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Rezensionen verfasst von
Roman Bösch

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Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog
Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog
von Christopher Clark
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,99

6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erstklassige Lektüre!, 29. April 2014
Eine brillante Analyse von Christopher Clark. Fakten können immer je nach Standpunkt interpretiert werden. Und bei einer multikomplexen Faktenlage gilt dies erst recht. Der Sieger schreibt die Geschichte. Und die Historiker interpretieren sie. Soweit, so gut. Natürlich kann man die Dinge (nur) vom jeweiligen Standpunkt aus sehen, was legitim ist. Aber ist es auch gerecht? Entspricht es der Wahrheit? Was überhaupt ist historische Wahrheit? Geschichtswissenschaft ist keine exakte Wissenschaft. Man versucht nach bestem Wissen und Gewissen möglichst die gesamte Faktenlage zu sichten und zu interpretieren, was mehr einer Kunst als einer Wissenschaft gleichkommt. Insofern ist Clark als erstklassiger Wissenschaftler sicherlich gleichermassen auch ein fähiger Künstler! Er überzeugt durch eine konzise, plausible und bodenständige Zusammenstellung und Interpretation der gesammelten Fakten, die er anders, als die meisten Historiker, gewichtet und so zu einer sicherlich richtigeren Schlussfolgerung gelangt. (Wenngleich die üblichen Konklusionen auch nicht notwendig falsch sein mögen; es gibt eben in diesen Dingen höchst selten ein "eindeutig" Richtig oder Falsch; auch keine Graubereiche --- allein farbige Übergänge - gespeist aus den mannigfaltigsten geistigen und charakterlichen Anlagen, Fähigkeiten, Möglichkeiten und Mangelerscheinungen einzelner Menschen und Interessengruppen -, die meist nach Temperament, Erfahrungshintergrund, Gunst und Interessenlagen gesichtet und gewichtet werden mögen.) - Der Redlichkeit auf der Suche nach einer solchen Wahrheit in diesem äusserst lesenswerten Buch von Clark, ist sicherlich das höchste Lob zu zollen! Mehr kann man nicht wollen, mehr nicht erreichen oder verlangen. Denn die Wahrheit ist in erster Linie ein philosophisches Geschäft, und in letzter Instanz ein metaphysisches. Clarks Buch regt sehr zum Denken an: über die Grösse und die Abgründe einzelner Menschen sowie der Menschheit insgesamt. Ich kann es mit Nachdruck empfehlen als EIN Buch einer MÖGLICHEN Wahrheit - hier den 1. Weltkrieg betreffend.


Des Bankers neue Kleider: Was bei Banken wirklich schief läuft und was sich ändern muss
Des Bankers neue Kleider: Was bei Banken wirklich schief läuft und was sich ändern muss
von Martin Hellwig
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gegen Volksverdummung!, 23. Februar 2014
Ein aufschlussreiches und wichtiges Buch wider die allgemeine Volksverdummung, das jeder mündige, intelligente und aufgeklärte Bürger gelesen haben sollte! Punktum.


Die Welt des Heiligen: Über die Wurzeln unserer Kultur
Die Welt des Heiligen: Über die Wurzeln unserer Kultur
von Leo Maria Giani
  Broschiert

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine erstklassige Einführung und unerschöpfliche Quelle, die Lust auf mehr macht!, 16. September 2012
Der Autor und Religionswissenschaftler, Leo Maria Giani, greift die Phänomene des Ewigen auf, welche sich in den mannigfaltigen Erscheinungsformen einer vergänglichen Welt offenbaren, die der Mensch mit dem Heiligen identifiziert. Es sind dies die Urformen, welche allen Religionen der Welt innewohnen, aus denen alle Kultur erwächst und überhaupt die Grundlagen des Menschseins, ja des Lebens im Gesamten bilden. Giani verwendet den Begriff des Heiligen für das Verbindende aller Religionen. Sehr plastisch, packend und in einfacher, verständlicher Sprache geht er auf die wesentlichen Aspekte ein; - diese Bausteine bringt er dem interessierten Laien in leichtfüßiger und unterhaltsamer Weise nahe, weswegen das Buch jedem empfohlen werden kann, der sich für den ursprünglichen Kern der Dinge interessiert, aber vor einer akademischen Darstellungsweise zurückschreckt.

