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Rezensionen verfasst von
Lilienthal

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Farinelli, the Composer
Farinelli, the Composer
Preis: EUR 21,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Leider kein Gewinn, 23. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Farinelli, the Composer (Audio CD)
Für einen Barockliebhaber scheint eine Einspielung mit Kompositionen des vermutlich größten virtuosen Kastratensängers Farinelli geradezu Pflichtliteratur zu sein. Mit entsprechend großer Freude nahm dieser Rezensent die CD in Empfang, und proportional war dann die Enttäuschung.
Waschinski war bereits bei der Einspielung von Steffanis „Orlando generoso“ nicht mehr der Sänger, der er einmal gewesen sein mag; 2009, als „Farinelli the Composer“ aufgenommen wurde, noch weniger. Ich schätze Countertenöre sehr, aber was Waschinski auf dieser CD produziert, ist in allen Registern ein gequältes Gejammer, das wohl bei keiner Sängerin ohne Pfeifkonzert angehört würde, und das wäre besser nicht aufgenommen worden. Der Sänger bezeichnet sich als „Sopranist“, aber das abgewetzte Geschrill, das er im höheren Rregister von sich gibt, kann vielleicht als gequältes Falsettieren, aber nicht wirklich als Gesang bezeichnet werden und ist kaum im Bereich des Sopran; insofern ist die Bezeichnung gänzlich überflüssig. Beim Anhören waren die beiden Prioritäten der Lautstärkeregler, um leiser zu drehen, und die Hoffnung, das Stück möge bald zu Ende sein. Nb. höre ich tausend mal lieber einen Countertenor, der „nur“ bis g'' o.ä. singt, das aber klangschön, und sicherlich geht es so jedem, der Barockgesang schätzt. (Übrigens kommt z.B. Jaroussky bis a'', macht aber kein besonderes Aufheben davon.)
Leider sind auch die Kompositionen, die hier präsentiert werden, höchstens mittelmäßig. Die meisten, ja überaus zahlreichen Komponisten des Barock haben wesentlich interessantere Arien kreiert. Dadurch verpasst man zumindest nichts, wenn man diese CD nicht erwirbt. Tatsächlich musste das Repertoire auch bereits mit fremden Kompositionen ergänzt werden, weil Farinelli so ausgesprochen wenige eigene Stücke oder niedergeschriebene Kadenzen hinterlassen hat. Ich werde es unterlassen, meinem Unmut darüber Ausdruck zu geben, dass ausgerechnet unter dem Namen „Farinelli“ so etwas abgeliefert wird wie diese CD, aber es fällt mir schwer.
Insgesamt also: besser Finger weg von dieser Einspielung. Genaux ist unvergleichlich besser, und man hört, auch einer der bekanntesten Countertenöre plane etwas zu Farinelli.
Ein Stern für die CD, ein weiterer für das immerhin neue Repertoire.


The Wings of the Dove (Penguin Classics)
The Wings of the Dove (Penguin Classics)
von Henry James
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,40

5.0 von 5 Sternen Komplexes Meisterwerk, 22. Mai 2013
Der Roman "The Wings of the Dove" ist ein sprachliches Meisterwerk, das man unbedingt im Original lesen sollte. Dies setzt allerdings sehr gutes Englisch und vor allem große Liebe zur Sprache voraus. James' Spätwerk ist psychologisch komplex und überaus subtil, aber auch ausgesprochen schlüssig. In wenigen Romanen wird man über feinfühlige und interessante Charaktere, deren Motive und Verhalten so viel erfahren wie aus diesem. Die Handlung verläuft allerdings recht langsam, was viel Geduld erfordert. Die sympathischste Figur bleibt dem Leser relativ fern und scheint dem Tod geweiht, die anderen Charaktere haben ihre charakterlichen Schwächen, sind aber dennoch einnehmend. Vor allem aber schreibt James auf einem Niveau der Abstraktion, das außergewöhnlich ist, und in einem Stil, der mich sehr an klassische Musik erinnert. Es ist eine akustische, intellektuelle, psychologische und stilistische Freude, seinen Text zu lesen; doch oft ist das Niveau der Überlegungen so hoch, dass man kaum fähig ist, allen Verzweigungen bis ins Detail zu folgen. Die Sprache ist vor allem dadurch ungewöhnlich, dass James (im Englischen!) oft nach drei Wörtern ein Komma setzt, und nach drei weiteren wieder eins. Auch als Anglist mag man staunen, was man mit der englischen Sprache so alles anfangen kann! Leicht lesbar ist der Text also nicht. Es handelt sich nahezu um eine Meditation über die "Conditio Humana". Sehr lohnend, wie gesagt am besten im Original.


