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Rezensionen verfasst von
Turmvilla

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Klick: Strategien gegen die digitale Verdummung
Klick: Strategien gegen die digitale Verdummung
von Susanne Gaschke
  Gebundene Ausgabe

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kritischer Gebrauch des Internets, 11. Mai 2009
Susanne Gaschke hat nichts gegen Computer und Internet, aber etwas gegen die Apologeten des digitalen Paradieses, gegen Microsoft im Kindergarten, gegen Medienpädagogen im Dienste der Softwarekonzerne. Die Rhetorik mancher Netzgurus erinnert sie an neoliberale und marxistische Heilsversprechen.

Man kann dieses flüssig geschriebene Buch der Journalistin mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur lesen und sich die gelehrten internetkritischen Texte von Manfred Spitzer, Stefan Weber, Stanley Wilder, Nicolas Carr und auch den quirligen Clifford Stoll ersparen. (Oder als Vertiefung durcharbeiten.)

Das richtige Buch, um zu einem kritischen, rationalen Gebrauch von Computer und Internet zurückzukehren.


Endspiel: Die Revolution von 1989 in der DDR
Endspiel: Die Revolution von 1989 in der DDR
von Ilko-Sascha Kowalczuk
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leuchtturm, 19. April 2009
Das Buch ist eine gut lesbare Gesamtdarstellung der Zustände und Ereignisse in der DDR ab den 70er Jahren. Erfrischend ist, dass Kowalczuk gelegentlich auch DDR-Witze als historische Quelle nutzt.
Angesichts der wachsenden Schönfärberei und Verharmlosung der SED-Diktatur, nicht zuletzt auch durch Geschichtswissenschaftler ("Fürsorgediktatur", "Konsensdiktatur",) ist es gerade rechtzeitig erschienen.
Es liefert keine neuen wegweisenden Erkenntnisse oder Interpretationen, würdigt aber deutlich Helmut Kohl, der den deutschlandpolitischen Entspannungskurs, den die SPD begonnen hat, nicht nur fortsetzt, sondern, anders als Bahr oder Lafontaine es wollen, sich nicht vor der gigantischen Aufgabe der Vereinigung drückt, die die alte Bundesrepublik an die Grenzen der Leistungsfähigkeit führt. Auch Mielke wird nüchtern als einer der wenigen SED-Politiker gesehen, die die Brisanz der Lage richtig einschätzen. Und (wieder einmal) zu lesen, dass hohe Kirchenfunktionäre mit den Machthabern Kontakt halten konnten, ohne in den Verdacht zu geraten IMs zu sein, ist auch nicht verkehrt.
Alles in allem ein Leuchtturm im anschwellenden Meer der "Es war nicht alles schlecht"-, "Der Westen hat gesiegt"-, "Wir hatten aber den besseren Sex"- Literatur.


Die DDR: Eine Dokumentation mit zahlreichen Biografien und Abbildungen
Die DDR: Eine Dokumentation mit zahlreichen Biografien und Abbildungen
von Hermann Vinke
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

23 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vorsicht, Rezension!, 20. Dezember 2008
Hermann Vinkes Buch über die DDR wird von der Kinderbuchjury der Zeit und Radio Bremen zu Recht empfohlen. Allerdings muss man es gegen den Rezensenten Volker Ulrich in der "Zeit" verteidigen.

Ulrich sieht in der Aufarbeitung der SED-Diktatur einen eifernden Ton der Abrechnung, eine zunehmende Gleichsetzung der DDR mit dem 'Dritten Reich' und liest in das in der Tat sachliche Buch seine DDR-Sicht hinein. Bisher hatte ich eher wahrgenommen, dass die DDR zunehmend verklärt wird, man wäre nett zueinander gewesen, die Luft wäre gesünder und die Mieten billiger gewesen.

