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Rezensionen verfasst von
Hirilvorgul

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Die Burg der Könige: Historischer Roman
Die Burg der Könige: Historischer Roman
von Oliver Pötzsch
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Von Zorn und Gerechtigkeit, 12. April 2014
„Sie haben Zorn mit Gerechtigkeit verwechselt.“ von Pater Tristan beschreibt recht genau, was um 1524 in den deutschen Landen geschah. Hungernde, verzweifelte Bauern, die von den Fürsten immer weiter ausgepresst wurden, erhoben sich in ihrem gerechten Zorn gegen die Obrigkeit. Aber in diesem anfangs gerechten Zorn brachen sich der Hass und die Wut über die Ungerechtigkeit der Welt Bahn und so wurde ein Morden und Brandschatzen daraus. Hinzu kamen zwielichtige Anführer, die von Gier und Ehrgeiz getrieben waren und somit dem verpönten Adel in ihren Machenschaften zur Machtsicherung in nichts nachstanden.

Soweit die Lage der Dinge zur Handlungszeit des Romans. Im Süddeutschen beginnen die Aufstände, die später als der Deutsche Bauernkrieg in die Geschichte eingehen werden. Auf Trifels lebt der verarmte Ritter Philipp Schlücherter von Erfenstein als Burgvoigt gemeinsam mit seiner Tochter Agnes und einigen wenigen Getreuen. Einst Reichsburg und Machtzentrum des deutschen Reiches, ist die Burg nun eigentlich in der Bedeutungslosigkeit versunken. Von der einstigen Pracht künden nur noch Geschichten und Gerüchte um den hier versteckten Normannenschatz. Erfenstein kann selbst seine Abgaben nicht zahlen, kann und will seinen Bauern nicht noch mehr abpressen und obendrein machen ihm Raubritter das Leben schwer. Seine Tochter Agnes – ohne Mutter aufgewachsen – ist eine selbstbewusste und so gar nicht damenhafte junge Frau, die lieber in Beinlingen mit ihrem Falken jagen geht, als sich in höfischem Benehmen zu üben. Das Gesinde ist ihr zugetan und Mathis, der Sohn des Schmieds, ist schon mehr als ein Spielgefährte für Agnes.
Dieser Mathis interessiert sich brennend für Feuerwaffen, was seinem Vater ein Dorn im Auge ist, denn er empfindet die Feuerrohre als unritterlich. Genauso sieht es der Voigt, der noch ein echter Ritter vom alten Schlag ist. So „muss“ der Junge seine Schießübungen im Wald machen. Eine dieser Übungen endet damit, dass er Agnes‘ Falken verjagt, Raubritter auf sich und Agnes aufmerksam macht und so das Unheil ins Rollen bringt. In seiner Not erschießt er einen der Männer und schafft den Trifelsern somit einen unerbittlichen Feind.
Einige Tage später kehrt der Falke zurück und trägt einen goldenen Ring an der Klaue, der das Bildnis Barbarossas zeigt. Kaum im Besitz des Ringes, suchen Agnes unheimliche und verwirrende Träume heim. Pater Tristan versucht sie als Hirngespinste abzutun, aber Agnes spürt, dass er etwas vor ihr verbirgt. Während dessen gehen unheimliche Dinge in Annweiler und rund um den Trifels vor sich. Ein Mohr treibt sein Unwesen und stellt viele Fragen, Menschen verschwinden oder werden ermordet und am Berg unterhalb der Burg tauchen nachts Lichter auf.

Zur gleichen Zeit lauschen viele der armen Bauern und auch das Gesinde den Worten des Schäfer-Jockel, der ihnen die Ungerechtigkeit der Welt vor Augen hält: die Pfaffen, die sich den Wanst vollstopfen, die Ritter, die Willkür walten lassen und der Kaiser, der kein Ohr für seine Untertanen hat. Auch Mathis ist von seinen Worten fasziniert und als eines Tages der Versammlungsort verraten wird, verhilft er dem Jockel zur Flucht und ist nun selbst als Aufwiegler gesucht.