I Viaggi di Faustina - Arien
I Viaggi di Faustina - Arien
Preis: EUR 22,98

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sopranarien von Faustina, ausgezeichnet interpretiert, 6. April 2013
Rezension bezieht sich auf: I Viaggi di Faustina - Arien (Audio CD)
Faustina Bordoni war eine der herausragendsten Sängerinnen der Barockzeit, nach Ansicht vieler sogar besser als die Cuzzoni - schön also, dass ihr hier eine ganze CD gewidmet wird. Noch schöner, dass durchgehend andere Arien gewählt wurden als auf der CD mit Vivica Genaux - keine einzige von Hasse, Bordonis Ehemann - und dass hier mit Roberta Invernizzi eine der besten Barock-Sopranistinnen unserer Zeit singt. Die Einspielung ist damit vom Repertoire her bedeutsam und rundum gelungen.
Die Arien von Porpora überzeugen und begeistern den Hörer wie meist mit komplexer Melodik mit schnellen einkomponierten Koloraturen, in denen Invernizzi mit ihrer außergewöhnlich beweglichen Stimme brillieren kann. Wunderbar, dass dieser große Komponist und Konkurrent Händels jetzt ein lange verdientes Comeback erfährt!
Die Arien von Mancini - den man bislang eigentlich nur von einer Kantate, die Philippe Jaroussky eingespielt hat, kennt - erweisen sich bei Invernizzi als ungewöhnlich lebendig, abwechslungsreich, wobei die Melodik und Komposition vollkommen natürlich und ausgesprochen mitreißen sind. Die Arie über die „Usignolo“, die Nachtigall z.B. wird von Invernizzi natürlich und berührend gesungen, mit aus der Musik passend entwickelten, aber durchaus kühnen Verzierungen ohne Angst vor extremer Höhe.
Die Arien von Vinci sind im Vergleich eher schwach - wie überhaupt dieser Komponist mit seinen musikalisch oft nahezu inhaltslosen Gesangsstücken im Moment etwas überschätzt zu werden scheint.
Invernizzis Stimme bleibt in der Höhe unglaublich klar und durchgehend außergewöhnlich klangschön - gefällt mir erheblich besser als die von Kermes. Leider teilt sie mit letzterer die Gewohnheit, teilweise etwas zu sehr im Hals zu singen, was die Gleichmäßigkeit der Register manchmal ein wenig beeinträchtigt, dies ist bei Invernizzi jedoch geringfügig und wird durch ihre insgesamt ausgezeichnete Technik und ihren makellosen Geschmack ausgeglichen.
Das mir bislang unbekannte Ensemble der „Turchini“ spielt präzise und lebendig und begleitet die Sängerin ausgezeichnet. Nur das Design des Covers der CD scheint mir etwas fragwürdig, aber was soll's.


