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Garnet

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Landschaften der Metropole des Todes: Auschwitz und die Grenzen der Erinnerung und der Vorstellungskraft
Landschaften der Metropole des Todes: Auschwitz und die Grenzen der Erinnerung und der Vorstellungskraft
von Otto Dov Kulka
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Da war Stille. Da war Leere. Da war Fassungslosigkeit, dass jene Landschaften, in denen so viele Menschen zusammengepfercht ..., 1. November 2014
... gewesen waren, wie Ameisen, in Sklavenarmeen, in langen Reihen von Menschen, die sich auf den Wegen bewegten, dass jene Landschaften - nun schwiegen." (S. 20 f.)

1978 begibt sich Kulka im Anschluss an einen Kongress in Polen auf eine weitere Reise: Er "besucht" die Überreste des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, jenes Lagers, das er in diesem Buch als "Metropole des Todes" bezeichnet.

Lange hat Otto Dov Kulka - emeritierter Professor für die Geschichte des jüdischen Volkes an der Hebräischen Universität in Jerusalem - gebraucht, um seine Erinnerungen, oder vielmehr, zum großen Teil jedenfalls, "reflektierende Betrachtungen s[m]einer damaligen Umgebung und dessen, was dort geschah, […]" (S. 88) zu veröffentlichen. Denn über seine Kindheit im Familienlager des KZ Auschwitz, das eine Art Alibi-Funktion innehatte (wozu Kulka sich in einem Aufsatz, der im Anhang abgedruckt ist, von wissenschaftlicher Seite her nähert), und in das er 1943 11-jährig mit seiner Mutter aus dem KZ Theresienstadt deportiert wurde, hat er sehr lange geschwiegen. Mit den Aufzeichnungen für dieses Buch hat er gleichwohl schon vor sehr langer Zeit begonnen, es speist sich aus Tonbandaufzeichnungen aus den Jahren 1991 bis 2001 sowie - in den letzten drei Kapiteln - neueren Tagebucheinträgen, die dann aber über reine Erinnerungen weit hinausgehen und Traumbeschreibungen und Ähnliches beinhalten.

Schon anhand dieser Beschreibungen dürfte klar werden, welch langen Weg diese Aufzeichnungen und Erinnerungen hinter sich haben, und wie schwer es gewesen sein muss, diesen Weg zu gehen. Wie Kulka betont, habe er nie den Versuch unternommen, sich literarisch oder künstlerisch dem Holocaust zu nähern, und auch diese Aufzeichnungen dürfen als solche nicht betrachtet werden, auch wenn sie von durchaus literarischer Qualität sind. Denn Kulka schildert nicht einfach das Grauen, das er als Kind erlebt hat, es gibt kaum Szenen der Grausamkeiten (aber wohl auch) im Lager, aber er weiß auch und beschreibt es auch so, dass er als Kind eine andere Sicht auf die Dinge hatte als ein Erwachsener, und diese Sichtweise sich auch noch durch seine bisherige wissenschaftliche Herangehensweise in seiner Tätigkeit als Historiker "ändert". Dennoch ist es ihm gelungen, hier ein Zeugnis zu hinterlassen, das - wie bereits erwähnt - hauptsächlich auf dem gesprochenen Wort in Form von Tonbandaufzeichnungen beruht und bei dem der Leser kaum merkt, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Man möchte es auf einer rein sachlichen Ebene belassen, und dennoch berührt es an manchen Stellen sehr, obwohl jegliches Pathos (natürlich!) fehlt, aber eine feine und eben auch eloquente Sprache die Erlebnisse und Erinnerungen noch einmal verstärkt. Erwähnenswert ist beispielsweise die Szene, in der sich die Mutter - wissend, dass sie in den sicheren Tod gehen wird - von ihrem Sohn verabschiedet, sich kein einziges Mal umwendet und ihr Sohn (Kulka) sich lange Zeit fragt, warum sie das nicht getan hat, sich noch einmal umzudrehen. Er versucht sich in Erklärungen, durchaus nachvollziehbaren, aber eben auch sehr ambivalenten, deutlich ist spürbar, wie sehr ihn das beschäftigt, diese "letzte" Begebenheit, bis er Jahre später - vielleicht - eine Antwort darauf zu finden geglaubt hat.

All dies macht deutlich, wie groß die Auswirkungen dieses Verbrechens an einem ganzen Volk waren, wie schwer es aber auch für den einzelnen ist und - da die Überlebenden 70 Jahre nach dem Ende des Holocausts immer weniger werden - war, diese Vergangenheit in das weiterzulebende Leben zu integrieren, dass es selbst jemandem wie Kulka, der sich auf intellektueller und wissenschaftlicher Basis dem Holocaust gewidmet hat und widmen konnte, unglaublich schwer gefallen sein muss, dass es eben - wie der Untertitel des Buches auch suggeriert - Grenzen gibt. Dass nicht alles gesagt, ausgesprochen werden kann vielleicht, dass es dessen aber auch nicht bedarf, wie dieses Buch eindrucksvoll beweist.

Darüberhinaus sind in diesem Buch drei Gedichte abgedruckt, die von einer unbekannt gebliebenen - wahrscheinlich 20-jährigen - KZ-Insassin, die in den Gaskammern getötet wurde, überliefert sind. Zwar wurden sie in tschechisch geschrieben und ins Deutsche übersetzt (wie auch dieses Buch nicht in der Originalsprache, sondern in einer Übersetzung vorliegt, die als absolut gelungen angesehen werden darf), aber dennoch überfallen sie den Leser mit einer unglaublichen Wucht, sowohl - natürlich - in ihrem Inhalt als aber auch in ihrer Poesie. Es ist - wie Kulka schreibt - das "letzte Vermächtnis einer unbekannten Dichterin" - und wie er sie ehrt, ist berührend und geht den Leser an, bevor auch nur die erste Zeile des ersten Gedichtes gelesen ist.

Anders als oft fiktive Erzählungen über Einzelschicksale, die vielleicht auch ihre Berechtigung haben, mag dieses Buch als EINES von vielen authentischen Berichten, Biografien, Autobiografien den Leser aber auch fordern, lässt Fragen offen, beschreibt Bilder, Träume, die nicht interpretiert werden. Da der Holocaust immer wieder - nicht zuletzt aufgrund aktueller Ereignisse - auf die Tagesordnung gehört, mag dieses Buch dazu beitragen, sich dieser Diskussion auch zu stellen, ein lesenswertes Stück "Geschichte", dargeboten am Schicksal eines 11-jährigen, darüberhinaus aber auch unglaublich viele Informationen beinhaltend, die ein weiteres Recherchieren durchaus lohnenswert machen.

