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olschewski-bi

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Die dunklen Wasser von Aberdeen: Roman
Die dunklen Wasser von Aberdeen: Roman
von Stuart MacBride
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine gute Alternative zu Ian Rankin's Rebus-Romanen, 20. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auf der Suche nach „Ersatz“-Lektüre für die Rebus-Romane, nachdem Ian Rankin nach dem 18. Band die Krimireihe (eigentlich) abgeschlossen hatte, bin ich bei Stuart MacBride's Krimireihe um Logan McRae fündig geworden.

DIE STORY:

DS Logan McRae ist nach einer Zwangspause (er wurde bei einem Einsatz schwer verletzt) wieder auf seine Dienststelle bei der Grampian Police in Aberdeen zurückgekehrt. Kaum ist er wieder im Dienst, wird eine Kinderleiche gefunden. Bei der Autopsie wird festgestellt, dass das Kind postmortal geschändet worden ist. Es finden sich kaum Spuren, die einen Ermittlungsansatz zuließen. Routinearbeit („Klinken putzen“) ist angesagt. Als dann aber wieder ein Kind vermißt gemeldet wird, erhöht sich der Druck der Öffentlichkeit, angestachelt durch die Presse, wobei es einen Journalisten gibt, der ausgesprochen gut informiert ist und über Insiderinformationen zu verfügen scheint, die aus dem Kreis der Polizei stammen müssen. Dies erschwert die Ermittlungen noch zusätzlich. Nach mehreren Spuren, die sich als falsch erweisen und Vernehmungen von Verdächtigen, die letztendlich doch nicht als Täter in Betracht kommen, kommt DS Logan McRae dann doch dem richtigen Täter auf die Spur. Der hat inzwischen wieder ein Kind in seiner Gewalt und es beginnt ein atemloser Wettlauf gegen die Zeit, wobei sowohl DS Logan McRae, als auch seine Kollegin Constable Jackie Watson in höchste Lebensgefahr geraten...

FAZIT:

Ein wirklich guter Krimi im typisch „schottischen“ Stil a la Ian Rankin. Ich war auf der Suche nach einem „John Rebus-Ersatz“ und habe ihn in dieser Krimireihe von Stuart MacBride gefunden. MacBride's Schreibstil und Story ähnelt auch tatsächlich den Rebus-Krimis von Ian Rankin sehr, ohne jedoch ein einfacher Abklatsch oder gar ein „Plagiat“ zu sein. Die „Verehrung“ oder „Achtung“ Rankin's durch MacBride, verhehlt der Autor auch gar nicht erst; vielmehr gibt es in dem Buch sogar eine kleine „Verbeugung“ gegenüber dem Autorenkollegen, weil Mac Bride einen der Polizeibeamten ein Ian Rankin-Buch lesen läßt. Wie bei Rankin's John Rebus spielt die Geschichte in einer schottischen Großstadt. Ist es dort Edinburgh, ist es hier Aberdeen. Dort wie hier, kommt ein bißchen Lokalkolorit 'rüber und auch DS Logan McRae hat einen Stammpub (der real existiert), in dem man sich nach Dienstschluß auf ein Pint trifft. Was bei Rebus Siobhan Clarke ist, ist bei McRae Jackie Watson. Allerdings kommt MacBrides Protagonist – zumindest im ersten Roman – noch nicht an den besonderen eigenbrötlerischen und desillusionierten Charakter von Ian Rankin's John Rebus heran. Als „Rebus-Ersatz“ ist McRae aber allemal sehr gut; auch wenn Rankin sich jetzt doch durchgerungen hat, Rebus wieder aufleben zu lassen...

Also viel Spaß und Spannung mit dieser klasse Krimilektüre.


Tschick
Tschick
von Wolfgang Herrndorf
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen "DER SCHÖNSTE SOMMER MEINES LEBENS...", 18. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Tschick (Taschenbuch)
...läßt WOLFGANG HERRNDORF seinen Protagonisten am Ende der Geschichte resümieren. Und der Leser ist glücklich darüber, daran teilgehabt zu haben.

DIE STORY:

"Ich hatte nie einen Spitznamen. Ich meine, an der Schule. Aber auch sonst nicht. Mein Name ist Maik Klingenberg. Maik. Nicht Maiki, nicht Klinge und der ganze andere Quatsch auch nicht, immer nur Maik. Außer in der sechsten, da hieß ich mal kurz Psycho. Das ist auch nicht der ganz große Bringer, wenn man Psycho heißt. Aber das dauerte auch nicht lang, und dann hieß ich wieder Maik."