Alleluia
Alleluia
Preis: EUR 17,99

37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Stimme der Zukunft, 24. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Alleluia (Audio CD)
Bei Solomotetten handelte es sich im Barock um eine Sonderform, eigentlich um Kantaten mit geistlichem, d.h. lateinischem Text. Arien und Rezitative also, ganz wie in der Oper, und ebenso virtuos und emotional wie in dieser. Solomotetten hat die junge Sopranistin Julia Lezhneva also für ihr Debütalbum gewählt, durchaus klug, denn so konnte sie Kompositionen von Vivaldi, Händel, Porpora und Mozart auf einer CD kombinieren und ihre stupenden Fähigkeiten in verschiedenen Stilen demonstrieren.
Julia Lezhneva verfügt über eine Stimme von einer Klarheit und Kraft, wie es sie wohl nur einmal in einer Dekade oder sogar einer Generation gibt, und die durch eine langjährige und exzellente Ausbildung bereits jetzt vollkommen entwickelt ist. Ihr hohes Register kann nur mit dem Wort kristallklar beschrieben werden, das mittlere und tiefere sind ebenfalls klar, aber dunkler, androgyn und doch warm. Hervorragend fokussiert ist diese Stimme mit ihrem Timbre von berückender Schönheit, vor allem aber zeigt die junge Sopranistin ein hervorragendes Gefühl für eine stilvolle Tonbildung. Hörbar gestaltet Lezhneva alles vollkommen natürlich aus der Musik selbst und ihrer Freude am Singen heraus und berührt damit umso mehr. Lezhneva verfügt über eine makellos Technik, singt die komplexesten Koloraturen so natürlich, wie andere atmen, verfügt über ein großartiges messa die voce und singt einen vollkommenen Triller in der perfekten Geschwindigkeit.
Zwei so bekannte wie schwierige Motetten von Vivaldi und Mozart bringt Lezhneva hier noch einmal - dennoch lohnt es sich diese Einspielung zu hören. Der Stimmklang dieser Sängerin ist geradezu suchterzeugend schön, ihre Technik in diesen Stücken mit ihrem sehr großen Stimmumfang absolut überzeugend. Erstaunlich kraftvoll und androgyn im Klang im ersten Satz des Vivaldi, lieblicher bei Mozart, stets stilvoll und technisch perfekt überzeugt hier alles.
Die eigentliche Entdeckung dieser CD (außer der Sängerin) ist die Komposition von Nicola Porpora, der ja im Moment glücklicherweise gerade seinen Platz als Komponist wiedererlangt - in der Tat zwischen Händel, Vivaldi und Mozart, gleichrangig. Bereits der erste Satz der hier erstmals eingespielten Motette lässt einen verwundert und etwas sprachlos zurück ob der raffinierten, jubilierenden Melodie und Komposition, aber auch angesichts der gesanglichen Schwierigkeit mit zahlreichen einkomponierten Trillern, die Frau Lezhneva unglaublicherweise tatsächlich alle singt (hiermit erinnert sie an Cecilia Bartoli). Es folgt ein sehr bewegendes Accompagnato, und mehr ausdrucksvolle Virtuosität. Für Lezhneva gilt offensichtlich, dass für sie technisch nichts zu schwierig wäre, um es zu singen, und es ihr umso mehr Freude macht, je schwieriger die Musik eigentlich ist - es ist die pure Freude, dies anzuhören.
Dass auch der Giardino Armonico wie immer auf dem höchsten möglichen Niveau spielt, braucht man diesem Ensemble kaum zu betonen.
Die einzige Unvollkommenheit dieser CD ist, dass Lezhnevas sehr starke Stimme im fortissimo ein oder zweimal das Mikrophon überfordert und eine Übersteuerung hervorruft - sollte bei einer CD nicht sein, aber wer diese Sängerin jemald live gehört hat, weiß, dass ihre Stimmkraft wirklich geradezu übernatürlich und der Lapsus deshalb verständlich ist. Die sehr natürlichen Fotos der CD sind ungewöhnlich, aber für diese sympathische Sängerin ganz passend - hier ist alles echt, alles natürlich und steht im Dienste der Musik.
Zweifellos eine der großen Sängerinnen der Zukunft, vielleicht die vielversprechendste. Man kann sich auch schon auf das "Stabat Mater" (von Pergolesi) mit ihr freuen, und auf ihre Konzerte.
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Stabat Mater
Stabat Mater
Preis: EUR 21,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Andere sind erheblich besser, 24. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Stabat Mater (Audio CD)
"Man nehme eine hübsche, bekannte Sopranistin, stelle sie neben eine Mezzosopranistin und lasse beide das "Stabat Mater" singen - irgendjemand wird es schon kaufen." - Dann sollte Pergolesis herrliche Komposition aber auch würdevoll und nach 18. Jahrhundert klingen; hier klingt sie eher nach Wagner. Frau Prohaska beherrscht leider den barocken Stil nicht einmal ansatzweise und verfügt auch nicht über den erforderlichen Geschmack, um dies zumindest auf der Ebene des Ausdrucks zu kompensieren. Zu romantisch und gekünstelt klingt hier alles. Diese Einspielung ist nicht gelungener als die mit Frau Netrebko, und das ist kein Kompliment. Bernarda Fink singt wie immer gut; man hätte ihr eine bessere Gesangspartnerin gewünscht. Die Begleitung ist ebenfalls wie stets beim Stabat Mater; keine besonders interessante Einspielung. Wesentlich empfehlenswerter sind viele andere Einspielungen des Stabat Mater, z.B. die legendäre mit Emma Kirkby, eine jüngst erschienene mit Terry Wey (Countertenor) oder die für Herbst vorgesehene mit Philippe Jaroussky und der brillanten jungen Sopranistin Julia Lezhneva (aller Voraussicht nach wirklich DIE Sopranistin der Zukunft).