Trotz seines eher geringen Umfanges und auch zusätzlich noch illustriert mit zahlreichen Abbildungen (Kinderzeichnungen aus dem KZ, Fotos), ist dies - man traut es sich kaum zu sagen - ein wunderbares Buch, trotz des schweren Themas immer "leicht" zu lesen und durchaus auch für eine jüngere Leserschaft geeignet, die sich mit dem Thema auseinandersetzen möchte (und auch sollte).
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 1, 2015 10:57 PM MEST


Zorn - Wie sie töten
Zorn - Wie sie töten
von Stephan Ludwig
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der "Fall" ist nur Kulisse, 31. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zorn - Wie sie töten (Taschenbuch)
Zumindest in der ersten Hälfte. Denn Hauptperson ist - natürlich - der phlegmatische und gelegentlich sehr zynische Kommissar Claudius Zorn, der - wie immer eigentlich - mehr mit sich selbst als den Menschen in seiner Umgebung beschäftigt ist. Naja, dieses Mal ist es ein bisschen anders: Seine Beziehung zu Malina hat sich gefestigt, aber Schröder hat seinen Dienst quittiert, um nach dem Tod seines Vaters in einer Art Imbissbude Mittagessen zu kochen. Hauptsächlich eigentlich für sich selbst, Zorn und seine Nachbarin Babs, die gegenüber einen kleinen Gemüseladen betreibt. Jeden Mittag besucht Zorn seinen Ex-Kollegen Schröder, und jeden Mittag geben sich die beiden ihren üblichen Frotzeleien hin, ohne dass Schröder sich in seiner Entscheidung, den Dienst zu quittieren, beirren lässt. Zudem hat der in einer mitteldeutschen kleinen Großstadt ermittelnde Zorn sich mit dem verhassten Kollegen Kanthak, der sich zu höheren Weihen berufen fühlt, auseinanderzusetzen, und auch das schafft er natürlich mit der ihm eigenen Überheblichkeit - und mit Unterstützung der Staatsanwältin Frieda Borck.

Zugleich weiß der Leser aber auch schon recht früh, was sich hinter Zorns Rücken zusammenbraut: Die Altenpflegerin Berit Steinherz bringt gern Menschen um, sie scheint Lust am Töten zu haben, oder was auch immer sie zu diesen Morden bewegt, und sie hat dabei einen Helfer. Und kommt dabei Zorn immer näher, näher, als ihm lieb sein kann, ohne dass er es merkt (oder merken will, weil er einfach faul ist). Das alles entwickelt sich in der ersten Hälfte wie erwähnt etwas langsam, aber nicht langatmig, aber nachdem dann die Ereignisse sich überschlagen, wird es stellenweise atemberaubend spannend, auch WENN man als Leser eigentlich zu wissen MEINT, wie alles ausgehen wird. Insofern: Bitte bis zum Ende lesen, auch die allerletzte Seite!

Das alles hat Witz, Charme (ja, tatsächlich!) und mittlerweile ja auch Tradition. Denn immerhin ist dies bereits der vierte Fall für Zorn und Schröder. Und vermutlich lese ich auch deshalb die Zorn-Krimis so gerne: Weil es eben einfach eine gelungene Mischung ist aus Humor, Ernsthaftigkeit, Lokalkolorit, Spannung und Gefühl. Wobei man den Humor, der Zorn so eigen ist, auch vermutlich irgendwie mögen muss.

Einen etwas eigensinnigen Hang zu grotesken Vergleichen hat der Autor, oder - wie er Zorn selbst sagen lässt - "misslungenen Metaphern", einzig der Name der von Anfang an bekannten Täterin, Berit Steinherz, ist KEINE Metapher, sondern schlicht und einfach Programm. Insofern muss man natürlich auch bemerken, dass dem Autor an psychologischen Finessen in keiner Weise gelegen ist, vielmehr dafür an möglichst blutigen und makaberen Morden und auch ansonsten an Ekel hervorrufend nicht sparenden Beschreibungen. Und auf dieser Ebene funktioniert der Thriller auch gut, wenn auch ein paar tiefgründige Themen durchaus angesprochen werden, hier ist es das Älterwerden und das mit dem Älterwerden-umgehen.

Der Krimi, vielmehr Thriller, ist von Anfang bis Ende durchkonstruiert, vielleicht etwas überkonstruiert, mittlerweile, nach dem immerhin vierten Zorn-Krimi, muss man sich als Leser auch fragen, ob das nicht alles ein bisschen ZUVIEL Zufall, ein bisschen ZUVIELE Morde in einer nicht allzu großen Großstadt (Halle a.d.Saale, nie explizit erwähnt), ein bisschen ZUVIEL persönliche Verwicklung eines Kommissars in die jeweiligen Fälle ist. Man muss aber auch zugeben: Es ist alles GUT konstruiert, und natürlich ist das hier nicht das reale Ermittlungsleben, sondern ein Unterhaltungskrimi, und insofern entschuldbar bis notwendig.

Natürlich gibt es auch hier wieder - wie in vorigen Fällen - einen gigantischen Showdown, der vermutlich das Budget jeder Filmproduktion sprengen wird (der erste Fall von Zorn und Schröder wurde bereits verfilmt), aber egal, es gehört irgendwie dazu. Cool gemacht, diese Szenen zum Ende hin in Parallelität zu anderen Szenen zu setzen, die Abschnitte immer kürzer werden zu lassen und den Leser gleichsam wie mit immer schnelleren Schnitten durch das Geschehen zu hetzen.

Eine Bitte, Herr Ludwig, hätte ich nun aber doch noch zum Schluss: Bitte bezeichnen Sie doch Schröder im nächsten Zorn-Krimi nicht immer als den DICKEN Schröder, ich finde, ein bisschen mehr Respekt als diese Bezeichnung hätte diese Figur schon verdient. Aber naja, ich werde den nächsten Zorn wohl trotzdem lesen, auch wenn er dann immer noch der dicke Schröder ist.


Nebelmord: Island-Thriller
Nebelmord: Island-Thriller
von Yrsa Sigurdardóttir
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Subtil gruselig sich entwickelnde Spannung um Menschen in Ausnahmesituationen, 26. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nebelmord: Island-Thriller (Taschenbuch)
Wer Yrsas Island-Krimis und Thriller kennt, der weiß im Grunde, was auf ihn zukommt: Wenige, dafür aber klaustrophobisch anmutende Handlungsorte, mehrere Geschichten, die parallel zueinander erzählt werden, manchmal zu verschiedenen Zeitpunkten spielen, am Ende aber irgendwie zusammenlaufen, jeder Handlungsfaden aus Sicht einer einzigen Person erzählt.

So ist es auch dieses Mal: Handlungsorte sind eine Leuchtturminsel (angedeutet auf dem Cover des Romanes), das Haus einer aus den Ferien zurückkehrenden Familie, die einen Haustausch hinter sich hat und sich fragt, was mit den Ferienbewohnern ihres Hauses geschehen ist, sowie Wohnung und Arbeitsplatz der Polizistin Nìna, die sich mit mit dem bevorstehenden Tod ihres Mannes Pröstur abfinden soll, der sich einige Wochen zuvor erhängen wollte und nur noch durch Apparate am Leben erhalten wird. Weil sie einige Zeit zuvor einen Kollegen angezeigt hat, der ihr bei einer sexuellen Belästigung nicht zuhilfe gekommen ist, ist sie strafversetzt in das Archiv und soll dort alte Fälle sichten, um sie der endgültigen Vernichtung zuführen zu können.