Maik ist 14 Jahre alt und geht aufs Gymnasium in die 8. Klasse. Maik ist ein Langweiler und deshalb Außenseiter in seiner Klasse. Er kommt aus vermeintlich gutem, finanziell unabhängigem Haus. Tatsächlich aber ist seine Mutter Alkoholikerin und sein Vater hat ein Verhältnis mit seiner Sekretärin. Da kommt ein Neuer in die Klasse. Er kommt aus Russland und heißt Andrej Tschichatschow. Sein Name ist zu kompliziert, weshalb sie ihn kurz "Tschick" nennen. Wegen seiner Herkunft, seines Namens und seiner "Andersartigkeit" wird auch Tschick in der Klasse sofort zum Außenseiter. Und dann stehen die Sommerferien an. Es droht für Maik wieder eine langweilige Zeit zu werden; seine Mutter geht zur Entziehungskur, sein Vater macht eine "Vergnügungsreise" mit seiner Sekretärin und er bleibt mit gefüllten Kühlschrank und 200 als Taschengeld in die Hand gedrückter Euro zu Hause am Pool. Da taucht plötzlich Tschick mit einem "entliehenen" Lada auf und beide machen sich auf den Weg in die Walachai, Tschicks Heimat...

FAZIT:

Ein sehr lesenswertes, spannendes und unterhaltsames Buch für alle Generationen. Jugendroman, Abenteuerroman und Roadmovie in einem, dass ist WOLFGANG HERRNDORF's TSCHICK. Die beiden Protagonisten durchleben die tollsten Abenteuer und begegnen den merkwürdigsten und interessantesten Leuten auf ihrer "Reise" durch das "unbekannte" heutige Deutschland. Streckenweise bekommt man den Eindruck, man liest eine moderne deutsche Version von Huckleberry Finns Abenteuer. Eben wesentlich moderner und eingedeutscht, woran auch HERRNDORF's Sprache einen gewichtigen Anteil hat, weil er sich häufig des jugendlichen Jargons bedient, ohne dass dies allerdings künstlich oder aufdringlich daher kommt. Eine schöne, runde Geschichte, die man gerne ein zweites Mal liest und rundum – insbesondere auch als Geschenk – eine uneingeschränkte Leseempfehlung ist.
Viel Vergnügen dabei!


Schnee: Roman
Schnee: Roman
von Orhan Pamuk
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ALS OB DIE ZEIT STEHEN GEBLIEBEN IST, 13. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Schnee: Roman (Taschenbuch)
ORHAN PAMUK's Roman SCHNEE macht deutlich, in welchem Dilemma sich die Türkei befindet. Einerseits gibt man sich modern und dem Westen aufgeschlossen, andererseits sind die alten Traditionen und der muslimische Glaube derart stark verwurzelt, dass der beabsichtige EU-Beitritt einer Quadratur des Kreises gleichzukommen scheint.

DIE STORY:

Ka ist ein türkischer Lyriker. Nach dem türkischen Millitärputsch ist er nach Deutschland ins Exil gegangen und fristet in Frankfurt mehr schlecht als recht sein Dasein. Anläßlich des Todes seiner Mutter besucht er noch einmal seine Heimatstadt, Istanbul. Allerdings erkennt er die „Stadt seiner Kindheit“ nicht wieder. Von der Sehnsucht nach der Vergangenheit getrieben, läßt er sich von einem Freund überreden, als Reporter in das ferne anatolische „Kars“ (!) zu reisen. Er hofft insgeheim, dort seine ehemalige Kommilitonin Ipek wiederzutreffen. Kars ist eine türkische Provinz im Nordosten des Landes an der Grenze zu Armenien und liegt in der Grenzregion zwischen Ostanatolien und Transkaukasien. In Kars stehen Kommunalwahlen an und es ist zu einigen rätselhaften Todesfällen gekommen. Einige Frauen hatten sich das Leben genommen, weil sie gezwungen wurden, in öffentlichen Einrichtungen ihre Kopftücher – dessen Tragen eigentlich vom Koran vorgeschrieben ist – abzusetzen. Kaum das Ka in Kars angekommen ist, fängt es an unaufhörlich zu schneien. Ka quartiert sich im Hotel „Schneepalast“ ein, das von Ipeks Vater geführt wird, der dort mit seinen beiden Töchtern Kadife und Ipek wohnt. Ka's Liebe für Ipek flammt wieder auf und er macht ihr zunehmend den Hof. Unter dem Eindruck innerer und äußerer Erlebnisse schreibt Ka weiter Lyrik. Es entsteht sein Gedicht „Schnee“. Durch den starken Schneefall ist Kars von der Außenwelt abgeschnitten. In Kars bekämpfen sich Islamisten, Anhänger eines säkularisierten Staates im Geist Kemal Atatürks, Kommunisten, Türken, Kurden und Aserbaidschaner. Die Gunst der Stunde (der Oberbefhelshaber von Kars ist wegen der Witterungsbedingungen daran gehindert, nach einer Reise wieder in die Stadt zurück zu kehren) soll genutzt werden und ein Rvolutionsregiment soll installiert werden. Die politische Situation ist nur schwer überschau- und beherrschbar. Während einer Theateraufführung eines „Wandertheaters“ kommt es zum Putschversuch und Ka und Ipek befinden sich mittendrin...