Letztlich geht alles auf eine gemeinsame Wurzel zurück, auf die der Autor in ausgewählten Kapiteln hinführt. Dieser Wurzelgrund bildet die naturgegebene Basis unserer heutigen Welt, wenngleich wir weitestgehend den Kontakt dazu verloren haben oder, in Um- und Verformung der Zusammenhänge, das Dahinterstehende, das Mysterium nurmehr erahnen können. An diese Quellen des Ewigen (oder Heiligen) führt der kundige Autor den Suchenden und Ahnenden wieder heran.

Aus den tiefen Sinnfragen des Menschen nach den Geheimnissen des Lebens und des Todes, dem 'Woher-komme-ich' und 'Wohin-gehe-ich', entstanden im Laufe der Geschichte Sagen, Mythen, Religionen mit ihren verschiedenen Ritualen, Gewohnheiten und Bräuchen, welche die Urgründe des Heiligen in je eigener Weise verstanden und ausdeuteten. Giani erklärt einige Entwicklungen von den Natur-Religionen bis zu den gegenwärtigen monotheistischen, weltbeherrschenden Glaubensgemeinschaften - Judentum, Christentum, Islam -; er zeigt Mißverständnisse und Verlaufsformen auf und stellt in thematischen Kapiteln unerkannte Zusammenhänge her (etwa in den Abhandlungen zu Opfermythen und -riten, Priester- und Schamanentum, Mythos, Kosmos und Chaos etc.). So geht beispielsweise in den antiken polytheistischen Anschauungen die Welt der Erscheinungsformen stets aus einer Dreiheit hervor: Himmel, Erde, Unterwelt (oder Geist, Seele, Körper), mit einer himmlisch-hellen und chthonischen = dunklen, unterirdischen Sphäre als sich ergänzende, zugleich entgegenstehende Pole eines urtümlichen Dualismus: Sein-Nichtsein, Licht-Dunkel, Kosmos-Chaos, Ordnung-Unordnung, vergleichbar dem asiatischen Yin und Yang, und dem diese Pole verbindenden Element. (These - Antithese - Synthese als Grundlage menschlicher Erkenntnis.) Gerade die Beschäftigung mit dem Tod bzw. der chthonisch-weiblichen "Ursprungsmächtigkeit" hat zu den unterschiedlichsten Strategien in der Religionsgeschichte geführt, was etwa im orthodox-katholischen Glauben in der Diffamierung des Weiblichen an sich mündete, welches für unrein, ja dämonisch erklärt wurde - in Verkennung, ja Mißbilligung der wahren Zusammenhänge. All dies - und noch viel mehr - beschreibt der Autor äußerst transparent, profund und in allgemein leicht verständlichen, bildhaften Worten.

Aus mancherlei Blickwinkeln also greift der Autor auf diese Ursprünge zurück und vermittelt eine detaillierte Vorstellung von der Entwicklung des religiösen Zugangs in der Menschheitsgeschichte seit ihren Anfängen bis heute. Dies in einem großen, äußerst informativen und lehrreichen Bogen. Das Buch regt an, auf den "Spuren des Heiligen" weiterzuforschen. Es beflügelt die Phantasie, weil man während des Lesens diesen unmittelbaren Zugang zum Heiligen an sich selber verspüren kann!