Von nun an überschlagen sich die Ereignisse. Schlachten werden geschlagen, Büdnisse geschlossen, Ehen vermittelt und das geregelte Leben der Bewohner von Burg Trifels und des Umlands hat ein Ende. Auf der Suche nach dem Geheimnis des Rings und ihrer Träume gerät Agnes mitten in die Wirren des Krieges und muss vieles erdulden, bis sie endlich die Wahrheit erfährt. Aber auch dann ist die Gefahr noch nicht vorbei - im Gegenteil: nun schwebt sie erst recht in Lebensgefahr und die Zahl derer, die ihr wohlgesonnen und noch am Leben sind, wird immer kleiner…

MEINE MEINUNG:
Schon mit den ersten Zeilen des Prologs hatte Pötzsch mich eingefangen. Er versteht es, Fragen aufzuwerfen, Spannung zu schaffen, Neugier zu wecken und auch die Lust, eigene Recherchen anzustellen , den Geheimnissen auf die Spur zu kommen und mehr über die handelnden Personen zu erfahren.
Er malt ein deutliches Bild der Zeit und des Elends, in dem die Bauern lebten. Als Leser kann man aus der heutigen Sicht oft gar nicht nachvollziehen, warum sich das Volk damals nicht viel früher erhoben hat. Die Verzweiflung und die Not sprechen aus jeder Zeile. Es fällt nicht schwer Sympathien zu verteilen. Pötzsch lässt einem die Figuren ans Herz wachsen oder sie wirklich verabscheuen. Aber sind alle das, was sie zu sein scheinen? Dass die Bösen in dieser Geschichte wirklich durch und durch fies sind, hat nichts mit Schwarz-Weiß-Malerei zu tun, sondern wirkt glaubwürdig. Macht korrumpiert und selten trat das so deutlich zu Tage, als in jener Zeit, zu der den Menschen noch der Glauben an eine gottgewollte Ordnung von Herrschenden und Untergebenen im Blut lag.

Agnes' und Mathis' Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit lässt den Leser mit ihnen durch die Wirren des Krieges taumeln, von einem Schauplatz zum nächsten reisen – selten auf bequeme Weise – und nebenher unheimlich viel lernen. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. Als Mathis dem Herrn von Berlichingen ausrichten lässt, der „Götz kann mich mal im…“ hat mir das ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert.

Gegen Ende der Geschehnisse hatte ich kurz das Empfinden, dass es nun wirklich genug Schicksalsschläge für Agnes gewesen wären, aber der Autor hat so viel Geschichte und Geschichten auf diesen 900 Seiten untergebracht, dass man darüber dann auch hinweg sehen kann.

Besonders gut gelungen sind auch das Nachwort, in dem Pötzsch deutlich macht, was historisch belegt ist und wo seine dichterische Freiheit begann. Er vermittelt (wie schon im ganzen Roman) seine Begeisterung für Burgen und ihre Geschichte und weckt im Leser den Wunsch, nicht nur mehr über die Schauplätze zu erfahren, sondern sie auch mit eigenen Augen zu sehen.

Von mir gibt es 5 Sterne für einen unterhaltsamen, spannenden und lehrreichen Roman, der Lust darauf macht, noch mehr über Personen und Schauplätze zu erfahren.

Fazit:
Eine spannende Geschichte aus düsteren Zeiten unterhaltsam und fesselnd dargeboten. Geschichtsunterricht vom Feinsten.