Die isolierte Lage und fast unerträgliche Enge der Leuchtturminsel spielt bei allem natürlich ebenfalls eine große Rolle, vier Personen, die dorthin mit dem Hubschrauber abgeseilt wurden, um dort den Leuchtturm warten zu können, der Fotojournalist Helgi hat es ebenfalls geschafft, einen "Platz" zu ergattern, müssen sich unvorhergesehenerweise mit einer Situation zurecht finden, mit der sie nicht gerechnet hatten: Der Hubschrauber, der sie eigentlich nur Stunden später wieder abholen soll, hat einen Defekt, und so können sie die Insel vorerst nicht verlassen.

Währenddessen stellt die Urlaubsrückkehrer-Familie in ihrem schönen Haus am Strand fest, dass nichts in Ordnung ist, so wie sie sich das vorgestellt hatte, und die Situation wird immer bedrohlicher.

Das alles liest sich unglaublich spannend, zuweilen beklemmend, aber immer - und das ist durchaus eine, aber nicht die einzige Stärke dieses Romans - sehr stringent, und - man merkt es einfach, ohne es direkt fassen zu können - zielgerichtet. Dass alle Handlungsfäden irgendwann zusammenlaufen würden - MÜSSEN - ist natürlich von Beginn an bereits klar, aber lange, lange fragt man sich als Leser, WIE das alles zusammenhängen mag. Dabei liegt das Augenmerk auch immer ein bisschen auf den Datumsangaben jedes Kapitels, denn tatsächlich liegen die Ereignisse nur sehr wenige Tage auseinander, man kommt nicht so recht dahinter, sie können aber beim Miträtseln durchaus helfen.

Natürlich ahnt man ab einem gewissen Zeitpunkt ein Motiv und die Zusammenhänge, und als dieses dann wirklich offensichtlich wird, flacht der Spannungsbogen auch leicht ab, aber dennoch garantiert auch dann noch das Weiterlesen subtile, gruselige Spannung und beklemmend tiefgründige Gedanken. Denn auch DAS ist eine Stärke der Romane von Yrsa Sigurðardóttir: Dass sie es immer wieder schafft, Ereignisse, die möglicherweise weit in der Vergangenheit liegen, in Bezug zu setzen mit Begebenheiten, die in unserer Gegenwart passieren und dabei, ohne dem Leser irgendwelche Meinungen aufdrücken zu wollen, sondern ihn im Gegenteil eher nachdenklich werden lassen, diese zu verbinden mit persönlichen Problemen der Protagonisten, die durchaus psychologisch interessant und tagesaktuell sind. Nicht nur in Island übrigens.

Und obwohl es sich bei diesem Roman keineswegs um einen Geisterthriller (wie Geisterfjord) handelt, gruselt es, ist an keiner Stelle langweilig, und obwohl sich am Ende wirklich alles auflöst, findet Yrsa den richtigen Dreh, um - dennoch! - ein beeindruckendes und furioses Finale zu bieten.

Nach dem etwas enttäuschenden Seelen im Eis hat Yrsa hier wieder einen atemberaubenden Thriller hingelegt, der mich durchweg hingerissen hat und beeindruckt und begeistert zurücklässt. Ein Stand-Alone-Thriller, der nichts mit Yrsas Serie um die Rechtsanwältin Dóra Guðmundsdóttir zu tun hat, und dem sowohl Fans von Yrsa als auch "Neuleser" dieser wunderbar geschriebenen Romane etwas abgewinnen können, wenn man etwas übrig hat für subtil und langsam nervenaufreibend sich entwickelnde Ausnahmesituationen von Menschen, da bin ich sicher! Es ist einfach intelligente Unterhaltung.

P.S. Das Cover-Foto stammt von dem recht bekannten Leuchtturm-Fotografen Jean Guichard, die Lage der Felseninsel, auf der sich der Leuchtturm befindet, ist allerdings wohl "erfunden".


Fack ju Göhte
Fack ju Göhte
DVD ~ Elyas M'Barek
Preis: EUR 7,99

50 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Zugegeben, der Film hat seine Momente ..., 13. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Fack ju Göhte (DVD)
... allerdings sind die wenigen guten so dermaßen rar, dass sie im großen Brei der schlechten schlicht untergehen.

Der Aufhänger für die "Story" (wenn man sie denn als solche bezeichnen möchte): Zeki Müller (Elyas M'Barek) möchte - nach 13 Monaten Knast - seine vergrabene Beute wieder bekommen, muss aber feststellen, dass darauf ein Schulneubau steht: Die Turnhalle der Goethe-Gesamtschule. Er - weder Lehrer, noch Studium, nicht mal Abitur - schafft es durch ein Missverständnis, an ebendieser Schule, an der es offenbar haufenweise "Problemfälle", in jedem Fall aber eine "Problemklasse" gibt, sodass sich eine Lehrerin (Uschi Glas in einer kleinen Nebenrolle, mit der sie nun wirklich NICHT überfordert war) zum wiederholten Male das Leben nehmen möchte (was dann auch "nur" als nicht ernsthaft gemeinter Suizidversuch dargestellt wird), als Aushilfslehrer eingestellt zu werden, um nachts Tunnel durch die Schule graben zu können. Bekanntschaft macht er gleich mit der zwar hübschen, aber ebenso verklemmten Referendarin Elisabeth (Karoline Herfurth), die trotz oder wegen ihrer pädagogischen Ambitionen ebenfalls meist scheitert an rotzlöffeligen und dummdreisten Schülern. Dass sie gemobbt wird, sowohl von den Schülern, als auch von der abgeklärten Direktorin (Katja Riemann), ist dabei offenbar völlig nebensächlich.

Okay, die Figur der Elisabeth ist auch zum Schreien, aber nicht zum Schreien komisch, leider (es soll sich bei diesem Film - wie ich in Erfahrung gebracht habe - um eine Komödie handeln): Überzeichnet und mit ALLEN Klischees, die politisch korrekt sein wollenden Lehrern innewohnen könnten, behaftet, empfindet man mit dieser Person - völlig überfordert mit der ihr anvertrauten Klasse und gelegentlich an der Grenze zur Hysterie - nicht einmal mehr Mitleid. Da fällt sie denn auch gerne auf dümmlichste Pennälerstreiche herein wie Klebstoff an der Kreide, Schuhcreme aus dem Seifenspender oder einer Dusche aus dem Wasserhahn. Super! Zum Schießen. Und vor allem so innovativ!

Naja, Zeki fällt auf fast die gleichen Streiche herein (bei ihm befindet sich der Klebstoff allerdings auf der Sitzfläche des Stuhls, weshalb er dann auch wenig später sein wohlgeformtes fast nacktes Hinterteil zeigen darf, weil der Stoff der Jeans aufgerissen ist), allerdings fällt ihm eine angemessene Gegenmaßnahme ein: Mit einem Farbschussgewehr (einschließlich dessen Benutzung) bringt er die fliehenden Schüler dazu, seinen "Unterricht" (der aus DVD-Gucken besteht) wenigstens mit ihrer Anwesenheit zu beehren.

