personen.
Philippe Jaroussky mit seiner hellen, klaren Countertenorstimme singt die sehr hohe Rolle mit wundervollem Timbre und höchst überzeugend. Dass diese stets nett und recht jungenhaft wirkende Sänger einen sympathischen, aber manchmale doch verstörend fiesen jungen Nero singen würde, hätte man bei einem so hochpräsenten Bühnenkünstler eigentlich erwarten können - trotzdem überrascht Jaroussky positiv. Höchst sympatische wirkt er durch seinen wunderschönen Stimmklang und die perfekte Technik, mit der er diese aberwitzig schwere Rolle mühelos klingen lässt. In einigen starken Spitzentönen wiederum lässt er seine Stimmkraft geradezu ins Aggressive umschwingen. Obwohl das bleiche Makeup den aparten jungen Sänger durchaus kleidet, lässt sich dies jedoch über sein laménachthemdartiges Hauptkostüme schwerlich behaupten. Welcher umnachtete Regisseur kommt wohl auf die Idee, einen gutaussehenden jungen Mann in ein solches formloses Ungetüm zu stecken? (Der bronzefarbene Mantel reißt es später wieder heraus.)
Visuell gänzlich überzeugen kann hingegen die bildhübsche Danielle de Niese, deren Figur durch die Kostüme schön zur Geltung gebracht wird - der Regisseur hat sich hier sichtlich mehr Mühe gegeben. Bedauerlich nur, das ihr unvollkommener, eher auf Lautstärke als Klangschönheit zielender Stimmansatz für eine frühe Barockoper gänzlich ungeeignet ist und sie zwar alle Töne erreicht, dies aber in einem durchgehend schrillen Ton, den sie wohl für ausdrucksvoll hält, der aber leider das Vergnügen an der Oper doch sehr eintrübt. Seltsam, dass der sonst hochkompetente William Christie diese Sängerin so oft für ein Repertoire einsetzt, für das sie so offenkundig ungeeignet ist.
Wie es stattdessen gehen kann, hört man wunderbar an der jungen, mir voeher unbekannten Ana Quintans, die in der Rolle der Drusilla einen glockenreinen Sopran erklingen lässt und ihre Rolle auch technisch souverän beherrscht. Den Namen sollte man sich merken. (Und auch die Namen Claire Debono, Katherine Watson und Hanna Bayodi-Hirt.)
Erfreulicherweise wird Ottavia von Anna Bonitatibus gesungen, die gesanglich eine glänzende und schauspielerisch eine überwältigende Leistung bietet. Auch sämtliche Nebenrollen sind fabelhaft besetzt und bieten ein gesangliches Highlight nach dem anderen. Nur der Bass, der Seneca singt, nervt mit seiner wichtigtuerischen Art und Gesangsweise etwas, was aber auch in seiner Rolle angelegt ist. Und gute Bassisten für das Barock sind wohl schwer zu finden.
Hervorragend aufgelegt ist hingegen das Ensemble Les Arts Florissants mit William Christie an Cembalo, Orgel und Regal (das ist die etwas kreischende "andere Orgel").
Die Inszenierung ist ansonsten sehr neutral und stört damit den Musikgenuss wenig, viele Szenen sind darstellerisch sehr gelungen (obwohl ich auch schauspielerisch de Niese nicht wirklich berührend finde). Insgesamt aufgrund der hervorragenden Besetzung und musikalischen Umsetzung eine äußerst gelungene und empfehlenswerte Einspielung.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 5, 2013 4:57 PM MEST