Teufelsgrinsen: Ein Fall für Anna Kronberg
Teufelsgrinsen: Ein Fall für Anna Kronberg
von Annelie Wendeberg
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Dies ist kein Sherlock-Holmes-Roman!, 12. April 2014
Weibliche Protagonisten, die in Männerkleidern die Welt erobern, sind eigentlich nicht so mein Fall. Da es sich hier aber um das viktorianische London, eine Ärztin und dann auch noch um das Umfeld von Sherlock Holmes handelt, hatte ich gleich 3 Gründe, eine Ausnahme zu machen. Einen Holmes-Roman zu schreiben, der sich mit Arthur Conan Doyles Werken messen kann, ist schon eine Herausforderung. Doch halt: es ist kein Sherlock-Holmes-Roman! Das muss sich der Leser immer wieder vor Augen führen, denn Holmes spielt hier zwar eine, aber nicht die herausragende Hauptrolle. Und deshalb hat sein Genius auch leider nicht so richtig Raum zur Entfaltung. Mit Anna Kronberg hat Annelie Wendeberg allerdings eine sehr interessante, widersprüchliche und teils verwirrende Darstellerin geschaffen. Mit einer Holmes scheinbar ebenbürtigen Beobachtungsgabe verblüfft Frau Dr. Kronberg nicht nur den Leser, sondern auch den Meister-Detektiv. Andererseits hat sie unter ihren zwei Leben doch zu leiden und fühlt sich innerlich zerrissen.
Ein paar Seiten lang hatte ich wirklich Angst, dass wir hier neben dem Fall auch eine Liebesgeschichte serviert bekämen, aber diese Angst war zum Glück unbegründet. An einen romantischen Holmes muss man sich als Leser ganz langsam gewöhnen. Wenn sie mit Fingerspitzengefühl erzählt wird, könnte ich mir aber durchaus vorstellen, dass es auch zu einer über Freundschaft hinausgehenden Beziehung des Ermittler-Duos geben könnte. Aus meiner Sicht muss das aber nicht sein.
Der Fall ist spannend, die Schauplätze überzeugend dargestellt, und die Personen authentisch. Die Dialoge sind noch ausbaufähig – aber dafür müsste wohl dem Meisterdetektiv etwas mehr Raum gegeben werden. Seine genialen Schlussfolgerungen und Beobachtungsgabe haben mir doch ein wenig gefehlt. Etwas unnötig fand ich am Ende den Hinweis auf Moriarty. Es hat aber viel Spaß gemacht, mal wieder einen soliden Krimi mit intelligenten Ermittlern und ohne Serienmörder und Psychopaten zu lesen.
Als Sherlock-Holmes-Roman wäre es sicher ein Flop, aber da Wendeberg ja einen Anna-Kronberg-Fall geschrieben hat, kann ich mich doch gut damit arrangieren und werde mit Sicherheit noch weitere Fälle von ihr verfolgen. Von mir gibt es 4 Sterne.
Abschließend sei noch der erwähnt, dass der Holmes von Wendeberg seinem Wesen nach dem Sherlock aus der BBC-Serie meiner Meinung nach näher ist als dem Original von Doyle, aber er ist auf jeden Fall ein würdiger Sherlock Holmes.

Fazit:
Ein unterhaltsamer Krimi um Doyles Meisterdetektiv, der Holmes nicht in der Hauptrolle sieht, aber unterhaltsam, spannend und auch ein bisschen lehrreich ist.


Ich und die Menschen: Roman
Ich und die Menschen: Roman
von Matt Haig
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

5.0 von 5 Sternen Von der Menschwerdung des Aliens, 12. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Ich und die Menschen: Roman (Broschiert)
Über den Inhalt muss man eigentlich nicht mehr wissen, als in der Kurzbeschreibung steht. Es sei nur gesagt, dass es sich hier – obwohl ein Außerirdischer die Hauptrolle spielt – nicht um einen Science-Fiction-Roman handelt.
Dies ist ein Buch über die Menschen und den Sinn unseres Daseins. Es ist eine wunderbar selbstironische und zutiefst berührende Liebeserklärung an uns unvollkommene und minder-intelligente Spezies, die mit sich und ihrer Umwelt so viele Probleme hat.
Matt Haig bringt seinen Leser zum Schmunzeln (stellenweise hat er mich auch zu schallendem Gelächter gebracht), zum Nachdenken und zu der Erkenntnis: eigentlich sind wir doch besser, als wir denken.
Seine Sichtweise durch die Augen eines Außerirdischen ermöglicht Haig, vieles zu hinterfragen, was uns Menschen selbstverständlich erscheint. Er hält uns einen Spiegel vor ohne ein einziges Mal belehrend zu wirken. Er kleidet große Gefühle in einfache Worte und erfreut den Leser mit Ironie und Wortwitz. Wer ein paar amüsante Lesestunden mit sich selbst verbringen möchte, der muss hier unbedingt zugreifen. Und alle, die Vorbehalte gegen die Mathematik an sich hegen, werden sich auf wunderbare Weise bestätigt sehen. ;-)
Von mir gibt es 4,5 Sterne und das Prädikat: sollte man lesen!