Six Complete Operas
Six Complete Operas
Preis: EUR 44,13

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Besser nicht!, 27. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Six Complete Operas (Audio CD)
Unglaublich preisgünstig ist diese Sammlung - leider aber aufgrund des Dirigats von Alan Curtis so langweilig, dass man sie nur bei Schlafstörungen anhören sollte (und dann nur spätabends!). Und man nenne diese Interpretationen bitte nicht "akademisch"; das sind sie nicht, sondern Curtis dirigiert lässt alles unreflektiert gleichmäßig langweilig und zu langsam spielen. Das ist eher arm an Geist. Und es hat nichts mit dem lebendigen, bunten, von Kontrasten lebenden Barock zu tun. Schade, dass hier hervorragende Sänger verschlissen werden. Bitte kaufen Sie etwas anderes!


Ariodante
Ariodante
Preis: EUR 21,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schlecht trotz guter Sänger, 4. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Ariodante (Audio CD)
Diese Operneinspielung ist leider eine große Enttäuschung, was beinahe ausschließlich am Dirigenten Alan Curtis liegt. Die viel zu langsamen Tempi und die gleichförmig stampfend-schleppende Musizierweise sind höchst unschön und hindern die hervorragenden Sänger, die sich zu dieser Aufnahme eingefunden haben.
Joyce diDonato erbringt in der Titelrolle keine Glanzleistung. In „Con l'ali di costanza“ insbesondere stößt sie deutlich an ihre technischen Grenzen – kein Vergleich mit Lorraine Hunt (oder A.S. v. Otter). Verblüffenderweise kann man bei „Scherza infida“ und bei „Dopo notte“ auf dieser CD geradezu einschlafen – wenn man nicht über diese unmusikalische trampelnde Verdrehung dieser wunderbaren Musik durch den Dirigenten in Tränen oder wahlweise wütendes Gelächter ausbricht.
Karina Gauvin, die hier leider schon wieder ihre Zeit an ein Projekt von Curtis verschwendet hat, singt wie immer stimmlich glanzvoll und überzeugend, so dass man bei ihrer Ausdruckskraft beinahe vergessen könnte, dass es sich hier bei Curtis um „Stehmusik“ handelt – sie scheint gar nicht vorwärts zu gehen, sondern auf der Stelle zu stehen, was bei Musik eigentlich gar nicht möglich sein dürfte.
Topi Lehtipuu überzeugt wie immer mit seinem feinen, klangschönen lyrischen Tenor, und hat es für eine Arie sogar geschafft, ein schnelles Tempo zu erhalten, so dass er wirkliche Koloraturen singen kann. Hoffentlich wird er dies bald noch in vielen anderen Opern und mit anderen Dirigenten tun können.
Marie-Nicole Lemieux gleicht mit vollem Alt und ihrem sängerischen Temperament teilweise die schleppenden Tempi aus, aber auch dies zusammen mit den Anstrengungen ihrer Sängerkollegen reicht nicht, um die Oper zu retten.
Schmerzlich. Na ja, aber wir haben ja schon die Aufnahmen mit Minkowski und mit Lorraine Hunt.