Strenggenommen gibt es nur das Heilige in seinen zwei grundsätzlich dualen Ausformungen (Giani nennt es das reine bzw. unreine Heilige, die himmlischen bzw. chthonischen Kräfte, Kosmos und Chaos usw.); doch in unserer säkularisierten Zeit vermögen wir dies nicht mehr richtig zu erkennen, geschweige denn einzuordnen. Wir irren wie Blinde umher, bestenfalls noch um die Dinge ahnend. - Das Buch ist in ausgesprochener Weise für den Laien geeignet: Es ist eine wahre Fundgrube und macht Lust auf mehr! Es schürft an der Oberfläche und läßt die Tiefen erblicken; es fesselt und fasziniert, weswegen es einen nicht mehr losläßt. Einmal angefangen zu lesen, möchte man es nicht mehr weglegen.

Wichtige, weiterführende Literaturhinweise sind am Ende des Buches angeführt und kurz beschreibend dargestellt.

Die Rezension bezieht sich auf die Neuausgabe im Jahre 2011, erschienen in der Edition fabrica libri. Einige nützliche, hilfreiche und ergänzende Pressestimmen bei Ersterscheinung des Buches im Jahre 1997 findet man auf [...] (Ebenso sind unter der entsprechenden Rubrik Lesebeispiele aus "Die Welt des Heiligen" aufgeführt.)


Auf der Suche nach dem Stein der Weisen: Die Geschichte der Alchemie
Auf der Suche nach dem Stein der Weisen: Die Geschichte der Alchemie
von Hans-Werner Schütt
  Gebundene Ausgabe

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reale Mystik - transzendente Rationalität!, 10. Januar 2012
Das Buch von Hans-Werner Schütt ist anspruchsvoll und doch leicht lesbar. Durch seine Ausführungen wird das Mystische real und das Rationale transzendent, wenn man es in einer Formel zusammenfassen möchte. Weder das eine noch das andere hat im Endeffekt Vorrang, sondern es ergänzt sich, ja beides gewinnt dadurch. Das Rationale gewinnt an Sinn, das Mystische an Faßbarkeit, wobei sich die Aspekte gegenseitig befruchten. In Schütts Buch bleibt kein Raum für abgehobene Phantastereien (Schütt ist Chemiker und Professor für Geschichte und exakte Wissenschaften); auf der anderen Seite wird das reine Verstandesdenken darüber belehrt, daß es Dinge jenseits unserer Schulweisheit gibt, die nicht mit den vorgegebenen Kategorien einzufangen sind, weil sie eben darüber hinausgehen. Ein, meiner Meinung nach, faszinierendes Buch, das ich unbedingt jedem empfehlen kann, der sich mit Alchemie oder überhaupt mit den tieferen Dingen des Lebens beschäftigen möchte und genug hat von Oberflächlichkeiten, dieser vergehenden Gischt des ewigen Urozeans.


Das Glück der Tiere: Einspruch gegen die Evolutionstheorie
Das Glück der Tiere: Einspruch gegen die Evolutionstheorie
von Burkhard Müller
  Taschenbuch

