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Rezensionen verfasst von
"chrikool"

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Les Fees du Rhin (Ga)
Les Fees du Rhin (Ga)
Preis: EUR 57,17

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Offenbach einmal anders, 10. Juli 2003
Rezension bezieht sich auf: Les Fees du Rhin (Ga) (Audio CD)
Endlich ist die große romantische Oper aus dem Jahre 1864 wieder da. Jacques Offenbach komponierte sie in Wien, wo er schon mit seinem Orpheus und anderen buffonesken Werken Erfolge erzielt hatte. Diese Auftragskomposition zeigt vollkommen neue Seiten an Offenbach: eine durchkomponierte Oper über 3 Stunden. Es gibt viele Leute, welche die Einfachheit der Offenbach-Operetten anlehnen und einzig die große fantastische Oper Hoffmanns Erzählungen aus dem Jahre 1881 zu schätzen wissen. Dem Publikum aus Offenbachs Zeiten ging es genau andersherum. In Wien strömten nicht etwa die opernkundigen Spezialisten, durch Weber und Wagner geprägt, in die Aufführungen der Rheinnixen, sondern diejenigen Personen, die sich bisher an den Operetten erfreut hatten. Die Folge war, dass sich die Zuschauer fürchterlich langweilten, weil sie nichts mit der für sie schwierigen Musik anfangen konnten. Man setzte das Stück nach nur acht Aufführungen wieder ab, und es blieb über hundert Jahre in Vergessenheit. Einzig einige Nummern wurden von Offenbach für Hoffmanns Erzählungen verwendet. Allen voran die berühmte Barkarole.
Wer also Weber, Wagner und Verdi zu schätzen weiß, oder wer sich eingehender mit der Vielfalt von Offenbachs Werk beschäftigen will, sollte sich die Neuaufnahme der Rheinnixen unbedingt anschaffen.


Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur: Drei Essays
Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur: Drei Essays
von Siegfried Lenz
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Buch hält nicht, was sein Titel verspricht, 10. Juli 2003
Siegfried Lenz hat drei ? jeder Text für sich genommen ? hervorragende Essays geschrieben, die jedoch nichts mit dem zu tun haben, was der Titel suggeriert, nämlich die Spekulation auf den möglichen Fortgang der Literaturgeschichte. Der erste Essay, dessen Titel das ganze Buch bekommen hat, behandelt das Problem des kontinuierlich schwindenden Interesses der jungen Leute an Literatur. Dafür wird weit ausgeholt: vom Beginn des Buchdrucks bis zur Benutzung des Computers. Dieser Essay ist also eher eine Medienanalyse als ein Gedankengang über literarische Aspekte und kommt zu dem sowohl erwarteten als auch bestreitbaren Schluss, dass das Buch bald ausgedankt hat. Schließlich endet alles mit der Forderung, dass wieder mehr gelesen werden sollte.
Der zweite Essay ist eine Analyse der nordamerikanischen Literatur der VERGANGENHEIT. Hier wird noch einmal Lenz? Vorliebe für jene Literatur deutlich. Im dritten Essay geht es dann philosophisch zu und tatsächlich wird hier über die Zukunft geredet. Jedoch geht es um Politik und Ideologie, nicht aber um Literatur. Einzig der Künstler ohne nähere Konkretisierung wird als für die Zukunft politisch wichtige Person angesehen. Wenn dieser Künstler aber ein Dichter sein sollte, so steht das Ganze im Widerspruch zum ersten Essay.
Insgesamt kann man sagen, die Texte passen nicht zusammen und erfüllen nicht das, was man bei diesem Titel erwarten könnte. Nur weil die Texte einigermaßen interessant und recht schnell zu lesen sind, kann ich sie empfehlen, vorausgesetzt dass man keinen inneren Zusammenhang zwischen den drei Essays sucht.


Kopfgeburten: oder Die Deutschen sterben aus Roman
Kopfgeburten: oder Die Deutschen sterben aus Roman
von Günter Grass
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,00

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fiktion und Autobiographie zugleich, 24. April 2003
Günter Grass hat hier ein wahres Meisterwerk verfasst. Dieses Buch, welches man wohl am Ehesten als Erzählung bezeichnen kann, ist nicht nur eine interessante Geschichte über ein Itzehoer Lehrerehepaar, sondern auch ein Teil von Grass' eigener Biografie; er war in den siebziger auf Reisen in Asien, von Kalkutta nach Shanghai und weiter bis nach Indonesien. Die Geschichte, die er erfindet ist eigentlich ein Plan für einen Film, für den er sogar schon einige Schauspieler vorschlägt. Zu einer Verfilmung der Kopfgeburten ist es jedoch nie gekommen.
Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben, wobei das Ich Günter Grass selbst ist. Er berichtet über sein eigenes Schreiben, das er Sylvester 1979 beendet und damit "Orwells Jahrzenht" ankündigt.
Insgesamt ist die eher unauffällige Erzählung "Kopfgeburten oder Die Deutschen sterben aus" also auf jeden Fall ein lesenswertes Werk für jeden Grassleser.


Opernbrand
Opernbrand
von Heinrich Droege
  Sondereinband

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Tragisch und unterhaltsam zugleich, 6. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: Opernbrand (Sondereinband)
Im November 1987 brennt die Oper in Frankfurt am Main. Helle Flammen züngeln in den Nachthimmel, auch mehr als 500 Feuerwehrleute können den ehrwürdigen Bau nicht retten. Am frühen Morgen meldet sich ein junger Mann, der behauptet, er habe den Brand gelegt. Was treibt einen jungen Menschen zu so einer Tat? Was spielt sich in einem Kopf ab, der den Brand eines Opernhauses als Schlusspunkt eines bisherigen, verpfuschten Lebens sieht und als Neuanfang eines zukünftigen? Noch dazu, wenn dieser Mensch ein besessener Liebhaber der Musik Richard Wagners ist und ein Opernfan dazu?
Warum zerstört er, was er eigentlich liebt?
Das ist die Ausgangssituation des Romans ?Opernbrand? von Heinrich Droege, in dem der Protagonist Gabriel Brenner seine tragische Lebensgeschichte bis zu seiner Brandstiftung und seiner darauf folgenden Verurteilung erzählt. Er ist gezeichnet von mehrjährigen Gefängnisaufenthalten in der DDR und sozialen Enttäuschungen in Bezug auf seinen Beruf und seine Liebesbeziehungen.
Das Buch ist sehr leicht geschrieben, häufig sehr lustig, aber immer mit einer gewissen Tragik verbunden. Nicht zu übersehen sind die vielen frivolen Ausdrücke in der ausladenden Darstellung von Gabriels Liebesleben, welches eigentlich keines ist, weil er immer versagt, bis sich schließlich homoerotische Neigungen bei ihm herausstellen. Was seine Vorliebe für klassische Musik betrifft, so muss man sagen, dass er in Wagner die höchste Form der Kunst sieht und dabei andere Komponisten wie Puccini als völlig unterlegen darstellt.
Ich kann das Buch trotzdem sehr empfehlen, weil es einfach und unterhaltsam, aber dennoch geist- und lehrreich ist, ziehe allerdings einen Stern für das Preisleistungsverhältnis und für den teilweise sehr flachen Stil ab.


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