A Tribute
A Tribute
Preis: EUR 22,44

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine der größten Sängerinnen, 4. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: A Tribute (Audio CD)
Eine der größten Sängerinnen unserer Zeit war Lorraine Hunt Lieberson zweifellos – deshalb ist es höchst erfreulich, dass mit diesem Doppelalbum nun eine Zusammenstellung besonders schöner und beliebter Arieneinspielungen mit ihr vorliegt. Warm und ausdrucksvoll wie keine andere Stimme ertönt ihr voller Mezzosopran, der in seinem zugleich klaren wie dunklen Timbre allein schon klanglich unerreicht ist. Der Ausdruck aber vor allem – bei Hunt Lieberson ist jeder Ton, jeder Moment mit Seele, mit Gefühl erfüllt und erreicht unfehlbar das Herz des Hörers.
Dies gilt insbesondere für viele der Arien auf dieser CD, u.a. „Angels, ever bright and fair“ aus „Theodora“, ein Oratoriumn, in dem diese große Sängerin ihrem Gesang eine spirituelle Dimension verlieh, die in der Musik ihresgleichen sucht. Auch die Arie „Vieni, o figlio“ ist schlicht herzergreifend. Hier wie in anderen Kompositionen zeigt Hunt Lieberson einen sehr großen Stimmumfang mit außerordentlich klarer Höhe und samtig weichem tiefem Register. Ihr Sopranbereich ist sehr flexibel und bei Bedarf auch sehr kräftig, zugleich aber stets unglaublich klar und weich im Klang.
Ebenso eindrucksvoll ist Hunt Liebersons Technik – ihre barocke Koloraturtechnik ist eine der besten überhaupt, ihre Ornamentierungen und ihre schlicht unglaublichen Triller sind einfach die pure Freude. Hunt Liebersons „Con l'ali di costanza“ erscheint mit mit ihren wie ausgestanzt präzisen Koloraturen, bei denen sie zugleich das Kunststück vollbringt, ihren reichen Stimmklang ganz zu entfalten, als die beste Aufnahme dieser Arie überhaupt.
Die meisten Stücke auf dieser CD sind von Händel, mit dem diese große Sängerin ihre Stärken wirklich ganz zeigen konnte. Erstaunlich ist hier übrigens auch der unterschiedliche Klang je nachdem, ob es sich um eine männliche oder eine weibliche Rolle handelte – diese große Künstlerin verkörperte wirklich jeweils die Person, die sie gerade sang. Zwei Stücke von Purcell und Bach, letzterer natürlich mit makelloser Aussprache, vervollständigen die Sammlung. Berührend, diese allzu früh verstorbene Künstlerin vom Tod singen zu hören, aber wie erhebend ist ihre Interpretation von „When I am laid in earth“!
Ein sehr schöner Einstieg in das Werk von Lorraine Hunt Lieberson, das jedem Freund klassischer Musik nur wärmstens empfohlen werden kann.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 5, 2013 4:52 PM MEST


Prima Donna
Prima Donna
Preis: EUR 17,55

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbare Prima Donna, 3. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Prima Donna (Audio CD)
Zu den größten musikalischen Freuden überhaupt gehört eine neue Einspielung mit der wunderbaren Sopranistin Karina Gauvin. Der Sopranistin Anna Maria Strada del Po ist diese neue CD mit Arien von Händel, Vivaldi und Vinci gewidmet. Gauvins kristallklarer, Stimmklang bringt den entzückten Hörer bei dieser CD wiederholt dazu, zum Lautstärkeregler zu greifen – hiervon kann man in jeder Hinsicht kaum genug bekommen! Das enzückende „Verdi piante“ z.B. hat man schon von anderen herausragenden Sopranistinnen gehört, aber Karina Gauvin hebt selbst dies auf eine noch höhere Ebene. Niemals scharf, sondern stets fein sind ihre höchsten Töne. Mit ihrer Wärme und Ausdruckskraft ist ihre Stimme unverwechselbar und ihr Gesang stets ergreifend.
In den hochdramatischen Arien wie „Ah mio cor“ überzeugt Gauvin ebenso wie im Lyrischem – Schauer laufen einem über den Rücken, wenn diese überragende Sängerin mit intensivem Ausdruck singt. Dabei bleibt sie stets im Bereich des Schönen, wie es für Musik dieser Zeit angemessen ist. Mit außerordentlich gutem Geschmack gestaltet Gauvin alles, ihre Ornamentationen sind virtuos, aber stets gänzlich passend und eine große Bereicherung der Musik.
Die Arie von Vinci erfreut u.a. mit staccato-Koloraturen, in denen Gauvin noch einmal an ihre sowieso bekannte makellose Technik erinnern kann. Auch die Arie „Addio caro“ von (unverkennbar) Vivaldi fügt sich gut in das Programm ein. Einige kurze Instrumentalstücke ergänzen lebhaft und klug gespielt die Einspielung – bei großzügigen 75 Minuten kein Schaden!
Das Arion Orchestre Baroque unter dem bewährten Alexander Weimann musiziert fein und klar, mit Schwung und gutem Gefühl für die Sängerin. Erstaunlich sanft klingt das Cembalo (von Weimann), die Begleitung beschränkt sich z.B. in der letzten Arie auf Basso Continuo – umso schöner hört die herrliche Singstimme von Karina Gauvin. Die tontechnische Umsetzung ist zurückgenommen, klar und sehr schön.
Uneingeschränkte Kaufempfehlung.