FAZIT:

Das „Abgeschnitten“ sein - die „Isolation“ einer Gruppe - und schon greifen besondere (teils archaische) sowohl politische als auch psychologische Mechanismen ein, war und ist ein beliebtes Thema in Film und Literatur. Das gab's schon bei „Herr der Fliegen“ auf einer einsamen Insel und zuletzt z.B. bei „Die Arena“ (Stephen King), wo sich eine unsichtbare Kuppel über eine Kleinstadt stülpt. Bei ORHAN PAMUK greift dies eigentlich gleich doppelt. Denn Kars liegt bereits in der Geografie der Türkei recht abgeschieden in einem Grenzgebiet wo verschiedene Kulturen und Glaubensrichtungen aufeinandertreffen. Um die Isolation perfekt zu machen läßt ORHAN PAMUK es völlig einschneien. Und schon setzen die „Mechanismen“ ein... Als Westeuropäer kommt man sich in Kars weit in der Zeit zurückversetzt vor, so als sei dort die Zeit stehen geblieben, während sich in der restlichen (westlichen) Welt inzwischen Freiheit und Demokratie weitestgehend etabliert haben und Diskriminierungen – egal welcher couleur – allmählich zunehmend zurückgedrängt werden.

Zwar erzählt „SCHNEE“ auch eine Liebesgeschichte. Gleichwohl geht es in erster Linie aber mehr um politische/gesellschaftliche Zusammenhänge, die deutlich machen, dass es ein großes Spannungsfeld zwischen West und Ost, zwischen Christen und Moslems gibt, in dem sich die Türkei befindet und mit dem sich die Gesellschaft in der Türkei so schwer tut. Zu groß scheinen die Unterschiede zwischen den eher säkularisierten Bevölkerungsteilen in den Großstädten und im Westen der Türkei einerseits und den, alten Traditionen behafteten, moslemischen Bevölkerungsteilen in den ländlichen und östlichen Landesteilen andererseits zu sein. Gleichzeitig zeigt ORHAN PAMUK auch die Rigorosität, die Intoleranz und Kompromisslosigkeit der Ideologen sowie die Brutalität des türkischen Polizeiapparates schonungslos auf.

Eine spannende und unterhaltsame Lektüre, die deutlich macht, wie schwer sich dieses große Land zwischen Okzident und Orient tut, sich dem, Wohlstand verheißenden, Westen anzuschließen. Ein insgesamt sehr lesenswertes Buch des Literaturnobelpreisträgers.

Viel Spaß beim Nachlesen!


Blut will fließen (Die Underworld-Trilogie, Band 3)
Blut will fließen (Die Underworld-Trilogie, Band 3)
von James Ellroy
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen FINALE DER USA-UNDERWORLD-TRILOGIE, 5. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mit BLUT SOLL FLIEßEN schließt JAMES ELLROY die „USA-Underworld-Trilogie“, in der er seine Sichtweise der US-Geschichte in dem Zeitraum kurz vor der Kennedy-Ära bis zum Tode Hoovers darlegt, ab. Der 3. Band umfaßt die Zeit 1968 bis 1972.

DIE STORY:

Es geht um Politik, um das organisierte Verbrechen und um deren Verquickung miteinander. Aufhänger ist ein bereits zurückliegender brutaler Überfall auf einen Geldtransporter im Jahre 1964.
Der Fall konnte nicht aufgeklärt werden. Verschwunden sind dabei mehrere Millionen Dollar und jede Menge Smaragde. Der Sache haftet etwas Geheimnisvolles an. Scotty Bennett, seinerzeit mit der Aufklärung des Falles betraut, hat dafür gesorgt, dass die Ermittlungen relativ rasch im Sande verliefen und deshalb eingestellt wurden. Er hat ein massives Eigeninteresse (die „Beute“) an der verdeckten Aufklärung des Falles und hat dies zu seiner Obsession gemacht. Zur selben Zeit „verschafft“ sich Nixon mit Unterstützung sowohl seitens J. Edgar Hoovers (FBI-Direktor) als auch der amerikanischen Mafia die US-Präsidentschaft. Im Gegenzug sicherte Hoover damit weiterhin seine Machtstellung und die organisierte Kriminalität konnte auf die amerikanische „Unterstützung“ bauen, bei der Errichtung lukrativer Hotels und Spielcasinos in der Dominikanischen Republik, zu deren Finanzierung Howard Hughes „geködert“ werden konnte. Es tauchen jede Menge bereits aus den beiden vorangegangenen Bänden bekannte Protagonisten auf allen Seiten auf. Es stellt sich bald heraus, das Scotty Bennett nicht der einzige ist, der nach wie vor ein starkes Interesse an dem Raub aus 1964 hat. Mit der Zeit ergibt sich zunehmend eine Verquickung zwischen dem Raubüberfall, politischen Bestrebungen sowohl in den USA als auch auf Hispaniola (Haiti und Dominikanische Republik) sowie einer im Untergrund arbeitenden „Freiheits-Guerilla-Gruppe“, deren maßgebliche Rädelsführer Frauen sind, die zunehmend ihren Einfluß auf die entscheidenden „Wasserträger“ von Politik und Mafia (Dwight Holly und Ward Littell) ausüben...