Und die Schüler? Man frage sich: Welche Schüler? Sind damit die aufgebrezelten Tussis gemeint, die keinen einzigen Satz korrekt sprechen können oder die dümmliche Sprüche klopfenden Halbstarken, die unbedingt Drogendealer werden wollen? (Von diesem Berufswunsch kommt man natürlich schnellstens dann ab, wenn man einen in seinem eigenen Sud daliegenden Drogenabhängigen als abschreckendes Beispiel gezeigt bekommt. Bisschen "Sozialkritik" muss ja schon auch sein.) Oder keine der beiden Sorten, und vielleicht ist mit "Schüler" auch eine andere "Sorte" gemeint: die dick bebrillten Nerds, die als Streber gelten, oder vielleicht auch die Schwester der armen Elisabeth, die als graue Maus daherkommt und der offenbar nur so zu helfen ist, indem man sie von einer sich nichts sehnlicher als "neue Titten" wünschenden Barbedienung mal "vernünftig" schminken lässt und in ein ultrakurzes Minikleid und Highheels steckt. Zwischen diesen Extremen gibt's offenbar nichts an dieser Schule. Jedenfalls nichts, was eine Rolle spielen würde. Armes Menschenbild, das hier vermittelt wird, das muss man mal so deutlich sagen. Dass Zeki dann auch noch offiziell die Erlaubnis eines Vaters bekommt, dessen Sohn mal so richtig ranzunehmen, schlägt dem Fass den Boden aus. Da darf dann auch im Schwimmbad so ein Unverfrorener mal untergedubbelt werden, so lange, bis der mit Schnappatmung wieder auftauchen darf.

Nun ja, mit dem im Titel irgendwie gemeinten Goethe hat das Ganze (bis auf den Namen dieser Schule) rein gar nichts zu tun, im Gegenteil: Als "Romeo und Julia" von Shakespeare (!) aufgeführt werden soll, bemerken die "Schüler" sogleich, dass das in altertümlicher Sprache geschriebene Stück völlig verstaubt ist und daher natürlich SO unaufführbar, schreiben es um (?) und machen ein "modernes" Stück daraus. Dagegen wäre nicht einmal etwas einzuwenden, wenn nicht die furchtbar simple Aussage dahinter stünde, dass man sich heute mit solcherlei unmodernen, unverständlichen (?) Texten sprachlich nicht mehr auseinandersetzen müsse (muss man ja auch nicht, das Stück ist mittlerweile hunderte Male in Filmen, Romanen und Theaterstücken adaptiert und wirkt daher so abgedroschen, dass die Handlung selbst absoluten Kulturbanausen hinlänglich bekannt ist). Was für eine Sicht auf "Bildung" ist das?

Mir fielen noch ein paar mehr Dinge ein, die mir an dem Film unangenehm aufgestoßen sind (jaja, ich weiß schon, es ist eine Komödie, und Komödien "leben" von Klischees, und das "Feindbild" Lehrer wird ja auch genüsslich bedient, und das ist ja so "in"), nur eins muss ich noch erwähnen: Dass am Schluss des Films auch noch suggeriert wird, die "besseren" Lehrer bräuchten kein Studium, kein Abitur und kein Fachwissen, sondern nur ein bisschen "Verständnis und Verstehen", das hätte es nun nicht als "Pointe" gebraucht, der Film hätte auch ohne diese funktioniert.

Ach, weil ich oben schrieb, der Film habe seine Momente: Wie sich Zeki und Elisabeth einander "annähern", ist wirklich manchmal ganz niedlich, er wird ein bisschen zuverlässiger, sie ein bisschen lockerer, das ist ganz nett anzusehen, kann diesen Film, der sich zwar selbst nicht besonders ernst nimmt (was man ihm ja zugute halten kann), seine Figuren aber auch nicht selbstironisch, sondern einfach nur platt darstellt, aber auch nicht retten. Wobei ich es als wirklich ärgerlich empfand, dass ich mich auch noch anstrengen musste, um die genuschelten Sätze verstehen zu können, aber gut, das könnte auch an meinem derzeit durch eine Erkältung in Mitleidenschaft gezogenen Gehör liegen und soll keinen Niederschlag in der Bewertung dieses Films finden.

Dass Kinder bzw. Jugendliche den Film mögen, konnte ich persönlich feststellen, es sei ihnen auch gegönnt und ist völlig in Ordnung, aber kein Kriterium für einen "guten" Film, auch und selbst dann nicht, wenn man ihm einfach "nur" Unterhaltung unterstellt. Außerdem schreiben nicht meine Kinder diese Rezension, sondern ich, und ich finde diesen Film einfach nur ... fürchterlich, und ich finde es nicht gut, dass eines unserer Kinder diesen Film auf einer Geburtstagsparty eines Freundes sehen "durfte".

Das Beste war noch Katja Riemann als resolute, durchgreifende Direktorin, die sich nun wirklich NICHT ernst genommen hat in dieser Rolle.


Schloss des Schreckens
Schloss des Schreckens
DVD ~ Deborah Kerr
Preis: EUR 5,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schaurig-schöner Grusel mit Hintersinn, 24. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Schloss des Schreckens (DVD)
Ein Vorstellungsgespräch: Eine junge Frau (deren Darstellerin sichtlich nicht mehr ganz jung ist), die ihre erste Stelle antreten möchte, wird von einem reichen Mann engagiert, sich um dessen beide "Mündel", die Geschwister Flora und Miles, von denen aber nur Flora auf dem Landsitz des Onkels lebt, während Miles in einem Internat untergebracht ist, zu kümmern und möchte dieserhalb sämtliche Verantwortung abgeben an eben diese junge Frau, Miss Giddens (Deborah Kerr). Beeindruckt von dessen Aufreten und dem großen Vertrauen, das er offenbar in sie setzt, sagt sie zu und tritt die Stelle an. Als sie auf dem Landsitz ankommt, erwartet sie eine bezaubernde Flora, eine ausgesprochene Natur-Idylle und ein Haus mit gediegenem Interieur. Zufrieden sowohl mit dem Charme des Mädchens als auch mit der zuvorkommenden Dienerschaft, allen voran der Haushälterin Mrs. Grose, geht sie auf in ihren Pflichten, genießt aber auch das entspannte Leben in Bly, ebendiesem Landsitz, von dem Miss Giddens mehrmals als "halbes Schloss" spricht. Dann aber geschieht das Unfassbare: Miss Giddens bekommt von ihrem "Herrn" einen ungeöffneten Brief des Internats geschickt, mit der Bitte, sich um die "Angelegenheit" zu kümmern: Miles wird der Schule verwiesen (aus unbekannten Gründen, die sich auch im weiteren Verlauf nicht klären) und wird fortan ebenfalls auf Bly leben. Gleichzeitig "sieht" Miss Giddens immer wieder unerklärliche Phänomene: Zum Beispiel die vor einem Jahr verstorbene ehemalige Gouvernante der Kinder, Miss Jessel. Nach und nach offenbaren sich Miss Giddens die Umstände um den Tod von Miss Jessel, die nicht beruhigend auf sie wirken.