Fazit:
Ein Buch, das uns die Augen über uns selbst öffnet – wunderbar selbstironisch und herzerwärmend.


Herr: Die Schattenherren 3
Herr: Die Schattenherren 3
von Robert Corvus
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Potential verschenkt, 3. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Herr: Die Schattenherren 3 (Taschenbuch)
Dies ist nun der sehnlich erwartete letzte Teil der Schattenherren-Trilogie. Wie gewohnt beginnt Corvus mit Szenen voll Brutalität und Grausamkeit. Aber das ist nichts ja nichts neues und das erwarten die Leser seiner Bücher ja auch. Leider bietet dieser dritte Teil aber auch sonst eigentlich nichts Neues. Die Schatten sind grausam und intrigant, die Menschen, die ihnen dienen, voller Selbstaufgabe, einige wenige leisten noch Widerstand und alle leben in schrecklicher Furcht vor dem Schattenkönig.

Es ist ja schon interessant, die Wandlung Brens mitzuerleben. Wie er sich anfangs noch an seine Empfindungen für Kiretta klammert, aber dann doch immer mehr zu einem wahren Schattenherrn wird. Aber irgendwie fehlt diesem Abschlussband der Biss. Eine tragische Liebesgeschichte mit eingestreuten Folterszenen ist irgendwie nicht das, was ich mir erhofft hatte. Selbst die Begegnung Brens mit seiner Mutter birgt keinerlei Dramatik. Ein oder zwei Überraschungen hat Corvus gegen Ende zwar noch auf Lager, aber die können das Gefühl von Langeweile leider auch nicht mehr so ganz vertreiben. Wer Teil 1 und 2 gelesen hat, sollte diesen Band der Vollständigkeit halber schon lesen, aber seine Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Diese Story hätte mehr Potential gehabt. Mehr als gibt es von mir leider nicht. Der Schluss legt die Vermutung nahe, dass wir irgendwann doch wieder etwas von den Schattenherren lesen werden. Vielleicht gibt es dann neue Gegner und damit wieder etwas mehr Spannung.

Fazit:
Abschluss einer Trilogie, die richtig stark begonnen hatte, aber gegen Ende mangels neuer Ideen leider fast genauso stark nachlässt.


Der Hof
Der Hof
von Simon Beckett
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Krimi zum Genießen, 3. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Hof (Gebundene Ausgabe)
Von der ersten Seite an nimmt Simon Beckett seine Leser gefangen. Auch wenn man die Sorge und Angst des jungen Mannes auf der Flucht spüren kann, ist die Stimmung aber eher ruhig und beinahe schon träge – passend zum einem heißen Sommertag irgendwo in der französischen Provinz. Und diese Stimmung, gepaart mit einem unterschwelligen Gefühl von dunklen Geheimnissen, bleibt den ganzen Roman über erhalten. Dieses Buch ist kein Thriller im Sinne von Action, Blutrausch und Brutalität. Vielmehr ist es ein Krimi vom feinsten.
Wir erleben alles aus der Sicht von Sean, aber wir wissen nicht, wovor oder vor wem er auf der Flucht ist. Dieses Geheimnis lüftet sich erst nach und nach durch seine Rückblenden an die Zeit in London. Hautnah erleben wir dagegen die Erlebnisse auf diesem merkwürdigen einsamen Gehöft in Frankreich, das von seinem Besitzer beinahe in eine Festung verwandelt wurde und auf dem der alte Arnaud sich und seine Töchter von der Außenwelt abschottet. Wir machen uns Gedanken über die Gründe für die Feindschaft der Nachbarn, erleben die beiden so unterschiedlichen jungen Frauen und den herrischen Arnaud und fühlen mit Sean, der hin und her gerissen ist, zwischen der trügerischen Sicherheit hier auf dem abgeschiedenen Hof und seiner Furcht, doch von der Vergangenheit eingeholt zu werden.
Ganz allmählich lüften sich die Geheimnisse, manche Dinge scheinen vorhersehbar und sind am Ende dann eben doch nicht so, wie vermutet. Manche Wendung ist überraschend und beängstigend. Die Charaktere sind stimmig und durchweg glaubhaft in ihren Handlungen (auch wenn sich manche Motive erst nach und nach erschließen).