FAZIT:

Wer einen klassischen Krimi erwartet, wird enttäuscht sein. Es handelt sich eher um einen „Politthriller“, wobei Ellroy vor authentisch/historischem Hintergrund mit zum Teil hochkarätigen historischen Persönlichkeiten seine äußerst pessimistische Sicht der Dinge ausbreitet. Ellroy folgt hierbei einem äußerst knappen – stakkatohaften – Schreibstil mit eher kurzen, wenig ausgeschmückten (teilweise unvollständigen) Sätzen und bleibt damit seinem Stil der beiden ersten Bände treu. Schauplätze und Zeiten werden sprunghaft gewechselt. Hinzu kommt eine große Anzahl an Protagonisten an unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Schichten. Auch wenn dies das Tempo (nicht unbedingt die Spannung) der Geschichte erhöht, erfährt das Ganze dadurch aber eine derartige Komplexität, dass man das Buch schon mit nicht allzu langen Lesepausen lesen sollte, ob um den Überblick über die Zusammenhänge nicht zu verlieren.

Trotzdem hat mir auch dieser dritte Band sehr gut gefallen. Vom Plot her ist er aus meiner Sicht auch der am „rundesten“ und am ehesten als Krimi einstufbare Roman der Trilogie. Faszinierend ist die Vermischung realer und fiktiver Ereignisse und insbesondere das düstere – nahezu nihilistische – Bild, dass Ellroy von jener amerikanischen Zeit zeichnet. Es wird kaltblütig und grausam gemordet. Der Stärkere (oder Brutalere/Hinterhältigere) überlebt. Es zählen nur Macht und Geld. Sehr düster, pessimistisch und auch ohne Hoffnung für die Zukunft. Schonungslos und emotionslos fallen die Schilderungen Ellroys aus. Wie aus der Sicht eines Nachrichtenjournalisten. Auch dies ist wieder in sich stimmig, weil es sich – wie am Ende klar wird – um die Vergangenheitsschilderung eines „Überlebenden“ handelt.

Sicherlich keine einfache Lektüre, die man mal so nebenbei lesen sollte. Zudem empfiehlt es sich die Trilogie in chronologischer Reihenfolge zu lesen. Einige Dinge erschließen sich dann schneller. Dennoch habe ich alle drei Bände genossen und kann sie nur empfehlen, also

viel Spaß beim Nachlesen!


Die Schuld: Roman
Die Schuld: Roman
von John Grisham
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen RAFFGIERIGE ANWÄLTE, 25. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Schuld: Roman (Taschenbuch)
GRISHAM nimmt sich in DIE SCHULD wieder seinem ureigenen Thema an, dem juritsischen Roman.

DIE STORY:

CLAY CARTER ist Pflichtverteidiger und fristet ein eher armseliges Dasein. Er kommt finanziell mehr schlecht als recht über die Runden. Bis eines Tages MAX PACE an ihn herantritt, der angeblich „Feuerwehrmann“ der Pharmaindustrie ist. CLAY CARTER soll Probanden der Pharmaindustrie, bei denen Medikamententests zu massiven Nebenwirkungen geführt haben, was wiederum das betreffende Pharmaunternehmen ruinieren würde, würde dies publik werden, in dessen Namen ohne großes Aufsehen entschädigen. CLAY CARTER wird für diesen „Job“ ein Honorar in Höhe von 10 Mio $ angeboten, das er nicht ausschlagen kann. Nachdem dies mit Bravour „abgewickelt“ ist, hat MAX PACE einen neuen Auftrag. CLAY CARTER soll Sammelklagen Geschädigter eines Konkurrenzunternehmens seiner Auftraggeberin führen. Mit Sammelklagen hatte CARTER sich zuvor noch nie befaßt. Er lernt dabei die einflußreichsten Anwälte, die sich auf derartige Schadensersatzklagen spezialisiert haben, kennen. Sie alle scheinen nur so im Geld zu schwimmen und CLAY CARTER verfällt der „Sucht“ nach immer mehr und immer höheren Honoraren. Dies geht natürlich zu Lasten der Mandanten, den eigentlich Geschädigten. Nach einer – aufgrund von Habgier – nur unzureichenden Entschädigung für die Mandanten, richtet sich plötzlich die Wut der „Betrogenen“ gegen ihre „Heilsbringer“. Und CLAY CARTER droht, sein gesamtes Vermögen und seine Kanzlei zu verlieren und bankrott zu gehen...

FAZIT:

GRISHAM rechnet in DIE SCHULD mit dem amerikanischen System der Sammelklage und insbesondere mit der dadurch begünstigten Raffgier der hierauf spezialisierten Anwälte ab. In seinem sehr spannenden Thriller, führt er dem Leser in krasser Weise vor Augen, wie und dass sich diese Anwälte an der Not ihrer Mandanten schamlos und ohne jegliches Gewissen bereichern. Sicherlich spiegelt die Geschichte nicht den amerikanischen Justizalltag wider. Gleichwohl zeigt sie aber doch die extremen Gefahren eines Systems auf, wie es in den USA praktiziert wird und dessen Einführung auch in Deutschland regelmäßig wieder diskutiert wird (Stichwort: „Erfolgshonorar“).

Also viel Spaß bei die dieser spannenden und nachdenklich machenden Lektüre!