In den ersten Szenen nach besagtem Vorstellungsgespräch wähnt man sich - gleichsam MIT Miss Giddens - in einer (für den Zuschauer natürlich offensichtlich trügerischen) Idylle, aber durch den Beginn des Film (ein vollkommen schwarzes Bild und ein - dadurch - "hohl" und gruselig wirkender Mädchengesang im Hintergrund) und natürlich das ohnehin voraussetzbare Wissen, dass es sich um einen "Gruselfilm" handelt, weiß der Zuschauer natürlich, dass es bei dieser Idylle nicht bleiben wird. Und tatsächlich "entwickelt" sich auch die Handlung: Wir erleben eine im Verlaufe des Filmes zunehmend derangierte und entgleisende Miss Giddens, die mit den Verhältnissen irgendwann vollends überfordert ist. In den Kindern sieht sie nicht mehr Kinder, sondern irgendwann nur noch "das Böse". Sie reagiert nicht mehr vernünftig, sondern ihr entgleitet die Situation, nicht zuletzt begünstigt durch das Wissen, dass gewisse Dinge und Verhältnisse auf dem Schloss nicht "normal" waren, und durch ihre - vermeintlichen (?) - Halluzinationen. Das stellt sich nicht nur durch ihr Verhalten dar, sondern auch durch ihr Äußeres: Irgendwann ist sogar ihre Kleidung ähnlich der der verstorbenen Miss Jessel. Gleichzeitig verbreiten die beiden Kinder (großartig die Darsteller von Flora und Miles!) eine rasant fröstelnde Stimmung: Zwar bleiben die beiden durchweg freundlich, vor allem Miles auch - auf snobistische Art - charmant, aber die Großaufnahmen ihrer Gesichter lassen Unheimliches ahnen. Und so "wartet" man als Zuschauer auf das Unvermeidliche, das sich anbahnt und erahnen lässt, aber dennoch bleibt es IMMER dem Zuschauer - und DAS ist die eigentliche Stärke dieses Filmes! - überlassen, die Ereignisse zu interpretieren. Daran ändert auch das furiose Finale nichts, das den Zuschauer - ohne hier zuviel verraten zu wollen - recht ratlos zurücklässt.

Gedreht in schwarz-weiß Anfang der 60er Jahre und bar jeglicher "offenherziger" Szenen war mir zunächst unverständlich, warum dieser Film eine Altersfreigabe ab 16 hat. Klar wird dies allerdings dann, wenn man dann doch feststellen muss, dass dieser Film durchaus Anspielungen enthält auf die nicht ganz "normal" erscheinende Liebesbeziehung der vorherigen Gouvernante Miss Jessels mit einem weiteren Hausangestellten, und vor allem auch das Ende des Filmes (der eine vorherige Szene des Filmes gleichsam "umdreht") hat es in mancher Hinsicht in sich, was man dann eben doch im Kontext der Zeit der Entstehung des Filmes sehen muss. Ansonsten ist der Film an sich - eben bis auf den subtil sich steigernden Grusel und das Eskalieren der Situation mit den Kindern, vor allem Miles - eher "harmlos".

Erwähnenswert - wie so oft und wieder einmal - ist die "Übersetzung" des Original-Titels "The Innocents" (gemeint sind damit offensichtlich die beiden Kinder): Der deutsche Titel "Schloss des Schreckens" ist da eher auf "Schockmomente" gerichtet (die der Film zweifelsohne hat), trifft aber die Intention des Films nicht annähernd. Und ob die Kinder wirklich "unschuldig" sind ... das bleibt der Interpretation des Zuschauers überlassen, was dem Film insgesamt zugute kommt.

Heute würde man die Romanvorlage, die diesem Film zugrunde liegt, sicherlich ganz anders inszenieren, heute wirkt es vielleicht alles ein bisschen ZU angestaubt. Heutzutage würde man vielleicht wirklich die Stimmung in diesem Haus noch viel beklemmender inszenieren (man denke nur an solche Filme wie zum Beispiel The Others), in DIESEM Film ist die Atmosphäre etwas ZU lange - für heutige Sehgewohnheiten - zu schaurig-schön, zu idyllisch. Dennoch ist dies ein wunderbarer Film mit großartigen Schauspielern, der keine Minute langweilt und eben wirklich den Zuschauer "fordert". Und das macht ihn zu einem absolut SEHENSWERTEN Film dieses Genres, und mit Sicherheit war es eine - zur damaligen Zeit - auch "mutige" Inszenierung.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 20, 2014 8:48 PM MEST


Gegen die Welt: Roman (Taschenbücher)
Gegen die Welt: Roman (Taschenbücher)
von Jan Brandt
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wie konnte es so weit kommen?", 15. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
So. Letzten Satz dieses immerhin mehr als 900 Seiten starken Romans gelesen. Das heißt, genau genommen war es nur ein halber Satz am Ende. Eigentlich müsste man enttäuscht sein. Ich zumindest bin es nicht ... enttäuscht. Denn die 920 Seiten davor waren voll von Sätzen, von Formulierungen, von Beschreibungen und Dialogen, die es oft in sich hatten.

"Gegen die Welt" stemmt sich Daniel Kuper. Seine "Welt" ist allerdings begrenzt und bewegt sich in der dörflichen Provinz Ostfrieslands zwischen der Drogerie des selbstgefälligen, fremdgehenden Vaters, der Überforderung der unzufriedenen Mutter, den Bahnschienen, der örtlichen Realschule und Freunden, die eigentlich keine Freunde sind.

Als der heranwachsende Daniel "Opfer" einer vermeintlichen Ufo-Landung wird, nachdem er halbnackt in einem Kornkreis gefunden wird, zieht er nicht nur die Aufmerksamkeit der Dorfgemeinschaft des fiktiven Ortes Jericho auf sich, sondern auch die der gesamten Weltöffentlichkeit. Fernsehsender wollen Interviews, in Talkshows wird über die Aliens diskutiert. Was tatsächlich passiert ist, weiß Daniel nicht, und der Leser erfährt es nicht. Man muss es sich halt denken. Als die Beachtung abflaut, bleibt an Daniel der "Ufo-Junge" hängen.

Als viel später im Roman und in Daniels Leben - da ist er 15 - überall im Dorf an den Hauswänden Hakenkreuze auftauchen, wird Daniel dafür verantwortlich gemacht. Dass er genau das Gegenteil wollte: Die Hakenkreuze "vernichten", glaubt ihm niemand, fortan ist er weiter gebrandmarkt, wird immer mehr zum Außenseiter, Bürgermeisterkandidat Rosing, den er als Nazi bezeichnet, kann seinen Ambitionen freien Lauf lassen. Der Vater geht weiter fremd, die Freunde füllen ihn mit Alkohol ab, er wechselt vom Gymnasium auf die Realschule, seine Bemühungen, nach einem Praktikum bei der "Friesen-Zeitung" als Reporter Fuß zu fassen, werden sabotiert.