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Durchaus anregend und geistreich!, 7. Dezember 2011
Ich staune: Alle Rezensenten - bis auf denjenigen vom 15.8.01, welcher, berechtigt, Müllers Konzept kritisiert, allerdings die Hauptsache ausläßt -, die hier Burkhard Müller bloß einen Stern verliehen haben, gehen gar nicht wirklich auf dessen Kritikpunkte ein - können sie nicht oder wollen sie nicht? Nur weil einem der Gedankengang vielleicht nicht in den Kram paßt, geht es kaum an, aufgrund lediglich dogmatischer Versteiftheit oder mangelnder Geistestätigkeit etwas abzulehnen, was man vorher nicht selbst einer seriösen Kritik unterzogen hat. Müller vorzuwerfen, dass er als Lateiner und Geisteswissenschaftler wage, sich mit der Evolutionstheorie auseinanderzusetzten, zeugt, gelinde gesagt, eher von Anmaßung sowie einem vermutlich eingeschränkten Denk- und Vorstellungsvermögen und wäre allein dann gerechtfertigt, wenn das Buch von einem debilen und / oder unehrlichen Menschen stammte. Vorwurf und Argument verweisen auf die Arroganz einer gewissen Clique. - Nochmals: Sofern mit klaren, nachvollziehbaren und plausiblen Argumenten gefochten würde, welche sauber die Ablehnung begründeten, hätte ich nichts dagegen, wenn die Rezensenten hier lediglich einen Stern geben wollten. Doch was ich hier lese, ist reine, geifernde Polemik. Ich würde die vernichtenden Abkanzelungen verstehen, sofern sie wirklich profund auf die berechtigten Ausführungen des Kritikers eingegangen wären (denn das ist ja der klar ausgewiesene Anspruch des Buches - nicht mehr, aber auch nicht weniger). Die Aufgabe eines Kritikers ist es schließlich, an Punkten zu rühren, die anderen entweder nicht aufgefallen sind, unterschlagen oder kaschiert wurden: d.h. seine Domäne ist das Infragestellen und Hinterfragen von unter anderem als unverrückbar und sicher hingestellten Sachverhalten. Diese Aufgabe ist Burkhard Müller mit Bestimmtheit und Bravour gelungen - und das weitgehend in origineller Weise, wie ich finde.

Nun - es ist schon so, dass ich mich längst nicht mit allem einverstanden erklären kann, was Burkhard Müller ausführt und dass einige seiner Ansatzpunkte durchaus umgekehrt ebenso harsch zu kritisieren wären. Aber darum geht es doch gar nicht! Sein gedankenreiches Buch regt sehr zum Selber-, Mit- und Querdenken an - und darin sehe ich seinen ausgezeichneten Wert! Einfach allen Stumpfsinn, der einem von Kirche, Staat und Wissenschaften vorgekäut wird, nachzukäuen, verweist nicht gerade auf einen eigenständigen, fähigen Denker. Aber vielleicht ja auf einen 'aufgeklärten' Zeitgenossen unserer Breitengrade. Einen Ja- und Amen-Sager. Zudem hat Müller die wirklichen Widersprüche klar ausgeführt (auch wenn dies einige Rezensenten offenbar nicht begriffen oder aus einer vorgefaßten Meinung heraus, wie ich vermute, einfach überlesen oder verdrängt haben mögen). Über seine Sprache kann man sich mokieren - mir gefällt sie; sie ist bildhaft und hat durchaus Saft, Kraft und ihren eigenen Humor. Sicherlich nicht jedermanns Sache, gewiß. Aber muss man sich denn immer ausdrücken, wie die vorgeschützte Frigidität in Ministrantenkleidern?

Ich hätte dem Buch zwar keine fünf Sterne gegeben, wenn nicht so viele Einsen (oder Nullen?) das an sich gute Werk derart diskreditierten. Aber ich halte das Buch für zu wertvoll: den Verriss hat es nicht verdient und der Disput sollte nicht blindlings unter den Teppich gekehrt werden. Aus mehreren Gründen: 1) Es greift in der Tat einige erkleckliche Schwachpunkte der modernen Evolutionstheorie auf und stellt wesentliche, kritische Fragen, bei deren Beantwortung das reduktionistische Wissenschaftsbild mehr als nur in Erklärungsnöte gerät / 2) Die teils originellen Gedanken Müllers regen zu eigenem Denken und Untersuchungen an - wer sagt denn, dass die mitunter dogmatisch auftretenden Wissenschaften ein Monopol auf das Denken hätten: ein Wissenschaftler, der fähig ist, weicht den wichtigen Fragen der Menschen nie aus; nur eingefleischte Dogmatiker werfen dem Fragenden und Suchenden Steine hin, anstelle ihm nährendes Brot darzureichen / 3) Müller hat das Herz auf dem rechten Fleck, was nicht ganz unwichtig ist: Es ist der Garant dafür, die Dinge in einem unverkrampften Verhältnis zu sehen (was allerdings von den Dogmatikern als 'nicht-wissenschaftlich' abgestempelt wird und bestens dazu eignet, sich feige hinter Floskeln und Konventionen zu verstecken, um den wahrlich wichtigen Fragen des Lebens auszuweichen).