Schneller als der Tod: Roman
Schneller als der Tod: Roman
von Josh Bazell
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen DOCH ETWAS STARK ÜBERBEWERTET, 15. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Schneller als der Tod: Roman (Taschenbuch)
JOSH BAZELLs 'SCHNELLER ALS DER TOD' ist zu seinem Erscheinen stark 'gepuscht' worden. Und zwar sowohl durch den Verlag, die Presse, den einzelnen Buchhandlungen als auch durch die (übertrieben!) überschwenglichen Kritiken in den Feuilletons der namhaften überregionalen Presse. Am Ende bleibt mehr Ernüchterung...

DIE STORY:

Damit geht es schon los: eigentlich gibt es keinen stringenten durchgängigen Plot. Die Geschichte beginnt damit, dass der Protagonist, ' vorgestellt als Dr. Peter Brown, ' seinen Arbeitstag in einem Krankenhaus in Manhattan beginnt. Schon im Fahrstuhl sieht er sich einer kriminellen Attacke ausgesetzt. Diese 'löst' er bemerkenswert brutal. Da setzt dann auch die weitere Handlung an. Wir erfahren, dass Doc Mafiosi war und sich zur Zeit in einem Zeugenschutzprogramm befindet. In abwechselnden Kapiteln schildert JOSH BAZELL dann einerseits, dass Dr. Brown offensichtlich inzwischen im Krankenhaus von seiner (mafiosen) Vergangenheit eingeholt wird und andererseits wie es überhaupt zu der Verbindung zur Mafia kommen konnte...

FAZIT:

Enttäuschung pur! Ich bin wohl Opfer der 'Werbemaschinerie' geworden. Zwar handelt es sich nicht um einen langweiligen Krimi, den man zudem sogar ganz gut lesen kann (deshalb ja auch die 3 Sterne). Aber die überschwenglichen Kritiken und positiven Besprechungen kann ich ' im Vergleich mit vielen anderen längst nicht so hoch bewerteten Krimis/Thriller ' wie z.B. von Paul Cleave (um nur ein Beispiel zu nennen), nicht nachvollziehen. Insoweit fehlt es an einem durchgängigen stark fesselnden Spannungsbogen. Es fehlt an der Stringenz und der Erforderlichkeit/Konsequenz der einzelnen Erzählschritte. Die Handlung ist weder von einem Motiv noch von einer duchgängigen schlüssig auf sich aufbauenden Geschichte getragen. Highlight ist allerdings welcher Waffe sich der Doktor im 'Showdown' bedient und wie er an sie gelangt. Dies dürfte in der Krimilandschaft schlicht einmalig sein. Allerdings gibt es zahlreiche wesentlich empfehlenswertere Krimis und Thriller. Dies ist meine rein subjektive Betrachtung; dennoch ist es mir eine Lehre im Hinblick auf 'Empfehlungen' in der Presse oder im Hinblick auf 'Kommentare' bekannter Autoren oder Kritiker auf der Buchrückseite...

Trotzdem viel Spaß beim Nachlesen...


Cherryman jagt Mister White
Cherryman jagt Mister White
von Jakob Arjouni
  Broschiert
Preis: EUR 8,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen EIN WICHTIGES THEMA EINMAL AUF UNTERHALTSAME WEISE, 15. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Cherryman jagt Mister White (Broschiert)
Überraschend ist für mich, dass dieses Buch von diesem Autor stammt, war mir JAKOB ARJOUNI bislang doch überwiegend als Autor der Kayankaya-Romane im Stile der 'Hardboild Romane' von Dashiell Hammett und Raymond Chandler bekannt; umso beachtlicher dieses Buch!

DIE STORY:

Storlitz. Ein Kaff in Brandenburg vor den Toren Berlins. Hier regiert der Frust und die Hoffnungslosigkeit. Es gibt eine hohe Arbeitslosenquote von der auch die Jugendlichen betroffen sind. Dazu gehören auch Heiko, Mario, Robert und Vladimir. Sie haben keinen Job, sind Hartz IV-Empfänger und verbringen den Tag mit 'rumhängen (Neudeutsch: 'Chillen', ein Wort, dass die 4 wohl nie in den Mund nehmen würden!) und Saufen. Der Nährboden für nationalsozialistisches Gedankengut, Ausländerhaß und Antisemitismus. So terrorisieren sie auch den eher ruhigen Einzelgänger Rick Fischer, der als Waise teilweise bei seiner Tante wohnt. Auch Rick hat bislang keine Ausbildungsstelle. Umso überraschter ist er, als ihm plötzlich von dem Quartett ein Ausbildungsplatz zum Gärtner in Berlin in Aussicht gestellt wird. Dazu stellen die vier Rick in Berlin Pascal vor. Pascal gehört dem Heimatschutz an. Bedingung ist, dass Rick dem Heimatschutz beitritt. Rick wird die Sache schmackhaft gemacht und er findet nichts Verwerfliches daran, weshalb er einschlägt. Rick beginnt die Ausbildung und es ist alles Bestens, bis dann der Heimatschutz seine Gegenleistung einfordert...

