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Rezensionen verfasst von
Titus_Pullo

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Tripel-,Violin-,Doppelkonzert
Tripel-,Violin-,Doppelkonzert
Preis: EUR 21,99

3.0 von 5 Sternen Mit Vorsicht zu geniessen, 9. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Tripel-,Violin-,Doppelkonzert (Audio CD)
Die Besetzung ist zweifelsohne einmalig. "Einmalig" sollte aber nicht gleichgesetzt werden mit "gelungen".
Zweifelsohne handelt es sich hierbei um eine Zusammenkunft von drei der bedeutendsten Musiker des 20. Jarhhunderts (oder womöglich überhaupt) - allerdings eher für sich allein genommen. Zumindest im Hinblick auf Beethovens Tripelkonzert kann schwerlich die Rede von "gleichgesinnten Kollegen" (Beiheft) sein.
Dass im beiliegenden Text des Weiteren kaum je auf die eigentliche Zusammenarbeit eingegangen wird und der Fokus stattdessen auf die Werke verlegt wird, darf nicht verwundern. So heisst es an anderer Stelle bloss trocken: "Gemeinsam hatten die drei zwar noch nie auf dem Podium gesessen, doch Peter Andrys Einfall, sich für das Tripelkonzert zusammenzutun, wurde wohlwollend geprüft." Zeugnis von einem fabelhaften Verständnis untereinander legt einzig das Gruppenbild ab, welches alle am Flügel versammelt in gelöster Stimmung zeigt. Mit der "wohlwollenden Prüfung" hatte auch alles seine Richtigkeit! Wie viel Schein in Wahrheit darin verborgen liegt, bringen erst Richters Erinnerungen zutage, die er Bruno Monsaingeon in seinem Portrait anvertraut hat. So heisst es dort unter Anderem:

"It's a dreadful recording and I disown it utterly. As for the actual recording sessions, I remember them only as a total nightmare. Battle lines were drawn up with Karajan and Rostropovich on the one side and Oistrakh and me on the other. Rostropovich was falling over himself in his attempts to do everything Karajan wanted, whereas Karajan had a superficial and clearly wrong-headed view of a work that has never had a good press but of which I'm personally very fond. Among other things, the second movement was taken far too slowly. He held back the natural flow of the music. He was faking it, and neither Oistrakh nor I had any time for this. But Rostropovich had gone over to the enemy, trying to push himself forward, whereas what he has to play here is no more than figurations. Karajan could see I wasn't happy and that Oistrakh was sulking. He asked why. I was eintentionally remaining in the background, not so much to annoy him, but because I found Rostropovich so exasperating. Suddenly Karajan decided that everything was fine and that the recording was finished. I demanded an extra take. 'No, no,' he replied, 'we haven't got time, we've still got to do the photographs.' To him, this was more important than the recording. And what a nauseating photograph it is, with him posing artfully and the rest of us grinning like idiots."

Im selbsternannten "deluxe booklet" hingegen kein Wort davon - wobei es an Platz Weissgott nicht gefehlt hat! Stattdessen: Fotos von Emi-Tonbändern, des Abbey Road Studios samt beteiligter Toningenieure und einer völlig überflüssigen Panegyrik auf das hauseigene Remastering-Verfahren...
Mit einer gültigen und ausgewogenen Darstellung hat diese durchaus preiswerte Neuaflegung jener - trotz allem hörenswerten! - Aufnahmen wenig zu tun.


Cortot:the Anniversary Edition
Cortot:the Anniversary Edition
Preis: EUR 58,99

14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungene Gesamtdarstellung, 26. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Cortot:the Anniversary Edition (Audio CD)
Die musikalische Qualität und Tiefe von Cortots Einspielungen bleibt für mich unbestritten, weshalb ich hier eher auf technische Details dieser Edition hinweisen möchte.
Da wäre als Erstes die Klangqualität, welche naturgemäss die Entstehungszeit der Aufnahmen wiederspiegelt. Selbstverständlich kommen, allen voran die ersten, Aufnahmen (aus dem Jahre 1929!) nicht an eine heutige Neueinspielung heran - dennoch halte ich das Remastering im Ganzen für geglückt. Das wohlbekannte Hintergrundrauschen (nur im ersten Viertel ausgeprägt) hielt mich jedenfalls noch nie von älteren Aufnahmen ab. Die Musik lässt es schnell vergessen.
Auch vom Umfang her handelt es sich bei diesem Set um das nec plus ultra in Sachen Cortot. Zwar gibt es oftmals Mehrfachaufnahmen derselben Stücke (Kinderszenen, Debussy Preludes, Chopin...), doch ist das zB. bei Rubinstein nicht anders. Zudem halte ich es für äusserst aufschlussreich, zu beobachten, wie Cortot Chopins Etude in Ges-Dur (Op. 10/5) 1954 interpretierte - und wie 35 Jahre zuvor... Dazwischen liegen Welten, die es zu erschliessen gilt.
Zu bemängeln wäre einzig die äussere Aufmachung, die doch einiges dauerhafter sein könnte - man vergleiche die gleichenjahrs herausgegebene Kempff-Edition (DG), welche fünf CD weniger umfasst, dabei aber bedeutend solider gestaltet ist. Ein qualitativ hochwertigerer Karton macht Einiges aus (wobei die Kempff-Edition auch entsprechend teurer ist). Das Büchlein hingegen, halte ich für durchwegs gelungen; neben der obligaten Titel-Auflistung beinhaltet es einige interessante Photographien (ua. mit Backhaus!). Man darf zufrieden sein.
Kurzum: Für den Interessierten eine regelrechte Fundgrube an unvergesslichen Einspielungen. Empfehlenswert.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 14, 2013 11:52 PM CET