Händel - Giulio Cesare / Mijanovic, Kozana, von Otter, Hellekant, B. Mehta, A. Ewing, Les Musiciens du Louvre, Minkowski
Händel - Giulio Cesare / Mijanovic, Kozana, von Otter, Hellekant, B. Mehta, A. Ewing, Les Musiciens du Louvre, Minkowski
Preis: EUR 43,13

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Großartige(r) Giulio Cesare von Minkowski, 22. Januar 2013
Eine Einspielung von „Giulio Cesare“ von Marc Minkowski ist natürlich mit Sängerinnen besetzt, deren Stimmen er schätzt - ich schreibe bewusst „innen“, denn bekanntlich besetzt Minkowski lieber mit Frauen als mit Countertenören. Und in diesem Falle mit Recht.

Die Titelrolle mit Marijana Mijanovic zu besetzen, war schlicht eine geniale Entscheidung. Mijanovics enorm fokussierte, dunkel-schöne Altstimme bietet uns einen Giulio Cesare, wie man ihn vielleicht nie zuvor gehört hat und nie wieder hören wird: Kernig maskulin, konzentriert, durchschlagend, dabei stets wunderschön timbriert und sanft im Klang. In der Tiefe hat diese Altistin anscheinend keine Grenze, über alle Tonhöhen hinweg hat sie beliebige Stimmkraft zu bieten, singt in technischer Perfektion, in ausgereifter Interpretation, mit höchst stilsicheren Ornamentierungen. Ihre Interpretation lässt keine Wünsche offen.

Weniger glücklich bin ich mit der Cleopatra von Magdalena Kozena. Ihr ja eigentlich Mezzo-Stimme klingt insgesamt zu matt und zu wenig glanzvoll für diese hohe Sopranrolle. Sie kann zwar in der Höhe kräftig singen, aber dann mit Kraft. Die meisten (sehr guten) Sopranistinnen, die ich bisland in der Rolle gehört habe, gefielen mir besser.
Den Sesto singt Anne Sofie von Otter, sehr gut, allerdings nicht unbedingt wie ein Knabe klingend. Ihr Timbre ist für die Rolle trotzdem gut geeignet, und ihre Technik natürlich großartig.
Auch Charlotte Hellekant ist als Cornelia mit ihrer sehr dunklen, aber zugleich weichen und femininen Stimme sehr gut.

Minkowski hat mich in verschiedener Hinsicht überrascht. Er spielt mit sehr großer Besetzung - vielleicht macht diese seine Tempi oft etwas langsam, schränkt die Beweglichkeit ein wenig ein. Wunderbar ist es, wie er sich oft Zeit nimmt, nach einem dramatischen Moment Stille sich ausbreiten lässt, wartet, Geduld hat - bedeutungsvolle Stille. Seltsamerweise hat er jedoch manchmal diese Geduld nicht mit seinen Sängern, sondern spielt in ihre Kadenzen hinein - eine Manier, die mich hier etwas störte, die er aber offenbar sonst nicht hat. Vielleicht nur eine Folge der live-Einspielung und ein Mittel, störenden Zwischenapplaus zu unterbinden! - bei einem so hinhörenden Dirigenten ist anderes kaum denkbar. Ansonsten ist die Interpretation sehr schön gelungen. Auch der live-Charakter stört gar nicht; eher bemerkenswert, wie großartig die Aufnahme auch ohne viel Nachbearbeitung geworden ist.


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