Wie gesagt: Ich sehe vieles anders. Doch den Kern der Müllerschen Kritik möchte ich mit Nachdruck unterstützen, wenngleich meine Lösungsansätze anderer Natur sind und hier nicht wundernehmen. - Dennoch eine kleine Kritik am Kritiker Müller: Er hat meiner Meinung nach die Begriffe 'Individuum' und 'Leben' viel zu eng gefaßt; das von ihm bezeichnete 'Böse' sehe ich gänzlich anders - man kann zwar legitim an diese Schlußfolgerungen geraten, aber ich würde die Begrifflichkeiten anders umreißen und in einen anderen Kontext, in ein wesentlich anderes Konzept fügen; seine Folgerungen entstammen eigentlich aus seinen beiden widerstrebenden Prinzipien: Individuum versus 'Das Leben' (wie er es behelfsmäßig genau so bezeichnet). Dieser Widerspruch wäre - bedingt - zu lösen, wenn man darin die Rückseite einer Medaille sähe, eine Art Januskopf: quasi einen nicht-monistischen Monismus. Müller konstruiert in der Tat daraus, wie obiger Rezensent richtig bemerkte, einen weiteren Dualismus und gerät dadurch in neuerliche, anderweitige Verstrickungen. - Nur: Das liegt in der Natur der Sache selbst, der man als Mensch nicht entrinnen kann! (Stichwort: Gödelsche Unvollständigkeitssätze - ganz salopp-flapsig und gewollt-überspitzt formuliert, kann man diese soweit vereinfachen und sagen: Der Logiker Gödel hat mit den Instrumenten der Logik diese selber einer logischen Untersuchung unterzogen und bewiesen, dass die Logik logischerweise unlogisch ist! Das ist letztlich, versachlicht und ein wenig metaphysisch gesprochen, das 'Grundproblem' der Existenz an sich: es ist die undurchdringbare Durchdringung des Ewigen im Endlichen et vice versa etc.)

Ich möchte diese Rezension mit einigen versöhnlichen Gedanken aus den im Nachlass gefundenen Aufzeichnungen des genialen schottischen Physikers, dem Begründer der Elektrodynamik, James Clerk Maxwell (1831 - 1879), schließen:

"Wer in Freude und Unabhängigkeit leben will, muß sich stets die Arbeit des Tages vor Augen halten. Nicht die Arbeit von gestern, sonst gerät er letztlich in Hoffnungslosigkeit, nicht diejenige von morgen, sonst gerät er in Gefahr, nur für seine Visionen zu leben, nicht diejenige, die sich heute abschließen läßt, das ist eine irdische Arbeit, und schon gar nicht diejenige, die bis in die Ewigkeit reicht, denn im Hinblick auf sie kann er überhaupt nicht mehr handeln. Glücklich ist der Mensch, der in der Arbeit des Heute den Anteil erkennen kann, den diese an der Arbeit des Lebens hat, und eine Inkarnation der Arbeit der Ewigkeit. Seine Zuversicht hat unauflösliche Grundlagen, weil er damit begonnen hat, an der Unendlichkeit Anteil zu nehmen. Er erledigt unablässig Tag für Tag seine Aufgaben, denn das ihm Gegenwärtige ist ihm angemessen. Auf diese Weise muß der Mensch eine Personifikation des göttlichen Prozesses der Natur sein und auf klare Weise die Einheit des Unendlichen mit dem Endlichen zeigen: nicht indem er seine zeitliche Existenz unterdrückt, sondern indem er sich vergegenwärtigt, dass nur in ihr die individuelle Handlung möglich ist, nicht indem er aus seinem Leben das Ewige ausschließt, sondern im Wissen darüber, dass die Zeit ein Geheimnis ist, das der Mensch nicht zu betrachten erträgt bis zu dem Moment, in dem die ewige Wahrheit ihn erleuchtet."