Daniel scheitert an der "Welt" und nimmt doch immer wieder den Kampf gegen sie auf. Das liest sich sehr gekonnt beschrieben, der Autor Jan Brandt, der mit diesem Roman sein Debut vorlegt, weiß ganz offensichtlich, wovon er schreibt. Auch wenn Jan Brandt bestreitet, dass dieser Roman autobiografische Züge aufweise: Wenn das tatsächlich der Fall sein sollte, hat er einfach ZU gut recherchiert. Natürlich ist einiges "erfunden", mindestens der Name Jericho für einen ostfriesischen Ort hinter dem Deich, wie es sie aber viele in der dörflichen Provinz gibt, aber wenn man der Generation angehört, um die es in diesem Roman geht (derer der Anfang bis Mitte der 70er Jahre Geborenen), dann wird man einiges wiedererkennen: Fernsehsendungen, damals - in den 80ern - "angesagte" Filme, politische Diskussionen und sowieso das gesamte Lebensgefühl der damaligen Zeit (und das vielleicht nicht nur in der norddeutschen Provinz). Sehr genau beobachtet die Figuren, in ihrer ganzen Haltung, deshalb auch bis ins Detail beschrieben.

Und zwischendrin Daniels Gedankengänge, manchmal ohne Punkt und Komma. Sein Erleben, von dem er selbst nicht weiß, wie er es einordnen soll, so beschrieben, dass es den Leser "mitnimmt", in jeder Hinsicht, aber ohne erhobenen Zeigefinger: Sowohl emotional kann man Daniel folgen, als auch - ganz objektiv - seiner Entwicklung, was - vor allem bei seinen "Gedanken - zugegebenermaßen manchmal etwas mühsam ist.

Nicht nur sprachlich wagt der Roman Experimente: Zum Beispiel, wenn er - die in den 80er Jahren populäre Fernsehquiz-Sendung "Riskant" mit Hans-Jürgen Bäumler aufgreifend - auf scheinbar harmlose "Antworten" tiefgreifende Fragen stellt, die zunächst nicht zu den Antworten zu passen scheinen (eine davon ist in der Überschrift zitiert, S. 768, und könnte stellvertretend für fast alle Figuren und Ereignisse dieses Romans gelten), über etwa 150 Seiten hinweg werden parallel zwei völlig verschiedene Geschichten auf EINER Seite erzählt: Halbseitig die von Daniel und seinen Freunden sowie - auf der Hälfte darunter - die in Ich-Form erzählte Geschichte eines Lokführers, der mehrere "Schienenselbstmorde" zu verarbeiten hat, getrennt durch einen Doppelstrich mitten auf der Seite, eintönig wie die Schienen, die der Lokführer tagtäglich befährt.

Und obwohl keine der Figuren, der Dorfbewohner, der Vater, die Mutter, die Lehrer, die Freunde, die Eltern der Freunde, wirklich sympathisch werden, keiner von ihnen "gut" wegkommt, wachsen sie einem doch ans Herz, am Ende "weiß" der Leser, wie dieses Leben funktioniert. Fast genial wirkt da der Vorgriff auf die Lebensläufe einiger von Daniels "Freunden", die ein tragisches Ende nehmen.

Lakonisch, mit viel Hintersinn, nicht ohne einen SEHR hintergründigen Humor und damit viel der deprimierenden "Zukunftsaussichten" relativierend, erzählt Jan Brandt in diesem bei seiner Veröffentlichung sehr beachteten Roman-Debut, das seinerzeit auch für den Deutschen Buchpreis (2011) nominiert war, die Geschichte eines Jungen, aufgewachsen in einer strengen, ihn nicht verstehen wollenden, ihn nicht ernst nehmenden Umgebung, und nicht nur das: Er erzählt die Geschichte eines ganzen Dorfes und seiner Bewohner. Und zwar so, dass man JEDES Wort glaubt, was zugegebenermaßen gelegentlich deprimierend anmutet.

Bleibt am Ende die Frage: Muss man scheitern, an dieser dörflichen Enge, der Ignoranz der Erwachsenen, an sich selbst? Das ist natürlich eine rein rhetorische Frage, denn Jan Brandt, der - wenn er hier nicht ganz viel "Eigenes" einbringt - dennoch in genau dieser Umgebung (wenngleich das kleinstädtische Leer sich noch ein wenig unterscheiden dürfte von dem dörflichen Jericho) aufgewachsen ist und kenntnisreich von einer Zeit schreibt, die nicht nur dem Gedächtnis geschuldet sein kann, hat es geschafft: Einen umfassenden, wunderbaren Roman zu schreiben, in dem wirklich fast keine Zeile zuviel ist.

Eigentlich waren vier Sterne für dieses Leseerlebnis zu vergeben (weil einige Längen bei einem solchen Umfang nicht zu vermeiden sind), die sich beim Schreiben dieser Rezension und der damit verbundenen Rückbetrachtung auf fünf Sterne erhöht haben ;).
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 22, 2014 12:28 PM MEST


Harold und Maude
Harold und Maude
DVD ~ Bud Cort
Preis: EUR 4,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein herrlich skurriler Film, 27. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Harold und Maude (DVD)
Der Film beginnt düster: In einem vornehm anmutenden Wohnzimmer erhängt sich ein junger Mann. Schockierend erst einmal, bis seine Mutter herein kommt, offensichtlich völlig unbeteiligt, und Harold, ihren Sohn auffordert, diesen Blödsinn zu lassen.

Harold inszeniert Selbstmorde, seine eigenen Selbstmorde. Immer und immer wieder, sehr extravagant, sehr aufwändig, aber nie mit der Absicht, sich umzubringen. Seiner Mutter kann er damit nicht einmal mehr ein Mindestmaß an Aufregung entlocken, und auch als Zuschauer gewöhnt man sich schnell daran. Eine gewisse Todessehnsucht wohnt ihm dennoch inne, wie er später bekennt. Und noch etwas offenbart Harolds Hang zum Morbiden: Er geht gern auf Beerdigungen.

Auf einer dieser Beerdigungen lernt er Maude kennen, die bald ihren 80. Geburtstag feiern wird. Fröhlich, lebensfroh, lebensbejahend kann sie Harold in seiner Einsamkeit, in seiner depressiven Stimmung erreichen.

Als Harolds Mutter beschließt, dass Harold heiraten müsse und entsprechende Kandidatinnen einlädt, die ihr genehm erscheinen, ihren Sohn ehelichen zu können, schafft Harold es, durch seine skurrilen Einfälle alle Damen zu vergraulen. Schwierig wird es, als Harolds Mutter beschließt, dass Harold nun zur Armee müsse, aber da tritt Maude auf den Plan.