Beckett hat mit „Der Hof“ einen atmosphärischen Krimi geschrieben, der auf mich wie ein französischer Film aus den 70er Jahren gewirkt hat - wäre Sean nicht rothaarig, hätte er Alain Delons Gesicht für mich ;-) - und sich wohltuend von der derzeit üblichen Thrillerkost abhebt: unaufgeregt, aber geheimnisvoll, beinahe unblutig, aber voller menschlicher Abgründe. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und 4,5 Sterne (die man hier leider nicht anzeigen kann). Den kleinen Abzug verschuldet das ein wenig zu schnell erzählte Finale auf dem Arnaud-Gehöft.
Fazit:
Spannend, gefühlvoll, atmosphärisch und voller Geheimnisse – ein Krimi zum Genießen.


Nekropole
Nekropole
von Wolfgang Hohlbein
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Weniger wäre auch hier mehr, 30. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Nekropole (Gebundene Ausgabe)
Zum Inhalt:
Andrej und Abu Dun sind inzwischen in der ewigen Stadt angekommen und müssen nun hier das ewig Böse bekämpfen. Angeführt von Clemens , dem toten Papst (der auch der Alte vom Berg ist), misstrauisch beäugt von einem Trupp Assassinen und der Schweizer Garde, begeben sie sich auf den Spuren der geheimnisvollen Ayla in die Nekropole, um sich einer Armee von Untoten zu stellen und den Untergang der Menschheit zu verhindern.

Meine Meinung:
Hohlbein feiert 15 Jahre Chronik der Unsterblichen" mit Band 15. Ich wünsche mir zum Jubläum, dass er nun endlich einen Abschluss findet. Mich interessiert das Geheimnis von Andrej und Abu Dun ja schon, aber inzwischen haben die Episoden so wenig Inhalt und dafür so viele Wiederholungen, dass ich die Bücher inzwischen nur noch quer lese. Die wirkliche Story dieses 15. Romans hätte gut und gerne auf 100 Seiten Platz gefunden. Aber dann hätte Herr Hohlbein nicht immer wieder die gleichen Kampfszenen (an minimal unterschiedlichen Schauplätzen) unterbringen können und der gute Clemens hätte nicht gefühlte 10000 mal versprechen können, dass er das Geheimnis lüften würde, wenn die Zeit dafür reif sei.
Ich habe bisher immer versucht, noch etwas positives zu finden, aber in diesen Band wiederholen sich Szenen und Formulierungen so massiv, dass das Lesen einfach keinen Spaß mehr gemacht hat. Anfangs dachte ich, ich hätte aus Versehen zurückgeblättert und würde die gleiche Stelle nochmal lesen...
Hinzu kommt noch, dass Andrej diesmal einer weiblichen Schönheit (die sie eigentlich gar nicht ist) verfallen ist und eine Lehrstunde zum Thema Liebe macht blind" abliefert, was unheimlich nervig ist.

Lange Rede kurzer Sinn: Der Chronik - bzw. ihrem Schöpfer - geht inzwischen arg die Luft aus und selbst eingefleischte Fans dürften allmählich die Geduld verlieren. Was vor 15 Jahren wirklich spannend begonnen hat, wurde leider nicht zum Dauerbrenner, sondern dauert inzwischen nur noch lange. Von mir gibt es 2 Sternchen - davon 1 für die wieder sehr gelungene Cover-Gestaltung. Sie sorgt dafür, dass die Chronik zumindest ein Blickfang im Regal ist.

Fazit: Dass weniger manchmal mehr ist, ist eigentlich kein Geheimnis. Ich hoffe, dass die Erkenntnis nun auch bald bei Herrn Hohlbein ankommt.