- Vielleicht verhilft dem einen oder anderen das Buch Müllers zur individuellen Erleuchtung. Alles Echte und von Grund auf wahrhaft Erarbeitete kann stets dazu beitragen, selbst dann, wenn alle Dogmatiker und sonstigen Holzköpfe auf Erden dies verneinten.

(P.S.: Ich beziehe mich in dieser Rezension auf die im Jahre 2009 bei Fabrica libri erschienene, veränderte Neuausgabe mit ihren Nachträgen aus dem Jahre 2008.)


Mein Leben gehört mir: Geschichte einer Befreiung
Mein Leben gehört mir: Geschichte einer Befreiung
von Anna Palinski
  Broschiert
Preis: EUR 14,80

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Konsequenter Überraschungserfolg!, 19. November 2011
Überraschend ist der Erfolg dieses Buches - und man mag es der Autorin von Herzen gönnen! Den Reiz macht die Authentizität, das Echte an der Geschichte aus. Die Geschichte selbst ist - leider Gottes! - eine Alltagsgeschichte, wie sie viele Frauen (und Kinder) tausendfach durchleiden müssen. Aber ich vermute, dass Anna Palinski gerade damit den Nerv getroffen hat: Sie spricht für die Allzuvielen und gibt ihnen ein Gesicht. Das ist mutig und lobenswert!
Ich neige dazu, Bücher nach ihrer 'inneren Logik' und ihrem gewollten (oder zuweilen auch ungewollten) Ziel zu beurteilen. Ziel hier ist es, eine wahre Geschichte zu erzählen, die berührt; Ziel mag es zudem sein, mit der Vergangenheit abzuschließen und - wie es heißt - "Frauen in ausweglos erscheinender Situation Mut" zu machen. Ich denke, dieses Ziel dürfte, soweit als möglich, erreicht worden sein.

Jede Kritik außerhalb dieses Rahmens ist alleine Geschmackssache und berührt den Inhalt in keiner Weise! - Ich hätte mir gerne gewünscht, eine erweiterte Innenansicht zu erhalten: Was ging im Inneren der Personen, vor allem der Protagonistin, vor - warum handelte(n) sie so und nicht anders etc.? Pieter weist pathologische Züge auf, die meiner Meinung zu verharmlosend dargestellt werden. Warum immer noch diese Rücksichtnahme im Buch: aus Liebe, aus Angst - aus einem anderen Grund, der nicht klar hervor geht und über den man nur mutmaßen kann!? Doch eine tiefergreifendere Auslegung darf und kann man von der Autorin nicht fordern - denn vielleicht ginge das zu weit und wäre unfair: sie mag ihre Gründe haben, die zu respektieren sind. Zuletzt ist die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird, sehr burschikos gehalten. Womit nichts Negatives gesagt sein soll, sondern lediglich als ein Faktum festgehalten wird. Wahrscheinlich, darf man sagen: zum Glück! Denn es beweist, dass es Anna Palinski geschafft hat! Das Burschikose bricht der Geschichte die tödlich-giftige Spitze, nimmt ihr die Tragik - allerdings ebenauch die Tiefe; es verleiht ihr etwas Oberflächliches. Aber nochmals: zum Glück ist es so. Und das mag mit vielen Faktoren zusammenhängen, die uns hier nichts anzugehen haben - und über die man sich seine eigenen Gedanken machen kann. Wesentlich ist meiner Meinung nach nur, dass das Ziel angestrebt wurde und das Buch zustande kam.