Die political correctness verbietet es, auf Parallelen zwischen den beiden Diktaturen hinzuweisen. Dass Potsdam etwa 1953 erneut "judenrein" war, behält man besser für sich. Die DDR war ja angeblich nie antisemitisch, höchstens antizionistisch.

Ulrich zitiert aus Vinkes Buch 'die höchste Frauenerwerbsquote der Welt' als SED-Errungenschaft. Bei Vinke steht vorher der Satz, wem das geschuldet war, nämlich dem Arbeitskräftemangel (p. 65). Die DDR-Paschas feierten die Doppelbelastung ihrer Frauen auch noch mit dem Weltfrauentag.

Ulrich lobt das in mancher Hinsicht angeblich vorbildliche DDR-Schulsystem. Vinke ist da vorsichtiger.

Das rigide DDR-Schulsystem wird von Journalisten zunehmend verklärt. Als ob es nie eine Odenwaldschule, integrierte Gesamtschulen oder die Laborschule gegeben hätte. Während der friedlichen Revolution war man sich noch einig, dass die DDR-Schule die Menschen deformiert habe, wie Christa Wolf es formulierte.

Und was die Leistungen angeht, so konnten sich die westdeutschen Lehrer während der Ausreisewelle davon überzeugen, dass die im rezeptiven Unterrichtssystem der Diktatur hervorragend benoteten Übersiedlerkinder ganz schnell in der Mitte der Notenskala ankamen.

Es macht auch sicher einen Unterschied, ob eine Diktatur ihren gesamten Repressionsapparat gegen Jeans- und Rock'n-Roll-Liebhaber einsetzt oder eine westliche Vätergeneration darauf aggressiv reagiert. Ulrich setzt das gleich, Vinke nicht.

Vinkes Buch ist ein gut geeignetes Nachschlagewerk für Jugendliche, besonders lesenswert sind die biographischen Texte.


Die Mauer steht am Rhein: Deutschland nach dem Sieg des Sozialismus
Die Mauer steht am Rhein: Deutschland nach dem Sieg des Sozialismus
von Christian von Ditfurth
  Gebundene Ausgabe

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erschreckend realistisch, 17. Juli 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ditfurth erzählt plausibel von einer "Wende" unter umgekehrten Vorzeichen.
Was passiert, wenn der Sozialismus siegt? Richtig, die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln klappt nicht mehr so richtig. Aber die sozialistische Rhetorik läuft zu Hochform auf.
Es ist beklemmend zu lesen, wie sich die Anpassung in die Zeitungsredaktionen und die Schulen einschleicht.
Trotz gelegentlicher Längen sehr lesenswert.
Angesichts der Erfolge der Partei "Die Linke" entsteht ein Hauch von Unwohlsein.
Wer die Nachkriegsgeschichte kennt, liest mit Entzücken die Biographien gewendeter westdeutscher Politgrößen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 9, 2008 9:29 PM MEST


Abbau Ost: Lügen, Vorurteile und sozialistische Schulden
Abbau Ost: Lügen, Vorurteile und sozialistische Schulden
von Olaf Baale
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

7 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Es war nicht alles schlecht!, 19. April 2008
Mein Opa sprach von 1945 als der Katastrophe. Jetzt gibt es in der Geschichte Ostdeutschlands auch ein Katastrophenjahr: 1989 - Die Wende.
Eine Potsdamer Zeitung titelt im Jahr 2008: Wer im Osten lebt, muss früher sterben. Die statistische Lebenserwartung ist nämlich geringer.
Dass sie sich in den 18 Jahren der Wende z. B. bei Frauen von 24 Monaten kürzerer Lebenserwartung als im Westen auf vier Monate kürzere Lebenserwartung reduziert hat, davon stand nichts in der Zeitung.
Man sollte nichts, was über die so katastrophale Wendezeit verbreitet wird und über die gute, alte DDR, ungeprüft lassen. Es ist erstaunlich, wie viel von dem, was "dem Anschluss" an den Westen in die Schuhe geschoben wird, schon in der SED-Diktatur angelegt war: Die Landflucht, die jetzt im Norden und Nordosten beklagt wird, die sinkende Geburtenrate(!), die Nazis(!), die (verdeckte) Arbeitslosigkeit, gerade auch in den schon von der SED vernachlässigten nicht-industrialisierten Landstrichen. Und die Einkommensunterschiede zwischen der DDR-Oberschicht und dem Rest waren auf niedrigerem Niveau nicht viel anders als im Westen (ca. 1:6).
Man muss Bücher wie dieses neben ausgewogeneren, wie denen von Richard Schröder lesen, wenn man sie denn überhaupt lesen muss.
Es ist leider so, dass im Schimpfen auf die Wende sich die alten Kader, die Wendegewinner des Ostens und die Wendeverlierer des Ostens wiedervereinigen und auf den bösen Wessi zeigen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 8, 2008 11:05 AM MEST