Knecht: Die Schattenherren
Knecht: Die Schattenherren
von Robert Corvus
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Der Schattenkönig ist kein Gott. Er ist der Mörder der Götter.", 21. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Knecht: Die Schattenherren (Taschenbuch)
ch hatte mich sehr auf diesen zweiten Band gefreut und war gespannt, ob Corvus diese wunderbar düstere Atmosphäre aus "Feind" aufrecht erhalten kann. Um es gleich vorauszuschicken: ich wurde nicht enttäuscht.
Auch wenn viel Zeit zwischen der Handlung von Band 1 und diesem Buch liegt, fügt sie sich irgendwie doch nahtlos an. Corvus geht dabei auch gar nicht zimperlich vor, sondern wirft den Leser direkt in ein übles Gemetzel. Somit ist man sofort wieder von der dunklen Faszination gefangen, die von Corvus‘ Welt und von den Schattenherren ausgeht. Sie sind düster und grausam, aber sie haben eine Ausstrahlung, die ihnen nicht nur die Loyalität ihrer Untertanen sichert, sondern auch den Leser in den Bann zieht. Vielleicht sind es aber auch die teilweise doch so menschlichen Eigenheiten, die ihnen trotz aller Unsterblichkeit geblieben sind. Natürlich sind es nicht die guten Eigenschaften der Menschen, die sie sich bewahrt haben, sondern ehern Neid, Missgunst, Eifersucht und Machtgier.

In diesem 2. Band der Trilogie zeigt Corvus deutlicher, wie unterschiedlich die Osadroi sein können. Sowohl menschlichen als auch nichtmenschlichen Hauptfiguren verleiht er deutlich mehr Substanz und Charakter, als das in Band 1 der Fall war.
Bren Stonner ist für mich ein echter Sympathieträger, auch wenn er den Schattenherren zutiefst ergeben ist. Aber auch wenn sein sehnlichster Wunsch die Unsterblichkeit ist, macht ihn das nicht gänzlich skrupellos. Gut gefallen hat mir, dass es Corvus sogar gelingt, eine gänzlich unkitschige Liebesgeschichte unterzubringen: absolut glaubwürdig und ohne sie in den Vordergrund zu stellen.

„Lisanne-die-nicht-genannt-werden-darf“ – das hat mich dann doch zum Schmunzeln gebracht und auch, dass die Fayé ihre Welt nicht verlassen hatten, obwohl es doch von den Ewigen gefordert war, und dafür nun büßen müssen. Aber das sind auch schon die einzigen Passagen, die an andere Werke der Fantasy denken lassen. Corvus hat Wesen erfunden, die ganz eigen sind und eine ebenso einzigartige Welt.
Die Handlung ist im Prinzip in sich abgeschlossen, aber da wir hier von Unsterblichen reden, ist das natürlich nicht das Ende. Und der Epilog bietet einen kleinen Vorgeschmack auf das, was da kommen mag und worauf ich schon sehr gespannt bin. Von mir gibt es 4 Sterne (weil es 4,5 hier nicht gibt)

Fazit:
Düster, grausam, fantastisch – eine Welt, wie aus (Alb)Träumen erschaffen.


Im Land der weiten Fjorde: Norwegenroman
Im Land der weiten Fjorde: Norwegenroman
von Christine Kabus
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr gelungenes Debüt, 11. Juni 2013
Um es vorauszuschicken: Dies ist ein Buch, dass eigentlich nicht so ganz in meine sonstigen Lesegewohnheiten passt. Aber "Norwegen" war das Schlüsselwort und als sich die Chance ergab, das Buch in einer Leserunde mit der Autorin zu lesen, hab ich zugegriffen und bin sehr froh darüber.

"Im Land der weiten Fjorde" hält, was der Titel verspricht: man erfährt sehr viel über Norwegen, seine Bewohner und ihre Geschichte. In zwei Erzählsträngen werden die Wirren des Krieges und ihre Auswirkungen in den Familien bis in die heutige Generation erzählt. Es ist spannend zu lesen, wie sich in unserer Zeit eine junge Frau auf die Suche nach ihrer Herkunft macht, dabei eine Welt kennenlernt, die für sie völlig neu ist und letztendlich eine Familie und eine Heimat findet. Die andere Geschichte erzählt vom Schicksal der Vorfahrin im von den Deutschen besetzten Norwegen im 2. Weltkrieg.
Die verschiedenen Charaktere sind wunderbar gezeichnet - von allem ist etwas dabei: liebenswerte, nervige, chaotische, kämpferische und verzagte - jeder findet hier jemand, den er ins Herz schließen kann. Alle sind irgendwie (mehr oder weniger) vom Schicksal gebeutelt und es ist erstaunlich, wie es Christine Kabus gelungen ist, so viele Schicksalsschläge in einen Roman zu packen und doch noch glaubwürdig zu bleiben. Dazu kommen grandiose Landschaften, die ebenfalls wunderbar beschrieben sind - Land und Leute zum Verlieben!