Kurzum: Was meine Sympathie gegenüber der Autorin sowie das verfolgte (und wohl erreichte) Ziel betrifft, gebe ich gerne die fünf Sterne. Was die Tiefe anlangt - und damit zusammenhängend das ziemlich abrupte Ende und weitere offene Fragen, die unerklärt bleiben -, gäbe ich drei Sterne. Aber das wäre zu streng, denn irgendwo passt hier das burschikose Element halt doch. Man spürt es: und Wirkung und Echtheit gehen hier vor!


Störfall im Sozialamt: Die Geschichte von Margit Zopfi und Esther Wyler
Störfall im Sozialamt: Die Geschichte von Margit Zopfi und Esther Wyler
von Alex Baur
  Taschenbuch
Preis: EUR 24,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt empfehlenswert!, 17. Oktober 2011
Ein wichtiges Buch! Es ist jedem ans Herz zu legen, der sich für gesellschaftliche Fragen interessiert. Alex Baur fördert stets von neuem knallhart recherchierte, in ihren Fundamenten festgefügte Reportagen zu Tage, die aufschlussreich im wahrsten Sinne des Wortes sind. Wie in der Geologie schliessen sie verborgene Schichten auf, die vordem den Sinnen - und somit der Erkenntnis - unzugänglich waren. - Mit Margrit Zopfi und Esther Wyler sowie der zähen Unterstützung von Alex Baur (und anderen), wurde ein verwerflicher Skandal aufgedeckt --- der, so darf man gewiss sein, leider seinesgleichen nicht lange würde vermissen lassen. Doch das mächtige, verquaste System schützt sich selbst: Und nur dank des grossartigen und vorbildlichen Mutes der beiden Frauen sowie des hartnäckigen Engagements eines fähigen Journalisten, der keine halben Sachen macht (und inklusive wohl etwas Glück), wurde für einmal eine Goldader aufgespürt und aufgeschlossen. Eine Goldader degenerierter Zustände, von denen sich hauptsächlich Schmarotzer nähren können. - Das Buch gibt zu denken: deshalb ist es zu empfehlen!


Initiatenorden und Mysterienschulen Bd.1 : Das geschichtliche Erbe: Ein Führer für Suchende auf den Erkenntniswegen des Westens
Initiatenorden und Mysterienschulen Bd.1 : Das geschichtliche Erbe: Ein Führer für Suchende auf den Erkenntniswegen des Westens
von Lothar Diehl
  Broschiert
Preis: EUR 19,50

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein erstklassiger Leitfaden!, 6. Juni 2011
Dieser zweibändige Leitfaden und Führer - der diesen Namen auch redlich verdient - sei jedem Suchenden 'auf dem Erkenntnisweg des Westens' wärmstens ans Herz gelegt. Mit Bravour und profunder Sachkenntnis verschafft Lothar Diehl dem suchenden Anfänger einen wichtigen ersten Ein- und Überblick in die verschiedenen Denkschulen, Vereinigungen, Zirkel, Orden und Bruderschaften, womit sich eine zumeist höchst kraft- und zeitintensive, ja oft nervenraubende Expedition durch den Dschungel esoterischen Wissensgutes erübrigen kann - oder sie wenigstens um einen Gutteil abzukürzen vermag. Im ersten Band wird in knapp gegossener Form das geschichtliche Erbe nahegebracht: beginnend mit der menschlichen Erkenntnissuche in grauer Vorzeit, den Mysterienbünden der antiken Welt, über die Urkirche und das Mittelalter (Templer) bis hin zur Neuzeit und Gegenwart. Es ist dies ein kompakt-erfrischender, historischer Abriss, welcher auf das Hauptthema passgenau zugeschnitten und mit Gewinn selbst für den allein geschichtlich Interessierten zu lesen ist. Der zweite Band vermittelt eine kernige Zusammenstellung der im deutschen Sprachgebiet (Deutschland, Österreich, Schweiz) tätigen, verschiedenartigen Organisationen. Man erfährt viel Wissenswertes und Spezifisches u.a. über die Rosenkreuzer, Freimaurer, Kabbalisten, Pythagoreer, Martinisten, Anthroposophen und Theosophen, um die Wichtigsten zu nennen. Damit lädt der Leitfaden auch ein, bei Interesse weitere tieferschürfende Recherchen zu unternehmen, wozu mit dem Literaturverzeichnis und den vielen Fussnoten genügend Anregungen gegeben werden. - Im deutschen Sprachraum ist es das meines Wissens einzig derartige, instruierende Werk.