Händel, Georg Friedrich - Giulio Cesare [2 DVDs]
Händel, Georg Friedrich - Giulio Cesare [2 DVDs]
DVD ~ Natalie Dessay
Preis: EUR 20,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Cleopatra triumphiert über Cesare, 12. Januar 2013
Die Eindrücke bei dieser Einspielung sind zwiespältig. Über die darstellerischen Fähigkeiten von Natalie Dessay brauche ich eigentlich nichts zu sagen ... sie überzeugt schauspielerisch vollkommen, zieht mit ihrer intensiven Darstellung alle Augen auf sich und hebt die Inszenierung durch ihre enorme Bühnenpräsenz auf eine höhere Ebene. Ihre Stimme betreffend hat sie entschieden allen Grund, gesanglich in Richtung ausgeprägter Dramatik zu gehen; die Technik, mit dem sie dem Zahn der Zeit trotzt, ist wirklich eindrucksvoll.
Was Hörer an dem Countertenor L. Zazzo finden, kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Seine Stimme klingt für mich flach, falsettierend, öfter kläglich oder etwas jammernd. Die Register fallen klanglich ziemlich auseinander, einige der tiefsten Töne hört man gar nicht, und bei den schwierigeren Passagen ist Zazzos Gesang teilweise eher (so schon im ersten Rezitativ, oder in „Se in fiorito“) ein Suchen nach den richtigen Tonhöhen. Für diese Rolle wäre nun wirklich eine makellose Intonation erforderlich (wie man sie bei Scholl oder den Altistinnen, die den Cesare singen, findet). Auch Zazzos nicht allzu stilsichere Ornamentierungen gefallen mir wenig.
Mit Varduhy Abrahamyan hat man sich für eine junge Cornelia entschieden, was aber ja der Handlung entspricht, und die Altistin überzeugt mit ihrer schweren, dunkel-klangvollen Stimme und gänzlich unaffektierten Gesangsweise tatsächlich sehr, obwohl mir ihre Ornamentierungen in den Da capi teilweise etwas zu sehr von der Melodie abweichen.
Isabel Leonhard verbindet ein (in dieser Rolle) knabenhafter Aussehen mit einer kräftigen, fokussierten und schönen Mezzostimme, singt allerdings leider manchmal mit zu viel vibrato und zu großer Stimme, um eine perfekte Intonation zu erreichen. (In dieser Rolle hat mich Jaroussky in Salzburg mehr überzeugt.)
Tolomeo wird „schon wieder“ durch Christophe Dumaux verkörpert, der dafür mit seiner so klangschönen und hochbeweglichen Stimme perfekt ist, und von dem ich mir nur wünschen würde, er wäre auch einmal in einer anderen Rolle zu hören ... seine Stimme und wunderbare Technik (und schauspielerischen Fähigkeiten) sind noch für vieles andere geeignet!
Ein Vergnügen ist auch der Auftritt von Dominique Visse als Nireno, dessen Stimme innerhalb von ca. 30 Jahren wenig von ihrem sehr fokussierten, einzigartigen Klang eingebüßt zu haben scheint, und dem die Aufführung offenkundigen Spaß bereitet.

Das Orchester unter Emmanuelle Haim spielt wie gewohnt schwungvoll, präzise und auch mit Mut zu Kanten und kreativen Einfällen. Eine lebhafte, emotionale Interpretation, durch die man gut über drei Stunden hinweg kommt, obwohl das „L'angue offeso“ etwas schleppend wirkt. Auch die teilweise etwas zu sehr herumschweifenden Ornamentierungen der Sänger bei den Da capos stören ein wenig und haben vermutlich mit Haims Geschmack zu tun.
Von der Inszenierung war ich eigentlich schon bei dem „witzigen“ Einfall mit den singenden Büsten bedient, und auch im weiteren mangelt es ziemlich an wirklicher Originalität, geschweige denn Subtilität. Neben einigen gelungenen und witzigen Einfällen stolpert eher ein Ägypten-(u.a.)-Klischee über das andere. Hier hat mich die Inszenierung 2012 in Salzburg wesentlich mehr überzeugt, denn sie hatte sowohl starke Symbolkraft als auch Subtilität. (Und erscheint auch bald auf dvd ... dort fehlt dann auch das wunderbare Duett „Son nata a lagrimar“ nicht!)
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 30, 2013 8:15 AM MEST