Einziges kleines Manko: im letzten Drittel geht alles dann ein bisschen zu schnell. Man fiebert den ganzen Roman über auf das Ende hin und dann ist alles irgendwie doch so schnell erzählt. Hierfür und für ein klein wenig zu umfassendes Happy-End
ziehe ich ein Sternchen ab.

So gibt es von mir 4 Sterne und eine klare Leseempfehlung für Liebhaber von Familiensagas.

Fazit: Ein Debütroman voller Geschichte und Geschichten eingebettet in die grandiose Landschaft Norwegens. Mit solchen Autoren muss uns um die deutsche Leselandschaft nicht Bange sein.


Im Netz der Angst
Im Netz der Angst
von Eileen Carr
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungenes Debüt, 14. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Im Netz der Angst (Taschenbuch)
„Psychologin mit schwerer Vergangenheit trifft einsamen Polizisten zu gemeinsamen Ermittlungen, erotische Begegnungen durchaus erwünscht.“ Diese Beschreibung gibt das Gefühl wieder, das ich hin und wieder beim Lesen hatte. Vor allem am Anfang fand ich das erotische Knistern zwischen diesen beiden Menschen, die sich noch nie begegnet sind, vor dem Hintergrund eines katatonischen Mädchens und an einem blutverschmierten Tatort doch ein wenig befremdlich. Dann sagte ich mir: okay, das Buch ist bei Lyx erschienen, da muss wahrscheinlich ein Schuss Erotik / Romantik drin sein.
Zum Glück trat dieses befremdliche Gefühl im Lauf der Geschichte in
den Hintergrund (oder sie war dann einfach besser dosiert) und ich konnte mich ganz auf die wirklich spannende Geschichte einlassen. Eileen Carr schafft es, den Leser glauben zu lassen, dass er den Mörder kennt, dann säht sie wieder Zweifel, schafft neue Verdachtsmomente und am Ende führen alle Fäden auf eine Weise zusammen, die zumindest ich so dann doch nicht vermutet hatte.
Stellenweise war es mir fast zwar ein bisschen zu viel des Guten (als auch noch ein Stalker in die Geschichte eingreift zum Beispiel), aber darüber kann man hinwegsehen.

Gut gefallen haben mir die Einblicke in die Teeniepsyche, die für mich sehr gut geschildert wurden. Die Erklärungen für verschiedene Verhaltensweisen, die die Autorin gibt, erscheinen mir einleuchtend.
Die Charaktere sind überzeugend dargestellt – man hat Sympathien und Antipathien, wie sich das gehört und jeder spielt seine ihm von der Autorin zugedachte Rolle überzeugend. Manchmal vielleicht ein wenig zu überzeugend. Die Hauptcharaktere Aimee, Josh, Sean und Taylor sind Eileen Carr jedoch wirklich sehr gut gelungen.

Ich vergebe 4 Sterne und werde Eileen Carr im Auge behalten.

Fazit:
Wer spannende Unterhaltung mit einem Schuss Erotik liebt, sollte hier zugreifen.