Splendor solis: das Purpurbad der Seele - zweiundzwanzig Pforten der initiatischen Alchemie
Splendor solis: das Purpurbad der Seele - zweiundzwanzig Pforten der initiatischen Alchemie
von Gabriele Quinque
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 42,00

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbares Erleben!, 8. Mai 2011
Wichtiges wurde bereits von den beiden vorigen Rezensenten (D. Irtenkauf und 'Robert') gesagt, dem ich gerne beipflichte; wobei das Pathos Geschmackssache ist - meiner Meinung nach passt es hier bzw. stört zumindest nicht. Ich ziele auf etwas anderes. C.G. Jung schreibt in seinem Mysterium Coniunctionis (Bd. 14/2 des Gesamtwerkes, S. 325): "Die Ergriffenheit, die mit der Lebendigkeit einer archetypischen Idee stets Hand in Hand geht, vermittelt selbst dann, wenn nur ein Minimum rationaler Erkenntnis vorhanden ist, ein ahnungsweises Ganzheitserlebnis, welchem eine nachträgliche differenzierte Erkenntnis nichts Wesentliches mehr beifügen kann, wenigstens nicht in Hinsicht der Totalität des Erlebnisses. ... Das Erlebnis ist das Wesentliche, nicht aber dessen intellektuelle Veranschaulichung und Verdeutlichung, welche sich ja nur dort als sinn- und hilfreich erweist, wo der Zugang zur Urerfahrung verschüttet ist." Kurz - der Zugang zum wertvollen Inhalt dieses Buches eröffnet sich erst durch das innere Erleben! Wer mit Vorbedingungen des Intellektes an es herantritt, wird kaum grossen Gewinn finden; wer aber den Zugang in der seelischen Dimension sucht, ist sicherlich richtig beraten. Dabei wird das innere, das geistige Schauen angeregt, und mit einiger Übung stellt sich eine ganzheitliche Betrachtungsweise der geschauten Symbole ein, was mit einer Bewusstseinsverlagerung einhergeht. Dieses Buch kann ein wunderbarer Einstieg dazu sein. Denn die Symbole der Tafelbilder (und die mitunter schon fast poetisch anmutenden begleitenden Erklärungen der Autorin, die man sich visualisieren sollte) können eine Brücke bilden zwischen dem Ich und dem höheren Selbst, zwischen den Bereichen der fünf Sinne sowie dem mit diesen nicht mehr Erfassbaren: der reinen göttlichen Idee, die jeder darstellt. Das Buch vermag ein Spiegel dem eigenen wahren Ich zu sein - sofern man sich dadurch inspirieren lassen kann und will, was allerdings nicht jedes Menschen Sache ist. (Bekanntlich führen viele Wege nach Rom!) Zumindest aber können die Tafelbilder und Texte der Autorin einen Pfad aus einer materiellen Begrenztheit weisen, welcher einen geistigen Freiraum aufleuchten lässt. Inwieweit man diesen Pfad gehen mag, liegt im Vermögen und in der Absicht des Einzelnen. - Die Tafeln eignen sich auch zur individuell ausgerichteten Meditation.

Als wundervolle, ja perfekte (intellektuelle) Ergänzung zu Gabriele Quinques 'Splendor Solis' sähe ich das anspruchsvolle und doch leicht lesbare Buch von Hans-Werner Schütt 'Auf der Suche nach dem Stein der Weisen - Die Geschichte der Alchemie'. Beide zusammen bilden das Yin und Yang der chinesischen Weisheit.


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