FAZIT:

Ein sicherlich sehr wichtiges Buch. Es geht um 'Mitläufertum' und darum, welcher Methoden sich die Neonazis zur Rekrutierung ihrer Mitglieder bedienen. JAKOB ARJOUNI spricht dieses wichtige Thema auf literarische Weise an, womit eine weitere Auseinandersetzung und Verarbeitung mit diesem brisanten Stoff angeschoben wird. Nicht von ungefähr ist das Buch auch von der namhaften Literaturkritik sehr positiv aufgenommen worden wie, dies den Zitaten auf der Buchrückseite zu entnehmen ist. Man kann diesem kleinen literarischen Werk nur möglichst viele Leser wünschen. Vielleicht wird es tatsächlich einmal 'Schullektüre' (wie es JAKOB ARJOUNI's Happy birthday, Türke!: Kayankayas erster Fall bereits ist).

Eine Top-Leseempfehlung! Viel Spaß dabei!


Die Küste der Barbaren
Die Küste der Barbaren
von Ross Macdonald
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,90

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen HOLLYWOOD IN DEN 50ern, 9. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Küste der Barbaren (Taschenbuch)
Ross McDonalds Roman spielt in Hollywood in der Zeit, in der die Studios und die Filmschaffenden auf dem Höhepunkt waren, der schließlich Glanz und Gloria sowohl des Films auch der 'Filmhauptstadt' ausmachte.

DIE STORY:

LEW ARCHER, seines Zeichens Ex-Bulle und jetzt Privat Eye, wird von Clarence Bassett, Manager des Channel Clubs in Malibu, um Hilfe gebeten. Er fühlt sich bedroht und verfolgt. Tatsächlich schleicht auch George Wall um das Anwesen herum. Der ist auf der Suche nach seiner Frau, Hester, die vermißt ist, von der er aber vermutet, dass sie sich im Club aufhält, zumindest aber, dass Bassett weiß, wo er sie finden kann. Von George Wall fühlt Bassett sich deshalb auch bedroht, weil George Wall ziemlich energisch und ohne vor Gewalt zurückzuschrecken nach seiner Frau sucht. Es stellt sich aber heraus, dass auch dem Clubmanager viel an Hester gelegen ist und er ein Interesse daran hat, sie aufzuspüren. Beide wollen LEW beauftragen. LEW nimmt den Auftrag von George Wall an. Schnell stellt sich heraus, dass der Channel Club sehr elitär ist und er sehr illustre Mitglieder hat, bei denen die Grenze zwischen Legalität und Illegalität eher fließend ist, was wiederum seinen Grund darin hat, dass das Filmgenre 'sündhaft' lukrativ ist und dies ' einem Naturgesetzt folgend ' schräge Vögel (insbesondere natürlich die Mafia) geradezu magnetisch anzieht. Und je tiefer LEW gräbt und ermittelt desto mehr wird deutlich, dass diese 'gute' Gesellschaft tief in das Verschwinden von Hester' involviert ist...

FAZIT:

Zunächst einmal ist festzustellen, dass dieses Buch, wie überhaupt die bei Diogenes erschienen Bücher von Ross McDonald, nur schwer erhältlich ist. Nachdem es mir,' geweckt durch meine Begeisterung für Hammett und Chandler,' endlich gelungen ist, zwei Bücher dieses Autors zu lesen, muß ich feststellen, dass ich die Begeisterung der jeweils auf dem Buchrücken abgedruckten Rezensoren nicht zu teilen vermag. Zwar ist es richtig, dass LEW ARCHER auch mehr in den sozialen und familiären Hintergründen der einzelnen 'Figuren' herumforscht, allerdings -' insbesondere an heutigen Maßstäben gemessen! - kommt das eher wie 'kalter Kaffee' und aufgesetzt 'rüber. Dennoch: ein guter und unterhaltsamer 'hardboiled' Krimi ist das Buch alle Mal, zumal es eine Reihe von Situationen gibt, in denen der Held richtig 'tough' daher kommt. Aber die irgendwie grundauf ehrlichen und illusionslosen 'Sam Spade'- und 'Philipp Marlowe'- Romane von Hammett und Chandler sind mir da doch irgendwie lieber! Hat man sie allerdings -' wie ich -' schon alle gelesen, kommen die 'Lew Archer'-Romane gerade recht!

Also viel Spaß bei dieser klassischen Krimi-Lektüre.


Dunkle Schuld: Roman
Dunkle Schuld: Roman
von James Sallis
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

4.0 von 5 Sternen EIN LONESOME RIDER WIE EINST LUCKY LUKE, 7. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Dunkle Schuld: Roman (Taschenbuch)
In "'Dunkle Schuld"' zeichnet JAMES SALLIS das kleinbürgerliche und miefige, aber dennoch sympathische Bild einer Kleinstadt in den Südstaaten der USA. Es ist der Auftakt einer Trilogie.