Angst: Antisemitismus nach Auschwitz in Polen
Angst: Antisemitismus nach Auschwitz in Polen
von Jan T. Gross
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,95

3 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Grenzen der kritischen Historie, 22. September 2012
Seit längerem ist zu beobachten, dass polnische ua. Kollaborateure im II. Weltkrieg äusserst medienwirksam in Szene gesetzt werden, wie es eher einer Schlagzeile in der Boulevardpresse würdig wäre: "Die Wahrheit über Polen: Also doch!"
Dabei ist es geschickt, auf diesen Zug aufzuspringen! Nichts ziemt einem intellektuellen, kritisch hinterfragenden Zeitgenossen heute mehr als eine Handvoll Relativierungen - notfalls auch als blosser Selbstzweck. Hinterfragt werden darf (und soll) alles; weshalb nicht auch die scheinbar alleinseligmachende kritische Historie? Oder wie es Hans Küng formuliert hat: Wer bewusst in alle Pfützen tritt, sollte sich nicht allzu laut über den schlechten Weg beklagen.
Zu hinterfragen wäre nicht zuletzt auch die Quellengrundlage an sich. So schreibt Helmut König in der NZZ vom 19.09.12 dazu: "Das sind kühne und weitreichende Hypothesen. Sie müssen nicht falsch sein. Aber man kann beim besten Willen nicht sagen, dass Gross in der Lage wäre, sie zu belegen. Sie werden von ihm überhaupt nicht durchdacht und erläutert, und sie werden auch nicht aus dem Material, mit dem er arbeitet, hergeleitet und plausibel gemacht."
Kurz: Gross schreibt nicht, um möglichst nah an eine historische "Wirklichkeit" zu kommen, sondern primär, um zu gefallen. Und das gelingt ihm auch meist.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 7, 2013 10:53 AM CET


Preludes (Ga)/Nocturne Op.62
Preludes (Ga)/Nocturne Op.62
Preis: EUR 16,76

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Versuch einer Ehrenrettung, 3. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Preludes (Ga)/Nocturne Op.62 (Audio CD)
Technisch gekonnt, doch das Sentiment! Es fehlt! Es ist zu viel da! etc.
Ohne ein grosser Verehrer der jüngeren asiatischen Pianistengeneration zu sein, muss ich Blechacz vor meinem Vorredner nun doch etwas in Schutz nehmen.
Obigen Vorwurf hört man tatsächlich oft: Der junge Pianist, er spiele zwar technisch gut, manchmal gar brilliant, aber etwas scheint nichtsdestotrotz zu fehlen!
Geht es um Beethoven/Bach, so vermisst man an diesem eindeutig das Gefühl; geht es um Chopin, so scheint ein anderer wieder zu viel davon geben zu wollen. Die Message ist klar: Der junge Pianist kratze bloss an der Oberfläche und bediene ausschliesslich die von Stereotypen geprägte Hörerschaft. Was dann zu guter Letzt noch fehlt, ist bloss noch ein schillernder Name: Man nehme eine Legende von Argerich bis Zimerman - und fertig ist das Urteil!
Doch nicht so schnell! Blechacz ist gerade mal 27-jährig - woher sollte er denn eine interpretatorische Tiefe eines Rubinsteins nehmen? Es ist ein eitler Reflex, der uns nur allzu oft beim Anblick eines noch nicht weissharigen Pianisten befällt: sogleich auszurufen: Aber man denke doch an Arrau... Und verglichen mit Gilels...!
Bei Blechacz scheint mir jenes Verdikt hingegen doppelt voreilig und ungerechtfertigt zu sein: Allein schon der Verlockung zu widerstehen, nach dem fabulösen Sieg beim Chopinwettbewerb die Gunst der Stunde zu nutzen, um sich sogleich auf sämtliche Chopin-Sonaten zu stürzen, verdient unsere Hochachtung.
Meiner Ansicht nach, ist Blechacz mit der obigen Aufnahme ein grandioser Wurf gelungen: Gerade zu den so sträflich unterschätzten Préludes zu greifen, während die ganze Welt eine letzte Beethovensonate erwartet, war in der Tat ein äusserst gewagter Schritt, den Blechacz mit Bravour gemeistert hatte.
Meiner Meinung nach hat Blechacz bei dieser Aufnahme eine goldene Mitte gefunden: zwischen einem allzu analytischen, kühlen Spiel und einem übermässigen Pathos. Denn beides bekommt Chopin nicht. Ich kann die CD somit nur wärmstens empfehlen - gerade weil es kein Michelangeli ist, sondern eine individuelle Interpretation von Chopins Préludes und überhaupt eine der vielversprechendsten Chopinaufnahmen der letzten Jahre.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 30, 2014 8:09 AM CET


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