Immer mehr Zeit verbringen Harold und Maude, dieses auf den ersten Blick ungleich erscheinende Paar, miteinander, und Harold beginnt, sich in Maude zu verlieben.

Während Harold anämisch und eher unscheinbar daherkommt, sowieso "überstrahlt" zunächst von seiner unerträglich extrovertierten und egozentrischen Mutter, sprüht Maude geradezu vor Lebensfreude. Auf unkonventionelle Art versucht sie, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, kommt dennoch mit jedem gut aus. Das ist natürlich nicht immer wirklichkeitsnah: Dass Maude kaum jemals belangt wird für ihre "Autodiebstähle", ist nicht wirklich realistisch. Darum geht es aber auch gar nicht. Es geht um die Lust am Leben selbst, um das Aufbrechen von Konventionen, darum, so sein zu dürfen, wie man sich fühlt und wie man ist, ohne sich scheren zu müssen oder zu wollen, was andere darüber denken. Deshalb macht Harold Purzelbäume: Einfach deshalb, weil ihm danach ist. Maude weiß darüber umso besser Bescheid, als sie durchaus Zeiten erlebt hat, in denen so etwas nicht möglich gewesen ist. Angedeutet wird dies durch die nur sehr kurz zu sehende in ihrem Arm eintätowierte KZ-Nummer. Glaubwürdig ist das alles dennoch irgendwie.

Der Konservatismus, der im Gegensatz zu dieser offenen, Konventionen sprengenden Lebensart ja durchaus auch im Film vertreten ist, wird in einer der letzten Szenen karikiert bis zum Letzten, als der Pfarrer, bereits bekannt von den Beerdigungen, und nicht nur er, scheinbar angeekelt, aber doch fasziniert, sich ergeht in der Vorstellung, wie die körperliche Liebesbeziehung zwischen Harold und Maude aussehen wird.

Ein herrlich skurriler, bisweilen anarchisch anmutender Film in tollen Bildern und unterlegt mit Musik von Cat Stevens und mit einer wunderbaren, unaufdringlich agierenden Ruth Gordon als vor guter Laune nur so sprühender Maude, der man jede Bewegung, jedes Lächeln einfach abnimmt. Am Ende - konsequent nach dem, was der Film dargeboten hat bis dahin - sitzt man da und denkt - jedenfalls wenigstens für einen kurzen Augenblick: So ein Leben jenseits aller Fremdbestimmtheit, in dem einfach die Lust am Leben selbst zählt, wäre ein nachahmenswertes Ziel. Ob Harold es schafft, sein bisher fremdbestimmtes Leben nun selbst in die Hand zu nehmen, lässt der Film offen.


Ravensburger 26618 - Cartagena - Die spannende Flucht aus der Festung
Ravensburger 26618 - Cartagena - Die spannende Flucht aus der Festung
Wird angeboten von M & L aus Deutschland
Preis: EUR 13,40

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Minimale Spielregeln, maximaler Spielspaß: Tolles Kinder- und Familienspiel!, 2. Mai 2014
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Sowohl das Zubehör als auch die Spielregeln sind minimalistisch, und dennoch ist das Spiel sehr liebevoll aufgemacht. Die Idee: Piraten versuchen, sich auf einem Dschungelpfad, der mit verschiedenen "Schätzen" gespickt ist, zu einem Boot durchzuschlagen. Der Dschungelpfad besteht dabei nicht aus einem starren Spielplan, sondern kann mithilfe einzelner Puzzleteile immer wieder neu zusammengesetzt werden. Ganz am Ende des Pfades liegt das Boot - das "Puzzleteil" hat auch die Form eines Bootes!

Pro Spielzug stehen immer zwei Aktionen zur Verfügung, da gilt es, nachzudenken und auch strategisch zu planen. Natürlich gehört aber auch wenig Glück dazu, um seine eigenen Piraten (in der "normalen" Spielversion sind es vier) erfolgreich über den Dschungelpfad dirigieren und als erster in das Boot zu schleusen.

Die Spielregeln sind so einfach gehalten, dass es kein Problem ist, das Spiel innerhalb von fünf Minuten spielen zu können, jedenfalls, wenn ein Erwachsener mithilft. Das Spiel ist für Kinder ab 8 empfohlen, dieser Einschätzung schließe ich mich an, allerdings dürfte es - wenn NUR Kinder spielen - für diese beim ersten Mal etwas schwierig werden, die Spielregeln zu verstehen. Allerdings braucht man die Spielregeln auch nicht sehr starr auslegen, das Spiel bietet durchaus auch bei Abwandlung der Spielregeln viel Spaß.

Wir haben das Spiel jetzt schon mehrere Male als Familienspiel gespielt, mit Erwachsenen und Kindern unterschiedlichen Alters, und festgestellt, dass ein "Spielsieg" sehr überraschend kommen kann und sich bis zum Ende des Spiels keineswegs abzeichnen muss. Das hält die Spannung ungemein aufrecht! Die Spieldauer (mit vier Piraten) variierte etwas, die Spiele dauerten aber immer etwa eine halbe Stunde. Hat man "ungeduldige" Kinder dabei, kann man die Spielzeit noch weiter begrenzen, indem man weniger Piraten pro Spieler mitspielen lässt.

Das Design des Spiels ist farbenfroh, aber nicht aufdringlich, das Zubehör sowieso insgesamt übersichtlich und auch sehr stabil. Damit das Zubehör in der Spielschachtel nicht umherfliegt, liegen zwar zwei kleine Plastiktütchen bei, allerdings sind diese fast unnötig, da der Innenraum der Spielschachtel in Fächer unterteilt ist und sowieso nichts durcheinaner geraten kann.

Von uns bekommt dieses Spiel eine unbedingte Empfehlung, sowohl als Familienspiel als auch als Kinderspiel, wenn Kinder unter sich spielen!


Tage des letzten Schnees: Ein Kimmo-Joentaa-Roman
Tage des letzten Schnees: Ein Kimmo-Joentaa-Roman
von Jan Costin Wagner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Vermutlich hat er gelernt, dass gleich nach dem Tod ein neuer Überlebenskampf beginnt", sagte Kimmo Joentaa. (S. 255), 7. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein Vater und seine 11-jährige Tochter werden in ihrem Auto von der Straße abgedrängt, das Mädchen stirbt. Der Unfallverursacher fährt einfach weiter. Kommissar Kimmo Joentaa, offenbar immer noch in der Trauer um seine verstorbene Frau gefangen, kümmert sich um den Vater, der - obwohl verletzt - unbedingt zu seiner Frau möchte, um ihr die schlimme Nachricht zu überbringen, und begleitet ihn.

Monate zuvor hat sich ein finnischer Fondsmanager während einer Geschäftsreise nach Belgien in eine ungarische Prostituierte verliebt.