Ein Land, genannt die DDR
Ein Land, genannt die DDR
von Ulrich Plenzdorf
  Gebundene Ausgabe

5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen SED-Diktatur weichgespült, 8. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Ein Land, genannt die DDR (Gebundene Ausgabe)
Rüdiger Dammann macht i. d. R. gute Bücher. Auch dieses ist liebevoll gestaltet, gut und verständlich zu lesen. Das Buch kommt in der Aufmachung wie ein Jugendsachbuch daher, wofür es aber nicht taugt.
Beim Nachwort von Ulrich Plenzdorf, das ich zuerst lese, stocke ich: Als einzige wirkliche Auskunft über das Leben in der DDR könne nur die von in der DDR aufgewachsenen Menschen gelten. Besser könne man Geschichte nicht schreiben. Naja, wer sich noch nie mit den Problemen der oral history auseinandergesetzt hat, glaubt das wohl. Nichts gegen Zeitzeugen als Quelle, aber Quellenkritik muss erlaubt sein.

Niemand will den Menschen, die in der SED-Diktatur leben mussten, Identität und Erinnerung nehmen. Aber da muss nicht eine Sympathieerklärung für Ulbricht dabei herauskommen.

Die Probe aufs Exempel liefert Daniela Dahn im Beitrag über die DDR-Wirtschaft, "'Die Legende vom faulen Ossi'". Für Dahn ist der 'Witz der Sache leitend: In der DDR war zum ersten Mal in Deutschland die Macht des Kapitals gebrochen. Diesem Witz wird dann die Wirklichkeit untergeordnet. Die DDR wäre mit NÖSPL, dem neuen System der Wirtschaftslenkung, auf dem besten Weg zum Arbeiter- und Bauern-Paradies gewesen, Ulbricht ein Wirtschaftsreformer, der leider von den Russen und Honecker gebremst wurde. Eigentlich wären die 16 Kombinate, in den die DDR-Wirtschaft zusammengefasst war, hochrentabel gewesen, eigentlich war die DDR am Schluss nicht ganz bankrott, eigentlich gab es ja damals weltweit Wirtschaftssiechtum, eigentlich hatte das DDR-Statistikamt der Industrieproduktion des Landes den 15. bis 17 Platz auf der Weltrangliste zugewiesen.
Da kam die Wende wohl zu Unrecht?

Wenn Dahn die Brigaden beschreibt, ist das ein guter Einblick in den Arbeitsalltag. Die SED hatte die Brigaden keineswegs voll im Griff, musste sie bisweilen fürchten.
Aber wenn Dahn das Wirtschaftssystem erklärt, hört sich das nach einem Seminar in den Hinterzimmern der die DDR überlebt habenden Volkssolidarität an.

Es muss ja keinesfalls der entfesselte Kapitalismus als die einzig richtige Wirtschaftsform herauskommen, aber eine romantisierende Betrachtung der Zentralverwaltungswirtschaft hilft nicht weiter, außer dass sie die Weichspülung der DDR bei den nachwachsenden Schülergenerationen fortsetzt.