Pestmond
Pestmond
von Wolfgang Hohlbein
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Auf halber Strecke zurückgelassen, 24. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Pestmond (Gebundene Ausgabe)
Zum Inhalt:
Die Handlung schließt nahtlos an den Vorgänger-Band "Der Machdi" an. Abu Dun ist tot. Dies ist nun nichts Neues, denn "gestorben" sind die beiden ja schon öfter. Aber diesmal erwacht er nicht wieder und das ist dann doch neu. Doch Rettung naht in Form eines alten Mannes, der Andrej einen sehr interessanten Handel vorschlägt: er wird Abu Dun wieder erwecken, wenn die beiden Unsterblichen dafür mit ihm nach Rom reisen, um den Papst zu töten. Natürlich lässt sich Andrej darauf ein, hat er doch schon in dieser kurzen Zeit bemerkt, dass ein Leben ohne seinen Gefährten keinen Sinn mehr hat. Was er nicht weiß: Abu Dun wird ständig einen Trank nehmen müssen, den der Alte ihm nur wohl rationiert verabreicht. Somit kann er sicher sein, dass er von nun an 2 Leibwächter hat, die alles daran setzen werden, Rom heil zu erreichen.
Abu Duns Dankbarkeit hält sich allerdings in Grenzen, denn er will nicht in einen neuen Religionskrieg verwickelt werden. Der alte Mann, der sich als Hasan as Sabah - der Alte vom Berg - vorstellt, betont, dass es nicht um Religion ginge, aber wie soll man ihm das glauben? Welche Gründe könnte der berüchtigte Anführer der Assassinen, oder zumindest einer seiner Nachfahren, wohl sonst haben, das Oberhaupt der Christen zu töten? Leider klärt sich diese Frage im Lauf der 530 Seiten nicht.
Andrej ist jedenfalls der Meinung, dass er sein Wort halten muss und somit beginnt eine abenteuerliche Reise. Bevor sie mit einer Mannschaft Assassinen das Mittelmeer auf der "Pestmond", die dem Buch seinen Namen gab, überqueren, müssen sie sich in Jaffa mit einer Armee von Untoten herumschlagen. Wie die armen Menschen in Jaffa zu Zombies wurden, kann der Leser nur erahnen.
Dann erleben wir die Überfahrt - oder zumindest einen Teil davon - mit Seeschlachten, Intrigen und einer doch sehr überraschenden Wendung am Ende des Buches. Dazu noch eine geheimnisvolle Schönheit und somit stimmt die Mischung in diesem Teil der Chronik. Als sich die Nachricht verbreitet, dass der Papst gestorben sei, könnte man meinen, dass die Mission nun hinfällig wäre. Aber Hasan besteht darauf, nach Rom zu gelangen...

Meine Meinung:
Nachdem sich der Vorgänger-Band eher zäh dahinzog, ist diesmal wieder Action angesagt. Abu Dun ist nicht mehr so albern und erzwungen witzig, sondern die Dialoge zwischen ihm und Andrej lassen den Leser wieder schmunzeln. Und mit den Untoten, die sich hier in Massen tummeln, blitzt endlich wieder etwas von der düsteren Faszination der Chronik auf. Interessanterweise darf sich diesmal Andrej verändern und nicht, wie sonst immer, sein hünenhafter Gefährte. Dieser Hauch Düsternis tut Andrej meiner Meinung nach gut.

Soviel zum Positiven. Zu meinem Erschrecken musste ich feststellen, dass Hohlbein nun das Stilmittel des Cliffhangers verinnerlicht hat. Waren die Episoden der Chronik bisher doch immer einigermaßen in sich abgeschlossen, so lässt der Autor uns diesmal mit lauter offenen Fragen zurück. Wenn ich es mir recht überlege, dann habe ich eigentlich auf keine Frage wirklich eine Antwort erhalten: Warum soll der Papst ermordet werden? Wer ist Hasan wirklich? Welches Geheimnis hütet Ayla? Braucht Abu Dun den Trank wirklich, um weiterleben zu können? ...
Hohlbein lässt uns auf halber Strecke nach Rom mit vielen Fragezeichen zurück. Immerhin gelingt es ihm, durch die Wendung am Ende doch soviel Neugier zu wecken, dass ich mir auch den nächsten Teil der Chronik holen werde. Aber das hätte ich als Chronik-Fan wohl sowieso getan. Doch diesmal stellt Hohlbein seine treuen Leser wirklich hart auf die Geduldsprobe!

Ich würde 3,5 Sterne geben, wenn das hier ginge,weil dieser Band spannender und unterhaltsamer ist, als der Vorgänger (der von mir 3 Sterne erhielt). Mehr kann ich aber für eine nur halb erzählte Geschichte dann doch nicht geben.

Hervorheben möchte ich allerdings noch das wunderschöne Cover: die Gestaltung der Hardcover-Ausgaben gereicht Lyx wirklich zur Ehre.


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