Während auf der einen Seite die Trauer der Eltern und die Anteilnahme und Ermittlungen Joentaas im Mordfall eines auf einer Parkbank aufgefundenen Paares dargestellt werden, liest man andererseits von Markus Sedin, dem Bankmanager, wie er völlig den Kopf verliert, sich - obwohl er Familie, eine Frau und einen kleinen Sohn hat - auf Réka, die Prostituierte, einlässt, wesentlich jünger als er, sie zuhause in Ungarn (oder Rumänien, so ganz klar wird es nicht) besucht, ihr Geld gibt, damit das ärmliche Haus, in dem sie mit ihrer Familie lebt, renoviert werden kann, sie schließlich nach Finnland holt, eine Wohnung kauft und dann versucht, eine irgendwie geartete "Beziehung" mit ihr zu führen. Über diesen Markus Sedin habe ich mich gelegentlich ein bisschen geärgert. Was soll das? Beweggründe? Fehlanzeige. Ein "Trottel vor dem Herrn", ein "Liebeskaspar", wie er im Buch bezeichnet wird. Eine Begründung für sein Verhalten gibt es nicht.

Auf der anderen Seite ist da Lasse Ekholm, der völlig verzweifelte Vater, der die Beerdigung seiner Tochter Anna organisieren muss, während sich seine Frau ihre Trauer vermeintlich völlig versagt. Und eben Joentaa, der - mehr oder weniger mit der Prostituierten Larissa, deren richtigen Namen er nicht einmal kennt, zusammenlebend - einfühlsam den Vater Lasse begleitet, dessen Trauer er ganz offensichtlich "mitlebt".

Drei Männer - drei Geschichten. Dazwischen kurze in kursiver Schrift eingefügte Kapitel über einen entgleisenden Jugendlichen, der offenbar einen Amoklauf plant - in der Nachfolge des norwegischen Attentäters Breivik und der beiden Jugendlichen, die seinerzeit mit dem Amoklauf an der Columbine Highschool zu einer zweifelhaften Bekanntheit gelangt sind. Seine Schwester Mari merkt, dass etwas nicht stimmt, versucht, Kontakt zu ihm, Unto, zu bekommen, scheitert und chattet schließlich inkognito mit ihm.

Das alles ist zwar berührend und einfühlsam, in karger Sprache, deutlich, aber ohne zuviele Worte, beschrieben, und zwar so, dass man merkt, dass hier irgendetwas "passiert", manchmal mutet es geradezu apokalyptisch an, es macht diffus Angst, aber dennoch fragt man sich, wohin das alles führen soll. Und erst, als nach etwa der Hälfte des Romans zumindest zwei der Handlungsfäden zusammenlaufen, MUSS man einfach weiterlesen und begreift, dass hier wirklich etwas im Gange ist.

Und ab der zweiten Hälfte bekommt die Geschichte einen Sog, dem man sich einfach nicht mehr entziehen KANN.

Dieser Roman mutet einiges zu, die Szene, in der der Vater sein Kind beerdigt, ist fast unerträglich. Das muss man aushalten können. Und wenn man es aushält, dann hat man - wenn man am Ende angekommen ist - einen grandiosen, auch spannenden Roman gelesen, und am Ende ... da schließt sich der Kreis. Manchmal ist es fast "zuviel", und ich dachte gelegentlich, ich müsste das Buch einfach mal zur Seite legen. Und habe genau das - jedenfalls ab etwa Mitte des Buches - nicht geschafft: Ich konnte nicht aufhören zu lesen, bis ich am Ende angekommen war.

Die Handlung wirkt konstruiert. Aber das macht nichts. Ein Krimi darf das. Und dieser sowieso. Auch - und gerade - wenn und weil es in weiten Teilen weniger Krimi ist als ein berührender Roman über den Umgang mit Tod, Trauer, Schuld ... und Leben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 8, 2014 10:19 AM CET


Fingerfood
Fingerfood
von Christina Kempe
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 5,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Durchweg sehr ausgefallene Rezepte, aber nicht immer "Fingerfood", 17. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Fingerfood (Gebundene Ausgabe)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Von den Kochbüchern aus dem Kosmos-Verlag bin ich grundsätzlich sehr angetan, sie zeichnen sich aus durch übersichtliche Gestaltung, schöne Fotos der Gerichte und viele Tipps (auch in Form von Fotos), die die Zubereitung des jeweiligen Gerichtes sehr erleichtern. Das ist auch bei dieser Rezepte-Sammlung wieder der Fall.

Unter "Fingerfood" verstehe ich eigentlich (Party-)Snacks, für die man kein Besteck braucht. In diesem Buch finden sich denn auch viele solcher Rezepte, vor allem in dem Kapitel "Handlich", zum Beispiel mit Teig-, Reis- oder Weinblättern umhüllte Gemüseröllchen oder in Muffin-Förmchen gelegte Ofen-Champignons. Zu allem kann ein Dip gereicht werden, den Dips ist eine gesonderte Doppelseite gewidmet.

In dem Kapitel "Aromatisch" sind die Rezepte von Häppchen zum "mit den Fingern essen" eher rar: Die meisten kann man aber auf Servierlöffeln oder in kleinen Schälchen portionsgerecht bereits fertig anrichten (zum Beispiel "Marinierter Kürbis" oder "Balsam-Zwiebelchen").

Im Kapitel "Knusprig" gibt es Gerichte vor allem mit Brot (zum Beispiel Bruschetta, Pita oder Crostini) belegte Köstlichkeiten.

Bei den Kapiteln "Edel" und "Süß und fruchtig" ist dann zum Buchtitel keinerlei Verbindung mehr: Für alle Gerichte (im letzten Kapitel sind es vor allem süße Nachtische) braucht man Besteck und in der Regel auch Teller oder Schälchen.

Insgesamt sehr modern und ausgefallen sind die Rezeptvorschläge, die sich sowohl für die kleine Runde oder den Abend zu zweit als auch in gewünschter Zusammenstellung für das etwas größere Buffet eignen. Gut ist, dass für alle Gerichte der Zeitbedarf angegeben wird, das meiste lässt sich bereits einen Tag vorher gut zubereiten (und braucht auch oft diese Zeit, wenn es sich um Eingelegtes handelt!)

Die Zutaten sind ungewöhnlich bis exotisch und evtl. schwer zu bekommen, für manches muss man in den Asia-Laden oder andere Spezial-Geschäfte. Allerdings handelt es sich ja ohnehin um Rezepte, die eher nicht für den Alltag geeignet sind, sondern für die besonderen Gelegenheiten, insofern passt das dann schon.

Schön finde ich, dass bei jedem Rezept steht, wie man am besten anrichtet. Zwar gibt es keine Tischdeko-Tipps, anhand der Fotos kann man sich aber eine gute Vorstellung machen, wie es hinterher aussehen könnte.

Die Rezepte finde ich durchweg gelungen, auch wenn es sich nicht bei allen um "Fingerfood" handelt (ein kleiner Hinweis zum Beispiel in Form eines Untertitels wäre hilfreich gewesen). Davon abgesehen finde ich diese Rezepte-Sammlung insgesamt sehr vielseitig und vielleicht ein bisschen "besonders".
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 6, 2013 6:27 PM CET


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