Orlando Generoso
Orlando Generoso
Preis: EUR 29,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bedeutende Operneinspielung, 9. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Orlando Generoso (Audio CD)
Agostino Steffani kommt glücklicherweise dank Inszenierungen von "Niobe" (u.a. in Boston mit Ph. Jaroussky) sowie Cecilia Bartolis neuer CD gerade wieder ins allgemeine Bewusstsein, war bislang jedoch außerhalb Hannovers wenig bekannt. So ist die vorliegende Einspielung aus dem Jahre 2008, bei Aufführungen in Hannover entstanden, zur Zeit leider die einzige im Handel erhältliche Opernaufnahme dieses bedeutenden Komponisten, der unter anderem Händel sehr beeinflusst hat.
Und der "Orlando generoso", 1691 in Hannover komponiert, ist eine ausgesprochen gelungene Oper. Wo das Muster aus langen Rezitativen und noch längeren Arien bei späteren Barockopern oft arg mechanisch wirkt, bietet dieses Werk hingegen höchst abwechslungsreich Rezitative, kurze Arien, eine erstaunliche Anzahl von Duetten (die eine besondere Spezialität und Stärke Steffanis waren), Wahnsinnsmonologe Orlandos, und instrumentale Zwischenspiele. Steffanis musikalische Charakterisierung durch Melodik, Besetzung und Form ist in diesem wie anderen Werken außerordentlich eindrucksvoll.
Die Instrumentierung ist sehr abwechslungsreich, und wurde auch von dem sehr guten Ensemble "Alto Ripa" vielfältig umgesetzt; gewöhnungsbedürftig vielleicht, dass auch die Violinen nur solistisch besetzt sind; aber ausführlicher Einsatz von Bläsern bereichert Struktur und Klang der Oper. Deren Handlung ist von späteren Umsetzungen bekannt; diese Version von Ortensio Mauro ist klug durchdacht, der ehrliche Orlando zweifelt zwischendurch musikalisch wirkungsvoll an seinem Verstand und zeigt sich am Schluss dem Titel entsprechend als großzügig.
Die Sänger, erfreulicherweise geschlechtskonform ausgewählt, hinterlassen dennoch einen sehr unterschiedlichen Eindruck. Die beiden Sopranistinnen, Roberta Invernizzi und Susanne Rydén, sind ausgezeichnet, wunderschöne Stimmen, souveräne Technik. In der Titelrolle schlägt sich K. Wessel mit einer insgesamt recht mittelmäßigen Altstimme einigermaßen mühevoll durch, wobei es schöne Momente besonders in der Bruststimme gibt (in der Kopfstimme wäre es besser). Die Countertenöre Waschinski (Sopran) und Lager verfügen leider über Stimmen, die vielleicht irgendwann einmal gut waren, aber nicht zum Zeitpunkt der Aufnahme. Ihr Timbre klingt recht gequält und ermangelt der Schönheit. Dass Waschinski noch über einige wenige sehr kräftige hohe Töne verfügte, verbessert das ganze nicht, denn diese singt er dann allzu laut, was nicht immer zu guten Ergebnissen führt und wodurch man außerdem merkt, was bei ihm in der Mitte alles an Timbre und Stimmkraft fehlt. Hier wäre eine Besetzung mit Sängerinnen wohl doch besser gewesen. Franz Vitzthum als Ruggiero hingegen verfügt über eine klangschöne Stimme mit mezzoartigem Timbre sowie eine sehr gute Technik und kann in seiner Rolle wirklich überzeugen.
Die einzige tiefe Stimme, Wolf Matthias Friedrich, beeindruckt mit einer sehr guten Leistung und noch mehr in einigen der im Barock komponierten so entsetzlich schweren wie bezaubernden Baßarien ... solche Arien zeigen, auf welch frappierend hohem Niveau sich die Gesangskunst zu jener Zeit bewegte!
Insgesamt ist diese Operneinspielung aus musikalischen Gründen (und wegen des Repertoires) absolut empfehlenswert.


La Maga Abbandonata - Famous Handel Arias
La Maga Abbandonata - Famous Handel Arias
Preis: EUR 10,98

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen falsch etikettierte Neuauflage, 9. Januar 2013
Nein, keine Solo-CD von Simone Kermes, sondern eine Neuausgabe einer alten CD mit Maite Beaumont und Simone Kermes von 2003 versucht Sony hier dem Publikum noch einmal zu verkaufen. Enttäuscht muss sein, wer sich beliebte Arien wie "Verdi prati" oder "Sta nell' ircana" von der Kermes erhofft hatte und sie stattdessen im schönen, etwas schweren Alt von Beaumont präsentiert bekommt. Ebenso natürlich "Pena tiranna" etc. Ärgerlich zudem, dass einmal wieder Alan Curtis die meisten Arien mit seiner behäbigen Art in gute Schlafmittel verwandelt ... selbst bei dem eigentlich doch kriegerischen "Sta nell' ircana" klingt das Orchester, als sei es kurz vor dem Wegdösen. Kermes singt immer hin 4 Arien, alle recht gleich klingend ("tragische Zauberin") und in ihrer üblichen Manier, und einige Rezitative und Accompagnati, nicht unbedingt genug, um die Anschaffung zu rechtfertigen. Ergänzt wird das ganze mit einer Lesung von Donna Leon; was dieser auf der CD zu tun hat, weiss ich zumindest nicht. Außerdem wegen der doch recht dreisten Falschetikettierung: nur zwei Sterne.


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