DIE STORY:

Nach einem 'Ritualmord' wird das beschauliche Südstaatennest Cypress Grove aufgeschreckt. Hier ist sonst nichts los. Jeder kennt jeden und geht jeden Tag beschaulich seinem gewohnten Rhythmus nach. Was wundert's wenn es in einer solchen abgeschiedenen Idylle auch keinen richtigen 'Polizeiapparat' gibt und geben muß. Dieser rekrutiert sich überwiegend aus einem Sheriff (Lonnie Bates) und seinem Deputy (Don Lee). Ihre Aufgabe besteht darin, verstreute Hühner einzufangen oder, wenn es hoch kommt, mal den Hausfrieden wieder herzustellen, wenn es einmal ' alkoholbedingt ' zu einer Auseinandersetzung zwischen Eheleuten etc. kommt. Da paßt ein Mord einfach nicht hin und überfordert Sheriff und Deputy. Deshalb macht Sheriff Bates sich auf den Weg zu Turner, einem Ex-Cop aus Memphis, der sich auf einem einsamen Hof vor den 'Toren' von Cypress Grove niedergelassen hat, um ihn um Hilfe bei den Ermittlungen zu bitten. Obwohl Turner mit seiner Vergangenheit -' insbesondere der als Cop -' abgeschlossen hat, läßt er sich breitschlagen beginnt zusammen mit dem Sheriff und dessen Deputy mit den kaum erfolgversprechenden Ermittlungen. Es gibt eigentlich keinen richtgen Ermittlungsansatz. Dennoch gelingt es am Ende, durch einen Zufall, die Sache aufzuklären und Turner kann sich ' diesmal in weiblicher Begleitung ' wieder in seine Abgeschiedenheit zurückziehen...

FAZIT:

JAMES SALLIS erzählt die Geschichte in einem sehr lakonischen Stil und mit häufiger ' knapper ' wörtlicher Rede in der ersten Person aus Sicht des Ex-Cops Turner. Die Schilderung bricht mit jeglichen L.A.- oder N.Y.-Klischees Amerikas. Von Hektik und omnipräsenter Kriminalität keine Spur. Bereits der gewählte Schauplatz ist außergewöhnlich. Auch die Hauptfigur ' Ex-Cop Turner ' ist eher ein Antiheld als der bewundernswerte Überflieger. Er hat mit der Vergangenheit ' die dem Leser nach und nach durch Rückblenden nahe gebracht wird ' abgeschlossen, ohne jedoch eine versoffene oder verkrachte Existenz geworden zu sein; er will einfach nur Abstand und Ruhe haben. All dies hört sich nicht nach den idealen Zutaten für einen spannenden Kriminalroman an und dennoch überrascht das Buch gerade in diesem Punkt. Denn JAMES SALLIS' knapper Erzählstil voller Lakonie mit häufiger wörtlicher Rede und kurzen Kapiteln führt zu einem überraschenden Tempo und Spannung. Dabei überzeugt der Roman insbesondere auch in der Authentizität die er über das Leben und die Atmosphäre in einem derartigen kleinstädtischen Kosmos vermittelt. Auch wenn Turner nicht der Überflieger ist, ist er doch durchweg sympathisch gezeichnet und kommt absolut glaubwürdig 'rüber. Man nimmt SALLIS ab, dass Turner 'die Schnauze voll hat' und sich einfach nur noch zurückziehen will. Andererseits ist er aber auch nicht in der Lage ' gerade in einem derartigen Mikrokosmos ' die ihm angetragene Hilfe auszuschlagen. Also willigt er ein, macht seinen Job und verschwindet dann wieder leise und (fast) einsam, wie einst Lucky Luke in den Comics von Morris....

Eine empfehlenswerte Lektüre, die sicherlich Freunden von Dashiell Hammett und Raymond Chandler oder James Ellroy gefallen wird, also viel Spaß dabei!


Wir Ertrunkenen: Roman
Wir Ertrunkenen: Roman
von Carsten Jensen
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen EINE EPOCHALE GESCHICHTE VOLLER SCHICKSALE UND MYTHEN, 15. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Wir Ertrunkenen: Roman (Taschenbuch)
CARSTEN JENSEN schildert ein rund 100jähriges "Kaleidoskop" dänischer Geschichte und Befindlichkeiten, das sich in das Gedächtnis einbrennt und weit über die Grenzen Dänemarks hinaus wirkt; insbesondere vor der Grenze des großen "Bruders" im Süden nicht Halt machen sollte.

DIE STORY:

Die Geschichte beginnt im Frühjahr 1849 und endet am 04. Mai 1945 um 20:30 Uhr. Los geht es mit einer phantastischen Episode im "Gefecht bei Eckernförde" am 05.04.1849 im "Schleswig-Holsteinischen Krieg". 4 dänische Schiffe unternehmen einen Landungsversuch und werden von 2 Batteriestellungen an Land vernichtend geschlagen. Bei dem Gefecht explodiert ein Schiff, auf dem der aus der kleinen dänischen Hafenstadt Marstal stammende Seemann LAURIDS MADSEN fährt. Durch die Wucht der Explosion wird er weit hoch in die Luft katapultiert, kann wenig später aber lebend geborgen werden; offensichtlich hat ihn der Tod noch nicht gewollt, obwohl er nach eigenen Angaben bereits "Petrus Arsch gesehen" haben will. Doch seiner Meinung nach waren seine Seestiefel zu schwer, so schwer, dass die Schwerkraft ihn wieder hinunter auf die Erde gezogen hat. Kurz darauf heuert LAURIDS in Hamburg auf einem Segler an und verschwindet zunächst spurlos. Als sein ältester Sohn, ALBERT MADSEN alt genug ist, tritt er - wie dies sich für einen Marstaler gehört - in die Fußstapfen seines Vaters und wird ebenfalls Seemann, das Schicksal der männlichen Bevölkerung Marstals. ALBERT macht sich auf den Weg, über die Meere, auf die Suche nach seinem Vater und dessen legendären Seestiefel. Auf seiner "Irrfahrt" findet er den Schrumpfkopf von James Cook und irgendwann auch seinen Vater, der inzwischen auf einer Südseeinsel ein neues Leben begonnen hat und sich völlig entfremdet hat. Desillusioniert verläßt ALBERT seinen Vater wieder, nicht aber ohne die Seestiefel mit zu nehmen. Nachdem ALBERT weiter die Meere befahren hat, kehrt er Jahre später zurück nach Marstal, das inzwischen über die zweitgrößte Segelschiffflotte Dänemarks verfügt und läßt sich als Reeder nieder. Gleichzeitig nimmt er sich der Halbwaise KNUD ERIK FRIIS an. KNUD ERIKs Vater ist - wie sehr viele Marstaler Seeleute - "auf See geblieben". Dennoch kann seine Mutter, KLARA FRIIS, die seitdem dafür kämpft, dass es in Marstal keine Seefahrt mehr gibt, ihn nicht davon abbringen, auch Seemann zu werden. KNUD ERIK packt als Jugendlicher seine Sachen und fährt ebenfalls zur See, wobei er über Jahre weg ist. Hin und wieder erreicht ihn lediglich mal ein sorgenvoller Brief seiner Mutter. Schließlich bricht der 2. Weltkrieg aus und KNUD ERIK und seine Mannschaft haben nicht nur mit der Unvorhersehbarkeit der Naturgewalten zu kämpfen sondern müssen auch höllisch aufpassen mit ihrem Schiff nicht Opfer einer Mine, eines Torpedos oder einer Bombe zu werden...

FAZIT:

Ein großartiger Roman! Eine Mischung aus Historien-, Seefahrer-, Abenteuer- und Lausbubenroman. Streckenweise wurde ich an Robert L. Stevenson und Jack London und deren Abenteuerromane oder an Mark Twains Geschichten um Tom Sawyer und Huckleberry Finn erinnert.

CARSTEN JENSEN schildert nicht nur das Schicksal der Seeleute von Marstal und deren "zurückgebliebenen" Frauen. Weil seinerzeit die Handelsschiffahrt unter Segeln das entscheidende wirtschaftliche Element Dänemarks war, wird anhand des Aufstiegs und Reichtums sowie dem Anschließenden Niedergang Marstals auch ein Teil der Geschichte Dänemarks erzählt. Marstal ist nicht nur die Heimatstadt des Autors, sondern steht in seinem Roman auch für das ganze Dänemark.

WIR ERTRUNKENEN zeigt aber nicht nur die (Seefahrt-) Geschichte Dänemarks auf, sondern auch die zunehmende Verrohung der Menschheit bei kriegerischen Auseinandersetzungen. Handelt es sich bei dem "Schleswig-Holsteinischen Krieg" noch um eine "Veranstaltung" ohne Einbeziehung der zivilen Bevölkerung, wobei nach Ende der "Schlacht" auch der Feind noch "Mensch" bleibt und entsprechend behandelt wird, erfährt die kriegerische Auseinandersetzung im 1. Weltkrieg - insbesondere - durch den Einsatz der perfiden U-Boot-Waffe ein zunehmendes Ungleichgewicht, wobei die U-Boot-Besatzungen sich aber nach einem Volltreffer immerhin noch human und fair um die Überlebenden gekümmert haben. Im 2. Weltkrieg verliert der Krieg dann jede Rücksichtnahme und Humanität; es wird nicht nur - wegen der Einsatzweite der Waffen (U-Boote wie Flugzeuge) - weitestgehend anonym auf alles geschossen und gebombt; sondern auch auf die (zunächst) Überlebenden wird noch gnadenlos Jagd gemacht, dies führt sogar dazu, dass ein (Haupt-) Protagonist des Romanes in einer Szene einen abgeschossenen deutschen Piloten, der mit Gesten um Gnade bettelt, vorsätzlich gezielt erschießt. Schließlich läßt CARSTEN JENSEN seine Geschichte "messerscharf" genau am 04.05.1945 um 20:30 Uhr enden. Zu diesem Zeitpunkt wurde über Radio die Nachricht verbreitet, dass die Deutschen katipuliert hatten. Allerdings läßt CARSTEN JENSEN seine Leser nicht ohne verhaltenen Optimismus zurück, denn bei einem Seekampf wird "Bluetooth" geboren. Die komplette Mannschaft von KNUD ERIK bemüht sich sofort rührend um den kleinen Säugling und es wird klar, es muß eine (bessere) Zukunft geben...

Auf meiner Taschenbuchausgabe befindet sich auf der Titelseite ein Aufkleber mit dem Text: "Was für ein Buch, was für ein gewaltiges Buch!" (wobei es sich um ein Zitat aus DIE ZEIT handeln soll); genau so ist es, dem ist nichts hinzuzufügen! Also viel Spaß bei dieser überzeugenden Lektüre...


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