Der Junge im gestreiften Pyjama
Der Junge im gestreiften Pyjama
von John Boyne
  Gebundene Ausgabe

6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auschwitz aus der Perspektive eines Täterkindes, 12. September 2007
John Boyne ist ein angesehener irischer Autor. Er schreibt zum ersten Mal ein Kinderbuch. Und wird dafür mit Preisen überhäuft. Es gilt als das beste Buch, das er bisher geschrieben hat.
In 'Der Junge im gestreiften Pyjama' steht ein Neunjähriger im Mittelpunkt, Bruno. Sein Vater macht Karriere. Deswegen müssen sie aus Berlin wegziehen Der Furor, so glaubt der Kleine zu verstehen, schickt den Vater mitsamt Familie nach Aus-Wisch.
Es gefällt ihm dort überhaupt nicht, er sehnt sich nach Berlin zurück. Vor allem das Geschehen hinter dem großen Zaun bleibt ihm ein Rätsel. Alle dort, Männer, Frauen und Kinder, tragen gestreifte Pyjamas. Die Soldaten dort lachen laut, die Pyjama-Leute scheinen immer traurig zu sein. Es sind viele und nie ist einer zum Abendessen zu Gast. Bruno macht sich so seine Gedanken, über seinen Vater, seine Mutter, seine Großmutter, die böse Worte über die Karriere des Vaters gefunden hat. Er kann sich keinen Reim auf das Geschehen jenseits des Zaunes machen, er ahnt, dass nicht alles gut ist.
Eines Tages trifft er an einer entlegenen Stelle auf der anderen Seite des Zaunes einen abgemagerten Jungen im gestreiften Pyjama, Schmuel, der wundersamerweise am selben Tag Geburtstag hat wie Bruno und den das Leben in Aus-wisch genauso unglücklich zu machen scheint wie ihn selbst. Schmuel erzählt ihm seine Geschichte. Bruno will mehr erfahren über das Leben jenseits des Zaunes. 'Wann esst Ihr zu Abend?' fragt er Schmuel.
Der Vater schickt die Familie wieder nach Berlin. Bruno und seine Schwester fühlen sich nicht wohl in Aus-Wisch, die Mutter hat ein Techtelmechtel mit einem flotten jungen Soldaten.
Bruno will sich noch in ein letztes Abenteuer stürzen und Schmuel auf der anderen Seite des Zaunes bei der Suche nach dessen verschwundenem Vater zu helfen. Durch ein Loch im Zaun und mit einem von Schmuel beschafften gestreiften Pyjama gelingt der Plan. Bruno ist ernüchtert, da gibt es keine Obststände und kein kleines Café, was er erwartet hatte, nur lachende, grölende Soldaten und stoisch blickende, abgemagerte Menschen in gestreiften Pyjamas. 'Ich glaube, ich sollte zurückgehen', sagt Bruno. Dann geraten die beiden in eine Razzia und werden zusammen mit anderen durch Schlamm und bei Regen zu einer Halle getrieben ...

Das Buch ist die Annäherung an ein Vernichtungslager aus der Perspektive eines ahnungslosen neunjährigen Mitgliedes einer Täterfamilie. Es erinnert von fern an die Bücher von Niklas Frank, der ein Leben lang davon umgetrieben wird, dass er als Kind auf der Krakauer Burg ein unbeschwertes Leben als Sohn führte, während in den Straßen die Menschen zusammengetrieben und abtransportiert wurden und seine Eltern sich schamlos bereicherten.
Man sollte absehen von dem etwas kitschigen Besuch des Furors und seiner schönen blonden Begleiterin bei Brunos Eltern. Die Blondine redet sogar freundlich mit ihm. Auch Sprach- und Reflexionsniveau eines Neunjährigen werden nicht immer durchgehalten. Bruno redet manchmal sehr elaboriert.
Aber: Die Erzählung, vor allem der Schluss, geht unter die Haut.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 26, 2008 10:33 PM MEST


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